Posts mit dem Label Monster werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Monster werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: I AM NOT A SERIAL KILLER - Von Soziopathen und anderen Monstern

Keine Kommentare:


                                                                    


Fakten:
I Am Not a Serial Killer
GB, IE, 2016. Regie: Billy O’Brien. Buch: Billy O’Brien, Christopher Hyde, Dan Wells (Vorlage). Mit: Max Records, Christopher Lloyd, Laura Fraser, Christina Baldwin, Karl Geary, Dee Noah, Lucy Lawton, Anna Sundberg, Raymond Brandstorm, Michael Paul Levin u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die bis dahin verschlafene Kleinstadt Clayton wird durch eine bestialische Mordserie erschüttert. Der Teenager John Cleaver - dem selbst eine soziopathische Störung diagnostiziert ist und täglich dagegen ankämpft, nicht gewissen Grenzen zu überschreiten – glaubt hinter die Identität des Killers gekommen zu sein. Sein greiser, augenscheinlich völlig harmloser und liebenswerter Nachbar Crowley, der offenbar ein düsteres Geheimnis verbirgt.

                                                                             
Meinung:
Jede Stadt hat ihre Monster. So auch Clayton, der Inbegriff der langweiligen, dafür gutbehüteten, friedvollen US-Kleinstadt-Idylle im nicht gerade für großes Spektakel verrufenen Mittleren Westen. Das Familienunternehmen der Cleavers – ein von zwei Schwestern betriebenes Bestattungsinstitut – kann sich über mangelnde Beschäftigung nicht länger beschweren, auch wenn sie nur bedingt erfreut sind über den sprunghaften Anstieg ihres Gewerbes. Eine äußerst brutale Mordserie sucht die Gemeinde heim, die Opfer werden förmlich in Fetzen gerissen, einzelne Organe und Extremitäten sind nach den Massakern spurlos verschwunden. Während die Bevölkerung angewidert und selbstredend mit großer Furcht reagiert, ist John Wayne Cleaver – der 15jährige Sprössling und Gelegenheitsgehilfe im familiären Betrieb – mehr fasziniert als geschockt.


Keine Panik: Weder Cro noch The Purge 4, das hier ist gut
Denn John beschäftigt sich schon lange fast obsessiv mit Serienkiller, jedoch nicht aus rein makabren Gelüsten. Er selbst ist als soziopathisch diagnostiziert, befinden sich in Dauertherapie, reflektiert sich und sein Leiden ausgiebig und ist sich seiner Störung sehr bewusst. Weiß auch, dass er sich aufgrund seiner eingeschränkten Empathiefähigkeit immer an einer gefährlichen Grenze bewegt, weswegen er eigene, klare Regeln und Verhaltensmuster aufgestellt hat, die eine eventuelle Eskalation verhindern sollen. Der positive Nebeneffekt des Ganzen: Es macht ihn zu einer Art Amateur-Profiler, der anders, analytischer, sachlicher denkt. „Seinesgleichen“ näher ist und somit schnell auf die (vermutlich) richtige Fährte kommt. Wen er als potenziellen Täter entlarvt und was er dabei Unglaubliches zu sehen bekommt scheint allerdings nicht nur abwegig und surreal, sondern lässt den Zuschauer – besonders wegen der persönlichen Vorgeschichte des (Anti?)Helden – nicht unbegründet Zweifeln, ob er einer objektiven oder subjektiven, krankhaften Sichtweise ausgesetzt ist. Das reicht in der Regel schon für einen interessanten Plot, aber – so viel darf ruhig verraten sein – der gleichnamigen Romanverfilmung ist es eindeutig nicht daran gelegen, eine Richtung ganz konsequent zu bedienen, worin ein großes Wagnis besteht und I Am Not a Serial Killer - unabhängig davon ob man dieses als gelungen oder gescheitert ansehen mag – nur schwer bis gar nicht als Massenware verkaufbar macht.


