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Review: HITCHER, DER HIGHWAYKILLER - Junge, sprich nicht mit Fremden

1 Kommentar:
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Fakten:
Hitcher, der Highwaykiller (The Hitcher)
USA, 1986. Regie: Robert Harmon. Buch: Eric Red. Mit: Rutger Hauer, C. Thomas Howell, Jennifer Jason Leigh, Jeffrey DeMunn, John M. Jackson, Billy Green Bush, Jack Thibeau, Armin Shimerman, Gene Davis, Jon Van Ness, Henry Darrow u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: keine FSK Freigabe. Auf DVD erhältlich.

Story:
Jim will nur den Wagen eines Freundes überführen. Bei dichtem Regen, in der Gefahr einzuschlafen, nimmt er aus Langeweile einen Anhalter mit. Der Fremde, John Ryder, erweisst sich schnell als der denkbar falscheste Weggefährte: Sofort hat Jim ein Messer im Gesicht, er hat den Teufel eingesammelt. Geistesgegenwärtig entledigt sich Jim dem puren Bösen, doch damit beginnt sein Albtraum erst. Egal, wo er auftaucht, Ryder ist nicht weit und macht aus dem Freundschaftsdienst einen Trip durch die Hölle.



                   
                                                                                                            
                           
Meinung:
- "Meine Mutter hat mich immer davor gewarnt das zu tun."


"Sag vier Worte:..."
Es dauert keine fünf Minuten, eigentlich keine fünf Sekunden, und Robert Harmons Genre-Meisterwerk "Hitcher" hat einen schon bei den Eiern, hält einem das Messer an die Kehle und verwickelt den Zuschauer in eine Odyssee des Grauens, ohne Ausweg, ohne Kaninchenbau, gefangen auf dem Highway von Leid, Schmerz und blankem Terror in seiner Urform. Die Angst vor dem unerklärlichem Bösen, dem schwarzen Mann, der Personifizierung aller natürlichen Urängste. Rutger Hauer als staubig-mysteriöser Fremder, ohne Motiv, ohne Vorgeplänkel, der sein perfides Spiel mit einem hilflos-willkürlichen Opfer treibt. Töten, das war sein Primärziel, als das scheitert, steht ein ultra-fieses Katz-und-Maus-Spiel auf der Psychopathen-Speisekarte. Der bemitleidenwerte Jim ist der lebende Hauptgang auf dem Teller eines Sadisten, der so schnell nicht satt ist.
- "Das hat der Andere auch gesagt."
- "Welcher Andere?"
- "Na der, der den Wagen dahinten gefahren hat, der Kerl, der mich mitgenommen hat, vor ihnen."

 

"Hitcher, der Highwaykiller" ist das Meisterstück des eher wenig bekannten und später auch nicht ernsthaft interessanten Regisseurs Robert Harmon, der hier ein One-Hit-Wonder nach Mass hinlegt. Natürlich landete dieser Klassiker des Genrekinos irgendwann (genau gesagt 2007) als aufgewärmtes Remake wieder auf dem Teller, nur so hundsgemein, zu tiefst böse und nachhaltig konnte die Neuauflage, trotz aller Bemühungen, gar nicht wirken. Harmon gelingt ein seltener Fall: Er erschafft ein dichtes, schreckliches Szenario, ohne Nebenschauplätze, ohne nur die eine Szene zu viel, das ungefilterte Grauen klatscht so unerwartet und direkt auf die blutverschmierte Windschutzscheibe, wie eine Mücke auf dem Highway in den Tod. Fast surreal mutet "Hitcher" an, das ist die grosse Stärke dieser Perle. John Ryder ist ein Mensch - offensichtlich, wer weiss... - dennoch erscheint er eher wie ein unzerstörbares Schreckgespenst. Seine Motivation ist unergründlich, seine Passion abgründig, sein Opfer wird langsam zur Schlachtbank geführt, physisch wie psychisch. 

