Posts mit dem Label Farce werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Farce werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: EL DIA DE LA BESTIA - Frohe Weihnachten vom Teufel

Keine Kommentare:
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh-FyiKNmATJa3BabWiddCU9jLSC5FjpT9TyQPj_ixoN6-vvWUEE8evy9PBwgvSWdwYQZ0zQHkNJ9b_ni5Gxr2WjLIELsyOvQyTUzXSuBdXwt-iZsFiZAOmQ8zSEtFsn0MlF3YRBTNTjJzu/s1600/el-dia-de-la-bestia.jpg


Fakten:
El dia de la bestia.
E, 1995. Regie: Álex de la Iglesia. Buch: Jorge Guerricaechevarria, Álex de la Iglesia. Mit: Alex Angulo, Armando De Razza, Santiago Segura, Terele Pávez, Nathalie Sesena, Maria Grazia Cucinotta, Gianni Ippoliti, Saturnio Garcia u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.

Story:
Weihnachten steht vor der Tür, doch Pater Cura ist gar nicht in Feierstimmung. Durch jahrelange Studie der Bücher der Apokalypse hat er einen Code entziffert, der die Geburt des Antichristen vorhersagt: In genau zwei Tagen, in der Nacht auf den ersten Weihnachtstag. Er begibt sich nach Madrid, den vermutlichen Geburtsort, um die Menscheit vor der Geburt des teuflischen Sohnemanns zu bewahren. Um in Kontakt mit dem Fürst der Finsternis zu gelangen, sieht er nur eine Möglichkeit: Er muss möglichst schnell, möglichst viele Sünden begehen. Für einen gottesfürchtigen Mann gar nicht so einfach. Seiner Mission schließen sich der naive Plattenverkäufer José Maria und, nicht ganz freiwillig, der schmierig-überhebliche Fernsehmoderator Cavan an. Die Zeit ist knapp und der Zweck heiligt die Mittel.

 

Meinung:
Der zweite Kinofilm vom spanischen Enfant terrible Álex de la Iglesia lebt eindeutig von dem unverkennbaren Herzblut seines Regisseurs und Co-Autors. In diesem Punkt erinnert er irgendwie an Robert Rodriguez, obwohl ihre Filme nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Die Parallelen zwischen den Beiden: Sie sind handwerklich enorm talentiert, verfügen über reichlich schräge Ideen und wirken immer wie kleine Jungs, die (zumindest filmisch) nie richtig erwachsen werden wollen. Mit wirklich anspruchsvollem Material wollen sie offensichtlich nichts zu tun haben, toben sich lieber in ihrem Mikrokosmos aus. Bei Iglesia wohl auch besser so, sein Ausflug in das eher konservative Auftragskino ("Oxford Murders") war äußerst bescheiden.


Dieser Film überzeugt auch in erster Linie nicht durch sein ausgefeiltes Skript (was besonders zum Ende hin deutlich wird), dafür durch seinen einzelnen Ideen, seine überzeichneten Figuren und dem Hang zur Geschmacklosigkeit, die sich aber nicht als negativ auszeichnet. Gerade das macht den Charme von "El dia de la bestia" aus, auch wenn sich einige Leute mit Sicherheit daran stören werden. Iglesia ist dabei zwar nie so gemein wie bei "Perdita Durango" oder so hemmungslos schräg wie bei "Mad Circus", es liegt irgendwo dazwischen. 


Männer, die auf Ziege starren
Fangen wir doch mal bei den drei Hauptfiguren an: Alex Angulo spielt den Pater Cura einfach wunderbar. Der zwar gebildete und intelligente, dafür vollkommen weltfremde Diener Gottes, der nach Madrid kommt um die Wiedergeburt des Antichristen zu verhindern, ist einfach ur-sympathisch, obwohl er von Beginn an alles dafür tut, sich als Sünder Kontakt zum Satan zu suchen. Wenn er einem Obdachlosen das Kleingeld stiehlt, gleiches nochmal bei einem Sterbenden, dem er statt des letzten Segens darüberhinaus noch ein "Fahr zur Hölle, mein Sohn" ins Ohr flüstert oder einen Pantomimen in einen U-Bahn-Schacht schuppst, ist das rabenschwarz und ziemlich komisch. Iglesia macht hier sofort klar, was die nächsten 100 Minuten von ihm zu erwarten ist. Noch viel sympathischer ist Death-Metal-Pummel José Maria, den Cura in einem Plattenladen, auf der Suche nach satanischer Musik, kennen lernt (- "Können sie das mal rückwärts abspielen?" - Na klar, aber das klingt genau so."). Der angebliche Hobbysatanist ist einfach ein herzensguter, aber eben so impulsiver Knuddelbär, der seinen geliebten Großvater mit LSD füttert, damit er auch noch etwas Spaß hat. Leicht blöd und tapsig, dafür ehrlich und loyal. Großvater ist übrigens so was wie der ganz heimliche Star: Hat nur wenigen Szenen, sagt kein Wort und läuft die ganze Zeit nackt rum. Großartig. Der dritte im Bunde ist der Fernsehscharlatan Clavan. In seiner reißerischen TV-Show berichtet er über dunkle Mächte und sonstigen Hokus-Pokus und lacht sich hinter den Kulissen ins Fäustchen, wie blöd doch das Publikum ist. Dumm für ihn, dass der ohne Fernseher lebende Pater und der tatsächlich blöde José Maria ihm die Show auch abkaufen und zum Partner wider Willen machen. 


