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Review: WIR SIND DIE NEUEN – 1968 vs. 2014: Studenten verändern sich - oder doch nicht?

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Fakten:
Wir sind die Neuen
Deutschland. 2014. Regie und Buch: Ralph Westhoff. Mit: Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn, Karoline Schuch, Patrick Güldenberg, Claudia Eisinger u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: Ohne Altersbeschränkung freigegeben. Ab 18. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die drei Alt-68er Anne (Gisela Schneeberger), Johannes (Michael Wittenborn) und Eddi (Heiner Lauterbach) beschließen aus Geldmangel, ihre alte Studentenzeit wieder aufleben zu lassen und gemeinsam in eine WG zu ziehen. Doch aus der in ihrer Vorstellung so wunderbaren Idee erwächst schon bald Ernüchterung. Das Zusammenleben ist halt doch nicht mehr so wie vor über 40 Jahren und dann haben sie die Rechnung auch nicht mit der heutigen Generation von Studenten gemacht – die achten nämlich penibel auf Sauberkeit, Ordnung und Ruhe. Diese Spießer.


 


Meinung:
Kennen Sie das? Da wollen Sie einfach mal in aller Ruhe etwas Wichtiges machen, sei es nun Entspannen, einen Film kucken oder ein Buch lesen, und ständig plärren die Nachbarn unter Ihnen so sehr, dass man unmöglich in der Lage ist, sich auf seine Beschäftigung zu konzentrieren? Ja, natürlich kennen Sie das. Ist ja auch etwas, das durchaus häufiger vorkommt. Meist sind es, dem Klischee nach, Jugendliche oder junge Erwachsene, die sich viel zu laut aufführen, ohne Rücksicht auf andere. So scheint es zumindest, aber in „Wir sind die Neuen“ ist das nicht so. Hier sind es ein paar alte 68er, die sich entschließen, ihre ehemalige ausgeflippte Studentenzeit aufleben zu lassen und in eine schicke Altbau-WG ziehen. Problem ist nur, dass über ihnen drei junge, eifrige Studenten wohnen, die sich entweder aufs Staatsexamen vorbereiten müssen oder an ihrer Bachelorprüfung feilen. Da kommen die drei Gestalten, die ihre Jugend wieder entdecken wollen, so gar nicht recht. Jaja, Zeiten ändern sich.


Diese Alten sind neu...
Leider beginnt der Film doch sehr zäh. Zwar führt er die drei Hauptfiguren Anne (Gisela Schneeberger), Johannes (Michael Wittenborn) und Eddi (Heiner Lauterbach) sehr schön in den Film ein und wir merken schnell, wie sie ticken, welche Typen sie verkörpern, aber dennoch geht so einiges einfach zu schnell. Man merkt die Konstruktion der Situation schon enorm an. Macht aber nichts, so kommen wir auch schneller an den Punkt, an dem der Film seine wahre Stärke entfalten kann, nämlich wenn die drei in ihre Alters-WG eingezogen sind und auf ihre drei jungen Obermieter treffen. Da ist der Konflikt zwischen den unterschiedlichen Fraktionen vorprogrammiert. Die sechs Hauptdarsteller, neben den genannten Senioren sind hier noch Karoline Schuch, Patrick Güldenberg und Claudia Eisinger mit von der Partie, haben einfach Spaß und lassen sich richtig schön in den Film und in ihre Rollen fallen. Dazu gelingt es dem Film, uns genau das erleben zu lassen, was auch die Figuren erleben, nämlich die Konfrontation mit etwas anderem, etwas Ungewohntem, was aber, wenn man sich näher mit diesem Fremden beschäftigt, plötzlich doch sympathisch wird und gar nicht mehr so fremd erscheint.


...weil diese Jungen alt aussehen. Ganz schön kompliziert.
Ralf Westhoffs Komödie dreht also das Prinzip einfach mal um. Die jungen Studenten sind die Spießer, die Alten sind die aktiven, locker-lässigen Figuren. Hier liegt auch die Komik des Films. Ein Spiel mit Klischees, aber auch deren Umkehrung und sogar kritische Reflexion kann man eindrucksvoll beobachten. Es wird mit Vorurteilen aufgeräumt, gerade indem sie teilweise vehement bedient oder eben ad absurdum geführt werden. Dazu zeigt der Film auf sehr amüsante Weise, wie es ist, zur jeweiligen Generation zu gehören und dass es wunderbar sein kann, wenn man nicht nur in seinen altbekannten vier Wänden sitzt, sondern sich für Ideen, für Ansichten und Einstellungen anderer Generationen, anderer Zeiten öffnet. So profitieren alle, wenn man die jeweiligen Stärken und Schwächen erkennt und das Beste daraus macht. Ein menschliches Miteinander anstatt nur (negative) Vorurteile weiter zu bedienen. Öffnung für andere Menschen, wirkliches Interesse für deren Gefühle und Ansichten, das ist es doch, was uns alle verbinden sollte. Über Generationen (wie in diesem Film), aber auch über Landesgrenzen und Kontinente hinweg.


