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Review: CAEDES - DIE LICHTUNG DES TODES - Das Elend aus dem Unterholz

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Fakten:
Caedes – Die Lichtung des Todes
BRD, 2014. Regie: Slavko Spionjak. Buch: Slavica Spionjak, Slavko Spionjak. Mit: Bernhard Bozian, Burak Akkoyun, Lena Baader, Max Mayr, Tomi Babci, Ivana Babic, Ewald Der, Jakob Philipp Graf, Tobias Licht, Florian Simbeck u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Ab dem 15.10.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vier Freunde nehmen an einer Camping-Party im Wald teil. Als sie am nächsten Morgen erwachen, werden sie von Zombies angefallen. Sie und nur wenige andere Feiergenossen können sich gegen die Biester durchsetzen, doch irgendwer beobachtet sie und hält sie mit Feuerkraft davon ab, die Lichtung zu verlassen.


                                                                                    

Meinung:
Warum genießt der deutsche Horrorfilm (wer?) eigentlich so einen schlechten Ruf? Er ist schlicht und einfach zu wenig bekannt, vermarktet und gefördert. Ein Unding, sieht man doch das unglaubliche Potenzial, das in jungen, kreativen Genre-Köpfen hierzulande schlummert. „Caedes – Die Lichtung des Todes“ ist der erneute Beweis davor, dass wir uns keinesfalls hinter der weltweiten Konkurrenz (*Prust*…sorry, wird gleich aufgewischt…) verstecken brauchen, aber hallo. Zombies? Das können wir doch locker, gerne auch in lustig, mit voll verrückten Einfällen, jede Menge Gore und allem Piff und Puff. Ist ja total easy. Ein paar coole Typen und sexy Ladys (*Prust*…gut, der Lappen liegt hier noch…) in die mysteriösen, unerforschten bayrischen Wälder und deren Lichtungen (mit direkter Anbindung an eine Bundesstraße) zum fröhlichen Hoch-die-Tassen verfrachtet, dann geraten die in ein plötzliche Zombieepdemie, fighten alles mit ihren Killer-Action-Moves und den noch lustigeren Sprüchen weg und am Ende gibt es als faustdicke Überraschung noch irrwitzige, voll-crazy Naziploitation vom Allerfeinsten. Nicht wie von dem Schnorrer „Iron Sky“ über internationales Crowdfunding zusammengebettelt, „Caedes – Die Lichtung des Todes“ macht das mal eben mit dem Flaschenpfand vom letzten Monat, bravo. Na, da kann der bisherige deutsche Zombie-Überfilm „Virus Undead“ ganz schnell den Thron räumen und den ollen Romero-Tattergreis mit seinen ranzigen Großvaterfilmchen kann er gleich mitnehmen.


Boyz'n the Woods
So, und nun mal Butter bei die Fische: Was ist denn das schon wieder? Inzwischen sollte man schlau genug sein, sich bei einer aus dem Nichts auftauchenden, deutschen Splatter-Comedy (die von dem hoch seriösen, absolut unbefangenen und knallharten Kritikerfachblatt DEADLINE mal wieder dringend empfohlen wird, allein der Sticker ist in 2/3 der Fälle als Warnschild zu interpretieren) reflexartig totzustellen und zu hoffen, der Kelch mögen an einem vorübergehen. Gut, es zwingt einen (hoffentlich) keiner zum Ansehen, aber diese verflixte Neugier inklusive dem unerschütterlichen Optimismus, dass doch wenigstens ab und zu mal eine unentdeckte Perle in dem schlammigen Morast des heimischen Independet-Horror-Kinos finden lässt. Erst kürzlich war „German Angst“ ein kleiner Lichtblick, obwohl da natürlich sehr erfahrene und definitiv talentierte Menschen am Werk waren, die schon vorher bewiesen haben, dass sie sich mit kaum bis gar keinen finanziellen Möglichkeiten arrangieren können. Allein dem No-Budget den Schwarzen Peter zuzuschustern ist nicht mal eine Ausrede für diese (erneute) Zumutung teutonischer Genre(un)kunst, da sollte man realistisch und fair genug sein und eher auf die Dinge gucken, die nicht zwingend mit Geld zu kaufen sind.