Tatsächlich wirkt der Film im ersten Moment gelegentlich unausgegoren, wenn er sich an gewisse Genre-Konventionen anlehnt und diese kurz danach wieder fallen lässt…um sie später wieder aufzugreifen und erneut zu ignorieren. Die teilweise wüst anmutende Mischung aus Comig-of-Age-Psychodrama, Serienkiller-Film und Fantasy-Horror erfindet sich durchgehend neu, nicht immer ohne Ecken und Kanten, erzeugt dabei einen faszinierende Brei, der sich sichtlich vom Geist der typischen Stephen-King-Erzählungen ernährt und trotzdem seinen ganz individuellen Stil findet. Die Adaption eines aus der rückblickenden Ich-Perspektive erzählten Romans kann unmöglich dessen Narration rekonstruieren und muss dementsprechend Abstriche machen, einen anderen Pfad finden, der vielleicht nicht optimal ist, aber sich unter den Umständen mehr als respektabel aus der Affäre zieht. Der Film transportiert trotz Umwegen und Ausreißern die Stimmung der Grundidee bemerkenswert, nicht zu Letzt wegen der starken Inszenierung von Billy O’Brien und dem guten Cast, in vorderster Front der lange selten in Erscheinung getretene Christopher Lloyd. Liebe und Tod, Erwachsenwerden und (Aus)Sterben und besonders Gut und Böse bzw. der schmale, ambivalente Grat dazwischen werden thematisiert, mit etwas Thrill, etwas Humor, etwas Fantasterei und einer leicht romantischen Ader versehen. Muss und wird nicht jedem gefallen, aber dafür werden solche Filme auch nicht gemacht. 

7 von 10 Gedichten am Kamin

Review: GÄNSEHAUT – Die Monster, die ich schrieb...

Keine Kommentare:

Fakten:
Gänsehaut (Goosebumps)
AU/US, 2015. Regie: Rob Letterman. Buch: Darren Lemke. Mit: Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Ryan Lee, Amy Ryan, Jillian Bell, Ken Marino u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.



Story:
Zach zieht mit seiner Familie von New York in eine Kleinstadt, da seine Mutter dort an einer Schule als Konrektorin eingestellt wurde. Schnell freundet er sich mit Nachbarstochter Hannah an, die allerdings unter der strengen Aufsicht ihres merkwürdigen Vaters zu leiden hat. Was Zach erst noch erfährt: Hannah´s Vater ist R.L. Stine, Autor der berühmten "Gänsehaut"-Romane. Bei einem Zwischenfall öffnet Zach versehentlich eines der älteren Manuskripte von Stine und befreit damit die Monster, die sich in den Zeilen der Bücher befinden.









Meinung:
Der amerikanische Autor R.L. Stine hat mit seinen "Gänsehaut"-Romanen einen Nerv der jugendlichen Leserschaft getroffen und seine Werke wurden zu absoluten Weltbestsellern. Nicht unberechtigt, denn die Geschichten des Autors kombinierten jugendhaften Charme und wirklich schaurige Monster sowie Geschehnisse zu fantasievollen Erzählungen, die dem Namen der Reihe alle Ehre machten. Es war keine Seltenheit, dass man sich in seiner früheren Jugend, im Alter von ungefähr 8-12 Jahren, bei gedämmten Licht in den kreativen, gruseligen Welten von Stine verloren hat. Auch eine TV-Serie, welche die Geschichten detailgetreu umsetzte, fing den Geist der Vorlagen gekonnt ein und war ein Fest für die Fangemeinde der Romane. Nun kommt im Jahr 2016 eine Verfilmung von "Gänsehaut" in die deutschen Kinos und die darf als das große, erste Desaster in diesem Filmjahr bezeichnet werden.


