Sausage
Party - Es geht um die Wurst (Sausage Party)
US,
2016. Regie: Conrad Vernon, Greg Tiernan. Drehbuch: Seth Rogen, Evan
Goldberg, Kyle Hunter, Ariel Shaffir. Mit: Seth Rogen, Kristen Wiig,
Jonah Hill, Bill Hader, Michael Cera, James Franco, Danny McBride,
Paul Rudd u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im
Kino.
Story:
In
einem Supermarkt hoffen die Lebensmittel sehnlichst darauf, von
Menschen eingekauft zu werden. Für sie sind Menschen gottgleiche
Wesen, die sie mit ihrem Einkauf in eine Art Paradies befördern. Vor
allem das Würstchen Frank kann es kaum erwarten, aus der Packung
genommen und endlich mit seinem heißgeliebten Brötchen Brenda
vereint zu werden. Als ein Senfglas nach dem Kauf wieder umgetauscht
wird, berichtet es allerdings grauenvolle Details von der anderen
Seite. Die Lebensmittel werden mitunter misstrauisch und wollen
herausfinden, was außerhalb des Supermarkts mit ihnen geschieht...
Meinung:
Vielleicht
war der Wechsel hin zum Animationsfilm der einzig konsequente Schritt
für Evan Goldberg und Seth Rogen. Nachdem das Comedy-Duo
mittlerweile über eine Vielzahl von Filmen wie "Superbad",
"This Is the End" oder "Bad Neighbors" hinweg ihr
typisches Humor-Konzept in Form von vulgären Wortspiele, verkifften
Exzessen, unangenehmer Situationskomik und spaßigen
Popkulturreferenzen ausschöpfte, wurde es so langsam Zeit für einen
Tapetenwechsel. Selbst der Diktator Nordkoreas war vor den beiden
nicht sicher und wurde in "The Interview" zur Zielscheibe,
was vorab eine regelrechte Kontroverse auslöste. Nun hat das Duo den
Horizont gewissermaßen erweitert und eine ungezügelte
Animationskomödie geschaffen, die zum ersten Mal seit "South
Park: Bigger, Longer & Uncut" mit einem R-Rating versehen
wurde.
Was die Lebensmittel da wohl gerade sehen?
Dieses
Rating wird in "Sausage Party" auch prompt bis zur
Schmerzgrenze ausgereizt, wenn dem Zuschauer bereits in den ersten
Minuten nach einer anfangs heiteren Gesangseinlage mehr Schimpfwörter
um die Ohren fliegen als er zählen kann. In der Geschichte des Films
geht es um Lebensmittel in einem Supermarkt, deren größter Traum
darin besteht, von den Menschen, die sie als Götter ansehen,
eingekauft zu werden und dadurch in eine Art Paradies zu gelangen, in
dem sie ein Leben in vollkommener Glückseligkeit erwartet. Als
allerdings so langsam klar wird, was mit den Lebensmitteln alles
passiert, sobald diese in den Haushalt der Menschen gelangen,
entwickelt sich das Schicksal einzelner Charaktere zu einem
knallharten Überlebenskampf, während ein Großteil immer noch am
Glauben an ein höheres Paradies festhält. Überraschenderweise
haben die Autoren in ihrem Werk ein paar Überlegungen zu blindem
Fanatismus, Atheismus und Konflikten zwischen ethnischen Minderheiten
parat, die man ihnen vorab vermutlich gar nicht zugetraut hätte.
"Sausage Party" offenbart in einigen Szenen jedoch durchaus
kritische Momente, in denen unterschiedliche Ansichten und
Konfliktpunkte bezüglich Glaube, Religion oder Sexualität
hinterfragt werden.
