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Review: JOHN WICK: KAPITEL 2 - Der grimmige Profikiller ist böse wie eh und je

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Fakten:
John Wick: Kapitel 2 (John Wick: Chapter 2)
US, 2017. Regie: Chad Stahelski. Buch: Derek Kolstad. Mit: Keanu Reeves, Ian McShane, Laurence Fishburne, Common, Ruby Rose, Peter Stormare, John Leguizamo, Franco Nero u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Seit dem 27. Juni 2017 auf DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD erhältlich.


Story:
Nach seinem letzten persönlichen Rachefeldzug wollte sich der Ex-Profikiller John Wick endlich endgültig zur Ruhe setzen und seinem alten Leben vollständig den Rücken kehren. Das plötzliche Auftauchen eines früheren Kollegen macht dem angepeilten Ruhestand aber wieder einen Strich durch die Rechnung. Wick soll für ihn einen Mordanschlag in Rom erledigen, den er aufgrund eines Blutschwurs umgehend auszuführen hat. Bei dem Opfer handelt es sich jedoch um die Schwester des Ex-Kollegen, zu der Wick ebenfalls eine persönliche Bindung pflegt…





Meinung:
Das Wichtigste zuerst: Der Hund ist auch am Ende von „John Wick: Kapitel 2“ noch wohlauf. Ganz so unbeschadet kommt sein Herrchen dabei nicht aus der Affäre, denn als ein alter Bekannter an seiner Haustür klingelt, wird John Wick abermals in das Leben zurückgeworfen, welches er eigentlich längst hinter sich lassen wollte.


Mit John Wick ist wieder nicht zu spaßen
Eine mit seinem eigenen Blut besiegelte Schuldmünze sorgt dafür, dass der titelgebende Protagonist nach Rom reisen muss, wo er die Schwester eines Ex-Kollegen ermorden soll, damit dieser eine machtvolle Position in einem hohen Zirkel des organisierten Verbrechens einnehmen kann, die eigentlich seiner Schwester versprochen war. Der vom Rest der Handlung losgelöste Einstieg, in dem Wick eine offene Rechnung aus dem ersten Teil begleicht, erhebt den chronisch schlecht gelaunten Profikiller gleichzeitig noch markanter als zuvor zur mystischen Ikone. Den zahlreichen beeindruckenden wie erschreckenden Erzählungen und Gerüchte, die sich um dessen Person ranken, verleiht Regisseur Chad Stahelski, der das Sequel im Gegensatz zum Vorgänger ohne Co-Regisseur David Leitch inszenierte, mit einer Parallelmontage Nachdruck, in der Wick in gewohnter Manier Knochen bricht und Körper mit Kugeln durchsiebt, während er sich einen Weg zu seinem 1969er Mustang bahnt. Nach dem furiosen Auftakt dauert es jedoch erstmal eine Weile, bis Stahelski seinen zweiten Teil in jenen spektakulär choreographierten Rausch der Schüsse, Stiche, Schläge und Tritte einbettet, der „John Wick“ vor gut drei Jahren zum Siegeszug an den Kinokassen führte und die Herzen von Actionfans auf nachvollziehbare Weise höher schlagen ließ.


An ihm beißt sich der Protagonist ganz schön die Zähne aus
Im Vergleich zu Teil 1, in dem Wick aufgrund eines persönlich motivierten Rachefeldzugs durch die überwiegend gesichtslosen Gegnerhorden wütete, widmet sich Drehbuchautor Derek Kolstad im Nachfolger ausführlicher den Mechanismen und Hintergründen der geheimnisvollen Auftragskiller-Organisation, welcher der Protagonist entstammt. Die Räumlichkeiten der Continental-Hotels, in denen sich ausschließlich Profikiller aufhalten, die sich zudem einem genauen Regelkodex unterwerfen müssen, nutzen Stahelski und Kolstad schließlich dazu, die dezent trockenhumorigen Elemente des Vorgängers in Regionen zu treiben, in denen die Absurdität des selbst auferlegten Regelwerks zu Momenten reinster Selbstironie führt. Diese schmale Gratwanderung zwischen bitterem Ernst und augenzwinkernder Verspieltheit ist es dann auch, die Wick in ein chaotisches Geflecht aus Bringschuld, Selbstverpflichtung und Vertrauensschwüren verwickelt, aus dem er sich erneut nur durch die Flucht nach vorne und den erbarmungslosen Frontalangriff befreien kann. Das dramaturgisch eher schlichte Handlungsprinzip, in dem Wick als stoisch-grimmiger Todesengel diesmal praktisch unzerstörbar ist, löst der Regisseur spätestens ab der zweiten Hälfte in einen beinahe pausenlosen Reigen von Action-Sequenzen auf.


