Unsere TV-Tipps der aktuellen Woche

Keine Kommentare:


Unsere TV-Tipps vom 28. September bis 4.Oktober 2015

Montag, 28. September:
Tango Libre (Drama) – 20:15 – eins festival
Falco – Verdammt, wir leben noch (Drama) – 21:45 – eins plus
Prometheus – Dunkle Zeichen (Sci-Fi) - 22:15 – ZDF

Dienstag, 29. September:
Top Gun (Action) – 20:15 – Pro7 Maxx
Alien³ (Sci-Fi) – 22:55 – RTL Nitro
Aliens – Die Rückkehr (Sci-Fi) - 01:25 – RTL Nitro

Mittwoch, 30. September:
Hotel Ruanda (Drama) – 20:15 – ARTE
Hook (Fantasy) – 20:15 – kabel eins
Bitter Moon (Drama) – 23:10 - BR

Donnerstag, 1. Oktober:
Police Academy (Komödie) – 20:15 – kabel eins
Source Code (Sci-Fi) - 20:15 – Vox
Schlaflos in Seattle (Komödie) - 23:45 - SWR

Freitag, 2. Oktober:
Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung (Sci-Fi) - 20:15 – Pro7
Sons of Norway (Komödie) – 21:00 – eins festival
Gegen die Wand (Drama) – 22:35 – 3Sat

Samstag, 3. Oktober:
Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück (Sci-Fi) - 20:15 – Pro7
Barbara (Drama) – 22:05 – 3Sat
Die Brücke (Kriegsfilm) – 23:45 – 3Sat

Sonntag, 4. Oktober:
Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter (Sci-Fi) - 20:15 – Pro7
Das weiße Band (Drama) – 00:05 – ARD
Happiness (Satire) – 02:25 - ARD

Review: THE VISIT – Oma und Opa geht es gut, sie sind eben alt und waren früher Hippies...

1 Kommentar:



Fakten:
The Visit
US, 2015. Regie & Buch: M. Night Shyamalan. Mit: Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Deanna
Dunagan, Peter McRobbie, Kathryn Hahn, Benjamin Kanes u.a. Länge: 94 Minuten. FSK:
Freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. Februar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das Geschwister-Paar Rebecca und Tyler reist für eine Woche zu ihren Großeltern. Da sich
ihre Mutter vor langer Zeit mit diesen verkracht hatte, haben Oma und Opa ihre Enkelkinder noch nie gesehen. Der Aufenthalt verläuft zunächst warmherzig und friedlich, doch schon bald merken die Geschwister, dass hier etwas nicht stimmt.





Meinung:
M. Night Shyamalan meldet sich mit einem neuen Film zurück. Für viele mag diese Aussage erstmal wie eine Warnung erscheinen. Zu stark hat der Filmemacher, der einst als Wunderkind oder sogar der nächste Steven Spielberg gehandelt wurde, nach seiner Twist- Ikone "The Sixth Sense" mit jedem nachfolgenden Film immer mehr Leute enttäuscht. Viele betrachten ihn mittlerweile nur noch als Parodie seiner selbst sowie belächelnswerten Regisseur grundsätzlich missratener Machwerke. Für "The Visit" dürfte Shyamalan nun so ziemlich alles egal gewesen sein. Der Regisseur drehte den Streifen zunächst unter Geheimhaltung und ohne jegliche Studio-Unterstützung durch Finanzierung aus eigener Tasche. Entstanden ist hierdurch ein Werk, mit dem Shyamalan jegliche Erwartungen endgültig niederschmettert und völlig übergeschnappt zu sein scheint.


