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Review: INSIDE LLEWYN DAVIS – A folky New York Odyssee

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Fakten:
Inside Llewyn Davis
USA. 2013. Regie und Buch: Joel und Ethan Coen. Mit: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, John Goodman, F. Murray Abraham, Garret Hedlund, u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: ab 6 Jahren freigegeben. Ab 10. April 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist ein talentierter aber erfolgloser Folk-Musiker im New York der beginnenden 60er Jahre. Wenn er mit seiner Musik zusammen ist, dann schwebt er in einer anderen Welt und kann auch andere Menschen mit ihr bewegen, aber sein eigenes Leben kriegt er nicht auf die Reihe: kein Haus, kein Geld und die Frau seines guten Freundes geschwängert. Und es wird nicht besser. So kann es nicht weitergehen, doch das ist einfacher gesagt als getan.




Meinung:
Ein Mann sitzt auf einem Stuhl. Der Raum ist abgedunkelt. Die Augen geschlossen, einen dunklen Bart zum lockigen Haar. Er sitzt auf einer Bühne, nur ein leicht schummriges Licht ist auf ihn gerichtet. Im verrauchten Zuschauerraum sitzen ein paar Männer und Frauen und starren gebannt auf den Mann, fühlen mit ihm, leiden mit ihm, wenn der Mann in die Saiten seiner Gitarre greift und dazu ein paar bittersüße Töne singt. Dieser Mann dort auf der dunklen Bühne ist Llewyn Davis. Ein Folk-Sänger und Hauptfigur im neuesten Film des Bruderpaares Ethan und Joel Coen. Und mit dieser Gesangsszene, intensiv gefilmt und außerdem wunderbar vorgetragen von Oscar Isaac, beginnt also „Inside Llewyn Davis“. Mit einer Szene, die charakteristisch ist für den gesamten Film.


Mit Gitarre und Katze ist Llewyn unterwegs durch New York
Denn Prunkstück des Films ist natürlich, wie soll es in einem Drama über einen Folkmusiker auch anders sein, die Musik. Im Studio unterstützt von Mumford & Sons Frontmann Marcus Mumford, übrigens dem Ehemann von Carey Mulligan, singen und spielen die Darsteller um Oscar Isaac eine melancholische, witzige oder einfach schöne Melodie nach der anderen. Und wenn sie mal nicht selbst in Saiten greifen, dann eben von einer Schallplatte. Die Songs sind teilweise Coverversionen von echten und erfolgreichen Folksongs der 60er Jahre. Von „Peter, Paul und Mary“ zum Beispiel stammt das Lied „500 Miles“, das Carey Mulligan zusammen mit Justin Timberlake und Stark Sands in der Folkkneipe zum Besten gibt. Und der bereits erwähnte Song zu Beginn ist „Hang me oh hang me“ von Dave Van Ronk. Besonders Oscar Isaac legt alles, was er hat, in diese Einlagen. Das sieht man, das hört man und, am wichtigsten, das spürt man.


Da gerade schon von Dave Van Ronk die Rede war: sein Leben diente als Inspiration für den Film und den Charakter Llewyn Davis. Dabei beschränken sich die beiden Regie-Brüder aber nicht auf eine simple Nacherzählung seines Lebens, sondern nehmen ihn nur als Aufhänger, um für Llewyn eine ganz eigene Geschichte zu entwickeln, die sich mit der Van Ronks immer wieder überschneidet. Die Coens stellen die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass ein unbescholtener, einfacher Folk-Sänger zusammengeschlagen wurde, wie es Van Ronk und seinem Alter-Ego Llewyn Davis passiert ist. Und diese Geschichte, die eine Mischung aus großen Folk-Hommagen, Melancholie, den Problemen Llewyns und skurrilen Geschichten der Coens ist, die wird hier erzählt.


Aufnahmen im Studio! Schafft Llewyn den Durchbruch?
Wie schon beim thematisch ähnlich gelagerten Film „O Brother, Where Art Thou?“ befindet sich auch hier die Hauptperson auf einer Odyssee. Diesmal aber nicht durch Mississippi und die überhitzten Südstaaten, sondern durch die kalten Straßen New York. Ein Selbstfindungstrip. Auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben. Nach Halt, den Llewyn aber einfach nicht bekommen will, nicht bei seiner Familie, nicht bei seinen Freunden. Da bleibt ihm nur noch die Musik, doch auch sie droht sich gegen ihn zu stellen. Diese Probleme sind dabei mal durch sein Verhalten selbst verschuldet, mal scheint er eigentlich alles richtig gemacht zu haben und doch will es einfach nicht laufen. Das könnte einen doch ziemlich runterziehen, wäre da nicht der Coensche Humor. Skurril, schrill – vielleicht ist „Inside Llewyn Davis“ trotz der eigentlich traurigen, melancholischen Geschichte der Coen-Film geworden, bei dem man am lautesten und meisten Lachen kann. Nicht nur eine Katze bringt hier viel Schwung rein, auch John Goodman als ekliger, reicher Jazzmusiker bringt einen Brüller nach dem anderen. Und spätestens bei „Please Mr Kennedy“ liegt man vor Lachen auf dem Boden.


Ethan und Joel Coen ist mit „Inside Llewyn Davis“ ein weiterer toller Film gelungen, der gleichzeitig ernst und urkomisch ist. Der einen genauso zum Weinen wie auch zum Lachen bringen kann. Der mit den typischen skurrilen und hervorragend gespielten Figuren aufwartet, mit viel Humor wie auch mit einer durchdachten Geschichte rund um den Folk-Sänger Llewyn Davis, der versucht, sein den Bach runtergehendes Leben auf die Reihe zu bekommen. Ein Film, der aber besonders durch seine wunderschöne Musik bekannterer oder unbekannterer Größen der Folkmusik getragen wird. Ein Film wie ein Folk-Song, hat jemand geschrieben. Vielleicht sogar wie ein ganzes Folkalbum. Melancholisch, brisant, witzig, bewegend, kratzig, irgendwie zwar schon ein bisschen bekannt und altbacken, aber doch sehr schön.


