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Review: VACATION - WIR SIND DIE GRISWOLDS - Wären sie besser daheim geblieben

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Fakten:
Vacation – Wir sind die Griswolds (Vacation)
USA. 2015. Regie und Buch: Jonathan Goldstein und John Francis Daley. Mit: Ed Helms, Christina Applegate, Skyler Gisondo, Steele Stebbins, Leslie Mann, Chris Hemsworth, Chevy Chase, Beverly D’Angelo, Charlie Day, Ron Livingston, Regina Hall, Keegan-Michael Key, Michael Peña, Kaitlin Olson, Nick Kroll, Tim Heidecker, Elizabeth Gilles, Norman Reedus u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 7. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich..


Story:
Rusty Griswold tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Damit die Familie wieder mehr zusammenrückt, macht er mit seiner Frau Debbie und ihren beiden Söhnen eine Reise durch das Land zur "Walley World", Amerikas beliebtestem Familien-Erlebnispark.




Meinung:
In Mike Judges Zivilisationssatire „Idiocracy“ wird die Theorie aufgestellt, dass in knapp 500 Jahren der erfolgreichste Film aller Zeiten den Titel „Ass“, also Arsch, tragen wird. Auf der Leinwand zu sehen ist 90 Minuten lang ein blanker Po. Das ist übertrieben, weit hergeholt und sogar ziemlich absurd. Doch regelmäßig erscheinen immer wieder Filme, die diese Entwicklung – vor allem im Bereich des komödiantischen Films – wieder äußerst real und vor allem plausibel erscheinen lassen. Einer von ihnen ist „Vacation – Wir sind die Griswolds“, zeitgleich der erste Filme vom Autoren Duo Jonathan Goldstein und John Francis Daley („Kill the Boss“) und der allererste Versuch die Kultfamilie Griswolds wieder erfolgreich auf die Leinwand zu bringen.


Einer der Griswolds wird gleich ordentlich kotzen
In den 1980er Jahren war es noch Komiker Chevy Chase, der als ewiger Gutmensch und klassisches Familienoberhaupt Clark Griswold seine Lieben durch köstlich amüsante wie meist auch herrlich chaotische und kuriose Abenteuer manövrierte. Mit „Vacation – Wir sind die Griswolds“ versucht sich nun Ed Helms (bekannt aus der „Hangover“-Trilogie) als erwachsener Griswold-Spross Rusty (in einigen früheren Filmen von „The Big Bang Theory“-Star Johnny Galecki gespielt), in die Fuß- , bzw. Reigenspuren seines Vaters zu treten. Das Ergebnis ist eine R-Rated-Comedy, die brav eine Reisestation nach der anderen abhakt – ganz wie der allererste Film mit den Griswolds, auf den sich „Vacation – Wir sind die Griswolds“ bezieht. Bei jedem Zwischenstopp auf dem Weg zum Freizeitpark Whalley World stolpert die Familie von einem Malheur zum anderen. Das ist einfachste Genre-Mechanik und gewiss kein Grund warum die neue Generation der Griswolds in ihrem ersten (und hoffentlich auch letzten) Einsatz mit negativer Bravour scheitert.


Onkel Stone hat nicht bloß einen langen Gartenschlauch
Das Problem von „Vacation – Wir sind die Griswolds“ ist viel mehr seine spröde Kreativlosigkeit. Sein Unwillen humoristisch mehr zu bieten als spackige Sex-, Fäkal-, Kotz- und Gewaltwitze aufzufahren, deren Pointen teilweise so undynamisch und faul daher kommen, dass es schon etwas kompromittierendes hat, dass sich „Vacation – Wir sind die Griswolds“ wirklich als cineastischer Nachfahre einer insgesamt doch recht überzeugenden Komödienreihe (über den Las Vegas-Trip und etwaige Direct-to-DVD-Sequels schweigen wir uns einmal aus) versucht. Die Originalfilme besaßen dazu trotz dem ganzen Chaos und der schrillen Trotteligkeit von Familienvater Clark auch immer etwas Liebenswertes wie wärmendes. Davon ist bei „Vacation – Wir sind die Griswolds“ aber nichts mehr zu spüren. Es ist eine kalte, eine zutiefst konzeptionelle Komödie die blindlinks den gängigen, mittlerweile einfach ausgeschröpften Maßeinheiten der amerikanischen R-Rated-Comedys hinterherjagt und dabei niemals auch nur einen Moment der Einzigartigkeit zu generieren vermag. Außer müden Geschmacklosigkeiten  in Form von rabiaten wie wenig einfallsreichen Übertreibungen fährt das Regie-Debüt von Jonathan Goldstein und John Francis Daley nichts auf.


