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Review: CRIMINAL ACTIVITIES – Mehr als Genregenerik?

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Fakten:
Criminal Activities
US. 2015. Regie: Jackie Earle Haley. Buch: Robert Lowell. Mit: John Travolta, Michael Pitt, Dan Stevens, Edi Gathegi, Rob Brown u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vier junge Kerle begegnen sich bei der Beerdigung eines ehemaligen Klassenkameraden wieder. Sie kommen ins Gespräch über ein angeblich todsicheres Geschäft, doch die Sache geht schief und ihr sämtliches Geld ist weg. Doch damit nicht genug: Einer von ihnen hat sich sein Investment von einem Gangsterboss geliehen.




Meinung:
Es stimmt schon im Voraus fraglich, wenn ein Schauspieler bekanntgibt, dass er sich künftig auch als Regisseur probieren will. Neben einigen geglückten Talenten schwimmen die meisten dieser Versuche jedoch in einer Welle der Belanglosigkeit und sind schnell wieder vergessen. Jackie Earle Haley sollte vielen optisch aus zahlreichen Nebenrollen bekannt sein und auch in seinem eigenen Regiedebüt hat er einen Auftritt.


Vier Freunde?
Von manchen wurde „Criminal Activities“ schon im Vorfeld als eine Mischung aus Tarantino, Ritchie und Vaughn tituliert und natürlich – man kann es sich bereits denken – sind diese Vergleiche mehr als nur weit hergeholt. Ginge man so weit, dann könnte man jeden 08/15-Krimi mit humoristischen Einschüben in diese Schublade stecken und noch dazu den Stempel Kultfilm aufdrücken. Glücklicherweise ist das noch nicht der Fall, nach dem Film von Jackie Earle Haley wird in 5 Jahren kein Hahn mehr krähen und ikonisch oder gar kultig ist daran nichts. Mit einem flachen Spannungsbogen versehen arbeitet sich der Film durch ein Potpourri aus altbekannten Tropen und Genreklischees, lässt Eigenständigkeit sowie kreative Einfälle vermissen und bemüht sich darüber hinaus vergebens seinen eintönigen Figuren interessante Facetten zu geben. Was handwerklich durchaus ordentlich eingefangen wurde ist eine durchgehend uninteressante Geschichte, ganz einfach deswegen, weil man mit keinem der Figuren auch nur ansatzweiße mitfühlen kann. Sie bleiben klischeehafte Abziehbilder. Und warum es der Film ins Kino geschafft hat bleibt ein Rätsel, selbst seine Bilder lassen Schauwerte vermissen, denn letztlich fühlt er sich nach einer klassischen Direct-to-DVD Veröffentlichung an.


Gutes, altes Klebeband
Eine der eher rar gesäten Stärken von „Criminal Activities“ ist jedoch sein Cast oder vielmehr die Art und Weiße wie er seine Figuren besetzt hat. Der prominenteste Name darunter ist zweifelsohne John Travolta, auch wenn man von ihm in den letzten Jahren eher wenig gesehen hat. An ihm lässt sich das Konzept des Films aber auch am besten erkennen, denn die Rolle als Mafiaboss steht doch im stärkeren Kontrast zu seinem üblichen Charaktertyp. Auch bei anderen Figuren lassen sich solche Tendenzen erkennen und das sorgt dafür, dass obgleich die einzelnen Performances sicher nicht preisverdächtig sind, dennoch ein Hauch von Abwechslung und Andersartigkeit in die Produktion gebracht wird. Das lässt den recht generischen Plot rund um die mehr oder weniger unfreiwilligen Entführer zumindest ein Fünkchen interessanter erstrahlen, auch wenn es noch deutlich schöner gewesen wäre, die Schauspieler in nicht ganz so austauschbare Figuren zu stecken. Und war „Criminal Activities“ bis kurz vor Ende schon kein sonderlich erwähnenswerter Film, so sticht zumindest der Schlussakkord heraus – leider jedoch aus negativer Sicht. Der darin präsentierte Twist kommt aus dem Nichts, kippt die Handlung unnötigerweise um 180 Grad und sorgt in seiner selbstgefälligen Art für entnervtes Zähneknirschen.


