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Review: JOEL SCHUMACHER - Eine kleine Retrospektive

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Hier eine Mini-Retrospektive von Regisseur Joel Schumacher.


Jim Carrey und Tommy Lee Jones sind verblüfft
Batman Forever
So mag man den Schumacher eigentlich am Allerwenigsten: in seiner Funktion als Batman-Regisseur. Unverhältnismäßig-unästhetisch bunt, klobig und teilweise von Timing & Kameraführung her schludrig-uninspiriert fertigt er seine Variante des Dark Knight ab. Natürlich eher an die alte Adam-West-Serie angelehnt, als an Burtons Vorgängern, wird die Toleranz des Zuschauers für platt-konventionelles Storytelling und kindisch-nervigen Humor (erst recht mit Carrey's Ed Nygma und deplatzierten Cartoon-Foley-Sounds) doch recht hart auf die Probe gestellt. Spannend sticht in all dem ironisch-actionfixierten Camp (der auf irgendeine Art mit der Continuity der Burton-Werke einhergeht) allerdings die diskret-abenteuerliche Erforschung einer suggerierten Bisexualität des Batmans (welcher sowieso schon mit seiner Dualität zu Bruce Wayne hadert) heraus, welcher nach Vicki Vale & Catwoman deutliche Hemmungen hat, mit Frauen wie Psychotherapeutin Nicole Kidman anzubandeln, von Bösewichten wie dem Riddler und Joker-Ersatz Two-Face obsessiv gejagt/begehrt wird (Handküsse, exzentrisch-grelle Kostüme/Frisuren und liebevolle Rätsel-Geschenke inkl.), schließlich einen jungen Waisen mit hippem Ohrring, Robin, bei sich aufnimmt und als gleichgesinnten Mitstreiter anerkennt. 

Am Ende gilt bei ihm - dem von Val Kilmer teils gut-hühnenhaft & sehnsüchtig-unbeholfen dargestellten, smart-verwegenen Milliardär mit seinem Nippel-Leder-Outfit (Zoom auf Arschbacken!) - eben der einsichtige Konsens, dass beide Seiten der Medaille ihre Berechtigung und Vorteile haben, anders als bei Two-Face, der zum Schluss hin durch seine manisch-nihilistische Unentschlossenheit das Zeitliche segnet. Insofern geht in 'FOREVER' schon so einiges, auch wenn der Gesamteindruck in seiner Plakativität mit der Zeit nach und nach immer blasser erscheint (Verfallsdatum: 1995. Gilt leider auch für die hier noch blendend ausschauenden Nicole Kidman & Drew Barrymore). Meine persönlichen Lieblingsszenen sind aber wie immer jene Sequenzen darüber, auf welch bizarren Transportwegen Bruce Wayne in seine fantastische Bat-Höhle gelangt sowie ein kleiner (offenbar als theoretisches Archiv-Footage viel zu cineastisch gedrehter & geschnittener) TV-Bericht im Film von der Verätzung der Harvey-Dent-Gesichtshälfte im Gerichtssaal, bei dem Batman versuchte, dazwischen zu springen (Wohnte er der Verhandlung bei, als Zuschauer mit Kostüm? Urkomische Vorstellung!) - erinnerte mich witzigerweise an die entfernte Grace-Mulberry-Szene aus NATURAL BORN KILLERS, ebenfalls mit Tommy Lee Jones.


5,5 von 10 Bat-Nippeln


vom Witte


Viele Karriere der auf den Bild zu sehenden Personen waren auch mal tot
Flatliners
Was passiert nach dem Tod? Wie fühlt sich sterben an? Mit diesen Fragen beschäftigen sich ein paar Medizinstudenten in „Flatliners“, einem von Schumachers früheren Filmen. Sie töten sich gegenseitig, um sich ein paar Sekunden oder Minuten später wieder ins Leben zurückzuholen. Alles, was dazwischen geschieht, soll diese Fragen beantworten. Besonders toll ist dem Regisseur die Kombination von Elementen des klassischen Psycho-Horrors mit ethischen Fragen gelungen. Während die Protagonisten durch ihre Nahtodexperimente nach und nach den Bezug zur Realität verlieren und durch Halluzinationen gequält werden, die durch ihr eigenes Gewissen erzeugt werden, wird dabei auf interessante Weise darauf eingegangen, was nach dem Tod passiert. Ein gleißendes Licht? Oder rattert sein Leben noch einmal an einem vorbei? Verschiedene Theorien und auch Hirngespinste werden, scheinbar ganz nebenbei, in diesem Thriller verpackt, ohne irgendeine Wahrheit für sich zu beanspruchen. Und scheinbar nebenbei wird auch noch die Frage nach Richtig und Falsch gestellt. Mit einer damals noch Jungstarbesetzung kann der Film ebenso glänzen. Angefangen von Kiefer Sutherland und Julia Roberts über Oliver Platt, William Baldwin bis hin zu Kevin Bacon. Sie tragen einen großen Teil zum Gelingen dieses interessanten Filmes bei. Sehenswert, ohne zu glänzen.


