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Review: DER HOBBIT – DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE - Spektakel ohne Liebe

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Fakten:
Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere (The Hobbit: The Battle of the Five Armies)
USA. Neuseeland. 2014. Regie: Peter Jackson. Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Carolynne Cunningham, Peter Jackson, Guillermo DelToro, J.R.R: Tolkien (Vorlage). Mit: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Luke Evans, Aiden Turner, Orlando Bloom, Evangeline Lilly, Lee Pace, Ken Stott, Graham McTavish,Jed Brophy, Dean O’Gorman, Peter Hambleton, Mark Hadlow, Stpehen Hunter, James Nesbitt, Adam Brown, William Kircher, John Tui, Manu Bennett, Ryan Gage, Cate Blanchett, Billy Connolly, Hugo Weaving, Christopher Lee, Sylvester McCoy, Stephen Fry, Benedict Cumberbatch, Ian Holm, John Bell u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Smaug greift Seestadt an und während die Zwerge tatenlos zusehen, versucht Fischer Bard die Stadt und seine Familie zu retten. Keine einfache Aufgabe, doch sie wird ein leichtes sein, gegenüber dem, was noch kommen wird, denn eine Ork-Armee marschiert auf Festung der Zwerge und somit auch auf Seestadt zu. Dazwischen der Meisterdieb und Hobbit Bilbo Beutlin, dessen Abenteuer hier zu seinem Höhepunkt finden wird.





Meinung stu:
Aus. Schluss. Ende. Das war es, die „Hobbit“-Trilogie nimmt mit „Die Schlacht der fünf Heere“ ihren Abschied. Wie einst bei „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ soll das Grand Finale epochal, emotional und einzigartig sein. Leider ist es dann doch nur breit, verkitscht und anbiedernd. Was Peter Jackson hier abliefert ist – so weh es tut dies zu sagen – nicht mehr als festgefahrene Prozeduren aneinander gekettet. Hier ist nun eindeutig nicht mehr von der Hand zu weisen, dass Jackson Mittelerde mittlerweile blind inszenieren kann und so tischt er all das aus, was Tolkiens-Reich anscheinend ausmacht, doch was er dabei sträflich missachtet ist, dass sein „Der Herr der Ringe“ über etwas verfügt, was bei „Die Schlacht der fünf Heere“ fehlt: die Leidenschaft.


Tauriel und Legolas bei der Lagebesprechung
„Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ ist so sehr damit beschäftigt den Fans all das zu bieten, was die alte Trilogie sowie die beiden letzten „Hobbit“-Teile angeblich ausgemacht hat, dass der Film nicht mehr bietet als kaltherziges Spektakel. Bereits bei „Die zwei Türme“ oder „Die Rückkehr des Königs“ gab es viele episches Schlachten, aber es gab auch einen narrativ funktionellen Unterbau. Der fehlt bei „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ aber leider. Das Schicksal von Zwergenchef Thorin (Richard Armitage) wird ähnlich inspirationslos wiedergegeben wie die diversen aufgepumpten Actionsequenzen, die hier zum einen teils abscheulich artifiziell aussehen und zum anderen in ihrer Quantität irgendwann wie eine Pflichtübung ohne eigene Note erscheinen. Bei „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ geht es nicht mehr um die Zwerge, den Hobbit, Gandalf oder ganz allgemein Mittelerde. Es geht wirklich nur darum Erwartungen zu erfüllen. Das Spektakel zu erzeugen, was viele mit der Reihe verbinden. Das Ergebnis: Es sieht aus wie Mittelerde, es fühlt sich aber so ungewohnt leer, kalt und bürokratisch an. Das kommt davon, wenn man Phantasie und Größe am filmischen Reißbrett entwirft.


