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Review: EXORZIST: DER ANFANG & DOMINION: EXORZIST – DER ANFANG DES BÖSEN – Ursprung des Grauens

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Ursprünglich war es Autor und Regisseur Paul Schrader, der das Prequel zum Kulthorror „Der Exorzist“ inszenieren sollte. Doch die Produzenten mochten das Endresultat nicht und ließen Action-Regisseur Renny Harlin große Teile des Films neudrehen. So kam es dazu, dass es gleich zwei Prequels gibt. Unser souli hat sie sich für euch angesehen.





Fakten:
Exorzist: Der Anfang (Exorcist: The Beginning)
USA. 2004. Regie: Renny Harlin.
Buch: Alexi Hawley, Caleb Car, William Wishers. Mit: Stellan Skarsgard, James D’Arcy, Izabella Scorupco, Ben Cross, Julian Wadman, Remy Sweeney u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich


Story:
Pater Merrin ist ein gebrochener Mann. Der Schrecken des zweiten Weltkrieges hat ihn in eine tiefe Glaubenskrise gestürzt. Doch in Kenia muss er wieder zu seinen Wurzeln finden, denn ein schrecklicher Dämon terrorisiert ein kleines Dorf.





Meinung:
Grundsätzlich ist die Ausgangslage von „Exorzist: Der Anfang“ gar nicht mal so verwerflich. Die Vorgeschichte vom geheimnisvollen Pater Lancaster Merrin und seinem ersten Kontakt mit der dämonischen Macht, birgt durchaus Potenzial und hat mit Stellan Skarsgard einen begabten Schauspieler an vorderster Front, der gut in die Rolle des vom Glauben abgekommene Paters hineinwachsen hätte können. Und der Auftakt macht tatsächlich Lust auf mehr, wenn der strauchelnde Merrin im heutige Kenia eine byzantinische Kirche untersuchen soll, die noch vor der Zeit erbaut wurde, in der das Christentum in Afrika eingetroffen ist. „Exorzist: Der Anfang“ jedoch schert sich genauso wenig um Schauspielführung, wie er sich darum bemüht, dem famosen Original von William Friedkin ein auf ähnlichem narrativen wie inszenatorischen Niveau begegnendes Prequel zu sein. Regisseur Renny Harlin („Cliffhanger“) hält nichts vom sukzessiven Spannungsaufbau und die Allgegenwart einer paranormalen Präsenz erschöpft sich in abgetragenen Schocks und geschmackloser wie effekthascherischer Plakative: Noch gezeichnet von den Erfahrungen des zweiten Weltkrieges, die ihn mit Gott haben brechen lassen, muss er im Finale natürlich einer ehemaligen KZ-Insassin den Deivel austreiben und findet so selbstredend zurück in die Spur: „Nicht Mr. Merrin, sondern Pater! Ein Film, auf den man gerne verzichten würde.


3 von 10 gackernden Hyänen


von souli




Fakten:
Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen (Dominion: The Original Prequel to The Exorcist)
USA. 2005. Regie: Paul Schrader. Buch: Caleb Car, William Wishers. Mit: Stellan Skarsgard, Gabriel Mann, Bily Crawford, Clare Bellar, Ralph Brown u.a. Länge: 111 Minuten. FSK: freigegeben ab16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1947: Turkana, Britisch-Ostafrika Archäologen finden eine byzantinische Kirche. Unterhalb der Kirche finden die Forscher eine Gruft mit Überresten eines teuflischen Opferrituals. Den Wissenschaftlern wird allmählich klar, dass die Kirche nie für Gottesdienste vorgesehen war, sondern als Siegel für die Gruft und dessen Inhalt diente.





