Premiere! Hallo liebe Leser, wir machen
euch jetzt zu Zuhörern. Öffnet eure Ohrmuscheln für den allerersten Podcast der Drei Muscheln. Eines vorweg: technisch ist dass gewiss alles andere als
Spitzenqualität. Eigentlich ist diese Ausgabe auch erstmal nur ein Experiment,
ein Versuch, ein Prototype, ein Test. Verzeiht also bitte, wenn dieser Podcast
nicht denselben qualitativen Standard hat wie etwa die Audiotalks unserer
geschätzten Kollegen. So, genug gewinselt. Für unsere Pilotfolge haben sich
unser souli a.k.a. Pascal und stu a.k.a. Sebastian den zweiten „Tatort“
mit Til Schweiger angesehen. Erneut ermittelt der „Kokowääh“-Star als Kommisar
Nick Tschiller in der Hamburger Unterwelt und bekommt es diesmal mit fiesen
Kurden zu tun.
Wir wünschen euch viel Spaß mit unserem Podcast und sprechen noch rasch eine Spoilerwarnung aus.
Hier geht’s zur Review von „Tatort –
Willkommen in Hamburg“
Fakten: Mann tut was Mann kann
Deutschland. 2012. Regie: Marc Rothemund. Buch: Marc Rothemund, Hans Rath
(Vorlage). Mit: Wotan Wilke Möhring, Jasmin Gerat, Fahri Yardim, Jan Josef
Liefers, Oliver Korittke, Karoline Schuch, Frederike Kempter, Anne Weinknecht,
Tobias Oertel, Peter Sattmann, Emilie Schüle, Axel Stein, Manuel Cortez,
Miranda Leonhardt, Noémi Besedes, Hedi Kriegeskotte, Fritz Roth, Anna Böttcher
u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray
erhältlich.
Story: Paul hat einen gut bezahlten Job
in der Chefetage eines Verlages, eine schöne Penthouse-Wohnung und genießt sein
Leben ohne feste Bindung, dafür aber mit diversen sexuellen Abenteuern. Als er
sich für eine neue Flirtmasche im Tierheim als ehrenamtlicher Hundebetreuer
meldet, lernt er Tierärztin Iris kennen und verliebt sich in sie. Leider steht
diese kurz vor der Hochzeit. Paul ist geknickt, doch in seinem Freundes- und
Bekanntenkreis brauchen andere seine Aufmerksamkeit. Sei es nun sein Kumpel
Günther, der an Liebeskummer leidet, der bankrotte Künstler Bronko oder
sein Kollege Guido, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden kann.
Meinung: Eine RomCom. Aus Deutschland. Da
rollen sich schon mal die Zehennägel zusammen. Die Erinnerungen an mutlose, allzu
schematische Vertreter dieses Genre sind einfach zu präsent und vielzählig.
Marc Rothemund, einst für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ für einen Oscar
nominiert, inszenierte mit „Mann tut was Mann kann“ eine, im allgemeinen Duktus
als typisch deutsch bezeichnete Komödie, voller stereotyper Charaktermodelle
und Witzeleien. Furchtbar? Nicht in Gänze.
"Schweiger-'Tatort' mit Rekordquote? Challenge accepted."
Mit einem, auf männlicher Seite sehr überzeugenden,
prominenten Cast und schicken Hochglanzbildern, die wie bereits bei „Keinohrhasen“
und dessen Fortsetzung den Eindruck erwecken, Berlin wäre das deutsche
Kalifornien, so hell, strahlend und sauber wie es dargestellt wird, erzeugt Rothemund
eine simple aber gut funktionierende Komödie. Statt dabei auf große, allzu marktschreierische
Gags zu setzen, geht hier etwas gediegener zu. „Mann tut was Mann kann“
provoziert nicht andauernd Lacher. Warum auch? Es scheint fast so, als ob sich
Rothemund absolut im Klaren darüber war, dass die Komödie nicht von stumpfen
Kalauern, sondern von den Figuren getragen wird. Ähnlich wie das Bild von
Berlin, sind zwar auch diese weit davon entfernt wirklich echt und greifbar zu
wirken, aber sie erfüllen ihre Funktion der Handlung, die vor Banalität nur so
strotzt, zumindest ein augenscheinliches Gewicht in den Kategorien Sympathie
und Dramatik zu verleihen. Dass die Darsteller, sei es nun an Liefers als
überheblicher Poser, Korittke als verliebter Nerd oder Yardim als Künstler mit
Silberblick, allesamt ihrer Rolle einen eigenen, im Film unverwechselbaren drive verleihen, ist eine Qualität, die dem
Film ebenfalls sehr zuträglich ist.