Nanu, was ist jetzt schon wieder passiert?
Zunächst beginnt die Geschichte eigentlich noch recht vielversprechend. Die Handlung, in der jugendliche Protagonisten, das Vorstadtleben aus dem Bilderbuch, Highschool-Mätzchen und krumme Witze geboten werden, fühlt sich ein wenig so an, als hätte man diese Geschichte direkt aus einem der Romane von Stine gezogen und für eine zeitgemäße Adaption aufgepeppt. Gespannt wartet man darauf, wann sich der Grusel mit ersten, bedrohlichen Schritten nähert und schließlich zuschlägt, bis auf einmal das Konzept des restlichen Streifens aufgedeckt wird. Die Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski haben aus den Vorlagen ein Meta-Setting erdacht, in dem R.L. Stine selbst als Figur eingebaut wird und gegen die Monster aus seinen eigenen Werken ankämpfen muss. "Gänsehaut" wirkt dabei inszenatorisch so krampfhaft auf nostalgische 80er-Jahre-Abenteuer-Familienunterhaltung mitsamt typischem Score von Danny Elfman getrimmt, dass einem bisweilen schwindelig vor Augen wird, was keineswegs positiv zu verstehen ist. Aus wirklich furchteinflößenden Monstern und kreativ erdachten Kreaturen werden hier überdrehte, nicht wirklich überzeugend animierte Comic-Wesen, die in einem völlig überzogenen Spektakel von einem lärmenden Setpiece zum anderen gejagt werden, wo die Protagonisten vor ihnen wegfahren oder davonrennen.


Was für ein Kasperletheater!
Alleine der Titel "Gänsehaut" ist reiner Etikettenschwindel, denn die kommt hier in wirklich keiner einzigen Szene auf und dient lediglich dazu, aus einer erfolgreichen und sehr beliebten Reihe den letzten Funken an Profit auszuschlachten. Zwar waren die Bücher auch für junge Leser konzipiert, doch der familienfreundliche, extrem seichte und noch dazu durchgängig auf unterhaltsame, aber in Wirklichkeit peinlich danebengehende Witze ausgelegte Tonfall in dieser Verfilmung machen aus "Gänsehaut" regelrechte Denkmalschändung. Nach der ausführlichen Einleitung, die wie schon erwähnt immerhin etwas zu punkten vermag, verkommt der Film zur reinen Effekt-Orgie, bei dem bemühte Selbstreferenzialität, grelles Spektakel und altbackene Klischees aus Mainstreamfilmen vergangener Jahrzehnte eine ungenießbare Mischung ergeben. Dass hier sämtliche Monster aus den Vorlagen irgendwie in den Film gestopft wurden, stimmt einen als Liebhaber der Bücher eher traurig, wenn beispielsweise ikonische Figuren wie Slappy, die sprechende Puppe, zum albernen Comic-Relief verkommen und ihre unheimliche Aura vollständig verlieren. Ansonsten erhält man mit Dylan Minnette und Odeya Rush ein blasses Hauptdarsteller-Duo, welches ihre Figuren auch noch durch eine klischeebehaftete, sich anbahnende Teenie-Romanze manövrieren muss, während Ryan Lee mit seinem Sidekick Champ eine der nervigsten Nebenfiguren seit langer Zeit verkörpert. Bleibt noch Jack Black als R.L. Stine höchstpersönlich, der zwar mit seinem gewohnten Charisma punkten kann, als überzogener und bisweilen fast schon cholerischer Charakter aber ebenfalls seltsam deplatziert wirkt. 



Wer die "Gänsehaut"-Bücher wirklich geliebt hat und sich nostalgische Erinnerungen an eine frühe Jugend bewahren möchte, sollte um diese Verfilmung lieber einen großen Bogen machen. "Gänsehaut" tritt die Vorlagen mit Füßen, greift mit seinem unlustigen Meta-Ansatz komplett daneben und beraubt die ikonischen Monster und Kreaturen der Romane beinahe vollständig ihrer schaurigen Ausstrahlung. Wer die Romane überhaupt nicht kennt, kann sich die Zeit vielleicht wenigstens kurzweilig mit dieser kruden Effekt-Orgie bestehend aus generischen Szenenabläufen und greller Überzogenheit vertreiben. Man kann es aber auch einfach sein lassen.





3 von 10 Werwölfe im Supermarkt

Review: BATTLE FOR SKYARK - Sci-Fi-Horror für die Grundschule

Keine Kommentare:

