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Kritik: SAUSAGE PARTY – ES GEHT UM DIE WURST - Das vulgärste, derbste Animationsspektakel des Jahres

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Fakten:
Sausage Party - Es geht um die Wurst (Sausage Party)
US, 2016. Regie: Conrad Vernon, Greg Tiernan. Drehbuch: Seth Rogen, Evan Goldberg, Kyle Hunter, Ariel Shaffir. Mit: Seth Rogen, Kristen Wiig, Jonah Hill, Bill Hader, Michael Cera, James Franco, Danny McBride, Paul Rudd u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
In einem Supermarkt hoffen die Lebensmittel sehnlichst darauf, von Menschen eingekauft zu werden. Für sie sind Menschen gottgleiche Wesen, die sie mit ihrem Einkauf in eine Art Paradies befördern. Vor allem das Würstchen Frank kann es kaum erwarten, aus der Packung genommen und endlich mit seinem heißgeliebten Brötchen Brenda vereint zu werden. Als ein Senfglas nach dem Kauf wieder umgetauscht wird, berichtet es allerdings grauenvolle Details von der anderen Seite. Die Lebensmittel werden mitunter misstrauisch und wollen herausfinden, was außerhalb des Supermarkts mit ihnen geschieht...




Meinung:
Vielleicht war der Wechsel hin zum Animationsfilm der einzig konsequente Schritt für Evan Goldberg und Seth Rogen. Nachdem das Comedy-Duo mittlerweile über eine Vielzahl von Filmen wie "Superbad", "This Is the End" oder "Bad Neighbors" hinweg ihr typisches Humor-Konzept in Form von vulgären Wortspiele, verkifften Exzessen, unangenehmer Situationskomik und spaßigen Popkulturreferenzen ausschöpfte, wurde es so langsam Zeit für einen Tapetenwechsel. Selbst der Diktator Nordkoreas war vor den beiden nicht sicher und wurde in "The Interview" zur Zielscheibe, was vorab eine regelrechte Kontroverse auslöste. Nun hat das Duo den Horizont gewissermaßen erweitert und eine ungezügelte Animationskomödie geschaffen, die zum ersten Mal seit "South Park: Bigger, Longer & Uncut" mit einem R-Rating versehen wurde.


Was die Lebensmittel da wohl gerade sehen?
Dieses Rating wird in "Sausage Party" auch prompt bis zur Schmerzgrenze ausgereizt, wenn dem Zuschauer bereits in den ersten Minuten nach einer anfangs heiteren Gesangseinlage mehr Schimpfwörter um die Ohren fliegen als er zählen kann. In der Geschichte des Films geht es um Lebensmittel in einem Supermarkt, deren größter Traum darin besteht, von den Menschen, die sie als Götter ansehen, eingekauft zu werden und dadurch in eine Art Paradies zu gelangen, in dem sie ein Leben in vollkommener Glückseligkeit erwartet. Als allerdings so langsam klar wird, was mit den Lebensmitteln alles passiert, sobald diese in den Haushalt der Menschen gelangen, entwickelt sich das Schicksal einzelner Charaktere zu einem knallharten Überlebenskampf, während ein Großteil immer noch am Glauben an ein höheres Paradies festhält. Überraschenderweise haben die Autoren in ihrem Werk ein paar Überlegungen zu blindem Fanatismus, Atheismus und Konflikten zwischen ethnischen Minderheiten parat, die man ihnen vorab vermutlich gar nicht zugetraut hätte. "Sausage Party" offenbart in einigen Szenen jedoch durchaus kritische Momente, in denen unterschiedliche Ansichten und Konfliktpunkte bezüglich Glaube, Religion oder Sexualität hinterfragt werden.


