Fakten: Gone Girl – Das Perfekte
Opfer (Gone Girl)
USA. 2014. Regie: David Fincher. Buch: Gillian Flynn (Vorlage). Mit:
Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Missi Pyle, Patrick
Fugit, Kim Dickens, Emily Ratajkowski, Casey Wilson, Lisa Banes David Clennon,
Carrie Coon, Kathleen Rose Perkins u.a. Länge: 149 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 27. Februar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich..
Story: Am fünften Hochzeitstag verschwindet Amy, die Frau von Autor Nick Dunne so
spurlos wie plötzlich. Die Polizei ermittelt, da alles nach einer Entführung
aussieht. In der Öffentlichkeit wird das Verschwinden ebenfalls thematisiert,
doch als herauskommt, dass Nick eine Affäre hatte, steht plötzlich er unter Mordverdacht.
Meinung: Seine Hand fährt ganz
sanft und bedächtig über ihren Hinterkopf, ihr dünnes, blondgefärbtes Haar fällt
unter den Bildrahmen, bis sie sich ruckartig der Kamera zuwendet. „Was denkst
du?“, fragt sich Nick Dunne (Ben Affleck), Besitzer der kosenden Hand, und
würde den Kopf seiner Gattin Amy (Rosamund Pike) am liebsten öffnen, um
irgendwie an Antworten zu gelangen. Diese Szene dient „Gone Girl – Das perfekte
Opfer“ als eine Art erzählerische Klammer, als identischer Anfangs- und
Endpunkt. Dem Zuschauer erscheint jedes Frame schlussendlich jedoch in neuen
Farben, das Karussell hat seine Runden gedreht und ist wieder in seine
Startposition eingerastet, doch nichts ist mehr wie vorher – Nicht für sein
Ehepaar, noch für das Publikum. „Was denkst du?“, so fällt die Frage erneut,
und vielleicht sollte er es einfach tun, seiner Frau den Kopf eingeschlagen, um
die Schädeldecke zu öffnen und das von durchtriebenen Gedankengängen
marmorierte Gehirn sezieren.
Glücklichere Zeiten?
Verwunderlich jedenfalls wäre das nach den dargebotenen Stunden für den
Zuschauer kein Stück mehr, dafür sorgte das perfide Spiel auf der
Manipulationsklaviatur in einschneidender Vehemenz. Und während der Abspann so
über die Leinwand rollt, wie sich Name an Name reiht, Position an Position,
steht mal wieder fest, dass David Fincher uns mit einem modernen Meisterwerk
beschenkt hat, welches noch lange Zeit reichlich Gesprächsstoff generieren
wird. Wie aber bereits vielerorts postuliert wurde, ist „Gone Girl – Das
perfekte Opfer“ ein Film, über dessen Plot man vorab besser Schweigen bewahren
sollte, um das mannigfache Sehvergnügen anderer Leute nicht zu schmälern oder
gar gänzlich einzudämmen. Ein Wort könnte vielleicht schon ausschlaggebend
sein, um der 150-minütigen Tour de Force durch die Untiefen einer modernen
Beziehung den Todesstoß zu verpassen. Deswegen kann dieser Stelle auch nur,
wenngleich sich darum bemüht wird, signifikante Spoiler weiträumig zu
umschiffen, eine kleine Warnung richtig sein, die das weitere Lesen auf eigene
Gefahr versteht.
Ist Amys Ex der vermeintliche Entführer?
„Gone Girl – Das perfekte Opfer“ wirkt genau dann am besten, wenn man
unvoreingenommen an ihn herantritt, wobei der Trailer im Nachhinein wirklich
förderlich montiert wurde, gibt er doch einen Ton vor, gegen den sich der Film
ganz bewusst stemmt: Schon in diesen 2 Minuten spielt „Gone Girl – Das perfekte
Opfer“ mit der Erwartungshaltung, wie es auch der brillante Film als
Gesamtpaket tun wird. Würde man die Nachbarn daher fragen, die zusammen mit
Nick und Amy Dunne eine Straße teilen oder auch das noble Volk, welches sich
auf Amys Buchvorstellungen in schicker Abendgarderobe präsentiert und jede
Möglichkeit greift, um im rechten Licht zu posieren, würde man wahrscheinlich
die obligatorischen Worte zu hören bekommen: Nick und Amy? Da handelt es um ein
ganz „normales“, ein „glückliches“ Paar, welches sich Treue geschworen hat und
immer noch so verliebte Blicke austauscht, wie am ersten Tag (in den mit
Schmalz glasierten Rückblenden treibt „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ diesen
Eindruck beinahe parodistisch auf die Spitze). Dass es hinter der makellosen
Fassade jedoch reichlich kriselt, muss wohl kaum noch erörtert werden.
