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Review: HEUTE HAU’N WIR AUF DIE PAUKE - Das (nicht ganz so wahre) Leben des Schlagermoguls Jack White

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Fakten:
Heute hau’n wir auf die Pauke
BRD. 1972. Regie und Buch: Ralf Gregan. Mit: Jack White, Jürgen Marcus, Lena Valaitis, Peggy March, Tony Marshall, Peter Schiff, Claus Wilcke, Lothar Schäfer, Horst Niendorf, Tanja Berg u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell nicht auf DVD erhältlich.


Story:
“Heute hau’n wir auf die Pauke” erzählt – basierend auf einer wahren Biographie – die Geschichte von Horst Nussbaum aka Jack White und seinem Werdegang vom Fußballspieler zum gefeierten Schlagerstar.





Meinung:
Noch so eine Schlager-Obskurität, diesmal allerdings eine aus den flippigen 1970ern, weshalb man auch mal 'Scheiße' und 'beschissen' sagen darf - und ja, auch eine blutige Schlägerei darf nicht fehlen, aber ansonsten bleibt's merkwürdig zugeknöpft, zudem weiß man nicht so recht, ob man hier als Zuschauer für voll genommen wird oder einfach mit harmloser Frohmütigkeit berieselt werden soll - ab und an scheint jedoch die Illusion insgeheim-bewusst zu zerbröseln. Schließlich ist Ralf Gregans Film von außen hin pure Jack-White-Propaganda, gleichzeitig eine Präsentation seiner damaligen, größten Hits und eine eher freiläufige Biopic-Ansammlung von Anekdoten über den ruhmreichen und immer mal wieder etwas schwierigen Aufstieg (einen Fall gibt es gar nicht = mickrige Dramaturgie) jenes Erfolgsproduzenten. Doch so recht möchte das Gesamtbild nicht zusammenpassen. In einer Rahmenhandlung, die wohl so etwas wie eine Retrospektive zu Ehren Whites darstellen soll - moderiert von Nero Brandenburg - und in seinem alten Club abgehalten wird, schmettern einige seiner beliebtesten Künstler ihre Erfolgshits fürs Publikum nieder und liefern in der hohen Anzahl an Titeln eine musikalische Dichte, als ob man bei einem reinen Konzertfilm wäre. Zwischendurch wird dann bei manchen Nummern erklärt, wie White zu ihnen kam bzw. wie er seine künstlerische Integrität gegen anspruchsvollere (!) Produzenten verteidigte. Wichtig hierbei ist übrigens, dass fast jeder sich selbst spielt, aber so ziemlich niemand sich selbst spricht. White wird von Joachim Kemmer dargeboten, Tony Marshall von Thomas Danneberg und so weiter und sofort, eben die Berliner Elite am Start, inkl. Arne Elsholtz mit Ami-Akzent.


Entspannen mit Tony in der Heten-Sauna
So erleben wir u.a. Whites bescheidene Anfänge als Provinz-Kicker Rolf (nicht Horst, wie im real life) Nußbaum, der schon früh beim Produzenten Jörg Broder (Peter Schiff) unter-, aber nicht vorankommt, denn in seiner Vermarktung, so beklagt er sich, machen die nur halbe Sachen. Drum sucht er Rat bei seinem Buddy Tony Marshall, doch der hat nur eine Kneipe und ebenfalls keine Hits vorzuweisen, dafür eine goldige Stimme. Auf dem Weg nach Hause in der Nacht werden sie im Suff von der Bullerei angehalten, doch die machen sie mit einem volkstümlichen Schlager fertig, der einen ganzen Trupp an Menschen mobilisiert und die (nicht gezeigte) Flucht ermöglicht, was eine spätere fruchtbare Zusammenarbeit verspricht - hier unterwandert man staatliche Autorität, im Fall von Gregan bleibt es aber durchaus etwas offen, ob er jener Musik an sich überhaupt wirklich etwas Wirksam-Anarchiches abgewinnen kann. So spielt er selber als erfolgloser Texter Joachim Schiller (wie ein Türsteher im Film schon meint: 'Ich dachte, der wäre tot.') mit, der zusammen mit seiner weiblichen Begleitung Gigi und ihren infantilen Folk-Lyrics immer wieder als Lachnummer vorgeführt wird und sich dauernd darüber beschwert, wie Whites Nummern nur so erfolgreich sein können. Das fragt man sich als distanzierter Zuschauer folglich auch, sind die Qualitäten der Werke beider Schreiberlinge doch bestenfalls austauschbar - werden zudem von weiteren Plattenbossen, denen White immer wieder Angebote macht, als umwerfend 'komisch' und 'primitiv' bezeichnet, obwohl sich alle im Nachhinein als Kassenknüller entpuppen. Klar sind's einfache, 'rechtschaffen'-romantische Inhalte, welche die große Masse am Einfachsten erreichen können, daran glaubt ja der olle Nußbaum am meisten - jene simplifizierte Philosophie wird allerdings kaum weiter erforscht (Geld fürs Produzieren? Hat er 'gespart'. Interpreten? Die wird er 'finden'.), stattdessen in weiteren willkürlichen Episoden als spaßige Erfolge ersehnt, die aber ironischer Weise auch keinem der Interpreten wirklich zu gefallen scheint.