„Vacation – Wir sind die Griswolds“ ist, wenn man ihn in einem Atemzug mit den klassischen Griswolds-Abenteuern wie „Die schrillen Vier auf Achse“ oder „Schöne Bescherung“ nennt, eine regelrechte Beleidigung den Originalfilmen gegenüber. Ein schamlos ideenarmes Vehikel für Sonderschulhumor und pubertärem Nervklamauk. Da helfen auch die diversen Cameos und Gastauftritte nicht mehr viel weiter.


1 von 10 Kannibalenkühen

Review: IMMER ÄRGER MIT 40 - Midlifecrisis à la Judd Apatow

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Fakten:
Immer Ärger mit 40 (This is 40)
USA. 2012. Regie und Buch: Judd Apatow. Mit: Paul Rudd, Leslie Mann, Albert Brooks, John Lithgow, Jason Segel, Chris O’Dowd, Melissa McCarthy, Megan Fox, Ryan Adams, Maude Apatow, Iris Apatow, Robert Smigel, Ryan Lee, Charlyne Yi, Annie Mumolo u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Für die Eheleute Pete und Debbie stehen die 40. Geburtstage an, doch jeder hat seine eigene Art damit umzugehen: Während Pete zu seinem Alter steht und eine große Party plant, verleugnet Debbie das ihre und behauptet erst 38 zu sein. Doch egal wie sie zu der 40 stehen, beiden Partnern werden die Probleme des Alters klar: Man muss den Arzt häufiger fürs Checks aufsuchen, der Körper ist nicht mehr so jung und knackig wie früher und die Kommunikation mit den Töchtern, der pubertierenden Sadie und der jüngeren Charlotte fällt zunehmend schwerer. Während in dem Klamottenladen von Debbie anscheinend eine Mitarbeiterin klaut, hat Petes Musiklabel andere Geldprobleme: Da er nur noch Musik verlegt, die er selbst gut findet, diese aber nicht den Massengeschmack trifft, schreibt er rote Zahlen. Als die Ehe der beiden auch noch unter den zahlreichen Krisen leidet, wird klar, dass mit Erreichen der 40 keine einfache Zeit angebrochen ist...




Meinung:
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Humor spielt im eigenen Geschmacksempfinden natürlich eine ganz zentrale Rolle und es liegt nun an jedem Menschen selbst, ob er seinen Spaß an pechschwarzen Humor Made in Britain hat, oder sich doch von derbem Slapstick à la Stooges belustigen lassen kann. So schön das gemeinsame Lachen auch sein kann, manchmal stoßen doch zwei divergente Welten aufeinander, die das reziproke Humorzentrum des anderen nur mit unverständlichem Stirnrunzeln betrachten können und während bei Person A bereits Tränen aufgrund der Zwerchfellerschütterung kullern, sitzt Person B regungslos im Nebensitz und schnauft enthemmt genervt durch den Saal. Ausnahmen sind da nur die ikonischen Urgesteine Charlie Chaplin und Loriot, denn wenn in Bezug auf diese beiden Titanen nur gelangweiltes Schweigen zu vernehmen ist, gleicht das beinahe einem unheilbringenden Sakrileg.


40 Jahre und kein bisschen Weise: Debbie und Pete
Wenn man sich dann durch das kontemporäre Comedy-Gefilde schlägt und nach Künstlern Ausschau hält, die noch wirklich Talent in Sachen (Situation-)Komik und (Wort-)Witz besitzen, ohne sich in peinlichen Plattitüden zu suhlen, dann wird die Auswahl doch schon recht eng. Platzmangel herrscht vor allem dank der lächerlichen Parodien-Welle, die seit „Scary Movie“ unabdinglich anhält und die wahren Glanzlichter an den Kinokassen und DVD-Regalen verkümmern lässt. Man ist also an dem Punkt in der Filmwelt angekommen, an dem man seine langwierigen Spekulationen über den einst – zu Recht – gehypten Judd Apatow nun auf belegbares Fundament ablegen kann und darf gerne behaupten, dass das Multitalent aus New York wahrlich die letzte Hoffnung des heutigen Comedy-Kinos ist, allerdings muss man seine künstlerischen Ansprüche dabei immer aus dem richtigen Blickwinkel betrachten und die Form akzeptieren, die Apatow in seinen Werken auch anstrebt.


