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DIE SCHÖNE UND DAS BIEST - Pompöse Kopie des Originals

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Fakten:
Die Schöne und das Biest (The Beauty and the Beast)
USA. 2017. Regie: Bill Condon. Buch: Evan Spiliotopoulos, Stephen Chbosky, Jean Cocteau (Vorlage). Mit: Emma Watson, Dan Stevens, Kevin Kline, Luke Evans, Josh Gad, Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson, Nathan Mack, Audra McDonald, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw, Hattie Morahan, Haydn Gwynne, Gerard Horan, Ray Fearon u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab dem 16. März 2016 im Kino.


Story:
Die kluge und anmutige Belle lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice ein beschauliches Leben, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston gestört wird. Doch als Maurice auf einer Reise in die Fänge eines Ungeheuers gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit…





Kritik:
Star Wars, das Marvel Cinematic Universe und die Animationswerke aus dem eigenen Hause sowie von Pixar. Es ist zweifellos so, dass das Mickey-Mouse-Imperium sich Marken geschaffen oder erstanden hat, die dem Konzern quasi die Befugnis zum Gelddrucken ausgestellt haben. Doch es gibt noch etwas, mit dem Disney seit einiger Zeit große Erfolge an der Kinokasse feiert. Gemeint sind die Realverfilmungen von hauseigenen Trickfilmklassikern. Alice im Wunderland, Cinderella und The Jungle Book erwiesen sich als echte Geldeintreiber und auch das Spin-off Maleficent -Die dunkle Fee war ein großer Hit. Nun soll mit Die Schöne und das Biest der nächste Film dafür sorgen, dass Disneys Girokonto Purzelbäume vor Freude schlägt.


Die Chancen stehen dafür stehen gut. Der Trickfilm aus dem Jahre 1991 gilt als echtes Meisterwerk, war durch seine Nominierung in der Kategorie Bester Film mit ein Grund dafür, warum die Oscar-Academy die Rubrik Best Animated Pictures einführte und der Soundtrack gilt als echter Evergreen. Aus rein wirtschaftlicher Sicht, ist es also das ideale Projekt. Aus künstlerischer Sicht würde sich der klassische Stoff von der schönen Bell (hier gespielt von Emma Watson), die durch einen Fehler ihres Vaters (Kevin Kline) in die Fänge eines namenloses Ungeheuers gerät und in diesem nicht nur die Lebenslust, sondern auch auch Güte und Wärme weckt, sehr dafür anbieten, ihn weiterzuentwickeln. Nicht nur erzählerisch, sondern auch stilistisch. Doch diesen Wagemut sucht man hier vergebens. Regisseur Bill Condon (Twilight: Breaking Dawn) und seine Autoren erweitern zwar die Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren, dies aber so marginal und vor allem frei von wirklicher Relevanz, dass diese Zusätze nur mit dafür sorgen, dass Die Schöne und das Biest deutlich zu lang geraten ist.


Ansonsten werden die liebgewonnen Bilder von 1991 oftmals 1:1, mit großem Effektaufwand, nachgestellt. Alles versehen mit viel Schwulst, gigantischem Pomp und einer überaus ansprechenden Detailliebe, die für eine durchaus stimmige und funktionelle Immersion sorgt, die allerdings immer wieder zerstört wird, wenn das bullige Biest plötzlich wie ein federleichtes Objekt über die Dächer seines Schlosses schwingt und springt. Dennoch, die dargestellte Märchenwelt wurde mit Überzeugung und viel Dampf im Kessel aufgebaut und auf Hochglanz poliert. Das Ergebnis ist purer Edelkitsch, der hin und wieder zu sehr von sich selbst eingelullt wird, seine eigentliche Prämisse aber stets souverän erfüllt und Freunden von glanzvollen und märchenhaften Musicals wohl eine wunderbare Zeit bescheren wird. Wer sich hingegen eine wirkliche Neuinterpretation des Originals erhofft hatte, wird eher enttäuscht und könnte dennoch eine gute Zeit im Kinosaal verbringen, auch weil die Produktion der Diversität mit ihren Figuren huldigt, was in einigen Ländern der Welt ja für peinliche Skandale sorgte.