Dabei bewahrt Stahelski im waghalsigen Dauerinferno der blutigen Kopfschüsse, fokussierten Martial-Arts-Manöver und atemlosen Verfolgungsjagden zu Fuß oder in Fahrzeugen jederzeit den vollen Überblick und sichert sich mit einer unwiderstehlichen Mischung aus druckvoller Brutalität, geradezu eleganten Bewegungsabläufen und audiovisueller Verlockung die derzeitige Krone im amerikanischen Genre-Sektor. Durch den stärkeren Fokus auf die internen Regeln und Abläufe innerhalb der Auftragskiller-Organisation erhält „John Wick: Kapitel 2“ zudem den Eindruck eines Blicks hinter die Kulissen einer faszinierenden Parallelwelt, in der sich geheimnisvolle, tödliche Aktionen unter der Oberfläche, in unterirdischen Tunnelsystemen, verborgenen Hintereingängen und direkt vor den eigenen Augen, aber hinter dem Offensichtlichen ereignen. In der brillanten finalen Auseinandersetzung scheint der Film schließlich vollständig jeglicher Grenzen enthoben, wenn sämtliche Parteien in einem surreal ausgeleuchteten Spiegelkabinett aufeinanderprallen, in dem die sinnliche Logik über die rationale Logik dominiert. Der unnötig angehaftete Prolog für Teil 3 scheint da nur mehr eine überflüssige Zugabe zu sein, welcher aber aufgrund des etablierten Szenarios und unter Berücksichtigung der in Teil 2 erneut souverän dargebotenen Qualitäten gewiss nicht ohne Reiz wäre.


7 von 10 Bleistifte im Ohr

Review: THE NEON DEMON – NWR und die Faszination der Oberfläche

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Fakten:
The Neon Demon
DK, FR, US. 2016. Regie: Nicolas Winding Refn. Buch: Mary Laws, Polly Stenham, Nicolas Winding Refn. Mit: Elle Fanning, Karl Glusman, Jena Malone, Bella Heathcote, Abbey Lee, Christina Hendricks, Keanu Reeves u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
Die hübsche und zurückhaltende Jesse kommt mit gerade einmal 16 Jahren nach Los Angeles, um dort als Model zu arbeiten. Die Branche ist begeistert von ihrer Natürlichkeit, doch alsbald ruft das auch zahlreiche Neider auf den Plan. Bald verwandelt sich Jesses Traum in einen Alptraum.




Meinung:
Von der Kritik zerrissen und in Cannes ausgebuht, dazu ein Titel, den sich selbst der größte Refn-Fanboy nicht besser hätte ausdenken können. Ja, auch Nicolas Winding Refns neuster Streich ist ein Dorn im Auge zahlreicher Zuschauer. Nach dem bereits mehr als kontrovers diskutierten „Only God Forgives“ treibt der eigensinnige Regisseur seinen Stil weiter auf die Spitze, provoziert dadurch fast schon seine Kritiker. Dass auch „The Neon Demon“ ein inszenatorischer Augenschmaus ist, steht außer Frage, was der Film jedoch darüber hinaus zu bieten hat ist ein streitbares und dadurch enorm interessantes Thema.


