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Review: KOMM MIT ZUR BLAUEN ADRIA - Das Vergnügen, von Damen zu lernen

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Fakten:
Komm mit zur blauen Adria
BRD. 1965. Regie: Lothar Gündisch. Buch: Hans Billian. Mit: Hannelore Auer, Dietmar Schönherr, Maria Brockerhoff, Thomas Adler, Margitta Scherr, Gustavo Rojo, Fritz Benscher, Sadie Mertzger, Johanna König, Ruth Stephan. Manfred Schnelldorfer, Uschi Humoth u.a. Länge: 93 Minuten.  FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Statt zu arbeiten, vergnügt sich der Modellzeichner eines Bademodenfabrikanten an der Adria. Und statt eines Trailers (den wir nicht gefunden haben) zeigen wir euch ein Katzenvideo.




Meinung:
Zu Ehren des jüngst verstorbenen Dietmar Schönherr kam ich nicht umhin, mir diese launige Schlager-Klamotte direkt von der Adria (Drehort: Costa del Sol) anzusehen, erst recht da das Drehbuch erneut von meinem liebsten Autoren jenes Genres, Hans Billian, stammt. Und auch so bekannte Gesichter aus der Zeit, wie Hannelore Auer, Margitta Scherr, Manfred Schnelldorfer und einmal auch Vivi Bach (Ehefrau Schönherrs ab 1965, dem Entstehungsjahr dieses Films), lassen sich blicken, geben den ein oder anderen, schnulzigen Hit zum Besten. Für mich als Experten dieser Film-Sparte stellt dieser Streifen hier zwar einen der schwächeren Exemplare dar, da er hauptsächlich als geradlinige Liebeskomödie funktioniert, die weit hergeholten Schreibkünste beim Schlager-in-die-Handlung-Einbinden leicht minimiert wie auch die verschiedenen Subplots, die letzten Endes immer auf die wundersamste Weise miteinander verbunden werden. Dennoch darf man sich zeitweise auf einige Ulkigkeiten am laufenden Band sowie auf eine Menge platt-angezogenen (einst riskanten) Sex-Appeal freuen, wie es sich für Schreiberling Billian gehört.

 
Endlich frei sein!
Das fängt schon bei der Ausgangslage des Plots an, in welchem der Modellzeichner Walter Thomas (Schönherr), im Einsatz beim titelgebenden Urlaubsziel-Paradies, in finanzielle Engpässe gerät, da sein Boss in Deutschland, Textilien-Fabrikant Hugo Becker (Fritz Benscher), nicht mehr auf die neuesten Bikini-Entwürfe warten kann und solange nichts mehr vorpumpt, bis Ergebnisse geliefert werden. Walter, von Anfang an schon als schlacksiger Casanova dargestellt, kommt trotzdem über die Runden, solange er zwischen seinen zwei Damen - 1.) seine Begleitung Ingrid (Hannelore Auer) und 2.) die Tochter jenes Hotelbesitzers, bei dem er nun nicht mehr einquartiert bleiben kann, Tina (Margitta Scherr) - hin- und herpendelt, was die jeweilige Liebhaberin natürlich höchst eifersüchtig macht und in Ingrids Fall besonders bitter aufstößt, da sie die Hotelrechnungen mit Sanges-Einsätzen in der Hausbar begleichen muss. Währenddessen ist im Hause Becker der Teufel los, da Tochter Renate (Maria Brockerhoff) von ihrem Internat ausgerissen ist, um Urlaub an der...na?....Adria (natürlich) zu machen. Drum werden gleich zwei Leute in Beckers Auftrag ebenso dahin geschickt: der verhaltene Prokurist Heribert Kindlein (Thomas Alder), welcher die Anstrengungen Walters in Frauenkleidern ausspionieren soll, sowie der strahlende Millionär Sr. Hernandez di Castillo (Gustavo Rojo), der um die Hand von Renate anhalten will, nachdem er beim Anblick ihres Fotos zweimal hintereinander den Rahmen mit seinen Händen gesprengt hat. 'Zweimal' bedeutet in diesem Fall: Running Gag - und davon hat der Film so einige zu bieten. Da wäre einmal jener ältere Herr, der Kindlein in seiner Verkleidung so überzeugend und scharf findet, dass er ihm den Hof machen will und zu den ungünstigsten Momenten auftaucht - dafür bei der unausweichlichen Offenbarung des Geschlechterspiels einen hämischen Golfball vom Film in den Mund geschossen bekommt. Erwähnt sei dabei auch jenes surreales Vorkommnis, bei dem Kindlein seinen Verfolger, mit einer kleinen Hunde-Figur in der Hand, durch Gebell aus seinem eigenen Mund in die Flucht schlägt.