Ja, mit Gesang ist alles so viel schöner
Ganz bezeichnend ist da das Segment um Tanja Berg, die mit ihrer sogenannten 'Kann denn Liebe Sünde sein'-Stimme etwas mehr drauf haben könnte, aber von White aus dem Schlaf im Reihenhaus geklingelt wird, um mit Lockenwicklern im Bademantel seine Coverversion von 'Na Na, hey hey, kiss him Goodbye' einzuspielen, da es Jürgen Marcus, frisch vom Musical 'HAIR', einfach nicht brachte. Das klingt so bekloppt, das man es für wahrhaftig halten kann, schließlich gibt's später Zoff zwischen Berg und White über die deutliche Einfältigkeit seiner Produktion, doch ehe sie sich weiter aufregen kann, wird wieder das Schiller-Duo eingeladen - na gut, solange man nicht so scheiße ist wie die, lässt man's über sich ergehen...da weicht die Geschichte wohl wieder von den Original-Vorkommnissen ab, aber vorher ist das einer der wenigen Punkte, an denen zumindest ein bisschen (Selbst-)Kritik gegenüber den Talenten der Figur White durchscheint (Berg synchronisiert sich zudem als Einzige selbst!), sonst glaubt man eher, hier zwanghaft einen Underdog und Kommerz-Propheten sehen zu müssen. Da überzeugt aber lediglich noch am Ehesten, dass Marshall ständig an seiner Seite war, in jeder Minute Cola, Würste und Zigarren vertilgt - Erfolg zieht halt an. Das gilt wohl auch für Jürgen Marcus, der White mit einem zweiten Versuch nochmals von seinen Gesangskünsten überzeugen will und eben das erledigen muss, während White sein völlig-wahlloses und nicht-weiterverfolgtes Box-Training betreibt (immer diese reichen Leute mit ihren Workouts). Es gelingt: Marcus landet in den Hitparaden und in der Gegenwart im Herz von Liane Covi - deren anbahnende Beziehung als turtelndes Liebespärchen wird zudem immer wieder in den Vordergrund gerückt und bekommt sogar eine himmlische Traumsequenz spendiert, in welcher sie wie eine in Kamera-Effekten vergrabene Kristina-Söderbaum-Vision ausschaut. Wenn man bedenkt, dass der echte Jürgen Marcus höchst homosexuell ist, wirken solche forcierten Hetero-Vorstellungen besonders irrwitzig-heuchlerisch.


Jack White am Apparat
Da wird die Glaubwürdigkeit der ganzen Jack-White-Story nochmals 'subversiv' untergraben - erst recht, als er die Liebe der Beiden als Marketing-Gimmick einzusetzen gedenkt. Voll meta, das Ganze. Etwas befremdlich wirkt auch die Schlägerei, die Jack White bei seinem Job als höchstbezahltester DJ Deutschlands mit einem anderen Schlagertexter (Claus Wilcke) hat, mit welchem er im Nachhinein so mir nichts dir nichts sogar zusammenarbeitet (nachdem er ihm bei einem deftigen Glas JACK DANIELS - jau, stilecht JACKiger Lifestyle - den Handel im Suff, à la WERNER - DAS MUSS KESSELN, vorschlägt). Dessen Name ist laut Film Lothar Ruge, in den Credits taucht er als Songwriter aber nicht auf - da hat man die Namen wohl (wie beim ersten Produzenten Whites, Broder) geändert oder alles nur erfunden, man kann sich schlicht nicht wirklich sicher sein, wie hier der X-Faktor ausfällt (hat jemand zufällig 'ne Autobiographie von White am Start?). Durch alle mehr oder weniger problematischen Lebensstationen zum Erfolg hin begleitet ihn jedoch die 'bissige' Sekretärin Lena Valaitis und sie bleibt auch angenehm geschmeidig - wirkt nur einmal genervt, je öfter die Leute ihm zu seinen goldenen Schallplatten beglückwünschen, als sich mit ihr unterhalten zu wollen. Bleibt aber als Gag im Raum - ansonsten ist eben alles Friede, Freude, Eierkuchen und vom Film genauso heiter aufbereitet. Denn es gilt ja ohnehin noch einen Reigen an Liedern in die Gehörgänge zu pumpen, die immer etwas hanebüchen, aber nicht allzu komplex in das an sich schon wirklich dünne Handlungsgerüst eingearbeitet werden.


The White Stripes - before they get famous
Dafür sind sie aber zweifellos souverän ins rechte Licht gerückt und von beschwingter Kamera- und Schnittgestaltung eingefangen, auch wenn die Settings besonders kostengünstig erscheinen: immer dieselbe Disse, ein paar konventionelle Musikstudio-Einsichten und normale Rauhfaser-Wohnungen als Platten-Produzenten-Büros - nur Whites Haus schreit nach einem Wohlstands-Märchen, das so nur Katalogen aus den 70ern entnommen werden könnte (ohnehin wird die ganze Timeline von Whites Aufstieg so gestaltet, als ob sie schlicht innerhalb der 70er Jahre passiert wär - keinerlei 60er-Ausstattung in Sicht). Da findet Gregan sogar ab und an den Ansporn zu drollig-blödeligen Sketchen, die vorallem auf die Interpretin Severine (Josiane Grizeau) fallen - da singt sie mit französischem Akzent von Liebhabern, die nicht in der Armee sein wollen, während White, Marshall und Marcus sich in napoleonische Uniformen schmeißen und Zinnsoldaten im Park anschreien. Man beachte auch die Geschwister Leismann, denen White im Studio predigt, sie mögen doch so singen, dass man sich die Geschichte vorstellen könne - und das setzt der Film dann auf die verballhornenste Art um, indem er jene gesungene Story mit ihnen als alte Säcke adaptiert. Da denkt man zuerst: 'Aiaiai, wie schlimm haben die da denn Renate Leismann zurechtgemacht?', bis man dann in einer anderen Nahaufnahme unabhängig vom Sketch sieht, dass ihre Zähne wirklich so gelb sind - finde ich aber natürlich gar nicht schlimm, Zahnfleischbluter Murphy hat mich da schon längst über Musiker aufgeklärt.