Tödlich schön?
Wo soll man anfangen, bei einem Film, dessen Anfang bereits unmissverständlich auf das Ende verweist? Vielleicht bei einer Spoilerwarnung (die sich in Anbetracht des minimalistischen Narratives fast schon als lächerlich erweist), denn ohne kann kaum eine fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Film stattfinden. „The Neon Demon“ setzt sich von den gängigen Mechanismen einer klassischen Erzählung ab, zumindest auf der inhaltlichen Ebene. Auf der formalen Ebene kann man jedoch keinesfalls von einer komplett neuartigen Herangehensweise sprechen, zwar schafft Refn es durchaus etwas Eigenes zu schaffen, und doch ist sein Stil sicherlich auch ein Rückbezug. Die Einflüsse sind dabei vielfältig, sicherlich haben die Giallis rund um Dario Argento („Suspiria“) und Mario Bava („Blutige Seide“) etwas mit der Atmosphäre und Farbgebung des Films zu tun. Gewissermaßen bezieht er sich sogar auf die Stummfilmzeit, denn Refn macht unmissverständlich klar, dass sein Kino ein visuelles ist. Vielmehr ruft er sogar dazu auf, dass sich die Kunstform Film stärker auf ihre Bilder verlassen soll, ja „The Neon Demon“ ist ein Plädoyer für die Macht der Bilder und das visuelle Erzählen. An einer Stelle heißt es: „Beauty isn’t everything, it’s the only thing“, laut Refn könnte es auch lauten: „Pictures aren’t everything, they’re the only thing“.


Der Anfang vom Ende?
Essentiell ist natürlich auch das Sujet, mit dem sich Refn hier auseinandersetzt. Von vielen Seiten wird ihm vorgeworfen, er wäre lediglich daran interessiert die Oberflächlichkeit der Modebranche zu porträtieren und würde sich dadurch mit seinem Fokus auf optische Schauwerte selbst deklassieren. Das stimmt einerseits zumindest insofern, dass der dänische Regisseur in Hinblick auf die Model-Industrie natürlich nichts Neues ans Tageslicht fördert. Wir sehen selbstverliebte Menschen, exzentrische Fotografen, neidzerfressene Konkurrentinnen und durchlaufen die üblichen Klischees von Schönheitsoperationen über Diäten bis hin zum drohenden Karriereende mit 21. „The Neon Demon“ reduziert seine Figuren maßgeblich auf ihre äußere Form, jedoch nicht, weil Refn sich nicht für sie interessiert, sondern weil ihr Umfeld es fordert, weil sie sogar selbst auf diese Oberflächlichkeit beschränkt werden wollen. Immer wieder treibt der Film diesen Punkt auf die Spitze, wenn er menschliche Körper in geometrische Formen überführt und dadurch unmissverständlich deutlich macht, dass diese reine Oberflächlichkeit nichts Natürliches oder Menschliches mehr an sich hat. Es gibt viele Filme, die sich mit dem Innenleben ihrer Figuren beschäftigen, doch nur wenige, die sich im selben Maße mit Äußerlichkeiten auseinandersetzen. Refn reflektiert darüber und unverdienterweise wird ihm deswegen fehlender Tiefgang vorgeworfen.


Figur oder Körper?
Vordergründig ist „The Neon Demon“ natürlich ein Film über die Model-Industrie, doch im eigentlichen Sinne beschäftigt sich Refn mit menschlichen Oberflächen. Zu Beginn arbeitet er unermüdlich mit Spiegeln, fängt die Körper und Gesichter der Figuren dadurch oft mehrmals in jeder Einstellung ein. Es betont die Oberflächlichkeit, die Reduktion auf äußere Formen, die unweigerlich beim ersten Kontakt zweier Individuen entsteht. Bald zerbrechen jedoch diese Spiegel (im wahrsten Sinne des Wortes) und natürlich ist es die Scherbe aus einem solchen, mit der sich die Protagonistin Jesse an der Hand verletzt. Ihre Oberfläche ist durchtrennt, die Grenze zwischen Innen und Außen geöffnet. Doch Jesse selbst beharrt weiterhin auf die äußere Form, sie will nicht, dass jemand sich ihren inneren Werten nähert, Liebe weist sie zurück. Es ist unklar, ob Unsicherheit oder Unverständnis dahintersteckt, doch für sie, wie auch für fast alle anderen Figuren des Films, gibt es nur Äußerlichkeiten. Und das ist nicht, wie fälschlicherweise angenommen, eine Abrechnung mit der Modewelt, sondern vielmehr eine überspitzte Kritik an der Oberflächlichkeit in unserer heutigen Gesellschaft. Ein Zerrspiegel, denn nur in einem geeigneten Umfeld kann eine solche Branche überhaupt gedeihen.