Erste Verluste lassen nicht lange auf sich warten
Über weite Strecken dominiert jedoch der gewohnte Humor des Goldberg/Rogen-Duos, der sich hier bedauerlicherweise zu sehr abnutzt und nicht immer richtig in das Korsett einer eher zweitklassig animierten Komödie passen will. Sexuelle Anspielungen von Würstchen, die sich gerne ganz tief in den Öffnungen der Brötchen vergraben wollen, endlose Schimpfwort-Kaskaden oder ein willkürlich eingestreuter Drogentrip offenbaren wenig, was man mittlerweile nicht schon zuhauf in den anderen Filmen der Autoren gesehen hat, weshalb "Sausage Party" zu oft den Eindruck von altem Wein in neuen Schläuchen erweckt. Die Momente, in denen die absurden Möglichkeiten des zugrundeliegenden Konzepts auf offensivste Weise ausgetestet werden, sind aber trotzdem von großartigen Einfällen geprägt. Wie hier bisweilen Impressionen von Kriegsszenarien reflektiert oder grausame Todesarten der Lebensmittel auf ebenso bizarre wie intelligente Weise realisiert werden, lässt erahnen, was für ein gewaltiges Potential in diesem Werk schlummert. Ausgeschöpft wird es von den Verantwortlichen allerdings nur in vereinzelten Szenen, zwischen denen sich immer wieder humoristischer Stillstand bemerkbar macht, bei dem der Eindruck entsteht, die Idee für einen grandiosen Kurzfilm musste irgendwie zu einem Langfilm gestreckt werden.


Zur Höchstform läuft "Sausage Party" dann aber im großen Finale auf, in dem sich der Streifen schließlich in einen gigantischen Exzess verwandelt, welcher die ansonsten eher gemütlichen Sehgewohnheiten des Genres endgültig zerschmettert. Nur alleine für diesen Schlussakt, bei dem die Reaktionen zwischen schrillen Lachkrämpfen, peinlich berührter Befremdlichkeit und ungläubigem Entsetzen pendeln dürften, lohnt sich die Sichtung dieses Animationsfilms, in dem sich ansonsten wirklich unterhaltsame Einzelmomente mit redundanten Gags und einer Geschichte abwechseln, in der durchaus nachdenkliche, tiefgründige Ansätze auf platten Leerlauf treffen.


6 von 10 aufgepumpte Intimduschen




von Pat

Review: DER MARSIANER – RETTET MARK WATNEY – Matt Damon allein auf dem Mars!

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Fakten:
Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)
USA, 2015. Regie: Ridley Scott. Buch: Drew Goddard, Andy Weir (Vorlage). Mit: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Sean Bean, Chiwetel Ejiofor, Kristen Wiig, Michael Peña, Donald Glover, Jeff Daniels, Aksel Hennie u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: Freigeben ab 12 Jahren. Ab 18. Februar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mark Watney ist Botaniker, Ingenieur und arbeitet für die NASA. Als Crewmitglied der Ares 3 nimmt er an einer Mission auf dem Mars teil. Es kommt jedoch zu einem Unfall und der totgeglaubte Mark wird von seiner Crew alleine zurückgelassen. Mithilfe seiner Fähigkeiten versucht er das Unmögliche, nämlich auf dem fremden Planeten zu überleben.




Meinung:
Es ist schon erstaunlich in welcher Frequenz Ridley Scott millionenschwere Hollywoodprojekte aus dem Boden stampft. War zum Jahreswechsel noch die Bibeladaption „Exodus“ in den deutschen Kinos zu sehen, so erwartet uns jetzt „Der Marsianer“. Fast jährlich präsentiert uns Scott seine Filme, die aber vor allem in den letzten zehn Jahren deutlich an Qualität verloren und nicht mehr viel mit der früheren Genialität von Werken wie „Blade Runner“ oder „Alien“ zu tun hatten. Mit „Der Marsianer“ kann Scott zwar nicht ganz an seine größten Errungenschaften anknüpfen, bremst aber zumindest die Abwärtstendenz und beweist, dass er es eben doch noch kann.


