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Review: ES WAR EINMAL IN AMERIKA - Das Beste kommt zum Schluss

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Fakten:
Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America)
IT, USA, 1984. Regie: Sergio Leone. Buch: Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, Harry Grey (Vorlage). Mit: Robert De Niro, James Woods, Elizabeth McGovern, Tuesday Weld, William Forsythe, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Danny Aiello, Jennifer Connelly, James Russo u.a. Länge: 220 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als Kinder lernen sich "Noodles" und Max auf den rauen Straßen der Lower East Side von New York kennen. Zusammen mit ihren Freunden nehmen sie zunächst nur Betrunkene aus, werden bald darauf zu Laufburschen der Alkohol-Mafia. Aus den Kleinganoven werden im Laufe der Jahre nicht nur selbst Schwerkriminelle, sondern zugleich beste Freunde. Am Ende der Prohibition will Max einen letzten großen Coup landen, Noodles hält diesen für viel zu riskant. Die Freundschaft wird nicht nur auf eine harte Probe gestellt, Noodles muss eine Entscheidung treffen, die ihn sein Leben lang verfolgen wird.









Meinung:
Sergio Leone‘s letzter Film ist sein ultimatives Meisterwerk geworden. Sehr traurig, dass es zum US-Kinostart vom damaligen Verleih radikal gekürzt und (chronologisch) umgeschnitten wurde, was zu ernüchternden Kritiken führte. Eine echte Schande, dass mit dem Lebenswerk einen großen Regisseurs so fährlässig und respektlos umgegangen wurde.


Straßenköter im feinen Zwirn.
In der 220 Minuten langen Version, mit der ursprünglich und einzig sinnvollen Schnittfassung, ist "Once Upon a Time in America" ein überlebensgroßes Epos, das pure Kinomagie ausstrahlt. 220 Minuten klingen verdammt lang, ganz ehrlich, der könnte den ganzen Tag laufen. Nicht eine Minute wirkt das zu lang. Einer der wenigen Filme, in denen man sich komplett verlieren kann. Fast 4 Stunden befindet man sich in einer ganz anderen Welt, die Leone mit einer unglaublichen Perfektion und Detailversessenheit zum Leben erweckt. Dass er dieses Werk über mehr als ein Jahrzehnt akribisch vorbereitete, ist in jedem Moment spürbar. Jede Szene, jede Einstellung kann praktisch als perfekt erachtet werden. Das Gleiche gilt für den Cast, jede noch so kleine Rolle ist optimal besetzt. Besonders bemerkenswert, dass nicht nur sehr fähige Kinderdarsteller gefunden wurden, sondern das sie wirklich so aussehen, als wenn Jahre später daraus diese Personen werden. Das könnten tatsächlich die Kinder von De Niro, Woods, Forsythe und Co. sein.


Chillout auf chinesisch.
Die Geschichte einer Freundschaft, über mehrere Dekaden erzählt, ist so wunderbar eingefangen, mitreißend und ergreifend, dass man eigentlich immer wieder fasziniert davor sitzt und es einfach nur genießt. Dazu gibt es den vielleicht besten Score von Ennio Morricone, den er je komponiert hat. Der Mann hat so vieles geschaffen, das hier ist einfach nur unglaublich. Panflötenmusik ist nicht jedermanns Sache, hier verursacht sie Gänsehaut. Warum er dafür nicht den Oscar bekommen hat? Der Verleih hat doch tatsächlich vergessen, ihn anzumelden. Das ist doch nicht zu glauben. Die Verantwortlichen sollten mit Schimpf und Schande über die Hollywoodhills gejagt und mit lebenslangen Berufsverbot belegt werden. Auf Grund diesem unfähigen Pack wurde "Once Upon a Time in America" zu seiner Zeit leider nicht die Ehre und Anerkennung zu Teil, die er verdient hätte. Das hat sich ja inzwischen Gott sei Dank geändert. Ohne jeden Zweifel ist dies einer der größten Filme der Geschichte und ein Muss für jeden.