Echte Kerle unter sich
Ein Stückchen albern wird's aber auf eine andere Art, als das Duo Nina & Mike für White den Titel 'Ketten, Mauern und Stacheldraht' zum Besten geben - seine Variante eines politisch-engagierten, Anti-Establishment-Songs inmitten der 68er Revolution, dessen ideologischer Ursprung wohl nur dadurch zu erklären ist, wie wenige Leute Whites Talenten (im Narrativ des Films!) vertrauten. Dass dies nur wenig mit den Idealen der 68er zu tun hat und eher dem selbstgefälligen Kapitalismus der Figur dienlich ist, macht den Titel umso beknackter, weil wieder mal herrlich-heuchlerisch. Aber seine Botschaften für das breite Publikum haben ja wiederum etwas Romantisch-Naives und Idealistisches, kaum Feinfühliges oder Ehrliches, aber dafür diesen besonders süßen und schmissigen Kitsch, der vorallem im instrumentalen Rahmen (u.a. komponiert von James Last) durchweg Laune hervorbringt. Aber auch rein gar nichts in diesem Film kann auch nur ansatzweise damit mithalten, wie unsere kleine Peggy March, seit Billians Tagen als Schlager-Regisseur bekannt, hier auftritt. Bereits im Vorspann wird mit ihrem Gastauftritt kokettiert und was für eine Pracht aus ihr geworden ist: lange blonde Haare, ein neckisches, aufreizendes Lächeln, klasse Make-Up einer gereiften Dame und ein kesses Zwinkern, dass die gesamte Laufzeit über für Vorfreude sorgt. Da ist ihr Auftritt sodann natürlich der absolute Gewinner des Abends, da der Song an sich schon gut ist und ihre sympathische Präsenz zum Träumen einlädt.


Danach muss man sich zwar mit einer Reihe an austauschbaren Songs anderer Leute begnügen, die sogar kaum noch zwischengeschnittene Anekdoten liefern, schlicht auf der Bühne der Retro-Disco abgefeiert werden (Mitschnitte von ZDF-Hitparaden- und Oktoberfest-Auftritten mit einberechnet), aber nunja: das war's wert. Wieviel man dabei von der Person Jack White erfahren hat, sei mal dahingestellt, er spielt wenigstens ganz souverän und seine Kollegen machen auch jede noch so quirlige Geschichte mit (wahrscheinlich, weil sie an ihm ja so einiges an Erfolg abbekommen haben - siehe Tanja Berg, die am Ende sogar seine Lieder bei einer Goldene-Schallplatte-Privatparty auf der Gitarre besingt). In meinen Augen glaube ich zwar nicht ganz, dass Ralf Gregan diese Arbeit wirklich ernst nahm (so platt sein Drehbuch hierfür im Gegensatz zu seinen Arbeiten mit Dieter Hallervorden ausgefallen ist), doch nichtsdestotrotz entwirft er eine ausgelassene Schlager-Sause mit einem äußerst funktionalen Plot, die sich am Stärksten darauf konzentriert, wirklich mal soviel Musik wie möglich anzuliefern. Und das macht schon ordentlich Spaß, besonders in Verbindung mit der breiten, hysterischen Synchro. Es dauert im Endeffekt gefühlt weit länger, als es wirklich ist, aber nichtsdestotrotz stellt der Film eine recht bizarre Trivial-Produktion da, die dauernd zum Hinterfragen und Spekulieren sowie (je nachdem, wie tolerant man diesem ewig-spießigen Musikgenre gegenübersteht) zum Beinwippen und auch Mitsingen einlädt.


6 von 10 Hitparaden


vom Witte

Review: TAUSEND TAKTE ÜBERMUT - Triste Unterwerfung an der Adria

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Fakten:
Tausend Takte Übermut
BRD. 1965. Regie: Ernst Hofbauer. Buch: Hans Billian. Mit: Vivi Bach, Rex Gildo, Hannelore Aurer, Thomas Adler, Gus Brackus, Gunther Phillipp, Margitta Scherr, Edith Hancke, Fritz Benscher, Kurt Liederer, Edelgard Stössel, Harry Hardt, Fritz Korn, Ady Berber u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Aktuell nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Um ihre Plattenfirma vor dem Ruin zu retten, reisen der Firmenanwalt Peter Holt und sein Freund Manfred an die Adria. Sie suchen das Hotel Las Vegas auf, um die erfolgreiche Sängerin Sherry unter Vertrag zu nehmen. Dort geht es reichlich merkwürdig zu.





Meinung:
Hierbei handelt es sich um eine weitere MusicHouse-Produktion aus der Feder des uns altbekannten Hans Billian, die wieder mal an der Adria spielt. Zudem sitzt Ernst Hofbauer, meisterhafter Inszenator des 'HOLIDAYS IN ST. TROPEZ', am Ruder und das lässt ja schon mal ordentlich hoffen, ein bisschen mehr Energie geliefert zu bekommen, als bei Lothar Gündischs Pseudo-Zwilling 'KOMM MIT ZUR BLAUEN ADRIA'. Aber es ist ein deutlich zweischneidiges Schwert geworden, das den Schlager-Anteil deutlich nach oben schraubt, dafür aber die Gag-Rate noch tiefer ansetzt. Zwar kann man sich an einigen irrwitzigen Einzel-Einfällen und einem weiterhin eklektischen Cast erfreuen, doch dafür ist der allgemeine Plot weit lustloser ausgefallen, als man vermuten wollen würde. Und sowieso wird hier ganz haarscharf die spießigste Geschlechter-Kurve angefahren, denn einerseits sind die Herren der Schöpfung hier weit Macho-schleimiger zu Gange als sonst, aber gleichzeitig gehören die 'TAUSEND TAKTE ÜBERMUT' zum sexuell-aggressivsten Vertreter des Genres.