5 von 10 Schotten, die versuchen einen französischen Akzent zu imitieren

Review: HIGH-RISE – Chaos und Anarchie im futuristischen Hochhaus-Komplex

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Fakten:
High-Rise
GB, 2015. Regie: Ben Wheatley. Buch: Amy Jump. Mit: Tom Hiddleston, Luke Evans, Jeremy Irons, Sienna Miller, Elisabeth Moss, James Purefoy, Peter Ferdinando, Stacey Martin, Emilia Jones u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Noch nicht geprüft. Ab dem 30. Juni 2016 im Kino.


Story:
In einer nicht näher bestimmten Zukunft haben sich in Großstädten gewisse Mikro-Gesellschaften gebildet. Diese leben in einem gigantischen Hochhaus-Komplex, der über zahlreiche Stockwerke hinweg ein funktionierendes System bildet, in dem unter anderem Schulen, Supermärkte und Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen. Über die Zeit hinweg hat sich allerdings eine bekannte Dreiklassengesellschaft mit Unterschicht, Mittelschicht und Oberschicht gebildet, die nun kurz davor ist, die gesamte Zivilisationsordnung zur Implosion zu führen.




Meinung:
Wenn man eines an Ben Wheatley schätzen kann, dann ist es seine schiere Unberechenbarkeit. Der englische Filmemacher liebt es ganz offensichtlich, sich zwischen den Genres zu bewegen, Sehgewohnheiten schroff zu unterwandern und den ein oder anderen Zuschauer seines Publikums gehörig vor den Kopf zu stoßen. "Kill List" beispielsweise, der immer noch als einer der großen Geheimtipps der letzten Jahre gelten darf, war eine unglaublich unbequeme Mischung aus Thriller und Horror, in der schaurige Vorzeichen und merkwürdige Vorfälle schließlich in einen Gipfel blanken Entsetzens mündeten. Auch "Sightseers" darf eindeutig als ungewöhnlich eingestuft werden, denn hier treffen schwarzer Humor auf brachiale Gewalteinlagen und ein psychopathisches Hauptfiguren-Pärchen auf verschrobene Gemütlichkeit.


Tom Hiddleston im Aufzug und mit sich selbst eingesperrt
In "High-Rise" kommt nun anscheinend endlich zusammen, was wie füreinander bestimmt zu sein scheint. Die Romanvorlage von Autor J.G. Ballard, der für seine dystopischen, surrealen Geschichten bekannt wurde, gelangte in die Hände von Wheatley, der bekanntlich keine Risiken scheut, um seine Filme in Erlebnisse zu verwandeln. Der Regisseur entwirft ein Szenario, bei dem ein gigantischer Hochhaus-Komplex als in sich abgeschlossener Mikrokosmos dient, in welchem den Bewohnern von Freizeitanlagen über Schulen bis hin zu Supermärkten alles zur Verfügung steht, was als lebensnotwendig oder grundsätzlicher Bedarf erachtet wird. Verlassen werden muss dieses Hochhaus eigentlich nur noch zum Arbeiten, ansonsten gibt es keine Gründe, weshalb man sein Leben außerhalb dieser abgeschotteten Welt führen sollte. Nichtsdestotrotz hat dieser Entwurf einer zukünftigen Lebensweise seine Tücken, die sich in der mittlerweile etablierten Dreiklassengesellschaft offenbaren. Während die dekadente Oberschicht rauschhafte Partys feiert und im Luxus schwimmt, brodelt es in der Unterschicht immer stärker. Problematisch wird dieser Zustand außerdem für die Mittelschicht, in der sich unter anderem der Arzt Dr. Robert Laing befindet, welcher zunehmend zwischen die Fronten gerät und kaum noch weiß, zu wem er überhaupt Stellung beziehen soll.


Der entscheidende Stein, der die Apokalypse ins Rollen bringt
Anhand von kühl entworfenen Bildern und der präzisen Betrachtung bestimmter Einzelfiguren aus den unterschiedlichen Schichten treibt Wheatley das Geschehen leise aber spürbar auf einen gewissen Höhepunkt zu. Bis es allerdings zur unabwendbaren Katastrophe kommt, deren Konsequenzen der Regisseur direkt zu Beginn vorweg nimmt, bevor die Handlung drei Monate zurück springt, ist der Film bereits vorab ein mitunter kaum zu erfassender Rausch, in dem sich kleine Zwischenfälle, apokalyptische Symbolik und laute Konflikte zu einem zunächst unsichtbaren Kollaps vereinen. Mithilfe von unwirklichen, exzessiven Montagen, einem herausragenden Score von Clint Mansell und dem konzentrierten Spiel der Darsteller, welche zeitweise zwischen Verzweiflung, Unsicherheit, Aggression und blankem Kontrollverlust agieren, verkommt "High-Rise" zu einer malerischen Symphonie des schleichenden Wahnsinns, die in jeder Einstellung düstere Paranoia sowie die Gewissheit über das nahende Unheil verkündet. Wheatley treibt das Konzept dabei ebenso ungestüm wie rücksichtslos auf die Spitze, indem er unaufhörliche Anarchie als glorreichen Wandel zelebriert und das anfangs brüchige Fundament der ungleichen Klassengesellschaft vollständig niederreißt.