Happy Together?
Es handelt sich nach wie vor um das schwungvolle Geschichtenerzählen, mit massenkompatibler Prämisse und der Ansatz von tiefgreifender Arthouse-Kost stand bezüglich dem Mann noch nie zur Debatte, einfach weil es nicht den persönlichen Voraussetzungen entspricht. Und dennoch, so seicht die Outputs auf den ersten Blick auch aussehen mögen, die Intention ist doch immer eine unheimlich bodenständige wie erfrischende und umklammert die alltäglichen Probleme, überwiegend in den Höhen und Tiefen einer Beziehung statuiert, mit denen wir uns im besten Fall genau identifizieren können und problemlos den von Sympathie gezeichneten Zugang zum Geschehen finden. Das zeichnete auch schon seine vorherigen Regiearbeiten wie „Jungfrau (40) männlich, sucht…“ und insbesondere „Beim ersten Mal“ aus. Es besteht unübersehbar ein fester Bezug zur Realität, wenngleich dieser gerne der Komik wegen etwas überspitzt dargestellt wird.


Alt trifft jung
Wenn man sich die einzelnen Werke von Apatow anschaut und den Blick auf die Besetzungslisten richtet, dann tauchen immer wieder die gleichen Namen auf, sei es Seth Rogen, Jason Segal, Jonah Hill, Paul Rudd oder Ehefrau Leslie Mann. Verbunden waren die Filme in ihrer informalen Ebene nie, mit „Immer Ärger mit 40“ ist das dann doch zum ersten Mal etwas anders, wenn auch nicht in wirklich gravierendem Ausmaße. Die fokussierte Ehe von Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann) gab es schon im fünf Jahre zuvor erschienenen „Beim ersten Mal“, da waren die Beiden allerdings nur als hochwertiger Nebenstrang vertreten und nicht als Metronom der Story. Wer nun allerdings ebenfalls ein Wiedersehen mit Alison (Katherine Heigl) und Ben (Seth Rogen) erwartet, der wird enttäuscht, einzig „How I Met Your Mother“-Star Jason Segal schaut als Bodytrainer noch einmal vorbei, lässt aber keine wohligen Erinnerungen an den wunderbaren Sommerhit von 2007 aufkommen, sondern dient vielmehr als namhaftes Beiwerk.


So viel Glück auf einmal... zum kotzen
Zwar ist Judd Apatow nicht erneut auf der Höhe wie einst in „Beim ersten Mal“, macht den überlangen Ausrutscher „Wie das Leben so spielt“ mit seiner herrlichen Ehe-Dramödie „Immer Ärger mit 40“ aber mit Leichtigkeit wieder wett. Die Zutaten, die Apatows Œuvre bis dato auszeichneten, sind auch hier wieder mühelos zu entdecken und die Lebensnähe, mit der der Film entfaltet wird, ist so liebeswert, dass man sich mit den launischen, aber durchaus herzlichen Protagonisten schnell anfreunden kann. Im Mittelpunkt steht da die Zeit – der Titel lässt es anklingen – der 40er und die Veränderungen mit dem Alter, die nun mal jeder Mensch früher oder später akzeptieren muss, einfach weil die Verdrängung schlussendlich in Selbstlügen enden und einem selbst mehr schaden, als den Menschen, die man täuschen möchten. Akzeptanz ist da das Stichwort und genau das Thema, um das „Immer Ärger mit 40“ fortwährend kreist. Die Ehepartner müssen ihr Leben mit den Kindern akzeptieren, ihre Pflichten, ihre Vorbildfunktion, während die Kinder verstehen müssen, Regeln einzuhalten und – genau wie die Eltern untereinander – Freiräume und Privatsphäre respektiert werden muss.Dieses Tohuwabohu wird mit Esprit, tollem Timing und den nötigen leisen Tönen wunderbar auf den Zuschauer übertragen.