Die Zwerge sehen einer großen Schlacht entgegen
Was den Film ebenfalls schlecht zu Gesicht steht, ist das es überall spürbar ist, dass Jackson für den bislang kürzesten Ausflug nach Mittelerde deutlich viel herausgekürzt hat, für den später erscheinenden Extended Cut auf Blu-ray. 30 Minuten fehlen. Ein paar davon hätte er durchaus in der Kinofassung belassen sollen, vielleicht würde der Film erzählerisch dann nicht allzu inkohärent und lose zusammengeflickt wirken. Des Weiteren ist es seltsam, dass ein Film mit dem Titel „Der Hobbit“ recht wenig Bilbo Beutlin (Martin Freeman) zu bieten hat. Dabei ist Bilbo ein echter Sympathieträger. Freemann spielt ihn, wie in den beiden Vorgängern auch wirklich liebenswert und fast schon greifbar. Doch im Finale wird er fast zur Nebenerscheinung degradiert. Dafür frönt Jackson eben großen Schlachtszenen die mehr wie großspuriger CGI-Protzerei daher kommen und niemals das Gefühl einer echten Schlacht übermitteln. Wenn sich hier Zwerge, Orks und Elben gegenüberstehen, dann ist es deutlich spürbar, die kämpfen eigentlich nur die Bits und die Bytes gegen Shader-Softwares und Color Gradings. Dieses Gefühl bleibt übrigens auch bei Darstellern aus Fleisch und Blut bestehen. Die Liebesgeschichte zwischen Tauriel (Evangeline Lilly) und Zwerg Kili (Aiden Turner) ist nicht mehr als Ballast und dazu weder gut geschrieben, noch wirklich gut gespielt. Man kann man die Dialoge zwischen den Beiden endgültig als erste, wahre Fremdschäm-Szene aus der Mittelerde-Filmographie ansehen.


„Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ ist ein unwürdiges Ende für eine Trilogie, die gut begonnen hat, sich selbst aber immer wieder gemessen hat, am „Der Herr der Ringe“. Jetzt, wo Bilbo sein großes Abenteuer überstanden hat, bleibt die bitter-süße Erkenntnis, dass seine Reise in der Kinogeschichte letztlich nur eine Randnotiz einnehmen wird und die diese Trilogie statt einem Herzensprojekt doch nur der kapitalistische Versuch war, die Welt von Mittelerde weiter auszuschöpfen. Daran wäre nichts falsches, doch die Kaltherzigkeit und der Spektakel-Wahn, mit dem dies alles passierte stößt sauer auf. „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ bietet all dass, was die Zuschauer sehen wollen. Sogar der Epilog wurde, nach massiver Kritik am langen Ende von „Die Rückkehr des Königs“, so gestaltet, dass es jetzt allen gefallen soll. Kurz gesagt: „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“ ist anbiederndes Recycling. Es wäre wohl besser bei Guillermo DelToro und einem Film geblieben.


3,5 von 10 Kopf-durch-die-Wand-Trolle






Meinung souli:
Nur wenige Wimpernschläge verstreichen, bis die Leinwand in Flammen steht. „Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere“ packt uns direkt am Schopf und gemahnt noch einmal zurück an das Ende von „Der Hobbit: Smaugs Einöde“, welcher mit einem hundsgemeinen Cliffhanger in den Abspann führte: Die megalomanische Feuerschlange Smaug stürzte sich goldbedeckt von den Klippen des Einsamen Berges und schwor grausame Rache an den Menschen – Jenen Unschuldigen, die ihren Lebenstag in der Seestadt Esgaroth fristen. Es mag vielleicht etwas harsch anmuten, entspricht jedoch der Wahrheit: Bereits die ersten 20 Minuten, nämlich die, in denen Smaug die Stadt im Feuersturm zerlegt und inmitten der lodernden Ruine von Bard (Luke Evans) herausgefordert wird, kristallisieren sich zum Höhepunkt des Trilogie-Abschlusses. Warum das so ist? Ganz einfach: In diesem Kapitel von „Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere“ schleicht sich ein Gefühl von emotionaler Fallhöhe in das Geschehen; es gibt etwas zu verlieren, stringent vorgeschlagenen, ohne narrative Rotation, ein beinahe unlösbares Katastrophenszenario spielt sich vor den aufgerissenen Augen des Publikums ab.