 
Dem Hahn im Korb sind selbst eine Millionen Takte Übermut ziemlich egal
Bevor wir jene einzelnen Faktoren ein bisschen näher beleuchten, hier erstmal wieder die Synopsis für die jeweiligen, verstrickten Liebespärchen: dem Schallplatten-Produzenten Manfred Reiner (Thomas Alder) von der Plattenfirma Melodia droht der Verlust des Jobs, nachdem sein neuer Coup mit Elke Sommer nicht gelang (übrigens wird ihr Lied 'Oh, I Love You' von Hofbauer ganz souverän und meta-behaftet in einem Film-Studio eingefangen, wo sie für die Kameras singt und ihr Antlitz sogar im Spiegel der Linse aufgenommen wird - solch eine vierte-Wand-durchbrechende Maßnahme wird vom Film zwar später nicht mehr unternommen, dafür entlarvt er offen seine Sex-Mechanismen). Drum wird er auf Dienstreise an die Adria geschickt, um dort die Schlager-Sensation Sherry Davis (Hannelore Auer) zu engagieren, die übrigens gerade wieder single und damit heiratsfähig geworden ist, wie Reiners Kollegen ihm versichern. Da sagt er nicht nein, hält er sich doch für den fähigsten Casanova weit und breit, der solche Frauen immer erst Desinteresse vorheuchelt, damit sie sich ihm um den Hals werfen - klingt ekelhaft, hat aber leider schon etwas Erfolg im Verlauf, auch wenn diejenige, mit der er letztendlich anbandelt, drauf und dran ist, ihm das irgendwann auszutreiben. Ja, denn auch wenn er die stürmische Sherry so in Rage versetzt, dass der lieben Frau Auer in einer Szene schon das Handtuch von den Brüsten rutscht (nur für ein paar Frames, aber immerhin), hat sie nur Augen für ihren gelackten Ex-Ehemann Rick Tanner (Rex Gildo), der ebenfalls bei denselben Bungalows wie sie Urlaub macht und ab und an ein paar Gesangs-Nummern bei Abendessen unter die Gäste bringt, sogar mit ihr zusammen im Duett. Tja, auch wenn Hannelore Auer in diesem Film ein weit schmeichelhafteres Make-Up als beim anderen Adria-Streifen benutzen darf, kommt der sonstige, gewitzte Charme ihrerseits noch weniger raus, was man aber auch dem Handlungsverlauf zur Last legen muss, der die forcierte 'Verachtung'/Umwerbung Reiners letztendlich scheitern lässt und stattdessen dem Ex-Ehepaar ein paar 'fröhliche', harmlose Stunden in Venedig beschert. Da aber dort die Straßen meist verregnet sind und auch sonst nur komische Statisten im Publikum abhängen, sind die Gesangsnummern der Beiden ganz im biederem Schlagerparaden-Look zwar schwelgerisch im Text, aber einfach nur unstimmig und trist anzuschauen - selbst wenn da zufällig Klaviere auf den Straßen stehen: wenn die Auer davon redet, endlich mal 'das schöne Gefühl' herbeizusehnen, 'von einem Mann unterworfen zu werden', sträuben sich dem Zuschauer die Nackenhaare. Soll aber vielleicht auch Absicht sein, so uncharmant diese ganze Vorstellung ja rüberkommt.


1965 gab's noch keinen "Jaws", da war das Baden im Meer noch schön
Das gibt eine schöne Überleitung zum Manager jenes Hotels an der Adria, genannt 'Las Vegas', um das es im zweiten Hauptplot geht: Theodor Rassel (Fritz Benscher) berechnet für jede Extra-Zulage unnötige 1000 Lire pro Tag, aber verlangt gleichsam von seiner Telefonistin Gerti Brückner (Vivi Bach), dass sie mit ihm ausgeht. Für sie ist der Kerl nur ein blankes 'Ekel' und das beweist er weiterhin ganz gut mit Drohungen des Rausschmiss, währenddessen verliebt sie sich in Reiners Kollegen Peter (Kurt Liederer), der sie vor einem Haufen anbaggernder Italiener rettet (wieder mal dieses klischeehafte Bild vom aufdringlichen Ausländer - naja, so sind aber eben die Film-Männer bei einer schönen Film-Frau. Auch ein Klischee, aber im Grunde recht universell). Damit sie aber nicht von ihrem Chef erwischt wird, gibt sie sich als Playgirl unter dem Namen Michaela Andreas (Margitta Scherr) aus, eine Gästin im Hotel, die ebenso aus einem ganz bestimmten Grund da ist. Es ist nämlich so, dass der eigentliche deutsche Boss der Hotelkette, Robert Hilman (Harry Hardt), die Verbindung seines in Amerika geschulten Sohnes Frank (sie werden es schon erraten haben: GUS BACKUS) mit dem sogenannten Mauerblümchen, dass er nur vom Hörensagen als Arbeitskraft seiner Firma kennt, nicht duldet. Drum inszeniert Frank eine kleine Verschwörung, bei er seine Liebste Michaela als reiche Dame an der Adria ausgibt, da der Zufall gerade auch günstiger Weise seinen Vater dorthin beordert, der ganz gemäß der RTL-Sendung 'UNDERCOVER BOSS' mal das Management auschecken möchte. So soll sie ihrem zukünftigen Schwiegervater von ihren schlagfertigen Qualitäten überzeugen und die kommen schnell zum Einsatz, als Manager Rassel ihn nicht als Chef erkennt und ihn nur billig abfertigen will, während der aufgeblasene Hallodri Felix Glücklich (Gunther Philipp) bei seinem mondänen Gehabe für Boss Hilman gehalten wird. Philipp bringt übrigens ein bisschen dringend nötigen Honk-Humor in die Sache mit rein, kommuniziert er doch hauptsächlich mit Pfiffen, geht mit seiner übertrieben-mitgebrachten Sportausrüstung so tollpatschig um, dass er Rassel aus Versehen einen Medizinball auf den Schädel donnert und gibt durchweg den großen Bagarozy, dem ja aufgrund seines Status alles erlaubt ist, sodann mit drei heißen Bikini-Girls vom Hotel Wasserski-Fahren geht und dabei auch mal ins Wasser plumpst. Aber wehe, seine Gattin Ernestine (Edith Hancke) lässt sich blicken, dann ist er wieder ganz das eigentliche reumütige Würstchen - in dieser Beziehung hat die Frau wieder die Hosen an, das muss man Billian lassen.