Um mal kurz auf das frauenfeindliche Bild des Sergio Leone zu sprechen zu kommen: Ja, da gibt es wieder ordentlich Feuer. Allerdings muss da der Kontext gesehen werden. Noodles hat in seinem ganzen Leben lang nur Kontakt zu Frauen gehabt, die entweder für ein russisches Törtchen die Beine breit machen oder generell sexgeile Luder sind, die sich gerne auch beschimpfen und schlagen lassen. Die Frau, die er jedoch sein ganzes Leben lang begehrt, fällt nicht in diese Kategorie. Deshalb weiß er auch nicht mit der engelsgleichen Deborah umzugehen bzw. mit seinen Trieben. Das führt schlussendlich zu der Vergewaltigungsszene in der Limousine, wodurch er es sich mit der einzigen Frau verscherzt, die ihm wirklich etwas bedeutet hat. Macht Sinn für die Figuren und die Geschichte, ist tragisch und nicht zwingend misogyn. 

10 von 10 klingelnden Telefonen

Review: KILLER - TAGEBUCH EINES SERIENMÖRDERS - Eingesperrt, nicht gezähmt

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Fakten:
Killer – Tagebuch eines Serienmörders (Killer: A Journal of Murder)
USA, 1996. Regie: Tim Metcalfe. Buch: Tim Metcalfe, Thomas E. Gaddis & James Long (Vorlage). Mit: James Woods, Robert Sean Leonard, Ellen Greene, Cara Buono, Robert John Burke, Richard Riehle, Harold Gould, John Bedford Lloyd, Jeffrey DeMunn, Conrad McLaren, Steve Forrest, Lili Taylor u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD erhältlich (keine aktuelle Auflage).


Story:
1930 tritt Henry Lesser seinen Dienst als Schließer in der Haftanstalt von Leavenworth an. Die unmenschlichen Methoden seiner Kollegen gegenüber den Häftlingen stoßen ihm bitter auf. Zwischen ihm und dem wegen Diebstahl inhaftierten Carl Panzram, der durch die Wachen brutal misshandelt wird, entsteht so etwas wie eine Freundschaft. Carl schreibt seine Lebensgeschichte nieder und bietet sie Henry zu freien Verfügung an. Dort offenbart sich Penzram nicht nur als kleiner Dieb, sondern als notorischer Killer, der bereits 21 Menschen auf dem Gewissen hat.





Meinung:
„Sie haben mich erschaffen und jetzt töten sie mich.“

Beruhend auf einer wahren Geschichte versucht die Buchverfilmung „Killer – Tagebuch eines Serienmörders“ das marode und über die Jahrzehnte kaum effektivere Justiz- und Haftsystem der USA an den Pranger zu stellen, was ihm sicher zum Teil auch gelingt, nur kann der Film von Tim Metcalfe selten richtig mitreißen und wirkt über weite Strecken sehr uninspiriert, beliebig und schlicht zweckdienlich inszeniert.


Die schönsten Geschichten schreibt das Leben.
Vom Grundsatz eine höchst interessante Geschichte um die fast als Freundschaft zu bezeichnende Beziehung zwischen dem gutherzigen, für den harten Gefängnisalltag anno 1930 bald ungeeignet-menschlichen Wärter Henry Lesser und dem Soziopath Carl Panzram, die sich in mehrere Richtungen und Genres entwickeln könnte, unterm Strich jedoch nichts zur vollsten Zufriedenheit bedient. Anfänglich wie ein typisches Knastdrama aufgebaut, könnte sich eine eindringliche Charakterstudie entwickeln, doch dafür erreicht Tim Metcalfe niemals die benötigte Tiefe und Empathie, kratzt lediglich an der Oberfläche und schildert mehr einen hastigen Spurt durch das Leben eines schwer bis gar nicht therapierbaren Monsters, das zwar über keinerlei ehrliches Gewissen verfügt, jedoch über genug Sachverstand und Realitätsbewusstsein als das es nicht erkennen würde, dass für Leute wie ihn ohnehin keine Chance besteht. Penzram – explosiv, gewohnt ausdrucksstark und weit über der allgemeinen Klasse des Films verkörpert durch James Woods – mag teilweise ein Produkt seiner Lebensumstände sein, insgesamt ist er schlicht ein skrupelloser Mensch, ein wildes Tier, der sich dessen klar bewusst ist. Er kann sich nicht ändern, sieht dabei auch keine Chance in einem auf Isolation und nicht auf Rehabilitation getrimmten System, dass er die dringend benötigte Hilfestellung bekommt.