Apatows Spagat zwischen komischen Augenblicken und ernsten, reflektierten Momenten, geschieht mit routinierter Präzision. Und auch wenn der Film mit seinen gut 130 Minuten etwas zu lang geraten ist und nicht selten an eine Sitcom erinnert, gerade weil einige Ausführungen doch unnötig weit ausholen, bringt „Immer Ärger mit 40“ endlich wieder genau den erzählerischen Pepp und die zwischenmenschlichen Wahrheiten mit ins Kino, die man in diesem Genre viel zu lange vermissen musste. Die schönsten Szenen in einem Apatow-Film sind jedoch immer die, wenn man das Gefühl zugesprochen bekommt, dass die Charaktere hier wirklich so sein dürfen, wie sie sein wollen und ihnen vor allem keine Grenzen vorgegeben wurden, dabei erscheint Vulgäres aber nie geschmacklos, sondern passt mal wieder genau in das familiäre Bild. Eben ein typischer Apatow und damit eben auch ein weiteres Highlight im Comedy-Sujet der Moderne.


6 von 10 "Lost"-Spoilern 


von souli

Review: LAST MAN STANDING - Wahre Kerle gegen falsche Kerle

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Fakten:
Last Man Standing
USA. 1996. Regie: Walter Hill. Buch: Walter Hill, Akira Kurosawa (Vorlage), Ryuzo Kikushima (Vorlage). Mit: Bruce Willis, Christopher Walken, Bruce Dern, Leslie Mann, William Sanderson, Michael Imperioli, Ken Jenkins, Alexandra Powers, Karina Lomard, David Patrick Kelly, R.D. Call, Ned Eisenberg, Ted Markland u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Texas, in den 1930er Jahren: Ein Fremder, John Smith, kommt zufällig in ein kleines Wüstenkaff, in dem sich zwei rivalisierende Gangsterbanden bekriegen. Smith, der lieber schießt als redet, wird von beiden Bandenchefs angeheuert, um die Feinde kaltzustellen. Für Smith eine gute Gelegenheit beide Parteien gegeneinander auszuspielen.





Meinung:
In meinen objektiven Augen ein etwas unterschätzter Film. Klar, wir können Tage lang darüber diskutieren, welch großen Impact die Story-technischen Vorgänger 'YOJIMBO' und 'FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR' auf unsere hochentwickelte Filmkultur hatten, während dieser Film von Walter Hill hier nicht mal einen Bruchteil davon erreichte. Kann ich ja verstehen, auch wenn ich nicht glaube, dass er es überhaupt darauf angelegt hatte. Auf jeden Fall hat er sich ein bisschen respektvoller an die Sache gemacht, als 2 Jahre später John G. Avildsen mit seinem Van-Damme-INFERNO, aber die eigenen, stilistischen Qualitäten dieses Films sprechen ohnehin ausgezeichnet für sich selbst - da will ich mal nicht vergleichen, sondern mich einfach nur freuen, dass Hill seiner Linie für furcht- und kompromissloses Genrekino treu geblieben ist und durchweg eine schwüle Spannung in die Luft injiziert, die jeden in diesem texanischen Gangster-Hort von Jericho bis zur härtesten Paranoia brodeln lässt.


Hier zu sehen ist eine Dialogszene
Denn der Tod wartet schon entspannt mit der Sense um jede Ecke, die Hölle unter den Füßen sowieso und mittendrin das fatalistische Ventil dafür anhand eines Mannes, genannt John Smith (Bruce Willis), dem es als abgebrühter, sperriger Opportunist scheißegal ist, ob er blutig zusammengeschlagen oder angeschossen wird, solange das Geld hinein fließt (Ok, wütend ist er dann schon - aber keiner, der sich davon zu unbedachten Dummheiten hinreißen lässt, wie all die anderen dort). Ehrenkodex? Bei solch einer Gesellschaft gar nicht nötig - die einzige Sympathie spürt man beim allgemeinen Volk und bei den Frauen, die er aus den schlampig-brutalen Griffen der Mobsters rausholt und in so eine Art Freiheit schickt (weshalb jene pseudo-taffen Arschgeigen auch langsam ihre Macht beim Schwinden zusehen können, auch wenn sie es nicht glauben mögen). Denn es wird bald nicht nur mächtig dreckig und staubig in diesen Gefilden (den Look hält der Film durchweg vor die Augen), sondern vorallem blutrot und in Flammen brutzelnd, wenn die Gemüter der Intrigen eskalieren, durch Doppelbeschuss der Colts und Magnums in die Stratosphäre gepfeffert werden.