Ben Affleck wäre das nicht passiert
Science-Fiction erfreut sich in den letzten Jahren wieder einmal steigender Beliebtheit, „Gravity“ und „Interstellar“ sind dabei wohl die zwei großen Namen der jüngeren Vergangenheit. Wer von diesen Filmen übersättigt ist, der kann beruhigt sein. Denn eins der positivsten Dinge, die man über „Der Marsianer“ sagen kann ist, dass er nicht all zu viel mit den oben genannten Streifen zu tun hat. Wir hatten große emotionale Momente. Wir hatten die unnahbare Bedrohung der allgegenwärtigen Leere. Wir hatten ernste und prätentiöse Dialoge und Thematiken. Nicht, dass daran etwas auszusetzen wäre, aber trotzdem ist es schön, dass „Der Marsianer“ in eine komplett andere Richtung steuert. Eine deutlich witzigere, seichtere und unbeschwerte Richtung. Wissenschaft ist cool. Das ist so ziemlich die einzige Message, die man aus „Der Marsianer“ mitnimmt. Denn seien wir mal ehrlich, wenn Mark Watney es schafft sich lediglich durch technische und biologische Kniffe eindrucksvoll von einer aussichtslosen Situation in die nächste zu retten und die lebensgefährliche Lage dabei wie ein lustiges Survivalcamp aussehen zu lassen dann macht das einfach Spaß. Unterlegt wird das Ganze mit fetziger Discomusik aus den 70er Jahren und einem optimistisch witzelnden Matt Damon, fertig ist der Blockbuster.


Ein grüner Daumen auf dem roten Planeten
Warum das ganze 150 Minuten geht fragt man sich vielleicht. Oder für was man gefühlt 15 verschiedene Charaktere im Hauptquartier der NASA braucht, die Funktionen erfüllen, die man locker durch zwei Figuren ausfüllen könnte. „Der Marsianer“ ist sicherlich nicht frei von Fehlern, aber gerade weil er keinen Hehl daraus macht, ein simpel gestrickter Unterhaltungsfilm zu sein ist er so sympathisch. Unterm Strich bringt der Film dabei auch nicht viel Neues. Nichts was Filme wie „Cast Away“ & Co nicht schon vor einigen Jahren machten, nur ist „Der Marsianer“ dank seinem Setting doch einen Ticken hübscher verpackt. Visuell kann Scott nämlich einige interessante Reize setzen und auch wenn davon nichts wirklich Neuartiges dabei ist so macht der Film audiovisuell doch eine sehr gute Figur. Scott gelingt es jedoch nicht nur eindrucksvolle Bilder zu finden, sondern auch den Zuschauer in die Rolle des Protagonisten zu setzen. Auch wenn wohl nur die wenigstens über die technischen Fähigkeiten von Mark Watney verfügen, so stellt man sich trotzdem die Frage was man selbst in dieser Situation machen würde. Gerade die Projektion des Zuschauers auf die Hauptfigur macht den Film zu einem intensiven Erlebnis und bindet den Zuschauer mit ein.


Ridley Scott is back. Zumindest zu großen Teilen, denn auch „Der Marsianer“ ist nicht frei von Fehlern. Eigentlich sind es sogar viele kleinere Baustellen an denen der Film nicht ganz rund läuft, doch letztendlich sind es die gelungenen Momente, die ihn auszeichnen und unterm Strich auch zu einem lohnenden Kinoerlebnis machen.


7 von 10 selbstgepflanzten Kartoffeln


von Vitellone

Review: ANCHORMAN 2 - DIE LEGENDE KEHRT ZURÜCK - Gelungen geölte Gag-Maschine für Insider und solche, die es werden wollen

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Fakten:
Anchorman 2 – Die Legende kehrt zurück (Anchorman 2 – The Legend Continues)
USA. 2013. Regie: Adam McKay. Buch: Will Ferrell, Adam McKay.
Mit: Will Ferrell, Paul Rudd, Steve Carell, David Koechner, Christina Applegate, Kristen Wiig, Dylan Baker, Greg Kinnear, Chris Parnell, Meagan Good, Fred Willard, Josh Lawson, Judah Nelson, Harrison Ford, Vince Vaughn, Will Smith, Jim Carrey, Marion Cotillard, Sacha Baron Cohen, Tina Fey, John C. Reilly, Kanye West, Liam Neeson, Amy Poehler u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Juni 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Legende lebt – und liegt besser im Haar als je zuvor: In den stilunsicheren 1970ern war Ron Burgundy das Maß aller Dinge. Er war der Anchorman! Zusammen mit seinen Freunden und Kollegen Brian Fantana, Champ Kind und Brick Tamland machte er nicht nur die Nachrichten, er war die Nachricht! Auch ein Umzug nach New York ändert nichts daran. Zusammen mit seiner Frau Veronica Corningstone  hofft er am Big Apple Karriere zu machen und an alte Westküsten-Erfolge anzuknüpfen. Doch stattdessen setzt ihn sein neuer Boss Mack Tannen vor die Tür. Die Chance auf Wiederherstellung des Egos lässt zum Glück nicht lange auf sich warten: Freddie Shapp bietet Ron Revolutionäres an – die Mitarbeit bei GNN, dem Sender, der als Erster Nachrichten nonstop bringen will! Die Plattform, wie geschaffen für Ron Burgundy und seine Freunde: Die Medienwelt wird nie mehr die gleiche sein…