Nick sucht öffentlichkeitswirksam nach Amy
Wer sich „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ als First-Date-Movie auswählt, darf
mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass dem Abend ein abrupter Schlusspunkt
gesetzt wird. Die große Stärke von „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ ist eben
nicht das, WAS er erzählt, sondern WIE er seine Geschichte dem Zuschauer
unterbreitet, nach und nach entschlüsselt und nicht nur den Zuschauer in seinen
Vermutungen Lügen straft, obwohl sich dieser – eben ganz nach den Regeln des
Suspense-Kinos - in einer höheren Position zu befinden glaubt. Auch die
involvierten Charaktere samt den dazugehörigen Tätigkeitsbereiche werden stetig
auf Links gezogen: Vom normalen Bürger, der Regenbogenpresse, bis hin zur
detektivischen Polizeiarbeit. „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ offenbart eine
helle Freude daran, den Zuschauer auf das Glatteis zu führen, dem er ihn wie
seine Charaktere ins abgefeimte Fadenkreuz nimmt und nach Strich und Faden
manipuliert. Das führt dann folgerichtig dazu, dass sich die Sympathie-Achse
stetig verschiebt und ein klares Misstrauen an jedes gesprochene Wort und an
jede ausgeübte Geste geheftet wird, bevor wir uns vom fintenreichen Narrativ
wieder in die Falle locken lassen.
Traum oder Alptraum?
Wie „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ es dabei auch bewerkstelligt, seine sterile
Form zum Inhalt zu formieren, in dem er die geleckt-ästhetischen
Breitbildkompositionen mit der au die schiere Oberflächlichkeit reduzierte
Ermittlungsarbeit, wie dem ganzen Drumherum, komponiert, ist schon formidabel.
Dass die Boulevardpresse einzig mit eingängigen Schlagwörtern (Vergewaltiger,
unterdrückte Ehefrau, etc.) zu hantieren weiß, ist kein Geheimnis mehr, dass
diese sich jedoch auch zum Richter aufschwingt und glaubt, ein Menschenleben
ohne handfeste Beweise verurteilen zu dürfen, ist widerwärtig, aber wahrlich
nur die satirische Spitze des Eisbergs, denn „Gone Girl – Das perfekte Opfer“
potenziert seine auf allen Ebenen anzutreffende Widerwärtigkeit bis in
Unermessliche: „Szenen einer Ehe“ - Unchained, mit einem so zynischen Nachdruck
vor den Latz geknallt, dass der Atems ob des unfassbaren Handeln bar jeder
Moral schon mal deutlich ins Stocken geraten kann. Rosamund Pike („JackReacher“) bekommt jedenfalls den Preis für die „hinterhältigste Bitch des neuen
Jahrtausends“, während Ben Affleck („Argo“) der Mann ist, der sich zu einem
Lächeln zur falschen Zeit am falschen Ort hat hinreißen lassen.
Natürlich hat er mit dieser Mimik sein mediales Todesurteil unterzeichnet.
Hinter dem pechschwarzen Humor, den Haken und Wendungen, behält „Gone Girl –
Das perfekte Opfer“ aber noch einen weiteren Trumpf in der Hinterhand, weil er
Erwartungshaltungen nahezu im Stakkato zu torpedieren und aufzubrechen weiß, um
am Ende ganz frech in die Einstellung zurückzufinden, die er dem Zuschauer noch
vorausgesetzt hat: Die perfekte Ehe, auf schlimmer und ewig. „Gone Girl – Das
perfekte Opfer“ ist eben auch eine zutiefst effiziente Reflexion über das
Erzählen an und für sich, was der unglaubliche Klangteppich von Trent Reznor
und Atticus Ross nachhaltig unter Beweis stellt: Dieses
elektronisch-mechanische Gewitter krächzt, windet sich und wummert, um „Gone
Girl – Das perfekte Opfer“ auch akustisch in Bahnen zu lenken, die eh mit einem
doppelten Boden gehaftet sind und ihn so zu der memorablen Satire stilisiert, die
der Film letztlich bedeutet. „Gone – Girl – Das perfekte Opfer“ ist damit David
Finchers wohl weitsichtigstes und bestes Werk seit „Zodiac“.
