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Review: 3 DAYS TO KILL – Der Agent, sein Rad und die Familie

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Fakten:
3 Days to Kill
USA, Frankreich. 2014. Regie: McG. Buch: Adi Hasak, Luc Besson. Mit: Kevin Costner, Amber Heard, Hailee Steinfeld, Connie Nielsen, Raymond J. Barry, Richard Sammel, Tómas Lemarquis, Eriq Ebouaney, Philippe Reyno u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.Ab 30. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Familie? Für Ethan ist das im Grunde der Geheimdienst, für den er tätig ist. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Seine Tochter Zoe soll endlich einen echten Vater haben, doch der geplante Ruhestand muss warten, denn Ethan leidet an einer tödlichen Krankheit. Ein Gegenmittel gibt es, doch es hat zwei Nebenwirkungen: zum einen Halluzinationen, zum anderen dass er als Gegenleistung für seine Heilung einen heiklen Auftrag absolvieren muss, für den er genau drei tage Zeit hat.





Meinung:
Joseph McGinty Nichol – oder auch McG – genießt in der Filmwelt nicht gerade den Ruf, ein begnadeter Regisseur zu sein. Für „Terminator: Die Erlösung“ musste der US-Amerikaner nicht nur vom Feuilleton reichlich Schelte kassieren, die riesige Fan-Base des ikonisierten Cyborgs aus der Zukunft konnte ihren Missmut über McGs Umsetzung ebenfalls nicht hinter dem Berg halten. Auch seine Agenten-Komödie „Das gibt Ärger“, in der Tom Hardy und Chris Pine um die Zuneigung Reese Witherspoons buhlen, während sie es mit dem Oberschurken Til Schweiger zu tun bekommen, entwickelte sich zum reinrassigen Debakel. Aber auch schon zu Anfang des neuen Jahrhunderts konnte sich McG mit „3 Engel für Charlie“ und der Fortsetzung „Volle Power“ mit wenig Ruhm bekleckern. Die Bestimmung seiner Person liegt wohl als Produzent von Serie wie „Supernatural“ und Chuck“ begraben, allerdings, und das grenzt für viele an ein Wunder, hat McG es im Jahre 2014 wirklich auf die Reihe bekommen, einen durchaus akzeptablen Streifen abzuliefern.



Blond, attraktiv, mysteriös, bewaffnet? Das ist Costners Filmtochter
Die Rede ist von „3 Days to Kill“, einem Hybriden, der in seiner Konzeption so unfassbar schelmisch auftritt, das man sich zuweilen gerne mal die Augen reiben muss und jegliche Szenen auf ihre Intention gleich zweimal hinterfragt: Ist das jetzt wirklich euer Ernst? Als EuropoCorp-Produktion und nach einer Idee von Luc Besson, der schließlich auch das am Drehbuch mitschrieb, stellt sich „3 Days to Kill“ also in eine Reihe mit ansehnlichen Projekten à la „Kiss of the Dragon“, „The Transporter“ und „96 Hours“, muss sich aber auch die Nachbarschaft von desaströsen Bruchlandungen wie „Hitman – Jeder stirbt alleine“ oder „Malavita - The Family“ gefallen lassen. „3 Days to Kill“ ist nun so ein Film geworden, der sich nicht eindeutig kategorisieren lässt, den man eine gute Portion Wahnsinn attestieren möchte, ihm aber auch nicht seine auf der Metaebene gelingende Selbstironie aberkennen kann. Es ist vielmehr die alles entscheidende Frage, ob Besson und McG die Tonalität bestimmter Sequenzen mit einem solch findigen Augenzwinkern überhaupt geplant haben. Ein guter Ratschlag kann es an dieser Stelle nur sein, ihnen diese Intelligenz zu erlauben, alles andere nämlich würde in einem Fiasko enden.