Als kaum zu beschreibendes, gänzlich unbändiges Gesamtwerk ist "High-Rise" eine zynisch-ätzende Dystopie, die inszenatorisch manchmal sogar strengstens kontrolliert wirkt, nur um sich im nächsten Moment ganz dem fiebrigen Exzess hinzugeben und Impressionen auf den Betrachter loszulassen, die so ungreifbar wirken wie sie wunderschön und einfach Kino pur sind. Ein finsterer Rausch, der den Untergang der vorherrschenden Zivilisationsordnung mit einem Lachen im Gesicht durchführt und am Ende nichts als endgültigen Wahnsinn und platzende Seifenblasen hinterlässt.


8 von 10 gegrillte Hunde



von Pat

Review: NO ONE LIVES - Keine Miene zum bösen Spiel

16 Kommentare:



Fakten:
No One Lives
USA, 2012. Regie: Ryûhei Kitamura. Buch: David Lawrence Cohen. Mit: Luke Evans, Adelaide Clemens, Derek Magyar, Lee Tergesen, America Olivo, Beau Knapp, Lindsey Shaw, George Murdoch (a.k.a. Brodus Clay), Laura Ramsey, Gary Grubbs u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Pärchen wird auf der Landstraße von einem brutalen Kriminellen überfallen und entführt. Er will nur an ihre Wertsachen und verschleppt sie in die Werkstatt eines Kollegen. Während er sich über den Inhalt ihres Wagens hermacht, stößt er auf eine Überraschung. Zu spät, denn er hat praktisch schon das Todesurteil für sich und seine Gang unterschrieben…





Meinung:
„No One Lives“ ist die zweite US-Arbeit des Japaners Ryûhei Kitamura, der vier Jahre zuvor mit „The Midnight Meat Train“ einen durchaus gelungenen Einstand in den Staaten gab. Schon damals kein Film für Zimperliesen, in Sachen Splatter zeigte wenig zurückhaltend, ohne sich dabei jedoch zu ernst zu nehmen. Gerade durch diesen Aspekt, wie seine abgefahrene Pointe, die letztlich das gesamte Werk in ein anderes Licht rückte und in der Nachbetrachtung einige Ungereimtheiten als total nichtig verpuffen ließ, konnte sich sein West-Debüt deutlich über den Durchschnitt des Genreeinheitsbrei einordnen. Für seinen zweiten Streich wurde er von den WWE Studios engagiert, die nach „See No Evil“ (2006) sich ebenfalls das zweite Mal an einen expliziten Horrorfilm versuchten, der im Gegensatz zum Fleisch-Zug sich konsequent grimmig und noch eine deutliche Schippe brutaler gibt.


Nicht hängen lassen, das heilt schon wieder.
Ungewöhnlich für das Studio: Während sonst ihre Produktionen dazu genutzt werden, einen ihrer aktuelle oder ehemaligen Wrestler durch zuschustern der Hauptrolle einen Fuß in die Tür der Filmbranche zu verschaffen (und ganz nebenbei dadurch natürlich deren Fans als sichere Kunden an Land zu ziehen), gibt sich hier kein Steroid-Klops die Ehre in einer großen Rolle. Lediglich George Murdoch a.k.a. Brodus Clay darf mit seinem Adonis-Körper kurz die Sonne verdunkeln. Im weitesten Sinne hat er sogar eine „tragende“ Rolle, bei der er sein Innerstes nach außen kehren darf. Als Star hält Luke Evans her, was relativ verwunderlich ist, denn das was der sonst meistens zeigt (und hier mal wieder), könnte bestimmt auch einer der WWE Jungs. Mit stoisch-steinerner Miene starren die schließlich auch in ihrem Hauptberuf durch die Gegend, warum also die Gage an einen Gastarbeiter verschwenden? Nicht nachvollziehbar, auf die ohnehin bescheidende Qualität des Films hat das aber so oder so keine ernsten Auswirkungen. Mal abgesehen von seinem krampfigen, stets sauertöpfisch dreinschauenden Hauptdarsteller hat „No One Lives“ bis auf reichlich frisches Hackfleisch nämlich nicht viel in bzw. auf der Pfanne. Sein einzig guter Moment wird nach kurzer Zeit verbraten. Sobald sich der Spieß gedreht hat, werden nur noch unsympathische Assis durch den Wolf gedreht, deren Schicksal einem herzlich egal ist. Die als echter Daumendrücker dazu gefügte Lady ist dann noch so nervig, dass sie wohl als unvermeidliches Final-Girl einen Freifahrtschein hat gönnt man ihr irgendwie auch nicht.