Nachdem
wirklich tollen und stimmungsvolle Teaser Trailer gibt es nun endlich neues
Trailer-Material zu David Finchers neuem Thriller, der Buchverfilmung „Gone
Girl“ von Gillian Flynn. Darin geht es um einen Ehemann (Ben Affleck), der seine verschwundene
Gattin (Rosamund Pike) sucht und dabei schnell selbst zum Kreis der Verdächtigen gezählt wird.
Außerdem noch mit dabei sind Tyler Perry („Alex Cross“), Missi Pyle („The Artist“), Patrick Fugit („Almost Famous“) und Neil
Patrick Harris („A Million Ways to Die in the West“). Deutscher Starttermin ist
der 2. Oktober 2014. Der neue Trailer ist nicht mehr ganz so packend wie sein Vorgänger, steigert aber die Vorfreude auf "Gone Girl" dennoch erneut um ein paar Stufen.
Hier
der erste Trailer zu David Finchers neuem Thriller “Gone Girl”, in dem Ben
Affleck seine verschwundene Ehefrau (Rosamund Pike, „The World’s End“) sucht.
Der Film startet bei uns am 2. Oktober und der Trailer ist schon mal ziemlich
grandios. Wie der Song „She“ hier eingebunden wird gefällt uns zumindest
richtig gut. Wir sind gespannt und freuen uns nun auch richtig auf „Gone Girl“,
der neben Affleck und Pike noch Tyler Perry („Alex Cross“), Missi Pyle („The Artist“), Patrick Fugit („Almost Famous“) und Neil Patrick Harris („How I Met Your
Mother“) in seiner Besetzung zu bieten hat. Der Thriller basiert übrigens auf
einem Roman von Gillian Flynn, die diesen als Drehbuch adaptiert hat. Und noch
ein kleiner Fakt: Produziert wird „Gone Girl“ u.a. von Reese Witherspoon.
USA, 1997. Regie: David Fincher.
Buch: John D. Brancato, Michael Ferris. Mit: Michael Douglas, Deborah Kara
Unger, Sean Penn, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Anna Katarina,
Armin Müller-Stahl u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf
DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Multimillionär Nicholas Van Orten
ist ein abgebrühter, aber ebenso verbitterter und einsamer Geschäftsmann. Sein
Geburtstag ist für ihn jedes Jahr wieder eine lästige Tatsache, doch seinen 48.
Ehrentag wird er nie wieder vergessen. Sein Bruder Conrad schenkt ihm die
Teilnahme an einem Spiel. Mehr aus Neugier als echtem Interesse begibt sich
Nicholas zum Sitz der Firma CRS. Was genau das Spiel sein soll, wird nicht
verraten. Nicholas muss einige physische wie psychische Tests über sich ergehen
lassen, mehr erfährt er nicht und lebt sein Leben weiter. Bis es plötzlich
komplett aus den Fugen gerät. Merkwürdige Dinge häufen sich, sein Alltag wird
vollkommen auf den Kopf gestellt, sogar in Lebensgefahr gerät er. Ist das alles
Teil des Spiels? Ist es noch ein Spiel, oder war es überhaupt jemals eins?
Nicholas gerät in einen Alptraum, der ihn an seine Grenzen führt.