Meinung:
Die Produktionsgeschichte ist allerorts bekannt, und wie man das New-Hollywood-Gestein Paul Schrader (Drehbuch zu „Taxi Driver“ - Aber muss das wirklich noch erwähnt werden?) in die künstlerischen Schranken gewiesen hat, ist eine Frechheit. Nachdem aber Ersatzregisseur Renny Harlin mit „Exorzist: Der Anfang“ kommerziell gepflegt auf die Nase gefallen ist, der ganze 90 Prozent von Schraders Film neu inszenierte, war es Schrader doch noch vergönnt, sein Werk fertigzustellen und veröffentlichen zu dürfen. Warum die Verantwortlichen von Warner bei der Sichtung von „Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen“ von deutlichen Bedenken hinsichtlich seines Kinoerfolges heimgesucht wurden, ist offenkundig: Schrader verweigert sich einem erkennbaren Spannungsbogen und konzentriert sich so bestimmt auf den Gewissenskonflikt von Lancaster Merrin, der das Kollar aufgrund seiner Erfahrungen im zweiten Weltkrieg abgelegt hat, dass es sich anfühlt, als hätte „Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen“ einen narrativen Rückwärtsgang eingelegt. Psychologisch ist Merrin greifbarer konditioniert und Schrader legt weit mehr sachliches Augenmerk auf die Differenzen zwischen den kolonialen Behörden und Turkana, die im 5-jährigen Mau-Mau-Aufstand kulminieren sollten. In seiner Langsamkeit jedoch liegt keine vermeidliche Stärke begraben, sondern eine auf Dauer klischeeisierte Erschöpfung.


4 von 10 weißen Kratzen im Schatten


von souli

Review: TAXI DRIVER – Einsam und verloren im Großstadtdschungel

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Fakten:
Taxi Driver
USA. 1976. Regie: Martin Scorsese. Buch: Paul Schrader. Mit: Robert DeNiro, Jodie Foster, Cybill Shepard, Harvey Keitel, Peter Boyle, Albert Brooks, Martin Scorsese, Leonard Harris u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vietnamveteran Travis Bickle kann nicht schlafen. Die Nacht nutzt er deshalb dafür als Taxifahrer Geld zu verdienen. Auf seinen Touren bekommt er es mit der ganzen menschlichen Bandbreite New Yorks zu tun. Als er sich in die Wahlkampfhelferin Betsy verliebt, scheint Travis Leben wieder so etwas wie einen Sinn zu bekommen.





Meinung:
Martin Scorsese („Departed – Unter Feinden“) entführt uns in die besudelten Straßen des 1970er Jahre New York City. Belebt und simultan zerstört vom asozialen Abschaum, der noch nicht im elendigen Sumpf der Metropole untergegangen ist. Die Kamera streift elegisch durch den schwarzen, verqualmten Strudel und saugt uns ein. Lässt uns zusammen mit Travis Bickle (Robert De Niro, „Wie ein wilder Stier“) auf einen kräftigen Regen warten, so stark, dass er das Gesindel und das Pack in seiner Erbärmlichkeit von den Straßen spült, um sie endlich zu reinzuwaschen. Der widerliche Gestank, der in der Luft steht, muss von einem unaufhaltsamen und gnadenlos fauchenden Orkan weggeblasen werden, damit auch wir uns in einer besseren Welt wiederfinden dürfen: Travis könnte dieser Orkan sein, ein in beharrlicher Massivität prustende Sturm.


Wären Handys im Saal würde Travis die echte Wumme auspacken
Travis lebt in seiner ganz eigenen Welt. Seelisch gezeichnet von einem schweren Kriegstrauma und einer unausweichlichen Einsamkeit, die Travis begleitet, seitdem er selbstständig denken kann. Nachts besteigt er seinen Blechsarg auf vier Rädern, die dunkelsten Ecken und Viertel werden zu seinem Revier. Genau die Ecken, Bezirke, Viertel und Straßen, denen er mit so viel Hass begegnet, dessen hiesigen Pöbel er ausrotten möchte – Alles miteinander! Für Travis Bickle sind diese Menschen keine Menschen, die Huren, Betrüger, Amateurnutten, Sodomiten, Trinen, Schwuchteln, Drogensüchtige, Fixer und die kaputten Syphkranke sind Dreck, der am Ende der gesellschaftlichen Nahrungskette kauert und entsorgen werden muss. Nach Einbruch der Dunkelheit treibt er sich in schmuddeligen Pornokinos herum, zurückgezogen in sein kaltes, verlorenen Herz und nur die hübsche Wahlkämpferin Betsy kann ihm aus seinem Loch retten – Der Engel in der Finsternis, die vermeintliche Erlösung, das helle Licht in alles verschlingender Finsternis.