Brav, friedlich, bieder, brünett? Alles klar, eine Killerin
„3 Days to Kill“ wartet mit einem ganzen Arsenal an Klischees auf, die um ihre Vormachtstellung in größtmöglicher Staubschicht ringen: Da hätten wir den alternden Secret-Service-Agenten, der seinen riskanten Job an den Nagel hängen möchte, um sich endlich wieder mehr um die Familie zu kümmern, sich aufgrund einer schockierenden Diagnose allerdings dazu gezwungen sieht, für die zwielichtigen Vivi Delay zu arbeiten und den deutschen Waffenhändler „Der Wolf“ zu stoppen. Wow. Wo man im ersten Augenblick vielleicht noch annehmen wurde, in die nächsten Untiefen einer der unsäglichen Nicolas Cage Direct-to-DVD-Streiche gestolpert zu sein, lässt „3 Days to Kill“ schnell eine persiflierende Leseart zu - Ob intendiert oder nicht, sei mal dahingestellt. Immer wieder wird das Szenario stilistisch gebrochen, etwa wenn Hauptdarsteller Ethan Runner einen möglichen Verdächtigen in seinem Badezimmer foltert und schließlich von seinem Handy Icona Pops Charts-Schlager „I Don't Care“ repetitiv ertönt. Ja, das Drehbuch geht sogar soweit, Ethan Runner mit seinen „Opfern“ Familienangelegenheiten austauschen zu lassen und anschließend nach einem original-italienischen Bolognese-Rezept fragt. All das kann man nicht ernst nehmen, weil es – hoffentlich – auch nie ernst gemeint war. Vom missfälligen Zynismus eines „Malavita - The Family“ jedoch ist das ganz weit entfernt.


Eine Spitze gegen Frankreich, die sich postwendend auch komplett im Nirgendwo verrennt, erlaubt sich das Drehbuch mit den Mietnomaden, die sich in Ethans Wohnung gegen seinen Willen einnisten. Dort kommt es bei einer Geburt in den eigenen vier Wänden zu einer Szene, die in ihrem penetranten Pathos auf audiovisueller Ebene frei von jeder Seriosität sein muss. Natürlich gelingt es „3 Days to Kill“ nicht immer die tonale Balance zu halten, manches amüsiert nicht, sondern ruft eher die Kombination aus Irritation und Kopfschütteln hervor, etwa wenn „3 Days to Kill“ wirklich emotional in seiner Melodramatik zu sein versucht, sicher aber wohl nicht mehr im Klare darüber ist, dass all Figuren lose Stereotypen sind. Die Action allerdings ist in ihrer Kalibrierung angenehm Old-School und greifbar, während Kevin Costner („Jack Ryan: Shadow Recruit“, "Der mit dem Wolf tanzt") als drahtiger Kauz seit langer Zeit mal wieder in einer Hauptrolle gefallen darf, wohingegen Amber Heard als Lack-und-Leder-Mieze („Drive Angry“, "Machete Kills") das pure Comic Relief abliefert und ihren lasziven Auftritt zuweilen eine gar surreale Note verleiht. Eines aber steht fest: Wenn McG wirklich darstellen wollte, was ein James Bond-Verschnitt nach Feierabend so tut, dann sei ihm gesagt: Bestimmt NICHT mit einem lilanen Damenfahrrad durch die Gassen von Paris gurken.


5 von 10 Händen im Waffeleisen


von souli

Review: GEBOREN AM 4. JULI – Ein Patriot stemmt sich gegen Vietnam

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Fakten:
Geboren am 4. Juli (Born on the Fourth of July)
USA. 1989. Regie: Oliver Stone. Buch: Oliver Stone, Ron Kovic (Vorlage). Mit: Tom Cruise, Raymond J. Barry, Kyra Sedgwick, Willem Dafoe, Caroline Kava, Josh Evans, Frank Whaley, Jerry Levine, Jaime Talisman u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die wahre Geschichte des Ron Konvic, der als Patriot in den Vietnamkrieg zieht, als Krüppel heimkehrt und zu einem Friedensaktivisten wird.





Meinung:
Führt man sich die inoffizielle Trilogie zum Thema Vietnamkrieg von Oliver Stone zu Gemüte, dann bemerkt man schnell, dass hier ein Filmemacher zu Werke geschritten ist, der voll und ganz versteht, was er dem Zuschauer zu vermitteln glaubt. Oliver Stone war selber an der Front, wurde zweimal verwundet und schleppte sich als Teil nationaler Desillusion zurück in die Vereinigten Staaten, wo die John Wayne-Ideologie, die Romantisierung des zweiten Weltkrieges und die passionierte Kommunistenhatz der Väter jener Heimkehrer brachlagen. „Platoon“, in dem Stone seine grauenvollen Erfahrungen zum ersten Mal filmisch verarbeitete, wurde trotz seiner kontroversen Tonalität mit hochkarätigen Auszeichnungen bestätigt und ging zu Recht als Meilenstein des (Anti-)Kriegskino in die Annalen der Kinematographie ein. Stone war es vor allem daran gelegen, die Sinnlosigkeit dieses Krieges als einen kräftezehrenden Marsch durch das Tal der Finsternis, auch für den Zuschauer gibt sich „Platoon“ als ein echter Höllentritt, zu manifestieren und jener Faszination des Krieges auf den Zahn zu fühlen.