Meinung:
Mit kühler Eleganz führt uns David
Fincher in die Welt von Nicholas Van Orten ein. Einem zynischen Unsympathen,
der in seinem selbst gewählten goldenen Käfig hockt, sich von seinen lästigen
Mitmenschen abschottet – zumindest auf emotionaler Ebene – so weit es ihm
möglich ist. So elegant zieht Fincher diesem Ekelpaket dann zunächst auch den
Perserteppich unter den 2000-Dollar-Schuhen weg, bricht den goldenen Käfig auf
und zerstört mit sichtlicher Freude die kalte, heile Arschloch-Welt. Ja, „The
Game“ ist durchgehend sehr stimmungsvolles, enorm stylisches Paranoia-Kino,
welches in seinen besten Momenten wie ein moderner Hitchcock wirkt und seine
grandiose Grundidee gelegentlich sehr geschickt auslotet. Leider nicht
konstant, mit sichtbaren Schwächen und sie am Ende gnadenlos verpuffen lässt.
Er hat gar nicht gebohrt...
Bedacht entwickelt „The Game“ einen
kribbeligen Spannungsbogen, baut nicht auf urplötzlich herbeigeführte
Tempo-Thrills, sondern lässt seinen zunächst so unnahbaren Protagonisten
langsam in seine persönliche Hölle schlittern, die in erster Linie aus dem
Verlust der totalen Kontrolle besteht. Wenn ihm bewusst wird, wie hilflos er
dem Treiben ausgeliefert ist, wie sehr er als Marionette in einem
unberechenbaren Real-Life-Theater gefangen ist und ihm zusehends seine als
selbstverständlich erachtete Dominanz aus den Händen gleitet, bröckelt die
steinharte Fassade des Alphamännchens nicht nur, sie gleicht bald einem
Trümmerfeld. Van Orten – hervorragend von Michael Douglas verkörpert – wird vom
Raub –zum Fluchttier und der Zuschauer darf sich wie er immer wieder die Frage
stellen, wann er sich in einem „sicheren“ Spiel befindet, wann nicht (mehr)
oder ob er von vornherein in etwas hinein geraten ist, was nichts damit zu tun
hat. Lässt man sich darauf ein, kann „The Game“ enorm fesseln, auch wenn die
Spannung manchmal etwas zu sehr auf leisen Sohlen schleicht. Worauf das Ganze
hinaus laufen könnte deutet sich immer mal wieder an, doch bis kurz vor Schluss
scheint jede Option noch möglich. Nur gerade und tragischerweise in seinem
Finale lässt „The Game“ so unbefriedigend die Hosen runter, dass es einen
leider die vorher aufgebaute Stimmung rückwirkend leicht zerstört.
Ein Bonze sieht rot.
Man kann es mit der Show einen
Magiers vergleichen. Der entwickelt über fast 2 Stunden eine Illusion, baut sie
geschickt auf, schafft es sogar, den eher skeptischen und immer hinterfragenden
Zuschauer ab einen gewissen Punkt voll mitzunehmen, um ihn schlussendlich dann
mit seiner verpatzten Pointe wieder ruckartig auf den Boden der Realität
knallen zu lassen. Viel mehr noch, als wenn er am Ende seine Tricks sogar
selbst entlarfen und erklären würde, statt das Publikum in dem wohligen Gefühl
zurückzulassen, gerade so was wie Magie erlebt zu haben. Das ist das Ding. So
gut die Nummer mal funktioniert hat, ein zweites Mal klappt das nicht mehr und
selbst die Uraufführung verliert enorm an Wirkung. So ähnlich ist das bei „The
Game“. Egal, wie hervorragend er zwischendurch wirken mag, wie knisternd
spannend er es schafft sich zu verkaufen, am Ende plumpst man voll in ein
banales Simsalabim, mit Löchern wie ein schweizer Käse und dem müden Kaninchen
aus dem Zylinder. Das beschert ihm reichlich Abzug in der B-Note und macht ihn
eigentlich nur einmalig vernünftig konsumierbar.
Doch zugegeben, dieses einmalige
Erlebnis ist zeitweise verdammt gelungen, solange es noch den Anschein macht,
dass es der ganz große Clou und nicht nur ein schicker Taschenspielertrick ist.
Wer sich im Idealfall überhaupt nicht über den Film informiert und einfach mit
ihm treiben lässt, wird mindestens über ¾ der Zeit gekonnt unterhalten. Nur
wenn am Ende der Show das Licht angeht, ist der Zauber aus und riecht doch
etwas faul. Schade...