Je später der Abend, umso hübscher die Damen.
Tatsächlich sind die Gore-Effekte – paradoxerweise etwas, was Geld kostet – mit Abstand das Beste am Film, für den Rahmen ist das okay. Selbstverständlich handgemacht (wie auch sonst?), sehr direkt (die FSK hat schon vergleichbare Dinger nicht durchgewunken) und insgesamt gar nicht so schlecht. Da wurde sich scheinbar Mühe gegeben oder sagen wir mal so, da sieht man es. Der Rest ist Amateur-Grütze hoch zehn, was auch noch entschuldbar wäre, wenn nicht so penetrant-nervig, gezwungen auf witzig gemacht und grausam umgesetzt. Kein Mensch erwartet messerscharfe Dialoge, brillante Darsteller oder noch nie gesehene Storykniffe (obwohl, die gibt es sogar fast…), aber doch bitte irgendwas (außer den Gore-Effekten), was ernsthaft eine Form von Begabung oder zumindest eine Idee erkennen lässt, die nicht bei ein bis drei Kästen Bier an einem Mittwochnachmittag auf den Boden geplumpst ist und da schon scheiße aussah. Es gibt da draußen unendlich viele Filmbegeisterte, die nur mit simpelster Hausgebrauchstechnik und dem monatlichen Taschengeld sich einen Tag irgendwo hinstellen und dann ein bis fünf Minuten Film zusammenbekommen, das all das erkennen lässt, was in der Lichtung der Kopfschmerzen über fast 90 Minuten nicht mal kurz beschämt um die Ecke guckt.


"Hast du meine Schlüssel gesehen?"
Dieser ganze Film strotzt nur so von Desinteresse an einfachsten Dingen. Warum sind die überhaupt bei dieser Knaller-Veranstaltung, was soll das sein? Voller Vorfreude fährt das Quartett zu einer Party/Festival/Was auch immer, auf jeden Fall von irgendwem organisiert und ausgeschildert, wo wildfremde Mensch im Wald ihre Igluzelte aufbauen, ihr (selbstmitgebrachtes) Bier süppeln, es weder Musik, Deko oder irgendein Programm gibt und es stehen einfach ein paar „Offizielle“ drumherum. Ja bombig, wo gibt es das nächste „Happy Camping“, dufte Nummer. Egal, anfangs stört dieser Unsinn gar nicht so extrem, kann ja nur besser werden und irgendwie muss halt ein Szenario an den Haaren herbeigezogen werden. Es kommen Zombies, es wird gefressen und geblutet, aber selbst jetzt: Wie schwer ist es, dass Soundeffekte halbwegs synchron mit dem gezeigten Bildern ablaufen? Muss man vielleicht drauf gucken, aber ist das zu viel verlangt? Da fällt jemand hin, es ist angerichtet, und noch bevor die zubeißen hört man bereits die Fressgeräusche. Wenn mir ein Film – MEIN Film -, egal wie billig, am Herzen liegt, dann mach ich ihn doch so gut es geht. Also DAS ist definitiv nicht der Fall. Fühlt man sich da verarscht? Ja, aber so geht das in einer Tour weiter, Konsequenz könnte man somit auch noch anrechnen, hui, jetzt läppern sich fast die Pluspunkte.


Schwierig: Wer ist hier der Zombie?
Überspringen wir großzügig und ignorant den Schrott, der sich die nächste ¾ Stunde abspielt und kommen gleich zum großen Finale, das muss zwingend erwähnt werden. „Caedes – Die Lichtung des Todes“ haut dann nämlich richtig auf die Kacke und zaubert eine Pointe aus dem Hut, die augenscheinlich kultiges Trash-Potenzial haben soll und wahrhaftig, so einen Dummschiss bringt nicht jeder. Unterhaltsam oder gar lustig ist das trotzdem nicht, nur unfassbar. Den großen Promi-Joker hebt man sich bis zum Schluss auf, denn nun – Achtung, Trommelwirbel… - Auftritt Florian Simbeck (bitte rasten Sie jetzt aus). Florian, who? Die Älteren werden sich erinnern, der Stefan von Erkan & Stefan, das anarchische Brüllerduo der Döner- und Schnellfickerhosen-Comedy, das nach „künstlerischen Differenzen“ vor Jahren auseinander ging. Der Flori geriet danach in leichte finanzieller Schieflage, aber es scheint ihm wieder prächtig zu gehen. Schließlich hätte er in der Drehzeit auch prima Prospekte austragen können und wahrscheinlich mehr Geld verdient, aber trotz seines Mega-Star-Status ist er mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben und pusht lieber kleine Künstlerinseln wie das hier mit seiner Präsenz (Sarkasmus off: Er tut einem eigentlich leid, ohne Frage der talentierteste Darsteller in diesem Schmarrn…arme Sau, ehrlich).