Meinung:
Was soll man über einen Film schreiben, in dem es um nichts Anderes geht als eine Aneinanderreihung absurder Gags und Situationskomiken im bekannten Ultramacho-Manchild-Universum des Ron Burgundy - seine Erkenntnis, dass ihm seine Frau und sein Sohn im Leben wichtiger sind als sein Job, ist da das höchste an Gefühlen in Sachen Charakterentwicklung - und der als Fortsetzung eines dezent gefloppten Kultobjekts den allgemeinen Zuschauer nur wenig ansprechen dürfte? Der erste Anchorman kam ja auch schon...weia, 2004 heraus! Man-o-meter, da war man ja noch ein lumpiger Teen, können einen da die aufstrebenden Überreste vom Judd-Apatow-Style heutzutage noch genauso begeistern wie einst? Gottseidank biedert sich der daraus resultierende Film dann doch nicht als komplett einfallsloser Fan-Service an, zieht mit seinem schmerzfrei-grobschlächtigen Random-Impro-Humor ständig neue, unerwartet-wilde Register und verstärkt die Skurrilität seines Vorgängers dank eines erweiterten Budgets (schließlich sind die Players von einst inzwischen richtige Kassenschlager geworden) nochmal um einige eindrückliche, originelle und bisweilen effektvolle Einfälle - in gewohnter Bravado-Pulp-Manier, voller Late-70's-Anspielungen, Non-p.c.-Nonsens, Sight-Gags galore und stilechten Deko-Späßen in jeder Kulisse.


Ernst bleiben, es geht ja um die News: Ron und Team im Außeneinsatz
Was man allerdings bemängeln könnte, ist zum einen der teils gleichgültige Inszenierungsstil von Adam McKay, der ab und an aus unbekannten Gründen sein Talent zu vergessen scheint und so manche Witze mit hölzerner Plakativität unangenehm-peinlich an die Wand fährt, fast schon wie ein moderner Dennis Dugan (jener Regisseur aus dem Adam-Sandler-Dunstkreis mit perfiden Fokus auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner von Humor) - da werden sodann Scherze aufgetischt, die sich genau an jenes Publikum richten, was den Genuss vom zweiten Anchorman leider insgesamt etwas unterminiert. Ob in der Hinsicht die mindestens 3 anderen Schnittfassungen des Films Verbesserung hervorbringen, können hierzulande derzeitig nur Besitzer eines Codefree-Players nachprüfen, da die deutschen Veröffentlichungen Bonus-technisch erneut zu wünschen übrig lassen - die Menge der verfilmten Witze muss jedenfalls überwältigend gewesen sein; schade, dass so einige misslungene in die Kinofassung hinein fixiert wurden. 
Zudem fällt der Zitierbarkeitsfaktor im Dialog leider auch weit überschaubarer aus, als im Meme-geadelten Vorgänger. Doch dann treffen wieder andere Sketche genau ins Schwarze und zeigen sogar inszenatorische Gewitzheit (mit einem explosiven CGI-Einsatz, ähnlich wie zuletzt jener in WOLF OF WALL STREET). Nimmt man da z.B. mal das große Finale, in dem...ach, wisst ihr was: bei Komödien sollte man ja Uneingeweihten im Nachhinein nicht den Witz verraten und das werde ich auch hier unterlassen, schließlich ist die subjektive Erfahrung das A & O eines solchen Lustspiels. Für die objektive Tragweite sind allerdings die enthusiastischen Leistungen der erfahrenen und aufeinander eingespielten Witzbolde im Darsteller-Ensemble von besonderer Bedeutung - und da leisten McKays cineastisch-einfangende Kräfte die beste Projektionsfläche, auch wenn ihm nicht immer gelingt, die Goldader herauszureißen und zu präsentieren.


