„Einfach
zu haben“- und „Freunde mit gewissen Vorzügen"-Regisseur Will Gluck inszenierte
mit „Annie“ die neue Filmadaption eines Broadway-Klassikers. Quvenzhané Wallis
(„Beast of the Southern Wild“) spielt darin die titelgebende Annie, die als Waise
zu einer gemeinen Pflegemutter muss (gesielt von Cameron Diaz). Doch der
Politiker Will (Jaime Foxx) will die Kleine adoptieren, um damit seinen
Wahlkampf für den Bürgermeisterposte zu verbessern. Ob Annie das kalte Herz des
machtgierigen Will erwärmen kann? Ab dem 22. Januar erwartet uns die Antwort im
Kino. Neben den genannten Darstellerin werde auch Rose Byrne („X-Men: Erste Entscheidungen"), Tracie Thoms („Death Proof“) und Adewale Akinnuoye-Agbaje („Shootout – Keine Gnade“) zu sehen sein.
Fakten: Freunde mit gewissen
Vorzügen (Friends with benefits)
USA. 2011.
Regie: Will Gluck. Buch: Keith Merryman, Will Gluck, David A. Newman. Mit: Mila
Kunis, Justin Timberlake, Woody Harrelson, Patricia Clarkson, Jenna Elfman, Bryan
Greenberg, Richard Jenkins, Emma Stone, u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: Ab 12
Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.
Story: Dylan (Justin Timberlake) hat mit Beziehungen abgeschlossen. Jamie (Mila
Kunis) hat den Glauben an das Hollywood-Klischee der wahren Liebe verloren. Als
die beiden Freundschaft schließen, wollen sie etwas Neues wagen und ihre
gegenseitige körperliche Anziehung auskosten – ganz ohne emotionale Bindung.
Sex ohne Haken und Ösen. Klingt einfach für zwei rational denkende Erwachsene?
Ist es aber nicht. Sie merken bald, dass so eine Sex-Beziehung nicht so einfach
ist, wie sie sich das anfangs vorgestellt haben.
Meinung: Zwar hört man öfter,
dass „Freunde mit gewissen Vorzügen“ eine total andere und total originelle
Liebeskomödie ist, die lustiger, liebevoller und verspielter als andere
Genrevertreter ist. Ist sie aber nicht. Eigentlich ist es schlicht und einfach
ein romantisches Komödchen nach dem 08/15-Schema. Lediglich die Eingangssequenz,
in der in Parallelmontage zwei Beziehungen zerbrechen, ist wirklich originell.
Danach aber ist alles vorhersehbar. Sobald sich Dylan (Justin Timberlake) und
Jamie (Mila Kunis) kennen gelernt haben und ihren Deal abgeschlossen haben, da
kennt man den ganzen Film. Erst körperlicher Sex, dann einseitige Liebe, dann
merkt der andere Partner, dass er eigentlich verliebt ist, aber der andere
Partner will nun nicht mehr. Kurz vor einer möglichen Beziehung läufts dann
schief, Streit, vorbei. Oder doch nicht? Denn eigentlich lieben sie sich ja,
oder?
Hosen sind sowieso total 90er
Wirklich, hier ist rein gar nichts anders als bei anderen Rom Coms. Es ist
sogar vieles haargenau so wie bei jedem anderen
Aniston-/Heigl-/Schlagmichtot-Filmchen. Ironisch eigentlich, dass die beiden
Hauptfiguren selbst die Klischees aus romantischen Komödien aufdecken, um sie
anschließend doch zu bedienen. Die Musik ist genauso nervig, wie es Mr.
Timberlake mal erklärt. Die Figuren verhalten sich genauso, wie man es in einem
Beispielfilm mit Jason Segal und Rashida Jones zu sehen bekommt. Und es gibt
natürlich auch den von niemand sonst betretenen Rückzugsort, an dem sich die
Liebenden dann wieder treffen können. Die Figuren im Film reihen sich ebenfalls
in die zahlreichen Klischees ein. Die beiden gutaussehenden, aufgeschlossenen,
witzigen Hauptfiguren sind zwar ganz sympathisch mit ihren flotten Sprüchen und
ihren Problemchen und Eigenarten, aber so sind sie alle, die Hauptfiguren. In
den meisten Indiekomödien und Rom Coms werden immer die gleichen Figuren bedient.
Darüber hinaus wird mit dem schwulen, fast schon väterlichen Freund, der zwar durchgeknallt
ist, aber auch immer wieder mal nen guten Rat gibt, und der coolen, lockeren Hippie-Mutter,
mit der Jamie eine sehr wechselhafte Beziehung hat, auch in den Nebenfiguren
ein Klischee nach dem anderen gezeigt.
Gesichter anmalen, Sex - was Freunde eben so machen.
Wirklich lustig ist der Film auch nicht. Wenn mancher hier aus de „Lachen nicht
mehr herauskommt“, dann sollte er entweder seinen Sinn für Humor mal
hinterfragen oder aber niemals wirklich lustige Filme ansehen. Klar, besonders
die Szenen in und ums Bett sorgen immer wieder für Schmunzler und auch Dylans
Komplexe sind durchaus nett, aber lustig ist da gar nichts, viel mehr wirken
manche Gags einfach nur platt. Immerhin: Einige Sprüche sind radikaler,
konsequenter, frecher als in den anderen Rom Coms. Es wird mehr geflucht und
auch mehr Tacheles geredet. Ob das wirklich gut ist, das muss man für sich
selbst entscheiden, aber wenigstens hier kann ein kleiner Unterschied zur
normalen Rom Com-Sülze deutlich werden. Und außerdem ist Mila Kunis mit ihren
Augen und ihrem Lächeln auch noch hübscher als 90% der übrigens Rom Com-Damen.
Aber das ist ja auch Geschmackssache.
Insgesamt ist der Film ein Filmchen nach dem Schema F, das an
grauen, verregneten Tagen sicher zur Stimmungsaufhellung beitragen wird. Aber
er unterscheidet sich in keiner Weise von anderen Vertretern seines Genres. Im Gegenteil,
obwohl oder vielleicht auch weil „Friends with benefits“ sich über die
standardisierten Klischees romantischer Komödien lustig macht, ist diese Rom
Com sogar ein sehr typischer Vertreter seiner Zunft. Denn gerade dadurch wird
man als Zuschauer auf die unheimlich vielen Klischees aufmerksam gemacht. So
beginnt man auch die Klischees zu bemerken, auf die man nicht explizit
hingewiesen wurde. Gerade diese Diskrepanz, also dass man einerseits jedes
RomCom-Klischee ins Lächerliche zieht, andererseits dann aber genau jene
Klischees, ob bewusst oder unbewusst sei mal dahin gestellt, bedient, das macht
den Film insgesamt ziemlich nervig. Mitdenken und Aufmerksamkeit ist zumindest
nicht gerade hilfreich für diesen Film.