The Devil's Twin Towers
Bis hier hin ist "El dia de la bestia" fast schon großartig. Wer einen Horrorfilm erwartet dürfte enttäuscht werden, es ist ein schwarze Komödie, eine überdrehte Farce. Das Ganze kommt dabei nicht ohne Klamauk aus, macht aber dennoch ungemein viel Spaß. Zwischendurch gibt es immer wieder kleinere und größere Boshaftigkeiten und einige herrlich inszenierte Momente, die ein breites Grinsen über das Gesicht zaubern. 2/3 des Streifens sind extrem gelungen, leider erscheint es dann so, als wenn Iglesia seine besten Ideen nun verschossen hätte. Gegen Ende kommt das eher flaue Skript dann zu sehr durch. Langweilig wird es nicht, doch gerade das Finale wirkt etwas blass im Vergleich zum Rest. Die zum Teil großartigen Momente können nicht ganz über die volle Distanz retten.


Unter Strich ist das ein Makel, aber kein Weltuntergang. Für das was er sein will, ist "El dia de la bestia" glasklar gelungen. Für seine bescheidenen Mittel sieht er zudem gar nicht schlecht aus, auch wenn er nur selten in die Effekt-Kiste greifen muss. 


Interessierte Leute sollten allerdings auf Iglesias Stil eingestellt sein, der mal gerne zwischen überdrehtem Humor und überhaupt nicht lustiger Gewalt (bei lebendigem Leib angezündete Menschen ist schon recht harter Tobak) hin und her springt. Wer ihm, wie ich, dafür aber einfach nicht böse sein kann, viel Spaß am Tag der Bestie.

7 von 10 teuflischen Ziegen-Peter

Review: LAST SUPPER - DIE HENKERSMAHLZEIT - Zu Tode gequatscht

Keine Kommentare:

https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEg2D3bLD6UhoLywRixoWey0X1IxUlea-nNU30v4OfnSWXvX8NsDVJFLsYCSftOXK-XHVfwuTbtkI0Ug5MrtAbfwbKIFHD8Yn40ec5O1ZC_pQp5uAFUtpBmN0CsYEDATdfXTRvzyml_NOUOl/s1600/last_supper.jpg

Fakten:
Last Supper - Die Henkersmahlzeit (The Last Supper)
USA, 1995. Regie: Stacy Title. Buch: Dan Rosen. Mit: Cameron Diaz, Ron Eldard, Annabeth Gish, Jonathan Penner, Courtney B. Vance, Bill Paxton, Ron Perlman, Nora Dunn, Charles Durning, Jason Alexander u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.

 
Story:
Eine Studenten-WG wird zum Gerichtssaal: Nachdem einer der fünf Mitbewohner spontan einen Trucker zum Abendessen mitbringt, der sich im Laufe einer hitzigen Diskussion als gefährlicher Irrer rausstellt und in Notwehr getötet wird, entwickeln die Freunde ein gewagtes Konzept. Von nun an soll jede Woche bewusst ein grenzwertiger Zeitgenosse eingeladen werden, den am Ende des Diners seine gerechte Strafe erwartet.  



Meinung:
Fünf Studenten, alle aus der Kategorie gebildet, weltoffen und oberflächlich ach so kultiviert, werden zu Henkern im Namen einer besseren Welt, der political correctness und des selbstdefinierten guten Geschmacks.


Die Idee zu Stacy Titles schwarzen Thrillerfarce ist wahrlich interessant und verspricht viel. Ein Quintett selbstverliebter Diskussionsfreunde verübt bei einem Diner mit einem spontanen Gast einen Totschlag aus Affekt und findet daran Gefallen. Ein Mistkerl, der in ihren Augen den Tod ohne Zweifel verdient hat (auch wenn es nicht geplant war), der der Welt weniger schadet, warum nicht gezielt solche Menschen einladen, auf ihr Weltbild ansprechen und wenn sie sich als unverbesserlich rassistisch, homophob oder misogyn heraustellen, zu Tomatendung verarbeiten? So immerhin nützlich.


Das Perfekte Promi Dinner mit Cameron Diaz
Nach einem erstklassigen Beginn (mit dem mal wieder tollen Bill Paxton) dreht sich "The Last Supper" leider viel zu lange im Kreis. Dem sich andauernd wiederholenden Szenario fehlt es irgendwann an Reiz, auch wenn die bröckelnde Gruppendynamik nach anfänglicher Euphorie schon thematisiert wird. Problematisch ist einfach die Tatsache, dass niemand der Protagonisten grundsätzliche Sympathiepunkte inne hat, die er parallel zu den fragwürdigen Taten einbüßen könnte. Die "Opfer" stellen zwar wirklich hassenswerte Arschlöcher dar, doch die fünf Freunde mit der Besserwisserattitüde können dem Zuschauer auch kaum ans Herz wachsen. Ihr Handeln scheint von vorne herein falsch und unsympathisch, egal was für ein Drecksack da wieder seinen geistigen Dünnschiss von sich gibt. 


Somit wirkt der Zeitpunkt, als das Szenario der Handlung gemäß eigentlich kippt, lange überfällig. Die zwischenzeitliche Dauerschleife hätte locker aufgefangen werden können, wenn die Quaselstrippen eine Wandlung von sympathisch zu gefährlich durchmachen würden, statt von unsympathisch zu, logischerweise, gefährlich. Das hinterlässt eine leider sehr faden Beigeschmack, denn sonst wäre "The Last Supper" wohl deutlich besser. So läuft alles auf eine Konsequenz hinaus, die mehr wünschenswert als bedenklich ist. Dennoch ist hier einiges gelungen, was speziell an der guten Grundidee, einigen bösartig-amüsanten Momenten und den Nebendarstellern liegt, den eigentlichen Bad Guys. Neben dem schon erwähnten Bill Paxton überzeugt besonders Ron Perlman, der das gesamte Weltverbessererpack mit seinem Charisma ungespitzt in den Boden stampft.
Nett, guter Ansatz, aber in der Umsetzung ausbaufähig.

6 von 10