7,5 von 10 private Schmuddelvideos


von Kobbi


Nicolas Cage ist entsetzt
8mm
Sonderlich gute Drehbücher hat man dem Joel Schumacher ja bekanntlich nicht allzu oft auf den Schreibtisch gelegt. Was sich Andrew Kevin Walker allerdings mit seinem Skript zu „8MM“ geleistet hat, geht nun wirklich auf keine Kuhhaut. Der im Porno-Milieu von Los Angeles angelegte Thriller pathologisiert und dämonisiert einfach alles, was über die Missionarsstellung im Ehebett hinausgeht. Das Desinteresse an der Materie könnte größer kaum sein, denn anstatt eine aufrichtige, eine mit ansatzweise objektiven Blick veranschaulichte Reflexion dieser Gefilde abzuliefern, ist „8MM“ schlussendlich nur ein blödsinniger und ebenso verärgernder Selbstjustizreißer, der in einer hochnotpeinlichen Sequenz den zuweilen nicht minder lächerlich grimassierenen Nicolas Cage am Telefon um die Erlaubnis eben jener betteln lässt: Fremdschämen ohne Gnade. Ein biederes, plakatives, manipulatives und unfassbar verstrahltes Machwerk, bei dem Heinz und Frank auf der Couch gerne mit weit aufgerissenen Augen über die „Abgründe“ (der Film propagiert in seiner Debilität eben alles, was über den Standard hinausgeht, als solche) unserer Zeit staunen dürfen. Alle anderen sind vielmehr aufgrund der erzkonservativen Aussagen des Films schockiert. Zu Recht schämt sich Joaquin Phoenix bis heute für diesen Schund.


2 von 10 Snuff-Movies


von souli


Samuel L. Jackson rächt seine Tochter
Die Jury
Mit seiner zweiten John-Grisham-Verfilmung nach „Der Klient“ hat Joel Schumacher ein extrem zweischneidiges Schwert geschaffen, bei dem seine formelle Klasse und Unterhaltungswert in einem kaum vereinbaren Missverhältnis zu seinem manipulativen, furchtbar plakativen Wesen stehen und letztendlich seine überbetonte Menschlichkeit mit einer mehr als grenzwertigen Doppelmoral überrollt. Bis in kleinste Rollen prominent und teilweise absolut hervorragend besetzt (besonders Samuel L. Jackson und Kevin Spacey) ist der Südstaaten-Justizthriller zwar trotz seiner üppigen Laufzeit in der schwülen Pulverfassatmosphäre niemals nur ein Spur langatmig, durchaus packend und sehr dicht vorgetragen, vermittelt jedoch schon zwischendurch ein äußerst merkwürdiges Bild, welches an Schwarz-Weiß-Malerei (nicht nur bezogen auf die Hautfarben) kaum zu überbieten ist. Oft wird erwähnt, dass der (natürlich schuldige!) Carl Lee nur auf der Anklagebank sitzen würde, da er schwarz sei. Ernsthaft? Gleichberechtigung der Rassen mag in gewissen, südlich gelagerten Teilen der USA immer noch eine nicht ganz faire Veranstaltung sein (auch bezogen auf den Entstehungszeitraum des Films), aber das geht ja wohl mehr als nur eine Spur zu weit. Ist ja schließlich keine „Verhandlung“ in der selbstgezimmerten Gerechtigkeits-Hütte von Cletus und Eugene mit dem Galgen direkt neben der Latrine. Das stört gewaltig und multipliziert sich im Finale zur gänzlichen Unverständnis, als plötzlich Selbstjustiz als völlig legitimes Mittel hingestellt wird, wie zu den wildesten Zeiten im Westen. Ein Mann, sein Gewehr und sein Recht. Manche Taten mögen menschlich immer nachvollziehbar bleiben, doch wie der Film damit in seiner Konsequenz umgeht, ist absurd und vollkommen fehlgeleitet. Hier wird nicht differenziert, abgewogen und alle Seiten dieses heiklen Themas mit der notwändigen Sorgfalt bearbeitet. Eigentlich schlimm. Nur dann auch wieder in vieler Hinsicht (abseits dieses Unfugs), man kann es kaum abstreiten, gut gemacht. Da bleibt nur die Mitte, soll jeder selbst entscheiden, wie sehr er gewichtet.