Fakten: Alien – Das unheimliche
Wesen aus einer fremden Welt (Alien)
Groß Britannien, USA. 1979. Regie: Ridley Scott. Buch: Dan O’Bannon, ‚Ronald
Shusett. Mit: Sigourney Weaver, Ian Holm, Tom Skeritt, Veronica
Cartwright, Yaphet Kotto, Harry Dean Stanton, John Hurt Länge: 117Minuten (Kinofassung),
116 Minuten (Director’s Cut). FSK:
freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Die Crew des Frachtraumschiffs Nostromo erwacht aus dem Kälteschlaf, da vom
Planeten LV-429 ein Notsignal gesendet wird. Die Crew beschließt dem Signal nachzugehen.
Auf dem Planeten finden sie keine Menschenseele dafür seltsame, eierförmige
Gebilde.
Meinung: Immer wieder
beeindruckend, was aus einem kleinen Film für eine Druckwelle entstehen kann.
"Alien" darf mit Fug und Recht als Meisterwerk bezeichnet werden, war
und ist maßgebend für gleich mehrere Genres (Science-Fiction wie Horror).
Leicht kurios, beachtet man mal, dass zur damaligen Zeit hier viele Newcomer am
Werk waren und etliches umgeschrieben wurde, gerade das gibt eher Pluspunkte
und hat "Alien" erst zu dem gemacht, was er heute ist und bewirkt hat.
Ripley war ursprünglich eine männliche Figur, was sich rückblickend negativ auf
die ganze Serie ausgewirkt hätte. Sigourney Weaver - eine der ganz Großen -
wurde so zu der Heldin des Genres und der Filmgeschichte überhaupt. Eigentlich
sollte der Film deutlich "spektakulärer" inszeniert werden, nur es
fehlten die Mittel (die Pyramide aus "Alien Vs. Predator" war eine
Idee für diesen Film). Gerade aus dieser Not machte Ridley Scott eine Tugend.
Sein "Alien" ist klaustrophobisch, beengend, beängstigend langsam und
Atmosphäre pur. Kein großer Schnick-Schnack, dafür wurde das verfügbare Kapital
sinnvoll genutzt. Die wenigen Effekte sehen für ihre Zeit toll aus und werden
nicht zum eigentlichen Höhepunkt degradiert. "Alien" ist mordsspannnend,
beunruhigend und ist die Geburt (ohne Kaiserschnitt) einer Figur, wie sie
das Kino nur selten erschafft. H.R.Giger, - der Vater des Monsters - hat eine
Kreatur erschaffen, die seit dem nicht mehr übertroffen wurde.
Stilprägend, wie der ganze Film. Suspense im Weltall, atemberaubend, absolut
tödlich und bis heute das Maß aller Dinge. Wird auf ewig von ganz
oben auf alles runterschauen und nur müde lächeln (bis auf ein anderes Ding,
was von einst genialen Geist drei Jahre später das ewige Eis unsicher machte).
Geht eigentlich nicht besser.
9 von 10 Facehugger
von JackoXL
Fakten:
Aliens – Die Rückkehr (Aliens)
USA. 1986. Regie: James Cameron. Buch: James Cameron, Walter Hill, David Glier.
Mit: Sigourney Weaver, Michael Biehn, Carrie Henn, Paul Reiser, Bill Paxton,
Jeanette Goldstein, Lance Henriksen, William Hope, Al Matthews, Daniel Kash,
Mark Rolston u.a. Länge: 137 Minuten (Kinofassung), 154 Minuten (Director’s Cut).
FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Ripley, die einzige Überlebende der Nostromo, wird nach Jahrzehnten im
Kälteschlaf wiedererweckt. Niemand glaubt ihre Geschichte vom Wesen, welches
die Crew bestialisch tötete, erst als der Kontakt zur neuaufgebauten Kolonie
auf LV-426 abbricht, wird ihr Gehör geschenkt. Zusammen mit einer Gruppe
Marines fliegt sie zur Kolonie um muss sich dort nicht nur einem Alien stellen.