Was lehrt uns das: Eigentlich nichts, was wir nicht schon längst wussten. Der deutsche Horror- oder generell Genrefilm ist immer noch mausetot und sieht man Independent-Krüppel wie das hier hat man auch kaum Argumente für eine anständige Förderung. Wer da Kohle reinsteckt, dem ist nicht mehr zu helfen.

0,5 von 10 gealterten Führungskräften

Review: NO ONE LIVES - Keine Miene zum bösen Spiel

16 Kommentare:



Fakten:
No One Lives
USA, 2012. Regie: Ryûhei Kitamura. Buch: David Lawrence Cohen. Mit: Luke Evans, Adelaide Clemens, Derek Magyar, Lee Tergesen, America Olivo, Beau Knapp, Lindsey Shaw, George Murdoch (a.k.a. Brodus Clay), Laura Ramsey, Gary Grubbs u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Pärchen wird auf der Landstraße von einem brutalen Kriminellen überfallen und entführt. Er will nur an ihre Wertsachen und verschleppt sie in die Werkstatt eines Kollegen. Während er sich über den Inhalt ihres Wagens hermacht, stößt er auf eine Überraschung. Zu spät, denn er hat praktisch schon das Todesurteil für sich und seine Gang unterschrieben…





Meinung:
„No One Lives“ ist die zweite US-Arbeit des Japaners Ryûhei Kitamura, der vier Jahre zuvor mit „The Midnight Meat Train“ einen durchaus gelungenen Einstand in den Staaten gab. Schon damals kein Film für Zimperliesen, in Sachen Splatter zeigte wenig zurückhaltend, ohne sich dabei jedoch zu ernst zu nehmen. Gerade durch diesen Aspekt, wie seine abgefahrene Pointe, die letztlich das gesamte Werk in ein anderes Licht rückte und in der Nachbetrachtung einige Ungereimtheiten als total nichtig verpuffen ließ, konnte sich sein West-Debüt deutlich über den Durchschnitt des Genreeinheitsbrei einordnen. Für seinen zweiten Streich wurde er von den WWE Studios engagiert, die nach „See No Evil“ (2006) sich ebenfalls das zweite Mal an einen expliziten Horrorfilm versuchten, der im Gegensatz zum Fleisch-Zug sich konsequent grimmig und noch eine deutliche Schippe brutaler gibt.


Nicht hängen lassen, das heilt schon wieder.
Ungewöhnlich für das Studio: Während sonst ihre Produktionen dazu genutzt werden, einen ihrer aktuelle oder ehemaligen Wrestler durch zuschustern der Hauptrolle einen Fuß in die Tür der Filmbranche zu verschaffen (und ganz nebenbei dadurch natürlich deren Fans als sichere Kunden an Land zu ziehen), gibt sich hier kein Steroid-Klops die Ehre in einer großen Rolle. Lediglich George Murdoch a.k.a. Brodus Clay darf mit seinem Adonis-Körper kurz die Sonne verdunkeln. Im weitesten Sinne hat er sogar eine „tragende“ Rolle, bei der er sein Innerstes nach außen kehren darf. Als Star hält Luke Evans her, was relativ verwunderlich ist, denn das was der sonst meistens zeigt (und hier mal wieder), könnte bestimmt auch einer der WWE Jungs. Mit stoisch-steinerner Miene starren die schließlich auch in ihrem Hauptberuf durch die Gegend, warum also die Gage an einen Gastarbeiter verschwenden? Nicht nachvollziehbar, auf die ohnehin bescheidende Qualität des Films hat das aber so oder so keine ernsten Auswirkungen. Mal abgesehen von seinem krampfigen, stets sauertöpfisch dreinschauenden Hauptdarsteller hat „No One Lives“ bis auf reichlich frisches Hackfleisch nämlich nicht viel in bzw. auf der Pfanne. Sein einzig guter Moment wird nach kurzer Zeit verbraten. Sobald sich der Spieß gedreht hat, werden nur noch unsympathische Assis durch den Wolf gedreht, deren Schicksal einem herzlich egal ist. Die als echter Daumendrücker dazu gefügte Lady ist dann noch so nervig, dass sie wohl als unvermeidliches Final-Girl einen Freifahrtschein hat gönnt man ihr irgendwie auch nicht.