Fakten:
Battle for SkyArk
USA, 2015. Regie: Simon Hung. Buch: Simon Hung, Guy Malim. Mit: Caon Mortenson, Garrett Coffey, Taylor Coliee, Luke Davis, Riley Jane, Chantal Tuy, Yoel Bautista, Jada Facer, Greg Lucey, Jaden Martin, Mike Michaels u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Erde zu einem kranken und gefährlichen Ort geworden, beherrscht von bizarren Monstern. Die Menschen haben sich in den Orbit geflüchtet und bewohnen nun SkyArk, eine künstliche Stadt in der Erdumlaufbahn. Doch bald es zu eng und nur die Starken und Reichen erobern sich das Bleiberecht. Arme und Schwache wie z.B. Waisenkinder werden auf der Erde entsorgt. Rags Vater zettelt einen Aufstand gegen die Mächtigen an, doch er wird erschossen. Sein Sohn wird zur Sühne mit 13 Schandzeichen gebrandmarkt und zur Erde geschickt. Dort gibt es unter den Kindern eine Prophezeiung. Sie besagt, dass ein Junge mit 13 Malen kommen wird, um sie alle zu retten. 



Meinung:
Seit dem Erfolg der „Tribute von Panem“-Reihe sind dystopisch angehauchte Jugendfilme schwer im Trend, meistens beruhend auf den entsprechenden Buchreihen. Wenn man nicht genug im Sparstrumpf hat um die Rechte an so was zu ergattern, warum dann nicht einfach selbst eine direkt für den Filmmarkt ins Leben rufen? Kann doch nicht so schwer sein. Was braucht man denn? Eine nahe Zukunft, in der irgendwas mächtig schief läuft und die Menschheit unterjocht von einer höheren Staatsmacht ist. Dann natürlich eine Hand voll jugendlicher Helden. Am besten einen Hauptfigur, die von Natur aus gar nicht so heroisch ist und mehr oder weniger unfreiwillig in diese Rolle gedrängt wird. Diese meistert entgegen aller Erwartungen die gefährlichsten Herausforderungen und entwickelt sich doch noch zum rebellischen Anführer gegen das System. Zack, fertig. War doch gar nicht so schwer, oder?


Brainstorming: Wie geht großes Kino?
Nun ja, etwas fehlt dann doch noch. Es benötigt natürlich eine Rahmenhandlung, das Setting und die Story an sich. Regisseur und Co-Autor Simon Hung macht es sich auch dabei nicht so schwer und plündert einmal wild im Filmgeschehen der letzten Jahrzehnte. „Battle for SkyArk“ ist eine schon fast dreiste Kopie von „Elysium“, angereichert mit dem dusseligen Kinder-Part aus „Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel“ und einem Schuss „I Am Legend“ (bewusst wird an der Stelle dieser Film und nicht die weitaus besseren Versionen „The Last Man on Earth“ oder „Der Omega-Mann“ genannt). Beim Setting wird sich aus Kostengründen sogar ganz clever beholfen, die titelgebende SkyArk ist zwar zu sehen, das Geschehen spielt sich dort aber bis auf wenige, unspektakuläre Innenaufnahmen-Flashbacks gar nicht ab. Von einem „Battle“ um die Festung ist (noch) gar nicht zu sprechen, das hebt man sich für die nächsten Teile auf (wenn die denn kommen sollten, gilt es dezent anzuzweifeln). Die Handlung spielt sich auf der verwaisten und von Waisen notdürftig bevölkerten Erde ab, die aussieht wie ein x-beliebiger Schuttablageplatz irgendwo in einem Wüstengebiet. Großartige Effekte müssen nicht über Gebühr strapaziert werden, zumindest das ist sogar ein kleiner Pluspunkt von „Battle for SkyArk“. Wo andere Sci-Fi-Sparfüchse es sich nicht nehmen lassen, entgegen des gesunden Menschenverstands mit erbärmlichen CGI-Effekten um sich zu werfen, verlässt man sich hier auf echte Masken und Kulissen, die demzufolge nicht wahnsinnig eindrucksvoll, aber immerhin nicht albern wirken.


