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Review: GÄNSEHAUT – Die Monster, die ich schrieb...

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Fakten:
Gänsehaut (Goosebumps)
AU/US, 2015. Regie: Rob Letterman. Buch: Darren Lemke. Mit: Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Ryan Lee, Amy Ryan, Jillian Bell, Ken Marino u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.



Story:
Zach zieht mit seiner Familie von New York in eine Kleinstadt, da seine Mutter dort an einer Schule als Konrektorin eingestellt wurde. Schnell freundet er sich mit Nachbarstochter Hannah an, die allerdings unter der strengen Aufsicht ihres merkwürdigen Vaters zu leiden hat. Was Zach erst noch erfährt: Hannah´s Vater ist R.L. Stine, Autor der berühmten "Gänsehaut"-Romane. Bei einem Zwischenfall öffnet Zach versehentlich eines der älteren Manuskripte von Stine und befreit damit die Monster, die sich in den Zeilen der Bücher befinden.









Meinung:
Der amerikanische Autor R.L. Stine hat mit seinen "Gänsehaut"-Romanen einen Nerv der jugendlichen Leserschaft getroffen und seine Werke wurden zu absoluten Weltbestsellern. Nicht unberechtigt, denn die Geschichten des Autors kombinierten jugendhaften Charme und wirklich schaurige Monster sowie Geschehnisse zu fantasievollen Erzählungen, die dem Namen der Reihe alle Ehre machten. Es war keine Seltenheit, dass man sich in seiner früheren Jugend, im Alter von ungefähr 8-12 Jahren, bei gedämmten Licht in den kreativen, gruseligen Welten von Stine verloren hat. Auch eine TV-Serie, welche die Geschichten detailgetreu umsetzte, fing den Geist der Vorlagen gekonnt ein und war ein Fest für die Fangemeinde der Romane. Nun kommt im Jahr 2016 eine Verfilmung von "Gänsehaut" in die deutschen Kinos und die darf als das große, erste Desaster in diesem Filmjahr bezeichnet werden.


Nanu, was ist jetzt schon wieder passiert?
Zunächst beginnt die Geschichte eigentlich noch recht vielversprechend. Die Handlung, in der jugendliche Protagonisten, das Vorstadtleben aus dem Bilderbuch, Highschool-Mätzchen und krumme Witze geboten werden, fühlt sich ein wenig so an, als hätte man diese Geschichte direkt aus einem der Romane von Stine gezogen und für eine zeitgemäße Adaption aufgepeppt. Gespannt wartet man darauf, wann sich der Grusel mit ersten, bedrohlichen Schritten nähert und schließlich zuschlägt, bis auf einmal das Konzept des restlichen Streifens aufgedeckt wird. Die Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski haben aus den Vorlagen ein Meta-Setting erdacht, in dem R.L. Stine selbst als Figur eingebaut wird und gegen die Monster aus seinen eigenen Werken ankämpfen muss. "Gänsehaut" wirkt dabei inszenatorisch so krampfhaft auf nostalgische 80er-Jahre-Abenteuer-Familienunterhaltung mitsamt typischem Score von Danny Elfman getrimmt, dass einem bisweilen schwindelig vor Augen wird, was keineswegs positiv zu verstehen ist. Aus wirklich furchteinflößenden Monstern und kreativ erdachten Kreaturen werden hier überdrehte, nicht wirklich überzeugend animierte Comic-Wesen, die in einem völlig überzogenen Spektakel von einem lärmenden Setpiece zum anderen gejagt werden, wo die Protagonisten vor ihnen wegfahren oder davonrennen.