Also kurzum: wem der Vorgänger schon gefiel oder bei den hier vertretenen Darstellern mit Freude & Euphorie weiß, woran er dran ist (und dabei erleben kann, wie jene den Geist ihrer Comedy-Roots mal wieder so richtig anpacken), darf bedenkenlos seine Nase in die Klamauk-Kiste stecken (für ganze 2 Stunden - leicht Overkill, ehrlich gesagt). Alle anderen sollten aber auch durchaus mal einen Blick riskieren, schließlich schlägt ANCHORMAN 2 in meinen Augen so ziemlich jede englischsprachige Live-Action-Komödie, die 2013 hierzulande anlief (PAIN & GAIN und OLYMPUS HAS FALLEN ausgeschlossen). Ich weiß, in so einem tiefen Tal freut man sich schon, wenn die Wölfe vorbeikommen, um einen aufzufressen, aber hey: immerhin!


7 von 10 Jahrzehnten flauschiger Schnurrbärte


vom Witte

Review: DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES WALTER MITTY – Träume werden zur Wirklichkeit

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Fakten:
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life Of Walter Mitty)
USA. 2013. Regie: Ben Stiller. Buch: Steve Conrad. Mit: Ben Stiller, Kristen Wiig, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Sean Penn, Patton Oswalt, Adrian Hernandez u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: Ab 6 Jahren freigegeben.Ab 2. Mai 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Walter Mitty (Ben Stiller) lebt ein unscheinbares Leben. Er führt gewissenhaft sein Haushaltsbuch und versucht, über eine Internet-Datingseite an seine Arbeitskollegin und heimlichen Schwarm Cheryl (Kristen Wiig) heranzukommen. Doch er traut sich einfach nicht, sie anzusprechen. Stattdessen flüchtet er sich in Tagträume. Doch als das so wichtige Negativ 25 von Fotografenlegende Sean O’Connell (Sean Penn), das als Titelbild für die letzte Titelseite des LIFE-Magazins herhalten soll, nicht gefunden werden kann, da muss Walter seine Träumereien beenden und nun endlich selbst aktiv werden.





Meinung:
Ben Stiller ist vor allem bekannt aus zahlreichen (mal mehr, mal weniger) romantischen Komödien. Auch „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist im Grunde nichts anderes. Der Film erzählt eine Liebesgeschichte. Die Liebesgeschichte eben jenes titelgebenden Walter Mitty zu seiner Arbeitskollegin Cheryl. Und lustig ist er auch. Also wieder eine Stiller-RomCom, von denen man nun wirklich viele gesehen hat.


Mit Aktenkoffer im grauen Alltag: Walter Mitty
Aber halt, irgendwas ist anders. Es ist nicht der übliche unterhaltsame, sympathische und flache Humor, den man sonst aus Stiller-Filmen kennt, sondern hier weht eine starke Brise Melancholie und Ernsthaftigkeit mit. Dieser Film hat nämlich zwei sehr wichtige Aussagen. Einerseits, dass man durch die Macht der Fantasie und seiner Träume den vielleicht grauen Alltag erträglicher gestalten kann. Fantasie als ein sehr hohes Gut des Menschen. Und als zweite Aussage, dass man es nicht nur bei den Träumen belassen soll, sondern auch selbst aufstehen und vor die Tür gehen, ja, selbst etwas erleben soll. Dass die Träume zur Wirklichkeit werden. Zwar sind diese Thesen wirklich wichtig, doch begeht der Film den Fehler, dass er die Fantasie irgendwann weitestgehend verdrängt. Lediglich das wahrhaftig Erlebte zählt noch. Natürlich ist die eigene Aktivität sehr wichtig und diese Aussage auch zu begrüßen, aber die Tagträume komplett aus den Leben zu verbannen, das halte ich dann ebenfalls für übertrieben. Denn Träume und Fantasie sind wichtig, um Ziele erreichen zu können. Und das geht Walter Mitty am Ende zu stark verloren, da nur noch das Hier und Jetzt, der Augenblick zählt.