Zwischen all diesen Parteien kommt es jedenfalls, wie es immer kommen muss: reichlich Verwechslungen und Eifersuchtsanfälle, verdrehte Liebschaften und eventuelle Offenbarungen wahrer Identitäten und Sehnsüchte. Für die Melodia-Kollegen geht die Sache erfolgreich aus, kriegen sie doch Tanner unter Vertrag, dem noch immer die Rechte zustehen, für seine (Ex-)Gattin mit zu unterschreiben. Das gefällt ihr zwar gar nicht, aber sie lässt's freudig geschehen, weil sie ja 'endlich mal unterworfen wird'. Bezeichnenderweise leitet ab diesem Zeitpunkt zum zweiten Mal der schon zuvor verwendete Auftritt von der in ein lumpiges Oma-Gewand gehüllten Peggy March mit ihrem desillusioniert-melancholischen 'Mit siebzehn hat man noch Träume' ein - da diese Einlage sonst keinen Sinn macht, gehe ich mal davon aus, dass die Beziehung zwischen Rick und Sherry nochmals keine besonders glückliche sein soll. Zwischen Peter und Gerti siehts da besser aus, denn der akzeptiert sie auch ohne den Status des reichen Playgirls. Komplizierter sieht es aber da zunächst mit Frank und Michaela aus: nachdem er sich einen Tritt in die Eier einhandelt, da sich Gerti unter Michaelas Namen in ihrem Hotelzimmer einquartiert hat, versteht er die Welt nicht mehr - erst recht, als Herr Glücklich zum Schluss hin die falsche Zimmernummer aufruft und vor einer halbnackten Michaela, frisch aus der Dusche (passiert zuvor schon einmal, als Reiner Sherry auf dieselbe Art überrascht und dabei meint, sie wäre in seinem Bungalow), sowie einem jüngst eintretenden Frank steht. Das jedoch bringt eine urig-chaotische Verfolgungsjagd in Gang, bei der Felix Glücklich von Frank und einem fetten Portier wie Marky Mark in 'TRANSFORMERS 4' durch verschiedene Stockwerke, Balkone und Zimmer gejagt wird, bevor er sich endlich eines seiner Fahrräder schnappt und die Treppen runterradelt. Gar nicht mal so ungefährlicher, ungedoubleter Körpereinsatz von Gunther Phillip übrigens, alle Achtung. Der landet sogar in einem Obstwagen und rast damit am Strand entlang, zischt einem Badegast damit sogar offensichtlich viel zu hart die Birne entlang. Das actionreiche Highlight des Films, das schließlich dadurch aufgelöst wird, dass Franks ominöse Vermutungen über seine 'schlampige' Michaela von allen Seiten aufgedeckt werden und beide nun doch den Segen des überzeugten Papas erhalten.


1000 Takte Wut und die Vase muss es ausbaden
Ende gut, alles gut - wenn auch durchweg mit Frust und Missvertrauen gepflastert. Nicht so ganz das amüsante, luftige Verwirrspiel der Liebeleien wie sonst so. Mag 'realistischer' sein von der zornigen Gefühlslage her, aber im Rahmen solch eines Films einigermaßen befremdlich. Erst recht, wenn man bedenkt, wie urkomisch und random die vielen Schlagersongs in die Handlung eingearbeitet wurden. Ich will ja nicht zuviel dem Uneingeweihten verraten, deshalb gebe ich erstmals eine ordentliche *SPOILER-WARNUNG* raus. Also, wisst ihr noch, als Frank von seinem Vater eine Abfuhr bezüglich seiner Liebe zu Michaela erhielt? Nun, sobald er in ein beliebiges Taxi steigt, entpuppt sich der Fahrer als Manfred Schnelldorfer (!), der sofort seinen Liebeskummer erkennt, dafür ihm sodann das schwelgerische 'Deine schönen blauen Augen' vorsingt, als wäre man in einer beklemmenden Gay-Panic-Szene à la Adam Sandler gelandet. Kommt irre bekloppt, aber immerhin gibt Backus ihm Extra-Trinkgeld, weil er ja so schön gesungen hat - niedlich! Gus Backus revanchiert sich später beim Gesangs-Karma (und stellt zusätzlich seine Sexualität klar), als er nach dem Telefonat bei einer Bar eine sich ausziehende Damen-Silhouette am Fenster hinter ihm erblickt und urplötzlich 'Open the window' singt und wünscht SPOILER-WARNUNG ENDE.


