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HACKSAW RIDGE - Mel Gibsons „pazifistische“ Horrorshow

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Fakten:
Hacksaw Ridge
USA. 2016. Regie: Mel Gibson. Buch: Andrew Knight, Robert Schenkkan. Mit: Andrew Garfield, Richard Pyros, Jacob Warner, Milo Gibson, Darcy Bryce, Roman Guerriero, James Lugton, Kasia Stelmach, Hugo Weaving, Rachel Griffiths, Jarin Towney, Tim McGarry, Tyler Coppin, Teresa Palmer, Richard Pratt, Nathaniel Buzolic uvm. Läng: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 26. Januar 2016 im Kino.


Story:
Hacksaw Ridge spielt zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die Vereinigten Staaten kämpfen nicht nur an der europäischen Front, sondern auch im Pazifik rund um Japan. Unter den jungen eingezogenen Männern, die auf den nördlichen Teil der japanischen Insel geschickt werden, ist auch Desmond T. Doss (Andrew Garfield). Er macht sich während der Kämpfe als Sanitäter im 77. Regiment der 307. Infanterie als einer von vielen Soldaten verdient. Doch eines macht Doss zu etwas Besonderem: Er trägt keine Waffe bei sich. Auch wenn sein eigenes Leben bedroht ist, weigert er sich, das Leben eines anderen Menschen zu nehmen.




Meinung:
Nun ja, ist ja nichts Neues, dass die Filmfestspiele in Venedig auf blutgeile Propaganda stehen. Als es in jüngsten Kritikerzirkeln oder eben auch auf Seiten wie Rottentomatoes hieß, dass Mel Gibson mit seiner aktuellen Regiearbeit „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ein Jahrzehnt nach „Apocalypto“ eine mordsmäßige Rehabilitierung einheimsen würde, war zumindest das Mordsmäßige daran nicht gelogen. Seit jeher geblieben sind bei ihm nämlich vor allem der unverbesserliche Hang zum Pathos und zur katholischen Allegorie im Blutvergießen, gebettet in ein Weltbild vom Dasein im Schlachten, stets energisch zwischen Gut und Böse aufgeteilt, bei denen die vagen Grauzonen nur noch für extrem verzweifelte Apologeten Gewicht haben können, während mindestens eine Gesellschaftsgruppe wieder verprellt wird. Interessant ist dabei, dass Gibsons neuer Film in einer Zeit spielt, die Extreme für selbstverständlicher hielt, eben im zweiten Weltkrieg vom guten Amerika aus die Werte der freien Welt gegen das Grauen der Achsenmächte verteidigte, in der Natur des Krieges daher auch für Widersprüche bereit war, die dem Töten im demokratischen Auftrag einen Freifahrtschein ausgaben. Genau diesem Widerspruch versucht der Film anhand von Desmond Doss (Andrew Garfield) einen potenziellen Diskurs zu bescheren, im Endeffekt formiert sich die Gestaltung zum Narrativ selbst jedoch zum vollkommenen Widerspruch. Er schwärmt vom Pazifismus und dem Gebot „Du sollst nicht töten“, scheint diese ethischen Grundpfeiler aber nur als Vorwand aufzuspannen, ehe er seine wahre Dynamik im aufgegeilten Gemetzel der Militärmaschinerie ausspielt. Das Prozedere dorthin zeigt zumindest insofern noch einen anpassungsfähigen Mel, da seine Einleitung schon so formelhaft und austauschbar wie das Gros ähnlicher Filme ausfällt, von Look und Sound her ebenso mühelos als kontemporärer Standard vom Schlage „Unbroken“ gewertet werden kann. Selbst die unsäglich offensichtlichen Greenscreen-Kulissen dieser Tage sind vertreten, wenn Drehort Australien als Vereinigte Staaten oder später auch Japan herhalten soll.