Unser Autor Pat muss auch mal gelobt werden
Übergeschnappt allerdings im positiven Sinne, denn genau durch dieses Befreien von Studio-Zwängen und an ihn gestellte Forderungen wirkt der Film so frisch, ungezwungen sowie originell und dürfte daher das gelungenste Shyamalan-Werk seit längerer Zeit sein. Am auffälligsten sind die tonalen Brüche innerhalb des Geschehens. Die Handlung rund um das Geschwister-Pärchen Rebecca und Tyler, das für eine Woche zu den Großeltern reist, die ihre Enkelkinder noch nie sehen durften aufgrund des gespannten Verhältnisses zur Mutter der beiden, springt bereits früh zwischen albernen Comedy-Einlagen und wohligem Unbehagen hin und her. Da wäre beispielsweise Tyler, ein vorlauter Bengel, der sich selbst für einen aufstrebenden Rap-Star hält und bei jeder sich ihm anbietenden Gelegenheit einen unglaublich ulkigen Freestyle vom Stapel lässt, selbst wenn sich dieser um Kuchen dreht. Der Aufenthalt bei den Großeltern, liebevoll "Nana" und "Pop Pop" genannt, entwickelt sich allerdings schnell zur gruseligen Geisterbahnfahrt, denn auf die strikte Bettruhe ab halb 10 folgen schnell bizarre Ereignisse. Als Nana nachts nackt an der Wand kratzt oder Pop Pop in der Scheune sein Gewehr in den Mund steckt, weil er dieses doch bloß reinigen wollte, wird den Geschwistern früh klar, dass hier etwas nicht stimmt.


Wer "Psycho" kennt, könnte hier vielleicht im Vorteil sein
Was wirklich dahinter steckt, wird hier natürlich nicht verraten und von Shyamalan selbst in genüsslich verdrehter Weise aufgedeckt, doch es ist der absurde Weg, den der Regisseur beschreitet, welcher das Hauptereignis von "The Visit" darstellt. Man merkt Shyamalan und den Darstellern zu jedem Zeitpunkt an, wie viel Spaß sie bei der Produktion hatten. Dabei schlägt der Streifen unentwegt Haken zwischen alberner Komödie, ernstzunehmendem Psycho-Drama, heftigem Terror-Schocker sowie schlichtweg bizarrer Groteske. Wie schon in seinem unfreiwillig komischen Öko-Mystery-Thriller "The Happening" von 2008 gibt es hier sehr viel zu lachen, doch diesmal setzt Shyamalan ganz bewusst darauf, dass der Zuschauer mit ihm und seinem Film lacht, und keineswegs über ihn. Dabei rast der Regisseur bewusst durch die verschiedensten Stimmungslagen, während der Betrachter zwischen ungläubigem Staunen, herzhaftem Lachen und sattem Erschrecken gebannt wird. Shyamalan setzt zwar überwiegend auf subtilen Grusel und herrlich kuriose Elemente, die gewiss eine Rückkehr zu den früheren Wurzeln des Inders markieren, doch spätestens im völlig überzogenen Schlussakt dreht der Regisseur alle Regler auf Anschlag und setzt zum Frontalangriff auf die Nerven sowie den guten Geschmack an.


"The Visit" ist vermutlich einer der originellsten, unerwartetsten Horror-Späße des Jahres und zeigt einen M. Night Shyamalan, der endlich wieder sichtliche Freude an seinem Beruf gefunden zu haben scheint und mit kleineren Budgets merklich besser beraten ist.


7 von 10 Yahtzee-Spielrunden


von Pat

Review: CHEYENNE – THIS MUST BE THE PLACE – Eine skurrile Identitätssuche

Keine Kommentare:



Fakten:
Cheyenne – This Must Be the Place (This Must Be the Place)
Italien, Frankreich, England. Regie: Paolo Sorrentino. Buch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarello. Mit: Sean Penn, Judd Hirsch, Frances McDormand, Kerry Condon, Harry Dean Stanton, David Byrne, Shea Whigham  u.a. Länge: 118 Minute. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der alternde Rockstar Cheyenne fristet ein eintöniges Leben in seiner Villa in Dublin. Früher feierte er große Erfolge, aber nachdem sich vor 20 Jahren zwei Jugendliche aufgrund seiner Musik das Leben nahmen beendete der Musiker seiner Karriere. Von Schuldgefühlen geplagt verbringt er seine Zeit mit seiner liebevollen Ehefrau Jane und einem traurigen Mädchen namens Mary. Als sein Vater stirbt muss sich Cheyenne auf eine abenteuerliche und skurrile Sinnsuche durch Amerika begeben.