Nach dem ganz interessanten Beginn folgt ausschließlich ein monotones Abschlachten, das keine Zeit für den Aufbau von Spannung oder echter Teilhabe mit den Figuren verschwendet, dafür bleibt in den nur noch knapp 60 Minuten auch keine. Zügig wird beinhart gewüstet, zumindest droht „No One Lives“ dadurch nie richtig langweilig zu werden, irgendwer geht immer drauf. Darauf liegt das einzige Augenmerk, da wird sich keine Blöße gegeben. Folgerichtig ist der Film mit FSK-Plakette nicht die Hälfte wert, nur in der ungeprüften Fassung darf man an allem beiwohnen. Wenn schon die Handlung nicht mehr als Dummschiss ist, in dem Bereich wurde sich Mühe gegeben, sollte man anerkennen. Die Effekte sind ansehnlich und wahnsinnig drastisch, was diesem insgesamt sehr verzichtbaren Film immerhin Schauwerte garantiert. Für einige Igitt- und Oha-Reflexe reicht das durchaus, grundsätzlich ist die technische Umsetzung schon ganz okay. Kein sichtbar billig runtergerotztes Häufchen Elend, worüber man im Genre bald schon froh ist. Als ganz grobe Blutwurst zum auf die Schnelle weggucken mag der noch taugen, doch selbst da gibt es genug Alternativen, „No One Lives“ braucht eigentlich kein Mensch. 

4,5 von 10 Überraschungssäckchen

Review: LET US PREY - Abrechnung zur Geisterstunde

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Fakten:
Let Us Prey
GB, IR, 2014. Regie: Brian O’Malley. Buch: David Cairns, Fiona Watson. Mit: Liam Cunningham, Pollyanna McIntosh, Bryan Larkin, Hanna Stanbridge, Douglas Russell, Niall Greig Fulton, Jonathan Watson, Brian Vernel, James McCreadie u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.



Story:
Die junge Polizistin Rachel ist gerade auf dem Weg zu ihrer ersten Nachtschicht in einem Kaff in Schottland. Dort wird sie Zeuge eines Autounfalls, dessen Opfer scheinbar spurlos verschwindet. Im Revier angekommen, muss sich Rachel den Sticheleien ihrer misstrauischen und zwielichtigen Kollegen erwehren, als plötzlich das Unfallopfer auftaucht. Die Herkunft des schweigsamen Mannes ist völlig rätselhaft, zudem übt der Fremde einen dunklen Einfluss auf die inhaftierten Sträflinge aus. Schon bald scheint die Hölle auf Erden auszubrechen…






Meinung:
„Die Dinge, die ich gesehen habe, würden Engel zum Weinen bringen. Und sie haben geweint.“

Das noch relativ frische Label PIERROT LE FOU hat sich mit wenigen Ausnahmen konsequent der harten, nicht jugendfreien Linie verschrieben. Neben Thrillern, Actionfilmen und Erotik zählen dazu natürlich auch Horrorfilme, gerne auch welche der Sorte, die unsere FSK so nicht gerne sieht. Schon einige Filme fielen durch deren Prüfung, was das Label zur doppelten Veröffentlichungspolitik nutzte. Für den freien Markt eine gekürzte Fassung, über die gängigen Umwege (und den entsprechenden Preisaufschlag) eine Uncut-Edition, die dafür in schicker Aufmachung und im Mediabook, damit der tiefere Griff in die Tasche nicht ganz so wehtut. Wie zuletzt beim Weihnachtsslasher „Silent Night“ nun auch bei „Let Us Prey“, dem Spielfilm des bis dahin als Werbe- und Kurzfilmer tätigen Regisseurs Brian O’Malley.