Mein Freund, der Killer.
Dieser Grundgedanke des von Oliver Stone produzierten Films ist so richtig wie aufzeigend, drückte sie allerdings sehr direkt, nicht unbedingt geschickt und gegen Ende etwas zu sentimental dem Zuschauer aufs Auge, wo mit etwas Fingerspitzengefühl deutlich mehr möglich gewesen wäre. An dem erstklassigen Woods liegt dies sicher nicht, mehr kann der kaum machen. Sein bemühter, gleichzeitig wahnsinnig blasser Gegenpart Robert Sean Leonard sieht dagegen keinen Stich, ähnlich wie die schmale Inszenierung von Metcalfe, die eher an eine TV-Produktion erinnert. Für die Voraussetzungen ist das mehr als bedauerlich, aus dem Stoff ließe sich spielend ein packender, sogar wichtiger Film machen. Mehr als ein nur partiell reizvolles, durch sein dröges Äußeres und seine mitunter plumpe Umsetzung letztlich mittelprächtiges Werk springt dabei nicht heraus. Ohne Woods und die immer noch durchaus aktuelle (vielleicht sogar zeitlose?) Thematik schnell wieder vergessen, so bleiben doch noch einige Dinge vielleicht mittelfristig im Gedächtnis hängen.


Fakt am Rande: Der Film ist Sam Peckinpah gewidmet, da Tim Metcalfe durch dessen Western-Klassiker „The Wild Bunch“ seinen Berufswunsch als Regisseur verfolgte. Nette Anekdote und schön, dem wilden Sam seinen Film deshalb zu widmen, macht das Produkt aber leider nicht besser. 

5,5 von 10 illegalen Bleistiften

Review: NIXON – UNTERGANG EINES PRÄSIDENTEN – Oliver Stone und die fiktive Realität

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Fakten:
Nixon
USA. 1995. Regie: Oliver Stone.
Buch: Christopher Wilkinson, Stephen J. Rivele, Oliver Stone. Mit: Anthony Hopkins, Joan Allen, Powers Boothe, Ed Harris, Bob Hoskins, E.G. Marshall, David Hyde Pierce, Mary Steenburgen, David Paymer, Paul Sorvino, James Woods, Kevin Dunn, John C. McGinley, Annabeth Gish, Edward Herrmann u.a. Länge: 212 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Geschichte des politischen Fall des Richard Nixon, dem 37. Präsident der Vereinigten Staaten.





Meinung:
Mittels anachroner Narration behandelt Oliver Stone in 190 Minuten den Untergang des Richard Nixon und unterzieht die signifikanten Stufen seiner Präsidentschaft einer für tradierte Sehgewohnheiten ungewöhnlichen, für einen durchaus mutigen Filmemacher wie Stone es ist aber prädestinierten Fragmentierung. Wichtig ist es nicht nur, sich auf den Film einzulassen, also ihn in seiner Eigenart zu akzeptieren, sondern auch zu verstehen, wie der politisch schon immer engagierte Regisseur es erstrebt, sein umstritteneres Werk wirklich zu entfalten – Ähnlich wie bei seiner vier Jahre zuvor entstandenen Rekonstruktion des Attentats auf John F. Kennedy, mit der Stone filmisch zwar Fulminantes leistete, den klaren Anspruch auf Realitätsnähe aber gewiss in Grenzen zu halten wusste. „Nixon“ gleicht einer shakespearschen Königstragödie, in der zuweilen auch nicht mit theatralischen Gestiken gegeizt wird: Richard Nixon (Anthony Hopkins) fällt in demonstrativer Pose flehend auf die Knie, während sich Außenpolitiker Henry Kissinger (Paul Sorvino) angesichts des medialen Scherbenhaufens nur noch wehmütig ausmalen darf, was aus Nixon wohl geworden wäre, wenn er von doch nur die Liebe der Masse erfahren hätten dürfen.


"Sir, Sie haben wieder vergessen eine Hose anzuziehen."
Sympathisiert Stone etwa mit dem 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten? Sucht er eine Entschuldigung für sein Fehlverhalten, welches ihn schließlich zum Rückritt aus seinem Amt zwang und von Gerald Ford zu Ende geführt werden musste? Hat Stone Mitleid? Und wenn ja: Darf er überhaupt Mitleid mit dem Menschen bekunden, dessen Karriere von Skandalen umwittert war und der Amerika die „Unschuld“ raubte? Was Stone darf und was nicht, steht in „Nixon“ rein gar nicht zur Debatte. Was zählt ist nur, wie Stone sich auszudrücken pflegt und welche Argumente er für seine Thesen und Feststellungen innerhalb dieses komplexen Kosmos findet. Ob es glaubwürdig ist, was Stone seinem Publikum serviert, steht wie immer noch auf einem ganz anderen Blatt Papier; wie Stone aber die subjektive Perspektive auf den Niedergang des Richard Nixon formt und artikuliert, ist inhaltlich wie auch formal tadellos. Visuelle Sperenzchen sind im stone'schen Kino natürlich Gang und Gäbe, und trotz der rasanten Schnittfolgen, den Zeitraffern und den Wechseln zwischen Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen, synthetisiert er das Szenario durch gekonnte Proportionen nicht im Überdruss.