 
Held Bard hat Besuch bekommen
Ist die glühende Chose mit dem Drachen erst einmal abgehandelt (und lässt damit auch die charismatischste Figur der „Hobbit“-Reihe fallen, Bilbo ist ja eh nur Staffage), lässt auch „Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere“ kontinuierlich nach. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Trilogie, dass der jeweilige Film niemals wie aus einem formvollendeten Guss daherkommt, sondern episodisch zersplittert wirkt und einzig über gelegentliche Höhepunkte funktioniert, niemals aber als betörend-suggestives Gesamtwerk. In der Kinoversion von „Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere“ intensiviert sich dieser Eindruck nachhaltig: Ein aus charakterdefinierter Perspektive ansprechender Punkt schwebt in seiner schwerwiegenden Entwicklung über allen Köpfen, findet in dieser Fassung aber eigentlich gar nicht statt: Thorin Eichenschild (Richard Armitage) nämlich wird von der 'Drachenkrankheit' in Besitz genommen und ergießt sich in Allmachtsphantasien: Das Gold hat sich tief hinab in seine eigentlich gutmütige Seele gebohrt. An dieser Stelle könnte der auf DVD und Blu-ray erscheinende Extended Cut womöglich Aufschluss geben, im Kinosessel bleibt dieses signifikante Segment ein laues Lüftchen.


Die große Schlacht, in denen sich Menschen, Zwerge, Elben und Orks gegenüberstehen, hat dann ihren Reiz, wenn die Kamera über ihren unzähligen Köpfen schwebt und empor in die Vogelperspektive steigt: Die Heere sind von einem epochalen Ausmaß bestückt. Dass sich die epische Vision der Vorlage (und des Regisseurs) nicht in den Illustrationen spiegeln vermag, liegt in seiner schieren Künstlichkeit begraben. „Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere“ lässt die Hochleistungscomputer Überschichten buckeln, doch zahlt sich dieser vehemente Einsatz hinter dem Flachbildschirm nicht sonderlich aus. Die – dann und wann im Ansatz vernehmbare - Magie wird von unglaublich artifiziellen Set Pieces übertüncht, da mögen sich gigantische Würmer aus den Bergwänden winden und riesige Oger Mauern mit dem Kopf voraus einreißen, all diesen Elementen fehlt der plastische Gegenpart, der den übertechnisierten Grad der Szenarios ein Stück weit kaschiert wie neutralisiert. Dass einem die „Helden“ nicht ans Herzen wachsen konnten, kulminiert im Finale für den Zuschauer dann eben auch in einer befremdlichen Belanglosigkeit: Mittelerde ist ein kalter Ort geworden.


4 von 10 Bären im Chaosmodus

Review: ZULU - Kampf mit den Geistern der Vergangenheit

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Fakten:
Zulu
Frankreich, Südafrika. 2014. Regie: Jérôme Salle. Buch: JulienRappeneau, Jérôme Salle, Caryl Ferey (Vorlage). Mit: Orlando Bloom, Forest Whitaker, Natasha Loring, Tanya van Graan, Patrick Lyster, Sven Ruygrok, Inge Beckmann, Conrad Kemp, Danny Keogh, Tinarie Van Wyk-Lots, Randal Majiet, Reghart Van Den Bergh, Iman Isaacs u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Ab 31. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als Kind ist Ali Neumann zusammen mit seiner Mutter den bestialischen Inkatha-Milizen geradeso entwichen, während er mitansehen musste, wie sein Vater gefoltert und bei lebendigen Leibe verbrannt wurde: Ein Schicksal von unzähligen, doch vom Schmerz dieser Tage kann sich Ali bis heute nicht losreißen. Inzwischen als Chef der Mordkommission in Kapstadt tätig, hat Ali seinen Weg gemacht, doch ausgerechnet einer seiner Vorgesetzten gehört zu den Verbrechern jener Tage, die sämtliche Schwarze gefoltert und ermordet haben. Zusammen mit dem weißen Polizisten Brian Epkeen kämpft Ali gegen die stetig steigende Kriminalitätsrate Kapstadts an und stoßen auf die Leiche einer 20-Jährigen, die erst Opfer einer synthetischen Droge und später den Schlägen ihres Dealers wurde. Kurze Zeit darauf wird erneut eine junge Frau tot am Strand aufgefunden und die komplizierten Ermittlungen ziehen von nun an immer größere Wellen, als zu Anfang von den beiden Ordnungshütern erwartet wurde...