Was für ein Kasperletheater!
Alleine der Titel "Gänsehaut" ist reiner Etikettenschwindel, denn die kommt hier in wirklich keiner einzigen Szene auf und dient lediglich dazu, aus einer erfolgreichen und sehr beliebten Reihe den letzten Funken an Profit auszuschlachten. Zwar waren die Bücher auch für junge Leser konzipiert, doch der familienfreundliche, extrem seichte und noch dazu durchgängig auf unterhaltsame, aber in Wirklichkeit peinlich danebengehende Witze ausgelegte Tonfall in dieser Verfilmung machen aus "Gänsehaut" regelrechte Denkmalschändung. Nach der ausführlichen Einleitung, die wie schon erwähnt immerhin etwas zu punkten vermag, verkommt der Film zur reinen Effekt-Orgie, bei dem bemühte Selbstreferenzialität, grelles Spektakel und altbackene Klischees aus Mainstreamfilmen vergangener Jahrzehnte eine ungenießbare Mischung ergeben. Dass hier sämtliche Monster aus den Vorlagen irgendwie in den Film gestopft wurden, stimmt einen als Liebhaber der Bücher eher traurig, wenn beispielsweise ikonische Figuren wie Slappy, die sprechende Puppe, zum albernen Comic-Relief verkommen und ihre unheimliche Aura vollständig verlieren. Ansonsten erhält man mit Dylan Minnette und Odeya Rush ein blasses Hauptdarsteller-Duo, welches ihre Figuren auch noch durch eine klischeebehaftete, sich anbahnende Teenie-Romanze manövrieren muss, während Ryan Lee mit seinem Sidekick Champ eine der nervigsten Nebenfiguren seit langer Zeit verkörpert. Bleibt noch Jack Black als R.L. Stine höchstpersönlich, der zwar mit seinem gewohnten Charisma punkten kann, als überzogener und bisweilen fast schon cholerischer Charakter aber ebenfalls seltsam deplatziert wirkt. 



Wer die "Gänsehaut"-Bücher wirklich geliebt hat und sich nostalgische Erinnerungen an eine frühe Jugend bewahren möchte, sollte um diese Verfilmung lieber einen großen Bogen machen. "Gänsehaut" tritt die Vorlagen mit Füßen, greift mit seinem unlustigen Meta-Ansatz komplett daneben und beraubt die ikonischen Monster und Kreaturen der Romane beinahe vollständig ihrer schaurigen Ausstrahlung. Wer die Romane überhaupt nicht kennt, kann sich die Zeit vielleicht wenigstens kurzweilig mit dieser kruden Effekt-Orgie bestehend aus generischen Szenenabläufen und greller Überzogenheit vertreiben. Man kann es aber auch einfach sein lassen.





3 von 10 Werwölfe im Supermarkt

Review: SEX TAPE – Schäferstündchen mit chaotischen Folgen

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Fakten:
Sex Tape
USA. 2014. Regie: Jake Kasdan. Buch: Nicholas Stoller, Jason Segel, Kate Angelo. Mit: Cameron Diaz, Jason Segel, Rob Corddry, Rob Lowe, Jack Black, Nat Faxon, Ellie Kemper u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 15. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich..


Story:
Ein kleines, privates Sex Tape, soll das Liebesleben des Ehepaares Jay und Annie wieder in Schwung bringen. Und tatsächlich, es funktioniert. Zu doof nur, dass das Video durch einen Fehler zu den iPads ihrer Bekannten und Freunde geschickt wurde. In einer Nacht- und Nebelaktion müssen Jay und Annie versuchen an diese iPads zukommen, um ihr Sex Tape zu löschen.





Meinung:
Die Welt steht ja bereits Kopf, wenn über Nacht plötzlich Nacktfotos von irgendeinem Hollywoodsternchen in den Weiten des World Wide Web auftauchen. Man möchte daher wohl auch gar nicht wissen, zu welch medialem Amoklauf geblasen wird, wenn man ein privates Sexvideo von Schauspielgrößen wie etwa Brad Pitt („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“), Kate Winslet („Der Gott des Gemetzels“) oder auch Mark Wahlberg („Transformers 4: Ära desUntergangs“) vor Augen bekommt. Aber was für Konsequenzen stecken denn eigentlich hinter so einem Video? Mal abgesehen davon, dass die Phantasien eines jeden dahergelaufene Ottos nun beim nächtlichen Handanlegen nochmal um einige Impressionen ausgebaut wurden, bedeutet dieser intime Einblick in die Privatsphäre womöglich auch das jähe Ende der eigene Karriere, da man sich von den daraus resultierenden Stigmatisierung einfach nicht mehr lösen kann. Und damit finden wir uns nicht nur in der Filmbranche wieder, sondern auch im Alltag von ganz „normalen“ Menschen.