Erste Verluste lassen nicht lange auf sich warten
Über
weite Strecken dominiert jedoch der gewohnte Humor des
Goldberg/Rogen-Duos, der sich hier bedauerlicherweise zu sehr abnutzt
und nicht immer richtig in das Korsett einer eher zweitklassig
animierten Komödie passen will. Sexuelle Anspielungen von Würstchen,
die sich gerne ganz tief in den Öffnungen der Brötchen vergraben
wollen, endlose Schimpfwort-Kaskaden oder ein willkürlich
eingestreuter Drogentrip offenbaren wenig, was man mittlerweile nicht
schon zuhauf in den anderen Filmen der Autoren gesehen hat, weshalb
"Sausage Party" zu oft den Eindruck von altem Wein in neuen
Schläuchen erweckt. Die Momente, in denen die absurden Möglichkeiten
des zugrundeliegenden Konzepts auf offensivste Weise ausgetestet
werden, sind aber trotzdem von großartigen Einfällen geprägt. Wie
hier bisweilen Impressionen von Kriegsszenarien reflektiert oder
grausame Todesarten der Lebensmittel auf ebenso bizarre wie
intelligente Weise realisiert werden, lässt erahnen, was für ein
gewaltiges Potential in diesem Werk schlummert. Ausgeschöpft wird es
von den Verantwortlichen allerdings nur in vereinzelten Szenen,
zwischen denen sich immer wieder humoristischer Stillstand bemerkbar
macht, bei dem der Eindruck entsteht, die Idee für einen grandiosen
Kurzfilm musste irgendwie zu einem Langfilm gestreckt werden.
Zur
Höchstform läuft "Sausage Party" dann aber im großen
Finale auf, in dem sich der Streifen schließlich in einen
gigantischen Exzess verwandelt, welcher die ansonsten eher
gemütlichen Sehgewohnheiten des Genres endgültig zerschmettert. Nur
alleine für diesen Schlussakt, bei dem die Reaktionen zwischen
schrillen Lachkrämpfen, peinlich berührter Befremdlichkeit und
ungläubigem Entsetzen pendeln dürften, lohnt sich die Sichtung
dieses Animationsfilms, in dem sich ansonsten wirklich unterhaltsame
Einzelmomente mit redundanten Gags und einer Geschichte abwechseln,
in der durchaus nachdenkliche, tiefgründige Ansätze auf platten
Leerlauf treffen.
US,
2015. Regie: Jonathan Levine. Buch: Jonathan Levine, Evan Goldberg,
Ariel Shaffir, Kyle Hunter. Mit: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt,
Anthony Mackie, Jillian Bell, Lizzy Caplan, Mindy Kaling, Michael
Shannon, James Franco, Miley Cyrus u.a. Länge: 101 Minuten. FSK:
Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 24. Mai 2016 auf DVD und Blu-ray
erhältlich.
Story:
Die
drei Freunde Ethan, Isaac und Chris verbringen die Weihnachtsnacht
jedes Jahr gemeinsam, um ausgelassen zu feiern. Es ist eine
Tradition, die sich nun dem Ende entgegen neigt, denn Isaac hat
mittlerweile eine schwangere Frau und Chris ist ein erfolgreicher
Sportler, der seinen eigenen Weg geht. Ein letztes Mal will es das
Trio allerdings nochmal so richtig krachen lassen...
Meinung:
Zunächst
wirkt "Die Highligen Drei Könige" ein wenig wie ein
Inside-Joke. Eine wohlig den Bogen überspannende Vereinigung alter
Freunde, die traditionell den vorweihnachtlichen Abend durchfeiern,
obwohl zwei von drei mittlerweile einem eigenen Leben entwachsen sind
und es diesmal wahrscheinlich die letzte Party als ausgelassenes Trio
werden dürfte. Regisseur
Jonathan Levine vernachlässigt seinen eigenen Stil wenig
überraschend, um sich voll und ganz dem über die letzten Jahre
hinweg etablierten Rogen-Humor aus unverschämten Zoten,
popkulturellen Verweisen und absurder Situationskomik zu
verschreiben.
Bereit für die Nacht ihres Lebens
Anfangs wirkt die Zusammensetzung aus Seth Rogen,
Joseph Gordon-Levitt und Anthony Mackie so, als hätten die
Darsteller einfach ihren Spaß vor der Kamera, ohne dass der
Zuschauer allerdings stimmig in die Sause involviert wird. Der
Film fängt sich allerdings nach einem etwas holprigen Einstieg und
liefert genau das, was man sich erwarten durfte. Überraschungen sind
hier Fehlanzeige und man muss schon selbst wissen, ob es das ist, was
man will. Das bedeutet konkret: Man folgt dem Trio auf eine lose
durch das Leitmotiv Weihnachten zusammengehaltene Odyssee absurder
Einzelepisoden, in denen der gewohnte Wahnwitz zelebriert wird, wenn
auch nicht mit ganz so hoher Schlagzahl, wie man es bislang gewohnt
war. Seth Rogen rückt dabei zwischenzeitlich mehr in den Mittelpunkt
als die anderen, denn seine Figur Isaac bekommt von seiner Frau ein
Kästchen geschenkt, in dem sich alle Drogen befinden, die es gibt.
