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REVIEW: ...UND TÄGLICH GRÜßT DAS MURMELTIER - The Same Procedure as Every Day, Phil

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Fakten:
…und täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day)
USA, 1993. Regie: Harold Ramis. Buch: Danny Rubin, Harold Ramis. Mit: Billy Murray, Andie MacDowell, Chris Elliott, Stephen Tobolowsky, Brian Doyle-Murray, Marita Geraghty, Angela Paton, Harold Ramis, Michael Shannon u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der selbstverliebte TV-Wetterfrosch Phil Connors reißt für seinen Sender in die Kleinstadt Punxsutawney, um über den dort sehr populären Murmeltier-Tag zu berichten. Eine lästige Pflichtaufgabe, nichts würde Phil lieber tun, als so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. Doch das gestaltet sich überraschend unmöglich. Ein Schneesturm verhindert noch am gleichen Tag die zeitnahe Abreise und als Phil am nächsten Morgen in seinem Hotelzimmer erwacht, ist schon wieder Murmeltier-Tag! Alles läuft haargenau identisch ab, nur er scheint in dieser Zeitschleife gefangen zu sein. 

                                     
                                            
Meinung:
Es gibt diese Filme, die kennt doch eigentlich jeder. Zumindest in oder ab einer bestimmten Generation. Wer irgendwo in den 80ern oder frühen 90ern geboren wurde, hat bestimmt unweigerlich mal Jurassic Park, Indiana Jones (egal welcher Teil…also von den „Echten“), Gremlins, Ghostbusters, Kevin – Allein zu Haus oder eben …und täglich grüßt das Murmeltier gesehen. Ist kaum anders möglich. Und selbst wenn es Menschen geben sollte die aus kuriosen Gründen durch dieses Raster fallen, sie verbinden vielleicht assoziativ durch Hörensagen mit dem Murmeltier-Prinzip die sich (nur für eine bemitleidenswerte Person) immer wiederholende Zeitschleifen-Theorie. So sehr hat dieser Film seine Zeit geprägt, man mag es kaum glauben.


Freunde werden die wohl nicht mehr...
Denn auf dem Papier ist …und täglich grüßt das Murmeltier eigentlich auch nur eine harmlose, nette Popcorn-Komödie mit einer zugegeben sehr interessanten Prämisse, die das alte Lied vom Saulus zum Paulus, vom Arschloch zum Menschenfreund vor winterlicher Provinz-Kulisse - unvermeidliche Romanze selbstverständlich inklusive – im Stile klassischer Hollywood-Läuterungs-Märchen vorträgt. Aber nicht umsonst gelten Filme wie Frank Capra’s Ist das Leben nicht schön? als unsterbliche Klassiker, wenn sie denn ihr Publikum entscheidend erreichen. Gleiches gelingt auch Harold Ramis mit seinem größten Erfolg als Regisseur, in dem er seinen alten Geisterjäger-Buddy Bill Murray in dessen Paraderolle als arroganten Zyniker Schritt für Schritt alle möglichen Phasen durchlaufen lässt, die einem in dieser undankbaren Lage wohl einfallen würden. Jeden Tag erwachst du wieder in der exakt selben Situation, nur du erlebst es so, alle anderen spulen das von dir bald auswendig im Schlaf beherrschte Programm ab. Erst leugnen, nicht akzeptieren. Danach sich einen Jux daraus machen, das Geschehen auf die Spitze treiben in dem Wissen, das nichts Konsequenzen hat. Dann versuchen, das Ganze durch eine langfristig angelegten Plan zu seinem Vorteil zu manipulieren, verlaufend in suizidale Fluchtversuche (was auch nichts bringt), mündend in dem einzigen, was nun noch Sinn macht: Sich endlich selbst zu reflektieren und seinen „Wissensvorsprung“ nicht nur zu missbrauchen, was eh keinen Zweck hat.


Von seiner Grundausrichtung natürlich etwas bieder und spießig veranlagt greift der Film das garstige Potenzial das in ihm schlummert nie richtig auf (obwohl der irgendwann lebensmüde Phil da kurzzeitig nah dran kommt), verkauft dafür die Wandlung seines Protagonisten sehr geduldig, nachvollziehbar und keinesfalls überhastet, was solchen Filmen oft zum kitschigen Verhängnis wird. Mit dem Vorteil eines nicht genau abgesteckten Zeitraums im Rücken ist selbst dieser radikale Charakter-Umschwung plausibel. Es lässt sich nur erahnen, wie lange genau Phil den gleichen Scheiß immer und immer wieder durchlaufen hat. Zeigt der Film zu Beginn das Geschehen logischerweise ausführlich, wird später nur noch mit Schnitten und Zeitsprüngen (kann man da von Déjà-vu’s sprechen?) gearbeitet, das Gefühl für Zeiträume- und spannen geht bewusst verloren, ist im Murmeltier-Bau auch nicht mehr relevant. Das erlaubt ihm das Hantieren mit Running-Gags und schneller Situationskomik, Figurenentwicklungen im (nicht wirklichen) Eiltempo, was ihr Handeln (da geschickt portraitiert) logisch(er) macht. …und täglich grüßt das Murmeltier bietet weitestgehend sauberes, universell funktionelles, smartes Wohlfühlkino mit dem Herz am rechten Fleck, einer reichhaltigen Grundlage und  - natürlich – dem perfekten Hauptdarsteller, der den Laden mit seinen vielleicht sonst klapprigen Wänden in alle Himmelsrichtungen souverän zusammenhält. 