Harten Tag gehabt: Travis hängt ab
Doch mit Betsy und Travis konfligieren zwei Typen von Menschen, die sich in ihren Gegensätzen nicht anziehen, sondern abstoßen: Sie besitzt noch Gefühle, besitzt aufrichtige Ideale, er ist apathisch und ein aus sozialen Strukturen ausgestoßener, ganz eigen und unfähig, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden. „Taxi Driver“, die analytische Reflexion über die Einsamkeit. Kocht Travis' Wut auf, eine Wut, ein Zorn, eine Abscheu und Animosität gegen die Menschen und die Welt, die sie aus ihr gemacht haben. Alles scheint verpestet und verkommen, verrohrt und abgestumpft. Wenn Travis die 12-jährige Prostituierte Iros (Jodie Foster, „Der Gott des Gemetzels“) kennenlernt und sich mit ihren Lebensumständen vertraut macht, erschleicht ihn ein Gefühl der Verantwortung, der Zivilcourage. Er will ihr helfen, sie aus dem Schmutz ziehen und ihr einen Ausweg ermöglichen. Einen Ausweg, den Travis selbst nur noch durch blanke Gewalt zu ermöglichen glaubt. Und er macht sich bereit: Stählert seinen Körper, wappnet sich mit dem nötigen Equipment, schneidet sich in seine ikonische Irokesenfrisur. Er muss sich abgrenzen, um wieder Teil des Gesellschaftsgefüge zu werden.


Travis und Betsy - hat diese Beziehung eine Zukunft?
Paul Schraders Drehbuch lässt Travis Bickle in Ambivalenzen, in Widersprüchen rotieren und kreiert einen so vielschichtigen wie komplizierten Charakter. Seiner Aversion gegen die Nachtwelt von New York geht er nicht aus dem Weg, sondern stürzt sich direkt in sie hinein, in dem er nur in der Nacht arbeiten möchte, permanent in Kontakt mit dem sabbernden Dreckspack. Er verachtet die dreckige Kultur der Gegenwart, streunt aber immerzu durch die Pornokinos, wird anonymer Teil der Perversen. Travis wehrt sich dagegen, in dieser abgründigen Welt zu leben, doch er ist schon längst in ihr verwurzelt. Und um diesen verlotterten, amoralischen Kosmos zu befreien, muss er ihn ebenso vor sich schützen. Und wo befindet sich unser Standpunkt bei dieser Geschichte rundum Travis? Bezogen auf die letzten 20 Minuten, die in ihrer Visualisierung wir ein extremer Hammerschlag auf den Zuschauer poltern. Wie weit können wir uns in diese Handlungen hineinversetzen, inwiefern können wir seine Motivation nachvollziehen, wenn man jeden Tag, immer und immer wieder, in menschliche Abgründe blicken muss? Wie weit werden wir selber zu einem Teil von Travis und weit sind wir schon selbst leblose Fragmente dieser Unterwelt?


Travis, und auch darin bewahrt sich „Taxi Driver“ eine packende Zwiespältigkeit, die unbedingt zum Austausch miteinander einlädt, ist kein Held, nicht im Ansatz. Hat er in der Zeit, in der wie ihn verfolgten, überhaupt etwas richtig gemacht? Ja, denn er hat gehandelt. Ob richtig oder falsch steht nicht zur Debatte. Erst einmal nicht. Er tat das, was viele Personen in höheren und einflussreicheren Positionen längst hätten tun sollen: Ein Zeichen setzen. Das mag sich reaktionär und weltfremd anhören, ist aber gewiss nicht die Tonalität, in der sich „Taxi Driver“ wohlfühlt. Die Themen sind zu brisant, um sie auf den kleinstmöglichen Nenner zu reduzieren, die Ausführungen des gesamten Filmes liegen zu schwer im Magen, als dass man sie in derartiger Undifferenziertheit munden lassen könnte. Wenn die letzten Minuten einen tiefen Krater in unser Inneres gerissen haben, lässt „Taxi Diver“ Raum zur freien Interpretation: Realität oder doch die ausgebaute Utopie des Travis Bickle? Eine Entscheidung, die dem Zuschauer selbst überlassen ist. Fakt ist allerdings: „Taxi Driver“ ist Kino in größtmöglicher Brillanz. Unvergleichlich und unerreichbar.