Nach dem ganz interessanten Beginn folgt ausschließlich ein monotones Abschlachten, das keine Zeit für den Aufbau von Spannung oder echter Teilhabe mit den Figuren verschwendet, dafür bleibt in den nur noch knapp 60 Minuten auch keine. Zügig wird beinhart gewüstet, zumindest droht „No One Lives“ dadurch nie richtig langweilig zu werden, irgendwer geht immer drauf. Darauf liegt das einzige Augenmerk, da wird sich keine Blöße gegeben. Folgerichtig ist der Film mit FSK-Plakette nicht die Hälfte wert, nur in der ungeprüften Fassung darf man an allem beiwohnen. Wenn schon die Handlung nicht mehr als Dummschiss ist, in dem Bereich wurde sich Mühe gegeben, sollte man anerkennen. Die Effekte sind ansehnlich und wahnsinnig drastisch, was diesem insgesamt sehr verzichtbaren Film immerhin Schauwerte garantiert. Für einige Igitt- und Oha-Reflexe reicht das durchaus, grundsätzlich ist die technische Umsetzung schon ganz okay. Kein sichtbar billig runtergerotztes Häufchen Elend, worüber man im Genre bald schon froh ist. Als ganz grobe Blutwurst zum auf die Schnelle weggucken mag der noch taugen, doch selbst da gibt es genug Alternativen, „No One Lives“ braucht eigentlich kein Mensch. 

4,5 von 10 Überraschungssäckchen

Review: DRACULA UNTOLD – Der Blutdurst des Fledermausmannes

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Fakten:
Dracula Untold
USA. 2014. Regie: Gary Shore.
Buch: Burk Sharpless, Matt Sazama. Mit: Luke Evans, Sarah Gadon, Dominic Cooper, Charles Dance, Art Parkinson, Paul Kaye, William Huston, Diarmaid Murtagh u.a. Länge: 92 Minuten, FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 12. Februar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Früher war er als der Pfähler bekannt, der Schrecken eines jeden Soldaten, doch nun lebt der einstige Kriegsheld Vlad als König von Transsylvanien und gilt bei seinem Volk als guter und gerechter Mann. Doch als die Türken von ihm fordern, dass das Königreich Vlads alle seine Söhne den Türken überlässt, damit diese in deren Armee dienen können, rebelliert er gegen die Invasoren und geht einen Pakt mit dem Bösen ein.





Meinung:
Mit weit über 250 Auftritten in den verschiedensten Filmen zählt Graf Dracula wenig überraschend zu den prominentesten Literaturfigur, die jemals ihr Unwesen auf der Leinwand treiben durften. Die Qualität der jeweiligen Werke lässt sich wohl in jeder Güteklasse antreffen, vom miserablen Trash, zur zielgruppenorientierten Nullnummer bis hin zur fundierten Meisterleistung. Den Grafen respektive den Fokus der Narration jedoch erleben wir immerzu in einer Phase, in der die Metamorphose vom Menschen zum Fürsten der Dunkelheit längst abgeschlossen scheint. Es ist die mühsame Akzeptanz der eigenen Untersterblichkeit, den der dramaturgischen Effekt ins Visier nimmt, Gesetz dem Fall, man manifestiert Dracula als ein von tiefer Tragik eingenommenes Geschöpf, das sich seiner Existenz zunehmend überdrüssig wird, dieser eigenmächtig kein Ende setzen kann. Aber wie wurde Graf Dracula eigentlich zu diesem ikonischen Blutsauger, dessen umfassende Mythologie sich global einer enormen Popularität erfreuen darf? Newcomer Gary Shore geht dieser Frage in „Dracula Untold“ auf den Grund.


