Posts mit dem Label Lee J. Cobb werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lee J. Cobb werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: COOGANS GROSSER BLUFF - Ein Cowboy in der grossen Stadt

Keine Kommentare:
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiv7L5pCkXQwiE_hxSDAPxatOzUZwBx-JiowKz_Xqf-bprb5AjgFfablITYoRZ3o7wM2a_U8-UI9uoCDJLEdDKdPgOr8t73gJyM4L6nbHPrdvSE4sw2Pe73qCygaYjS5OVhj7s4ABxQ6Ms/s400/Coogan's+Bluff+(1968).jpg


Fakten:
Coogans grosser Bluff (Coogan's Bluff)
USA, 1968. Regie: Don Siegel. Buch: Herman Miller, Dean Riesner, Howard Rodman. Mit: Clint Eastwood, Lee J. Cobb, Susan Clark, Tisha Sterling, Don Stroud, Betty Field, Tom Tully,  Melodie Johnson, James Edwards, Rudy Diaz, David Doyle u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Debuty Sheriff Coogan aus Arizona (!) reisst nach New York, um den in seinem Heimatstaat gesuchten Ringerman zu überführen, der der New Yorker Polizei ins Netz gegangen ist. Allerdings liegt der nach einem LSD-Trip noch im Gefängnis-Krankenhaus, gilt als nicht transportfähig. Coogan pfeift darauf und erschleicht sich die Erlaubnis, mit bösen Konsequenzen. Am Flughafen wird er niedergeschlagen, Ringerman entkommt. Coogan wird offiziell von dem Fall abgezogen, aber natürlich ist das für einen echten Kerl kein Grund die Füsse still zu halten.


                                                                              


Meinung:
Don Siegel und Clint Eastwood, eine Kombo mit Qualität, mag man meinen. "Ein Fressen für die Geier", "Dirty Harry" (ganz besonders!) und "Die Flucht von Alcatraz" sprechen dafür, ihre erste Zusammenarbeit ist eher durchwachsen. Schade, denn die Voraussetzungen sind nicht nur namentlich nicht verkehrt.


So was gibt es in Arizona nicht
Allein der Anfang könnte aus einem Western kommen, wenn Coogan statt mit einem Jeep auf einem Gaul durch Arizona holpern würde. Auch sonst hat "Coogans grosser Bluff" (der sooo gross nun auch nicht ist) viele klassische Westernanleihen, der Lonesome-Ranger im Big Apple. Clint trägt den Cowboyhut mit Stolz und muss sich andauernd den selben (trotzdem amüsanten) Texas/Arizona Running Gag anhören. Zum Finale bekommt es sogar einen sehr deutlichen Western-Touch (Kneipe), nur bis dahin ist es eher zäh und erstaunlich langatmig. Erstaunlich, da hier ganz viel Potenzial schlummert, das maximal am Rande angekratzt wird, wenn überhaupt. Das hätte ein unterhaltsamer Culture-Clash werden können. Der raubeinige NICHT-Texas-Ranger trifft auf die hochmoderne, weltoffene Metropole, auf schlitzohrige Taxifahrer, überhebliche Grossstadtbullen, Zuhälter und darf sich sogar auf einer extrem stonigen Hippie-Party durch die Menge wühlen. Gerade Eastwood war dafür der richtige Mann, nur irgendwie will das nicht zünden. Clint gibt sich prototypisch-stoisch cool, knurrt sich wortkark durch eine lahmarschige Story, die alle Möglichkeiten links liegen lässt und schleppt ganz nebenbei angeblich emanzipierte Weibchen ab, die dem ruppigen Chauvi-Charme schneller erliegen als das Kaninchen der Karotte. Wenn das alles jetzt in einen spannenden, coolen Reisser verpackt wäre, hoch die Tassen.

 
Schluss mit lustig
Nö, leider gar nicht der Fall. "Coogans grosser Bluff" hat seinen Namen dann doch zurecht, hier wird viel mehr erwartet, als letztendlich drin ist. Knapp eine Stunde lang (Laufzeit: 90 Minuten) passiert extrem wenig, bis auf die erwähnten, verschwendeten Ansätze, dann mischt der coole Coogan ein paar Lumpen in einer Billard-Bar auf (zieht dabei aber so ein Gesicht, als würde er gleich die Revolver rauchen lassen, fast schon eine Western-Parodie) und am Schluss gibt es wenigstens noch mal richtig Drive, im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist recht gelungen, der Rest eher nicht. Hat einen gewissen Flair, aber viel mehr Leerlauf und holt deutlich zu wenig aus den Gegebenheiten raus. Siegel & Eastwood, immer eine Bank, hier nur Sparkasse auf Sparflamme. Nur für eisenharte Fans.

5 von 10 Arizona-Rangers.

Review: DIE ZWÖLF GESCHWORENEN - Schwitzen für die Gerechtigkeit

1 Kommentar:



Fakten:
Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men)
USA. 1957. Regie: Sidney Lumet. Buch: Reginald Rose. Mit: Martin Balsam, John Fiedler, Lee J. Cobb, E.G. Marshall, Jack Klugman, Edward Binns, Jack Warden, Henry Fonda, Joseph Sweeney, Ed Begley, George Voskovec, Robert Webber. Länge: 96 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf Blu-Ray ab 12. Juli 2013, auf DVD bereits jetzt erhältlich.