Annie hat sich fürs Sex Tape korrekt gekleidet
Bevor wir einen solchen Vorfall nun aber auf die soziologischen Ausmaße abtasten, sollte besser der Tonfall geändert werden, denn „Sex Tape“ von Jake Kasdan ist kein seriöses Projekt, das sich auf die Agenda geschrieben hat, die existentiellen Ängste wie den möglichen Verlust des sozialen Stands zu beschreiben, sondern ein waschechtes R-Rated-Comedy-Vehikel, das durch seine schlüpfrige Thematik um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt. Das lodernde Feuer der Ehe von Annie (Cameron Diaz, „The Counselor“) und Jay (Jason Segel, „Nie wieder Sex mit der Ex“) flackert nur noch auf Sparflammenniveau und nachdem sich auch noch zwei Kinder dazugesellt haben, wurde es um die früher so exzessiv betriebene Bettaktivität äußerst still. Um neuen Pfiff in ihre Beziehung zu bringen, entscheiden sie sich dazu, ein 3-stündiges Sexvideo mit ihrem iPad aufzunehmen und zu alter Stärke zurückzufinden. Blöd nur, dass Jay vergessen hat, dass er sein iPad mit anderen iPads synchronisiert hat und das Video direkt in die Cloud hochgeladen hat, wo nun jeder nach Lust und Laune darauf Zugriff hat.


Die Dreharbeiten beginnen
„Sex Tape“ schert sich nicht um erwachsene Themen, die das (post-) pubertäre Standardgeplänkel aus dem R-Rated-Jargon auch nur eine Sekunde überschreiten. Dass hier darauf hingewiesen wird, dass sich eine Beziehung mit den Jahren so manche Veränderungen gefallen lassen muss, tut nichts zur Sache, dient dieser Aspekt doch nur als reines Mittel zum Zweck, um die große Hetzjagd nach den anderen iPads zu starten und von einem dumpfen Gag zum nächsten absehbaren Kalauer zu trotteln. Neben dem Voll-in-die-Fresse-Product-Placement, das „Sex Tape“ geradezu im Sekundentakt betreibt, wird sich kläglich um Nonchalance bemüht, um dann in hochnotpeinlichen Sequenzen zu kulminieren, in denen der obligatorische Gummidildo natürlich nicht fehlen darf. Es sind letztlich tatsächlich nur zwei Szenen, die „Sex Tape“ irgendwie als Komödie bestätigen, was der ansonsten doch erschreckend biederen Angelegenheit und ihren Ambitionen doch einen heftigen Schlag in die Weichteile erteilt: Rob Lowe ist als sich von Slayer beschallender und Koks ziehender Hank Rosenbaum äußerst amüsant, während Jack Black als Chef von YouPorn etwas Pepp generiert.


Ansonsten aber ist „Sex Tape“ so unterhaltsam und witzig, wie ein Best-of vom späteren Fips Asmussen und genauso romantisch wie der Kosename „Blitzständer“. Dass Cameron Diaz durchaus komödiantisches Talent besitzt, hat uns die Frau unlängst im Meisterwerk „Verrückt nach Mary“ bewiesen und auch Jason Segel ist nicht ganz unfähig, was ihrem Zusammenspiel wenigstens zeitweise etwas Harmonie verleiht. Letztlich aber ist Jake Kasdan mit „Sex Tape“ nichts gelungen, was irgendwie relevant erscheint, nichts, was sich nochmal zu Gemüte führen möchte, sondern nur ein biederes Abklopfen lahmarschiger Gags aus der Retorte.