Schöne Menschen sieht man reichlich
Doch „The Neon Demon“ ist keinesfalls ein Film, der rein auf interpretatorische Ansätze angewiesen ist. Davon abgesehen ist er ein inszenatorisch wie atmosphärisch wirkungsvolles Werk, welches sich unmöglich auf ein Genre festmachen lässt. Wenn die psychedelische Technokulisse über die Szenerie wabert und Refn gewohnt kryptisch und vage erzählt, dann generiert das an erster Stelle Unbehagen und Anspannung. Jede Aktion, jede Bewegung scheint mit ausreichend Wirkung versehen zu sein. Ein Film, der zunächst erlebt werden muss, ein Film, der seine Zuschauer in einem Rausch aus Farben und Bilder bindet. Dabei ist „The Neon Demon“ überaus angreifbar, vielleicht noch mehr als andere Filme Refns, denn er ist über die Maße schwer zu fassen und man hat das Gefühl er bestünde aus unzähligen Kleinigkeiten. Kleinigkeiten, bei denen nicht jede zu überzeugen vermag und noch mehr gar nicht gedeutet werden können. Doch den Film zu sehen ist eine überaus persönliche Erfahrung, weil er das Medium Film und auch die eigenen Sehgewohnheiten an bestimmte Grenzen treibt. Denn letztlich ist „The Neon Demon“ selbstreflexives Kino, nicht wie wir es bisher kannten, aber so wie es im Jahr 2016 sein muss.


Über „The Neon Demon“ zu schreiben ist eine undankbare, bisweilen auch frustrierende Aufgabe. Auch wenn es die Länge des Textes nicht unbedingt impliziert, so werden diejenigen, die den Film bereits gesehen haben, diese Empfindungen durchaus nachvollziehen können.  Denn es ist schwer Worte für ein Werk zu finden, das so sehr von seinen Bildern lebt und noch schwerer die unzähligen und zum Teil auch widersprüchlichen Gedanken, die einem während der Sichtung durch den Kopf schweben, in produktive Bahnen zu lenken. Abschließend bleibt lediglich zu sagen: Schaut euch diesen Film an, egal ob ihr ihm letztlich etwas abgewinnen könnt oder nicht, denn „The Neon Demon“ verdient es gesehen zu werden.


7 von 10 unverdauten Augäpfel 

Review: KNOCK KNOCK – Sexy Albtraum im wohligen Eigenheim

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Fakten:
Knock Knock
CL/US, 2015.
Regie: Eli Roth. Buch: Eli Roth, Nicolás Lopez, Guillermo Amoedo. Mit: Keanu Reeves, Lorenza Izzo, Ana de Armas, Ignacia Allamand, Aaron Burns, Colleen Camp u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 10. Dezember 2015 im Kino.


Story:
Der Architekt Evan Webber führt ein idyllisches Leben mitsamt opulentem Wohnhaus, wunderschöner Frau und quirligen Kindern. Als die über das Wochenende an den Strand fahren, will er sich allein zuhause ganz der Arbeit widmen. Spät am Abend klopft es allerdings an der Tür und zwei extrem attraktive, junge Frauen stehen durchnässt vor ihm. Als Evan die beiden in seinHaus lässt, ahnt er nicht, worauf er sich da eingelassen hat.