"Wenn du fertig bist, können wir ja 'Twilight' weitersehen"
Weniger zuträglich ist hingegen die
Gewichtung der Erzählung. Lange Zeit verharrt der Film als eine Art Buddy-Comedy über eine ungleiche aber
dennoch recht harmonische Männer-WG. Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring, der
sich als Anführer, Seelentröster und Vermittler darunter befindet, hat also viel
zu tun, vor allem weil es da ja noch familiäre Schwierigkeiten gibt und die
Suche nach der nächsten Bettgeschichte. Doch zwischen all diesen Tätigkeiten,
die durchaus die eine oder andere Facette haben, die nicht wirken, als kämen
sie aus der Retorte, findet er dann doch noch die große Liebe, die aber leider
kurz vor der Trauung steht. Anstand dies zu zentrieren, wird aber dieser
gesamte Handlungsstrang rund um Hauptfigur Paul und Tierärztin Iris regelrecht outgesourced. Störend wäre dies nicht,
wenn es dabei geblieben wäre. Doch kurz vor knapp wird wieder alles so gedreht,
verschoben und verpackt, als wäre diese Thematik immer die präsenteste. Eine
Lüge. Eine, die dem Film nicht gut tut, denn sie stört nicht nur das
erzählerische pacing, sondern
degradiert auch so ziemliche alle Randfiguren, die allesamt mehr Charisma
besitzen als die biedere Love Story zwischen Paul und Iris, zu Statisten.
Es hätte nicht sein müssen, dass Regisseur
und Co-Autor Marc Rothemund die wahren Stärken seines Film zuerst hochhält, nur
um sie kurz vor knapp dann doch der ewig gleichen Maschinerie aus Kitsch,
Heitertei und phantasieloser Romantik zu opfern. Dennoch, trotz seiner
Verfehlungen und seiner eher unkreativen Gesinnung, besitzt „Mann tut was Mann
kann“ einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert, ausgehend von seinen
Nebenfiguren und seiner Haltung nicht alle zwei Minuten Lacher um jeden Preis
zu erzwingen. Ein nicht gerade perfekte und gegen Ende hin fast schon
ärgerliche Komödie, die es aber versteht, zumindest zeitweise ihre Stärke
auszuspielen. 5 von 10 gebrochenen Männerherzen
Fakten: Tatort: Willkommen im
Hamburg
BRD. 2012. Regie: Christian Alvart. Buch: Christoph Darnstädt. Mit: Til
Schweiger, Fahri Yardim, Britta Hammelstein, Tim Wilde, Luna Schweiger, Nicole Mercdes.
Müller, Mavie Hörbiger, Stefanie Stappenbeck, Mark Waschke, Wotan Wilke Möhring
u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben 12 Jahren. Ab 17. Januar auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Nick Tschiller arbeitete
lange Zeit als verdeckter Ermittler in Frankfurt. Um näher an seiner
Teenager-Tochter zu sein zieht er aber nach Hamburg. Dort legt er sich mit
einem Mädchenhändler Ring an.
Meinung: Es beginnt mit einem „Fuck“,
dem ersten Wort, welches über Schweigers Lippen geht. Genau das dachten sich
auch viele, als es offiziell war, dass er als „Tatort“-Kommissar im Hamburg
ermitteln wird. Nun war es soweit. Der Schauspielstar, der im TV seine Sporenverdiente und seit gut 20 Jahren als einer der größten noch lebenden Kinostars
unserer Nation gilt, ermittelte als Nick Tschiller (was für ein Name). Was
dabei sofort nach den ersten paar Minuten auffällt ist, dass bereits der Beginn
so viele Tote und Schusswechsel aufweist, dass es für drei andere „Tatorte“ reichen
sollte. Dieser Tschiller macht keine Gefangenen und ähnelt vom Profil und
seiner Mentalität her nicht nur an die groben Helden des amerikanischen
Actionfilms, sondern auch ein wenig an den deutschen Kult-Kommissar
schlechthin: Schimanski. Dabei hat dieser aber den Vorteil auf seine Seite.
Tschiller ist ein Abziehbild des modernen Actionhelden. Gegen den rauen Charme
eines Schimanski kommt er nicht an.
Wenn der neue
Hamburger Kommissar ein gravierendes Problem hat, dann dass er leider an eine
Persönlichkeit hat, die wenig überzeugend ist. Es ist „Willkommen im Hamburg“
deutlich anzumerken wie versucht wird Tschiller ins richtige Licht zu rücken.
Er soll hart sein, also legt er gleich drei böse Jungs um. Er soll herzlich
sein, also versucht er sich als Vater bei seiner pubertären Tochter und witzelt
mit seinem Kollegen rum. Dies alles ist durchweg ohne sonderliche Längen
inszeniert, es ändert aber nichts daran dass Schweigers Rolle nicht darauf
ausgelegt ist ein vielschichtiger, interessanter Charakter zu sein, sondern
dass er einzig und alleine auf den Star zugeschnitten wurde.