Immer schön lächeln
Den Hauptanteil an Lachern liefert aber (besonders anfangs) Vater Becker selbst, der scheinbar ohne Brille ein regelrechter Mr. Magoo ist und sich zudem des Öfteren freudianisch im Wortschatz vertut. Beispiele gefällig? Ihm wird ein Mannequin vor die Augen gestellt, er hält es für seine Sekretärin Fräulein Habicht (Ruth Stephan) und fragt 'In was für einem Fahrstuhl...äh, Aufzug laufen sie denn hier rum?'. In der Verwechslung packt er auch zunächst sie anstelle der Puppe zum Wegpacken an. Und soll er mal den Hörer seines gelben Telefons abnehmen, greift er ausgerechnet zur Banane, die zufällig daneben liegt. Wer sowas ins Drehbuch schreibt, kann kein schlechter Mensch sein. Denn Billian, späterer Erotik-Spezialist, präsentiert hierin auch ein ironisches Mannsbild, das nichts ohne seine Nächste (=Habicht) gebacken kriegt und darin wohlgemerkt sein Glück findet. Das gilt gleichfalls für unsere Charaktere an der Adria, die zwar alle irgendwann dem gegenseitigen Frust verfallen - aber zumindest am Ende des Tages doch noch den passenden Partner finden, wobei die Damen allen am Ehesten auf die Sprünge helfen. Halten wir das mal ein bisschen chronologisch fest: da Walter aus dem voll ausgebuchten Hotel verbannt wird, muss sich Spion/in Kindlein ein Zimmer mit Ingrid teilen, die bis dahin nur seine feminine Seite sieht und ihm Einblicke gewährt, die nicht jedem so einfach erlaubt sind (bezeichnender Schlüsselmoment, ganz nach dem Autor: Ingrid liegt beim Sonnen auf dem Bauch, lediglich mit einem Handtuch am Gesäß, da sie ja glaubt, 'unter Frauen' zu sein). Walter ohne Bleibe hingegen, der zwischendurch in Schiffsruinen ein wehmütiges Lied von 'Don Juan' zum Besten gibt, bekommt von seiner Tina den Tipp, sich in der leerstehenden Villa Paradiso einzuquartieren. Dort jedoch versteckt sich im großen Bett, ihm unbemerkt, schon die Quasi-Besitzerin des Ladens, Renate! Hinzu kommt, dass Tina, Ingrid und Kindlein ihm dahin folgen und in flagranti erwischt haben zu glauben!


Spaß in der Wanne und im Gesicht
Nun lösen sich die früheren Liebhaber von Walter, aber beim Eintreffen der Polizei setzt er alles daran, Renate aus der Patsche zu helfen, da er glaubt, sie wäre ebenso ein armer Vogel wie er. Das Spiel macht sie mit und erobert sein Herz. Da dadurch aber auch Kindleins Schwindel mit der Damenwäsche-Spionage auffliegt, ist Ingrid ihm gegenüber doch etwas groggi, doch dabei gibt er ihr zu, sich in sie verliebt zu haben. Von diesem Geständnis doch imponiert, lässt sie sich ebenso zu einer Maskerade hinreißen und schüchtert ihn als ihre eigene Oma ein. Doch daraufhin steigt sie auf die Bühne und stimmt in der schönsten Szene des Films einen gewitzten Striptease sowie das optimistische Lied 'Einmal wird die Sonne wieder scheinen' an, bei dem unser Kindlein durch seelische Belohnung wieder ordentlich Mut fasst und allmählich seine Schüchternheit ablegt. Frauen kriegen sowas halt hin!
Währenddessen kommt aber Di Castillo ins Spiel und hegt natürlich Heiratsgefühle für Renate, die jedoch beim Besuch seiner Yacht 'dankend' ablehnt. Vielleicht hätte er sie nicht mit Sekt zuschütten sollen, wie es ihr bei ihrem baldigen Reichtum zustehen würde und auch die Frage, ob sie ihre zukünftigen Kinder echt oder künstlich ernähren sollen (?), hätte nicht unbedingt sein müssen. Das beschwört natürlich im Kampf um das Herz jener Dame ordentlich Prügel mit Walter herauf und wird erst dadurch aufgelöst, dass sie sich doch noch als Tochter Beckers entpuppt - nebenbei lernt Castillo auch Tina kennen und wird schließlich ihr nun gemäßigtes Herzblatt (ihr Vater, der vorher etwas gegen jede Männerbekanntschaft von ihr hatte, gibt da seinen Segen, weil Millionenvermögen und so - typisch opportunistische Witzfigur von Mann). In der Ehre gekränkt, beschließt Walter nur noch die letzten Bikini-Entwürfe für eine kommende Modenschau fertigzustellen und dann ein für alle Mal abzuhauen. Doch Oh, Schreck! Die Bikinis werden von einigen Einheimischen geklaut, die schon die ganze Zeit einen Kieker auf Walter hatten, da er ihre Freundinnen als Modelle benutzte - da hilft nur noch: direktes Anpinseln der neuen Entwürfe auf die Haut. Ein Geniestreich! Und siehe da: bei dem glücklichen Erfolg, mit seinen juchzenden Tänzen und Trompeten (Roy Etzel), kann Walter nicht anders, als zu seiner Renate zurückzukehren. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute an der Adria.