Meinung:
Eli Roth genießt schon länger einen zweifelhaften Ruf. Sein Debüt "Cabin Fever" zog durch seine leidenschaftliche Hingabe an Backwood-Horror-Vorbilder unter anderem die Aufmerksamkeit von Star-Regisseur Quentin Tarantino auf sich, der schnell ein freundschaftliches Verhältnis zu Roth entwickelte. Tarantino ist es wohl auch zu verdanken, dass dessen "presented by"-Prädikat für eine ungemein höhere Aufmerksamkeit bei Roth´s nächsten Film "Hostel" gesorgt hat. Mit "Hostel" und "Hostel 2" hat sich der Regisseur schließlich den Ruf eines geschmacklosen Provokateurs erarbeitet, der praktisch als Begründer des "Torture-Porn"-Subgenres im Mainstream gilt.


Nix als Ärger mit den Frauen, was Keanu?
"Knock Knock", der mittlerweile fünfte Film des Regisseurs, ist neben seiner eigentlichen Genre-Zuweisung dabei ein auffälliges Spiel von Roth, bei dem dieser augenzwinkernd mit seinemeigenen Status jongliert. Entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung gegenüber jedem neuen Projekt von ihm bietet der Streifen überraschend wenig explizite Gewalt und ist auch sein erster Film, der hierzulande für Jugendliche freigegeben wurde. An der Qualität ändern diese Tatsachen allerdings wenig, denn Roth hat sein Handwerk noch etwas weiter geschärft und setzt in "Knock Knock", welcher lose auf einem Exploitation-Streifen aus den 70ern basiert, auf eine Mischung aus Home-Invasion-Psycho-Thriller und genüsslicher Verdrehung gängiger Gender-Klischees. Zunächst liefert der Regisseur einen ruhigen Einstieg, bei dem der Zuschauer die Hauptfigur und dessen vorbildhaftes Leben kennenlernt. Als wenig später dann die beiden Damen auf den Plan treten, die sich klatschnass, hilfsbedürftig und überaus reizvoll Eintritt in das Haus des Architekten verschaffen, formt Roth auf atmosphärische Weise ein sehr ausgedehntes, mitunter erotisches Vorspiel, das den Zuschauer fast ebenso unerträglich reizt wie Hauptfigur Evan.


Wollen wohl "John Wick" nachspielen
Nachdem der Regisseur die Anspannung kurzzeitig in einem prickelnden Höhepunkt entlädt, entwickelt sich "Knock Knock" fortan zu einer dichten Mischung aus irritierend-unterhaltsamen Schabernack sowie ernstzunehmenden, gut platzierten Thrills. Aus dem altbekannten "Killer-jagt-unschuldige- Mädchen"-Szenario formt Roth hier eher "Zwei-Teufelinnen-terrorisieren-unschuldigen-verweichlichten-Familienvater" und hat sichtlich Spaß an der Verdrehung der Rollenbilder. Einen wesentlichen Teil trägt das zentrale Hauptdarsteller-Trio bei, das aus Keanu Reeves, Lorena Izzo und Ana de Armas besteht. Während die Frauen gewieft zwischen unglaublich verführerisch und diabolisch schalten, spielt Reeves hier so befreit und überzeugend wie schon lange nicht mehr. Vor allem eine bestimmte Szene, in welcher der gesamte Terror zu einem unvergleichlichen, nervlichen Zusammenbruch führt, muss man einfach selbst gesehen haben, um sie zu glauben. Dabei ist der Film nicht frei von Schwächen. Einige wesentliche Entscheidungen und Motivationen, welche viele elementare Handlungszüge bestimmen, sind etwas weit hergeholt oder wenig nachvollziehbar und bei der ein oder anderen Szene hat die Logik definitiv Pause.