Das chaotische Resultat ist natürlich vorprogrammiert und führt
sicherlich zu den lustigsten Szenen des Films, in denen die größten
Lacher folgen dürften. Ansonsten darf James Franco auch mal kurz
vorbeischauen, Michael Shannon als Mr. Green einen herrlich
kryptischen Drogendealer spielen und Red Bull als überdeutliches,
fast schon dreistes Product Placement eingefügt werden. "Die
Highligen Drei Könige" ist aber keinesfalls nur auf Gags
ausgelegt, sondern versprüht ganz getreu der weihnachtlichen
Stimmung immer wieder überaus seichte Zwischentöne, in denen
angespannte freundschaftliche Verhältnisse, komplizierte
Liebesbeziehungen und das familiäre Umfeld mal besinnlich, mal
nachdenklich in den ungezähmten Tonfall miteinbezogen und
schlussendlich versöhnlich aufgelöst werden.
Dass
dieser gewöhnungsbedürftige Mittelweg nicht jedem gefallen wird,
ist klar. Aber warum auch nicht mal auf diese Art, es ist ja
schließlich Weihnachten, selbst im schrägen Mikrokosmos der
Rogen-Gang. Und dass der mittlerweile tot gehörte Pop-Song "Wrecking
Ball" von Miley Cyrus zudem noch auf gelungene Weise angestimmt
wird, ist ein kleines Geschenk des Streifens, das man ebenfalls gerne
annimmt.Wer
mit dem Humor von Seth Rogen bisher nichts anfangen konnte, wird mit
diesem Werk auf keinen Fall bekehrt. "Die Highligen Drei Könige"
wirkt wie eine Ansammlung gewohnter, humoristischer Bausteine, die
Rogen und seinen Co-Stars eine Spielwiese bieten, um gemeinsam vor
der Kamera Spaß zu haben und mit ihnen auch der Zuschauer. Dabei ist
der Film allerdings immer wieder auffällig gemäßigt, versucht sich
zusätzlich in ernst gemeinten Zwischentönen und endet aufgrund der
weihnachtlichen Atmosphäre versöhnlich wie friedfertig. Dieses
Verquicken von ungezügeltem Spaß und besinnlicher Festlichkeit
könnte abschreckend wirken, funktioniert aber trotzdem irgendwie auf
seine ganz eigene Weise.
USA, 2007. Regie: Greg Mottola.
Mit: Michael Cera, Jonah Hill, Christopher Mintz-Plasse, Bill Hader, Seth
Rogen, Martha MacIsaac, Emma Stone, Aviva Baumann, Kevin Corrigan u.a. Länge:
118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Kurz vor ihrem Highschoolabschluss
und dem Gang aufs College wollen Seth und Evan ihre letzte Chance nutzen, bei
den heißesten Mädchen der Schule zum Schuss zu kommen. Der Schlüssel dafür und
Eintrittskarte für deren Party: Alkohol. Gemeinsam mit Weichei Fogell und
dessen gefälschten Ausweis sollte das kein Problem werden. Natürlich läuft
alles aus dem Ruder…
Meinung:
„Hast du nie gehört wie eine gesagt
hat: „Ah, gestern Abend war ich so breit, hätte ich bloß nicht mit diesem Typen
gevögelt?“…Wir könnten dieser Fehler sein!“
Mehr als dieser Fehler sein zu
können rechnen sich Evan (Michael Cera) und Seth (Jonah Hill) überhaupt nicht
aus oder streben (offen) Größeres an. Rein optisch nicht unbedingt der Traum
jeder scharfen Highschoolbraut müssen sie sich ihre Nische suchen, um doch noch
vor dem näher rückenden Schulabschluss zum Ziel zu kommen. Alkohol muss ran,
nicht nur um ihre Chancen beim schönen Geschlecht zu erhöhen, sondern um
überhaupt erst auf der angesagten Party aufschlagen zu können. Der gefälschte
Ausweis von Mehr-oder-weniger-Kumpel Fogell (Christopher Mintz-Plasse) soll
ihnen das ermöglichen.
Drei coole Typen und ein todsicherer Plan.