Hat trotzdem nur wenig Biss: Dracula
Wie kürzlich bekannt geworden ist, entwickeln Alex Kurtzman („Star Trek Into Darkness“) und Chris Morgan („47 Ronin“) einen neuen, dem Marvel-Cinematic-Universe ähnlichen Kino-Kosmos für Universum, in dem sich die Ur-Monster Frankenstein, Die Mumie und der Wolfsmann aufhalten und aufeinandertreffen. Allerdings bildet nicht, wie eigentlich geplant, der 2016 in die Lichtspielhäuser kommende „Die Mumie“ den Auftakt des Franchise, sondern Gary Shores „Dracula Untold“, der sich zum Ende der Dreharbeiten noch dazu gezwungen sah, einige Szenen neu zudrehen, um Draculas Rolle in der anstehenden Reihe kohärenter anzupassen und einzugliedern. Es ist ein risikofreudiger Schritt, einem Debütanten ein Budget von üppigen 100 Millionen Dollar zum Verpulvern zu überlassen, und angesichts des mäßigen Box-Office-Ertrags, der „Dracula Untold“ mehr oder weniger zum Flop degradiert hat, muss wohl mal wieder verkündet werden, dass sich der Mut der Produktionsfirma nicht unbedingt ausgezahlt hat. Die Katastrophendimension andere Filme, „John Carter – Zwischen den Zeiten“ beispielsweise, hat „Dracula Untold“ natürlich nicht erreicht.


Draculas Sohn ist ein echtes Sonnenscheinchen
Der Titel „Dracula Untold“ trägt eine ungemein vermessene Attitüde mit sich herum, aber nur, weil man sich an die endlosen Streifen gemahnt fühlt, in denen Dracula repetitiv den Hälsen dickbrüstiger Damen hinterherjagte. „Dracula Untold“ schneidet kinematographisch tatsächlich ein neues Kapitel an und begrüßt uns nicht mit dem blutdürstigen Eckzahn, sondern dem Adligen Vlad Tepes („Luke Evans, „Fast & Furious 6“), der in seiner Kindheit als Sklave im Osmanischen Reich zum Töten gezwungen wurde, als Erwachsener jedoch wieder zurück in sein beheimatetes Fürstentum kehrt, um den Platz seines verstorbenen Vaters als Fürst einzunehmen. Sein langjähriger Freund Mehmed (Dominic Cooper, „Need for Speed“) sucht ihn eines Tages in der transsylvanischen Provinz auf und fordert 1000 Jünglinge ein, die er zur Kampfausbildung bereitstellen will. Vlad, der sich im Klaren darüber ist, welches Schicksal den Jungen blühen würde, hat er es doch seiner Zeit am eigenen Leibe erfahren, sieht sich gezwungen, sich seinem einstigen Gefährten in den Weg zu stellen, was nicht nur den Bruch der Freundschaft, sondern auch einen Angriff der Osmanischen Kräfte heraufbeschwört.


Das Böse, bzw. Charles Dance
So viel zum historischen Kontext, in dem sich „Dracula Untold“ aufhält. Dass „Dracula Untold“ selbstredend keinerlei Ambitionen dahingehend hegt, den historischen Konflikt zu grundieren, sondern diesen direkt mit seiner Eskalationen einleitet, war absehbar. Der von Matt Sazama und Burk Sharpless geschriebene „Dracula Untold“ geriert sich als traditioneller Versuch, die fiktive Kunstfigur Dracula auf ihren geschichtlichen Paten zurückzuleiten. Vlad Tepes war eine Bestie, die das Leben tausender Unschuldiger in Kauf genommen hat, um seine psychologische Kriegsführung zu verdichten und all die Menschen, die seiner Klinge zum Opfer gefallen sind, in bestialischer Methode auszustellen: Er pfählte ihre Körper. Da sich Vlad Tepes der Übermacht der Osmanen aber hilflos ausgeliefert sah, suchte er Unterstützung in einer Höhle im Reißzahngebirge, in der der Vampir Caligula (Charles Dance, „Ironclad – Bis zum letzten Krieger“) haust. Dort geht Vlad dann schließlich einen mephistophelischen Pakt ein, der ihm übernatürliche Kräfte verleiht und dem Kampf gegen die – jetzt nur noch in Zahlen überlegenen – Türken, weitaus optimistischer entgegenzublicken. Punkt. Ach nein, „Dracula Untold“ wird auch noch ein um Ernsthaftigkeit bemühtes Familiendrama angedichtet.