 
- "War der da vorhin drin?"
- "Na sicher war der da drin, zu Fuss wär der wohl kaum gegangen."
- "Wieso nicht?"
Sagenhaft amtmosphärisch, bedrohlich, in seiner Konsequenz erdrückend, ist "Hitcher" einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Selten wurden die Stilmittel gekonnter gekreuzt, die Subgenres wirkungsvoller vermischt. Einerseits ein gradlinieger Psycho-Thriller, andererseits ein mysteriös, kaum greifbares Terrorspiel mit gepeinigten Figuren und einem dämonischen Leiter, der so erstaunlich allgegenwärtig und unbesiegbar scheint, dass ihm sein menschliches Dasein normalerweise abgesprochen werden müsste.

 
- "Ich hab seine Füsse abgeschnitten...und seine Arme...und seinen Kopf...und dasselbe werde ich auch mit ihnen machen...ganz genau das dasselbe!"


Am Boden, aber noch lange nicht tot
In dieser stringenten Unerklärlichkeit liegt die zeitlose Stärke von "Hitcher". Wieso, weshalb, warum, alles so kalt wie die Fritten-Finger aus ranzigen Imbissbuden vom Arsch der USA. Er ist einfach da und wenn du seinen Weg gekreuzt hast, bist du entweder tot oder wirst es dir bald wünschen. Rutger Hauer, einer der Charakterköpfe der 80er, spielt die Rolle seines Lebens, selbst in Anbetracht von Ridley Scotts Klassiker "Blade Runner". Denn die einzigartige Präsenz, die Manifestation des fleischgewordenen Todesengel, jenseits von Moral, Furcht, Gewissen, einfach der im Nacken lauernde Sensenmann, gelingt ihm wie es kaum einem zweiten möglich gewesen wäre. Der sonst überforderte oder fehlbesetzte C. Thomas Howell blüht in der Rolle des gehetzten Opferlamms extrem auf, selbst seine starke Rolle in Coppolas "Die Outsider" scheint dagegen uninteressant. Howell ist die arme Sau, die mit einer blutrünstigen Kaltblütigkeit durch die Wüste getrieben wird, unschuldig und blitzschnell zur Zielscheibe wird, chancenlos und ausgeliefert.


- "Willst du wissen, was mit einem Auge passiert, wenn man es durchbohrt?"

So chancenlos wie Howell und, die mal wieder wunderbare, Jennifer Jason Leigh ist auch der Zuschauer, denn "Hitcher" macht keine Gefangenen, er nimmt dich als Geisel, hält dir das Messer an die Kehle und flüstert dir etwas in's Ohr:

- "Sag vier Worte: Ich möchte tot sein!"


Auf dem Highway ist die Hölle nicht nur los, sie ist mit aller Boshaftigkeiten aufgestiegen und nun sind wir alle für 95 Minuten darin gefangen, ausgeliefert, bedroht. Unglaublich kompakt und fehlerfrei vorgetragen. Hätte er mal auf Mutti gehört...

9 von 10 Finger-Foods

Specials: GUT, ABER ZU SELTEN - Welche Schauspieler gerne öfters im Kino präsent sein sollten

2 Kommentare:



Es gibt wahrlich viele große Schauspieler. Zu viele um sie alle aufzuzählen, deswegen haben sich Jacko und Stu die 5 rausgesucht, die sie toll finden, die aber für ihren Geschmack viel zu selten in großen Produktionen, bzw. in großen Rollen zu sehen sind. Wir wünschen viel Vergnügen und fragen euch gleichzeitig, wen ihr öfters sehen wollt?




Mickey Rourke

Der Typ, der in den 80ern einen kometenhaften Aufstieg erlebte, als neuer Marlon Brando und Sexsymbol galt, den die Frauen anhimmelten und die Männer beneideten. Ein makelloses Äußeres, hochtalentiert, tough, charismatisch. Rourke hatte alles, was einen Weltstar ausmacht. Er war der Motorcycle-Boy in "Rumble Fish", er war Stanley White in "Im Jahr des Drachen", er verführte Kim Basinger in "9 1/2 Wochen", er kam in "Angel Heart" eindrucksvoll seiner eigenen Verdammnis auf die Spur und bewies mit "Johnny Handsome" eine bizarre, fast schon prophetische Rollenauswahl: Als wenn er seinem späteren Ich im Spiegel gegenüber stehen würde, rein optisch.Doch Rourke war immer schon schwierig, der Erfolg vernebelte seinen Verstand endgültig. Er wurde immer undisziplinierter, ließ es ordentlich krachen, sein Ego überragte sein Talent haushoch. Fahrlässig und überheblich lehnte er Rollen in "Highlander", "The Untouchables" oder "Rain Man" ab, da war er sich zu schade für. Sogar im Tiefpunkt seines Schaffens hatte er keine Lust, in "Pulp Fiction" mitzuspielen. Unfassbar!