Stress im Textilgeschäft
Wie gesagt, ein ziemlich konventionelles Prozedere in dieser Genre-Arbeit und vorallem in Sachen Schlager-Einschlag etwas unterbesetzt. Den besten Eindruck macht da natürlich die Auer mit der gewohnten Spielfreude, auch wenn ihr Make-Up in diesem Film nicht allzu natürlich, geradezu Diva-haft wirkt - da kamen frühere Auftritte weit quirliger, obwohl ihre Freizügigkeit hier einige neue Dimensionen annimmt und sie noch immer verführerisch mit der Zunge schnalzen kann, obwohl es in manchen Situationen gar nicht nötig ist. Manfred Schnelldorfer hingegen erhält mal einen tatsächlichen Einsatz als Nebendarsteller, der dadurch eingeführt wird, dass er als junger Jurist Renate beim Hitchhiking vor einem alten Sack rettet, welcher ein paar 'Gefälligkeiten' von ihr verlangte. Später trifft sie ihren netten Samariter beim Zelten wieder und dieser tröstet sie, basierend auf dem Hadern mit ihrer Identität gegenüber Walter, mit der Aussicht auf ihn selbst als Alternative anhand des Liedes 'Und dann komm zu mir.' - daraus wird für ihn nie was, aber Versuch macht ja bekanntlich kluch. Die letzte Schlagernummer im Bunde ist dann lediglich noch Vivi Bach mit ihrem Song 'Oh, Mister Brown', den sie bei der Modenschau singen soll, aber ganz klar in irgendeinem Studio, komplett abseits vom Narrativ und seinen Figuren, nachgedreht wurde. Es stellt die befremdlichste Nummer im Film dar (von denen er mehr hätte gebrauchen können) und kann vorallem dadurch auftrumpfen, was mit dem sogenannten Mr. Brown bei jeder Strophe passiert. In der ersten sitzt er noch ganz normal da, in der zweiten ist er plötzlich in einem Käfig gefangen und in der dritten ist er warum auch immer nur noch eine Pflanze, lediglich weiterhin mit derselben Melone auf dem Kopf - aber Vivi spricht/singt ihn immer gleich an, das ist doch nett.


Das war's dann aber auch mit den großen Besonderheiten des Films, der zwar anfangs schick urig und knallig, sexy und blödelig daherkommt, aber sich zur Mitte hin etwas zieht und unmotiviert den Liebesreigen in die Tat umsetzt. Zum einen ist das nicht gerade Billians beste Arbeit, zum anderen ist Regisseur Lothar Gündisch in seinem einzigen, eigenständigen Werk (war eher 2nd Unit Director - zumindest Co-Regisseur von Billians 'HÖRIG BIS ZUR LETZTEN SÜNDE') kein Spielleiter vom Schlag eines Billians und erst reicht kein Hofbauer, welche beide eine gelungenere, wildere Frische und Energie in ihren Genre-Arbeiten ablieferten. Aber zumindest ist sein Schnitt teilweise so zerfahren, speziell bei einigen unbeholfen-getricksten Gags, dass er fröhlich-eckig ins Auge springt und auf ein stimmiges Ensemble kann er sowieso stets zurückgreifen, auch wenn er es etwas unterfordert (wodurch selbst die sprunghafte Auer teilweise etwas steif wirkt) - aber allen voran die Szenen zwischen Benscher und Stephan haben trotz theatralischem Ambiente eine ungebremst-dusselige Dynamik. Und ja, auch der Herr Schönherr lässt es selbstsicher, mit gewinnendem Lächeln und unbedarfter Schlagfertigkeit im Umgang mit den Damen, ordentlich krachen. Ein bisschen jugendlicher Macho-'Tiefsinn' und das berüchtigte Eingeschnappt-Sein dürfen da natürlich auch nicht fehlen und unterstützen dahingehend nochmals die niedliche Entlarvung männlichen Gehabes, aber bieten stets die Chance auf gewissenhafte Wiedergutmachung beim weiblichen Geschlecht. Zusammen mit dem gesamten Weltbild des Films eben ein typischer, naiv-harmloser Rom-Com-Stuff mit Happy-End und trotz kokettierendem Sex-Appeals nur bedingt spannend. Da bietet das Genre noch weit eigensinnigere Exoten und charmante Show-Stehler wie Gus Backus, Billy Mo, Peggy March und Teddy Parker. Aber so, für ein paar unterhaltsame 1 1/2 Stunden im 60's Chic der lauwarmen Strand-Luft Spaniens, kann man das schon mal gut aushalten, ein paar Mal gut deftig lachen und kindisch hoffen/wissen, dass bei der Urlaubs-Stimmung am Ende immer alles gut geht.


6 von 10 Bikini-Pinseleien


vom Witte

Review: …DENN DIE MUSIK UND DIE LIEBE IN TIROL - Hully-Gully-Übermut der Süßlichkeiten

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Fakten:
…denn die Musik und die Liebe in Tirol
BRD. 1963. Regie: Werner Jacobs. Buch: Max Rottmann. Mit: Vivi Bach, Hannelore Auer, Claus Biederstedt, Gunther Philipp, Thomas Adler, Corny Collins, Gus Backus, Hugo Lindinger, Gerd Vespermann, Franz Muxeneder, Trude Herr, Marie France u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell leider nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Susanne erbt gemeinsam mit ihrer Cousine Monika eine Berghütte an der Grenze zwischen Österreich und Italien. Die Musikstudentin ahnt dabei nicht, dass die Hütte von Oskar Ortshaus für dessen Schmuggelgeschäfte genutzt wird. Als auch noch Susannes Verehrer im Dorf auftaucht, nehmen die Überraschungen für Susanne kein Ende mehr.