Auch wenn es durchaus sympathisch anmutet John Travolta erneut auf der großen Leinwand zu sehen, so ist „Criminal Activities“ nüchtern betrachtet sicherlich nicht mehr als durchschnittliche Genrekost. Handwerklich solide inszeniert scheitert Jackie Earle Haleys Film an seiner austauschbaren Geschichte, den blassen Figuren und zu guter Letzt auch an seinem katastrophalen Twist, der nicht nur auf billigste Weiße vorgetragen wird, sondern auch eine ziemlich bedenkliche Botschaft transportiert.


4 von 10 hanebüchenen Twists 

Review: DIE VORSEHUNG - Serienmorde, übersinnlich Begabte und überforderte Ermittler

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Fakten:
Die Vorsehung (Solace)
US. 2015. Regie: Afonso Poyart. Buch: Sean Bailey, Ted Griffin. Mit: Anthony Hopkins, Jeffrey Dean Morgan, Abbie Cornish, Colin Farrell, Marley Shelton, Janine Turner u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das FBI jagt einen Serienkiller, der stets nach dem gleichen Schema mordet. Unterstützung holt sich FBI-Agent Joe Merriweather schließlich bei John Clancy. Der ist übersinnlich begabt und hat die Fähigkeit, in die Vergangenheit und Zukunft von Menschen zu blicken. Der Fall wird allerdings bald verzwickter als anfangs gedacht, denn der gesuchte Serienkiller verfügt über genau die gleichen Fähigkeiten, welche womöglich noch stärker ausgeprägt sind als bei Clancy.






Meinung:
Der brasilianische Regisseur Afonso Poyart war im Filmgeschäft bislang eher ein unbeschriebenes Blatt. Sein Debüt "2 Coelhos", ein ausgeflippter Actionfilm mit komplett unbekanntem Cast, hatten die wenigsten auf dem Schirm und so überrascht sein zweiter Film dann durchaus. Für "Die Vorsehung" konnte Poyart mit Anthony Hopkins, Colin Farrell, Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish einige durchaus namhafte Darsteller gewinnen.


Colin Farrell an einem nicht so gut gelaunten Tag
Das Drehbuch von Sean Bailey und Ted Griffin, welches viele Jahre unverfilmt blieb, wurde nun von Poyart inszeniert. Die Geschichte, in der das FBI einen Serienkiller jagt, der nach dem immer gleichen Schema mordet und anscheinend einen höheren Zweck in seinen skrupellosen Taten sieht, klingt nicht nur allzu bekannt, sondern wird bedauerlicherweise kaum um nennenswerte Faktoren bereichert, um sich von dutzendfach gesehenen Vertretern aus dem Thriller-Genre abzuheben. Das Potential hierfür ist durchaus gegeben, denn der Krimi-Plot wird durch zwei übersinnlich begabte Menschen erweitert, welche eine Art mediale Fähigkeit besitzen, durch die sie Hintergründe von Menschen aus der Vergangenheit sofort erkennen können, aber auch Ereignisse aus der Zukunft voraussehen. Das pikante dabei: Einer von beiden, gespielt von Anthony Hopkins, steht den Ermittlern des FBI als Berater zur Seite, der andere, verkörpert durch Colin Farrell, ist der gesuchte Serienkiller. Eine überaus interessante Konstellation also, mit genügend Gelegenheiten, um die Haupthandlung mit überraschenden, verspielten Impulsen zu versehen, doch "Die Vorsehung" zerfällt nach dem ersten Drittel inhaltlich in unausgegorene und zähe, nicht sauber erdachte Einzelteile.