Doch das war eben schon alles Aufsehenerregende, was es zu diesem eher mittelmäßigen Hofbauer-Film zu sagen gibt. Zu sehr hemmen die unterwerfenden Beziehungs- und Geschlechter-Verhältnisse das sonnige Gemüt und erst recht die leichtfüßige Anarchie, welche die besten Vertreter jener Produktionen auszeichnete. Klar steht der Sex wieder an vorderster Stelle und auch das Urlaubs-Flair kommt optisch nicht zu kurz - doch irgendwie fehlt hier besonders die treffsichere Energie und das Kasper-artige Ambiente seines sonst so aufgelockerten Ensembles. Dennoch kann man sich für einige gelungene Sketch-Einlagen und besonders die zahlreichen, teils gewohnt-blödelig eingebauten Schlager-Sequenzen erfreuen, auch wenn der Dialog zunehmend chauvinistischer und zynischer von statten geht, als dass es die Heiterkeit fördern könnte. Was bleibt, sind vielleicht noch immer irgendwo tatsächlich 'TAUSEND TAKTE ÜBERMUT', aber viel zu oft wird ein ernüchternder Moll-Ton getroffen, als ob man zwischendurch mal das Genre ein bisschen fertig machen wollte. Gerade jener aufklärerische Ansatz würde aber dem Ganzen irgendwo seine ehrliche Schwachsinnigkeit rauben und beißt sich dann doch wieder zu sehr mit der entwaffnenden Freimütigkeit anderer Werke des Autoren in diesem Feld. Klar werden hier den meisten Frauen ihre persönlichen Entscheidungen zugesprochen und die Männerwelt lächerlich gemacht, auch was das sadomasochistische Pärchen Rick und Sherry betrifft. Aber es sitzt nicht immer ganz so richtig und kann viel zu sehr für die spießige Mentalität eines 50er-Jahre-Schlagerschwanks gehalten werden. Nicht ganz so geschickt gelungen, aber für Komplettisten der MusicHouse-Filmreihe schlicht unverzichtbar.


5,5 von 10 Rex Gilden


vom Witte

Review: KOMM MIT ZUR BLAUEN ADRIA - Das Vergnügen, von Damen zu lernen

Keine Kommentare:


Fakten:
Komm mit zur blauen Adria
BRD. 1965. Regie: Lothar Gündisch. Buch: Hans Billian. Mit: Hannelore Auer, Dietmar Schönherr, Maria Brockerhoff, Thomas Adler, Margitta Scherr, Gustavo Rojo, Fritz Benscher, Sadie Mertzger, Johanna König, Ruth Stephan. Manfred Schnelldorfer, Uschi Humoth u.a. Länge: 93 Minuten.  FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Statt zu arbeiten, vergnügt sich der Modellzeichner eines Bademodenfabrikanten an der Adria. Und statt eines Trailers (den wir nicht gefunden haben) zeigen wir euch ein Katzenvideo.




Meinung:
Zu Ehren des jüngst verstorbenen Dietmar Schönherr kam ich nicht umhin, mir diese launige Schlager-Klamotte direkt von der Adria (Drehort: Costa del Sol) anzusehen, erst recht da das Drehbuch erneut von meinem liebsten Autoren jenes Genres, Hans Billian, stammt. Und auch so bekannte Gesichter aus der Zeit, wie Hannelore Auer, Margitta Scherr, Manfred Schnelldorfer und einmal auch Vivi Bach (Ehefrau Schönherrs ab 1965, dem Entstehungsjahr dieses Films), lassen sich blicken, geben den ein oder anderen, schnulzigen Hit zum Besten. Für mich als Experten dieser Film-Sparte stellt dieser Streifen hier zwar einen der schwächeren Exemplare dar, da er hauptsächlich als geradlinige Liebeskomödie funktioniert, die weit hergeholten Schreibkünste beim Schlager-in-die-Handlung-Einbinden leicht minimiert wie auch die verschiedenen Subplots, die letzten Endes immer auf die wundersamste Weise miteinander verbunden werden. Dennoch darf man sich zeitweise auf einige Ulkigkeiten am laufenden Band sowie auf eine Menge platt-angezogenen (einst riskanten) Sex-Appeal freuen, wie es sich für Schreiberling Billian gehört.

 
Endlich frei sein!
Das fängt schon bei der Ausgangslage des Plots an, in welchem der Modellzeichner Walter Thomas (Schönherr), im Einsatz beim titelgebenden Urlaubsziel-Paradies, in finanzielle Engpässe gerät, da sein Boss in Deutschland, Textilien-Fabrikant Hugo Becker (Fritz Benscher), nicht mehr auf die neuesten Bikini-Entwürfe warten kann und solange nichts mehr vorpumpt, bis Ergebnisse geliefert werden. Walter, von Anfang an schon als schlacksiger Casanova dargestellt, kommt trotzdem über die Runden, solange er zwischen seinen zwei Damen - 1.) seine Begleitung Ingrid (Hannelore Auer) und 2.) die Tochter jenes Hotelbesitzers, bei dem er nun nicht mehr einquartiert bleiben kann, Tina (Margitta Scherr) - hin- und herpendelt, was die jeweilige Liebhaberin natürlich höchst eifersüchtig macht und in Ingrids Fall besonders bitter aufstößt, da sie die Hotelrechnungen mit Sanges-Einsätzen in der Hausbar begleichen muss. Währenddessen ist im Hause Becker der Teufel los, da Tochter Renate (Maria Brockerhoff) von ihrem Internat ausgerissen ist, um Urlaub an der...na?....Adria (natürlich) zu machen. Drum werden gleich zwei Leute in Beckers Auftrag ebenso dahin geschickt: der verhaltene Prokurist Heribert Kindlein (Thomas Alder), welcher die Anstrengungen Walters in Frauenkleidern ausspionieren soll, sowie der strahlende Millionär Sr. Hernandez di Castillo (Gustavo Rojo), der um die Hand von Renate anhalten will, nachdem er beim Anblick ihres Fotos zweimal hintereinander den Rahmen mit seinen Händen gesprengt hat. 'Zweimal' bedeutet in diesem Fall: Running Gag - und davon hat der Film so einige zu bieten. Da wäre einmal jener ältere Herr, der Kindlein in seiner Verkleidung so überzeugend und scharf findet, dass er ihm den Hof machen will und zu den ungünstigsten Momenten auftaucht - dafür bei der unausweichlichen Offenbarung des Geschlechterspiels einen hämischen Golfball vom Film in den Mund geschossen bekommt. Erwähnt sei dabei auch jenes surreales Vorkommnis, bei dem Kindlein seinen Verfolger, mit einer kleinen Hunde-Figur in der Hand, durch Gebell aus seinem eigenen Mund in die Flucht schlägt.


