John Turturro,
bekannt aus Filmen wie „The Big Lebowski“, „Transformers“ oder „Barton Fink“,
hat seinen Hintern auf den Regiesessel gesetzt, um die Komödie „Fading Gigolo“
zu inszenieren, die er übrigens auch geschrieben hat. Nicht seine erste Regiearbeit,
allerdings hat diese hier alleine wegen dem Cast das Potenzial mehr aufzufallen,
als seine vorherigen Filme wie „Illuminata“ oder „Romance & Cigarettes“.
Neben ihm selbst sind nämlich auch Liev Schreiber, Sofia Vergara, Sharon
Stone, Vanessa Paradis und – Trommelwirbel – Woody Allen zu sehen. In „Fading
Gigolo“, der bislang noch keinen Starttermin hat, geht es um den
Italo-Amerikaner Fioravante (Turturro), der versucht als Callboy einen in Finanznot geratenen Freund (Allen) zu helfen. Also spielt Allen quasi den Zuhälter von Tuturro. Sehr interessant. Hier der erste Trailer.
GB/USA, 2000.
Regie: Keith Fulton, Louis Pepe. Buch: Keith Fulton, Louis Pepe. Mit: Terry
Gilliam, Johnny Depp, Jean Rochefort, Vanessa Paradis u.a. Länge: 89 Minuten.
FSK: ohne Altersbeschränkung freigegeben. Auf DVD erhältlich.
Story: "Last in La Mancha"
dokumentiert die gescheiterten Drehtage zu Terry Gilliams Wunschprojekt
"The Man Who Killed Don Quixote". Es kommen nicht nur Probleme mit den
Investoren auf das Team zu, sondern auch Hauptdarsteller Jean Rochefort klagt
über schwere Rückenschmerzen und ein starker Monsumregen zerstört beinahe das
gesamte Equipment.
Meinung:
Es ist egal, welch cineastische Großtaten Terry Gilliam jetzt und in Zukunft
inszeniert; es ist egal, mit viel Lob er überschüttet wird, wie viele Leute ihm
wohlwollend auf die Schulter klopfen und breit grinsend auf schicken
Preisverleihungen die Hände schütteln. Ob er nun wieder ähnliches Kulturgut des
Kalibers eines „Fear and Loathing in Las Vegas“ oder eine wunderbar dystopische
Gesellschaftskritik à la „Brazil“ fabriziert, in Gilliams Brust wird
fortwährend diese abgebrochene Klinge stecken, die die gescheiterten
Dreharbeiten zu seiner Herzensangelegenheit „The Man Who Killed Don Quixote“
hinterlassen hat.Und auch wenn die
Archivaufnahmen nun letztlich nicht wirklich berauschend aussehen mögen und
eigentlich nur ein müdes Schulterzucken evozieren würden, selbst, wenn man für
Gilliam und seiner Art der Interpretation überhaupt gar nichts übrig hat, ist
es von einer außerordentlichen Tragik gezeichnet, einem Künstler dabei zusehen
zu müssen, wie langsam etwas in ihm kläglich stirbt.
Gilliam sieht den Horror kommen...
Wie Hoffnungen, die seit Kindertagen tief in der Seele aufbewahrt und gepflegt
wurden, nicht nur durch finanzielle Diskrepanzen oder menschliche Inkompetenz –
die auch die mangelhafte Dressur von den partizipierten Tieren beinhaltet –
zerschlagen werden, sondern ihnen auch durch die höhere Gewalt, die sich in
ihrer gesamten Massivität zu Wort meldet, keine Chance auf Verwirklichung
gegeben wird. „Lost in La Mancha“ wird da genau zu diesem Dokument des Untergangs,
in dem eben nicht nur ein Film die so ersehnte Realisierung entzogen wird,
dahinter stehen Menschen, die ihre ganze Kraft in dieses Projekt investiert
haben, die ihren Optimismus beinahe peinlich, aber vollkommen ehrenwert
aufrecht halten wollten, selbst wenn doch schon irgendwie alles verloren war,
um ihrem Zugpferd Gilliam diesen immensen Wunsch zu erfüllen. Alles umsonst,
alles nichtig, alles letztlich ohne Bedeutung. Wie schwer dieses einheitliche
Versagen wiegen muss, lässt sich nicht in Worte fassen, nur im abschließenden
Blick Gilliams ablesen.
...Und das Unheil nimmt seinen Lauf
Natürlich ist es keine Seltenheit, dass Filme es nicht an die Startlinie
schaffen, und aus den Gedanken eines Einzelnen etwas Greifbaren erschaffen
wird. „Lost in La Mancha“, der zu Anfang noch deutlich macht, dass diese
Manifestation des künstlerischen Worst Case Scenarios eigentlich als Making of
zum Film geplant war, möchte sich hinsichtlich der eigenen Präsentation auch
gar nicht so forciert in den Vordergrund drängen und dem Zuschauer einbläuen,
hier wäre DAS Meisterwerk der Filmgeschichte in seine Einzelteile zerbrochen.
Nichts wird hier bedeutender verkauft, als es letzten Endes auch war. Es ist
nur so, und da gelingt „Lost in La Mancha“ genau dieser berührende, empathische
Effekt, Gilliam und seine Gefühle, wenn er bis in die Grundfesten erschüttert wird
und wie betäubt jeden Boden unter den Füßen verliert, durchweg ungefiltert und
unverfälscht darzustellen. Das ist einfach so menschlich ernüchternd.
Die Windmühlen haben tatsächlich zurückgeschlagen, jede Erinnerungen an diese
Tage schmerzt, es lässt ihn verständlicherweise einfach nicht los, es kann auch
keine Erlösung geben, wenn dieser Film nicht irgendwann von ihm
höchstpersönlich fertiggestellt wird. Gilliams nächstes Projekt? Tja...