Meinung:
Hier mal etwas ganz Außergewöhnliches: eine doch recht frühe MusicHouse-Filmproduktion ohne Hans-Billian-Drehbuch. Da fragt man sich natürlich, wie die auch nur im Entferntesten etwas taugen könnte, aber da kann ich schon mal ein bisschen entwarnen, da Drehbuchautor Max Rottmann stets mit ihm die Stories für all jene Streifen entwickelte und mit Werner Jacobs als Regisseur ein durchaus fähiger Spaßgarant seine Finger im Spiel hat. Das Ensemble ist wie immer eine Goldmine und auch die ausgewählten Schlagernummern haben einen flotten Drive in petto, der sich ebenso auf der visuellen Ebene in Tanz und Spielfreude niederschlägt. Zudem ist der Plot mal eine gewisse Abwechslung von den ganzen ausreißenden Töchtern, Textil-Fabrikanten und komplexen Liebeswechseln, bleibt hier äußerst geradlinig und mit einem kleinen, naiven Krimi-Faktor in der österreichischen Alm versehen. Das bedeutet aber auch einen Mangel an Sex, der sonst so prominent auftaucht, hier eher einer leicht lausbubigen Frechheit und jugendlichem Esprit Platz macht. So ist das eben ohne Billian, aber lassen wir das mal außen vor und begutachten, was wir hier vorfinden können.


Ja, die Vivi kann man nur liebhaben
Der Film besteht aus schlicht zwei Subplots, die recht schnell und homogen miteinander verbunden werden. Zunächst sehen wir die zwei singenden Landstreicher Peter (Gus Backus) und Paul (Gerd Vespermann) über die Grenze nach Österreich treten, bis sie an einer verlassenen Almhütte Rast machen, einbrechen und dort die reichhaltigen Vitamine A wie Alkohol und S wie Salami in rauen Mengen vorfinden - tatsächlich sind sie in einem Schmugglernest des Gangsters Oskar Ortshaus (Hubert Von Meyerinck) eingedrungen, der sie aber als Komplizen verpflichtet, um die heiße Ware zu transportieren. Derzeitig in Innsbruck ist Herbert Petunius (Gunther Philipp) auf Talentsuche für den zukünftigen 'vierten Kanal' unterwegs und hört aus einem Reihenhaus hochwertige Trompetentöne. Die kommen aber von einer gewissen Susanne Berger (Vivi Bach) und die kann er leider nicht verpflichten, da er aufgrund seiner Schwäche für Frauen nur noch für Männertalente beauftragt wurde (im Grunde das genaue Gegenteil von Thomas Alders Rolle in 'TAUSEND TAKTE ÜBERMUT'.).


Doch so leicht gibt sie nicht auf und lädt ihn zusammen mit Freundin Heidi (Corny Collins) zum Besuch des Top-Clubs 'HEISSES PFLASTER' ein, wo sie zusammen mit ihrem Freund Walter (Thomas Alder) fesche Jazznummern (u.a. 'King Hully Gully') spielt, die bei großem Aufgebot freudig betanzt werden. Vom Fleck weg engagiert Talent-Scout Hubert immerhin Walters Band, doch für Susanne kommt schon das nächste Glück ins Haus, als ihre unschuldige Cousine vom Lande, Monika (Hannelore Auer), ihr von der Erbschaft eines echt dollen Anwesens berichtet: jene Almhütte, von der aus Ortshaus schmuggelt! Das weiß aber noch keiner von unseren Protagonisten, stattdessen sind sie alles andere als begeistert davon, in welch katastrophalem Zustand sich die Hütte befindet. Deshalb trommeln sie mithilfe der Motivationspower vom plötzlich auftretenden Teddy Parker und seinem thematisch etwas deplatzierten 'Holiday Twist' ein paar Studentinnen zusammen, die beim Wiederaufbau helfen sollen. Doch die Schmuggler wollen das Feld nicht so leicht räumen und inszenieren einen Plan, bei dem sich Peter und Paul sowie der geheimnisvolle Fred (Claus Biederstedt) als die arbeitslose Band 'Los Romanticos' ausgeben und so das Mitleid von Susanne auslösen - Ehre unter Musik-Kollegen und so, nehme ich mal an.


Tirol, das Land der Oldtimer
Doch die müssen auch mithelfen und so singen alle gemeinsam beim fröhlichen Umbau das Titellied mit passenden, gewitzten Strophen zum Geschehen - Wie eben ein waschechtes, pures Musical! Kommt in dem Genre nicht allzu oft so harmonisch-eingearbeitet vor -, während unterm Erdgeschoss im versteckten Keller der Vagabund Krummblick (Franz Muxeneder) Wache halten muss und sich die Zeit mit reichlich Ballantine's vertreibt. Apropos Spiritus: damit mal wieder geschmuggelt werden kann, sollen die Mädels mit einem besonders starken Wein von unserem Herren-Trio außer Gefecht gesetzt werden - doch die erwischen die falsche Flasche und so sieht man Gus Backus mal wieder ordentlich-doof besoffen spielen, wie später in Billians 'ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT'. Also wird's diesmal nix aus der Schmuggelei, stattdessen wird die Hütte mit einer großen Hausmusik-Party eingeweiht, bei der so flippige Gäste wie Elke Sommer mit ihrem 'Hully Gully Italiano' auftreten. Kesser gestaltet sich aber ein Duett von Vivi Bach und Hannelore Auer, nachdem letztere als schüchterne Landpomeranze ein paar Schnäpse zuviel zu sich genommen hat und den akrobatischen 'Almdudl-Twist' zum Besten gibt. Da schaut auch Susannes Freund Walter dumm aus der Wäsche und man merkt: da bahnt sich was an, auch weil er bei dem ganzen Umbau Susanne kaum noch zu sehen bekommen hat und diese sich stattdessen ausgerechnet in Fred verguckt.