Helden ohne Schamhaare.
Sicher hätte man gern mehr zu bieten, verlässt sich notgedrungen auf das, was man gerade so machen kann und das ist immerhin ehrlich und für den Rahmen auch ganz okay. Rein formell zieht sich der Film mit einem blauen Auge aus der Affäre, er verfällt nicht dem Größenwahn selbst stattlicherer Produktionen, die einfach nicht ihr Limit kennen oder es ignorieren. Das muss man dem Film nicht um die Ohren kloppen, ebenso wenig den leicht neutestamentarischen Bezug (der Auserwählte, der Sohn, der zunächst mit seinem Schicksal hadert, um am Ende die Erlösung zu bringen), das kennt man weit schlimmer. Was allerdings ein fetter Knockout für das gesamte Werk ist, mal abseits von den ungenierten Plagiaten: Er hat eigentlich gar keine Zielgruppe bzw. verpasst es, eine angemessen zu bedienen. Für wen ist dieser Film denn schlussendlich gemacht? Er hat genau das gleiche Problem wie auch die Panem-Filme: Er erzählt eine eigentlich pessimistische, düstere Zukunftsversion mit durchaus Potenzial, verwässert diese aber berechnend für ein vorpubertäres Publikum, dass man als Erwachsener das nicht mehr ernst nehmen kann. Dem reifen Zuschauer dürfte alles nicht nur mächtig bekannt vorkommen, er hat das zudem schon deutlich besser gesehen. Schlimmer noch: Für sein angepeiltes Klientel ist er eigentlich viel zu grausam (nicht plastisch, sondern von den Motiven), als das man ihn direkt denen ans Herz legen möchte. Trotzdem wirkt er von seinen Figuren und deren Konflikten viel zu kindlich, als das er für Menschen über 10 Jahren etwas Wichtiges zu erzählen hätte. Dagegen ist Panem schon sehr erwachsen, zumindest klar auf die Leute zugeschnitten, die ihn sehen sollen/dürfen.


„Battle for SkyArk“ will krampfhaft auf den Erfolgszug aufspringen und landet dabei auch noch zwischen den Abteilen. Weder als Coming-of-Age, noch als ernsthaft-düsteres Sci-Fi-Märchen oder als kindgerechte Unterhaltung zu gebrauchen, der verweigert sich tatsächlich allen Gruppen. Die (kopierte) Idee mag ganz nett sein, die handwerkliche Umsetzung zumindest nicht ganz übel, aber wer so komplett sein Ziel verfehlt, hat dann eben die entscheidenden Dinge nicht richtig gemacht. Fortsetzung fraglich, obwohl alles darauf hinausläuft…

3 von 10 blauen Tropfen

Review: DIE, MONSTER, DIE! - DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY - Öko-Horror aus dem Weltraum

Keine Kommentare:

Fakten:
Die, Monster, Die! – Das Grauen auf Schloss Witley (Die, Monster, Die!)
GB, USA, 1965. Regie: Daniel Haller. Buch: Jerry Sohl, H.P. Lovecraft (Vorlage). Mit: Boris Karloff, Nick Adams, Freda Jackson, Suzan Farmer, Terence de Marney, Patrick Magee, Paul Farrell, Leslie Dwyer u.a. Länge: 76 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Der Amerikaner Stephen Reinhart reißt nach Schottland, um dort seine Verlobte Susan auf Schloss Witley, dem geheimnisumwitterten Besitz ihres Vaters, zu besuchen. In dem unheimlichen Anwesen gehen merkwürdige Dinge vor sich. Das weiß auch Susans Mutter, die alles daran setzt, dass Stephen und ihre Tochter das verfluchte Anwesen so schnell wie möglich verlassen, bevor es zu spät ist…







Meinung:
-„Sehen sie das giftige Leuchten?“
-„Es ist ein Stein, der ist harmlos.“

Mal angenommen, du kommst in ein schottisches Kaff, das aussieht wie die Kulisse eines Hammer-Studio-Films, willst eigentlich nur das nahegelegene Schloss aufsuchen und dann passiert das: Bei der Erwähnung deines Zielortes fahren dir die Taxis vor der Nase weg, entsetzte Dorfbewohner reißen dir die Äpfel aus der Hand, der Fahrradverleih hat auf einmal nix zu verleihen. Wenn jetzt auch noch rund um das Anwesen alles nur totes Brachland ist, Bäume bei Berührung zu Asche zerbröseln, unmissverständliche Warnschilder und dicke Schlösser vor den Toren dir nahelegen besser nicht einzutreten…dann lass es doch einfach. Aber dann wäre der Film schon nach 10 statt eh schon schnuckeligen 76 Minuten vorbei (allein 3 ½ davon Vorspann, hier streckt man wo man kann), wäre doch schade.