Immer schön lächeln
Den Hauptanteil an Lachern liefert aber (besonders anfangs) Vater Becker selbst, der scheinbar ohne Brille ein regelrechter Mr. Magoo ist und sich zudem des Öfteren freudianisch im Wortschatz vertut. Beispiele gefällig? Ihm wird ein Mannequin vor die Augen gestellt, er hält es für seine Sekretärin Fräulein Habicht (Ruth Stephan) und fragt 'In was für einem Fahrstuhl...äh, Aufzug laufen sie denn hier rum?'. In der Verwechslung packt er auch zunächst sie anstelle der Puppe zum Wegpacken an. Und soll er mal den Hörer seines gelben Telefons abnehmen, greift er ausgerechnet zur Banane, die zufällig daneben liegt. Wer sowas ins Drehbuch schreibt, kann kein schlechter Mensch sein. Denn Billian, späterer Erotik-Spezialist, präsentiert hierin auch ein ironisches Mannsbild, das nichts ohne seine Nächste (=Habicht) gebacken kriegt und darin wohlgemerkt sein Glück findet. Das gilt gleichfalls für unsere Charaktere an der Adria, die zwar alle irgendwann dem gegenseitigen Frust verfallen - aber zumindest am Ende des Tages doch noch den passenden Partner finden, wobei die Damen allen am Ehesten auf die Sprünge helfen. Halten wir das mal ein bisschen chronologisch fest: da Walter aus dem voll ausgebuchten Hotel verbannt wird, muss sich Spion/in Kindlein ein Zimmer mit Ingrid teilen, die bis dahin nur seine feminine Seite sieht und ihm Einblicke gewährt, die nicht jedem so einfach erlaubt sind (bezeichnender Schlüsselmoment, ganz nach dem Autor: Ingrid liegt beim Sonnen auf dem Bauch, lediglich mit einem Handtuch am Gesäß, da sie ja glaubt, 'unter Frauen' zu sein). Walter ohne Bleibe hingegen, der zwischendurch in Schiffsruinen ein wehmütiges Lied von 'Don Juan' zum Besten gibt, bekommt von seiner Tina den Tipp, sich in der leerstehenden Villa Paradiso einzuquartieren. Dort jedoch versteckt sich im großen Bett, ihm unbemerkt, schon die Quasi-Besitzerin des Ladens, Renate! Hinzu kommt, dass Tina, Ingrid und Kindlein ihm dahin folgen und in flagranti erwischt haben zu glauben!


Spaß in der Wanne und im Gesicht
Nun lösen sich die früheren Liebhaber von Walter, aber beim Eintreffen der Polizei setzt er alles daran, Renate aus der Patsche zu helfen, da er glaubt, sie wäre ebenso ein armer Vogel wie er. Das Spiel macht sie mit und erobert sein Herz. Da dadurch aber auch Kindleins Schwindel mit der Damenwäsche-Spionage auffliegt, ist Ingrid ihm gegenüber doch etwas groggi, doch dabei gibt er ihr zu, sich in sie verliebt zu haben. Von diesem Geständnis doch imponiert, lässt sie sich ebenso zu einer Maskerade hinreißen und schüchtert ihn als ihre eigene Oma ein. Doch daraufhin steigt sie auf die Bühne und stimmt in der schönsten Szene des Films einen gewitzten Striptease sowie das optimistische Lied 'Einmal wird die Sonne wieder scheinen' an, bei dem unser Kindlein durch seelische Belohnung wieder ordentlich Mut fasst und allmählich seine Schüchternheit ablegt. Frauen kriegen sowas halt hin!
Währenddessen kommt aber Di Castillo ins Spiel und hegt natürlich Heiratsgefühle für Renate, die jedoch beim Besuch seiner Yacht 'dankend' ablehnt. Vielleicht hätte er sie nicht mit Sekt zuschütten sollen, wie es ihr bei ihrem baldigen Reichtum zustehen würde und auch die Frage, ob sie ihre zukünftigen Kinder echt oder künstlich ernähren sollen (?), hätte nicht unbedingt sein müssen. Das beschwört natürlich im Kampf um das Herz jener Dame ordentlich Prügel mit Walter herauf und wird erst dadurch aufgelöst, dass sie sich doch noch als Tochter Beckers entpuppt - nebenbei lernt Castillo auch Tina kennen und wird schließlich ihr nun gemäßigtes Herzblatt (ihr Vater, der vorher etwas gegen jede Männerbekanntschaft von ihr hatte, gibt da seinen Segen, weil Millionenvermögen und so - typisch opportunistische Witzfigur von Mann). In der Ehre gekränkt, beschließt Walter nur noch die letzten Bikini-Entwürfe für eine kommende Modenschau fertigzustellen und dann ein für alle Mal abzuhauen. Doch Oh, Schreck! Die Bikinis werden von einigen Einheimischen geklaut, die schon die ganze Zeit einen Kieker auf Walter hatten, da er ihre Freundinnen als Modelle benutzte - da hilft nur noch: direktes Anpinseln der neuen Entwürfe auf die Haut. Ein Geniestreich! Und siehe da: bei dem glücklichen Erfolg, mit seinen juchzenden Tänzen und Trompeten (Roy Etzel), kann Walter nicht anders, als zu seiner Renate zurückzukehren. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute an der Adria.