Aber Walter riecht da auch den Braten, dass irgendwas nicht so ganz richtig mit den Kerlen läuft und so erwischt er aus sicherer Distanz einen Blick darauf, wie sie in die Hütte einbrechen und die Mädels nun ohne Pardon terrorisieren, weshalb er die Polizei verständigt, diese aber alle als Verdächtige festnimmt. Monika hingegen konnte noch türmen und so unternimmt sie incognito, zusammen mit Walter, weitere Nachforschungen zur Entlastung der anderen Mädels, was sich später schlicht von alleine auflöst, aber die Bindung zwischen den Beiden dennoch stärkt. Gleiches gilt auch für Hubert Petunius, der inzwischen offenbar Gefühle zu Heidi pflegt und dahingehend ebenso ihre Freilassung fordert, da er sich jetzt doch wieder entschlossen hat, auch Frauentalente zu 'entdecken'. Sie hat aber einen Heiratsantrag erwartet, weshalb da nochmals getrennte Wege gegangen werden. Alle treffen sich jedoch auf der großen Wiedereröffnungsparty (?) der Almhütte wieder, wo so einige Gesangstalente ihr großes Stelldichein geben: Peppino Di Capri lässt honkig und twistig seine 'Signorina mit dem blonden Haar' vom Stapel, während Billy Mo sich weigert aufzutreten, mit der ironischer Weise von ihm besungenen Begründung 'Ohne Geld gibt's keine Musik' - danach taucht er auch nicht mehr auf, also war er wohl konsequent. Peter und Paul wollen auch ihre Chance versuchen, von Petunius entdeckt zu werden, doch weil der jetzt nur noch Frauen engagiert, entschließen sich die Beiden zu einer Teiltravestie mit dem Titel 'Caroline', die durchaus Erfolg hat. Doch wie geht die Geschichte nun in Sachen Liebe aus, schließlich hat der Film sogar relativ behutsam und kohärent darauf hingearbeitet, diese melodramatisch aufzulösen.


Flirten auf tirolerisch?
Man muss ja dabei mal erwähnen, wie Hannelore Auer entgegen ihres sonstigen Image eine recht schüchterne Maus spielt, auch äußerlich noch ganz jung, unverbraucht-juxig und bescheiden-unwissend rüberkommt - weshalb sie sich auch schweren Herzens nicht in die Beziehung von Walter und Susanne einmischen will, da die Beiden in ihren Augen ja wohl zusammengehören und sie dafür sogar in Kauf nimmt, mit trauriger unerfüllter Liebe wieder in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Doch da hält sie Walter auf und macht ihr auf der Stelle einen süßen Heiratsantrag. Glück auf, wie schön! Selbiges gilt für Hubert und Heidi sowie für Susanne und Fred, der sich als Undercover-Rechtsanwalt entpuppt, welcher auf diese Art die Schmuggler dingfest gemacht hat und eben doch noch als ganz rechtschaffener, respektabler Traummann gehandelt wird. Wie die Sache für den Rest der Besetzung ausgeht, erklärt uns Gunther Philipp in einem Epilogen-haften Voiceover, der schon ein bisschen 'American Graffiti' und 'Animal House' vorwegnimmt, auf jeden Fall einen lustigen Abschluss für ein gelungenes Handlungs- und Figurengeflecht liefert, welches von Werner Jacobs ganz souverän und unterhaltsam auf die Beine gestellt wurde.


Und viel mehr bleibt dann auch nicht mehr über diese dufte Schlagerparade zu sagen - die langweilt zu keiner Minute, hat durchweg einen massiven Anteil an Musikpartien im Angebot, die zusammen mit Kamera & Schnitt ordentlich Energie und Frohsinn verbreiten, während die Konzentration in Story und Setting ein schön geerdetes Ambiente vermittelt und daraus sein durchgängig aufreizendes Gag-Potenzial zieht. Die Charakterisierungen der einzelnen Figuren sind zwar auch hier äußerst oberflächlich, aber dafür angenehm inoffensiv und frohmütig, selbst bei den exaltierten Gangstern, die glatt aus einem Lausbuben-Märchen stammen könnten. Das gehört eben zu Jacobs' Familien-freundlichen und sonnigen Stil, der jedoch fernab von der wahren Sexyness des hier oft besungenen Jazz und seinen Damen arbeitet und stattdessen nur harmlosen, bodenständigen Klamauk zaubert. Da kann ich wieder nur für mich sprechen, aber unter Billians Einfluss steckte doch ein gutes Stück mehr jugendliche Anarchie in derartigen Geschichten, die sich sodann auch weit 'riskantere' und frivolere Inhalte erlaubten, was ja irgendwie doch immer interessanter anzuschauen ist - besonders dann, wenn richtig verrückte Liebesverhältnisse aufgestellt werden und wirklich weit hergeholte Ulkigkeiten die alteingesessene Logik zerschreddern. Abgesehen davon bekommt man mit diesem Tiroler Schwank aber dennoch gelungene 90 Minuten Schlager-Spaß zusammen, die mit ihrem Schwung ordentlich zum Mittanzen und Mitkichern anregen und zumindest eine weitere zuckersüße Glasur über die sommerlichen Tage streichen.