Hände hoch oder Opi macht Dampf
Über weite Strecken folgt die Dramaturgie der üblichen Struktur eines Krimi-Thrillers, bei dem Tatorte besichtigt, Zeugen befragt, Spuren rekonstruiert sowie eifrig Rückschlüsse gezogen werden. Das eigentliche Duell, überhaupt die allererste Begegnung zwischen Medium und Medium findet viel zu spät statt und allgemein ist der Umgang mit den Figuren mitunter haarsträubend. Da werden zentrale Hauptfiguren, denen zunächst immerhin ansatzweise Charakterzeichnung zugestanden wird, irgendwann auf einmal komplett unter den Teppich gekehrt und lieblos mit konstruiert wirkenden Wendungen abgespeist. Es ist nicht so, dass man den Schauspielern nicht gerne zusieht, doch es wirkt oftmals, als würden sie machtlos gegen ein Drehbuch anspielen, das sie zu häufig unterfordert. Auch bei der Regie wechseln sich Licht und Schatten unentwegt ab. Die Szenen, in denen die Fähigkeiten der medial Begabten einsetzen, werden von Poyart in clipartig montierten Passagen inszeniert, die dem Werk zusammen mit dem düsteren Grundton und einigen brutalen Einlagen merklich Atmosphäre verleihen. In anderen Szenen wirkt der Film aber geradezu stümperhaft. Da wird planlos umhergeschwenkt, andauernd gibt es kurze Zooms, die keinen Sinn ergeben und wird in ruhigen Szenen auf schnelle Fahrten Wert gelegt, in denen es unangebracht ist.


Am Ende überwiegt der negative Eindruck einfach zu sehr, als dass hier wenigstens passable Genre-Unterhaltung für zwischendurch herausgekommen ist. "Die Vorsehung" hat gute Darsteller, eine interessante Ausgangslage und einige überaus atmosphärische Momente. All das wird aber durch ein schludriges Drehbuch und eine immer wieder planlose, amateurhafte Inszenierung zunichte gemacht, was zu einem unterdurchschnittlichen Thriller von der Stange führt, der höchstens für einen extrem langweiligen, verregneten Sonntagnachmittag taugt.


4,5 von 10 überraschende Begegnungen in der Bar


von Pat

Review: DER MIETER - Früher Höhepunkt eines Altmeisters!

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Fakten:
Der Mieter (The Lodger)
GB, 1927. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: Eliot Stannard. Mit: Marie Ault, Arthur Chesney, June Tripp, Malcolm Keen, Ivor Novello u.a. Länge: 70 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In London treibt sich ein Frauenmörder herum. Seine Opfer sind junge Frauen mit blondem Haar, am Tatort lässt er eine Notiz mit dem Wort „Rächer“ zurück. Als in der Wohnung von Daisy und ihren Eltern ein mysteriöser und bedrohlicher Untermieter einzieht, befürchtet die Familie den Mörder im eigenen Haus zu haben.






Meinung:
Es gibt wohl kaum Filmfans, die mit dem Namen Alfred Hitchcock nichts anfangen können. Der englische Regisseur, der später in die USA ausgewandert ist, gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten und talentiertesten Männern seiner Zunft. In seiner 50-jährigen Karriere hat er über 50 Filme gedreht und zählt damit wohl auch zu den produktivsten Regisseuren der Filmgeschichte. Trotz dieser Unmenge an Projekten schaffte er es stets sein qualitativ hohes Niveau zu halten und neben einigen Glanzstücken auch unzählige sehenswerte Filme zu drehen. Dabei verwendet der Master of Suspense zahlreiche wiederkehrende Elemente, von denen sich viele schon in seinem Stummfilm „Der Mieter“ finden lassen, ein frühes Ausrufezeichen des späteren Altmeisters und laut eigener Aussage auch sein erster „richtiger“ Film.