Meinung:
Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino, der vor allem für seine „La Dolca Vita“- Hommage „La Grande Bellezza“ bekannt sein dürfte, drehte mit „Cheyenne – This Must Be the Place“ 2011 seinen ersten englischsprachigen Film. Auch in internationalen Gewässern bleibt sich der Regisseur dabei treu und erzählt zum wiederholten Male die Geschichte eines einzelnen Mannes. War es drei Jahre zuvor noch die des ehemaligen italienischen Politikers Giulio Andreotti, so beschäftigt er sich hier mit dem fiktiven Rockstar Cheyenne. Mehr oder weniger fiktiv, denn die realen Vorbilder der Figur sind nicht schwer zu erkennen. Rein optisch ist Cheyenne beinahe ein Ebenbild von Robert Smith (The Cure), sein Name selbst stammt aus einem Song der Talking Heads. Verkörpert wird die Kunstfigur dabei von Sean Penn, der die ungewohnte Rolle mit Bravour meistert.


Cheyenne nach Hause telefonieren
Auf den ersten Blick könnte Cheyenne ein entspanntes und friedliches Leben genießen. Er hat mehr als genügend Geld, wohnt mit seiner liebevollen Frau in einer Villa und hat dazu noch eine handvoll zugegebenermaßen etwas seltsamen Freunden. Doch bereits sein optisches Erscheinungsbild macht deutlich, dass der ehemalige Rockstar in der Vergangenheit lebt. Selbst 20 Jahre nach Karriereende schminkt und kleidet er sich so als würde er gleich auf die Bühne stürmen, seine Bewegungen sind langsam und seine Stimme kommt nur leise und abgehackt aus seinem Mund. Die Erscheinung eines gebrochenen und depressiven Mannes. In diesem labilen Zustand reist Cheyenne zu seinem im Sterben liegenden Vater, per Schiff versteht sich, schließlich hat er Angst vorm Fliegen. Der Tod seines Vaters ist der Startschuss für einen sehr eigenartigen Roadtrip durch Amerika. Er begibt sich auf die Jagd nach einem ehemaligen SS-Aufseher, der seinen Vater früher im KZ Auschwitz gedemütigt hat. Jedoch stellt sich die Suche als äußerst schwierig heraus und jede Etappe bringt ihn nicht nur seinem Ziel, sondern auch sich selbst näher. Er muss sich der Vergangenheit stellen, die des SS-Aufsehers und seiner eigenen.


Montage sind echt scheiße
Einziger Kritikpunkt bleibt wohl die etwas fragwürdige Thematisierung der Nazivergangenheit als Katalysator für die Sinnsuche des Protagonisten. Als Mittel zum Zweck wirkt die Geschichte des ehemaligen SS-Aufsehers teilweise deplatziert, erfüllt wiederum aber auch ihre Aufgabe und konfrontiert den Protagonisten mit der Vergangenheit. Das einige Elemente doch sehr an den Haaren herbeigezogen wirken stört kaum, denn unter Sorrentinos gekonnter Regie verkommt die Skurrilität nie zum Selbstzweck, die bizarren Szenarien bleiben stets Ausdruck des amerikanischen Zeitgeistes. Popkulturelle Anspielungen und feinfühliger Humor stehen melancholischen Momenten gegenüber, Sorrentino schafft den oftmals schwierigen Spagat zwischen Humor und Dramatik. Allgegenwärtig umgibt den Film eine ganz eigene Atmosphäre. Musik und Szenerie gehen ineinander über, die Landschaften im Hintergrund wirken wie Postkartenmotive. Aufgrund seiner speziellen Geschichte und Inszenierung wird der Film nicht jedem gefallen, wer sich jedoch für die Thematik interessiert und sich nicht von der ungewöhnlichen Art des Films abschrecken lässt wird mit einem wirklich guten Film belohnt werden.


„Cheyenne – This Must Be the Place“ ist ein skurriles und fantasievolles Roadmovie, das zu keinem Zeitpunkt sein eigentliches Ziel aus den Augen verliert. Unter den bizarren Begegnungen und verrückten Augenblicken liegt eine klare Erzählstruktur in der sich der Protagonist mit seinem Leben und seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss. Dabei passen die eigensinnigen Elemente perfekt zusammen, wie Zahnräder greifen sie ineinander und verleihen dem Film dadurch eine ganz besondere Dynamik.