6,5 von 10 entdeckten Talenten


vom Witte

Review: HOLIDAY IN ST. TROPEZ - Deutsche Chaoten im musikalischen Liebesurlaub

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Fakten:
Holiday in St. Tropez
Österreich. 1963. Regie: Ernst Hofbauer. Buch: Hans Bilian, Max Rottmann. Mit: Vivi Bach, Rudolf Prack, Ann Amyrner, Margitta Scherr, Mady Rahl, Gus Brackus, Hannelore Auer, Gerd Vespermann, Billy Mo, Alice Treff, Edith Hancke, Enzi Fuchs u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell leider nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Der angehende Hotelbesitzer Carlos bekommt Probleme mit der Fertigstellung seines Hotels an der Adria. Schnell bittet er seine Nichte Vivi in Deutschland, die bisher getätigten Buchungen zu stornieren. Leider erreicht sein Telegramm sie zu spät, und eine bunt gemischte Gruppe von Gästen reist an. Prompt schlagen diese im Garten des halbfertigen Gebäudes Zelte auf. Unter ihnen ist auch Carola, deren Eltern die Reise kurzfristig absagten, woraufhin sie von zu Hause ausriss. Sie bekommt eine Stelle als Tänzerin und inszeniert eine brenzlige Situation, um ihre Eltern an die Adria zu locken. Als diese ankommen, kommt es in der Bar, in der sie arbeitet, zu einer Schlägerei, und ihr Vater Robert rettet sie. Die drei schlafen den restlichen Urlaub im Zelt, während sich beim Rest der Reisegruppe interessante Konstellationen ergeben.





Meinung:
So, wir kennen ja alle schon die Regie-Arbeiten des Hans Billian im Schlagerfilm-Genre, aber der gute Mann hat auch Drehbuch-technisch viele ähnliche Werke auf die Beine gestellt. Eine von diesen stellt jener Film hier dar, wobei Ernst Hofbauer in seiner Funktion als Regisseur dem Autoren natürlich in nichts nachsteht, besonders gewissenhaft dessen Fokus auf Sex-Appeal emuliert. Aber wir wollen mal nicht so schnell vorgreifen und erstmal feststellen, mit was für einem Ensemble wir es hier zu tun haben - und das kann sich wahrlich sehen lassen (wenn man schon mit Billians Ergüssen vertraut ist), wird es doch genauso 'gewitzt eingeführt', wie man es vom souveränen Schreiberling erwartet.

 
So beginnt unser Abenteuer mit dem flotten Titellied, eingesungen und verkörpert vom hier etwas unterbesetzten Gus Backus ('ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT') auf einem Moped, der 4 Wochen dolle Ferien in St. Tropez besingt (welches hier im jugoslawischen Makarska "rekreiert" wurde), aber sodann von einer Gruppe einheimischer Arbeiter stunt-mäßig in eine Kiesgrube befördert wird - Zoff gibt's nicht, werfen sie ihm doch eine ordentliche Pulle Vino hinterher. Sodann kündigen jene Arbeiter beim sich-im-Aufbau-befindlichen Hotel St. Tropez der Eheleute Marisa & Carlos Fonti (Elma Karlowa & Kurt Großkurth), um in Deutschland als Gastarbeiter weit mehr zu verdienen. Kann man verstehen, besser wird das Bild der Einheimischen in diesem Film aber nicht. Auf jeden Fall ist die Not groß, hat doch die Nichte der Fontis, Vivi Sörensen (Vivi 'SO LIEBT UND KÜSST MAN IN TIROL' Bach, keine Ahnung wie die mit den Fontis verwandt sein könnte), bereits so einige potenzielle Urlauber per Reisebüro Reich in München angeworben. Dazu gehören nicht nur ihr anstehender Trottel-Verlobter und Reiseleiter Theo Reich (Gerd Vespermann) sowie ihr geheimer Beau Ricky (Thomas Alder), sondern auch Fraktionen zweier Familien: zum einen wäre da die 18-jährige Abiturientin Carola Engelhard (Margitta Scherr, 'DIE LUSTIGEN WEIBER VON TIROL', etc.), die ihren vornehmen Eltern Robert & Liane (Rudi Prack & Mady Rahl) zum Trotz von Zuhause flüchtet und als verlaustes Hippie-Mädel per Anhalter nach St. Tropez kommt und zum anderen Familienvater Philipp Kussmaul (Peter W. Staub, 'LUSTIGEN WEIBER...') mit seinen zwei Rotzgören Rups und Rita, dessen herrische Frau Friedericke (Edith Hancke, 'SO LIEBT UND KÜSST...') wegen Masern erst später nachkommen kann.