10 von 10 Gesprächen mit dem Spiegelbild 


von souli

Review: SCHWARZER ENGEL – De Palma serviert ein Vertigo für Begriffsstutzige

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Fakten:
Schwarzer Engel (Obsession)
USA. 1976. Regie: Brian De Palma. Buch: Paul Schrader. Mit: Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, Tom Felleghy, Stocker Fontelieu, Sylvia Luumba, Wanda Blackman, Nick Krieger, J. Patrick McNamara u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
New Orleans, 1959: Immobilienkaufmann Michael will eigentlich mit seiner Frau Hochzeitstag feiern, doch jemand hat sie und die gemeinsame Tochter entführt. Die Polizei, an die sich Michael wendet, kann wenig ausrichten. Als es zur Geldübergabe kommt passiert eine Katastrophe. Doch dies ist nur der Anfang.





Meinung:
Nach einigen Kurzfilmen wie „Wotons Wake“ oder „Jennifer“, der Komödie „Hi, Mom!“ (1970) mit einem blutjungen Robert De Niro in der Hauptrolle, der Hitchcock-Hommage „Die Schwestern des Bösen“ (1973) und der grotesken Neuinterpretation des Gaston Leroux Romans „Das Phantom der Oper“ mit dem Titel „Das Phantom im Paradies“, beauftrage De Palma den legendären Drehbuchautoren Paul Schrader („Taxi Driver“) dazu, ihm einen Vorentwurf für ein Drehbuch zu modellieren, dessen Geschichte an Fjodor Michailowitsch Dostjewskis „Der Spieler“ angelehnt ist. Nachdem sich die beiden Koryphäen aber gemeinsam „Vertigo“ ansahen, wurden alle Pläne über den Haufen geworfen und zusammen ein Skript verfasst, ganz an Hitchcocks Opus magnum orientiert. Dass De Palma eine ganz besondere Beziehung zu „Vertigo“ pflegt, sollte sich in seinem weiteren beruflichen Werdegang noch so manches Mal abzeichnen. So offensichtlich und gleichzeitig auch unmotiviert, wie er in „Schwarzer Engel“ Hitchcocks Klassiker rekonstruiert, sollte De Palmas Ägide allerdings nicht mehr ausfallen.


Vaseline und eine Kameraobjektiv - Never change a winning team
Unterstützt vom Breitbildformat saugt sich Vilmos Zsigmonds Kamera an den architektonischen Sehenswürdigkeiten von New Orleans und Florenz fest: Die städtischen Abbilder fungieren als emotioneller Ausdruck des Seelenzustandes seiner Protagonisten. Symbolträchtige Nebenwaben umschlingen dabei nicht nur die anmutigen Gebäude, auch die Charaktere drohen sich oftmals in ihnen zu verlieren. Was visuell mit unzähligen Reizbildern ausgestattet ist – allgemein lebt De Palma seine formale Brillanz hier vollends aus -, zeigt in seinem sinnbildhaften Charakter auf dieser Ebene bereits früh Abnutzungserscheinungen und steht gar konträr zur Auffassung seines filmischen Vorbildes: Was sich bei Hitchcock subtil im Verborgenen entfalten durfte, folgt bei De Palma einer plakativen Attitüde, in der De Palma dem Hang erliegt, wirklich alles ausbuchstabieren zu müssen. „Schwarzer Engel“ bemüht sich darum, eine Atmosphäre zu erschaffen, die einem anhaltenden Traumzustand ähnelt, einer verschwommenen Irrationalität, nicht umsonst wird „Schwarzer Engel“ zu Anfang einer beabsichtigten Überbeleuchtung unterzogen, um das Szenario auch penetrant ins Unscharfe zu drängen – Milchig bleiben die penibel kalibrierten Fotografien aber über die gesamte Laufzeit.