7 von 10 spontan rezitierten französischen Gedichten

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST - Pompöse Kopie des Originals

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Fakten:
Die Schöne und das Biest (The Beauty and the Beast)
USA. 2017. Regie: Bill Condon. Buch: Evan Spiliotopoulos, Stephen Chbosky, Jean Cocteau (Vorlage). Mit: Emma Watson, Dan Stevens, Kevin Kline, Luke Evans, Josh Gad, Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson, Nathan Mack, Audra McDonald, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw, Hattie Morahan, Haydn Gwynne, Gerard Horan, Ray Fearon u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab dem 16. März 2016 im Kino.


Story:
Die kluge und anmutige Belle lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice ein beschauliches Leben, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston gestört wird. Doch als Maurice auf einer Reise in die Fänge eines Ungeheuers gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit…





Kritik:
Star Wars, das Marvel Cinematic Universe und die Animationswerke aus dem eigenen Hause sowie von Pixar. Es ist zweifellos so, dass das Mickey-Mouse-Imperium sich Marken geschaffen oder erstanden hat, die dem Konzern quasi die Befugnis zum Gelddrucken ausgestellt haben. Doch es gibt noch etwas, mit dem Disney seit einiger Zeit große Erfolge an der Kinokasse feiert. Gemeint sind die Realverfilmungen von hauseigenen Trickfilmklassikern. Alice im Wunderland, Cinderella und The Jungle Book erwiesen sich als echte Geldeintreiber und auch das Spin-off Maleficent -Die dunkle Fee war ein großer Hit. Nun soll mit Die Schöne und das Biest der nächste Film dafür sorgen, dass Disneys Girokonto Purzelbäume vor Freude schlägt.


Die Chancen stehen dafür stehen gut. Der Trickfilm aus dem Jahre 1991 gilt als echtes Meisterwerk, war durch seine Nominierung in der Kategorie Bester Film mit ein Grund dafür, warum die Oscar-Academy die Rubrik Best Animated Pictures einführte und der Soundtrack gilt als echter Evergreen. Aus rein wirtschaftlicher Sicht, ist es also das ideale Projekt. Aus künstlerischer Sicht würde sich der klassische Stoff von der schönen Bell (hier gespielt von Emma Watson), die durch einen Fehler ihres Vaters (Kevin Kline) in die Fänge eines namenloses Ungeheuers gerät und in diesem nicht nur die Lebenslust, sondern auch auch Güte und Wärme weckt, sehr dafür anbieten, ihn weiterzuentwickeln. Nicht nur erzählerisch, sondern auch stilistisch. Doch diesen Wagemut sucht man hier vergebens. Regisseur Bill Condon (Twilight: Breaking Dawn) und seine Autoren erweitern zwar die Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren, dies aber so marginal und vor allem frei von wirklicher Relevanz, dass diese Zusätze nur mit dafür sorgen, dass Die Schöne und das Biest deutlich zu lang geraten ist.


Ansonsten werden die liebgewonnen Bilder von 1991 oftmals 1:1, mit großem Effektaufwand, nachgestellt. Alles versehen mit viel Schwulst, gigantischem Pomp und einer überaus ansprechenden Detailliebe, die für eine durchaus stimmige und funktionelle Immersion sorgt, die allerdings immer wieder zerstört wird, wenn das bullige Biest plötzlich wie ein federleichtes Objekt über die Dächer seines Schlosses schwingt und springt. Dennoch, die dargestellte Märchenwelt wurde mit Überzeugung und viel Dampf im Kessel aufgebaut und auf Hochglanz poliert. Das Ergebnis ist purer Edelkitsch, der hin und wieder zu sehr von sich selbst eingelullt wird, seine eigentliche Prämisse aber stets souverän erfüllt und Freunden von glanzvollen und märchenhaften Musicals wohl eine wunderbare Zeit bescheren wird. Wer sich hingegen eine wirkliche Neuinterpretation des Originals erhofft hatte, wird eher enttäuscht und könnte dennoch eine gute Zeit im Kinosaal verbringen, auch weil die Produktion der Diversität mit ihren Figuren huldigt, was in einigen Ländern der Welt ja für peinliche Skandale sorgte.