 

Und wenn die nicht schon genug wären, gibt's noch die vertrocknete Gouvernante Mrs. Wolf (Alice Treff) mit ihren 6 weiblichen Schützlingen sowie die vermeintliche Journalistin und eigentliche Freundin von Ricky, Michaela ('Evergreen' Hannelore Auer), dazu. Heidewitzka! Bei der Belegschaft ist verständlicher Weise niemand so recht erfreut, als sich ihnen die unfertige Hotel-Ruine offenbart, ganz zu schweigen von den Spannungen der Reise dorthin, bei dem der Kussmaul-Sohn Rups mit seinen Cowboy-Streichen die ganze Mannschaft aufgemischt und Missverständnisse deluxe verursacht hat (Kaugummi auf Foto-Linse; Verwirrung des Reiseleiters, der aus Versehen die Hand der Gouvernante in der Tür einklemmt, etc.). Ebenso ne richtig verzogene Göre, die später zusammen mit der Schwester auch Holzbalken klaut, damit andere auf die Schnauze fallen, eine ganze Badewanne (!) entwendet, um nach Afrika zu segeln und ohne rechte Provokation unsere Hannelore Auer am Baum verbrennen will. Seine einfache Begründung: das ist der Drang, sich als Kind auszutoben, was bei Frau Mutter ja nicht erlaubt ist. Ach so, na dann!




Rups als ausgewachsener Anarchisten-Frechdachs, der sowieso schon im Drehbuchschreiber selbst steckt, ist sodann auch der Schlüssel für einige frivole Streiche - so klaut er den Schützlingen der Gouvernante die BH's beim Topless-Sonnenbad, weshalb sie sich entrüstet mit dem Rücken zur Kamera, aber allzu knappen Bikini-Höschen, zusammenkuscheln, damit sie ja niemand so sieht. Bei dem Setting und Wetter bleibt den Damen der Schöpfung aber auch keine andere Wahl, als sich in reizvolle Badewäsche zu hüllen, da hat man schon weise vorausgedacht und feiert das folgerichtig inszenatorisch gut ab. Aber diese unbedarfte, durch und durch menschliche Fröhlich- und Freizügigkeit kommt ja nicht von ungefähr, immerhin hat sich die Hotel-lose Truppe dem 'heimatlosen' Umstand freiwillig ergeben und verbringt die sonnigen Tage am Meer in Zelten - bestes Camp(ing)-Feeling, da frohlockt nun mal die Frische der Ungezwungenheit. Den meisten Nutzen daraus zieht Hannelore Auer (und in dem Sinne natürlich auch der Zuschauer), die auf St. Tropez' Straßen schon 'Ein Strand voll Kavaliere' besingt und von eben diesen gierig beäugelt wird, was die Kamera ihnen natürlich schamlos gleichtut, von der Halbnahe ihres Gesäß an ihren Beinen vorbeifährt, um dann auf ihrem duften, verschmitzt-verführerischen Gesicht zu landen. Klar ist man da Voyeur, aber sie kokettiert ja gern damit. Auch sehr reizvoll, wie sie später mit gigantischem Ausschnitt Reiseleiter Reich tief blicken lässt, während er von starken Reisezielen voller bezaubernder 'Hügellandschaften' berichtet.



Geht's noch zwei/eindeutiger? Wie wär's mit der Verkäuferin Heidi Kirschmann (Ann Smyrner), die in St. Tropez auf Millionärsjagd geht, einen gefakeden Grafen (= Einheimischer, der sie sofort fallen lässt, sobald er merkt, dass sie kein Geld hat - aiaiai, Billian muss an seiner politischen Korrektheit arbeiten, vielleicht denkt da aber Hofbauer auch nur in seinem Milieu-Jargon) im Bikini anspricht, ihn beim gemeinsamen Diner sodann dafür lobt, dass er sie schon in jenem Zustand "gut behandelt" hat, woraufhin der Kellner dann ausgerechnet zwei Eisbecher mit Kirschen oben drauf heranliefert. Case closed. Erwähnenswert seien in diesem Kontext aber auch die akustischen Highlights des Films anhand seiner im Narrativ "eingearbeiteten" Schlager, die schon in Frau Kirschmanns Fall sehr präsent sind. Kommt sie nämlich in St. Tropez mit ihrem gemieteten Mercedes an, zieht Teddy Parker an ihr auf der Nebenspur vorbei und versucht mit seinem Hit 'Hätt ich ein weißes Sportcoupé' einen Flirt, bevor er einstweilig wieder aus der Story verschwindet. Bei jenem oben erwähnten Diner darf sodann auch (Little) Peggy March vorbeischauen, die zwar ihr flottes 'Lady Music' bereitstellt, aber eine furchtbare Oma-Frisur aufm Kopf hat. Kein Vergleich zu ihrem Auftritt in 'SPUKSCHLOSS IM SALZKAMMERGUT'. Übrigens ist das auch eine jener Schlager-Einschübe, bei denen sich die beteiligten Darsteller schlicht an einem Tisch abseits des Geschehens hinsetzen und ein bisschen miteinander parlieren - eine Formel, die mir inzwischen öfters aufgefallen ist.