Wenn das so einfach wäre wie es
sich anhört, wäre der Film nach 20 Minuten vorbei. Das nerdige Außenseiter-Trio
im Hormonstau erlebt eine Odyssee, in der auch zwei wenig pflichtbewusste
Polizisten eine entscheidende Rolle spielen, bis sie endlich auf der
heißersehnten Party eintreffen. Klingt alles nach dem typischen
Teenie-Krawall-Klamauk um saufen, ficken und eine Aneinanderreihung
erniedrigender Fremdschamaktionen, was hier den postpubertären Kiffer-Geistern
von Seth Rogen (auch als einer der Cops vor der Kamera aktiv) und Kumpel Evan
Goldberg unter der Schirmherrschaft von deren Dauerproduzent Judd Apatow
entsprungen ist. Dabei ist „Superbad“ hinter seinen (zahlreichen) Peniswitzen kein
derberer „American Pie“-Ableger, der seine Figuren ausgiebig der Lächerlichkeit
preisgibt und am liebsten über sie lacht, wenn sie mal wieder mit
runtergelassener Hose erwischt werden. Im Geiste ist der Film von Greg Mottola
(„Paul – Ein Alien auf der Flucht“) viel näher an den
80er-Jahre-Comig-of-Age-Komödien eines John Hughes („Ferris macht blau“), passt
diesen natürlich inhaltlich und vom deutlich freizügigeren, brachialeren
Humorverständnis seiner Teenagergeneration an. Zoten und vulgäres Gelaber kann
man da nicht außenvorlassen, das Herz hat der Film dabei aber immer am rechten
Fleck. Trotz und gerade wegen ihrer deutlichen Fehler und Macken sind die
Protagonisten immer sympathisch und nicht nur zu albernen Schießbudenfiguren
degradiert, die genüsslich von einem Fettnäpfchen ins nächste gestoßen werden.
McLovin und seine neue Gang.
Die Jagd nach dem allmächtigen
Zaubertrank Alkohol ist eher MacGuffin (oder MacLovin?) in einer Geschichte um
echte Freundschaft und Zukunftsängste, was „Superbad“ besonders zum Ende hin in
einigen sehr ehrlichen und herzlichen Momenten thematisiert, die ihn deutlich
von der Masse der üblichen Party-Gedöns-Filmchen absetzen. Der Spaß und gesellige
Schenkelklopfernutzen soll dem nicht geopfert werden, natürlich ist das in
erste Linie eine leicht verdauliche (dabei alles andere als familientaugliche) Komödie,
die aber weitaus weniger primitiv daherkommt, als man es zunächst vermuten mag.
Viele Gags sind wirklich gut getimt, einige Dialoge und Oneliner zum Schießen („Weißt
du, wie viele Lebensmittel Schwanzform haben? Die Besten!“), bei allen
Beteiligten ist der Spaß und die Hingabe an das Projekt zu spüren. Hinter
seiner prolligen Fassade schlummert ein liebevoller und schöner Film über das
Erwachsenwerden, die Wichtigkeit von (Männer)Freundschaft und dem Punkt im
Leben, wenn die Weichen neu gestellt werden. In seinen letzten Szenen bringt
das „Superbad“ ganz wunderbar auf den Punkt und wird trotzdem kein
geheuchelt-rührseliges, künstlich-steifes Moralstück, bei dem entschärfend die
Handbremse gezogen wird. John Hughes hat es genauso gemacht…nur wesentlich
braver, eben am Puls seiner Zeit.
Ein deutliches Problem hat der
Film, das fast unvermeidliche im Dunstkreis von Rogen, Apatow & Co: Die
finden selten eine gesunde Länge. Auch „Superbad“ braucht nie und nimmer zwei
Stunden für seine Geschichte, könnte locker 20 Minuten (wenn nicht mehr)
abspecken. Der Schere würden dann natürlich auch der ein oder andere Gag zum
Opfer fallen, das scheinen die Herren einfach nie übers Herz zu bringen.
Spricht für den Glauben in das eigene Produkt, ist aber nicht unbedingt von
Vorteil für das Gesamte. Doch selbst in (Komödien)Überlänge ist „Superbad“ noch
ein gar nicht mal so unreifer Spaß, den sich auch Skeptiker solcher Filme mal
eine Chance geben sollten.
Fakten: Steve Jobs
USA. 2015. Regie: Danny Boyle. Buch: Aaron Sorkin, Walter Isaacson (Vorlage). mit:
Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Katherine Waterston, Jeff
Daniels, Michael Stuhlbarg, John Ortiz, Sarah Snook, Perla Haney-Jardine,
Ripley Sobo, Makenzie Moss, Adam Shapiro u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben
ab 6 Jahren. Ab 24. März 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Seine Vision veränderte die Welt und trieb ihn fast in den Ruin: der
Entwurf und Bau eines Computers für jedermann. Über die ersten Anfänge, die
Entwicklung des legendären, alles revolutionierenden Macintosh, bis hin zum
Neuanfang mit dem iMac im Jahr 1998, nimmt uns Steve Jobs mit ins Epizentrum
der digitalen Revolution und zeichnet zugleich das vielschichtige Portrait
eines ihrer brillantesten Köpfe.