Der Start mit Schwiegerpapa ist eher holprig.
Verkunstnebelter 60er-Jahre-B-Gruselschinken aus der Trockeneiskanone, mit der sich Horrorfilmlegende Boris Karloff („Frankenstein“) auf seine alten Tage den Einkaufswagen füllte und als namenhaftes Zugpferd vor den Karren gespannt wurde. Karloff gibt den runzligen Hausherren des wenig einladenden Gemäuers, der nicht mit dem Auftauchen seines ihm bis dato nicht mal bekannten Schwiegersohn in spe gerechnet hat und sich bei seiner Geheimniskrämerei empfindlich gestört fühlt. „Die, Monster, Die! – Das Grauen auf Schloss Witley“ basiert auf einer Vorlage von Kultautor H.P. Lovecraft, was durchaus zu erkennen ist. Dass es sich wohl nicht um einen klassischen Haunted-House-Film handelt, ist relativ früh klar. Lange nicht zu durchschauen wird sich betont mysteriöse und in Ansätzen leicht bizarr gegeben, dabei niemals wirklich verstörend oder ernsthaft spannend. Interessant, so könnte man den eher zahmen Unfug bezeichnen, bei dem niemand (mehr oder jemals) einen Herzkasper erleiden dürfte oder sich vorsorglich auf eine saugstarke Unterlage setzen müsste. Hat den Flair eines billigen, aber liebevollen Gruselkabinetts in einem Freizeitpark, bis das Teil am Ende schon fast einzigartig skurrile Formen annimmt. Die Story entpuppt sich als eine Art extraterrestrischer Okkult-Öko-Mutationshorror, wer kennt da schon vergleichbares Material? Das kommt mindestens so gaga rüber wie es sich anhört, wenn nicht sogar noch ein Stückchen mehr. Der Unterhaltungswert scheint nicht immer ganz freiwilliger Natur, aber besser als gar keiner. 


Ähm, ja...noch Fragen?
Mitten drin statt nur dabei, der bereits erwähnte Boris Karloff, dem man trotz diesem ganzen Quatsch um ihn herum – oder sogar besonders deswegen -  nur seinen ehrlichen Respekt zollen kann. Beim Dreh schon fast 80 Jahre alt, merkt man ihm die pure Spielfreude an. Wohl gemerkt, in so einem Film. Andere Darsteller ruhen sich im Alter auf ihren Lorbeeren aus oder resignieren ob der angebotenen Rollen, glänzen maximal durch Anwesenheit als durch Engagement. Nicht ein Karloff, der selbst als an den Rollstuhl gefesselter Greis in einem cheesigen B-Movie noch Gas gibt, ohne dabei albern zu wirken. Eher erhaben, ein Vollblutdarsteller, der seinen Beruf liebt. Er hat zwar kaum Möglichkeiten sich hier besonders zu präsentieren, schafft es dennoch, drückte die blassen No-Names an seiner Seite selbst sitzend mühelos an die Wand. Das traurige Gegenbeispiel war sein ewiger Konkurrent Bela Lugosi, der am eigenen Anspruchsdenken und Ego zerbrach, als drogensüchtiges Wrack vor die Hunde ging und neben seiner Rolle als Dracula heute am ehesten für seine Auftritte unter Ed Wood im Gedächtnis geblieben ist, ein später „Ruhm“. Karloff hat Zeit seines Lebens nicht nur die besseren Entscheidungen getroffen, er hat vor allem nicht mit seinem Image gehadert, er hat das Beste daraus gemacht. Bis zum Schluss.


Bei aller Liebe, das ist nun wirklich kein guter Film, nichtsdestotrotz irgendwo charmant. Altmodischer Grabbelkisten-Trash mit einem in Würde gealterten Star und einigen absurden Momenten, das reicht dann mal für zwischendurch. 

