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Review: DATING QUEEN – Vergesst die weibliche Selbstbestimmtheit

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Fakten:
Dating Queen (Trainwreck)
USA. 2015. Regie: Judd Apatow. Buch: Amy Schumer. Mit: Amy Schumer, Bill Hader, Brie Larson, Tilda Swinton, John Cena, Ezra Miller, Colin Quinn, Jon Glaser, LeBron James, Method Man, Randall Park, Marisa Tomei, Daniel Radcliffe, Norman Lloyd u.a. Länge: 124 Minuten. FSK: freigegebe ab 12 Jahren. Ab 21. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
„Monogamie ist unrealistisch“ – mit diesem Mantra wurde die kleine Amy von ihrem Vater großgezogen und als erwachsene Reporterin eines Männermagazins lebt sie danach auf der Dauerparty-Überholspur. Sex, Drugs und Rock’n‘Roll – ungebunden, frei und ohne die einengende Langeweile des romantischen Beziehungslebens. Doch als sie für einen Magazin-Artikel auf den charmanten Sportarzt Aaron Conners trifft, beginnt ihr langsam klarzuwerden, dass es da draußen vielleicht doch mehr, als nur einen Haufen Spaß und reihenweise Dates geben könnte.




Meinung:
Ernüchternd. Genau so lässt sich das Gefühl beschreiben, welches „Dating Queen“ nach dem Abspann als erstes freisetzt: Pure Ernüchterung. Judd Apatow, den man ja gemeinhin als einen Filmemacher kennengelernt hat, der seine Figuren nicht zu bloßen Abziehbildchen erklärt hat und als vollautomatisierte Folie für das Drehbuch ausnutzte, sondern ihnen ja durchaus in ihre Gefühlswelt zu folgen versuchte, soweit es die produktiven Umstände zugelassen haben. Mit „Dating Queen“ aber ist Apatow wieder im konservativen Niemandsland seines Spielfilmdebüts „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ angekommen und setzt seiner Protagonistin Amy (Amy Schumer) einer vollkommen verklemmten Bedingung aus, um die Glückseligkeit in ihrem Leben zu finden: Monogamie, das höchste Gut im heteronormativen System! Und eigentlich hat man den Braten ja schon gerochen, als es zu Anfang noch eine Rückblende zu sehen gab, in der Amy und ihre Schwester Kim (im Erwachsenenalter gespielt von Brie Larson) von ihrem Vater (Colin Quinn) mantraartig eingetrichtert bekommen, dass Monogamie schlichtweg unrealistisch ist. Amy jedenfalls hat sich an die Worte ihres Vaters gehalten und vögelt sich unbekümmert durch New York, während Kim eine Familie hat und Amys (angebliches) Fehlverhalten so den Spiegel vorhält: „Dating Queen“ nämlich ist der festen Überzeugung, dass Amys polygames Leben tatsächlich verwerflich ist und die vollkommene Erfüllung grundsätzlich in einer Beziehung mit einem rechtschaffenen Mann steht (in diesem Fall Bill Hader als Schwiegermuttis Liebling). Und dass es da wirklich noch Leute geben soll, die in „Dating Queen“ subversive oder gar feministische Tendenzen eruieren, stimmt schon irgendwie traurig.


4 von 10 Arschlöchern zum Frühstück


von souli





Meinung:
Amy Schumer, die unter anderem mit einem Sketch über die Eigenarten des hollywood’schen Umgangs mit seinen Schauspielerinnen, wechselt nun also vom Fernseh- in das Kinofach. „Dating Queen“, der Originaltitel lautet „Trainwreck“, heißt die Chose und wurde von ihr geschrieben und in wahrscheinlich enger Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Comedy-Hans Judd Apatow inszeniert. Und auch wenn man das bekommt, was ein Film verspricht, auf dem Amy Schumer draufsteht, kommt man nicht um ein wenig Enttäuschung umhin. Der Film macht zwar einen auf anarchistisch und subversiv in der Darstellung der Frau und rüttelt damit das alte Klischeedenken ein wenig auf, traut sich aber nicht, diese Gedanken ordentlich zu Ende zu führen. In Nebensätzen wird das zwar gerne immer mal wieder angehauen, aber dann auch schon wieder ein wenig abgeschwächt, fast so, als wolle man das Publikum nicht überfordern. Wie wenn man ein böses Wort aufschreibt und es dann ganz hastig wieder bis zur Unkenntlichkeit durchstreicht. Und ansonsten? Nun, ansonsten ist das hier eine ganz normale Liebeskomödie mit den altbekannten Mustern und Handlungswegen. Die frischesten Momente sind einmal mehr die Cameo-Auftritte, wobei die auch nur bedingt hinhauen. Lebron James ist da tatsächlich ein Lichtblick. Ansonsten ist es die gleiche Nummer, wie bei Melissa McCarthy-Filmen. Inszenatorisch so interessant wie der Mitschnitt eines Stand-Up-Programmes, dramaturgisch und humoristisch so überraschend wie Regen in Deutschland. Nicht wirklich toll, aber auch nicht wirklich schlecht, weil Amy Schumer und Bill Hader halt irgendwie gut funktionieren. Durchschnittskost mit einer zu langen und nicht zu rechtfertigenden Laufzeit, mit einigen netten Momenten. Neue Ideen sucht man aber vergebens.