Meinung: Ein Rauen geht um, wenn
man seinen Namen sagt und eigentlich jeder hat eine Meinung zu dem Mann, den
einige für einen der größten Pioniere moderner Technologie halten, andere
wiederrum für einen Soziopath, der andere für seine Zwecke ausbeutete. So oder
so ist die Person Steve Jobs ein höchst interessanter sowie ambivalenter
Charakter. Nach seinem Tod im Jahre 2011, kamen zig Bücher, Reportagen und
Artikel heraus, die ihn würdigten oder diskreditierten. Als Außenstehender
wusste man da eigentlich gar nicht, wo genau man sich positionieren soll. 2013
erschient mit „Jobs“ auch das erste Biopic rund um den Apple-Chef. Eine recht
bieder bebilderte Biographie ohne sonderlichen Nutzen. Warum danach jetzt noch
der Film „Steve Jobs“ erscheint wirkt unnötig, aber auf ihn zu verzichten würde
ein großes, qualitatives Loch in Kinojahr 2015 reißen, denn der Film vom
britischen Kultregisseur Danny Boyle erweist sich als kleines Meisterstück.
Jobs und seine Assisstentin
Allerdings darf man von „Steve Jobs“ nicht erwarten, dass es sich um ein reinrassiges
Biopic handelt. Basierend auf den Bestseller von Walter Isaacson werden jeweils
die letzten Minuten vor den drei wichtigsten Produktvorstellungen des Jobs
nachgestellt. Wie viel davon der Wahrheit entspricht? Wer weiß das schon. „Steve
Jobs“ pocht aber eh zu keiner Zeit auf der „based on true event“-Pauke. Der
Film konzentriert sich darauf eine Figur zu beleuchten, ob diese rea existiert
hat und komplett fiktiv ist, erweist sich als recht irrelevant. Ja,
Biopic-Puristen werden hier wenig finden. Weder werden alle historischen
Ereignisse der Firma Apple durchgekaut, noch wird exorbitant viel Zeit darauf
verwendet den Zuschauer mit Expositionen zu füttern. „Steve Jobs“ ist ein Film
der von Beginn an ein einziges Ziel erfolgt und dass ist einen Charaktere
vorzustellen, so dass man als Ende selbst entscheiden kann welcher Mensch diese
Steve Jobs war. Im Film wird aber keineswegs das Original abgebildet, sondern
mehr dessen filmische Kopie. Wenn man so will ist dieser Film eine Huldigung,
eine Anklage sowie auch eine Skizze eines fiktionalen Imitats einer realen
Person.
Beste Freunde mit Differenzen: Woz und Jobs
So oder so wirkt das Ganze obwohl es all diese Personen gibt (oder gab) und vieles
was gesagt wird auch einen wahrhaftigen Background hat, mehr wie ein erfundenes
Drama. Das liegt vor allem an Drehbuchautor Aaron Sorkin, der mit „The Social
Network“ bereits einen angeblichen Soziopath beschrieb. Genau wie damals glänzt
auch „Steve Jobs“ durch Sorkins brillante Schreibarbeit. Die Dialoge sind
diamantgeschliffen und werden trommelfeuerartig vorgetragen. Dabei ist zu
beobachten, dass jede Figur, die mit Jobs kommuniziert eine andere Art von
Dialogdynamik auslöst. Es gibt z.B. einen lautstarken Disput zwischen Jobs und
seinem ehemaligen Vorgesetzten. Dieser Dialog gleicht einem Krieg: Jedes Wort
ein surrendes Projektil, jede Atempause ein Waffenstillstand. Das ist zwar
höchst anstrengend, verfehlt dennoch aber nicht seine narrative Wirkung. Gewiss,
kein normaler Mensch redet so, aber das Thema Realität wird bei „Steve Jobs“ –
wie bereits erwähnt – recht offen ausgelegt, was ohne Zweifel nicht nur die
Angehörigen des Apple-Mitbegründers auf die Barrikaden treibt.