7 von 10 depressiven Rockstars


von Vitellone

Review: EVERY THING WILL BE FINE – Wenn die schwere Last der Schuld erdrückt

Keine Kommentare:


Fakten:
Every Thing Will Be Fine
CA/DE/FR/NO/SE/US, 2015. Regie: Wim Wenders. Buch: Bjørn Olaf Johannessen. Mit: James Franco, Charlotte Gainsbourg, Rachel McAdams, Marie-Josée Croze, Patrick Bauchau, Peter Stormare u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab 15. Oktober 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der Romanautor Tomas fährt gedankenversunken durch dichtes Schneetreiben. Als er beinahe ein kleines Kind überfährt, bringt er den unversehrten Jungen zunächst erleichtert nach Hause zu dessen Mutter. Übersehen hat Tomas allerdings den Bruder des Jungen, der durch den Zusammenstoß ums Leben kam. Fortan muss sich der Autor mit seiner Schuld und seinem Gewissen auseinandersetzen.

                                                                                       

Meinung:
Regisseur Wim Wenders, welcher vor allem in den 70er und 80er Jahren mit vielen geschätzten Spielfilmen für Aufsehen gesorgt hat, stellte seine Anhängerschaft in der letzten Zeit etwas auf die Probe. Nach seinem Werk "Don´t Come Knocking" von 2005 hat Wenders innerhalb von 10 Jahren mit "Palermo Shooting" 2008 gerade mal einen Spielfilm gedreht, der Rest waren Dokumentationen, Kurzfilme oder Werbespots. Nun kommt aber wieder zusammen, was wohl zusammen gehört und Wenders veröffentlichte 2015 vor seinem 70. Geburtstag doch noch einen Spielfilm. Für "Every Thing Will Be Fine" hat sich der Regisseur Workaholic-Chamäleon James Franco als Hauptdarsteller an Bord geholt. 


Das Skript sorgt nicht für Begeisterung.
Franco spielt den Autor Tomas Eldan, der durch ein unbeabsichtigtes Unglück den Tod eines kleinen Jungen verschuldet. Durch einzelne, mitunter sprunghaft geschilderte Stationen und mithilfe von mehreren Zeitsprüngen verarbeitet der Film im Anschluss an die Tragödie über insgesamt 12 Jahre hinweg das von Schuldgefühlen geplagte Gewissen von Tomas, seinen persönlichen Umgang mit dem Unfall und weitere Ereignisse im Leben des Autors, wirft aber auch gelegentlich einen Blick auf die Familie des Opfers. Das schwächste Glied des Films ist dabei das Drehbuch von Bjørn Olaf Johannessen, das sich eine Spur zu oft auf altbackene, vorhersehbare Klischee-Dialoge verlässt und lieber Phrasen statt aufrichtige Gefühle zum Ausdruck bringt. "Every Thing Will Be Fine" bewegt sich in dieser Hinsicht nahe im Radius zahlreicher Verlust-und-Schuld- Aufarbeitungs-Dramen, die man in derartiger Form bereits unzählige Male gesehen hat und die ihrer Thematik wenig bis gar nichts neues hinzuzufügen haben. Viel interessanter hingegen ist die formale Ebene gelungen, bei der vor allem zwei Schlagwörter stellvertretend für den gesamten Film stehen: Reduktion und Gegensätzlichkeit. Gerade die Szenen, in denen das Drehbuch unnötige Dialoge sowie zuviele Worte auch mal weglässt und somit Wenders als Regisseur genügend Spielfläche bietet, um seinen konzentrierten Darstellern Raum für emotional einnehmende Gesten und rührende Blicke zu geben, zeigt "Every Thing Will Be Fine" zumindest in kleinen Momenten immer mal große Augenblicke.