Meinung:
„This time it’s war“ lautete der Werbeslogan zu „Aliens – Die Rückkehr“ und das
war alles andere als ein Marketingtrick, denn Regisseur James Cameron verließ
die Enge des Raumschiffs Nostromo und ließ Heldin Ellen Ripley im Sequel
zusammen mit einer Gruppe tougher Marines gleich gegen ganze Hundertschaften
von xenomorphen Killerwesen antreten. Action lautet beim zweiten Teil der Reihe
die Agenda. Doch Cameron verlässt sich immer noch auf die Stärken von Ridley
Scotts Sci-Fi-Meisterwerk: eine düstere Atmosphäre, deren pessimistische
Ausweglosigkeit sich unaufhaltbar zuspitzt. Da Ripley hier von Beginn an als
handelnde Heroine im Zentrum steht, ist dem Zuschauer wie ihr klar, dass die
massiven großkalibrigen Waffen des
Militärs nicht mehr ausrichten werden, als Zeit zu schinden, bis die
gnadenlosen, titelgebenden Aliens zum tödlichen Schlag ausholen. Filmtechnisch
ist das alles, vor allem zur damaligen Zeit, äußerst eindrucksvoll und bietet
einen Detailgrad, der schwer mit nur einer Sichtung erfassbar ist. Abseits des
ganzen, martialischen Zirkus entwickelt „Aliens“ aber auch eine spannungsförderliche
Sub-Ebene in seiner Narration. Denn hinter all den Horror und Tohuwabohu erzählt
Cameron von einem Kampf zweier Mütter. Ein Kampf der mit Schleim, Feuer, Säure
und Projektilen ausgetragen wird und dessen Klimax ein bis heute unerreichter
Zweikampf ist. Riplex im Korsett eines Roboters gegen eine überlebensgroße
Alienkönigin. Ein seltener Fall in der Filmhistorie, dass kraftvolle Action und
eine intelligente Rollenentwicklung auf einen homogenen, gemeinsamen Höhepunkt
zusteuern. Zumindest im Director’s Cut, der wohl zu den besten erweiterten
Filmfassungen gehört, die es gibt und in der „Aliens – Die Rückkehr“ erst zur
vollen Stärke gelangt.
8 von 10 Selbstschussanlagen
von stu
Fakten:
Alien 3
USA. 1992. Regie: David Fincher. Buch: Vincent Ward, David Glier,
Larry Ferguson, Walter Hill. Mit: Sigourney weaver, Charles S. Dutton, Charles Dance,
Pete Postlethwaite, Paul McGann, Brian Glover, Ralph Brown, Lance Henriksen
u.a. Länge: 114 Minuten (Kinofassung), 145 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD
und Blu-ray erhältlich.
Story: Die Rettungskapsel mit den Überlebenden des Vorfalls auf LV-426 stürzt auf
dem Gefängnisplaneten Fiorina ab. Einzig Riley und ein blinder Passagier überleben
den Absturz.
Meinung: Nachdem Ridley Soctt mit
„Alien“ die Filmwelt maßgeblich veränderte und James Cameron mit seiner
fantastischen Fortsetzung „Aliens“ das Actionkino revolutionierte, war es nun
an einem – für damalige Verhältnisse - kleinen Fisch der Branche gelegen, das
Franchise in neue Höhen zu katapultieren: Niemand geringeres als David Fincher
(„Fight Club“) wurde das Privileg zu Teil, den Regiestuhl für „Alien³“ zu
besetzen. Im Endeffekt muss man sagen, dass „Alien³“ sich innerhalb der Reihe
wie ein tiefschwarzer Fremdkörper verhält und sein Dasein als Außenseiter,
nicht zuletzt dank stetiger Ungereimtheiten hinter den Kulissen, fortwährend
fristen muss. Natürlich kann das in erster Linie nichts Schlechtes bedeuten und
dadurch vielleicht auch implizieren, David Fincher würde, was er auch tut, mit
einer neuen Marschroute kokettieren und den dritten Teil zu einem in sich
stimmigen, was nicht der Fall ist, Genrewerk machen. Wo sich die Inszenierung
nämlich noch durch ihre Behäbigkeit auszeichnet und den Zuschauer durch die
abgründige Atmosphäre in dieses (post-)apokalyptische, industriell besudelte
Dreckloch von Gefängnisplaneten zieht, in dem Ripley auf kantig-bellende
Häftlinge mit Schwielen an den Händen trifft, weiß das Drehbuch zuweilen nie,
wie es einzelne Versatzstücke kohärent miteinander verbindet. Zwischen
metaphorischen Religionsgedusel und (psycho-)sexueller Gruppendynamik, findet
„Alien³“ keine angemessene Zeit, dem grauenhaft computergenerierten Alien einen
Charakter zu verleihen. Lieber werden transzendente Muster und gelungene
Einstellung der Vorgänger plagiiert und in die nihilistische Endzeitstimmung
eingepflanzt – Bis Ripleys Katharsis dem Film einen von befremdlicher Schönheit
ausgestanzten Schlusspunkt setzt. „Alien³“ weißt durch die pessimistische
Disposition seines Settings zu gefallen, geht es aber um die inhaltliche Ebene,
dann versagt der Finchers Debüt doch deutlich.