Selbst das macht er stilvoll
Was dem ganzen Dialogzauber gegen Ende etwas die Kraft nimmt, ist die
repetitive Natur des Ganzen. In zwei Stunden wird Jobs stetig mit denselben
Personen und Anliegen konfrontiert. Das schlaucht, erreicht aber niemals solch
negative Auswirkungen, dass es sich wirklich schädlich bemerkbar macht und
Sorkin selbst erlaubt sich wegen diesem Konzept gegen Ende auch eine kleine
Meta-Bemerkung. Ganzzeitig frisch bleibt dagegen die Inszenierung von Oscar-Preisträger
Danny Boyle, der sich nach „Steve Jobs“ hoffentlich endlich daran macht die
langversprochene „Trainspotting“-Fortsetzung namens „Porno“ umzusetzen. Boyle
ist bekannt und beliebt (bei einigen natürlich auch gefürchtet und verhasst) für
seine Visualität. Doch bei „Steve Jobs“ hält er sich im Rahmen. Gewiss, hin und
wieder erlaubt er sich mit den Bildern zu spielen, es wirkt aber nicht
aufgesetzt und bringt eine gewisse Frische in den Film. Letztlich zeigt sich
aber Boyle Erfahrung, dass er das Drehbuch sowie die Darsteller auf deren Qualitäten
reduziert und dies sauber und ohne Hektik einfängt. Boyle ist eben ein
versierter Filmemacher.
Ist dieser Mann ein Freund oder ein Feind von Jobs?
Und diese arbeiten gerne mit Leuten zusammen, die ihre Vision teilen.
Vielleicht arbeitet Boyle deswegen hier erneut mit Kameramann Alwin Küchler
zusammen, der bereits in Boyles Sci-Fi-Drama „Sunshine“ und „Trance“ für die
richtige, optische Stimmung sorgte. Bei „Steve Jobs“ gelngt es Küchler mit
einfachen Kniffen und Mitteln sogar das jeweilige Jahr visuell einzufangen,
einfach durch eine Regulierung des Filmkorns. Gewiss ist das eine höchst simple
Methodik, aber sie funktioniert und hilft immens bei der Immersion, die im
Verlauf des Films zu keiner Zeit irgendwelche Risse oder Sprünge bekommt. Der
Film wirkt wie aus einem Guss. Die einnehmende Simplizität die man den
Apple-Geräten zusagt, sie wurde hier wirklich wunderbar auf den Film
übertragen, ohne dabei wie ein überlanger Werbespot für den Computergiganten zu
wirken. Die Gefahr besteht so oder so nicht, denn für einen Commercial setzt
sich Autor Sorkin viel zu kritisch mit dem geschlossenen Apple-Systemen
auseinander.
Fassbender beim Text lernen
Natürlich sind die besten Dialoge, die fokussiertes Regie und beste visuelle
Ausrichtung nutzlos, wenn die Darsteller nicht überzeugen. Doch damit hat „Steve
Jobs“ wirklich keinerlei Probleme. Michael Fassbender und Kate Winslet sind
großartig, was wahrscheinlich jeder schon vorher gedacht, bzw. gewusst hat.
Doch auch Abseits der beiden größten Namen gibt es darstellerisch Großes zu
sehen und damit ist vor allem Seth Rogen gemeint, den die meiste wohl eher aus
modernen Klamaukfilmen wie „Bad Neighbors“ oder „Ananas Express“ kennen. Doch
bei „Steve Jobs“ beweist Rogen das er auch ein exzellenter Darsteller ist. Er
spielt Jobs Freund und Wegbegleiter Steve „Woz“ Wozniack so wunderbar nuanciert
und ungekünstelt, dass eine reine Freude ist ihm beim Spielen zu zusehen. Dabei
gelingt Rogen es zum ersten Mal, sich von seiner sonstigen Attitüde zu trennen.
Wenn er mit Fassbender verbal interagiert, dann ist es vergessen welche Stars
hier zu sehen sind. Plötzlich ist man als Zuschauer mitten drin in einer Szenerie,
die authentisch und wahrhaftig wirkt. Eine perfekte Illusion, deren Reiz und
nach lange nachwirkt.