Mr. und Mrs. Nixon beim gemeinsamen Tänzchen
„Nixon“ erläutert nicht die Wirklichkeit, Stone hingegen nimmt Fakten, ob politischer oder menschlicher Natur, und fungiert sie zu einer Fiktion, in der sich Wahrheit und Bewusstsein wahrscheinlich doch näher sind, als man als Außenstehender imstande wäre abzuwägen. Mit „Nixon“ verfolgt Stone einen Menschen, der Masken ausgestattet scheint und von denen er dann in den unterschiedlichsten Situationen Gebrauch macht, bis seine enorme Maskerade in Form der Watergater-Affäre endgültig zusammenbricht. Es steht auch außer Frage, dass Nixon, der sich selber als Friedenstaube in Bezug auf Vietnam sah, es war, der den Krieg nur noch weiter herauszögerte und der Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei nur die Spitze des Eisbergs war. Interessant ist für Stone hingegen nicht nur der Blick auf die politische Laufbahn Nixons, sondern auch der Mensch, seine Antriebe, der im strengem Elternhaus zurechtgestutzt wurde und nur durch den Tod den Sprung in die Führungsetage schaffen konnte. Der Tod seiner beiden Brüder ermöglichte ihm das Studium und der Tod Kennedys schließlich den Posten im Weißen Haus.


 
Lonesome Dick
Richard Nixon war ein Mensch, der offensichtlich mit den eigenen Dämonen zu ringen hatte, der von Selbstzweifeln zerfressen wurde, in seinen Auftritten aber strikt die mit in die Luft geworfenen Armen unterstrichene Angriffsmentalität seiner Klasse vertreten musste. Der nichts mehr fürchtete als eine Niederlage, sich schließlich aber mit seiner treuen Frau Pat (Joan Allen) in der Dunkelheit einer solchen wiederfand, denn für die Korruption auf höchster Ebene, die Anordnung der Bombardements auf Kambodscha, die Beteiligung an der Hatz auf Kommunisten, die Vertuschungen der eigenen Rücksichtlosigkeit und viele weitere Ungereimtheiten, ist ein solcher Sturz irgendwann nur die logische Konsequenz. Nixon wollte nur die Unterstützung erleben, wie sie sein allseits geliebter Vorgänger erfuhren durfte, und doch blieb er immer der – schließlich auch zu Recht - ungeliebte Kopf der republikanischen Partei. Und doch ist Nixon auch der auslösende Knopf innerhalb einer Exekutive gewesen, in der sich niemand im Nachhinein mit Ruhm bekleckern durfte: Nicht Haldeman (James Woods), nicht Mitchell (E.G. Marshall), nicht Haig (Powers Boothe) und erst Recht nicht Kissinger, den Stone etwas zu sacht angeht.


Besser als eine trockene Abhandlung von Daten und Informationen ist Stones polemische Charakter-Studie in jedem Fall, aber mit Subtilität und Sachlichkeit hatte es die New Yorker Koksnase ja bekanntlich noch nie. Und schließlich ist „Nixon“ keine öde Dokumentation, sondern ein Spielfilm, der Reelles mit Fiktivem vermischt und sich ein eigenes Bildnis der Lage rundum Richard Nixon und seinem politischen Werdegang erlaubt. Dass das Psychogramm aber letztlich auch in diesem Ausmaß funktionieren darf, liegt am famos aufspielenden Anthony Hopkins in der Hauptrolle, der den Präsidenten, dessen Lächeln immer fremd im eigenen Gesicht gewirkt hat, natürlich nah an der Überzeichnung auslegt, sich so aber präzise auf diese Persönlichkeit einleben kann und jede Facette herausragend auszuspielen weiß. Ob „Das Schweigen der Lämmer“ wirklich Hopkins Vermächtnis bleiben darf, muss angesichts dieser überwältigenden Performance ernsthaft infrage gestellt werden.