Spaß und Freude auf dem Rummel.
Zumindest James Franco, der hier erneut sein öfters als narkotisiert beschriebenes Schauspiel zum Besten gibt, passt perfekt in die Figur des zurückgenommenen Autors, welcher sein quälendes Seelenleid so fest unterdrückt wie nur möglich. Die erwähnte Gegensätzlichkeit lässt sich auf die gesamte Inszenierung von Wenders anwenden. Auch wenn die Erzählung auf einen hohen Naturalismus abzielt, bricht der Regisseur viele Szenen in Schwarzblenden ab, fügt ihnen hierdurch elliptische Brüche hinzu und setzt Zeitsprünge ein, wenn man sie nicht erwartet. Die typische Handschrift des belgischen Kameravirtuosen Benoît Debie, welcher sich ansonsten für visuelle Feuerwerke wie „Enter the Void“ oder „Spring Breakers“ verantwortlich zeigt, ist hier ebenfalls kaum wiederzuerkennen und setzt in dem in 3D gefilmten Werk in erster Linie darauf, gewisse Elemente stets in den Vordergrund zu rücken und Hintergründe durch mal mehr, mal weniger hohe Tiefenschärfe oder Unschärfen abzutrennen. Der erzielte Effekt einer höheren Intimität zu den Figuren ist dadurch zwar offensichtlich, wirkt aber vor allem in 2D gelegentlich künstlich und nicht allzu authentisch. Die Musik von Alexandre Desplat untermalt das zurückhaltende, minimalistische Geschehen hingegen mit großen Klängen und eingängigen Melodien, was erneut einen starken Gegensatz hervor ruft.


Nähert man sich "Every Thing Will Be Fine" also auf rein narrativer Ebene, ist der Film nicht mehr als ein gewöhnliches, zwar stark gespieltes aber viel zu konventionelles, so schon oft gesehenes Drama, das mit klischeebeladenen Dialogen aufwartet und unter zu wenig Figurentiefe leidet. Entscheidend ist der minimalistisch reduzierte Stil, der in kleinen Gesten kurzzeitig große Gefühle offenbart und durch die gegensätzliche Inszenierung einiges an visueller Spannung anbietet. Somit bleibt der Film letztendlich Mittelmaß mit viel verschenktem Potential, dem Fans von ruhigem Schauspielkino oder generell Wim Wenders durchaus einen Blick schenken können, aber nicht zuviel erwarten sollten.

5 von 10 Karussellfahrten auf dem Jahrmarkt

von Pat

Review: KEOMA - DAS LIED DES TODES - Das verbeulte Meisterstück

Keine Kommentare:


                                                                               
                                                                           
Fakten:
Keoma – Das Lied des Todes (Keoma)
IT, 1976. Regie: Enzo G. Castellani. Buch: George Eastman (Luigi Montefiori), Mino Rolli, Nico Ducci, Enzo G. Castellani. Mit: Franco Nero, William Berger, Woody Strode, Olga Karlatos, Orso Maria Guerrini, Antonio Marsina, Joshua Sinclair, Gabriella Giacobbe u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Der Bürgerkrieg ist vorbei, daher kehrt das Halbblut Keoma heim. Die Heimat ist verwüstet, überall Leichenberge, die Pockenseuche grassiert und Caldwell, ein Gangster hat in seiner Heimat die Macht übernommen. Er lässt von seiner Bande alles ermorden was noch fliehen will. Mit Hilfe eines ehemaligen Sklaven sagt Keoma Caldwell den Kampf an.

                                                                                

Meinung:
Als das Westerngenre international schon brachlag, gab es nur noch ein leichtes Aufbäumen zur Wiederbelebung. Im gleichen Jahr wagte es der unerschütterliche Clint Eastwood mit „Der Texaner“, für die Spaghetti-Fraktion startete Enzo G. Castellari  einen (nicht wirklich, aber allgemein als diesen aufgenommenen) letzten Versuch. Das Resultat ist „Keoma – Das Lied des Todes“, der nochmal alle Qualitäten der räudigen Italo-Western in die Waagschale wirft, dabei leider einige andere Eigenheiten des europäischen Schnellschusskinos gleich mit.