Logenplatz für die Selbstzerfleischung.
Seine Wurzeln lässt er gleich zu Beginn erkennen, wenn „Let Us Prey“ sich optisch durchaus beeindruckend präsentiert. Begleitet von einer Schar Krähen taucht ein mysteriöser Mann an der schottischen Küste auf, offensichtlich mit einem klaren Ziel vor Augen. Sein Weg führt ihn in die Straßen eines des nachts gottverlassen scheinenden Örtchens, während sich seine geflügelten Begleiter auf den Dächern sammeln, wartend auf das, was noch kommen soll. Dieser Einstieg gelingt O’Malley hervorragend und zunächst gestaltet sich sein Film gar nicht mal als die angekündigte Blutkeule, viel mehr stehen Stimmung und Bedrohung im Fokus der Präsentation. Offenkundig als Hommage an die goldenen Jahre des (einstigen, so traurig das ist) Genregenies John Carpenter angelegt. Nicht nur der minimal Synthesizersound erinnert an die frühen Werke des Meisters, schnell kommen Erinnerungen an dessen zweiten Spielfilm „Assault – Anschlag bei Nacht“ auf, wenn sich das Geschehen in das Polizeirevier des (angeblich) mausgrauen Kaffs verlegt. Diesmal kommt die Bedrohung jedoch nicht von außen, sie lauert im Inneren. Damit ist nicht nur der räumliche Aspekt gemeint: Auch hinter den Vorhängen, den Haustüren, in den Straßengräben der kleinen Gemeinde liegen dunkle Geheimnisse verborgen, ebenso wie in den Köpfen ihrer schwärzesten Schafe, die sich – wie der Zufall (?) so will – in dieser Nacht alle in dem Revier einfinden.


Nicht Jesus, nicht Arnie, hier grillt der Chef noch selbst.
Der Fremde liest in ihnen wie in offenen Büchern, konfrontiert sie mit ihren Leichen im Keller und beschwört somit zusehend die Eskalation herauf, ohne jemals wirklich aktiv eingreifen zu müssen. Dafür ist er nicht hier, seine Aufgabe liegt mehr im Überbringen der Nachricht und dem Einfordern des Preises, wenn die Stunde geschlagen hat. „Let Us Prey“ ist besonders in diesem Teil sehr vielversprechend, wenn sich dieser bemerkenswert inszenierte Erstling noch auf seine unheilvolle, mysteriöse Bedrohung konzentriert, wobei hier schon ersichtlich ist, das er die Kreativität nicht mit dem großen Löffel gefressen hat. Ähnliche Konstellationen gab es über die Jahre immer wieder und die erfahrenen Genrefans sollten vom weiteren Verlauf der Handlung nicht sonderlich überrascht werden. Dennoch dürfte es dem Film gelingen, auch von ihnen viele abzuholen, zu fachkundig und fingerfertig wird das Ganze vorgetragen, das vor sich hin schwelende, drohende Inferno bereits vor Augen, dass sich nach gut der Hälfte mit brachialer Härte entlädt. Nun werden die hungernden Gore-Hounds auch endlich zum Futternapf geführt, nach der Devise „Here Comes The Pain“ werden die Sünder genüsslich in den blutigen Beichtstuhl gedrückt, inklusive selbstgelegtem Fegefeuer und einem Overkill an biblischen Zitaten, die in dieser Penetranz schon gehörig die Nerven strapazieren.