5 von 10 „gerechten“ Hinrichtungen


von JackoXL

Specials: In den 80ern wurde nicht geglitzert - Die drei bekanntesten Vampirfilme der 80er

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Gefühle zeigen? Tiere statt Menschen aussaugen? Im Sonnenlicht glitzern? Pah, unser souli hatte davon genug und schaute sich deswegen die drei größten und bekanntesten Vampirfilme der 1980er an. Hier seine Meinung zu "Die rabenschwarze Nacht", "The Lost Boys" und "Near Dark".


DIE RABENSCHWARZE NACHT (1985)
Nicht ganz auf einer Höhe mit „The Lost Boys“ und „Near Dark“, dafür aber ist „Die rabenschwarze Nacht“ zweifelsohne der 80s-Film mit dem größten Nostalgiefaktor im Umgang mit dem Vampirmythos. Zwar findet sich der hiesige Oberblutsauger (Chris Sarandon) nicht im altehrwürdigen Domizil in den transsylvanischen Karpaten wieder, sondern im idyllischen Vorstadtleben, die traditionellen Regeln und Paradigmen des Sujets aber gelten ebenso. Auch Tom Hollands „Die rabenschwarze Nacht“ ist ganz filmisches Dokument seiner Ära und versprüht den damaligen Charme an allen Ecken und Enden. Seine wahre Stärke aber bezieht „Die rabenschwarze Nacht“ durch den symbiotischen Einklang aus parodistischen Anleihen, referenziellen Verweisen und klassischem Grusel: Der Humor neutralisiert das unheimliche Klima niemals und der Respekt (vor allem vor den Hammer-Studios) ist allgegenwärtig. Roddy McDowell überstrahlt als TV-Vampirjäger Peter Vincent (Cushing Price – Na?) alles und schafft es sogar, dem unglaublich nervigen Stephen Geoffrey gegen Ende einen hochemotionalen Augenblick zu schenken. Interessant ist auch der sexuelle Subtext, der den Vampir nicht nur auf die Hälse junger Damen hetzt, sondern auch eine homoerotische Komponente erlaubt. Großer Star – neben Roddy, versteht sich – aber ist die schleimig-schöne und handgemachte Maskenarbeit. Hachja, selige Zeiten...


6,5 von 10 auffälligen Reißzähnen


THE LOST BOYS (1987)
Weit weg von dem Scherbenhaufen, den die Ehe im familiären Konstrukt der Emersons hinterlassen hat, sucht Lucy mit ihren Söhnen Sam und Michael den sonnengefluteten Neubeginn an der kalifornischen Küste; genau da, wo sich Unsterblichkeit und Verdammnis im flüsternden Wellengang der Nacht kreuzen. Nur auf den ersten Blick verspricht Santa Carla idyllisches Urlaubsflair, in Wahrheit entpuppt sich das Städtchen als Treffpunkt für Blutsauger und Höllenhunde, die sich in der Dunkelheit in Lederjacken auf ihre Motorräder schwingen und auf die Jagd nach Frischfleisch begeben. Wenn Michael dann höchstpersönlich vom Elixier der ewigen Jugend kostet, kreiert Joel Schumacher seine ganz eigene, sehr freie Peter Pan-Interpretation. „The Lost Boys“ ist heute in erster Linie wohl Extrakt der 1980er Jahre, mit seiner schultergepolsterten Mode, den grässlichen Haarschnitten und der tollen Musik – Alles Teil einer längst vergangenen Periode. Dennoch hat sich der Film beachtlich gut gehalten und wusste die ominöse Staubschicht, die so manch gleichaltriges Werk schon verschlungen hat, weiträumig zu umgehen. Wenn der albtraumhafte Aufnahmeritus vollzogen ist und die sakralen Orgelklänge von Echo & The Bunnymen los brummen, lässt „The Lost Boys“ die Luzi abgehen, in dem er schaurige Mythen des Vampirismus gekonnt mit dem locker-ironischen Ton eines (guten) Teenie-Films vermischt. Unterhaltsam, stimmungsvoll, die Frog Brothers und ein NOCH cooler Kiefer Sutherland. Geht immer.