5 von 10 Schotten, die versuchen einen französischen Akzent zu imitieren

LA LA LAND - Der Zwang, aus Träumen Karriere zu machen

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Fakten:
La La Land
USA. 2016. Regie und Buch: Damien Chazzelle. Mit: Ryan Gosling, Emma Stone, Rosemarie DeWitt, J.K. Simmons, Callie Hernandez, Amiée Conn, Terry Walters, Thom Shelton, Cinda Adams, Jessica Rothe, Sonoya Mizuno, Claudine Claudio, Jason Fuchs, D.A. Wallach, Trevor Lissauer, Olivia Hamilton uvm. Länge: 126 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 12. Januar 2017 im Kino.


Story:
Im Fokus der Handlung von La La Land stehen zwei hoffnungslose Träumer: Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling). Sie versucht sich als Schauspielerin in Los Angeles einen Namen zu machen, leidet aber stark unter ihrer großen Einsamkeit. Der charismatische Jazz-Pianist arbeitet ebenfalls an seiner Karriere. In dem jeweils anderen erkennen beide eine Person, die genau wie sie selbst den Wunsch hat, nur das zu praktizieren, wofür ihr Herz schlägt. So schnell wie die beiden sich auch in einander verlieben, ist die Beziehung in der harten, vom Konkurrenzkampf geprägten Atmosphäre der Stadt jedoch von Anfang an keine leichte. Immer mehr Probleme ergeben sich, als der Erfolg sowohl von Mia als auch von Sebastian ein Level erreicht, das ihre Liebesaffäre immer mehr in Mitleidenschaft zieht. Auf einmal droht das zunächst verbindende Element ihrer Träume, sie auseinander zu treiben.




Kritik:
Nach nicht mal drei Spielfilmen bekräftigt Damien Chazelle vollends seinen Status als jenes neue Wunderkind unter den Filmemachern, das seine Kunst als Zwang versteht. Klar, bei „Whiplash“, dem Durchbruch seinerseits, waren Publikum wie Kritiker mehr oder weniger aus dem Häuschen, von der Energie und Leidenschaft des Jazz gefangen, der sich in dem Fall blutig schlug, um im eigenen Anspruch des Meister-Status ankommen zu können. Meiner einer war zu jener Zeit ebenso überzeugt - weit weg von einer potenziell regressiven Ideologie des Jung-Auteurs -, ein Gleichnis zur künstlerischen Ambition sowie dem beständigen Ehrgeiz derer erhalten zu haben. Mit „La La Land“ jedoch kristallisiert sich allmählich heraus, wie Chazelle jene Impulse vom Menschsein trennt, letzterem noch ein Stück weg ambivalent hinterher trauert, seine Charaktere schließlich aber in der Abkopplung sogar aufgehen lässt. Realität und Fantasie gehören in seiner Vision von Los Angeles ohnehin getrennt, unvermeidlich aufeinander aufgebaut und doch ein Kreislauf der Enttäuschungen, wenn beliebte Anlaufstellen des Showbiz hier erneut aufgewärmt werden, konstruiert platt auf die Vergänglichkeit der Ideale hinweisen, gerne auch mit diesen kokettieren, sich aber im Karriere-Kickstart genauso oberflächlich auf den real struggle der Traumerfüllung berufen - „Swingers“ lässt grüßen. Dabei fängt sich das Prozedere anfangs noch eine Huldigung zum Eskapismus ein, die einen dramaturgisch sinnvollen Weg der Hürdenläufe Richtung Erfolg mit Versüßungen abschließen sollte, echte Katharsis aus der Wunscherfüllung schöpfen könnte, ebenso Liebe, Einigkeit, Bekenntnis zum Gefühl, Herzschmerz und Spaß fürs gerne mehr als traumhafte Vermengen aus Mensch und Umwelt – halt wie in einem echten Musical. Stattdessen durchzieht den Film eine Bitterkeit, die sich vor allem am (wohlgemerkt an erster Stelle eingeführten) Protagonisten Sebastian (Ryan Gosling) abzeichnet, der nach einem Intro ausgelassener Tanz-, Gesangs- und Steadicam-One-Shot-Freuden auf dem Freeway die Hupe durchdrückt, um auf der Straße wie im Leben endlich voranzukommen.