Den Gewissenszwist des Fledermausmannes haben wir nun schon einmal zu oft gesehen, und wenn „Dracula Untold“ ganz metaphorisch die Liebe zur Familie über den Blutdurst stellt, um letztlich doch in dem positivistischen Gedanken bestätigt zu werden, dass die Seelen unserer Geliebten auch in anderen Körpern, über Generationen verteilt, weiterleben, dann ist dieses aufgeplusterte Superheldenmär längst im abgeschmackten Raum  billigster Larmoyanz angekommen. Aber allgemein fehlt „Dracula Untold“ der originäre Charakter, der über die Verknüpfung von Fiktion und Historik hinausgeht und einen gewissen Charme, einen gewissen Enthusiasmus generiert. Die computeranimierten Bilder halten einige ansehnliche visuelle Sperenzchen bereit, die Massenszenen erschöpfen sich jedoch in gähnender Beliebigkeit und dass die Osmanen vor allem für backenbärtig-tendenziöse Klischees herhalten müssen, während der (anfangs) latent ambivalente Vlad zum Superhelden stilisiert wird und vom sich aufplusternden Orchester, von Blitz- und Donnergroll begleitet das Schlachtfeld mit fieser Miene heimsucht, hat mehr von lieblos-eklektischem Fantasy-Ramsch, denn epischem Eskapismus.


4 von 10 gigantischen Fäusten


von souli

Review: DIE DREI MUSKETIERE - Anderson'sche Luftschlacht über Frankreich

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Fakten:
Die drei Musketiere (The three Musketeers)
USA, BRD, UK. 2011. Regie: Paul W.S. Anderson. Buch: Alex Litvak, Andrew Davies, Alexandre Dumas (Vorlage). Mit: Logan Lerman, Luke Evans, Ray Stevenson, Matthew Macfadyen, Christoph Waltz, Orlando Bloom, Milla Jovovich, Juno Temple, Mads Mikkelsen, Til Schweiger, Freddie Fox u.a. Länge: 111 Minuten. FSK: freigegeben ab12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray (inkl. 3D-Fassung) erhältlich.


Story:
D’Artagnan will unbedingt Musketier werden. Ein Plan der schneller Realität wird als er sich erträumt hatte, denn plötzlich ist er mittendrin im Kampf der drei legendären, königstreuen Degenschwinger Porthos, Aramis und Athos gegen den finstern Kardinal Richelieu, der via Verschwörung das Könighaus vernichten will.





Meinung:
Mal poppig-verschmäht, mal mit erotischer Komponente gestreckt und dann wieder paradigmatisch auf nostalgische Tugenden rückbesinnend: Alexandre Dumas französischer Klassiker „Die drei Musketiere" haben es schon oft und in vielfältiger Ausrichtung auf die großen Leinwände geschafft. Wer aber hätte wohl damit gerechnet, dass ausgerechnet Paul W.S. Anderson das Privileg zu Teil wird, dieses Segment literarischen Kanons zum bald fünfzigsten Mal umzusetzen? Anderson, der mit seinem Sci-Fi-Horror „Event Horizon“ 1997 durchaus Potenzial für den stimmungsvollen Genre-Film bewies, degradierte er sich diesen Ruf mit „Resident Evil“, „Alien vs. Predator“ und „Death Race“ in Windeseile. Versessen darauf, die optischen Plateaus innerhalb des Kaders zu filetieren, hat Anderson bis auf das größenwahnsinnige Klammern und Stilisieren klinisch-aufbereiteter Hochglanz-Ästhezismen nichts zu bieten – Außer natürlich der endlosen Zelebrierung seiner gähnend reizlosen wie nahezu vollkommen talentlosen Gattin Milla Jovovich. Mit „Die drei Musketiere“ von 2011 verhält sich nun aber endlich mal erfrischend anders.