Die technische Routine darin ist allenfalls noch solide genug wegzugucken, schließlich war ein Gibson nie so virtuos wie es sein Fokus auf Schlachtengemälde manchmal erscheinen lässt. Deshalb ist der Biopic-Baukasten vom Einzelnen für die große Sache schnell gebastelt, um gleichsam fix wie möglich zum Blut zu gelangen – und dafür muss nicht mal Krieg herrschen. Die unmissverständliche Ader des Filmemachers Gibson spritzt sich zeitgleich dazu aus, direkt auf den Grabstein des Heldenfriedhofs, wo Blut und Boden zum Veteranenschmerz gemoddet wird. Symbolik wird ohnehin ein großes wie aufgeblähtes Stichwort in der Sprache des Films, mit der Gibson Patrioten und Christen zugleich erreichen will, demnach sind die einschneidenden Lebensmomente von Desmond Doss auch vom Charakteraufbau mehr Momente als Leben, ein durch und durch versimpeltes Melodram, das die Abneigung vor der Gewalt im vom ersten Weltkrieg frustriert-traumatisierten Vater Tom (Hugo Weaving) begründet, währenddessen aber auch wortwörtlich auf die ausgestellten Gebote blickt. Das Drehbuch von Robert Schenkkan und Andrew Knight (Autor des ähnlichen „Das Versprechen eines Lebens“) bietet von den Dialogen her zumindest die Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen und im Rahmen der Umstände auch ambitioniertes Schauspiel zu ermöglichen, doch authentisch ist es nur insofern, wenn die Einfachheit des damaligen Zeitgeists mit einberechnet, innerhalb des Schlachtfelds erst recht fortgeführt wird. Vorher aber probiert der Film noch wie gehabt fürs amerikanische Herzblut die Romantik zur Krankenschwester Dorothy (Teresa Palmer), die Desmond ausgerechnet dann trifft, nachdem er einem Verunglückten beim Ausbluten seiner Arterie nicht mehr zusehen konnte, den Flirt mit ihr sodann mit Blutspenden kombiniert und jenes Gespendete keck zurückverlangt, weil die gute Miss Schutte sein Herz ja so verrückt spielen lässt. Ist er nicht ein drolliger Naivling auf den Spuren von Forrest Gump? Oder eher: Romantisiert Gibson einen Fetisch zum Aderlass?


Letzteres ist eine der spannenderen Fragen im Zuge einer prekären Verantwortung, die der zweite Weltkrieg bei Eintritt in die Handlung zur Debatte stellt, im Call to Arms schon die Doss-Familie zu zersprengen droht, wenn der Vater seine Söhne wegsterben zu sehen glaubt. Die Ängste sind rechtens, die historische Relevanz des Kämpfens aber unbestritten, so kriegt Gibson den Zuschauer ohne Weiteres auf seine Seite, was natürlich dann streitbar wird, wenn der Kontext zur Gegenwart im Grunde daraus interpretieren lässt: Wer eine PTBS aus Irak hinüber getragen hat, muss dennoch einsehen, dass der IS mit allen Mitteln und Opfern besiegt gehört. Gibsons Film bereitet uns (auch gemessen am positiven Echo) vermutlich mehr auf die Zukunft der USA vor, als manch objektiver Kritiker es wahrhaben will, wenn dieser auf die Distanz im historischen Schauplatz hinweist. Gibson selbst baut jedoch noch weitere, mehr oder weniger effektive Schutzmechanismen ein, wenn sein Held humanitär agieren will und dafür hart gegen die Riten des geläufigen Soldatenlebens anzukämpfen hat. Jenes Segment darf sich als „Full Metal Jacket“-Faktor des Films behaupten, endlich auch für längere Zeit die Musik von Rupert Gregson-Williams abschalten, wenn mal nicht nach Art des Veit-Harlan-Rührstücks „Immensee“ die Sehnsucht zur Versprochenen aus der geschenkten Mini-Bibel heraus gekramt wird. Ziemlich direkt wird daher die Brutalität im zwischenmenschlichen Umgang präsentiert, wenn Drill Sergeant Howell (Vince Vaughn!) schon bei der Auswahl der Spitznamen seiner Rekruten (u.a.: Ghoul, Private Idiot, Chief) Hass, Machtspiele und Rassismus ausruft, zudem gegen die religiösen Belange Desmonds konspiriert, keine Waffe anfassen zu wollen. Dessen permanente Stärke zum Erhalt der Werte - im Angesicht zur Bürokratie sowie drangsalierenden Mitstreitern, welche ungefragt den Regeln des Krieges ergeben sind - bietet einen Kontrast, der eine ideelle Plattform für Grauzonen der human condition lanciert hätte, in Mindestmaßen auch erfüllt zu werden scheint. Stattdessen aber kommen externe Faktoren wie Soldatenehre und Glaube ins Spiel, um von der Deus Ex Machina et Deus direkt ins Blutbad zu springen.