8 von 10 erbettelte Schlafplätze

Review: SEARCHING FOR SUGAR MAN - Südafrika sucht den Superstar

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Fakten:
Searching for Sugar Man
Schweden, GB. 2012. Regie: Malik Bendjelloul. Buch: Malik Bendjelloul. Mit: Stephen Segerman, Craig Bartholomew Strydom u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: Ab 0 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Die Dokumentation „Searching for Sugar Man“ zeigt den Versuch zweier Journalisten, mehr über den Tod des Folkmusikers Sixto Rodriguez herauszufinden, der mit seinen Liedern in weiten Teilen der Welt keinen Erfolg hatte und schnell wieder von der Bildfläche verschwand, im von der Apartheid dominierten Südafrika aber zu einem Megastar wurde, ohne dass dort jemand mehr als Namen und Foto von ihm kannte. Auf ihrer Suche können die zwei detektivisch begabten Journalisten immer mehr Licht ins Dunkle bringen und stoßen dabei nicht nur auf eine Überraschung.




Meinung:
Manche sagen, er war besser als Bob Dylan. Aber in den Vereinigten Staaten und auch sonst auf der (beinahe) ganzen Welt kennt ihn kein Mensch. Seine Platten haben sich so schlecht verkauft, dass eigentlich keine mehr aufzufinden war. Die Rede ist von Sixto Rodriguez, einem Songwriter, der in den Jahren 1970 und 1971 zwei Platten veröffentlichte. Aber sie waren eben Flops und so geriet er in Vergessenheit.


Rodriguez Anfang der 70er, nur echt mit Sonnenbrille
Flops? Nun, so ganz stimmt das nicht. In den USA, ja, da spielte er nichts ein und verschwand darum auch wieder von der Bildfläche, bevor man überhaupt Notiz von ihm nahm. Aber in Südafrika, das von der Apartheid und diktatorenähnlichen Regimes gefesselt wurde, indem Zensur und staatliche Verbote ein immenses Ausmaß annahmen, da verbreitete sich, wohl durch Raubkopien, später auch richtige Veröffentlichungen, das erste Album „Cold Fact“ von Rodriguez wie ein Lauffeuer. Niemand wusste, wer dieser Mann war, woher er kam, aber jeder kannte seine Lieder. Es gab die wildesten Gerüchte um diesen Mann. So soll er sich während einem seiner Auftritte auf der Bühne selbst angezündet haben. Oder sich nach einem Auftritt mit einem Revolver erschossen. Aber mit seinen Songs und seinen Texten gab er den Menschen, den Unterdrückten in Südafrika Kraft, Mut, Motivation. Die Texte zeigten, dass man sich gegen das Regime wehren kann. Und so wurde er nicht nur zum musikalischen Helden, sondern auch zu einer Galionsfigur des Widerstands.


Rodriguez wurde also zu einem der populärsten Musiker in Südafrika. Er war populärer als Elvis, bekannter als die Stones oder die Beatles. Aber keiner wusste wirklich, wer er war und was mit ihm passiert ist, wie er nun wirklich gestorben ist. Und um diese Frage dreht es sich in der Dokumentation. Was wurde aus „Sugar Man“? Zwei südafrikanische Journalisten machten sich auf die Suche, um ihn zu finden und diese Doku zeigt die aufregende Schnitzeljagd, die mit nichts als einem Namen und den Texten aus den Liedern begann.


Stephen "Sugar" Segerman macht sich auf die Suche...

Die Erstlings-Dokumentation „Searching for Sugar Man“ des schwedischen Regisseurs Malik Bendjelloul wurde dabei hochverdient mit dem Oscar im Jahr 2013 ausgezeichnet. Bendjelloul zeigt dabei nicht nur stur den Ablauf der Suche, er kombiniert die einzelnen Elemente vielmehr zu einem fantastischen Gesamtkunstwerk. Er vermischt die spannende Detektivstory der südafrikanischen Journalisten mit Elementen aus Komödie, Wirtschaftsthriller, Familien- und Politdrama zu einem modernen Märchen, das unglaublicher kaum sein könnte. Garniert wird der Film mit Archivmaterial, Interviews mit Wegbegleitern des Ausnahmemusikers mit den überragenden Texten und natürlich mit Musik. Mit den fabelhaften Originalsongs aus den Alben von Sixto Rodriguez. Selten kann man sich als Zuschauer so sehr in einer Dokumentation verlieren, selten war es spannender und emotional aufwühlender.


Im Idealfall weiß man übrigens nichts über Rodriguez, wenn man sich diese Doku ansehen will, bis auf die wenige Gerüchte und Fakten, die hier genannt wurden. Die Wirkung der Dokumentation wird ungleich größer, schon allein, weil man ähnlich wie die detektivischen Journalisten mit ebenso gut wie nichts anfängt und sich nach und nach zu mehr Erkenntnis arbeiten kann. Aber nichts über diesen Musiker zu wissen, das dürfte nicht schwer fallen. Bei einem Musiker, der in Südafrika zwar wie ein Held verehrt wird, im Rest der Welt aber fast gänzlich unbekannt sein dürfte.


9 von 10 Hinweisschnipsel für das Detektivpuzzle