Story:
Nach einem Mordprozess, bei dem ein Junge wegen Mordes an seinem Vater angeklagt ist, müssen 12 Geschworene entscheiden, ob sie diesen Jungen für schuldig halten oder nicht. Stimmen sie für schuldig, wird er verurteilt und hingerichtet. Die Geschworenen ziehen sich in einen Raum zurück und beim ersten Durchlauf stimmen sogleich 11 Leute für schuldig, nur einer nicht. Nicht schuldig. Nicht, weil er glaubt, dass der Junge auf jeden Fall unschuldig sei, nein, er hat lediglich „berechtigte Zweifel“ und würde gerne nochmals über den Fall sprechen. Da das Urteil einstimmig gefällt werden muss, entbrennt zwischen den „twelve angry man“ eine hitzige Diskussion.





Meinung:
Wie der originale Titel schon andeutet, ist der Film sehr…ähem… männerlastig. Vielleicht waren zu dieser Zeit Frauen noch nicht als Geschworene zugelassen, zumindest besteht die Runde aus 12 Männern. Übrigens weiße Männer! Aber gut, der Film ist immerhin aus dem Jahr 1957. Trotzdem ist es eine sehr heterogene Gruppe, die praktisch die komplette Bandbreite an verschiedenen Charaktertypen wiederspiegelt. Es gibt den Organisator, einen Witzbold, einen kulturell Gebildeten, einen disziplinierten Immigranten, den Unsicheren, einen Mann aus dem sozialen Brennpunkt, den Opportunisten, den Aufbrausenden, einen sehr Konservativen mit vielen rassistischen Vorurteilen, den erfahrenen Alten, den Vernünftigen und natürlich die moralische Instanz, also den Guten. Jede Figur hat Stärken, aber auch Probleme und Schwächen, die manchmal mehr, manchmal weniger Einfluss auf die Diskussion nehmen. Und natürlich gibt es so auch viele unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen auf den Fall.



Der große Star in diesem Film ist natürlich Henry Fonda, der den Geschworenen Nummer 8 spielt. Er steht im Mittelpunkt, verkörpert die Moral und spielt einfach grandios, schon allein, weil er es immer wieder schafft, sich zurückzunehmen und das Licht auf andere zu lenken. Außerdem wäre ohne ihn als Produzent dieses Projekt nie verwirklicht worden und schon deshalb gebührt ihm uneingeschränkter Dank.Für Darsteller wie Jack Warden, Lee J. Cobb, Martin Balsam oder Jack "Quincy" Klugman bedeutete "Die zwölf Geschworenen" den Durchbruch im Filmgeschäft.



 

Ein klares Zeichen gegen Rassismus
Inhaltlich geht es zum einen um den Mordfall. Eine spannende Kriminal-/Justizgeschichte mit der Frage, ob am Ende auf schuldig oder nicht schuldig entschieden wird. Ob der Junge, den man nur ganz kurz im Film sieht, hingerichtet wird. Aber der Film hat noch einige weitere Komponenten, die mindestens genauso großen Platz beanspruchen. Der Film ist eine psychologische Studie von Gruppenzwang, von Rollenverhalten und Macht. Es geht um Beeinflussung. Um Rassismus und Vorurteile. Ein wenig auch um die Chancen und Grenzen des amerikanischen Justizsystems. Der Film ist eine Charakterstudie über eigene Standpunkte. Nicht nur für die Figuren im Film, sondern auch für den Zuschauer, der an diesem Film auch sein eigenes Verhalten hinterfragen kann. Und letztlich geht es darin um Moral, und zwar in allen Facetten.


Inszenatorisch ist „Die 12 Geschworenen“ ein Kammerspiel, basiert auch auf einem Theaterstück. Fast der komplette Film spielt sich in nur einem Raum ab. Eine beengte, beklemmende Wirkung entsteht. Man hat keine Chance auszuweichen und muss sich der Diskussion, den Gefühlen und den eigenen Ansichten und Verhaltensweisen stellen. Dazu hat Regisseur Lumet in seinem Debütfilm, wie auch später zum Beispiel in „Hundstage“, Elemente wie Hitze, Schweiß und Ermüdung mit hineinspielen lassen. Dies macht die Situation noch bedrückender. Das Potenzial einer Eskalation wird so noch weiter gesteigert und die Lage noch angespannter.



 

Mit Messern lässt sich auch prima diskutieren
Angespannt. Das ist wohl das Wort, was hier am besten passt. Denn zwischen den verschiedenen Standpunkten innerhalb der Gruppe gibt es Machtkämpfe. Einige wollen mit ihren jeweils eigenen Mitteln das Alphatier werden, Recht behalten, anderen ihre Meinung (bewusst oder unbewusst) aufzwängen. Und andere sind nur die Mitläufer, das Rudel. Mal mutiger und mit kleinen eigenen Vorstößen, mal wieder sehr zurückhaltend und sich ins zweite Glied einordnend. So wird die Stimmung, natürlich vor allem zwischen den Wortführern, aggressiver, das Verhalten ruppiger und die Beziehung zwischen einigen Männern eben immer angespannter. Und das erhöht die Spannung ungemein, obwohl dazu nur geringe Mittel verwendet wurden.


Außerdem wirkt der Film enorm authentisch, anschaulich und realistisch. Wenn zum Beispiel verschiedene Situationen aus der Beweisführung rekonstruiert werden oder Zeugenaussagen auf Glaubwürdigkeit hin überprüft werden, dann kann dies jeder Zuschauer nachvollziehen. Es ergibt alles einen Sinn. Und für mich legt kein Regisseur mehr Wert auf Realismus als Sidney Lumet. Der Meister der Authentizität. „Die zwölf Geschworenen“ ist einer der besten Filme, DER beste Debütfilm, den es je gegeben hat und jeder, wirklich jeder sollte ihn einmal gesehen haben.


10 von 10 durchgeschwitzte Männerhemden