Der australische Regisseur Justin Kurzel
präsentierte dieses Jahr in Cannes mit „Macbeth“ seinen neuen Spielfilm.
Besetzt ist die Shakespeare-Adaption mit Marion Cotillard und Michael
Fassbender. Kurzel, dessen Drama „Die Morde von Snowtown“ höchst beeindrucken
und traumatisierend war, scheint hier die klassische Geschichte inopulenten wie düsteren Bildern
wiederauferstehen zu lassen. Aktuell arbeitet Kurzel übrigens an der Verfilmung
des Videospiels „Assassin’s Creed“, erneut besetzt mit Cotillard und
Fassbender. Wir freuen uns auf beide Filme, vor allem aber auf „Macbeth“ der
nun endlich seinen ersten Trailer erhalten hat. Viel Spaß mit.
UK. 2011. Regie:
Ralph Fiennes. Buch: John Logan. Mit: Ralph Fiennes, Gerard Butler,
Briaan Cox, Vanessa Redgrave, James Nesbitt, Jessica Chastain, Paul Jesson u.a.
Länge: 123 Minuten. FSK: Ab
16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.
Story:
Rom, heute. Der Feldherr Caius Marcius erringt einen großen Sieg gegen die
Volsker und ihren Anführer Aufidius, woraufhin er als Kriegsheld zum Konsul
gewählt werden soll. Doch die Plebeier haben die herablassende Art des nun Coriolanus
genannten Patriziers Caius Marcius während der letzten Getreidenot gegenüber
dem einfachen Volk nicht vergessen. Der Konflikt zwischen Plebeiern und
Patriziern eskaliert, Coriolanus wird verbannt – verbündet sich mit seinem
Feind Aufidius und marschiert auf Rom, um sich blutig seine Macht zurück zu
holen.
Meinung:
Gleich mit seinem Regiedebüt hat Ralph Fiennes einen Film geschaffen, der wohl noch
am freundlichsten mit „schwer zugänglich“ beschrieben werden könnte. Aber der
Reihe nach. „Coriolanus“ basiert auf dem gleichnamigen Tragödie von Williams
Shakespeare über den römischen Kriegsheld und Tribun Caius Marcius Coriolanus,
der etwa 500 v. Chr. in Rom lebte. Fiennes Film spielt zwar auch in Rom,
allerdings gute 2500 Jahre später, im Hier und Jetzt. Allerdings lässt der
Regisseur dabei die Originaldialoge aus dem Shakespeare-Drama bestehen, was
letztlich für so einige Verwirrung sorgt.
„Lass mich dich umschlingen mit kräft’gen
Armen wie als Bräutigam mit freud’gem Herzen wie am Hochzeitstag.“
Nach seiner Verbannung arrangiert er sich mit dem Feind
Die Sprache des Films,
ja, das ist das eigentlich Besondere. Denn Fiennes verwendet die Originaltexte
von William Shakespeares Drama für seine moderne Adaption. Dieser Ansatz ist
sicher ehrenwert, allerdings erfordert er stets höchste Konzentration, damit
der Zuschauer den geschwollenen Dialogen folgen kann. Sonst wird er es schwer haben, der eigentlich recht einfachen Geschichte über Verrat und Ehre zu folgen. Über weite
Strecken funktioniert das einfach nicht. Moderne Bilder, die Häuserschluchten
Roms, für das bei den Dreharbeiten Belgrad verwendet wurde, automatische
Sturmwaffen, modernes Aussehen und Kleidung, das alles beißt sich einfach zu
sehr mit der viel zu alt und verstaubt wirkenden Sprache. Es wirkt einfach
merkwürdig, wenn über Schwerter gesprochen wird, alle Soldaten aber ihre
Maschinengewehre im Anschlag halten. Naja, zumindest braucht es seine Zeit, bis
man sich als Zuschauer an den Stil gewöhnt hat. Doch besonders nach dem ersten
Drittel wird es so langsam besser.
Sohn Caius Marcius liegt seiner Mutter zu Füßen
Der schmutzige aber moderne Stil wird von Fiennes ohne größere Mängel
inszeniert, besonders die Kampfszenen in den Häuserschlachten strotzen vor
roher Gewalt, Blut und toller Action. Und ebenso solide baut er die Geschichte
auf. Womit der Film aber am meisten punkten kann, das sind die Darsteller. Ob
Regisseur Ralph Fiennes in der titelgebenden Hauptrolle, Jessica Chastain als
dessen Ehefrau, Gerard Butler als Todfeind Aufidius, Brian Cox und vor allem
James Nesbitt und Vanessa Redgrave als dominante Mutter spielen hervorragend.
Die Gesichter, ihre Präsenz, ihre Gesten sind raumfüllend. Mal wild und brutal,
mal ruhig und besonnen. Manchmal wirkt die geschwollene Sprache perfekt zu den
Bildern, vor allem wenn zu den für manche sicherlich übertriebenen
Gesichtsausdrücken die Verse Shakespeares herausgeschrien werden. Doch leider gibt
es auch immer wieder Momente, in denen diese Sätze einfach falsch scheinen,
nicht passen wollen und so, wie beim Zitat zum Beginn, dem guten Spiel der Schauspieler
nicht gerecht werden wollen.
Letztlich hat Fiennes versucht, die Zeitlosigkeit des antiken Stoffs und der
Shakespearschen Adaption zu zeigen. Und er wollte wohl mit den modernen Bildern
die veralteten Texte besser verständlich und vielleicht für heutige
Generationen zugänglicher machen. Das ist ihm aber trotz guter Schauspieler und
guter Kulissen nur halb gelungen. Die alte Sprache ist vielleicht, vor allem in
den eher ruhigen, politischen Szenen, einfach zu dominant und ein zu großes
Hindernis.