5 von 10 Glatzen im Feuersturm
von souli
Fakten: Alien – Die Wiedergeburt
(Alien: Resurrection)
USA. 1997. Regie: Jean-Pierre Jeunet. Buch: Joss Whedon. Mit:
Sigourney Weaver, Winona Ryder, Ron Perlman, Dominique Pinon, Gary Dourdan,
Michael Wincott, Brad Dourif, Leland Orser, Raymond Cruz, Dan Hedaya, Kim
Flowers, J.E. Freeman u.a. Länge: 104 Minuten (Kinofassung), 111 Mimuten
(Director’s Cut). FSK:
freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Nach ihrem Freitod wird Ripley von Wissenschaftlern des Raumkreuzer U.S.M.
Auriga via Klontechnik wiedergeboren, um so an die Alienkönigin zu kommen, die
in ihr heranwuchs. Es kommt wie es kommen muss, die Aliens brechen aus und
verwandeln das Schiff in ein Schlachtfest. Ripley und eine Gruppe von
Weltraumpiraten versuchen die Flucht.
Meinung:
Ernsthaft? Ist „Alien – Die Wiederkehr“ eine Komödie?! Als Action-, Horror-
oder Sci-Fi-Film funktioniert er nämlich nicht. Besonders wenn eine der Figuren
den Mund aufmacht, dann schwingt oft unfreiwillige Komik mit, die, genauso wie
merkwürdige Effekte und seltsame Sterbeszenen, dem Film einen Anstrich von
Skurrilität und Lächerlichkeit geben. Vielleicht hätte man nicht unbedingt
Regisseur Jean-Pierre Jeunet verpflichten sollen, der durch seine schwarze
Komödie „Delicatessen“ aufgefallen ist und später auch noch für „Die fabelhafte
Welt der Amélie“ verantwortlich war. Sein Alien-Teil ist nun eben auch eine
Komödie geworden. Eine merkwürdige Splatter-Komödie mit vielen abgerissenen
Körperteilen, Blut und Schleim. Aber einfach nur zum Lachen. Von Beklemmung ist
herzlich wenig zu spüren, was an dem viel zu ausladenden Setting liegt. Sigourney
Weaver als Ripley, die aus dem Nichts wieder zum Leben erweckt wurde und ganz
nebenbei das Alien „geboren“ hat, läuft in dieser One-Woman-Show als meist
gefühls- und emotionsloser Mega-Cyborg durch das die Stahlgitterlabyrinth, aus
dem es aus jedem Eck blinkt und qualmt. Die übrigen Figuren sind, trotz eines
bekannten Casts mit Namen wie Winona Ryder, Ron Perlman oder Michael Wincott,
genauso unwichtig wie langweilig und verkommen zu Randerscheinungen. Von
schauspielerischer Qualität kann man hier ohnehin nicht sprechen. Problem ist
auch, dass das Alien, nein, die vielen Aliens viel zu oft gezeigt werden,
wodurch man die Furcht vor ihnen schnell verliert. Die dunkle Bedrohung, die
besonders im ersten Teil mehr zu spüren als zu sehen war, die gibt es zumindest
nicht mehr. Und dass die Story dumm ist, das spar ich mir jetzt einfach mal. Mit
einem schwachen Finale endet der vierte Teil und damit auch die bis dahin gute
Alien-Saga. Zum Glück.