Beiläufig ist auch der Auftritt Billy Mo's. Wie der zustande kommt, bedarf einer näheren Erläuterung: Carola, die Hausflüchtige, will ihre Eltern, die sie (aus Prinzip?) ins Paradies lockt, so richtig schocken und inszeniert eine Schlägerei in der Hafenkneipe, wo sie sich angeblich als Tänzerin verdient. Inwiefern das Austeilen der Prügel wirklich von den Intriganten choreographiert ist, bleibt fraglich, schließlich gibt's richtig hart-schreiend auf die Fresse - es musste wohl mal raus, bei der Gelegenheit liefert Hofbauer auch ein paar taff geschnittene Reißer-Shots der Kinnhaken-Action. Wie dem auch sei, Billy Mo stimmt inmitten dieses Chaos in Seemannskluft ein Tänzchen an und singt passenderweise 'Muss ein Seemann schwimmen können?' - eine Frage, die er sich selbst beantwortet, als er ins Wasser geschmissen wird. Man sieht: Billian versucht zumindest in diesem Fall, die Songs den bestimmten, dafür schon an sich weit hergeholten Situationen anzupassen. Dann aber gibt's solche Situationen, bei denen für eine halbe Minute lang unvermittelt ein Song-Ausbruch geschieht, als u.a. eine der 6 Gouvernanten-Damen sich als Christa Martin entpuppt, beim Kartoffelschälen aufsteht und wahrscheinlich als Ausdruck des jugendlich-liberalen Zeitgeistes 'I like the beatles' losfetzt, bevor sie antiklimatisch ihre Füße ins Kartoffel-Abwaschwasser tunkt. Ebenso sinnfrei gibt sich Klarinettist Acker Bilk die Ehre, der sein Stück 'Is this the blues?' auf einem Boot zum Besten gibt, während Finanzbetrüger Fred an Land geht und im weiteren Verlauf des Films innerhalb von lediglich zwei Szenen von Carola entlarvt wird, bevor ihre Mutter eines seiner Opfer wird.

 
Aber zwei weitere schöne Musik-Momente kann man noch loben: so sehen wir zum ersten Mal in einem Spielfilm den grandiosen Eiskunstläufer und weniger graziösen Schlagersänger Manfred Schnelldorfer, der als Gendarm seinen Knüppel durch ein Restaurant schwingt, dabei seinen Erstlings-Knaller 'Wenn du mal allein bist' darbietet und sich zu den besten Damen des Films hinsetzt, die sogar mitsingen können, auf jeden Fall offenbar durch ihn motiviert wieder lachen können, bevor er sodann wieder zum Horizont verschwindet. Er erfüllt zumindest seine Funktion als ordentlicher Trostspender, inmitten all der amourösen Wechselspiele, die Billians Schlager-Werke durchweg ausgezeichnet haben und auch in diesem Fall verhältnismäßig undurchsichtig und freimütig variiert werden, als dass man sie an dieser Stelle ausgiebig chronologisieren könnte. Viel mehr konzentriert man sich auf jene urplötzliche Begebenheit, bei der ein Mini-Konzert am Campingplatz abgehalten wird - wo Vivi Bach ein modernes 'Let's Shake' in den Raum wirft, bevor die pseudo-intriganten Liebesspiele ihres Rickys mit Michaela gehörig stürmische Eifersucht mit sich bringen -, sowie auf die folgende Ablenkung von jenen emotionalen Tiefpunkten, den 'Hully Gully Fox' der Nilsen-Brothers, wo tatsächlich jeder unvorbereitet bei der Choreographie mitmachen kann. Außer Rudi Prack, denn der beherrscht wie bei den LUSTIGEN WEIBERN VON TIROL nur klassische Schritte. Zwischendurch zum Schluss hin kommt dann nochmal Mutter Kussmaul vorbei, die sich reichlich Beschweren darüber anhören kann, wie scheiße ihre Kinder sind, bevor dann Vater Kussmaul so tun darf, als ob er Carola aus den tosenden Wellen rettet, um sich vor der Familie als Supertyp zu behaupten - und ja, auch die obligatorischen Verlobungen einiger verdrehter Paare dürfen nicht fehlen. Happy-End in St. Tropez!


Ich weiß, das klingt jetzt alles ein Stück weit verwirrender, als es wirklich ist. Bei der Besprechung der einzelnen, filmbestimmenden Faktoren habe ich schlichtweg ein bisschen auf die Kontinuität geschissen, da die narrativen Stilmittel dieser Art von Filmen ja schon weitläufig bekannt sein dürften - was aber nicht heißt, dass dieser Film Verachtung verdienen möge. Im Gegenteil, dieser Holiday ist eine genüssliche, naive Angelegenheit mit einigen schön hämisch-pointierten Gags, drolligen Darstellerleistungen und angenehmen jugoslawischen Kulissen im herrlich-antiquierten Agfacolor. Wer mit dem Style vertraut ist, kann sich dem Charme dieses luftig-belanglosen Liebesreigen ohnehin nicht entziehen, insbesondere dann, wenn Drehbuchautor Billian seinen clever-subversiven Erotik-Klamauk raushaut und Ernst Hofbauer ebenso exploitativ-kurzweilig die irren Verwicklungen und wahrscheinlich-froh-dass-sie-dabei-sein-und-gleichzeitig-Urlaub-machen-können Charakterdarsteller inkl. gewitzter Schlagerstaffel einfängt. Also, immer nur rein ins sommerliche Vergnügen!


7 von 10 geklauten Badewannen


vom Witte