5 von 10 unerkannten Stars


von Smooli

Review: IMMER ÄRGER MIT 40 - Midlifecrisis à la Judd Apatow

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Fakten:
Immer Ärger mit 40 (This is 40)
USA. 2012. Regie und Buch: Judd Apatow. Mit: Paul Rudd, Leslie Mann, Albert Brooks, John Lithgow, Jason Segel, Chris O’Dowd, Melissa McCarthy, Megan Fox, Ryan Adams, Maude Apatow, Iris Apatow, Robert Smigel, Ryan Lee, Charlyne Yi, Annie Mumolo u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Für die Eheleute Pete und Debbie stehen die 40. Geburtstage an, doch jeder hat seine eigene Art damit umzugehen: Während Pete zu seinem Alter steht und eine große Party plant, verleugnet Debbie das ihre und behauptet erst 38 zu sein. Doch egal wie sie zu der 40 stehen, beiden Partnern werden die Probleme des Alters klar: Man muss den Arzt häufiger fürs Checks aufsuchen, der Körper ist nicht mehr so jung und knackig wie früher und die Kommunikation mit den Töchtern, der pubertierenden Sadie und der jüngeren Charlotte fällt zunehmend schwerer. Während in dem Klamottenladen von Debbie anscheinend eine Mitarbeiterin klaut, hat Petes Musiklabel andere Geldprobleme: Da er nur noch Musik verlegt, die er selbst gut findet, diese aber nicht den Massengeschmack trifft, schreibt er rote Zahlen. Als die Ehe der beiden auch noch unter den zahlreichen Krisen leidet, wird klar, dass mit Erreichen der 40 keine einfache Zeit angebrochen ist...




Meinung:
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Humor spielt im eigenen Geschmacksempfinden natürlich eine ganz zentrale Rolle und es liegt nun an jedem Menschen selbst, ob er seinen Spaß an pechschwarzen Humor Made in Britain hat, oder sich doch von derbem Slapstick à la Stooges belustigen lassen kann. So schön das gemeinsame Lachen auch sein kann, manchmal stoßen doch zwei divergente Welten aufeinander, die das reziproke Humorzentrum des anderen nur mit unverständlichem Stirnrunzeln betrachten können und während bei Person A bereits Tränen aufgrund der Zwerchfellerschütterung kullern, sitzt Person B regungslos im Nebensitz und schnauft enthemmt genervt durch den Saal. Ausnahmen sind da nur die ikonischen Urgesteine Charlie Chaplin und Loriot, denn wenn in Bezug auf diese beiden Titanen nur gelangweiltes Schweigen zu vernehmen ist, gleicht das beinahe einem unheilbringenden Sakrileg.


40 Jahre und kein bisschen Weise: Debbie und Pete
Wenn man sich dann durch das kontemporäre Comedy-Gefilde schlägt und nach Künstlern Ausschau hält, die noch wirklich Talent in Sachen (Situation-)Komik und (Wort-)Witz besitzen, ohne sich in peinlichen Plattitüden zu suhlen, dann wird die Auswahl doch schon recht eng. Platzmangel herrscht vor allem dank der lächerlichen Parodien-Welle, die seit „Scary Movie“ unabdinglich anhält und die wahren Glanzlichter an den Kinokassen und DVD-Regalen verkümmern lässt. Man ist also an dem Punkt in der Filmwelt angekommen, an dem man seine langwierigen Spekulationen über den einst – zu Recht – gehypten Judd Apatow nun auf belegbares Fundament ablegen kann und darf gerne behaupten, dass das Multitalent aus New York wahrlich die letzte Hoffnung des heutigen Comedy-Kinos ist, allerdings muss man seine künstlerischen Ansprüche dabei immer aus dem richtigen Blickwinkel betrachten und die Form akzeptieren, die Apatow in seinen Werken auch anstrebt.