3,5 von 10 Saltos auf den Schoß


von souli

Review: WATERWORLD – Ein von Größenwahn getriebenes Mammutprojekt

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Fakten:
Waterworld
USA. 1995. Regie: Kevin Costner, Kevin Reynolds. Buch: David Twohy, Peter Rader. Mit: Kevin Costner, Jeanne Tripplehorn, Tina Majorino, Dennis Hopper, Michael Jeter, Kim Coates, Sean Whalen, Jack Black, Robert LaSardo, Leonardo Cimino, Robert Joy, R.D. Call, Jack Kehler, Lee Arenberg, Gerald Murphy u.a. Länge: 130 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nachdem die Polkappen schmolzen ist die gesamte Erde von Wasser bedeckt. Die wenigen Überlebenden hausen auf Booten, Flößen oder riesigen, künstlich erbauten Atollen. Der namenlose Mariner, der eines dieser Atolle besucht um dort Handel zu betreiben, wird Zeuge wie blutgierige Piraten, die sogenannten Smoker, angreifen, da sie glauben ein dort lebendes Mädchen, die kleine Enola, wäre der Schlüssel zu sagenumwobenen „Dryland“. Enola und ihre Ziehmutter Helden können mit dem Mariner flüchten, doch die Smoker sind ihnen auf den Fersen.





Meinung:
Was war Kevin Costner Anfang der 1990er Jahre doch für eine extrem gefragte Type: Für seine famose Regiedebüt „Der mit dem Wolf tanzt“ wurde er mit Auszeichnungen geradezu überschüttet und stieg endgültig auf in die Ruhmeshalle der hollywood'schen Superstars. „Robin Hood – König der Diebe“ konnte er als Zugpferd heldenhaft zu einem der erfolgreichsten Blockbuster der Dekade führen, während er in Oliver Stones Opus Magnum „JFK – Tatort Dallas“ und Clint Eastwoods Road-Movie „Perfect World“ schlagkräftige Argumente dafür ablieferte, warum man ihn auch als männlicher Filmfreund nur zu gerne gesehen hat. Aber wie das nun mal so in dieser zuweilen ungemein kurzlebigen Branche ist, überdauerte das entzückte Lied der Jubelchöre keinen allzu großen Zeitraum, bis jene im Jahre 1995 dann auch vollends verstummten: „Waterworld“ erblickte das Licht der Welt, doch niemand wollte sich so recht an seiner Gegenwart erfreuen.


Hat einen schlechten Tag und eine schlechte Rolle: Dennis Hopper
Seiner Zeit ging „Waterworld“ schon deswegen in die Geschichte ein, weil er mit einem Budget von 175 Millionen Dollar zum teuersten Film aller Zeiten konnotiert wurde. Ein Mammutprojekt also, das sich in vielerlei Hinsicht einem gewaltigen Erwartungsdruck ausgeliefert sah. Warum „Waterworld“ letztlich ein solch kostspieliges Unterfangen wurde (der eigentliche Budgetpunkt wurde um unfassbare 75 Millionen Dollar gesprengt), lässt sich leicht diagnostizieren: „Waterworld“ frönt einen brachialen Drang zum Materialismus. Alles, bis auf ein megalomanisches Seeungeheuer, wurde mittels enormer Kulissenarbeit auf die Beine gestellt. Das bringt natürlich den Vorteil, dass „Waterworld“ zweifelsohne ein sehr physisches, sehr plastisches Erlebnis in seiner Wahrnehmung geworden ist. Dass man allerdings den gesamten Film tatsächlich auf dem Meer und nicht in riesigen Wassertanks gedreht hat, wie es seit „Der Sturm“ Gang und Gäbe war, lässt sich nur als fatalen Fehler deklarieren.