Langsam sterben ist okay, aber zielen muss man schnell
Da ist Smith im Grunde zwar ein nihilistischer, doch von allen Seiten betrachtet auch (un)freiwillig rechtschaffener Katalysator des Karmas, gegen das nicht mal das Gesetz wirklich was zu sagen hat, bis es zwangsläufig einschreiten müsste - was es bezeichnenderweise nie tut (dass es ab und an mal regnet, kann man auch nicht als Deeskalation werten). Das wirkt hier eh nur noch verloren, inmitten dieses zerschmelzenden Wirbelsturms keifender Machtspiele und rabiater Gewaltausbrüche - unterlegt von einem Soundtrack aus dem Hause Ry Cooder, der wie das quälend-lang-über-die-Haut-angesetzte Abstreifen von Klingen wirkt und wie der Gesamtfilm dazu erst recht keine Hoffnung auszuteilen versucht. Da werden dann auch schon mal Unbewaffnete erschossen oder ein Auge in Matsch verwandelt, aber in jener unsicheren 'Männer'-welt sind das auch nur überhastete Zeichen der Schwäche - vorallem dann, wenn Smith dagegen trotz allem noch gerade steht und keine Miene verzieht. Da scheißt sich schon jeder in die Hosen - aber abwarten, bis er schließlich mit Narben im Gesicht zurückkommt, angepisst in den vermurksten Spiegel schaut, seinen Hut aufsetzt und zum schnittig-schnörkellosen Gemetzel der feigen Banden ansetzt.


Mifune und Eastwood haben dafür schon den Weg geebnet, total, aber diese Eminenz eines transparenten, Bullshit-freien Kerles lässt sich ebenso wenig verarschen. Eben ein typischer, vorausschauender Hill-Charakter, wie auch Christopher Walken als Hitman Hickey, die einzig-ebenbürtige Eigenmacht in dieser aneinander reibenden Darbietung ideologischer Souveränität (ein durchgängiges Thema im Werk des Regisseurs). Sicherlich beherbergt ihr brachiales Handeln dann auch eine stumpfe Direktheit und eine gleichsam zynische Aura, mit einer zu erwartenden, schroffen Reaktion von der Gegenseite dazu - aber das ist dann wenigstens ehrlicher, konsequenter Mumm, jenseits von schicken Anzügen und Bündeln an Geldscheinen, die Macho-mäßig was hermachen wollen, aber eher nur Furcht projizieren. Und wer das nicht begreift, wird von einem nackten Bruce Willis erschossen, nachdem er gerade noch zur Entspannung seinen Prügel in eine Dame der Nacht gesteckt hat und selbstverständlich bereits zwei Knarren in der Hand hat, sobald er angegriffen wird - wichtig ist dabei aber auch: er prahlt nicht damit herum und reißt One-Liner, sondern bleibt wie der Film ein scharfer, methodischer und dennoch heißblütiger Beobachter. Ist das nicht einfach die coolste, righteous Sau? Oder doch eben ganz einfach und ohne Frage der LAST MAN STANDING.


7 von 10 Rückenschüssen


vom Witte

Review: DIE SCHADENFREUNDINNEN – Die Waffen der Frauen

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Fakten:
Die Schadenfreundinnen (The other Woman)
USA. 2014. Regie: Nick Cassavetes. Buch: Melissa Stack. Mit: Cameron Diaz, Kate Upton, Leslie Mann, Nikolaj Coster-Waldau, Nicki Minaj, Don Johnson, David Thornton, Kennth Maharaj, Madison McKinley, Victor Cruz u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 1. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Männer sind Schweine. Vor allem Mark! Das muss Carly erkennen, als sie erfährt, dass ihr Freund verheiratet ist. Als sie zufällig seiner Gattin Kate begegnet, stellt Kate fest, dass sie mit ihr viele Gemeinsamkeiten hat. Als die beiden erfahren, dass Mark noch eine Affäre hat, schmieden sie zusammen mit Affäre Nr. 2 einen Plan, um sich zu rächen.