Untermalt wird der Film von einem teilweise sehr eingängigen Soundtrack älterer Rock- und Popsongs, der typisch für die 68er war, und auch das Setting wirkt bei aller Einfachheit sehr sympathisch und gemütlich. Vielleicht ist es von Vorteil, zu einer dieser beiden Gruppen zu gehören, wenn man diesen Film kuckt, da man so die Sichtweisen besser übernehmen kann, da so, frei nach Lessing, eine stärkere Identifikation mit den Figuren stattfinden kann, doch dürften auch für die übrigen Kinobesucher 92 Minuten prächtig unterhalten werden.


7 von 10 Frisbees in der Wohnung

Trailerpark: Krieg in 3D - Trailer zu STALINGRAD

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Der russische Regisseur Fedor Bondarchuk („Die neunte Kompanie“) präsentiert dem geneigten Publikum dieses Jahr die filmische Rekonstruktion einer der größten und brutalsten Schlachten des zweiten Weltkriegs: Stalingrad. Wobei Rekonstruktion wohl etwas weit hergeholt ist, da der Regisseur nicht nur den Schrecken des Krieges, sondern gleich noch eine Romanze in den Film packt. Na hoffentlich, wird das kein russischer „Pearl Harbor“. Der erste Trailer des 3D-Films sieht nach großem Kriegsepos aus. Neben, hierzulande eher unbekannte, russischen Darstellern, geben sich auch Heiner Lauterbach und Thomas Kretschmann die Ehre. Wann oder ob „Stalingrad“ es in unsere Kinos schafft, ist noch unbekannt.




Review: DER BLINDE FLECK – O'bombt is! „Die Unbestechlichen“ aus Deutschland

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Fakten:
Der blinde Fleck
BRD. 2013. Regie: Daniel Harrich. Buch: Daniel Harrich, Ulrich Chaussy. Mit: Benno Fürmann, Nicolette Krebitz, August Zirner, Heiner Lauterbach, Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl, Tessa Mittelstaedt u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Ab 13. Mai 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Am 26.9.1980 sprengt ein Attentäter sich selbst und 12 weitere Menschen auf dem Münchner Oktoberfest in den Tod. Hunderte werden teils schwer verletzt. Der Attentäter? Gundolf Köhler, laut Ermittlungsergebnissen ein Einzeltäter. Aber der Journalist Ulrich Chaussy  glaubt nicht daran. Zusammen mit dem Anwalt Werner Dietrich macht er sich auf eigene Faust an die Ermittlungen und deckt dabei immer mehr Merkwürdigkeiten auf und kann bald nicht mehr von dieser Geschichte loslassen.





Meinung:
Freitag, 26. September 1980. Am Haupteingang des Münchner Oktoberfestes explodiert eine Bombe. 13 Menschen starben, unter ihnen auch der nach den Untersuchungsergebnissen Einzeltäter Gundolf Köhler, der anscheinend in der rechten Szene integriert war. Über 200 Menschen wurden verletzt, 60 davon schwer. Und man fand eine Hand. Eine Hand, die weder einem der Getöteten gehört hatte, noch einem der registrierten Verletzten. Merkwürdigerweise tauchen die Fingerabdrücke dieser Hand im Keller von Köhlers Wohnung auf. Ein Zufall? Allein schon dieser Hinweis lässt zumindest den Schluss zu, dass Köhler nicht alleine gehandelt hatte, wie die Ermittler weismachen wollten. Aber dennoch wurden in diese Richtung keinerlei Ermittlungen angestellt. Und diese Tatsache ist nur die Spitze des Eisbergs.


Chaussy (rechts) und Dietrich (links) gehen Hinweisen nach
Diese kleine Episode wiederholt sich in vergleichbarer Weise immer wieder. Da ist ein Kronzeuge, der von heute auf morgen von der Polizei fallen gelassen wurde und der nur kurz darauf unter merkwürdigen Umständen starb. Da ist das Missachten vieler übereinstimmender Zeugenaussagen, denen nie wieder nachgegangen wurde. Da sind falsche Täterprofile, vernichtete Beweismittel und Asservate und vieles mehr. Dem Journalisten Ulrich Chaussy fällt dies auf. Immer wieder merkt er, dass hier etwas nicht stimmen kann, dort eine Ungereimtheit – und vor allem glaubt er zu keinem Zeitpunkt daran, dass es die Tat eines Einzeltäters war. Vielmehr merkt er, dass vieles vertuscht wird – und seitdem ist er auf der Suche nach der Wahrheit, seit nun schon über 30 Jahren.