8 von 10 bitteren Abgängen


von souli

Review: WHITE HOUSE DOWN - Es kracht in Washington D.C.

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Fakten:
White House Down
USA. 2013. Regie: Roland Emmerich. Buch: James Vanderbilt. Mit: Channing Tatum, Jaime Foxx, Maggie Gyllenhaal, Joey King, Jason Clarke, James Woods, Richard Jenkins, Jimmi Simpson, Nicholas Wright, Rachel Lafevre, Lance Reddick, Michael Murphy, Matt Craven, Jake Weber, Kevin Rankin, Barbara Williams, Anthony Lemke, Garcelle Beauvis, Falk Hentschel, Kyle Gatehouse, Peter Jacobson, Jackie Geary u.a. Länge: 131 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 9. Januar 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Cop John dachte, es wird ein ganz normales Vorstellungsgespräch für einen Posten als Bodyguard. Doch zum einen ist ein Vorstellunggespräch im Weißen Haus niemals eine gewöhnliche Angelegenheit und zum anderen wird er Zeuge wie eine schwerbewaffnete Einheit das Weiße Haus zu einem Kriegsschauplatz verwandelt. Für John beginnen gefährliche Stunden, in denen er nicht nur zum Schützer des Präsidenten James W. Swayer wird, sondern auch noch seine elfjährige Tochter, die ihm zum Vorstellungsgespräch begleitet hatte, retten muss.




Meinung:
Roland Emmerich war Zeit seiner Karriere immer dafür bekannt, inzwischen ist er dafür in gewisser Weise natürlich auch gebrandmarkt, denn sein Ausflug in historische Gefilde mit „Anonymous“ war nie mehr als ein laues Lüftchen, seine künstlerische Befriedigung darin zu finden, möglichst viele Lokalisationen mit kultureller und politischer Bewandtnis zu pulverisieren. Ob Alien-Invasion oder brachialer Naturkatastrophe, Emmerich, unser schwäbischer Spielbergle, hatte trotz seiner gerne revolutionären Anwendung von CGI-Effekten immer das Problem, dass ihm der falsche Nationalstolz ins amerikanische Exil viel zu sehr in Herz gewandert ist. Soll heißen, auch wenn es schon zu genüge wiederholt und erwähnt wurde: Emmerich möchte amerikanischer sein, als die echten Amerikaner. Sein aufgesetzter Patriotismus zerstört das Sehvergnügen, denn von intentionaler Ernsthaftigkeit konnte der Regisseur ja noch nie Gebrauch machen, entweder stumpf und laut oder gar nichts.


Sawyer bekommt wohl keinen Friedensnobelpreis mehr
Es sollte bis ins Jahre 2013 dauern, in dem sich Roland Emmerich endlich auf diesen profitablen Kompromiss eingelassen hat – Allerdings auch nicht mit letzter Konsequenz, was seinen Terroristen-Klopper „White House Down“ eben auch davon abhält, ein wirklich guter Film zu sein. Aber, und das ist ein großes Aber, Emmerich beweist über weite Strecken genau den Humor, den sein großer Klassiker „Independence Day“ nur als Scheinbild angab, um seinen Patrioten möglichst viel Sympathie einzuflößen. In Wahrheit aber hatten nur die an traditionellen Werten klammernde Bevölkerung aus den Vereinigten Staaten ihren Spaß an diesem dämlichen Sci-Fi-Reißer, auch wenn wir uns vor Augen halten müssen, dass wir uns in einem Genre befinden, in dem die Kriterien, die am Realismus des Szenarios und den visualisierten Handlungen haften, eher milde ausfallen durften. „Independence Day“ scheiterte letztlich an diesem unsäglich pathetischen Überdruss von patriotischem Heroismus. Genau diesem erdrückenden Defizit geht „White House Down“ aus dem Weg, jedenfalls in kategorischer Dominanz.