Hat Nemo auch noch nicht gefunden: der Mariner
Immer wieder wurden Sets auf offener See zerstört, was „Waterworld“ zu einer ökonomischen Katastrophe werden ließ und den finanziellen Rahmen mit dem Kopf voraus durchbrach. Dennis Hopper wurde langsam ungeduldig und suchte in aller Regelmäßigkeit das Streitgespräch mit den Verantwortlichen, das Drehbuch musste zigmal überarbeitet werden (auch von „Marvel's The Avengers“-Regisseur Joss Whedon) während sich der eigentliche Regisseur Kevin Reynolds mit seinem Star Kevin Costner ebenfalls des Öfteren in die Wolle bekommen hat. Nicht umsonst besteht das Gerücht, dass nicht Reynolds für die Regie an „Waterworld“ verantwortlich war, sondern allein Kevin Costner. Ein Fiasko. Allerdings ein Fiasko, das den Weg in die Kinos gefunden hat und sich deshalb auch unweigerlich den Schmährufen seiner Rezipienten stellen muss. Was man „Waterworld“ allerdings zweifelsohne zu Gute halten muss: Die Prämisse ist eine ansprechende und hätte das Zeug dazu gehabt, einen wunderbaren Blockbuster anzuführen.


"Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist blau."
„Waterworld“ verlagert sich in einer postapokalyptischen Zeitrechnung, die Mutter Erde zum vollständig Ozeanplaneten erklärte: Die Polkappen sind geschmolzen und die Kontinente fast vollständig im blauen Nass versunken. Die Menschen hausen auf Booten und schwimmenden Atollen. So auch der Mariner (Kevin Costner), der komplett auf sich gestellt mit seinem Trimaran durch die Meere schippert und den ein oder anderen Handel eingeht: Erde nämlich ist logischerweise von nun an das höchste Gut. Natürlich bleibt es nicht bei dem gemütlichen Segeltörn, sondern eine skrupellose Piratenbande unter dem Kommando von Deacon (Dennis Hopper) bedroht die letzten Überlebenden einem alten Öltanker. Man kann sich jetzt ausrechnen, worauf das Ganze hinauslaufen wird, wenn man der Synopsis folgende Information anheftet: Der Mariner bleibt kein Loner, ihm schließen sich noch eine junge Mutter (Jeanne Tripplehorn) und ihre Tochter Enola (Tina Majorino) an. Eine – bezogen auf ihre Möglichkeiten – interessante Welt, wird für das denkbar langweiligste Figurenkonstrukt geopfert.


Die Querverweise an „Mad Max“ sind unübersehbar und während der Mariner sein sogar eigenes Urin recycelt, bereitet „Waterworld“ sämtliche Western-Motive auf. Doch das ist alles viel zu fantasielos ineinander montiert, es fehlt der Freude am eigenen Größenwahn und die 130 minütige Spielzeit mausert sich zunehmend zum spaßbefreiten, trägen und leblosen Krampf. Kevin Costner gilt seit „Waterworld“ als Kassengift, dabei hat der Mann durchaus das Zeug dazu, ein großartiger Schauspieler zu sein, wenngleich ihm das letzte Quäntchen, die Wandelbarkeit, fehlt. Als Mariner passt er sich dem gesamten Eindruck an: Unmotiviert kurbelt er seine Erlöserrolle runter, schlägt, schießt und tötet Ungeheuer, um anschließend ihre Augen zu essen. Wirklich ulkig ist dagegen Dennis Hopper, dessen Acting zwar absoluter Trash ist, doch er scheint sich ebenfalls daran amüsieren zu können. Selbstironie, Lockerheit, Abenteuerlust, genau das fehlt diesem bleiernen, diesem zähen Desaster.


3,5 von 10 Schwimmhäuten zwischen den Zehen


von souli

Review: DER SCHAKAL – ORIGINAL & REMAKE – Vom suggestiven Thriller zum stumpfen Affront

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Fakten:
Der Schakal (The Day of the Jackal)
USA. 1973. Regie: Fred Zinnemann. Buch: Kenneth Ross, Frederick Forsyth (Vorlage). Mit: Edward Fox, Michael Lonsdale, Derek Jacobi,
Delphine Seyrig, Tony Britton, Michael Auclair, Olga George-Picot, Donald Sinden, Ronald Pickup, Cyril Cusack, Anton Rodgers, Jean Sorel u.a. Länge: 145 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Frankreich, 1962: Die rechtsextreme Untergrundorganisation OAS beauftragt den Auftragskiller „Schakal“, um den französischen Staatspräsident Charles de Gaulle zu töten. Die bisherigen Attentatsversuche der OAS scheiterten alle wegen Verrätern innerhalb der Gruppierung. Um das Geld für den Schakal zu bekommen, überfällt die OAS einige Banken, was den französischen Abschirmdienst aufhorchen lässt. Schnell wird ihnen klar, dass die Organisation etwas plant. Nur was?