Stress im Textilgeschäft
Wie gesagt, ein ziemlich konventionelles Prozedere in dieser Genre-Arbeit und vorallem in Sachen Schlager-Einschlag etwas unterbesetzt. Den besten Eindruck macht da natürlich die Auer mit der gewohnten Spielfreude, auch wenn ihr Make-Up in diesem Film nicht allzu natürlich, geradezu Diva-haft wirkt - da kamen frühere Auftritte weit quirliger, obwohl ihre Freizügigkeit hier einige neue Dimensionen annimmt und sie noch immer verführerisch mit der Zunge schnalzen kann, obwohl es in manchen Situationen gar nicht nötig ist. Manfred Schnelldorfer hingegen erhält mal einen tatsächlichen Einsatz als Nebendarsteller, der dadurch eingeführt wird, dass er als junger Jurist Renate beim Hitchhiking vor einem alten Sack rettet, welcher ein paar 'Gefälligkeiten' von ihr verlangte. Später trifft sie ihren netten Samariter beim Zelten wieder und dieser tröstet sie, basierend auf dem Hadern mit ihrer Identität gegenüber Walter, mit der Aussicht auf ihn selbst als Alternative anhand des Liedes 'Und dann komm zu mir.' - daraus wird für ihn nie was, aber Versuch macht ja bekanntlich kluch. Die letzte Schlagernummer im Bunde ist dann lediglich noch Vivi Bach mit ihrem Song 'Oh, Mister Brown', den sie bei der Modenschau singen soll, aber ganz klar in irgendeinem Studio, komplett abseits vom Narrativ und seinen Figuren, nachgedreht wurde. Es stellt die befremdlichste Nummer im Film dar (von denen er mehr hätte gebrauchen können) und kann vorallem dadurch auftrumpfen, was mit dem sogenannten Mr. Brown bei jeder Strophe passiert. In der ersten sitzt er noch ganz normal da, in der zweiten ist er plötzlich in einem Käfig gefangen und in der dritten ist er warum auch immer nur noch eine Pflanze, lediglich weiterhin mit derselben Melone auf dem Kopf - aber Vivi spricht/singt ihn immer gleich an, das ist doch nett.


Das war's dann aber auch mit den großen Besonderheiten des Films, der zwar anfangs schick urig und knallig, sexy und blödelig daherkommt, aber sich zur Mitte hin etwas zieht und unmotiviert den Liebesreigen in die Tat umsetzt. Zum einen ist das nicht gerade Billians beste Arbeit, zum anderen ist Regisseur Lothar Gündisch in seinem einzigen, eigenständigen Werk (war eher 2nd Unit Director - zumindest Co-Regisseur von Billians 'HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE') kein Spielleiter vom Schlag eines Billians und erst reicht kein Hofbauer, welche beide eine gelungenere, wildere Frische und Energie in ihren Genre-Arbeiten ablieferten. Aber zumindest ist sein Schnitt teilweise so zerfahren, speziell bei einigen unbeholfen-getricksten Gags, dass er fröhlich-eckig ins Auge springt und auf ein stimmiges Ensemble kann er sowieso stets zurückgreifen, auch wenn er es etwas unterfordert (wodurch selbst die sprunghafte Auer teilweise etwas steif wirkt) - aber allen voran die Szenen zwischen Benscher und Stephan haben trotz theatralischem Ambiente eine ungebremst-dusselige Dynamik. Und ja, auch der Herr Schönherr lässt es selbstsicher, mit gewinnendem Lächeln und unbedarfter Schlagfertigkeit im Umgang mit den Damen, ordentlich krachen. Ein bisschen jugendlicher Macho-'Tiefsinn' und das berüchtigte Eingeschnappt-Sein dürfen da natürlich auch nicht fehlen und unterstützen dahingehend nochmals die niedliche Entlarvung männlichen Gehabes, aber bieten stets die Chance auf gewissenhafte Wiedergutmachung beim weiblichen Geschlecht. Zusammen mit dem gesamten Weltbild des Films eben ein typischer, naiv-harmloser Rom-Com-Stuff mit Happy-End und trotz kokettierendem Sex-Appeals nur bedingt spannend. Da bietet das Genre noch weit eigensinnigere Exoten und charmante Show-Stehler wie Gus Backus, Billy Mo, Peggy March und Teddy Parker. Aber so, für ein paar unterhaltsame 1 1/2 Stunden im 60's Chic der lauwarmen Strand-Luft Spaniens, kann man das schon mal gut aushalten, ein paar Mal gut deftig lachen und kindisch hoffen/wissen, dass bei der Urlaubs-Stimmung am Ende immer alles gut geht.


6 von 10 Bikini-Pinseleien


vom Witte