5,5 von 10 strahlenden Gesichtern

Review: TREMORS 2-4 - Würmer, wollt ihr ewig leben

1 Kommentar:


Fakten:
Tremors 2 – Die Rückkehr der Raketenwürmer (Tremors II: Aftershocks)
USA, 1996. Regie: S.S. Wilson. Buch: Brent Maddock, S.S. Wilson. Mit: Fred Ward, Chris Gartin, Helen Shaver, Michael Gross, Marcelo Tubert, Marco Hernandez, José Ramón Rosario, Thomas Rosales Jr. u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Earl Basset hat den Angriff der Raketenwürmer als Held überlebt, übrig geblieben ist von dem Ruhm nichts Zählbares. Deshalb bleibt ihm kaum eine Wahl, als ein Ölkonzern ihm ein lukratives Angebot unterbreitet: Auf ihrem Land in Mexiko sind die Monster wieder aufgetaucht. Für jeden toten Wurm bieten sie 50.000 $, für ein lebendiges Exemplar sogar das Doppelte. Earl willigt ein und zunächst scheinen er, sein neuer Partner Grady und Perfection-Veteran Burt noch locker Herr der Lage. Bis ihnen eine Laune der Natur einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht.


                                                                        

Meinung:
Neues Land, neue Regeln. Hier oben ist es auch ganz schön...
Kaum zu glauben, aber „Tremors 2 – Die Rückkehr der Racketenwürmer“ fällt nur minimal im Vergleich zu seinem Vorgänger ab. Es riecht alles nach billigem, unnötigem DTV-Sequel, dabei ist das ein großer Spaß. Kevin Bacon ist raus, muss halt keine Würmer mehr jagen, Fred Ward schon und der bekommt zunächst einen ätzenden, neuen Sidekick gestellt, da hat man schon wenig Bock. Den Muff legt der Film von S.S. Wilson (Co-Autor des Originals) nach einer gewissen Zeit ab und überrumpelt einen mit einem hervorragenden Timing und ganz besonders mit dem nötigen frischen Wind, der diesen meist lieblos hingerotzten Spät-Sequels oft bis immer abgeht. Riesen-Buddel-Würmer, schön und gut, aber das ist nicht alles. Leider muss an einigen Stellen sehr mageres CGI bemüht werden, das lässt sich insgesamt mit einem leichten Zähneknirschen verschmerzen. Budget und Aufwand geschuldet. Wenn das Viehzeug handgemacht wird, ist alles dufte. Wie die grandiose zweite Hälfte, die locker mit dem Vorgänger mithält, wenn ihn nicht sogar teilweise übertrumpft. Der heimliche Star ist sowieso Michael Gross als Burt, der Bringer schlichthin („Ich hab nicht eine einzige Kugel mehr. Das ist mir noch nie passiert.“). Alles eine halbe Stufe ärmer, aber keinesfalls armseliger. „Tremors 2  - Die Rückkehr der Racketenwürmer“ ist eigentlich Referenzmaterial. So kann eine viel zu spät, viel zu günstig reanimierte Idee voll zünden. Wenn es Preise für überflüssige Kategorien wie DTV-Sequels geben würde, wir hätten den ewigen Gewinner. Der Film ist nicht mehr wie Kevin Bacon, aber wie Fred Ward & Michael Gross.

7 von 10 Pistolen für die Ex






Fakten:
Tremors 3 – Die neue Brut (Tremors: Back to Perfection)
USA, 2001. Regie: Brent Maddock. Buch: S.S. Wilson, Brent Maddock, Nancy Roberts, John Whelpley. Mit: Michael Gross, Shawn Christian, Susan Chuang, Charlotte Stewart, Ariana Richards, Tony Genaro, Barry Livingston u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich. 


Story:
In Perfection ist wieder Ruhe eingekehrt. Das Kaff ist durch die Wurmangriffe vor elf Jahren sogar eine kleine Touristenattraktion geworden. Plötzlich sind die Monster wieder da. Doch Waffenexperte Burt und die anderen Überlebenden von damals stellen sich ihnen entgegen. Aber wie bereits in Mexiko, die Viecher entwickeln sich weiter…