Rourke boxte lieber, hielt sich mit grottigen B-Movies und schlecht bezahlten Kurzauftritten über Wasser, verunstaltete sein markantes Gesicht durch schauderhafte "Schönheits"-OPs, bis es eher eine Fratze glich. Er war ganz oben und ganz unten, selten dazwischen. Mit "Sin City" meldete er sich auf der großen Bühne zurück, mit der fast schon autobiographisch wirkenden Rolle in "The Wrestler" schaffte er es, die Kritiker weltweit zum jubeln zu bringen. Der Bad Guy ist wieder da, seine Talent hat er behalten, seine schlechten Angewohnheiten leider auch. In letzter Zeit wurde seine Rollenauswahl erneut bedenklich, sieht man Gurken wie "Passion Play" oder den peinlichen Kurzauftritt in der DVD-Krücke "The Courier" (neben Til Schweiger!). Aus "7 Psychos" versetzte er sich durch abfällige Äußerungen über den Regisseur selbst einen Arschtritt.


Ach Mickey, du alte Hackfresse, mach' nicht wieder die gleichen Fehler. Du hättest einer der Größten sein können, du kannst immer noch so viel, aber pass' bitte auf, dass du demnächst nicht doch noch so endest wie Randy "The Ram" und in einem verschimmelten Wohnwagen einem kleinen Jungen die DVD von "Angel Heart" vorspielen musst. Ich hab dich gern!



Jeff Daniels

Auch Jeff Daniels ist ein ältere Herr, der kein Unbekannter ist und früher auch ein echter Star war, im Gegensatz zu Mickey Rourke den Rückgang von Ruhm und großen Rollen aber nicht mit der Hilfe von Botox kompensierte. Daniels, der mit „Arachnophobia“, „Dumm und Dümmer“ oder „Gettysburg“ zum Weltstar wurde, aber dann von der ganz großen Kinobühne verschwand und für das geneigte Mainstream-Auge fast unsichtbar blieb. Dabei war Daniels nie wirklich untätig. In der wunderschönen Tragikkomödie „Der Tintenfisch und der Wal“ von „Greenberg“-Regisseur Noah Baumbach, lieferte er ganz still und bescheiden eine seiner besten Leistungen ab und war seit dem immer wieder in kleinen Nebenrollen zu sehen, in denen er mir immer wohlwollend in Erinnerungen geblieben ist. Egal ob in „Die Regeln der Gewalt“, „Away we go“ oder zuletzt in der Sci-Fi-Perle „Looper“, in dem er einen der väterlichsten Gangsterbosse der Filmgeschichte spielte.


Aktuell ist Jeff Daniels wieder zurück im Rampenlicht. Mit der Serie „The Newsroom“ von Oscar-Preisträger Aaron Sorkin, begeistert er momentan das amerikanische Fernsehpublikum und die Kritiker. Dies erklärt aber nicht, warum ich ihn so schätze. Nun, für mich strahlt Jeff Daniels einfach etwas Ruhendes aus. Sein Spiel drängt sich darüber hinaus nie wirklich auf (mal abgesehen vom Blödel-Overkill „Dumm & Dümmer“) und ist dennoch immer überzeugend. Jeff Daniels vermittelt einfach eine wunderbare Mischung aus Vaterfigur und Kumpeltyp. Bitte mehr davon.



Rutger Hauer

Der niederländische Hüne mit den tiefblauen Augen. In seiner Heimat ein Star, kam er Anfang der 80er nach Hollywood und startete schnell durch. Ob als Roy in Ridley Scott's Kultfilm "Blade Runner", als Captain Etienne Navarre in "Der Tag des Falken" oder natürlich als das personifizierte Böse, John Ryder in "Hitcher - Der Highwaykiller".