De Palmas Kritiker
Optisch entspricht „Schwarzer Engel“ daher auch eher Alfred Hitchcocks Oscarerfolg „Rebecca“, in dem Laurence Olivier nach dem Tode seiner Frau von ihrer Präsenz eingenommen wird. Eine Referenz, die De Palma in „Schwarzer Engel“ auch inhaltlich behandelt, nur verwebt er sie in ein Familiendrama um Vater Michael (Cliff Robertson, der Onkel Ben aus Sam Raimis "Spider-Man"-Filmen) und seiner Tochter Sandra (Genevieve Bujold), welches sich ganz an den Eckpfeilern von „Vertigo“ abhandelt. Anstatt also nur mit einem nekrophilen Subtext, wie Hitchcock, aufzuwarten, presst das Drehbuch noch eine inzestuöse Note in das Geschehen, die Michael zwar nur im Traum (wo auch sonst?) ausleben darf, dennoch einen faden Beigeschmack in ihrer expliziten Konstellation auf der Zunge hinterlassen. Die Obsessionen, die morbide Besessenheit, der, wie schon James Stewart, Cliff Robertson hier unterliegt, werden auf einem weichen, einem durchaus mit erkennbarer Sensibilität geschilderten Gefühlsfundament entfaltet und kulminieren zwischen kindlichen Traumata und der Suche nach Läuterung von alten Sünden. Mit wirklich treffsicherer Symbolik wartet da auch nur die Szene auf, in der Sandra ein Wandfresko restauriert und die untere Schicht, wie die Vergangenheit, nach Meinung Michaels überarbeiten soll.


Psychologisch aber fehlt „Schwarzer Engel“ die Inspiration und kreiselt sich wortwörtlich gegen Ende in ein pathetisches Finale, um den Eindruck zu verstärken, dass sich De Palma und Schrader hier einzig mit exponierter Seriosität brüsten, denn wirklich ein tiefgehendes Seelendrama präsentieren zu wollen. Wo sich De Palma später, beispielsweise mit „Dressed to Kill“, „Blow Out“ oder „Der Tod kommt zweimal“, noch einige Male auf die Wechselwirkung zwischen Realität und Fiktion berufen wird, auf die menschliche Doppelung und die Suche nach Erlösung, seinen Filmen aber immer eine klare Luzidität im Umgang mit ihrer Ambivalenz lässt, ist „Schwarzer Engel“ immer genau das, was er auch gerade zeigt, ohne doppelten Boden, ohne schelmisches Augenzwinkern, nur kitschig und – was gerade in Anbetracht der Intention paradox scheint – seltsam klar. Bernard Herrmanns Score, bewusst melodramatisch übersättigt, drückt „Schwarzer Engel“ letztlich noch seinen Stempel auf. Das kannst du besser, Brian.


5 von 10 schicksalhaften Täuschungsmanövern


von souli

Review: THE CANYONS – Hollywood fickt sich selbst ins Knie

Keine Kommentare:


Fakten:
The Canyons
USA. 2013. Regie: Paul Schrader. Buch: Bret Easton Ellis. Mit: Lindsay Lohan, James Deen, Amanda Brooks, Gus Van Sant, Nolan Gerard Funk, Tenille Houston, Jim Boeven u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 17. März auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Filmproduzent Christian lebt zusammen mit seiner Partnerin, der Ex-Schauspielerin Tara, seine sexuelle Phantasien aus. Als er jedoch herausfindet, dass Tara in der Vergangenheit mit einem gemeinsamen Freund liiert war, beginnt ein langsamer aber stetiger Absturz.





Meinung:
Es gab mal eine Zeit, in der Paul Schrader dank seiner phänomenalen Skripts zu „Taxi Driver“ und „Wie ein wilder Stier“ zu den Koryphäen unter den amerikanischen Drehbuchautoren gehörte. Heute allerdings findet die Branche keine Verwendung mehr für einen Künstler wie Paul Schrader, dem man eigentlich für alle Ewigkeit mit dem höchsten Maß an Respekt begegnen sollte, immerhin hat der Mann nicht einfach "nur" die ikonische Figur Travis Bickle entwickelt, er hat Martin Scorsese damit in der Pionierzeit des New Hollywood Cinemas die richtigen Vorlagen servierte und so seine unnachahmliche Weltkarriere mit eingeleitet. Schrader ist inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem er das Kino als klassisches Lichtspielhaus längst in die Brüche gehen zu sehen glaubt, zu fremd aufeinander abgestimmt scheinen die heutigen Sehgewohnheit, zu groß das virtuelle Spektrum, sich die Filme auf andere Weise beschaffen zu können: Die „post-theatrical cinema“-Epoche erreicht in Kürze ihre Hochphase, geht es nach Schrader, und unzählige Kinosäle verkommen zu zerfallenen Friedhöfen für ehemalig auf Zelluloid gebannte Träume.