7 von 10 Knoblauchknollen im Badewasser


NEAR DARK (1987)
Eine durch Schmerzen gekrümmte Gestalt stolpert über die unebene Fläche eines Ackers; der Staub der trockenen Erde vermischt sich mit dem Staub seiner widernatürlichen Vergänglichkeit. Was in seiner äußerlichen Hülle menschlich anmutet, entpuppt sich nämlich als Neugeborener des Schattenreiches, der erst verstehen muss, dass die Sonne von nun an zu seinen Feinden gehört. Allein diese Sequenz ist eine stilistisch Bravourleistung und bringt den inneren Konflikt, dem Caleb, so sein Name, nachdem ihm Mae einen unvergesslichen Kuss mit bissigem Finale beschert hat, von nun an ausgeliefert ist, auf den Punkt. „Near Dark“ schildert in eindrucksvoller Bildsprache die Anpassung des sensiblen Calebs an sein neues Leben in der Finsternis, der sich in einer vom Metronom des Gemeinwesens abgeschirmten Randgesellschaft wiederfindet, von den Sternen aber eigentlich nur den Weg zurück nach Hause ablesen möchte – Nur wo ist zu Hause? Kathryn Bigelows kommerzieller Totalflop zählt weiterhin zu den Sternstunden des Vampirfilms und weiß die Stilistik eines Neo-Western mit den Motiven des Road-Movies zu verstricken, die Romanze um die nach Erlösung suchenden Caleb und Mae darf dazu so manches Mal in salbungsvollem Kitsch baden. Endlose Straßen reflektieren den morbiden Charme des poetisch säuselnden Mondscheins, während der drängende Synthie-Score den Karavan der blutsaugenden „Alien“-Sippschaft in ihr flammendes Verderben hetzt. Nur die junge Liebe darf sich der aufgehenden Sonne entgegenstellen. Endlich angekommen.


7 von 10 abgeschotteten Wohnmobilen


von Souli

Review: NICHT AUFLEGEN - Gefangen in der (Telefon)Zelle

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http://data1.blog.de/blog/f/filmtexte/img/Nicht-Auflegen.jpg
                                                                            

Fakten:
Nicht auflegen! (Phone Booth)
USA, 2002. Regie: Joel Schumacher. Buch: Larry Cohen. Mit: Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland u.a. Länge: 78 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Stu ist ein selbstverliebter PR-Manager, arrogant, großkotzig, erfolgreich. Wie so oft sucht er für ein Telefonat mit seiner Beinahe-Geliebten eine öffentliche Telefonzelle auf, damit seine Ehefrau nichts davon mit bekommt. Diesmal wird jedoch er angerufen. Ein fremde Stimme ist zu hören. Der Mann scheint ihn gut zu kennen und sogar zu beobachten. Als Stu das Gespräch beenden will macht ihm der Fremde unmissverständlich zu verstehen, dass der durchgeladen und entsichert ist...


                   

Meinung:
Die Idee zum Film geisterte schon Jahrzehnte durch Hollywood, selbst Alfred Hitchcock hatte Interesse an einer Umsetzung. Am Ende realisierte es Joel Schumacher, gerade noch rechtzeitig. 2002 gehörten Handys schließlich schon zum guten Ton, Telefonzellen starben aus. Heute wäre der Film wohl gar nicht mehr zu drehen gewesen.