Meinung:
In der C-Movie-Gülle versunken: Michael Gross.
Elf Jahre lang war Ruhe in Perfection Valley. Nach seinem Ausflug nach Mexiko ist Fred Ward nicht mehr zurückgekehrt, wer könnte es ihm verübeln, dafür Michael Gross und mit ihm der Rest vom ursprünglichen Cast, der sonst auf Conventions Autogramme schreiben muss/darf, wenn sie denn noch erkannt werden. Wie ein Klassentreffen, leider auch ähnlich unnötig und ein reines Schwelgen in Erinnerungen an bessere Tage. Konnte das direkte Sequel zum Raketenwürmer-Quatsch noch erstaunlich viel Laune verbreiten, ist dieser Aufguss verdammt peinlich geraten. Eine ABM-Maßnahme, billig gefilmt und stellenweise schon auf dem Niveau der Asylum-Schmiede. Wenn die Wurmbrut noch handgemacht ist, sehen die bereits recht bescheiden aus, das sind leider schon die Highlights und nur Momentaufnahmen. Gegen Ende kommen die Arschknaller (ja, so weit sind wir schon, die Evolution ist wortwörtlich am stinkenden Ende angekommen) aus einer vergleichbaren CGI-Tonne wie bei den Filmvergewaltigern mit dem kreativen Titeldiebstahl nah an einer Copyrightklage. Ohne Michael Gross als Waffenstricher Burt wäre hier komplett der Ofen aus. Für ein bis zwei kleine Momente kann er noch herhalten (und damit wären wir erneut bei THE ASYLUM: Die beste Szene hier wurde praktisch für das Finale von „Sharknado“ stibitzt, wie passend). Alles andere ist das, was leider zu erwarten war. Man hätte die Würmer in Mexiko beerdigen sollen. So beerdigt sich die Reihe selbst. Qualitativ, nicht faktisch. Alles hat ein Ende, nur der Wurm hat zwei.

3,5 von 10 Heckantrieben





Fakten:
Tremors 4 – Wie alles begann (Tremors 4: The Legend Begins)
USA, 2004. Regie: S.S. Wilson. Buch: S.S. Wilson, Brent Maddock, Nancy Roberts, Scott Buck. Mit: Michael Gross, Sara Botsford, Billy Drago, Brent Roam, August Schellenberg, J.E. Freeman, Ming Lo, Lydia Look, Sam Ly u.a. Länge: 101 Minute. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nevada, 1889: Während der Arbeiten in einer Silbermine kommen 17 Arbeiter ums Leben. Besitzer Hiram Gummer kommt in die Stadt, um den Vorkommnissen auf den Grund zu gehen. Der Rest ist, mehr oder weniger, Geschichte…




Meinung:
Flinkes Händchen, aber keinen Rückspiegel.
Das (bisherige) Finale der Raketenwurmsaga. Ein Prequel, na klar, allerdings gar keine so dumme Idee. Der Drops war nach dem fatalen dritten Teil eh gelutscht, als im Wilden Westen angelegte Vorgeschichte ist da durchaus noch was rauszuholen. S.S. Wilson übernimmt nach dem starken zweiten Teil wieder die Regie und es ist zu erkennen, dass er sich mehr Mühe gibt als sein Autorenkollege Brent Maddock, der bei Teil 3 Regie führen durfte und ihn zur billigen, CGI-geschwängerten Lachnummer verkommen ließ. Vielleicht auch abgeschreckt dadurch geht Wilson das Projekt viel zu ernst an, der Witz der Vorgänger (der nur beim letzten Auftritt zu blöd war) wird stark vermisst. Ein gewisser Charme in Form durch Anspielungen auf die vorherigen Teile ist klar vorhanden (allein, dass einem Gummer erst das Schießen beigebracht werden muss, beste Idee des Films), generell gefällt die Kreuzung aus Western und Creature-Film. Lange nicht so schäbig hingerotzt wie der direkte Vorgänger, nur wirklich nötig oder gar gut ist auch „Tremors 4 – Wie alles begann“ nicht. Bemüht, das könnte man noch gelten lassen. Richtig schön und dem Retro-Setting angepasst: Die Monster sind wieder handgemacht. Schon deshalb eine Steigerung. Es gibt viel schlimmere Sequels bzw. Prequels, hier wurde sich noch halbwegs angestrengt. Das kann man von wenigen DTV-Nachlegern in der dritten Generation behaupten. Gemessen an dem Standard ist selbst ein „Tremors 4 – Wie alles begann“ recht solide. Braucht kein Mensch, aber hey, wer braucht schon so einige aktuelle Kinofilme? In Anbetracht dessen bald lieber so was. 

4 von 10 Urahnen mit Schnauzer