Meinung:
Als glänzendes Juwel des 1970er Jahre Kinos, wurde Fred Zinnemanns Polit-Thriller „Der Schakal“ auch das Privileg zuteil, den hochkarätigen Jahrgang zusammen mit Filmen wie „Der Exorzist“, „Papillon“, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ und „Serpico“ zu belegen – Wobei die Hochachtung hier letztlich zweifelsohne auf Gegenseitigkeit beruhen muss. „Der Schakal“ ist eines dieser Werke, wie man sie heute in dieser Form nur noch als reine Rarität bezeichnen darf; ein Film, der seiner Geschichte kompromisslos alles unterordnet, keinen Wert auf obligatorische Spannungsspitzen legt und trotzdem durchweg aufregend ist. In seiner minutiösen Positur schafft Zinnemann es durch die ungemein konzentrierte Inszenierung eine Eindringlichkeit zu entfachen, die gefangen nimmt, die in ihrer akribischen Detailbesessenheit und dem höchsten Anspruch auf Realismus und Logik schlichtweg begeistert. Gedreht an herrlichen europäischen Schauplätzen samt kulturellen Wahrzeichen, erweckt „Der Schakal“ nicht nur dadurch den Eindruck, ein eher europäisch orientierten Thriller sein zu wollen. Wie sich die filmische Fiktion in den Kontext historischer Tatsachen (Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich) stellt, beißt sich der Staatsapparat in die verzweifelte Jagd nach dem Profikiller 'Schakal' (Edward Fox). Das Finale enttäuscht etwas, wirkt abgehakt, der Rest ist große Kunst, die ihr Publikum noch ernst nimmt.


7,5 von 10 einbeinigen Kriegsveteranen




Fakten:
Der Schakal (The Jackal)
USA. 1997. Regie: Michael Caton-Jones. Buch: Chuck Pfarrer, Frederick Forsythe (Vorlage). Mit:
Bruce Willis, Richard Gere, Sidney Poitier, Diane Venora, Jack Black, J.K. Simmons, Mathilda May, John Cunningham, Richard Lineback, Peter Sullivan, Tess Harper u.a. Länge: 124 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bei einer Razzia wird ein hochrangiges Mitglied der russischen Mafia erschossen. Dessen Vater sinnt auf Rache und beauftragt den teuersten, aber auch den besten Profikiller: den Schakal. Das FBI erfahrt davon, da aber nur der inhaftierte Ex-IRA-Scharfschütze Declan Mulqueen den Schakal kennt, arbeitet das FBI mit ihm zusammen.





Meinung:
Michael Caton-Jones' „Der Schakal“ ist nicht nur ein Gegenentwurf zu Fred Zinnemanns famosen Polit-Thriller, Caton-Jones' „Der Schakal“ ist ein echter Affront gegen das Original, der sich in die müde Ausrede flüchtet, doch unbedingt als 'freie Interpretation' verstanden zu werden. Natürlich kann die 1997er-Version es zu keiner Zeit mit dem Zinnemann/Forsyth-Stoff aufnehmen, weil er all die suggestiven Attribute des Klassikers mit Füßen tritt: War das politisch angespannte Klima Frankreichs der 1960er Jahre von Fred Zinnemann ohne reißerische Plakative greifbar gemacht worden, schafft es die Neuverfilmung nie wirklich, ein echtes Bedrohungsszenario auf die Beine zu stellen und schwankt von einer beliebigen Action-Sequenz zur nächsten. Bruce Willis soll seine Wandlungsfähigkeit als Schauspieler unter Beweis stellen, verkommt aber zur sadistischen Knallcharge, während Frauenschwarm Richard Gere sich mal wieder gegen sein Image zu stemmen versucht, anfangs auch erfrischend anders wirkt, sich spätestens nach einer halben Stunde aber schon der überkandidelten Verkrampftheit geschlagen gibt. „Schön“ ist es da nur, dass es Sidney Poitier durch sein routiniertes Acting gelegentlich ganz gut gelingt, den ganzen Unfug irgendwie zusammenzuhalten. Vergessenswert ist dieser Schabrackenschakal dennoch. Und wie.