Das Konzept ist so einfach und in seiner Schlichtheit so gut. Ein Mann steht in einer Telefonzelle, bedroht von einem Scharfschützen. Daraus lässt sich naturgemäß kein Actionspektakel zaubern, dafür eine Art Kammerspiel. Joel Schumacher, bei dem von Top bis Flop immer alles möglich ist, liefert eine durchwegs saubere Regiearbeit ab. Besonders die Herangeheinsweise stellt sich als goldrichtig heraus. In Echtzeit gedreht, nur knappe 78 Minuten Laufzeit. Die sehr begrenzte Vorlaufzeit, in der Protagonist Stu ausschließlich durch Telefonate und sein arrogantes Verhalten charakterisiert wird, erweist sich als vollkommen ausreichend. Mehr muss über ihn nicht erfahren werden, der Rest ergibt sich aus der Haupthandlung. In der passiert effektiv nicht viel mehr, als ein Telefonat zwischen Stu und seinem unbekannten Richter und Henker in einer Person. Etwas mehr natürlich schon, doch das ist der Kern der Handlung. Stu gerät in ein perfides Spielchen, bis ins Detail durchgeplant. Durch einen tödlichen Schuß wird es zum Medienspektakel, in dessen Mitte der eigentlich widerliche Kotzbrocken steht, der in wenigen Minuten zum bemitleidenswerten Opfer wird. 


Noch ganz entspannt: Stu.
Diese Wandlung, die sich letztendlich auch auf den Charakter von Stu überträgt, ist selbst in der kurzen Zeit absolut plausibel. Zu sehr und direkt wird er in einem lebensbedrohlichen Szenario in die Ecke gedrängt, hat keine Chance sich wie sonst irgendwie rauszuwinden. Sein Leben, sein ganzes Handeln liegt in den Händen des Unbekannten. Diese Situation ist beklemmend, hochspannend und gleichermaßen geschickt wie intensiv inszeniert. Es wird viel mit Splitscreen und Bild-in-Bild Montagen gearbeitet, wodurch sich der Zuschauer nie zu weit von Stu und seinem gläsernen Gefängnis entfernt. Die Hilflosigkeit ist jederzeit spürbar, das Damoklesschwert baumelt unerbittlich über ihm und droht jeden Moment zu fallen. Das ist die besondere Stärke von "Phone Booth". Er hat eine einfache Idee und nutzt diese sehr geschickt. Es braucht keinen Firlefanz, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Genau wie Regisseur Schumacher ist Colin Farrell auch so ein unberechenbarer Faktor, da geht viel nach oben oder unten. In dem Fall geht der Daumen klar nach oben, Farrell passt nicht nur gut auf die Rolle, er füllt sie auch überzeugend aus. "Phone Booth" ist für eine Hollywoodproduktion mit prominenten Cast erstaunlich wie erfreulich simpel gehalten und verschenkt somit die gute Grundidee nicht. Das ist keine Selbstverständlichkeit und wäre oft, im Sinne von Studiobossen und Produzenten, nicht genug gewesen. 


Unter Strich können nur wenige Details kritisiert werden. So packend die gesamte Handlung ist, den ein oder anderen überraschenden Einfall hätte es vielleicht noch geben können. Zudem wird dem Killer zwar grob eine Motivation gegeben, so richtig mag sich das Treiben dann doch nicht erschließen. Das stört aber letztendlich kein Stück. Ein sehr kurzweiliger Thriller mit hervorragender Idee. Nicht genial, aber unbestreitbar sehr sehenswert.

7,5 von 10 prähistorischen Telefondingern

Review: BLOOD CREEK - Unsere kleine Nazi-Farm

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Fakten:
Blood Creek (Town Creek)
USA, 2009. Regie: Joel Schumacher. Buch: David Kajganich. Mit: Dominic Purcell, Henry Cavill, Emma Both, Michael Fassbender, Rainer Winkelvoss, László Mátray, Joy McBrinn, Shea Whigham, Tony Barger u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach zwei Jahren taucht Evans totgeglaubter Bruder Victor plötzlich aus dem Nichts wieder auf und bittet ihn verzweifelt um Hilfe. Er erzählt von einer okkulten Familie, die ihn gefangen gehalten und gequält hat. Sein mit Narben übersäter Körper genügt Evan als Beweis dafür, dass sein Bruder die Wahrheit sagt. Kurzerhand beschließen sie die grausamen Taten zu rächen und den Tätern ein Ende zu bereiten. Bis an die Zähne bewaffnet machen sie sich auf den Weg. Als sie auf den abgelegenen Landgut ankommen, müssen sie allerdings feststellen, dass die einfache Bauernfamilie das geringste Übel ist...