„Let Us Prey“ macht nur keine Gefangenen mehr, er verarbeitet sie zu Hackfleisch. Dadurch büßt der Film natürlich seine einst starke Stimmung ein gutes Stück ein und lässt darüber hinaus die vielleicht doch noch erhofften Überraschungen vermissen. Überdeutlich bedient man sich mit beiden Händen im Fundus des Horrorfilms der letzten Jahrzehnte, packt wenig bis gar nichts Eigenes dazu und zeigt sich im Finale schon etwas platt und abgedroschen, rein den Akt der rohen Zerstörung vor Augen. Das macht er dafür nicht schlecht. Die eventuell höher gesteckten Erwartungen kann er letztlich nicht erfüllen und ist nicht mehr als ein technisch gut bis sogar sehr gut umgesetzter Genrebeitrag, der sich für zwischendurch aber allemal eignet. Macht leicht Hoffnung auf mehr, denn Brian O’Malley scheint was zu können. Wieviel, das wird die Zukunft zeigen. 

6 von 10 verglühten Streichhölzern

Review: AMONG THE LIVING - DAS BÖSE IST HIER - Begabter Schwachsinn

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Fakten:
Among the Living – Das Böse ist hier (Aux yeux des vivants)
FR, 2014. Regie & Buch: Alexandre Bustillo, Julien Maury. Mit: Anne Marivin, Théo Fernandez, Francis Renaud, Zacharie Chasseriaud, Damien Ferdel, Fabien Jegoudez, Nicolas Giraud, Béatrice Dalle, Chloé Coulloud, Dominique Frot u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Endlich Sommerferien. Drei Schulfreunde, mit dem Hang zum Unruhestiften, wollen etwas erleben und landen bei ihrem Abenteuerstreifzug in einem verwaisten Filmset. Dort werden sie Zeuge, wie eine Frau von einem maskierten Riesen in einen Keller verschleppt wird. Als sie entdeckt werden, können sie dem Monstrum entkommen, aber natürlich glaubt keiner den „Problemkinder“ ihre Gruselgeschichte. Dumm nur, dass sie Hinweise auf ihre Adresse hinterlassen haben und die Horror-Familie nicht viel Wert darauf legt, dass sie entdeckt werden…






Meinung:
Mit nur zwei Spielfilmen – genauer gesagt, eigentlich schon durch ihren Debütfilm – haben sich Alexandre Bustillo und Julien Maury einen festen Namen in Genrekreisen gemacht. Ihr Erstling „Inside“ von 2007 hat für mächtiges Aufsehen gesorgt. Ein derartiges Blutbad, abseits von Fun-Splatter-Gaudis wie „Braindead“ oder billigsten Low-Budget-Heulern ohne auch nur den entferntesten Realitätsbezug, gab es vorher selten zu bestaunen und über sich ergehen zu lassen. Was den Film neben seinem ungeschönten, gnadenlosen Härtegrad noch interessant macht (und das ist seine eigentliche Qualität), es ist ein rohes, ungemein packendes Stück Terrorkino, handwerklich erstaunlich versiert und mit der deutlichen Fachkenntnis versehen, dass die Jungs sicher keine Eintagsfliegen sein dürften. Vier Jahre später folgte „Livid – Das Blut der Ballerinas“, welcher auf ein dezenteres Echo stoß, wohl weil die Blutsbrüder hier einen ganz anderen Weg bestritten. Keine unerbittliche, geradlinige Gore-Sauerei mit einer simplen, stringenten Story, eher ein abstrakter, interpretativer Albtraum, deutlicher auf Stimmung basierend. Ein ganz anderer Film, doch beides gleich gut.