Dort scheint Gibson dann mit David Ayer um die reißerischsten Körperzerfetzungen (u.a. am absichtsvoll genannten Gefreiten Hollywood) zu konkurrieren, wenn die Kamera vollends den Schock lebt, sogar repetitiv durchlebt. Er malt den Krieg darin schließlich so schwarz-weiß („We're not in kansas anymore“, heißt es ironischerweise), wie es vorhersehbarer und räudiger nicht sein könnte, besetzt mit einer Gegnerfront an Japanern, die im Kamikaze wie aus einem modernen Horrorfilm scheinen - einmal sind sie sogar regelrechtes Jumpscare-Futter. Wie bei „Passion Christis“ singulären „Not all jews were bad“-Momenten versucht Gibson den xenophoben Eindruck noch durch genau zwei Momente zu kippen, wenn Desmond neben seinen verletzten Kameraden auch Japanern medizinische Unterstützung zukommen lässt, doch das Gleichgewicht zu blutrünstigen Eindrücken des gegnerischen Menschenschlages ist alles andere als Zen. Klar, es ist Krieg, keine Zeit für politische Korrektheit, ist angekommen. Das Auskosten des blutigen Treibens jedoch - in Zeitlupe gebettet, permanent am Schreien, Verbrennen und Durchsieben - wirkt in einem Film über die Entsagung direkter Gewalt mehr als befremdlich und heuchlerisch. Besser wird es dann auch nicht, wenn Gibson noch um die Empathie zum Heldentum von Doss bettelt und nach Superhelden-Manier inszeniert, darin aber nur die Spitze des Eisbergs seiner größtenteils von Subtilität befreiten Signale als Regisseur aufzeigt. Das wahre Ungetüm zeigt sich nämlich im Schlussakkord, welcher in seiner Bestialität und Plattitüde für lange Zeit ungeschlagen bleiben wird, im Alleingang alles niederballert und die Japaner im Angesicht der Heiligkeit Harakiri begehen lässt – schließlich ist der Glauben kompromissbereit, wenn den guten Jungs geholfen wird, die auch nur aus Pflichtbewusstsein am Krieg teilnehmen. So kann man sich das wohl zurechtlegen und ganz von der Wahrheit weg lässt sich das Ganze ebenso nicht positionieren. Aber das ist dann doch zu wenig im Vergleich zur Kontroverse dieses Films, um dessen War-Gore als pazifistisches Heldendenkmal vermitteln zu können. Streitbarkeit an sich ist gewiss kein Widerspruch zu Qualität, zudem ist Gibsons Film beileibe auch kein Paradebeispiel für lückenlosen Jingoismus, doch eine sichere Bank ergibt sich daraus noch lange nicht. Außer offenbar in Venedig und im Herzen Amerikas.

3,5 von 10 Blutflecken

vom Witte

Review: POINT BREAK - Und ich schieße in die Luft...

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Fakten:
Point Break
USA, 2015. Regie: Ericson Core. Buch: Kurt Wimmer. Mit: Luke Bracey, Edgar Ramirez, Ray Winstone, Teresa Palmer, Matias Varela, Clemens Schick, Delroy Lindo, Tobias Santelmann, Max Thieriot, Nikolai Kinski u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Früher war Utah Extremsportler und YouTube-Star, nun strebt er eine Karriere beim FBI an. Gleich in seinem Bewährungsfall kommt ihm sein Talent zunutze. Eine Serie von spektakulären Überfällen quer über den Globus, deren Täter offenkundig selbst über unglaubliche, sportliche Fähigkeiten verfügen und kein Risiko scheuen. Utah gelingt es sich das Vertrauen der Verdächtigen zu erschleichen, wird selbst Mitglied ihrer Bande, aber im entscheidenden Momente kann er Professionalität nicht von Emotionalität trennen…

                                                                               

Meinung:
Irgendwie surreal, dass nun auch Kathryn Bigelow’s „Point Break“ („Gefährliche Brandung“) inzwischen schon 25 Jahre auf dem Buckel hat und somit „alt“ genug, um reif für den Remake-Fleischwolf zu sein. Sieht man sich das Original heute nochmal man wird einem erst bewusst, wie wenig der Film – trotz seines unverkennbaren Früh-90er-Stil- und Zeitgeistes – eine Neuinterpretation nötig hat. Gerade weil ihm diese Attribute zu einem Klassiker des Actionthrillers anwachsen ließen. Was zählt der Ruhm vergangener Tage, wenn es ein neues Publikum zu erobern gilt…und kreative Drehbücher im Mainstreamkino nicht von den Bäumen fallen.