Meinung:
In knapp 30 Jahren als Filmregiesseur wagt sich Joel Schumacher auf ungewohntes Terrain. Der hollywooderprobte Routinier mit der wechselhaften Vita hatte zwar schon Horrorfilmerfahrung ("The Lost Boys", "Flatliners"), wobei sich diese Filme doch eher an einem breiterem Publikum orientierten. "Blood Creek" ist ein waschechter Genrefilm, der ausschließlich an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet ist. Ob es an Angeboten mangelte oder Schumacher einfach mal Lust auf so was hatte, ich weiß es nicht. Was ich glaube zu wissen: So richtig liegt ihm das nicht. 


Das er es versteht, einen Film optisch ansprechend zu verkaufen, das sieht man. Da hebt sich "Blood Creek" ohne Frage deutlich vom B-Movie Einheitsbrei ab. Das ist ein Pluspunkt, was dahinter steht wird ihm obskurer Weise zum Verhängnis. Denn was Schumacher rein handwerklich richtig macht, zieht diesem ambitionierten Genrefilm den Boden unter den Füßen weg. 


Nazi vorher...
Was dem Zuschauer aufgetischt wird, ist ein okkultes Zombie-Nazi(!)-Gesplattere, dessen Potenzial richtig gut ist. Nur eben nicht dafür, was Schumacher anpeilt. Sicher, er verfilmt (wie immer) kein eigenes Skript, muss also mit dem arbeiten, was ihm vorgelegt wird. Dennoch dürfte und müsste ein Regiesseur (gerade einer mit seinem Namen) noch genug Spielraum haben, das in die entsprechende Richtung zu schubsen. Ein vielleicht weniger bekannter, dafür genreverliebterer Regiesseur, hätte vielleicht (reine Spekulation) das hier besser bzw. wirkungsvoller ausgeschlachtet. Diese Geschichte schreit doch quasi nach solchen Szenen, die hier unverständlicher Weise Mangelware sind. Das Highlight ist zweifellos die Szene, in der Michael Fassbender den Pferdeflüsterer gibt und in der "Blood Creek" endlich mal sehr angenehm die Gäule durchgehen. Das macht Spaß und weckt die Hoffnung, jetzt ist der Bann gebrochen. Leider nicht. Selbst ähnlich absurde Momente wie die Knochenrüstung und das dritte Auge gehen in der viel zu grimmigen Inszenierung einfach unter.

...und nachher.


Wichtige Punkte werden schon am Anfang verschenkt, wenn die Protagonisten vorgestellt werden. Dominic Purcell und Henry Cavill spielen es dem Drehbuch entsprechend: Total unsymphatisch. Ihre Figuren werden grobschlächtig und ohne identifikationpotenzial hingeschludert, ich mochte sie nie. Das kommt nicht nur durch ihr sehr fragwürdiges Auftretten in der ersten Hälfte, den Schauspielern fehlt es eindeutig an Charisma. Einer hat davon reichlich und wird, vollkommen unverständlich, total verheizt: Michael Fassbender.










Klar, Fassbender hatte seine Fähigkeiten bis dahin nur in britischen Independent-Produktionen beweisen dürfen ("Fish Tank", "Hunger"), aber zumindest die Verantwortlichen dieses Films mussten doch wissen, was sie da haben. In den ersten Minuten strahlt er seine ungemeine Präsenz auch aus. Dann darf er unter einer SM-Ledermaske keltisches Kauderwelsch murmeln und später unter Make-Up begraben werden. Das nenne ich mal Talentverschwendung.


Insgesamt ist "Blood Creek" für Genrefreunde noch annehmbar, da sich Mühe gegeben wurde. Nur leider in die falsche Richtung. Statt seine unsinnige Idee als Geheimwaffe zu nutzen, wird sich dem (fast) konsequent verweigert. Viel zu verbissen und ernsthaft versucht Schumacher keinen Trashfilm hinzulegen, was ihm unterm Strich viel besser getan hätte. Der Spaß wird unter bierernstem Anspruch verschüttet und somit muss "Blood Creek" als "echter" Horrorfilm bewertet werden. Das funktioniert aufgrund seiner Handlung und seiner Umsetzung kaum. Leider.


5 von 10