3,5 von 10 einarmigen Waffenverkäufern


von souli

Review: KING KONG – Wenn Schönheit zum Verhängnis wird

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Fakten:
King Kong
USA, Neuseeland. 2005. Regie: Peter Jackson.
Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson. Mit: Naomi Watts, Adrien Brody, Jack Black, Colin Hanks, Jaime Bell, Thomas Kretschmann, Andy Serkis, Kyle Chandler, Evan Parke, Lobo Chan, John Sumner, Craig Hall u.a. Länge: 180 Minuten (Kinofassung), 201 Minuten (erweitere Fassung, auf Blu-ray erhältlich). FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Filmmacher Carl will unbedingt seinen Film drehen, deswegen pfeift er auf seine Produzenten und kapert reglrecht Teile der Crew und fährt mit ihnen auf eine mysteriöse, entlegene Insel. Dort wird der Star des Films, die mittellose Aktrice Ann, von den Eingeborenen entführt und dem Riesenaffen Kong als Opfer dargeboten.





Meinung:
Wie schön muss es doch sein, den Helden seiner Kindheit nicht nur auf dem Spielplatz Tribut zollen zu dürfen, sondern auch die Möglichkeit zu bekommen, ihnen ein rechtmäßiges Plätzchen mit einem Budget von über 200 Millionen Dollar auf der Kinoleinwand zu schenken. Dem neuseeländischen Fantasten Peter Jackson wurde dieses immense Privileg zu Teil und er bekam die Chance „King Kong und die weiße Frau“, seinen Lieblingsfilm aus Kindertagen, neuzuverfilmen. Natürlich hat ihm dazu auch der enorme Erfolg seiner „Der Herr der Ringe“-Trilogie verholfen, für die Peter Jackson seiner Person bereits Legendenstatus verleihen konnte. Doch die Erwartungshaltung, die nach „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ in astronomische Höhenlagen geschnellt ist, konnte sich nur negativ auf alles Kommende seitens Peter Jackson auswirken. „King Kong musste also zu einem dieser Projekte verdammt werden, die, trotz ihrer qualitativen Klasse, die Fans und Kritiker enttäuschen, einfach weil sie gezwungen sind, ihr Dasein im Schatten ihrer omnipräsenten Vorgänger zu fristen.


Süß, ein Gecko
Dabei entzieht sich der direkte Vergleich zwischen „King Kong“ und der „Herr der Ringe“-Saga eigentlich jeder Verhältnismäßigkeit, sind die Voraussetzungen und die Absichten doch ganz andere gewesen. Wie gut also ist „King Kong“, die Herzensangelegenheit, der verwirklichte Traum, nun wirklich? Peter Jackson, und das ist bei der persönlichen Verbindung, die er zur Vorlage pflegt, eigentlich nur logisch, betonte mehrfach, dass er „King Kong“ allein für sich drehen würde – Ein Schutzmechanimus, der ein bevorstehendes Echo aus Buhrufen von vornherein neutralisieren sollte? Wohl kaum. Eher die klare Ansage, dass wir es hier mit einem Film zu tun bekommen werden, der mit einer gewissen Nostalgie verstrickt und aus der kindlichen Perspektive erzählt wird: Ein Abenteuer, das für leuchtende Augen und herunterklappende Kinnladen sorgen soll, ganz im Stil der früheren Magie eines Steven Spielbergs. Aber um die Ausgangsfrage zu beantworten, wie gut „King Kong“ nun wirklich ist: Sehr gut, aber beileibe kein Meisterwerk.