Mysteriöser Besuch
1927 hatte sich Alfred Hitchcock schon einen gewissen Namen gemacht. Nach einigen Arbeiten als Regieassistenz realisierte er 1925 seinen eigenen ersten Film als Regisseur („Irrgarten der Leidenschaft“), der von Kritikern und Publikum gleichermaßen positiv aufgenommen wurde. Für „Der Mieter“ hatte er folglich schon etwas mehr Mittel zur Verfügung und konnte seine eigene Vision umsetzen. Zwar musste er das Ende aufgrund der Studios verändern um den Ruf des damaligen Stars Ivor Novello nicht zu schädigen, trotzdem gelang es ihm ein überaus fesselndes und nervenaufreibendes Stück Kriminalfilm zu schaffen. Ivor Novello liefert als namensgebender Mieter eine extrem kraftvolle Performance und stellt gleichermaßen den Entwurf eines bei Hitchcock später immer wiederkehrenden Charaktertyps dar, den zu Unrecht Beschuldigten. Die Figur funktioniert im fertigen Film so ausgezeichnet, weil sie im Zuschauer unterschiedliche, gar widersprüchliche Gefühle auslöst. Zum einen fühlt der Betrachter natürlich mit ihm mit, zu Unrecht angeklagt, gefangen und verurteilt zu werden ist eine grundlegende Angst des Menschen mit der sich viele Zuschauer identifizieren können. Auf der anderen Seite strahlt er mit seinem ungewöhnlichen Verhalten aber auch Unruhe und Bedrohung aus, was wenn er doch schuldig ist? Der Zuschauer weiß nicht genau, was er fühlen soll und allein dadurch baut Hitchcock schon Spannung auf.


Schuldig oder unschuldig?
Auch inszenatorisch beweist Hitchcock bereits seine enormen Fähigkeiten und bietet seinen visuell mit Abstand ausgefallensten Stummfilm, der mit zahlreichen kreativen Einfällen und technischen Spielereien (zum Beispiel einem durchsichtigen Boden) aufwarten kann. Überhaupt schafft es der Altmeister die Geschichte in erster Linie komplett durch Bilder zu erzählen und greift nur selten auf Zwischentitel zurück. So füllt er beispielsweise die ersten 15 Minuten mit einer assoziativen Bilderflut in der er Tatorte, Opfer und die Panik der Bürger beleuchtet. Nach und nach erfährt man auf unterschiedliche Art und Weise neue Informationen über den Killer, Hitchcock zeichnet das Bild einer Stadt in Angst eindrucksvoll und atmosphärisch sehr düster. Als schließlich Ivor Novello an der Tür der Familie auftaucht bringt man als Zuschauer seine stumme und eigensinnige Präsenz mit dem Killer in Verbindung, fürchtet instinktiv um die Familie, aber ist in gewisser Weise auch von der besonderen Erscheinung fasziniert. Über den Film verteilt arbeitet Hitchcock mit zahlreichen Symbolen, am bekanntesten wohl die Handschellen, die zuerst harmlos und spaßeshalber die Tochter der Familie fesseln und später fast zum Todesurteil des unschuldigen Mieters werden. Oder auch der wackelnden Kronleuchter im Zimmer unter dem unheimlichen Mieter, der bei der Familie Unmut und Verdacht erregt. Hitchcock arbeitet immer wieder mit Symbolen wie diesen, die vom Zuschauer instinktiv verstanden und interpretiert werden können und den Film dadurch zu einer sehr stimmigen Einheit aus Form und Inhalt verwandeln.


Mit „Der Mieter“ hat Alfred Hitchcock ein frühes Ausrufezeichen in seiner Karriere gesetzt. Bei seiner Veröffentlichung wurde er als bester britischer Film aller Zeiten gefeiert und verhalf dem jungen Hitchcock zu einem ausgezeichneten Ruf. Dass seine Karriere in den nächsten Jahrzehnten steil bergauf ging muss hier wohl nicht mehr explizit erwähnt werden, doch „Der Mieter“ blieb lange Zeit unerreicht und stellt noch heute einen seiner besten Filme dar. Eine klare Empfehlung für alle, die etwas mit Stummfilmen anfangen können oder sich ausführlicher mit den Anfängen Hitchcocks beschäftigen wollen.


8 von 10 unheimliche Untermieter