Nick Tschiller schlägt sich durch
„Willkommen in
Hamburg“ scheint der Versuch zu sein der renommierten Krimi-Reihe der ARD ein
neues Trademark zu verleihen. Der „Tatort“
aus Münster ist für seine Komik bekannt, warum also nicht den Hamburger amerikanisieren,
damit er an Hollywood, Actionfilme und große Helden erinnert? Der Schwall von
Vorab-Kritiken, gehässigen Äußerungen und medialen Verteuflungen zielen derweil
aber nicht auf den Film an sich, sondern auf den Star: Til Schweiger. Ja, das
Script und die Rolle des Tschiller wirkt wie ein bemühtes abgrasen der
typischen Schweiger-Klischees. Und auch dass mit Schweigers Tochter Luna, Til
Wilde und Fahri Yardim drei Team-Mitglieder aus dem Schweiger-Squad mitwirken macht das Ganze auch nicht einfacher es
einmal ohne den Faktor Schweiger zu sehen. Zumindest waren sich die Macher –
und hoffentlich Schweiger auch selbst – dessen bewusst. Wie sie damit umgehen?
Statt wie sonst bei Schweiger trotzig und stur zu sein, versuchen sie es mit
Selbstironie. Das Ergebnis sind einige amüsante Momente, die der ansonsten aber
sehr rabiaten und kalten Grundstimmung klar unterlegen sind.
Hier geht mehr kaputt als vom "Tatort" gewohnt
Aber wie ist er
denn nun, der neue „Tatort“ aus der Hansestadt? So ganz ohne Schweiger-Bonus,
bzw –Hass? So komplett ohne Vorbehalte bzgl.
der actionorientieren Ausrichtung? Die klare Antwort: solides Mittelmaß.
Regisseur Christian Alvart, der einst einmal als deutsche Regie-Hoffnung nach
Amerika ging und dort den verzichtbaren „Fall 39“ sowie die unterbewerten „Pandorum“
ablieferte, inszenierte eine knappe Geschichte mit den typischen „Tatort“-Einmaleins.
Hier ein bisschen Sozial- und Gesellschaftskritik, dort eine Prise Privatleben
und dazwischen etwas ermitteln. Wobei das Ermitteln sich in „Willkommen in
Hamburg“ meistens auf rennen, prügeln und schießen begrenzt. Ob das den hartgesottenen
Krimi-Fans gefällt bleibt abzuwarten, vor allem weil der waffenstrotzende Showdown
zu überheblich wirkt, um ernstgenommen zu werden. Wobei sich eine augenzwinkernde
Sicht durchaus lohnt. Vielleicht funktioniert „Willkommen in Hamburg“ ja großes
Ätschibätsch dem klassischen „Tatort“
gegenüber?
Eins ist aber
sicher, der Sturm der Entrüstung, der vermutlich folgen wird, wird sich weitestgehend
auf den Hauptdarsteller begrenzen. Dies ist zu einem gewissen Grad
verständlich, immerhin wird alles auf ihn zurechtgeschnitten. Nach dem ersten
Einsatz von Tschiller, ohne allzu große „Tatort“-Erfahrung und ermüdet vom
allgemeinen Anti-Tenor gegenüber Schweiger (der auch nicht zu meinen
favorisierten Darstellern gehört) kann ich nur sagen: lasst ihn doch. Natürlich
rückt „Willkommen im Hamburg“ deutlich von den Wurzeln der Reihe ab und
versucht allzu zwanghaft einem Trend und somit wohl auch den Quoten hinterher zu
hechten, aber das ist ja nicht das erste Mal. In den 1990er durfte Ulrike Folkerts
alias Lena Odenthal im Zuge des grassierenden „Akte X“-Hypes auch einmal gegen
Aliens ermitteln - wenn der Ausgang dann doch höchst menschlich war. Der „Tatort“
verändert sich, bleibt im Kern aber gleich. Weswegen ich ihn ansonsten auch
eher nicht beachte. Wenn die ARD jetzt ein paar A-Promis an Bord holt, so kann
dies gewiss den „Tatort“ schaden, aber es kann ihn auch neue Impulse verleihen.
Hoffen wir mal, dass die noch kommenden Fälle von Wotan Wilke Möhring (der hier
einen Gastautritt hat) und dem Duo Nora Tschirner und Christian Ulmen es besser
schaffen das Altwürdige der Reihe mit der modernen Stilistik eines Kinofilms zu
kreuzen als „Willkommen in Hamburg“.
5 von 10 glatten
Bauchschüssen
Ich möchte darauf
hinweisen, dass es verdammt schwer war keine doofen Witze über den Namen
Tschiller zu machen. Vom "ChinTschiller"
bis hin zur "Tschill-Out-Area" wäre
einiges drin gewesen.