T-Shirts machen ihn nur hässlicher.
Gerne würde man versuchen, diese Version isoliert von der geistigen Vorlage zu betrachten und zu bewerten, denn immerhin wird kein ganz uneigenständiges 1:1-Remake zusammen gewerkelt. Das ursprünglich als Basis dienende Surfer-Milieu ist nicht mal mehr als eine Randerscheinung, der Sport nur ein minimaler Baustein im globalisierten Jagd nach der Extreme. Plakativ wird alles größer, umfassender vorgetragen, von erzählen kann dabei kaum gesprochen werden. Denn mit dem Erzählen einer Geschichte hat der neue „Point Break“ erschreckend wenig am Hut. Von seinem groben Inhalt natürlich gleich, mit einigen für nötig befundenen, praktisch unvermeidlichen Reminiszenzen versehen (die gen Himmel gefeuerten Kugeln, die finale Konfrontation), transportiert der Film vom gelernten Kameramann Ericson Core sein gesamtes Können ausschließlich über die Bilder, die zugegeben an manchen Stellen recht beeindruckend ausfallen. Und doch ist es lange nicht so malerisch wie einst bei Bigelow. Dort war es die Kombination aus verträumt-schönen, ruhigen Passagen und für seine Zeit bald ultimativ-dynamischen Actionsequenzen, hier ist es in opulenter, rein auf die Action fokussierter Clip-Ästhetik, was durchaus seinen Schauwert besitzt.


Ich bin dann mal weg...
Darüber hinaus bleibt alles ein ausgehöhltes, blasses Gerippe, das wenig interessiert an seinen Figuren und ihrer eigentlich essentiell wichtigen Beziehung zueinander ist. Ein zwischenmenschliches Dilemma aufgrund einer beiderseitig erbblühten Zuneigung wird zwar benutzt, verständlich aufgebaut jedoch nicht. Warum plötzlich Pro- und Antagonist sich so schwierig, konfliktbeladen nahe sind, es stand halt so im Skript. Oder eher in dem, was noch aus der Feder der alten Autoren stammte. „Point Break“ ist so sehr in die Neuzeit modifiziert, dass er sich nicht nur weitläufiger, spektakulärer und rastloses präsentieren will, er ist auch genauso oberflächlich und unsympathisch. Die Lagerfeuerromantik und das schlichte Streben nach Adrenalin sind zu wenig, zu Hippie-verseucht. Heute werden platte Öko- und Sozialphrasen gedroschen, während permanent versucht wird sich möglichst cool selbst (und andere, die im Weg stehen) umzubringen und – das ist mal konsequent - zu Was-kostet-die-Welt-House-Partys auf die Kosten reicher Hobby-Kapitäne abfeiern zu lassen. Selbstdarstellung und doppelmoralisches Geblubber, damit ist „Point Break“ tatsächlich ein Kind unserer Zeit. Mögen muss man das deshalb noch lange nicht. Nur hoffentlich feststellen, was man an „alten“ Dingen zu schätzen weiß.


Mit Sicherheit kein hässlicher, nur ein extrem belangloser und identitätsloser Film. Kann mit einigen Aufnahmen kurzzeitig Eindruck schinden und verfällt danach gleich wieder in den Stand-By-Modus. Wer eh nur ab und zu zum Bildschirm schielt und einen Film nur Aufgrund seiner Optik zu schätzen weiß, viel Spaß. Und ohne jetzt Keanu Reeves unnötig in den Himmel zu loben: So uninteressant wie sein Pendant Luke Bracey war er zu seinen schlimmsten Zeiten nicht. 

3,5 von 10 Tickets fürs Nirvana

Review: CUT BANK – KLEINE MORDE UNTER NACHBARN – Der Traum vom Ausbruch

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Fakten:
Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn
USA, 2014. Regie: Matt Shankman. Buch: Roberto Patino.
Mit: Liam Hemsworth, John Malkovich, Teresa Palmer, Billy Bob Thornton, Michael Stuhlbarg, Oliver Platt, Bruce Dern, Peyton Kennedy, Ty Olsson, Tom Carey, Christian Distefano u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 24. September auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Seit er vor ein paar Jahren die High School abgeschlossen hat, träumt der junge Dwayne davon, die miefige Kleinstadt Cut Bank zu verlassen. Doch erst, als er zufällig Zeuge eines Mordes wird und er das Ganze filmt, könnte sich ihm die Möglichkeit bieten, mit Freundin Cassandra irgendwo anders als in Cut Bank neu anzufangen. Doch von nun an hat jede seiner Entscheidungen verheerende Folgen, die beweisen, dass das Verbrechen auch im kleinsten Nest ein Zuhause findet. Der gutherzige und vom ersten Mord in der kleinen Stadt völlig überrumpelte Sheriff ist komplett überfordert und stolpert durch die Ermittlungen und Dwaynes Vater stellt seine eigenen Nachforschungen im Mordfall an...