Die hübsche Cheryl hat es ihm angetan
Die Hauptrolle als Walter Mitty spielt Regisseur Ben Stiller selbst und er wird mit großem Lob überschüttet. Er spiele vollkommen anders als in seinen bisherigen Filmen. Nun, tut er das wirklich? Ich glaube nein. Wie beinahe immer spielt er einen relativ schüchternen, zurückgezogenen Mann, der sich nicht viel in seinem Leben traut. Irgendwann fasst er dann einen Entschluss, der sein Leben verändert, der ihn vor harte Proben stellt, der ihn verändert. Tja, und am Ende ist er dann immer wieder der Gewinner. Oder ein veränderter Charakter. Er spielt seinen Walter Mitty nicht besser als einen Gaylord Focker oder einen Larry Daley („Nachts im Museum“). Auch nicht schlechter, klar. Aber diesen Rollentyp konnte er schon immer und das machte er auch schon immer sehr gut, sehr sympathisch. Vielleicht etwas besser, weil er auf diesem Selbstfindungstrip extremere Situationen überstehen muss. Aber deswegen gleich in riesengroße Jubelstürme auszubrechen, weil der Film mal ein bisschen ernsthafter und melancholischer ist, das muss dann auch nicht sein.


Kristen Wiig als gutaussehende Kollegin Cheryl spielt zwar ebenfalls sehr sympathisch, aber es wirkt alles sehr abgebrüht und solide. Viel mehr macht hier Shirley MacLaine als Walter Mittys Mutter Spaß. Eine alte Dame mit so viel Charme, Aufgeschlossenheit und Lebensfreude wie sie, das ist einfach wunderbar, für mich das schauspielerische Glanzlicht des Films. Sehr schön waren auch die beiden kurzen Auftritte von Sean Penn (sehr charismatisch) und Patton Oswalt (sehr witzig).


Und irgendwann erlebt er auch Abenteuer
Eindrucksvoll erscheinen die teilweise gigantischen Bilder aus der Natur. Ein Vulkanausbruch, der Blick auf die Schönheit Islands, der Himalaya mit seinen endlos in den Himmel ragenden Bergen, das Meer, Wasserfälle und vieles mehr. Selbst ein Naturmuffel wie ich bekommt hier große Augen. Diese Bilder, unterlegt mit toller Musik von Theodore Shapiro, sind ein fantastisches visuelles Erlebnis. Ebenfalls hervorragend inszeniert sind die Tagträume, die mit actiongeladenen Verfolgungsjagden oder sketchartigen Szenen aufwarten können. Auch die Farben des Films sind sehr auffällig. Extrem intensive, satte Farben lassen den Film besonders strahlen. Und immer scheint ein kleiner blau-Schimmer durch, der, besonders auf Walters Reise nach Grön- und Island, die Atmosphäre unterstreicht. Stiller inszeniert also den Film durchaus gekonnt.


Leider verwässern zu viel Product-Placement und das tatsächlich in einigen Szenen nervige Handy von Walter, mögen die Gespräche teilweise auch noch so lustig sein, den positiven Gesamteindruck. Auch die letzten geschätzt 25 Minuten hätten etwas mehr durchdacht, etwas ausgereifter sein können. Stattdessen werden sie zu überhastet abgespult und besonders über das endgültige Ende sollten wir vielleicht besser den Mantel des Schweigens legen. Auch, dass die Fantasie Walters am Ende vielleicht zu sehr verdrängt wird und diese „Abenteuerlust“ klar dominiert, ist dann auch nicht unbedingt nach meinem Geschmack. Aber dennoch ist „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ein sehenswerter Film, mit tollen Bildern, schöner Musik und guten Schauspielern, von denen für mich Shirley MacLaine die beste Figur abgibt. Die Geschichte ist hoffnungsvoll, verrennt sich aber am Ende zu sehr, wenn sie das Aktivsein zu Ungunsten der Fantasie und der Träume in den Vordergrund rückt.


7 von 10 Mandarinenkuchenstücke