Meinung:
Der französische Regisseur und Drehbuchautor Jérôme Salle, der sich zuvor für die Umsetzung des „Largo Winch“-Doppels von 2008 und 2011 verantwortlich zeigte, ist noch nicht in der Filmwelt angekommen. Obgleich er sich mit seinen Verschwörungs-Thrillern als durchaus talentierter Genre-Handwerker empfehlen konnte, gibt es doch noch genügend weitere Sterne seiner Fasson am Firmament zu begutachten. Mit seinem neuen Thriller „Zulu“ gelingt ihm jedoch etwas, woran viele andere Künstler in einem kläglichen Ausmaß gescheitert wären: Er verschreibt sich durchweg altbekannter Klischees, instrumentalisiert den Hintergrund der Apartheid-Thematik in selbstzweckhafter Manier und bietet per se eigentlich immer das, was man schon zu genüge in anderen Genre-Streifen konsumieren durfte. Anders aber als die reaktionären Klopper von der Stange, die beispielsweise durch „96 Hours“ ihren zweiten Frühling erleben durften, hat die Inszenierung von „Zulu“ wirklich Feuer im Hintern und ist so gut von seinen beiden Hauptdarstellern gespielt, dass es dem Zuschauer oftmals leicht gemacht wird, über die doch klaren Ungereimtheiten ehrlich hinwegzusehen.


Auch ein Bloom hat mal Bad Hair Days
Dass Forest Whitaker ein großartiger Schauspieler wissen wir spätestens seit seiner beklemmend intensiven Darstellung des ugandischen Diktators Idi Amin Dada im preisgekrönten „Der letzte König von Schottland“. Im Spiel Whitakers liegen Besonnenheit, innere Ruhe und die alles zerreißende Explosion immer nah beieinander. Von diesem konkreten Dualismus macht auch das Drehbuch in „Zulu“ Gebrauch, wenn es ihn als humorlosen Workaholic charakterisiert, der für Vergebung der begangenen Taten steht, der die Vergangenheit als vergangen akzeptiert, um langsam in die konträre Richtung zu fallen. An seiner Seite steht Orlando Bloom, der durch seine Auftritte als Legolas in der „Der Herr der Ringe“-Trilogie und „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ zwar Filmgeschichte schrieb, dieses Muster jedoch im Weiteren nie mehr ablegen konnte. Sein Brian Epkeen ist ein saufender Frauenschwarm, ein dauergeiler Sportficker, was Bloom die Erlaubnis gibt, mit seinem Image zu spielen und durch sein schroffes Auftreten nach und nach gekonnt zu konterkarieren: Nie hat ein Drehbuch dem Briten zuvor eine derart dynamisch-authentischen Performance abringen können.


-"Sag mal, würdest du alles noch mal genauso machen?" - "Nicht ganz..."
Wie erwähnt: Die Klischees werden auf dem Silbertablett serviert. Der traumatisierte Polizeichef, der den tiefen Wunden der Apartheid zu kämpfen hat, obwohl er dieser Zeit doch mit eigenen Worten die Absolution erteilt hat und der strubbelige Allesbumser, der nach dem Aufwachen erst mal einen Schluck aus der Schnapsflasche nuckelt. Dass diese bis zum Exzess konstruierte Konstellation aufgeht, liegt an den Schauspielern, die alles geben, um das Konstrukt hier nicht auseinanderbrechen zu lassen. Und das hätte fraglos in Windeseile passieren können. „Zulu“ nämlich möchte sich partout nicht eingestehen, ein echter Exploiter zu sein, ein reißerisches B-Movie, das seine Apartheid-Thematik nach Lust und Laune ausschlachtet, um hinter jede Straßenbiegung, jede rostige Blechtür einen neuen Abgrund als Gewaltklimax zu positionieren. Wird „Zulu“ dann auch von der Leine gelassen und darf sich ganz auf seine beiden Protagonisten verlassen, dann scheint das Konzept einwandfrei aufzugehen, bis sich erneut ein Nebenstrang einschleicht, der politische Dimensionen der Verschwörung betritt und von einer ethnischen (Drogen-)Bombe schwadronieren lässt – Als würden die kompromisslosen Bilder in ihrer ungeschönten Härte nicht schon für sich sprechen.