"Nur die Spitzen schneiden, klaro?"
Halbblut Keoma (Franco Nero, „Django“) kehrt nach dem Ende des Bürgerkrieges in seine Heimatstadt zurück, wird mit dem dortigen Leid und seinen verhassten Stiefbrüdern konfrontiert und schlüpft in die Rolle des zotteligen Erlösers, standesgemäß an Kreuz. Die Intention ist (überdeutlich) erkennbar und der in erster Linie durch rumpelige B-Movies aufgefallene Castellari (drehte eine Jahr vorher die furchtbare Western-Klamauk-Gurke „Zwiebel Jack räumt auf“, ebenfalls mit Franco Nero) hat hier wahrscheinlich sein Meisterstück abgeliefert, was nur eben nicht automatisch allerhöchstes Niveau voraussetzt. Klar angelehnt an die Großen des Genres wie Sergio Leone und noch viel deutlicher an Sergio Corbucci versucht sich der Regisseur an radikalem, teilweise sogar epischem Rachekino und es gelingt ihm partiell gar. In der legendären Vier-Finger-Szene oder dem sehr sehenswerten Schlussdrittel, da hat man sich schon mit den Eigenarten dieses Films im besten Fall angefreundet, was sie nicht weniger unglücklich macht. Nero, der nebenbei erwähnt aussieht wie eine schmutzige Variante von Räuber Hotzenplotz, ist genauso um eine versteinerte Mine bemüht wie Enzo G. Castellari um ein dreckiges Ambiente, der sich dabei mehrfach selbst und total unnötig in die sonst ordentliche Genresuppe spuckt. Noch bevor das übertrieben symbolisierte Martyrium am „Kreuz“ stattfindet, nimmt sich der Film oft die angestrebte Ernsthaftigkeit durch unbeholfene Ausrutscher.


Keoma wartet nicht bis Ostern...
Eigentlich erzählt „Keoma – Das Lied des Todes“ eine ruppige und brutale Geschichte, bei der trotzdem übertriebene Prügel- und besonders absurde Abschussszenen aufgefahren werden, die eher an Kunstturnen erinnern. Dazu schmettert das extrem penetrante Main-Theme unbarmherzig vor sich hin – für Italo-Western nicht unüblich -, aber dann darf das nicht so unfreiwillig komisch erscheinen. Das ist praktisch wie ein Off-Kommentar, in dem ein Barde dem Zuschauer das Geschehen vorträllert. Oft genug fragt man sich, was denn urplötzlich in diesen Film gefahren ist, der so viel könnte und mindestens das auch will. Denn aller Kritik zu Trotz, das ist weit weg von schlecht. Zahlreiche gute bis sehr gute Momente können immer wieder in ihren Bann ziehen. Der viel zu stoische, wuschelige Straßenköter Nero hat nicht unbedingt seinen besten Tag erwischt, sein Charisma reißt es dennoch raus, besonders auftrumpfen können Woody Strode als sein Gehilfe oder William Berger als einer der Antagonisten. Reduziert auf seine Höhepunkte ist „Keoma – Das Lied des Todes“ ohne Frage ein bemerkenswerter Genrebeitrag, nur er schrappt manchmal so haarscharf an einer Karikatur desselben entlang, das raubt ihm viel an Wirkung. Da wollte wohl jemand etwas schaffen, zu dem er nicht wirklich fähig ist. Dann kommt eben manchmal so ein verbeulter Kracher bei raus, dem seine Macken mehr schaden, als ihn sympathischer zu machen. In dem Zuge sollte der unbekanntere, von seiner Bemühung schlichtere und trotzdem bessere „Silbersattel“ von Lucio Fulci Erwähnung finden, der zwei Jahre später erschien und somit wirklich zu den letzten Italo-Western zählt (das Main-Theme ist aber ähnlich ätzend, nur nicht so „erklärend“).


Ein B-Movie-Arbeiter versucht sich an großem Genrekino und zeigt ungeahnte Qualitäten, offenbart gleichzeitig jedoch auch, warum er nie zu Höherem bestimmt war. Zwischen beinah-Genialität, überzogener Heiland-Symbolik und manchmal fast komischer Situationen ist „Keoma – Das Lied des Todes“ einfach nicht homogen genug um dem eigenen Anspruch als brutaler Abgesang auf das eigene Genre restlos zu erfüllen. Für Fans trotzdem eindeutig zu empfehlen, die Italos waren in der Breite ja nicht unbedingt mit sagenhafter Qualität gesegnet, als das man diesen Film ignorieren sollte. 

6,5 von 10 dringend notwendigen Friseurbesuchen