Am Ende ist "Knock Knock" aber ein gelungener Horror-Spaß, der Kurzweiligkeit, gelungenes Schauspiel und eine stimmige Balance zwischen Spannung und amüsanter Unterhaltung bietet. Eli Roth´s Regie ist diesmal weitaus weniger reißerisch und heftig ausgefallen als gewohnt, überzeugt aber mit einer geradezu eleganten Inszenierung, die von den Kamerafahrten bis hin zur passenden Musik für viel Atmosphäre sorgt. Selbstironisch und trotzdem ernstzunehmend zeigt der Regisseur, dass er auch ohne Provokation und Gewaltexzesse abliefern kann.


7 von 10 Gratis-Pizzen


von Pat

Review: JOHN WICK - Frau tot, Hund tot, Auto weg, Waffen her

2 Kommentare:


Fakten:
John Wick
USA. 2015. Regie: Chad Stahelski. Buch: Derek Kolstad. Mit: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Adrianne Palicki, Willem Dafoe, Ian McShane, Lance Reddick, Randall Duk Kim, David Patrick Kelly, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Clarke Peters, Daniel Bernhardt, Keith Jardine, Brdiget Regan, Kevin Nash u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 4. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich-


Story:
Das letzte Geschenk seiner toten Frau war dieser Hund, doch als ein paar Jung-Gangster diesen, bei einem Einbruch töten reicht es John Wick. Er kramt seine Waffenkiste raus und beginnt die Jagd auf dem Anführer der Übeltäter, der sich noch in Sicherheit wiegt. Noch weiß er nämlich nicht, dass John Wick einer der besten Profikiller aller Zeiten war.





Meinung:
Keanu Reeves agiert in einer Schattenwelt. Damit ist nicht die Figur des „John Wick“ gemeint, sondern seine Karriere. Irgendwie hat es Reeves geschafft, trotz diverser Flops immer noch so zu wirken, wie zu den Zeiten, als er groß im Geschäft war. Das liegt zum einen wohl daran, dass Reeves scheinbar nur Projekte annimmt, die ihn selbst interessieren (auch wenn diese oftmals weit entfernt von gut sind), zum anderen auch daran, dass seine Karriere schon immer ein stetiges Auf und Ab war. Ob er mit „John Wick“ wieder ein Auf erreicht, das ist zu bezweifeln, jedoch wird sich Reeves in dem Actionfilm von Regisseur und Stuntman Chad Stahelski gewiss in die Herzen vieler Actionfans prügeln und ballern, die ihn noch nicht kennen oder ganz einfach nicht bemerkt haben.


John Wick bei der Arbeit
„John Wick“ ist reinrassiges Action-Konzentrat. Die Handlung ist dünn und unsinnig, versprüht deswegen und durch ihre glasklare Linie, die sich ans Genre anschmiegt wie ein Seidenschal, einen gewissen prolligen Charme, der sich vor allem immer dann zeigt, wenn die Action pausiert und das Drehbuch Dramatik und Emotionen vorsieht. Dann wird „John Wick“ vollends zum Panoptikum des Beschränkten. Frau tot, Hund tot, Auto weg, Waffen her. Das dabei entfachte Feuerwerk an physischer und ballistischer Action, die oft genug mit einander einhergehen, ist stets ansehnlich und gut choreographiert, es fehlt ihm aber dann doch noh das letzte Quäntchen Druck, der sich an allen Seiten entlädt. „John Wick“ wirkt ein wenig so, als ob man sich nicht ganz sicher war, welchen Weg man nun einschlagen will. Den der PG-13-Action oder doch die erwachsene Holzhammermethode, in der die Ästhetik aber auch Folgen der Gewalt im Vordergrund stehen. Was Regisseur Stahelski nun präsentiert besitzt durchaus agilen wie teils auch kraftvollen Budenzauber, wiederholt sich aber zunehmend und wird irgendwann ziemlich redundant.