Mehr ein Komponist, als ein Erfinder: Steve Jobs
Dabei verwendet der Film erstaunlich wenig Energie darauf, diese Illusion mit
den übermittelten Ticks und (teils absonderlichen) Eigenheiten von Jobs zu
füttern. Immer wieder gibt es Andeutungen und ab und an auch eine konkrete
Bebilderung, aber trotz allem bleibt ein menschlicher Kern übrig, selbst dann
wenn Boyle und Sorkin den Gott der Apple-Nutzer von seiner (scheinbar)
schlimmsten Seite zeigen. Es ist natürlich recht ernüchternd, dass Sorkin im
Prinzip Jobs genau so einfängt wie einst Mark Zuckerberg. Aber der Film-Jobs
hinterlässt nicht wie der Film-Zuckerberg den Eindruck eines antisozialen
Genies, sondern eines Mannes, der in seiner eigenen Welt beheimatet. Ein
Außenseiter mit dem Willen nach oben zu gelangen und diese Grenze immer wieder
voranzutreiben. Steve Jobs wirkt also im Film wie ein Superman in einer Welt
aus Kryptonit. Eben ein Kämpfer, der sich anpassen muss. Das zu sehen ist
hochgradig fesselnd.
„Steve Jobs“ beweist was man mit einem
guten Drehbuch, tollen Akteuren und einer versierten Regie erreiche kann: Ein
energiegeladener und vitaler Film, dessen Kraft und Qualität teils sogar
berauschende Züge annimmt. Es sollte nur klar sein, dass „Steve Jobs“ kein
Biopic ist, sondern ein unglaublich redseliges, treibendes und vitales
Charakterdrama, dessen Darsteller sich Hoffnung machten sollen bei der
Oscar-Verleihung 2016 ein Wort mitzusprechen.
Fakten:
The Interview.
USA. 2014. Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen. Buch. Dan Sterling. Mit: Seth Rogen, James Franco, Lizzy Caplan, Randall
Park, Diana Bang, Timothy Simons, Reese Alexander, Anders Holm, Eminem, Rob
Lowe, Seth Meyers, Joseph Gordon-Levitt, Ben Schwartz, Bill Maher, Charles Rahi
Chun u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Talkshow-moderator Dave und sein Produzent Aaron staunen nicht schlecht, als
ihre Interviewanfrage an den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un eine
Zusage erhält. Eine tolle Chance, um die Quoten in die Höhe zu steigern, aber
auch eine Chance für den amerikanischen Geheimdienst, den Diktatur
auszuschalten, weswegen sich der CIA mit einem Mordauftrag nach Aaron und Dave
wenden.
Meinung:
Nachdem Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs auf ihre Datenbank wurde, der an
die Forderung gekoppelt war, „The Interview“ einem Release zu entsagen, da sich
dieser Film wie eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“ deuten lassen
würde, lenkte der in Kalifornien ansässige Großkonzern ein und strich die
geplanten Kinoauswertung, zu massiv war die Angst vor den möglichen
Konsequenzen. Die Filmwelt stand Kopf, reichhaltige Meldungen um Kunstzensur
und Feigheit mäanderten durch den medialen Raum und niemand wusste so recht,
wohin das ganze Hin und Her überhaupt steuern soll. Barack Obama bezog
Stellung, Nordkorea stritt jedwede Vorwürfe beharrlich ab und die Stars des
Films, Seth Rogen („Beim ersten Mal“) und James Franco („Child of God“),
strichen ihre Promotiontour vorerst aus dem Terminkalender. Bahnt sich dort
etwa eine Reihe an Cyber-Kriegen an, deren erstes Gefecht die Vereinigten
Staaten mit eingezogenem Haupt verloren haben, oder handelt es sich letztlich
nur um eine gewiefte PR-Strategie?
Dave ist der Star der Show
Inzwischen jedenfalls wird schon wieder darüber diskutiert, ob „The Interview“
nicht doch ganz regulär in den Lichtspielhäusern laufen soll, einige
Kinobetreiber erklärten sich unlängst bereit, diesen Schritt zu wagen und seit
dieser Woche hat sich Sony ebenfalls dazu entschieden, den Film als Stream im
Internet zu publizieren. Die viel wichtigere Frage muss an dieser Stelle
allerdings nicht lauten, wie viel Wahrheitsgehalt nun in jeder einzelnen
Nachricht zu verbuchen ist, sondern, ob all die Furore überhaupt gerechtfertigt
waren? Ist „The Interview“ die provokative „Kriegshandlung“, zu der sie vom
nordkoreanischen UN-Botschafter Ja Song Nam stilisiert wurde? Die Antwort ist
simpel: Nein, nicht wirklich. Wer sich bereits mit dem Output von Seth Rogen,
der hier zusammen mit Evan Goldberg den Regieposten verwaltete, vertraut
gemacht hat, der darf sich mit „The Interview“ auf eine ganz ähnliche
Comedy-Kost gefasst machen, nur mit dem Unterschied, dass ein politisches
Anliegen im Hintergrund kursiert, welches man aber doch bitte nicht zu ernst
auffassen sollte.