Happy Together?
Es handelt sich nach wie vor um das schwungvolle Geschichtenerzählen, mit massenkompatibler Prämisse und der Ansatz von tiefgreifender Arthouse-Kost stand bezüglich dem Mann noch nie zur Debatte, einfach weil es nicht den persönlichen Voraussetzungen entspricht. Und dennoch, so seicht die Outputs auf den ersten Blick auch aussehen mögen, die Intention ist doch immer eine unheimlich bodenständige wie erfrischende und umklammert die alltäglichen Probleme, überwiegend in den Höhen und Tiefen einer Beziehung statuiert, mit denen wir uns im besten Fall genau identifizieren können und problemlos den von Sympathie gezeichneten Zugang zum Geschehen finden. Das zeichnete auch schon seine vorherigen Regiearbeiten wie „Jungfrau (40) männlich, sucht…“ und insbesondere „Beim ersten Mal“ aus. Es besteht unübersehbar ein fester Bezug zur Realität, wenngleich dieser gerne der Komik wegen etwas überspitzt dargestellt wird.


Alt trifft jung
Wenn man sich die einzelnen Werke von Apatow anschaut und den Blick auf die Besetzungslisten richtet, dann tauchen immer wieder die gleichen Namen auf, sei es Seth Rogen, Jason Segal, Jonah Hill, Paul Rudd oder Ehefrau Leslie Mann. Verbunden waren die Filme in ihrer informalen Ebene nie, mit „Immer Ärger mit 40“ ist das dann doch zum ersten Mal etwas anders, wenn auch nicht in wirklich gravierendem Ausmaße. Die fokussierte Ehe von Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann) gab es schon im fünf Jahre zuvor erschienenen „Beim ersten Mal“, da waren die Beiden allerdings nur als hochwertiger Nebenstrang vertreten und nicht als Metronom der Story. Wer nun allerdings ebenfalls ein Wiedersehen mit Alison (Katherine Heigl) und Ben (Seth Rogen) erwartet, der wird enttäuscht, einzig „How I Met Your Mother“-Star Jason Segal schaut als Bodytrainer noch einmal vorbei, lässt aber keine wohligen Erinnerungen an den wunderbaren Sommerhit von 2007 aufkommen, sondern dient vielmehr als namhaftes Beiwerk.


So viel Glück auf einmal... zum kotzen
Zwar ist Judd Apatow nicht erneut auf der Höhe wie einst in „Beim ersten Mal“, macht den überlangen Ausrutscher „Wie das Leben so spielt“ mit seiner herrlichen Ehe-Dramödie „Immer Ärger mit 40“ aber mit Leichtigkeit wieder wett. Die Zutaten, die Apatows Œuvre bis dato auszeichneten, sind auch hier wieder mühelos zu entdecken und die Lebensnähe, mit der der Film entfaltet wird, ist so liebeswert, dass man sich mit den launischen, aber durchaus herzlichen Protagonisten schnell anfreunden kann. Im Mittelpunkt steht da die Zeit – der Titel lässt es anklingen – der 40er und die Veränderungen mit dem Alter, die nun mal jeder Mensch früher oder später akzeptieren muss, einfach weil die Verdrängung schlussendlich in Selbstlügen enden und einem selbst mehr schaden, als den Menschen, die man täuschen möchten. Akzeptanz ist da das Stichwort und genau das Thema, um das „Immer Ärger mit 40“ fortwährend kreist. Die Ehepartner müssen ihr Leben mit den Kindern akzeptieren, ihre Pflichten, ihre Vorbildfunktion, während die Kinder verstehen müssen, Regeln einzuhalten und – genau wie die Eltern untereinander – Freiräume und Privatsphäre respektiert werden muss.Dieses Tohuwabohu wird mit Esprit, tollem Timing und den nötigen leisen Tönen wunderbar auf den Zuschauer übertragen.


Apatows Spagat zwischen komischen Augenblicken und ernsten, reflektierten Momenten, geschieht mit routinierter Präzision. Und auch wenn der Film mit seinen gut 130 Minuten etwas zu lang geraten ist und nicht selten an eine Sitcom erinnert, gerade weil einige Ausführungen doch unnötig weit ausholen, bringt „Immer Ärger mit 40“ endlich wieder genau den erzählerischen Pepp und die zwischenmenschlichen Wahrheiten mit ins Kino, die man in diesem Genre viel zu lange vermissen musste. Die schönsten Szenen in einem Apatow-Film sind jedoch immer die, wenn man das Gefühl zugesprochen bekommt, dass die Charaktere hier wirklich so sein dürfen, wie sie sein wollen und ihnen vor allem keine Grenzen vorgegeben wurden, dabei erscheint Vulgäres aber nie geschmacklos, sondern passt mal wieder genau in das familiäre Bild. Eben ein typischer Apatow und damit eben auch ein weiteres Highlight im Comedy-Sujet der Moderne.


