
Mal
ganz frech in den Raum gefragt: Ist es überhaupt sinnvoll, eine Exegese zum
Gesamtwerk des Martin Short anzustreben? Ohne ihn mit dieser Eingangsfrage als
Menschen diffamieren zu wollen, ist Martin Short doch eher einer der
Schauspieler, die heute im Großen und Ganzen keinen Blumentopf (wenn überhaupt
die Goldene Ananas) mehr gewinnen. Ehemals, zu Beginn seiner heute relativ
überschaubaren Kino-Karriere, galt Martin Short für den amerikanischen Markt
tatsächlich als Pendant zum französischen Genius Louis de Funés („Der Gendarm
von St. Tropez“, „Brust oder Keule“). Blasphemie! Mit dem formvollendeten
„Wahnsinn“ eines De Funés hatte Shorts Schauspiel wirklich wenig bis gar nichts
gemein: Obgleich der kanadische Akteur sich durchaus in der Lage dazu sah,
einige ungezügelte Grimassen auszupacken, residierte De Funés in einer anderen
Liga, wenn er sich mit weit aufgerissenen Augen kopfüber in das (meist eigenhändig
erschaffene) Chaos stürzte.
| Method Acting a la Martin Short |
| Martin Short als "Clifford" |
Es folgten ein Cameo im von Stars gespickten Sci-Fi-Ulk „Mars Attacks!“ und eine Nebenrolle im erzkonservativen „Aus dem Dschungel, in den Dschungel“, bei dem Short immerhin gut mit Tim Allen harmonierte und die wohl spaßigsten Szenen des Films auf seine Kappe nehmen durfte. Danach war die Luft raus, Martin Short, das ungebremste Nervenbündel, der alberne Pausenclown, juckte die breite Masse einfach nicht mehr. Aber hat er das überhaupt mal wirklich? Gab es Leute, die sich einen Film wirklich deshalb angeschaut haben, weil Martin Short mitgespielt hat (Familienmitglieder zählen nicht!)? Im höchsten Maße interessant wird es allerdings 2015, wenn sich Martin Short in Paul Thomas Andersons heiß entgegen gefeierten „Inherent Vice“ neben Joaquin Phoenix und Charlize Theron zum Besten geben wird. Wie wir alle wissen, ist Anderson ein Mann dafür, das Maximum aus Schauspielern herauszukitzeln. Vielleicht ist das auch die Möglichkeit, Short einen 'zweiten' Frühling zu bescheren...Wer weiß?
von souli