Kim Jong-un, der Cool Guy
Gut, das lässt sich als Außenstehender leicht sagen, wenn man sich aber in der
Haut eines ideologisch komplett verstrahlten Diktators befindet, kann man sich
durch „The Interview“ schon etwas auf den Schlips getreten fühlen. Kim Jong-un
(gespielt von Randall Park) nämlich ist hier nichts weniger als ein von
Vaterkomplexen heimgesuchter Dreißiger, der sich in seinem Leben wohl etwas zu
oft allein fühlen musste. Das würde beinahe eine tragische Tiefe mit sich
führen, wäre das Drehbuch von Dan Sterling nicht so hartnäckig darauf bedacht, Kim
Jong-un zur Witzfigur herabzusetzen und die gesamte Staatsanlage wie ihre
Gepflogenheiten (Oberflächenmanipulation ist hier das A und O) von Nordkorea
nach Strich und Faden zu karikieren. In die Höhle des Löwen - oder Welpen?
Passenderweise überreicht Kim Jong-un einen solchen an seine amerikanischen
Gäste - werden Dave Skylark (James Franco), Moderator eines Klatschmagazin,
welches in der ersten Szene direkt mal durch die Decke geht, als Eminem sein
staubtrockenes Coming Out hinlegt, und sein Produzent Aaron Rapaport (Seth
Rogen) geschickt.
Dave und Aaron beim Uhrenvergleich
Was erst aus dem Gefühl verletzter Ehre keimte, ist das Skylark-Magazin doch
weniger für seinen seriösen Journalismus als für triefenden Gossip bekannt,
wird später durch das Eintreffen der CIA-Geheimagentin Lacey (Lizzy Caplan) zur
Staatsangelegenheit im Top-Secret-Modus: Kim Jong-un nämlich soll liquidiert
werden, um der globalen Stabilität wieder ordentlich auf die Beine zu helfen.
Dass sich „The Interview“ eine Fülle an popkulturellen Referenzen nicht
verkneifen kann, war von vornherein klar, haben sich Filme wie „Ananas
Express“, „Beim ersten Mal“ und vor allem „Das ist das Ende“ doch ebenfalls mit
ihren referenziellen Querschlägern gebrüstet. Seinen Humor zieht „The
Interview“ aber eindeutig aus dem wie immer wunderbar harmonierenden Gespann um
Seth Rogen und James Franco, deren innige Real-Life-Freundschaft sich auch
schon lange auf der Leinwand bezahlt macht. Während Seth Rogen sich in seinem
Spiel etwas zurückhält, zwar auch die ein oder andere Plattitüde auf seine
Rechnung nimmt, ist es Workaholic James Franco, der wie entfesselt Gas gibt und
die irrsten Schnuten zieht.
In „The Interview“ floriert mehr der Schwach-, denn der Scharfsinn. Wer eine
fundiert-geistreiche Satire erwartet, die dem Personenkult des Diktators in
geschliffenen Dialogsequenzen auf die Pelle rückt, der wird sich ob der
zuweilen präferierten Grobschlächtigkeit im Humorverständnis verschreckt
abwenden. Es gehört schon Mut dazu, einen Film wie „The Interview“ in dieser
respektlos-beschwingten Art aufzuziehen, die große Kontroverse aber hat sich
der Film nun nicht verdient. Maximal als Brachialsatire, eher aber als
temporeiche Komödie zu deklarieren, macht „The Interview“ einfach Spaß, so wie
es wohl auch von Anfang an geplant war. Natürlich lässt er sich nicht aus
seinem politischen Kontext lösen, stichhaltige Gegenstöße gegen jenes
totalitäres Regime sucht man indes vergebens. Seth Rogen und James Franco haben
sich eine „brisante“ Plattform für ihren Ulk geschaffen und nutzen Nordkorea
als Gegenstand purer Albernheiten. Ernsthaft angegriffen dürfte sich angesichts
der eindeutigen Over-the-Top-Marschroute des Drehbuches niemand fühlen,
höchstens etwas gefoppt. Als Verfechter von Seth Rogen und James Franco wird
man aber in jedem Fall zwei unterhaltsame Stunden erleben.