Sobald sie wissen, das D'artagnan über 18 ist, lassen sie ihn fallen.
Zum ersten Mal nämlich darf man hier den Eindruck erweckt bekommen, Paul W.S. Anderson wäre sich seiner Materie wie den Unkenrufen aus aller Welt für einen kurzen Zeitraum vollkommen bewusst geworden, bevor er sich 2012 mit „Resident Evil 5: Retribution“ wieder in sein altbekanntes Territorium verkrümeln wird. Die Geschichte um „Die drei Musketiere“ ist ausgelutscht, ihr substanzieller Mehrwert längst ausformuliert und das Interesse an einer weiteren seriösen Verfilmung ebenso verblüht. Folgerichtig geht es dem Drehbuch, zusammengeschustert von Alex Litvak und Andrew Davies, nicht darum, den Werdegang von D'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis detailliert und kompetent auszubreiten, sondern nur darum, Anderson eine zünftige Spielweise im historischen Chic zu offenbaren, auf der sich in all seiner zwanghaften Sucht nach überbordenden Bombast austoben kann. Die Eckpfeiler bleiben erhalten; Tapferkeit, Brüderlichkeit, Stolz und Liebe und jene Aspekte sind vertreten, auch wenn ihnen der tiefere Ausbau hier selbstredend verweigert wird. Dafür interessiert sich „Die drei Musketiere“ in diesem Fall etwas mehr für politische Gepflogenheiten, ohne parabolische Dimensionen anzugreifen – Warum auch?


"Riecht ihr das Richelieu? Ich habe gerade royal gepupst."
„Die drei Musketiere“ ist ein Blockbuster, der sich weder um Logik schert, noch historische Kohärenz für erstrebenswert erachtet. In Szene gesetzt in einigen der schönsten Barockburgen Bayerns, hat Anderson die edlen Schauwerte auf seiner Seite und fährt mit einem prachtvollen Dekor und Kostümen auf, was beinahe schon etwas wehmütig stimmt, es dann doch mit einem nach solch anachronistisches Idealen funktionierenden Gesamtwerk zu tun zu bekommen. Der Kurs, auf dem „Die drei Musketiere“ jedoch läuft, hört auf „Modernisierung“ und nimmt sich damit das damit eintretende Trivialisieren ohne falsche Scham in Kauf: „Die drei Muskeltiere“ ist infantil und gerne auch respektlos, aber es ist zuweilen auch ein bunter Freizeitpark, auf dem sich nur zu gerne nach Lust und Laune verausgaben möchte. Mit Logan Lerman („Vielleicht lieber Morgen“, „Noah“) hat man sich auf einen Jungspund als D'Artagnan geeignet, der durch seine angriffslustige Art einem jüngeren Publikum den Zugang zu dem Stoff erleichtern soll, letztlich aber durch seine aufgesetzten Attitüden schnell nervt, während die weiteren Musketiere weitestgehend charakterlos bleiben und vielmehr nur als Sekundanten fungieren.


Vervollständigt wird der Cast mit Christoph Waltz, der wiedermal die Hans Landa-Nummer aus „Inglourious Basterds“ raushängen lässt, einem schön fiesen und charismatischen Mads Mikkelsen („Die Jagd“, „Adams Äpfel“), Orlando Bloom („Der Herr der Ringe“, "Der Hobbit: Smaugs Einöde"), Juno Temple („Killer Joe“, "Dirty Girl"), Til Schweiger („Kokowääh 2“, „Tatort: Kopfgeld“) und natürlich Andersons Herzallerliebsten Milla Jovovich – Die auch in „Die drei Musketiere“ an ihre Auftritte im desaströsen „Resident Evil“-Franchise erinnert. Und obgleich sich die Darsteller nicht mit Ruhm bekleckern, ja, sogar hin und wieder zum Störfaktor erklärt werden dürfen, macht „Die drei Musketiere“ die größtenteils Spaß, weil er so bunt, so laut und so albern ist, ohne etwas anderes behaupten zu wollen. Eine protzige Sause, zwischen Luftschlachten mit Steampunkanleihen und jeder Menge fulminanter Zeitlupe. Natürlich kann man „Die drei Musketiere“ gleichwohl als Persiflage auf die Konventionen des Mantel & Degen-Genres lesen, was den Film dann doch als grelles Entertainment schadet, ist, dass die Rhythmik der Narrative oftmals in Straucheln gerät und zwischen all den Überhöhung tatsächlich etwas zu viel Luft nach oben bleibt. Nichtsdestotrotz ist „Die drei Musketiere“ DEUTLICH sympathischer als man es von Anderson erwartet hätte.


5 von 10 Tänze mit dem Degen


von souli