Gott vergibt - John Wick nicht
In Sachen Action kann „John Wick“ also leider nicht so überzeugen, wie erhofft. Dafür macht es Spaß Keanu Reeves in solch einer einfachen wie stimmungsvollen Rolle zu sehen. Reeves, der oft Schelten einstecken musste, wegen seiner Schauspielkunst, scheint hier wirklich der perfekte Protagonist zu sein. Eine Mischung aus Verletzlichkeit, eiskalten Profi und gezwungenem Anti-Helden, vereint als Mann im schwarzen Anzug. Aber auch verblasst gegenüber der wahren Stärke des Films: seiner Welt. „John Wick“ ist nicht dann am stärksten, wenn geschossen, gestochen oder gerast wird, sondern wenn man als Zuschauer die scheinbar höchst differenzierte Welt der Auftragskiller und Gangster erklärt bekommt. Die Schattenwelt des Verbrechens bekommt hier ein stimmungsvolles wie attraktives Setting spendiert, in die der Film immer wieder genussvoll hinabgleitet. Wirklich lange hält sich „John Wick“ mit Expositionen nicht auf und erhöht damit nur noch weiter den Status des mysteriösen, den diese Zwielichts-Welt besitzt. Bedauerlich, dass es am Ende nur kurze Ausflüge zum Luft schnappen sind, zwischen den Actionzelebrationen, die zu Beginn noch Laune machen, später aber mehr wie eine Fließarbeit anmuten.


„John Wick“ wird Actionfan problemlos sättigen und besitzt darüber hinaus durchaus infantilen Charme. Kaum zu glauben, aber hinter der simplen Handlung und den noch einfacher gestrickten Figuren steckt durchaus auch eine comichafte Welt, die ihre ganz eigenen Regeln und somit auch Reize bietet. Dass sich Regisseur Chad Stahelski nur sekundär für diese interessiert ist die wohl größte Schwäche, bzw. Fehler des Films. So bleibt „John Wick“ reinrassige Action, der es an echter Wucht und Verve fehlt, die aber gewiss Fans des Genres zufrieden stellen sollte.


5 von 10 Tischreservierungen

Review: MY PRIVATE IDAHO – DAS ENDE DER UNSCHULD – Jugend ohne Jugend

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Fakten:
My Private Idaho (My own private Idaho)
USA.1991.
Regie und Buch: Gus van Sant. Mit: River Phoenix, Keanu reeves, James Russo, Udo Kier, Flea, Grace Zabriskie, William Richert, Rodney Harvey, Jessie Thomas, Tom Troupe, James Caviezel, Gus van Sant u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Scott und Mike leben auf der Straße und verdienen ihr Geld als Stricher. Während Scott aus gutem Hause kommt und gerade in einer rebellischen Phase steckt, ist Mike ein echtes Straßenkind, welches darüber hinaus auch unter Narkolepsie leidet. Während eines Anfalls, sieht er Bilder aus seiner Kindheit. Daraufhin will Mike seine Mutter suchen, die ihn als Kind verließ.





Meinung:
Am Horizont gieren schwarze Augen, während die endlose Straße alles in sich zu fressen begehrt: Der Highway wird in „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ zur gigantischen Fratze, unersättlich lechzend, erschreckend in ihrer Maßlosigkeit. Und doch ist es eine Straße, die man immer wieder heimsucht, nur um jedes Mal feststellen zu müssen, das sie doch nirgendwohin führt. Mike Waters (River Phoenix), ein mittelloser Stricher aus Portland ist einer dieser Menschen, die ihren Blick immer wieder über den von der Sonne erhitzten Asphalt schweifen lässt, bis er kurze Zeit später zusammenbricht. Mike leidet nämlich unter Narkolepsie – im Volksmund auch als „Schlafkrankheit“ genannt – und kann seine schlagartigen Zusammenbrüche nicht kontrollieren. Kontrolle ist auch ein weiteres Stichwort in Bezug auf „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ und unseren Protagonisten Mike: Seinen Alltag fristet er perspektivlos Gassen und Hinterhöfen, immer auf der Suche nach Freiern, die ihn mit ihrer Entlohnung für seine Dienste den nächsten Nadelstich ermöglichen.