Diese Ferien fangen richtig bescheiden an...
Nun also der dritte Streich, „Among the Living – Das Böse ist hier“, finanziert durch Crowdfunding, was heute ja nicht mehr so ungewöhnlich ist. Ob jetzt jeder der Geldgeber mit dieser Investition zufrieden ist, kaum vorstellbar. Denn dafür muss es schließlich eine gewisse Erwartungshaltung gegeben haben, basierend wohl auf den vorherigen Werken. Wie schon von „Inside“ zu „Livid“ zeigen sich die Herrschaften sehr wandlungsfähig, offenbar nicht bereit, sich zu wiederholen. Zumindest in einem Punkt sind sie sich treu geblieben: Auch dieser Film wird eindeutig polarisieren, das Publikum spalten. Nicht wegen eines bald geschmacklosen Blutzolls, nicht wegen seiner surrealen Vorgehensweise, dieser Film ist mehr wie ein Potpourri aus dem Genresandkasten, den man kaum klar zu definieren vermag und wie ein Zuschaustellen des Könnens der beiden Regisseure wirkt, objektiv (wenn es so was gibt) kaum bewertet werden kann. Für einen Miniknaller sorgt schon der Beginn, wenn eine bestimmte Person ein Cameo gibt (in besonderen Umständen), was allein die Frage aufwirft, ob Bustillo & Maury eine Art Trauma zu verarbeiten haben, wurden die adoptiert? Nach den (erwartet) deftigen Anfangsminuten schlägt der Film plötzlich eine andere, sehr stimmige Richtung ein. Nun beginnt ein gruseliges Sommermärchen aus kindlicher Perspektive, immer eine reizvolle Variante, gerade bei Horrorfilme, in denen das Spiel mit natürlichen Ängsten stets gut funktioniert.


...aber es wird immerhin nicht langweilig.
Festlegen will sich dieser Beitrag scheinbar nicht auf diese interessante Idee, denn von nun an wird sich munter durch die Versatzstücke des Genres zitiert. Degenerierte Familien, böse Clowns, der schwarze Mann, das Böse unter dem Bett, eine kleine Prise Creature und ein größerer Einschlag Home Invasion, da ist eigentlich alles dabei. Klingt wild, allerdings sind das immer nur so minimale Teilaspekte, als das man diese Komposition zwangsweise feiern müsste. Praktisch wirkt das Gesamtwerk eher krude, extrem wechselhaft, streckenweise zusammengewürfelt. Von der großen Blutsause sollte man sich gedanklich ohnehin schnell entfernen, die meisten Gewaltszenen finden im Off statt, lediglich zum Ende gibt es einige kurze Momente, die dann allerdings für die üblichen FSK-Kriterien (wenn es die geben würde) fast zu drastisch sind, aber die haben wohl nach einer Stunde ausgemacht oder einfach mal einen guten Tag erwischt. Gänzlich muss nicht auf Schweinkram verzichtet werden, aber da waren beide Vorgänger (selbst der verhältnismäßig „zahme“ „Livid“) noch andere Hausnummern. Fassen wir zusammen: „Among the Living – Das Böse ist hier“ hat weder einer richtig sinnvolle, funktionelle Handlung, bietet wenig Schauwerte und hat zwar viele Ansätze, macht daraus aber eher einen wilden Eintopf als ein homogenes Gesamtwerk. Also, totaler Mist, oder?


Genau das eben nicht. Am trefensten könnte man es so beschreiben: „Among the Living – Das Böse in hier“ ist wie ein 80er-Jahre-Unfug ohne Sinn und Nutzen, der dafür (wahrscheinlich) bewusst darauf abzielt und handwerklich gut bis hervorragend vorgetragen wird. Bei dem Hantieren mit so vielen Motiven kann einem locker schwindelig werden, aber irgendwie gelingt es dem erprobten Duo, aus jedem der Einzelteile mindestens einen Moment raus zu kitzeln, der absolut sitzt. Es geht hier weniger um das Ganze, es geht um die filigrane Situation, und da stimmt einiges. Das ist bizarr, unheimlich, ekelig und verstörend, nur nie alles auf einmal und manchmal nichts von alledem. Kurz gesagt (obwohl es dafür jetzt schon zu spät ist): Dieser Film ist total konfus, fährt keine klare Linie, aber man hat das Gefühl, das genau das die Absicht war. Eine Fingerübung, die dafür von genauer Materiekenntnis zeugt und eben deshalb, weil hier wenig bis nichts Hand und Fuß hat. Kann man prima dämlich finden, auch wunderbar enttäuscht von sein, aber man kann auch anerkennen, wie gut der dennoch ist, beachtete man mal die gleichwertige Konkurrenz. Das dürfte das Totschlagargument schlechthin sein.