Ein Baum von einem Mann, mit einer Ausstrahlung gesegnet, für die viele blasse Nullapostel töten würden. Doch als Ausländer hat man es immer schwer in Ami-Land, die 90er waren nicht seine Zeit. Viele TV-Filme, Quantität statt Qualität, obwohl er immer den Blick wert war. Als Beispiel nenne ich nur mal den HBO-Thriller "Blind Side - Straße in den Tod", der nur durch seine Präsenz und Leistung seine Daseinsberechtigung hat.  Es ist wirklich schade, dass der inzwischen in die Jahre gekommene Star nie ein echtes Comeback erlebt hat. Er hatte hier und da nochmal seine Auftritte, z.B. "Sin City" und "Batman Begins", so richtig wird er aber wohl nicht mehr in's große Rampenlicht treten.


Auch wenn es so sein sollte, seine prägenden Rollen werden für die Ewigkeit bleiben. Trotz "Blade Runner", in erster Linie muss ich bei ihm immer an "Hitcher" denken. Sein perfides Psychospielchen mit dem bemitleidenswerten C. Thomas Howell jagt mir altem Horror-Nerd immer wieder ein breites, fieses Grinsen in's Gesicht und gleichzeitig Gänsehaut über den Rücken.



Jackie Earle Haley

Wo war er nur die ganze Zeit? Als ich Jackie Earle Haley zum ersten Mal sehen konnte, war das in „Watchmen – Die Wächter“, indem er den Rorschach spielte und bei mir einen wirklich tiefen, bleibenden Eindruck hinterließ. Aber woher zum Teufel ist er gekommen? Sein Name, sein Gesicht, seine Stimme, war mir alles unbekannt und dennoch spielte er eine der wohl wichtigsten Rollen in dieser grandiosen Comicverfilmung, die Anno 2009 einer der größten, wenn auch nicht erfolgreichsten, Filme des Jahres war. Haleys Karriere ist wahrlich interessant. Angefangen als Kinderdarsteller, u.a. in „die Bären sind los“ wurde aus ihm nach und nach ein Schauspieler der hier und da mal in einzelnen Serienepisoden auftaucht. Doch 1993 zog sich Haley komplett vom Job zu rück und wurde Produzent für Werbespots und dies auch sehr erfolgreich. Dennoch bleibt es ein Rätsel, dass er 2006 in „Little Children“ so fulminant wieder als Schauspieler anfing.


Aber gut, lassen wir ihm seine Geheimnisse, denn die machen ihn aus, denn Haley strahlt etwas Ominöses aus. Er, der wahrlich keine Schönheit ist, besitzt eine Ausstrahlung die das Dunkle einer Figur zum Ausdruck bringt und dennoch eine gewisse Sehnsucht inne hat. Jackie Earle Haley kann sie einfach spielen, die Verlorenen, die Geächteten, die, die unser Interesse wecken, die wir aber lieber niemals persönlich treffen wollen. Ich hoffe sehr, das Haley weitermacht und dass er öfters zu sehen ist, aber bitte nicht als neuer Freddy Krüger. Vielen Dank.



Lance Henriksen

Ich behaupte, selbst weniger begeisterte Gelegenheitsfilmschauer werden sein Gesicht kennen. Vielleicht nicht woher, bestimmt nicht seinen Namen, aber sie kennen ihn. Ich mache mir da nichts vor, die Filmographie von Lance Henriksen ist, ich nenne es mal liebevoll, durchwachsen. Da gibt es einige Highlights, z.B. "Dog Day Afternoon", "Terminator", "Aliens", "Near Dark", "Johnny Handsome", und überproportional viel Schrott. Einer der heimlichen Helden der B- und C-Movies.


Ich mag seine Ausstrahlung, ich mag sein Gesicht, ich mag seine Stimme. Er verdient seine Brötchen zu einem großen Teil mit Käse, wird beim Stöbern durch die Videotheke oder beim Zappen durch's TV bestimmt immer selbst wieder überrascht, wo er denn überall mitgespielt hat (nie im Leben weiß der das auswendig), aber das ist mir scheißegal. Er hat so viel, wovon andere nur träumen können. Er hatte seine Momente und damit bin ich unter'm Strich zufrieden. Gerne würde ich ihn mal wieder in einem guten Film sehen, das Zeitfenster wird immer kleiner, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.  Lance is the man, der König aus der Grabbelkiste.