Keine Panik, der schläft nur
Es ist gewiss von einer bitteren Tragik gezeichnet, sieht man den jungen River Phoenix hier dabei zu, wie er sich wiederholt Heroin in die Adern spritzt. Angeblich soll der am 31. Oktober 1993 an den Folgen eines Drogencocktails in den Armen seines Bruders Joaquin Phoenix verstorbene River Phoenix während der Dreharbeiten von „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ zum ersten Mal in Berührung mit dem Opioid gekommen sein. Und doch bleibt uns mit seiner Darstellung des Mike Waters einer der stärksten Beweise dafür, wie gut River Phoenix doch agieren konnte. Sicher, im Angesicht des reellen Trauerfalls nur ein Wermutstropfen, sein Spiel ist jedoch so ausbalanciert und pointiert, dass wohl kaum noch Zweifel daran bestehen, dass der Vollblutschauspieler River Phoenix irgendwann ebenfalls in Brando'sche Höhen hätte aufsteigen können. Neben Phoenix weiß auch Keanu Reeves zu gefallen, den man inzwischen eher als stocksteifen Schlacks zur Kenntnis genommen hat, in der Rolle des Bürgermeistersohnes Scott Favor jedoch ziemlich gut mit Phoenix harmoniert.


Was verbindet Mike und Scott wirklich?
Mit „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ erzählt Gus Van Sant eine Jugendballade über Sehnsüchte und die auf dem Fuße folgenden Enttäuschungen. Mike ist ein obdachloser Niemand, drogenabhängig und keinerlei Hoffnungen auf ein geregeltes Dasein. In Scott findet er einen Freund auf gutem Haushalt, der sich allerdings dagegen wehrt, ähnlich elitäre Bahnen wie sein Vater einzuschlagen und ebenfalls sein Geld für sexuelle Dienstleistungen auf den Straßen verdient. Anders als Mike ist Scott nicht homosexuell und nachdem sich Mike in den schwarzhaarigen Adonis verliebt, bahnt sich schon der nächste Rückschlag an. „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ macht es seinem Narrativ genauso schwer wie dem Zuschauer, der der Geschichte um Mike und Scott folgt: Weggabelungen werden immer in Richtung 'Niederlage' eingeschlagen, bis sich der innerseelische Frust bis zum Gehtnichtmehr angestaut hat. Mike sucht die Geborgenheit in einem festen Partner, nicht nur in der Freundschaft, findet aber zumeist nur Zurückweisung und macht sich irgendwann auf die Suche nach seiner Mutter.


Elliptisch spielen sich immer wieder Kindheitserinnerungen vor dem inneren Auge von Mike ab, der Wunsch nach einer, nach SEINER Familie wächst zunehmend. Aber auch die Erfüllung dieses Verlangens bleibt ein utopisch Gedanken. Während sich Scott in Italien zu einem Mädchen hingezogen fühlt und später tatsächlich der Tradition seines Stammbaumes einwilligt, findet sich Mike in den vorherigen, den abgetragenen Schuhen wieder. Scott wendet sich von der Straßensippschaft ab, Mike hingegen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass das Leben ihm keine besseren Karten austeilen möchte und schreit und tobt sich zusammen mit seinem Kumpanen in die Schwarzblende hinein: Have a nice day. In „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ beweist Gus Van Sant vor alle, wie mutig er doch im Umgang mit menschlichen Schicksalen wirklich sein kann. Wie wenig Interesse an der verzogenen Augenwischerei er hegt und dennoch ein liebes Wort zum Abschluss für sein Publikum auf Lager hat. „My Private Idaho – Das Ende der Unschuld“ ist ein ungefilterter, gerne auch mal anstrengender Film über das Leben an sich. Über die Scheiße, die einfach dazu gehört, die man sich nicht aussuchen kann, sondern höchstens damit abfinden, wenn es eben keinerlei Fluchtmöglichkeiten mehr parat hält.


7 von 10 kommunizierenden Schwulenblättern


von souli