Meinung:
Es ist eine sich ständig in Rotation befindende Wechselbeziehung, die zwischen dem Film- und Serienmarkt momentan zu beobachten ist: Prominente Regisseure, die sich durch ihre Arbeiten im Filmsektor längst einen Namen gemacht haben (wie zum Beispiel David Fincher, Frank Darabont oder etwa Martin Scorsese), versuchen sich daran, im Serienfach Fuß zu fassen, um sich ein Stück vom reichhaltigen Kuchen des „goldenen Zeitalters des Fernsehens“ abzuschneiden. Auf der anderen Seite probieren sich andere Künstler wiederum genauso daran, Abstand vom seriellen Erzählen zu nehmen und einen abendfüllenden Spielfilm in Szene zu gießen – So zum Beispiel Matt Shakman. Der Yale-Absolvent hat in der Vergangenheit durch Regiearbeiten innerhalb hochwertiger Erfolgsformate wie „Six Feed Under – Gestorben wird immer“, „Mad Men“ oder zuletzt „Fargo“ auf sich aufmerksam gemacht, um nun mit „Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn“ sein verheißungsvolles Filmdebüt vorzustellen.


Dwayne wird zum Zeugen eines Verbrechens
Das Ergebnis allerdings setzt Ernüchterung frei und man scheint offenkundig gewillt, Matt Shakman die gutgemeinte Empfehlung auszusprechen, schnellstmöglich zurück in das Seriensegment zu kehren – ihm liegt der Erzählrahmen separater Episoden eindeutig mehr. Dabei ist unverkennbar, dass „Fargo“ einiges an Eindruck in Shakman hinterlassen hat, lassen sich in „Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn“ doch einige Ansätze identifizieren, die nicht nur den Kultfilm von Joel und Ethan Coen so brillant gemacht haben, sondern auch die exzellente Serie aus dem Hause FX. Im Mittelpunkt nämlich steht mit Dwayne McLaren (Phlegmatisch: Liam Hemsworth, „Die Tribute von Panem“-Franchise) ein junger Mann, der seit Jahren schon davon träumt, das verschlafene 3000-Einwohner-Kaff Cut Bank, Montana, endlich hinter zu lassen. Und wie es für das
Œuvre der Coens, aber auch explizit für den schrulligen Mikrokosmos in Minnesota Gang und Gäbe ist, setzt sich Dwayne zwar ein durchaus nachvollziehbares Ziel, ist in der Auswahl der Mittel, um seinen Traum vom Ausbruch in die Tat zu setzen, alles andere als gewitzt.


Irgendwo zwischen verhärmten Griesgramen (Billy Bob Thornton, „Der Richter – Recht oder Ehre“), kurzsichtigen Postboten (Bruce Dern, „Nebraska“) und Gesetzeshütern, die nicht mit Verbrechen umgehen können (John Malkovich, „R.E.D. - Älter, härter, besser“), pflegt „Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn“ den pelzigen Retorten-Charakter, den eine solch einförmig-energielose Ultralight-Version von „Fargo“ nun mal mit sich bringen muss. Matt Shakman ist zu keiner Zeit in der Lage, seinem moralisierenden Narrativ einen gewissen eigendynamischen Flow einzuverleiben, stattdessen dümpelt „Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn“ als furchtbar dröge Luftnummer durch das provinzielle Nest, von dem maximal die pittoreske Rapsfelder im Gedächtnis bleiben. Nein, „Cut Bank – Kleine Morde unter Nachbarn“ ist einer dieser Fehlschläge, die man vollkommen teilnahmslos über sich ergehen lässt, um schlussendlich höchstens der durchaus ansehnlichen Besetzung hinterher zu trauern. Aber selbst der merkt man fortwährend an, dass sich die Lust an diesem prinzipiell vielversprechenden Projekt dann doch in klaren Grenzen gehalten hat.