6 von 10 "Lost"-Spoilern 


von souli

Review: ANANAS EXPRESS - Killer, Gras und Fruchtgummi

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Fakten:
Ananas Express (Pineapple Express)
USA, 2008. Regie: David Gordon Green. Buch: Seth Rogen, Evan Goldberg. Mit: Seth Rogen, James Franco, Gary Cole, Danny McBride, Rosie Perez, Kevin Corrigan, Craig Robinson, Amber Heard, Ed Begley Jr., Nora Dunn, Joe Lo Truglio, Cleo King, Arthur Napiontek u.a. Länge: 112 (Kinoversion)/117 (Superbreit Edition) Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Dale hat einen der meistgehasstesten Jobs der USA (Gerichtszusteller), eine scharfe Highschool-Freundin und eine extrem starke Neigung zu Marihuana. Sein Dealer Saul hat gerade absoluten Zauberstoff am Start: Ananas Express. So gut, dass er ihn nur an Dale vertickt. Das wird zum Problem: Schluffi Dale wird Zeuge eines Mordes und verliert bei der Flucht einen Joint. Der Täter ist ausgerechnet Sauls Quelle Ted, der das einzigartige Aroma sofort identifiziert. Dale und Saul müssen rasch das Weite suchen, denn die Killer sind schon auf dem Weg.



                                                                     

Meinung:

"Ist bald eine Schande sowas zu rauchen. Ist als ob man ein Einhorn tötet...mit einer Bombe!"

Es sind solche Oneliner und Dialoge, die "Ananas Express" durchaus sympathisch und sogar witzig machen, doch leider sind das nur Einzelerscheinungen in einer viel zu ausgiebigen Flut von stonigem Dauergeschwätz und einer, für eine Komödie, fast schon unendlich wirkenden Laufzeit von knapp zwei Stunden. Da macht sich, im negativen Sinn, die Beteiligung von Judd Apatow bemerkbar. Hier tritt er zwar nur als Produzent und Ideengeber in Erscheinung, aber "Ananas Express" hat ein ganz großes Problem: Er ist viiiiiiel zu lang. Das ist nicht der einzige Haken, dabei aber ein deutlicher: Warum zieht sich die Story auf so eine semi-epische Genrelänge? Da ist der Leerlauf ja fast unvermeidlich, außer es wird richtig aufgefahren und es gibt viel zu erzählen. Das ist hier eher nicht der Fall. Das Script hat reichlich Kaugummi/Käse-Elemente, die unglaublich lange Fäden ziehen und dadurch leider die durchaus witzigen Momente fast neutralisieren. Das Plus des Films ist ganz klar die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Seth Rogen und Wohlfühl-Schlabber-Hosen Kiffer James Franco, die harmonieren prächtig. Letztendlich ist "Ananas Express" wie ein klassischer Abend in berauschter Runde: Da wird ganz viel geschnattert, einiges ist richtig lustig, aber das Meiste ist pures Gesabbel. Das funktioniert im Kontext der Situation und Umstände, aber wenn das auf Tonband aufgenommen und am nächsten Tag abgespielt würde, wäre der Großteil eher langweilig und banal. 


Genug gechillt, jetzt wird's handfest
Die Lunte wird zwar gelegentlich neu befeuert ("Ich nehme eine Bong, das filtert das süchtigmachende Zeug raus, ist Tatsache!"), aber viel zu oft glimmt sie so vor sich hin und schmeckt nach kaltem Rauch. Charme hat das Flickwerk irgendwie schon, nur ermüdet es so schnell wie der Stoff, aus dem die Tüten sind. Das gelegentlich angezogene Tempo (was dann in der Regel daraus besteht, dass die Figuren sich wehtun) ist bitter nötig, um nicht langsam vor sich hin zu chillen. Sagen wir es mal so: Wenn die Ananas auf bequeme 90 Minuten runtergeschält wäre und nur der frische Saft gepresst würde, ein launiger Film. Aber so mit Schale, Haube und allem Drum und Dran serviert, will das doch keiner fressen...oder rauchen.


5,5 von 10 Tütenfrüchten