6 von 10 Notkaiserschnitten

Review: ALMOST HUMAN - Hommage ohne Eigenheit

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Fakten:
Almost Human
USA. 2013. Regie und Buch: Joe Begos. Mit: Joel Ethier, Graham Skipper, Susan T. Travers, John Palmer, Kevin Cahill, Vanessa Leigh, Jami Tennille, Michael A. LoCicero, Anthony Amaral III, Eric Berghman u.a. Länge: 79 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vor zwei Jahren verschwand Mark spurlos, nachdem sein Freund Seth ihn panisch aufsuchte und von einer seltsamen Macht berichtete, die hinter ihm her sei. Doch nun ist Mark zurück. Allerdings ist er nicht mehr der Selbe, sondern ein fremdgesteuerter Killer, der erbarmungslos jeden tötet, der sich ihn in den Weg stellt.





Meinung:
Bereits wenn sich die Logos der am Film beteiligten Produktionsstudios enthüllen wird klar, dass sich „Almost Human“ als Hommage an die good old days der 1980er Jahre Horrorfilme verstanden haben will. Auch dass der Font des Vorspanns lassen darauf schließen, sind es doch die gleichen wie bei John Carpenters Genre-Meisterwerk „Das Ding aus einer anderen Welt“, dessen einnehmend, spannungsförderliche Monoton-Soundtrack „Almost Human“ sich ebenfalls in abgewandelter Form einverleibt. Regisseur und Autor Joe Begos huldigt so klar den großen Genre-Referenzen, dass er dabei vergisst seinem eigenen Film ein wirkliches Leben einzuhauchen.


Der zurückgekehrte Mark räumt erstmal kräftig auf
„Almost Human“ verdichtet seine Handlung zu einer reinrassigen Präsentation von blutigen Derbheiten. Allesamt hand- und nicht computergetrickst. Durchaus sympathisch, allerdings ohne sonderliche, inszenatorische Kraft umgesetzt. Hier eine durchgeschnittene Kehle, dort ein zerfetzter Kopf und ein paar sexuell aufgeladene Widerlichkeiten dürfen auch nicht fehlen. Den ostennativen Ekel- und Wowfaktor von Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ erreicht Regisseur Joe Begos aber zu keiner Zeit. Was seiner Blutsause nämlich über alle Maße fehlt ist Faszination. „Almost Human“ hangelt sich nur freudlos von Eskapade zu Eskapade und verliert dabei recht früh die Kontrolle über seine Spannungsschraube, die bereits kurz nach dem Prolog lose wackelnd im luftleeren Raum stehen bleibt ohne jemals wirklich wieder angezogen zu werden. Dass der Plot ähnlich wie seine großen Genrevorbilder auch wenig erklärt ist hingegen recht passend, kleidet den Film in eine durchaus ansehnliches Korsett, welches dann allerdings nicht ausreichend genug gefüllt werden kann. Dabei ist die Simplizität von „Almost Human“ durchaus gelungen, ist letztlich sogar der größte Antriebsmotor des Horrorfilms. Zu dumm nur, dass die handelnden Figuren (eigentlich sind es nur zwei: der Killer und sein Freund) höchst blass sowie belanglos bleiben und auch, dass die unsichtbare, extraterrestrisch Kraft meist nur dann genutzt wird, wenn’s unbedingt sein muss, raubt „Almost Human“ viel Intensität. Das Killer Mark (Joel Ethier) storytechnisch fremdgesteuert wird, aber meistens immer so agiert, als wäre er auf einen Rache-, bzw. Amoktrip, ausgelöst durch ein persönlichen Background, degradiert den ganzen Alien-Plot in den Zweitrangigkeit.


Sicherlich, „Almost Human“ ist kein Hochglanz-, keine hoch finanzierte Produktion, aber selbst mit wenig Budget sollten die essentiellen Bereiche des bedienenden Genres ausreichend er/gefüllt werden. Vielleicht würde Begos Film besser funktionieren, wenn es sich selbst nicht so ernst nehmen würde? Vielleicht würde das Schlachtfest unterhaltsam sein, wenn es sich mehr einem trashigen Charme hingeben würde? Vielleicht dies, vielleicht das. Ach, eigentlich lohnt sich „Almost Human“ nicht mal für solche Gedankenexperimente.


2,5 von 10 Strohhalmgenitalien