In Vietnam erlebt Ron die pure Grausamkeit des Krieges
Bevor Stone dann in „Zwischen Himmel und Hölle“ von 1993 die riskante Beziehung zwischen einem Amerikaner und einer Vietnamesin dokumentierte, nahm er sich 1989 mit „Geboren am 4. Juli“ der Lebensgeschichte von Ron Kovic an, in dessen Entwicklung sich auch Oliver Stone persönlich reflektierte. Stone gliedert die Biografie des Ron Kovic in drei markante Abschnitte: Von der Kind– und Jugendzeit, über die Rekrutierung und den Einsatz wie Lazarettaufenthalt, bis hin zur Heimkehr. Dabei nimmt der Aspekt des Heimkehrers und seine Wandlung die größte Spannweite ein – zeitlich wie thematisch gesehen. Gut eine Stunde benötigt Stone dabei, um ein Vorstadtidyll wie aus dem Bilderbuch zu zeichnen, dass sich in seiner karikaturesken Kreation beinahe wie eine plakative Gesellschaftssatire lesen lässt und Ron Kovic (Tom Cruise) vom strömenden Regen in den Abschlussballsaal mit „Moon River“-Begleitung hetzen lässt um seiner Liebsten noch schnell einen dicken Schmatzer zum Abschied aufzudrücken. Danach geht alles Schlag auf Schlag: Kovic wird verwundet und landet als Krüppel in der menschenunwürdigen Pflegeeinrichtung – Doch er hält weiterhin an Vietnam und seiner Signifikanz fest.


Zwei Räder für den Frieden
Es wird schnell deutlich, dass Stones dramaturgische Methodik dem Reißbrett entsprungen sein könnte und die emotionale Stadien wie bei einem Malen-nach-Zahlen-Aquarell mit selbstbewussten, aber durchweg absehbaren Pinselstrichen durchführt. Sein Vorteil ist eben, dass er, trotz holzschnitzartiger Verzweigung der Psychologie seines Protagonisten, zum einen das immer Richtige postuliert und beabsichtig und zum anderen dabei eben auch fast durchgehend authentisch und ehrlich wirkt. Es wäre dennoch keine Lüge, würde man „Geboren am 4. Juli“ in seiner informalen Progression als schlichtweg banal bezeichnen. De facto krankt „Geboren am 4. Juli“ nun mal an seiner permanenten Banalität in Sachen Charakter-Entwicklung, mit Subtilität hatte es Stone ja ohnehin nur sehr, sehr selten – Aber er ist ein verdammt effektiver Filmemacher. Ist Kovic in seinem Rollstuhl wieder z  Hause angekommen und die emotionale Kontrastierung wie ihre Nachbeben im Lazarett, die damit beginnt, dass Vietnam wie ein fremder Planet im Nirgendwo koloriert wird, hinter sich gebracht, werden wir Teil, wie Kovic sich darin versucht, in seiner alten, ihm vertrauen, mit jugendlicher Unbekümmertheit verbundenen Heimat als neuer, gebrochener Mensch zu bestehen, sich von Neuem zu akklimatisieren.


In diesem Abschnitt, der quasi dritten Episode, gefällt „Geboren am 4. Juli“ am meisten, zeigt er doch die tiefe Erschütterung eines Landes, das sich in tiefster Verzweiflung wieder zusammenraufen muss und durch Ron Kovac, einem Einzelschicksal, einen universellen, ungemein wichtigen Appell herauskristallisiert. „Geboren am 4. Juli“ stützt sich dabei ganz auf die Schultern des noch blutjungen Tom Cruise, dessen Performance zwischen reinrassigem Overacting und tiefschürfendem Charakter-Porträt nach Lust und Laune flaniert. Die Botschaft hingegen changiert zu keiner Zeit zwischen einer zweifelhaften und akzeptablen Artikulation: Der immer schon politisch-motivierte Stone stemmt sich gegen Vietnam, er bäumt sich auf und spricht Tacheles. Besonders loben zu erwähnen ist dabei noch die Tatsache, wie Stone es gelungen ist zu entfalten, dass man durchaus Patriot sein darf und sich trotzdem gegen den Krieg, das Massengrab Vietnam, stemmen kann. Dass beides immer in Relation zueinanderstehen muss, also wer sein Land liebt, muss auch mit breiter Brust in den sicheren Tod ziehen, ist ein Irrglaube, mit dem Stone hier endgültig aufräumt.


7 von 10 verstopften Kathetern


von souli