Auch zu Hause lässt ihn der Fall nicht mehr los
Diesen Ulrich Chaussy, den gibt es wirklich. Noch heute ist er Journalist beim Bayrischen Rundfunk. Und der Film zeigt wahre Abläufe. Keine Spekulationen, sondern nur Fakten werden verarbeitet. Gut, aus dramaturgischen Gründen wurden die drei Brüder des Attentäters in eine Schwester umgeändert und die meisten Namen, sollten sie nicht von historischer Bedeutung sein, wurden ebenfalls geändert, doch tut dies der Aussage und der Faktentreue des Films keinen Abbruch. Aber ansonsten enthält er bei der Beschreibung der Vorgänge wahre, zeitgeschichtliche und politisch hochbrisante Fakten. Er zeigt, wie von staatlicher Seite wichtigen Indizien scheinbar nicht nachgegangen wurde, wie Informationen vertuscht, gezielt dafür andere Dinge an die Presse weitergegeben wurden, um so ein bestimmtes Bild der Situation zu kreieren. Und er zeigt, dass nicht erst bei den „Döner-Morden“ der NSU so manche Behörde den blinden Fleck auf dem rechten Auge haben musste.


Lange waren Ulrich Chaussy und Werner Dietrich, der Anwalt der Opfer des Wies’n-Anschlags, die einzigen Kämpfer. Doch mit dem jungen Regisseur Daniel Harrich haben sie, hat vor allem Chaussy einen jungen Mitstreiter gefunden. Für die beiden, die auch für das Drehbuch verantwortlich waren, war es darum auch letztlich nicht die Frage, ob, sondern wie man dieses Thema, das konsequent von Behörden verschwiegen und klein gehalten wurde, der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen konnte. Eine Doku mit allen Fakten? Ein Fernsehfilm, irgendwann um halb zwölf auf ARTE? Nein, es sollte ein Kinofilm werden, um so die maximale Aufmerksamkeit zu erreichen. Natürlich mit den bereits angesprochenen Zugeständnissen. Aber die sind nachvollziehbar. Viel wichtiger ist ohnehin, dass dieses brisante Thema endlich möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht und Denkanstöße geliefert werden können.


Auch nächtliche Treffen mit Informanten fehlen nicht
Ein Spielfilm also. Und dafür hat man sich so einige bekannte Namen geangelt. Besonders Benno Fürmann kann in der Hauptrolle des Radiojournalisten Chaussy mit seiner tollen Stimme punkten und so auch die sehr dialoglastigen Sequenzen ordentlich rüberbringen. Zu Beginn wird viel mit Archivmaterial gearbeitet und zusätzlich Authentizität geschaffen. Im weiteren Verlauf konzentriert sich dann der Film auf die Ermittlungen Chaussys und besonders in der ersten Hälfte des Films herrscht auch ordentlich Tempo vor, doch genau wie Chaussys Ermittlungen im Lauf der Zeit immer mehr ins Stocken geraten, so wird auch der Film in der zweiten Hälfte eine Spur langsamer und zäher. Es ist auch kein angenehmes Kino. Bei einem solchen Thema wäre es aber auch schlimm, wenn der Film unterhält. Natürlich tut er das phasenweise, keine Frage, aber es sollte und darf auch nicht der Hauptzweck dieses Films sein. Sehenswert ist er, der Politthriller, auch wenn er keine konkreten Ergebnisse liefern kann. Und er ist schockierend. Schockierend in Hinblick auf das Wegsehen. Wegsehen von Staat, Wegsehen von Gesellschaft, wie auch lange bei den NSU-Morden. Brisant ist „Der blinde Fleck“ deshalb vielleicht mehr denn je.


Was hat Langemann zu verbergen?
Im Hinblick auf die politische Dimension vor der Bundestagswahl 1980 übrigens auch. Kanzlerkandidat Franz-Joseph Strauß (CSU) schob den Anschlag sogleich Linksextremen in die Schuhe, aber Köhler hatte nachgewiesene Verbindungen nach rechts, in die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, eine rechtsextreme Organisation, die bewaffnet an Wochenenden durch den Wald robbte und den „Ernstfall“ probte - und die von Strauß als gefahrlos abgetan wurde. In diese Richtung wurde daher nicht einmal ernsthaft ermittelt! Heute, über 30 Jahre nach dem Attentat, da spricht der bayrische Innenminister Joachim Herrmann davon, diese Gruppe „Kolossal falsch eingeschätzt“ zu haben. Irrwitzigerweise sind übrigens nach erneutem Nachhaken etwa 15000 Seiten der angeblich komplett vernichteten und verschollenen Akten wieder aufgetaucht. Nicht bei der Bundesstaatsanwaltschaft, sondern im Keller des bayrischen LKA. Anwalt Dietrich erhält nun Einsicht. Chaussy und Regisseur Harrich erhoffen sich dadurch, dass die Hintergründe des Attentats doch noch aufgeklärt werden können und damit das Ende des Films umgeschrieben werden muss.


8 von 10 verschwundene Hände