 
Tara: raus mit dem Qualm, rein mit den Problemen
Genauso eröffnet Paul Schrader „The Canyons“: Die Kamera schwenkt durch die verschiedenen Lichtspielhäuser Los Angeles. Alles scheint verstaubt und verwahrlost, verwüstet und demoliert, wie nach einem Bombenanschlag. Es sind beeindruckende Aufnahmen, die sich ihrer tiefen Wehmut nicht verweigern können und unmissverständlich darauf aufmerksam machen, dass die Produktion und der Konsum des Mediums in eine neue Ära vorgeschritten sind. In eine kalte, eine sich selbst zerfleischende Ära, die sich der sentimentalen Bedeutung dieser ehemals so gravitätisch beäugten Lokalisationen vollständig entrissen hat. „The Canyons“ ist in seiner Selbstbezogenheit ohne Frage astreines Meta-Kino und intendiert jeden formalen wie informalen Querschläger mutwillig in die Reflexion über das moderne Naturell, den verstümmelten Geist des Geschäfts ohne etwas dem Zufall überlassen zu wollen. Hier dirigiert ein Mann, der selber von der Branche erst enttäuscht und dann nochmal so richtig von hinten gefickt wurde; ein Mann ohne Illusionen, komplett verankert im Hier und Jetzt. Und exakt diese Desillusionierung vertritt auch „The Canyons“ über die gesamte Laufzeit an.

 
Langeweile oder Faszination: Christian und Tara
Tatkräftige Unterstützung bekommt Schrader von seinem Drehbuchautoren Bret Easton Ellis, der sich schon für seine Vorlage zu „American Psycho“ mit Christian Bale auszeichnen durfte. Und es steht ganz außer Frage, dass The Canyons“ ein anstrengender Film ist, der viel Geduld vom Zuschauer abverlangt, um das fröstelnde Klima dieses Milieus entfalten zu dürfen. Obwohl sich die Beteiligten nämlich inmitten dieser Filmwelt befinden, ob nun vor oder hinter der Kamera, scheinen alle durchweg distanziert von der und ebenso desinteressiert an glamourösen Welt zu sein, sie hat ihren Zenit ja eh schon lange überschritten und taumelt ihrem Untergang langsam entgegen. Vielmehr wird das hiesige Dasein von der emotionalen Verwahrlosung kontrolliert: Machtverhältnisse werden stetig ausgekostet, hier geht es einzig und allein darum, irgendwie am längeren Hebel zu sitzen, während man sich neben den gegenseitigen Manipulationskreiseln, neben dem kontinuierlichen (Selbst)-Betrug, die Zeit damit vertrieben wird, ein faules Stück Fleisch aus dem muffigen Kadaver der Kinolandschaft zu reißen. Echte Gefühle? Bloße Behauptungen.


The Canyons“ dreht sich immerzu um die eigene Achse, weil sich auch diese Menschen selber nicht mehr aus diesem Teufelskreis zu helfen wissen: Eine Endlosschleife der (inneren) Leere. Sex ist hier zwar immer gegenwärtig, doch der ist unpersönlich und wird mit fremden Leuten aus dem Internet angereichert. Nicht, um die Lust zu steigern, um die Bettspiele interessanter zu gestalten, sondern nur, um seine Macht auf andere auszuüben und daran zu laben, um bestimmen zu können. So schwierig „The Canyons“ auch ers-heinen mag, so dünn in seinen Dialogen und falsch in seiner Digitaloptik, ein Film über die unentwegte Entfremdung dieses Umfelds hat doch genau so auszusehen. Die größte Überraschung liefert im eh schon recht interessanten Cast dann nicht der aus Hardcore-Pornos bekannte James Deen, der sein narzisstisches Image auf psychopathischen Tendenzen bettet, sondern Skandalnudel Lindsay Lohan, die mit aufgedunsenem Gesicht ein hervorragendes Porträt ihrer selbst offeriert.


6 von 10 nötigen Alibis


von souli