Meinung:
Als Sprössling von John Cassavetes hat es Nick Cassavetes als Regisseur nun wirklich nicht leicht: Während John Cassavetes als Initiator des Indepedent-Kinos gilt; als ein Autorenfilmer, der seinem Publikum noch Konzentration und Eigenverantwortung abverlangte und mit „Eine Frau unter Einfluss“ und „Mord an einem chinesischen Buchmacher“ Filmgeschichte schrieb, ließ sich Nick Cassavetes als Künstler eher am entgegengesetzten Pol nieder. Mit „Ein Licht in meinem Herzen“, „Call It Love“, „Wie ein einziger Tag“ und „Beim Leben meiner Schwester“ etablierte er sich als Regisseur, der sich vor allem für großspurige Gefühlsarien verantwortlich zeichnet, die nur selektierte Altersgruppen zum Dialog einluden. Von den deliziösen Happen, die sein Vater einst mit erschreckend kontinuierlicher Qualität noch servierte, kann man als Cineast in Bezug auf Nick Cassavetes nur träumen. Nichtsdestotrotz ist der Mann kommerziell durchaus siegreich und schafft es immer wieder, einige Achtungserfolge zu feiern.


Die drei Mädels von der Tanzstelle
Auch sein neuster Streich „Die Schadenfreundinnen“ stieß im Kino auf reichlich Gegenliebe. Die Frage, ob Nick Cassavetes sein Handling in irgendeiner Weise weiterentwickelt respektive den Versuch unternommen hat, zu neuen Ufern aufzubrechen, lässt sich direkt verneinen: „Die Schadenfreundinnen“ (im Original mit dem unscheinbaren Titel „The Other Woman“ gesegnet) ist eigentlich Stangenware im Komödiensegment und gibt sich nur zu gerne katastrophalen Kalauern geschlagen, die schon Anfang des neuen Jahrtausends komplett deplatziert erschienen. Da hätten wir an erster Stelle Cameron Diaz („The Green Hornet“, „The Counselor“), die zu Beginn mal wieder bemüht in die Rolle des 'Hot Chick' gedrängt werden sollte, in diesen Typus aber einfach nicht mehr passt, weil auch an Frau Diaz die Zeit nicht spurlos vorbeigezogen ist. Leslie Mann („Jungfrau (40), männlich, sucht“, „Immer Ärger mit 40“) fährt als betrogene Ehefrau ihre gewohnt hysterisch-liebenswerte Schiene und harmoniert mit Kollegin Diaz über weite Strecken tatsächlich relativ gut. Komplettiert wird das Trio dann noch von Model Kate Upton („Aushilfsgangster“, „Die Stooges“), die ihre männliche Fangemeide mit ihren körperlichen Attributen sicher zufriedenstellen wird.


Noch kann Mr. Right gut lachen
Schauspielerische Glanzleistungen sollte man nicht erwarten, vor allem nicht von Kate Upton, die vielmehr damit beschäftigt ist, ihr Doppel-D-Dekoltee in die Kamera zu rücken. Als Objekt der Begierde aber tritt Nikolaj Coster-Waldau („Game of Thrones“, „Headhunters“) auf den Plan, der den schmierigen Egomanen mit Anti-Monogamie-Philosophie süffisant ausspielt, sich aber in hochnotpeinlichen Szenen zum Vollhorst machen lassen muss: Ob das alteingesessene Abführmittel, welches zu einem viel zu langen Ausflug auf die Toilette führt oder das versehentliche Einrennen einiger Scheiben: Derlei Plattitüden wirken einfach nicht organisch im eh schon mäßigen Humorverständnis des Drehbuchs. Es wäre allerdings auch eine Lüge, würde man „Die Schadenfreundinnen“ jeden Unterhaltungswert aberkennen, denn Diaz und Mann im Zusammenspiel dürfen einige durchaus amüsante Momente auf ihre Rechnung nehmen. Wenn man „Die Schadenfreundinnen“ jedoch auf seine behauptete emanzipatorische Note abtastet, bricht das Gerüst das Filmes schnurstracks in sich zusammen.


Wenn sich die drei Damen darum kabbeln, wer denn nun noch einmal mit dem passionierten Fremdgänger in die Kiste springen darf, wird das auf den fragwürdigen Höhepunkt getrieben und hat mit dem eigentlichen Kredo, dem Arsch so richtig eins auszuwischen, nichts mehr am Hut. Naja, aber was will man von einer Komödie dieser Art schon großartig erwarten? Am Ende geht es um (ungewöhnliche) Freundschaften zwischen drei Lochschwägerinnen und „Die Schadenfreundinnen“ verweigert es tunlichst, richtig gemein auf das Gas zu treten, um dann sein Sujet dahingehend zu konterkarieren, in dem er seinen Protagonistinnen eben doch keine Autarkie zugesteht.


4 von 10 Stürzen aus dem Fenster


von souli