Es wird ein vermeintlicher Tiefgang vorgegaukelt, den „Zulu“ aber nicht besitzt, weil seine Stärke an einer ganz anderer Stelle liegt, das Drehbuch sich diese allein aber nicht eingestehen möchte. Immer wieder gerät der Film dadurch ins Wanken, um dann von den Schauspielern und der kontrastreichen Atmosphäre, in dem der Großstadtpessimismus durch grelle und tiefschwarze Ebenen taumelt wieder in die richtige Spur geschoben zu werden. Die Moral, nachdem alle Beteiligten bei einem Grillabend ihre Ansichten zur Apartheid breitgetreten haben, wird zum Ende noch einmal durchbrochen und wieder zusammengesetzt, weil die Wunden immer noch bluten und immer bluten werden. Es folgt ein Bruch mit den eigenen Prinzipien; eine Antwort, die sich durch eine Spirale der Gewalt artikuliert, aber gewiss keine Lösung darstellt. Gerechtigkeit, eine Utopie.


6 von 10 abgehackten Händen


von souli

Review: DIE DREI MUSKETIERE - Anderson'sche Luftschlacht über Frankreich

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Fakten:
Die drei Musketiere (The three Musketeers)
USA, BRD, UK. 2011. Regie: Paul W.S. Anderson. Buch: Alex Litvak, Andrew Davies, Alexandre Dumas (Vorlage). Mit: Logan Lerman, Luke Evans, Ray Stevenson, Matthew Macfadyen, Christoph Waltz, Orlando Bloom, Milla Jovovich, Juno Temple, Mads Mikkelsen, Til Schweiger, Freddie Fox u.a. Länge: 111 Minuten. FSK: freigegeben ab12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray (inkl. 3D-Fassung) erhältlich.


Story:
D’Artagnan will unbedingt Musketier werden. Ein Plan der schneller Realität wird als er sich erträumt hatte, denn plötzlich ist er mittendrin im Kampf der drei legendären, königstreuen Degenschwinger Porthos, Aramis und Athos gegen den finstern Kardinal Richelieu, der via Verschwörung das Könighaus vernichten will.





Meinung:
Mal poppig-verschmäht, mal mit erotischer Komponente gestreckt und dann wieder paradigmatisch auf nostalgische Tugenden rückbesinnend: Alexandre Dumas französischer Klassiker „Die drei Musketiere" haben es schon oft und in vielfältiger Ausrichtung auf die großen Leinwände geschafft. Wer aber hätte wohl damit gerechnet, dass ausgerechnet Paul W.S. Anderson das Privileg zu Teil wird, dieses Segment literarischen Kanons zum bald fünfzigsten Mal umzusetzen? Anderson, der mit seinem Sci-Fi-Horror „Event Horizon“ 1997 durchaus Potenzial für den stimmungsvollen Genre-Film bewies, degradierte er sich diesen Ruf mit „Resident Evil“, „Alien vs. Predator“ und „Death Race“ in Windeseile. Versessen darauf, die optischen Plateaus innerhalb des Kaders zu filetieren, hat Anderson bis auf das größenwahnsinnige Klammern und Stilisieren klinisch-aufbereiteter Hochglanz-Ästhezismen nichts zu bieten – Außer natürlich der endlosen Zelebrierung seiner gähnend reizlosen wie nahezu vollkommen talentlosen Gattin Milla Jovovich. Mit „Die drei Musketiere“ von 2011 verhält sich nun aber endlich mal erfrischend anders.