Mit plastischen Charakterzeichnungen hatten es die Drehbücher zu einem Emmerich-Film ja nun auch noch nie, genau wie es eine These bleibt, dass seine Filme eine wirkliche Botschaft haben – Dafür fehlen nun einfach die Indizien. Es zählt der Unterhaltungsfaktor, der dem Zuschauer mal erlaubt sich nicht auf Einzelheiten und ineinandergreifende Handlungsebenen zu konzentrieren; Emmerich möchte sein Publikum mit Schauwerten (über-)sättigen und anhand distinguierter und vollkommen schematischer Helden von Explosion zu Erdbeben führen. In „White House Down“ geht diese Rechnung auch zum ersten Mal auf und es ist auch noch ausgerechnet der sonst so hölzern agierende Frauenschwarm Channing Tatum, dem sich der Rezipient im Kampf gegen die Terroristen bereitwillig anschließt, ohne durch überzogene Coolness oder unsympathische Charakteristiken dazu genötigt wird, sich doch eher den Bösewichtern des Films anzuschließen. Tatum bekam mit John Cale eine Figur zugesprochen, die auch zuweilen eine Karikatur auf das eigene Image des Schönlings ist, aber das Tatum ja durchaus Humor besitzt und sich auch mal komplett zum Affen macht, hat er ja schon in Seth Rogens Endzeit-Party „Das ist das Ende“ bewiesen.


Dieser Cale ist ein Normalo, irgendwie bodenständig, zwar mit Fähigkeiten gesegnet, die bei brenzligen Handgreiflichkeiten durchaus förderlich sein können, aber er will auch nur ein guter, von seiner Tochter angehimmelter Vater sein und sich irgendwie durchs Leben schlagen. Wenn dann James Foxx als Präsident James Sawyer als zweiter großer Leading-Anker auftritt, dann beweist Tatum, dass er eben nur wirklich gut funktionieren kann, wenn er einen Schauspieler an seiner Seite hat, der ihm die nötigen Bälle zuspielt, man denke nur an „21 Jump Street“; als alleiniger Frontmann ist er hingegen nahezu unbrauchbar. Man darf hier keine Meisterleistungen erwarten und die fordert Emmerich auch nicht, zu keiner Zeit, versierte Empathie ist nicht nötig, man muss den Charakteren einzig und allein gerne durch das – in diesem Fall – unterjochte Weiße Haus folgen. Und dies schaffen Jamie Foxx und Channing Tatum mühelos.


Amerikanische Renovierungsmaßnahmen
Was „White House Down“ also locker über den Emmerich-Standard à la „The Day After Tomorrow“ und „2012“ hebt, ist die Tatsache, dass der Regisseur sich hier mal nicht auf einer plumpen Effekte-Schlacht ausruht – keine Frage, wenn das Repräsentantenhaus in sich stürzt, dann ist das famos anzusehen und großartig in Szene gesetzt – sondern einen in seinen besten Momenten fast altmodisch wirkenden Action-Film inszeniert. Dabei ist es vor allem der selbstironische Ton, den das Drehbuch immer wieder einlenkt und die Lage nie als bierernstes Stilisieren von dem immensen Wert des amerikanischen Nationalstolzes verkauft, in dem alles und jeder getötet werden darf, der nicht nach den Regeln des Weißen Hauses tanzt - „Olympus Has Fallen“ lässt grüßen. „White House Down“ macht wirklich viel Spaß, ist hin und wieder wohlig selbstreferenziell und kann seine sauberen Schläge- und Schießereien fortwährend unterhaltsam verhökern. Ganz von seinen nationalistischen Manierismen lösen kann sich Emmerich aber nicht und wenn mit wehender Präsidentenflagge auf dem Vorhof des Weißen Hauses in Zeitlupe auf die Knie gefallen wird, dann wirkt das beinahe konterkariert zu den luftigen Referenzen im Präsidentenwohnsitz.


Hätte sich der Film diese gelegentlichen Ausreißer gespart und die üppige Laufzeit von 130 Minuten auf gut 20 Minuten weniger gestrafft, dann hätte „White House Down“ das Zeug zum Action-Highlight des Jahres gehabt, denn Emmerich weiß genau, wie er es krachen lassen kann – wenn auch in diesem Fall nur mit Fäusten und Feuerwaffen und nicht mit Riesenwellen und gigantischen Tornados. Von daher darf sich „White House Down“ zu den Überraschungen des Kinojahres zählen, auch wenn doch etwas Wehmut mitschwingt, denn hier wäre eben doch einiges mehr drin gewesen, für zwischendurch ist Emmerichs neuster Streich allerdings allemal geeignet.


5 von 10 Präsidenten mit Panzerfäusten


von souli