3,5 von 10 Schüssen in die Brust


von souli

Review: WARM BODIES - Untot sein schützt vor Liebe nicht

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Fakten:
Warm Bodies
USA. 2013. Regie: Jonathan Levine. Buch: Jonathan Levine, Isaac Marion (Vorlage). Mit: Nicholas Hoult, Teresa Palmer, Rob Corddry, John Malkovich, Analeigh Tipton, Dave Franco, Cory Hardrict, Patrick Sabonugi, Tod Fennell u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
So ein Zombieleben ist schon verdammt einseitig. Die Welt um einen ist genauso verfallen wie man selbst, mit den anderen Untoten sind richtige Konversationen so gut wie unmöglich und ob es einem jetzt gefällt oder nicht, aber das einzige was an essen will ist Menschenfleisch. Zombie R hat es also nicht leicht, doch als er Julie trifft, die gerade mit anderen Überlebenden nach Vorräten sucht begegnet, verliebt sich R Hals über Kopf in sie und bewahrt sie sogar vor seinen untoten Kollegen. Es scheint fast so, als ob R durch die Liebe zu Julie nach und nach immer menschlicher wird.




Meinung:
Eigentlich ist „Warm Bodies“ eine direkte Weiterleitung des erfolgreichen „Twilight“-Franchise. Statt Vampiren und Werwölfen geht es in Jonathan Levines Horror-RomCom eben um Zombies und die große, unschuldige Liebe. Doch Levine weiß zum einen, für was die wandelnden Untoten stehen und zum anderen verballhornt er deren Mythologie nicht mit unsinnigen Änderungen, welche die Gefahr, die von Zombies ausgeht verharmlost. Stattdessen präsentiert er Erklärungen für gewisse Verhaltensmuster der Wiedergänger und reichert diese mit einer guten Prise Witz und Emotionen an. Besonders hilfreich dafür ist der Voice-Over-Kommentar von R. Warum Zombies z.B. am liebsten Menschenhirn fressen, was ein Zombie über andere Untote denkt und wie viel Mensch von in ihm drin ist, bringen diese Kommentare amüsant zum Vorschein und fast lässt „Warm Bodies“ die Vermutung zu, er wäre eine Komödie durch und durch, aber schon recht bald wird das vornehmlich Komische in die hinteren Reihen verbannt und eine zarte Liebesgeschichte zwischen Überlebender und untotem Jungen beginnt, auch wenn diese Romanze lange Zeit erst einmal nur einseitig besteht.


Zwei Zombies unter sich
„Warm Bodies“ lebt voll und ganz von seiner Grundidee und dem Film gelingt es, diese zu nutzen, ohne sie bis zum repetitiven Ausverkauf zu bringen. Dazu gelingt es die Liebe zwischen R und Julie wesentlich herzlicher und wärmer zu präsentieren, als etwa die von Depri-Nuss Bella und ihrem Kalkleisten-Vampir Edward. Dass Levine die neue, von Untoten besetzte, Welt atmosphärisch inszeniert, hilft dabei der Geschichte von „Warm Bodies“ zu folgen, ohne allzu schnell zu ermüden. Und auch das Levine keine Scheu davor hat Gefühle unironisch und ungehemmt zu zelebrieren, ohne dabei in die Kitschfalle zu gehen, verhilft der Verfilmung des Romans von Isaac Marion zu einem anfänglich umfangreichen Unterhaltungswert. Das Problem was „Warm Bodies“ aber hat, ist dass er nach einem gelungenen Auftakt immer wieder ins Stocken gerät. Das Amüsante, was zu Beginn im Vordergrund stand und mit Klischees sowie Erwartungen des Zombie-Films spielte und diese teilweise sogar clever und charmant kokettierte, wird ausgebremst und zurück gefahren. Die Geschichte wird dann immer gläserner und entbehrt echter Überraschungen. Im Vergleich zum grandiosen Start verliert „Warm Bodies“ im weiteren Verlauf viel von seiner anfänglichen Kreativität und die Übertragung von Romeo und Julia in eine post-apokalyptische Welt bringt zwar einige nette Verweise hin zum klassischen Stoff, lässt den Film aber auch etwas bieder und langgezogen erscheinen.


„Warm Bodies“ gelingt es leider nicht seinen anfänglichen Schwung beizubehalten. Die Komik wird von der Romantik überrannt, die sich jedoch als äußerst über-brave Angelegenheit entpuppt. Regisseur und Autor Jonathan Levine, dessen bester Film immer noch sein grandioses Debüt „The Wackness“ ist, empfiehlt sich zwar auch weiterhin als großer Regisseur der Zukunft, allerdings fühlt sich sein „Warm Bodies“ dann doch eher lauwarm an.


5,5 von 10 Gehirnsnacks