Kaum zu glauben, dass da Gollum hinter steckt
Die Exposition im rekonstruierten New York des Jahres 1933 zeigt, wie geschliffen und detailverliebt heutige Animatorenteams für ein derartiges Period-Picture arbeiten können: Die Gebäude wurden in historischer Akkuratesse nachempfunden und das Gefühl der Großen Depression jener Tage schleicht plastisch durch die exzellenten Aufnahmen. So weit das Auge reicht, so tief die Kamera schwenkt, wird dem Zuschauer ein nuanciertes Meer aus urbanen Impressionen offenbart, in dem sich unsere Protagonisten langsam zusammenfinden. „King Kong“ lässt sich bald mehr als 70 Minuten Zeit, bis er auf der mystischen Insel Skull Island ankommt, positioniert reichhaltige visuelle Metaphern in das Geschehen und kennt dann, wenn die Schiffscrew und das Filmteam auf der Insel angekommen, kein Halten mehr: Im Stakkato nämlich lässt Peter Jackson megalomanische Action-Szenen auf den Zuschauer einprasseln, konfrontiert ihn erst mit dem Ritual der hiesigen Eingeborenen, bei dessen Anblick man sich klammheimlich ersehnt, Jackson würde doch mal eine echte Kannibalen-Replik inszenieren, um dann den unwirtlichen Dschungel unsicher zu machen.


Diese vier waren echt vom Hobbit enttäuscht
Riesige Mammutbäume werden aus dem Boden gestampft, Wasserfälle brechen aus den Geröllwänden, Sümpfe erstrecken sich durch den ganzen Urwald und opulente Gesteinsbrücken wie Felsspalten verknüpfen mehrere tropische Zonen ineinander, die den Zuschauer in ihrer Anmut durchweg entzücken. Irgendwo und immer mittendrin befinden sich nicht nur Ann Darrow (Naomi Watts, „Tage am Strand“), die dem Riesengorilla zeremoniell geopfert wird, oder Carl Denham (Jack Black, „School of Rock“), Jack Driscoll (Adrien Brody, „Der Pianist“), Jamie Bell („Nymphomaniac“) und Bruce Baxter (Kyle Chandler, „The Wolf of Wall Street“), die die blonde Dame aus den Fängen des augenscheinlichen Ungeheuers zu retten versuchen. Auch allerhand prähistorische Monster bekommen ihren großen Auftritt: Dinosaurier tummeln sich hier wie im „Jurassic Park“, mutierte Insekten schlängeln sich durch die Baumstämme, während hier und da noch seltsameres Fischgetier unter Wasser Jagd auf die Menschen macht. Da kommt es dann auch mal zu einer Saurierlawine – Hauptdarsteller: Der Diplodocus – und fertig ist der eskapistische Rausch in Reinform.


Das Drehbuch von „King Kong“ aber macht den Fehler, den Zuschauer in dieser – einzig auf die Dramaturgie, nicht auf die Visualisierung bezogen - leider auch sehr absehbaren Gigantomanie schnell zu übersättigen. Wenn King Kong, der einsame acht Meter große Gorilla, dessen letzter Artgenosse den Eingang seiner Höhle mit seinem überdimensionalen Skelett ziert, inmitten verhangener Lianen in luftiger Höhe gegen gleich drei Dinosaurier kämpft, während er gleichzeitig Ann Darrow durch die Gegend jongliert, dann ist das schon etwas zu viel des Guten, wenngleich derlei Bilder das Kind in einem zum Staunen bringen werden. Wenn wir dann wieder im verschneiten New York angelangt sind, die Mythologie um Skull Island erschöpft ist und die Ruinen einer primitiven Zivilisation unbehandelt im Nirgendwo belassen werden, kommt es zur dramatischen wie ikonischen Klimax: Der Affe besteigt das Empire State Building, die Schönheit der blonden Frau wird sein Verhängnis. „King Kong“ entzieht sich jedweder Rationalität, das ist immer wieder wichtig zu betonen, geht es doch durchweg um Emotionen. In diesem „King Kong“, einer respektvollen Hommage, allerdings sind es besonders Peter Jacksons Emotionen, die nahezu überschwappen.


6,5 von 10 gebrochenen Kiefern


von souli