Sobald sie wissen, das D'artagnan über 18 ist, lassen sie ihn fallen.
Zum ersten Mal nämlich darf man hier den Eindruck erweckt bekommen, Paul W.S. Anderson wäre sich seiner Materie wie den Unkenrufen aus aller Welt für einen kurzen Zeitraum vollkommen bewusst geworden, bevor er sich 2012 mit „Resident Evil 5: Retribution“ wieder in sein altbekanntes Territorium verkrümeln wird. Die Geschichte um „Die drei Musketiere“ ist ausgelutscht, ihr substanzieller Mehrwert längst ausformuliert und das Interesse an einer weiteren seriösen Verfilmung ebenso verblüht. Folgerichtig geht es dem Drehbuch, zusammengeschustert von Alex Litvak und Andrew Davies, nicht darum, den Werdegang von D'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis detailliert und kompetent auszubreiten, sondern nur darum, Anderson eine zünftige Spielweise im historischen Chic zu offenbaren, auf der sich in all seiner zwanghaften Sucht nach überbordenden Bombast austoben kann. Die Eckpfeiler bleiben erhalten; Tapferkeit, Brüderlichkeit, Stolz und Liebe und jene Aspekte sind vertreten, auch wenn ihnen der tiefere Ausbau hier selbstredend verweigert wird. Dafür interessiert sich „Die drei Musketiere“ in diesem Fall etwas mehr für politische Gepflogenheiten, ohne parabolische Dimensionen anzugreifen – Warum auch?


"Riecht ihr das Richelieu? Ich habe gerade royal gepupst."
„Die drei Musketiere“ ist ein Blockbuster, der sich weder um Logik schert, noch historische Kohärenz für erstrebenswert erachtet. In Szene gesetzt in einigen der schönsten Barockburgen Bayerns, hat Anderson die edlen Schauwerte auf seiner Seite und fährt mit einem prachtvollen Dekor und Kostümen auf, was beinahe schon etwas wehmütig stimmt, es dann doch mit einem nach solch anachronistisches Idealen funktionierenden Gesamtwerk zu tun zu bekommen. Der Kurs, auf dem „Die drei Musketiere“ jedoch läuft, hört auf „Modernisierung“ und nimmt sich damit das damit eintretende Trivialisieren ohne falsche Scham in Kauf: „Die drei Muskeltiere“ ist infantil und gerne auch respektlos, aber es ist zuweilen auch ein bunter Freizeitpark, auf dem sich nur zu gerne nach Lust und Laune verausgaben möchte. Mit Logan Lerman („Vielleicht lieber Morgen“, „Noah“) hat man sich auf einen Jungspund als D'Artagnan geeignet, der durch seine angriffslustige Art einem jüngeren Publikum den Zugang zu dem Stoff erleichtern soll, letztlich aber durch seine aufgesetzten Attitüden schnell nervt, während die weiteren Musketiere weitestgehend charakterlos bleiben und vielmehr nur als Sekundanten fungieren.


Vervollständigt wird der Cast mit Christoph Waltz, der wiedermal die Hans Landa-Nummer aus „Inglourious Basterds“ raushängen lässt, einem schön fiesen und charismatischen Mads Mikkelsen („Die Jagd“, „Adams Äpfel“), Orlando Bloom („Der Herr der Ringe“, "Der Hobbit: Smaugs Einöde"), Juno Temple („Killer Joe“, "Dirty Girl"), Til Schweiger („Kokowääh 2“, „Tatort: Kopfgeld“) und natürlich Andersons Herzallerliebsten Milla Jovovich – Die auch in „Die drei Musketiere“ an ihre Auftritte im desaströsen „Resident Evil“-Franchise erinnert. Und obgleich sich die Darsteller nicht mit Ruhm bekleckern, ja, sogar hin und wieder zum Störfaktor erklärt werden dürfen, macht „Die drei Musketiere“ die größtenteils Spaß, weil er so bunt, so laut und so albern ist, ohne etwas anderes behaupten zu wollen. Eine protzige Sause, zwischen Luftschlachten mit Steampunkanleihen und jeder Menge fulminanter Zeitlupe. Natürlich kann man „Die drei Musketiere“ gleichwohl als Persiflage auf die Konventionen des Mantel & Degen-Genres lesen, was den Film dann doch als grelles Entertainment schadet, ist, dass die Rhythmik der Narrative oftmals in Straucheln gerät und zwischen all den Überhöhung tatsächlich etwas zu viel Luft nach oben bleibt. Nichtsdestotrotz ist „Die drei Musketiere“ DEUTLICH sympathischer als man es von Anderson erwartet hätte.


5 von 10 Tänze mit dem Degen


von souli