Als linke Variante eines Abgehängten erreicht er den grünen Zweig aber auch insofern schon nicht, da er sich als angehender Top-Pianist bei der Berufsakquise ausschließlich mit „purem Jazz“ brüsten will, während die Welt hier schon längst in einer vagen Mash-Up-Phase hängt, vom Fortschritt her ausgerechnet gründlichst kacke klingt und so auch von Sebastian hämisch begutachtet wird, wenn er auch schon post-ironisch in eigener Soße schmollt. An einem kulturellen Schmelztiegel wie L.A. scheint der Film doch ein Stück weit zu verzweifeln, aiaiai. Mia (Emma Stone) geht es da nicht anders mit dem Blick hoch zur Schauspielkunst, die dafür in mickrigen Castings unterkommt und binnen des Café-Latte-Nebenjobs unzufriedene Kunden bedienen muss. Allerdings liegt letztere Tätigkeit mitten im Warner-Bros.-Backlot, eben umringt von beschaulichen Kulissen binnen der Fassade vergangener Tage, weshalb der Film auch nicht umhin kommt, dem Retro-Charme aufzulauern, sprich den enthusiastischen Ausdruck via Technicolor, Cinemascope, 35mm sowie fulminanter Orchestration des Justin-Hurwitz-Scores zu emulieren, als wären Jacques Demy und Fred Astaire wieder in the house. Nostalgie, ach ja – inzwischen vielleicht ein inflationäres Marketing-Tool, für Chazelle trotz allem Pessimismus noch die profunde Schönheit schlechthin, die einen Blick zurück motiviert, in der Kombi mit der Gegenwart so recht natürlich im Herzen ankommen kann und zuckersüß für ein transzendentales Verständnis der Belange eben dessen einstehen will. Folglich lässt es dann auch noch der klassischen Romanze wegen Sebastian und Mia aufeinander treffen, obwohl beiden der existenzielle Schmerz von der Decke hängt. Weil Chazelle seine Figuren dabei aber eher als Funktionsträger versteht und eine Unvereinbarkeit voraussieht, was Erfolg und Glückseligkeit angehen, schleichen sich dort schon frühe Anzeichen hinein, wo sich jeder Zauber nur kurzzeitig ins Larger-than-Life-Format hineinsteigern kann, ehe der Pathos zum Reality Check (siehe allein Sebastians Thema „City of Stars“) das Miteinander erheblich verkompliziert.


Beim ersten gemeinsamen Stepptanz z.B. fällt schon auf, wie sehr sich der Regisseur und seine Darsteller regelrecht abmühen, dem Old Hollywood zu entsprechen; keine Leichtigkeit evozieren, weil sie den Charakteren schon nicht vergönnt ist, die den magischen Realismus eben auch nur als Vorwand ihrer verzweifelten Hoffnung wegen einsetzen. Natürlich sieht das trotzdem ansprechend kadriert und farbenfroh aus, wie die von Haus aus charmante Paarung von Gosling und Stone ohnehin schon schwärmerische Erwartungen ins Narrativ implantiert sowie teilweise erfüllt: Händchenhalten im Kinosaal, ein herrlicher Tanz über den Wolken, Wertschätzung des Jazz als universelle Sprache, gegenseitiges Unterstützen im pursuit of happiness (für sie: ein eigenes Theaterstück; für ihn: eine eigene Bar). Je näher man aber an die jeweiligen Ziele herankommt, desto unausweichlicher findet die Distanz vom spielerischen Liebäugeln à la Demy statt, das im Grunde nun eher der Prämisse sowie den Konflikten von Billy Crystals semi-spießigen „Forget Paris“ folge leistet. Dort hieß es dann auch: Zusammen glücklich in unterschiedlichen Karrierezweigen, mit dem Mann auf Tour und der Frau auf dem Weg in die Midlife Crisis – kann das funktionieren oder ist es zum Scheitern verurteilt? Für eine Weile glaubt man, dass Chazelle jenem Versagen Paroli bieten will und das Unbehagen im Weiterkommen Sebastians stilisiert, welcher für die Band „The Messengers“ via John Legend die gefühlt übelste Neuerfindung des Jazz anspielen muss. Das untermauert wiederum aufs Äußerste seine wie Chazelles Hinwendung zur puren Kunst, dass selbst Mia entsetzt die Lauscher aufstellt. Selbst sobald sich die Wege unseres Paares im Streit trennen, hilft er ihr trotzdem noch aus, mit ihrem Talent in der A-Liga der Schauspielerei anzukommen, wofür auch eines der schönsten Stücke im Sturm und Drang für die Künstler, Revoluzzer und Träumer dieser Welt von Frau Stone vorgetragen wird. Genauso selbstverständlich und abgeklärt, beinahe entmenschlicht und eigentlich auch ohne stimmige Motivation, einigt man sich sodann aber darauf, dass jeder fortan für sich selbst ohne den Anderen sorgen wird.


Jahre später steckt der Wehmut zwar noch in den Knochen und verliert sich zum Abschied nochmals vollends in die grandiosen Fantasien, die uns Kino bietet und erfüllen kann - allerdings endet Chazelle dann doch auf einer Note, die unbefriedigend in die Realität entlassen will, um die Grenzen zwischen Illusion und Desillusionierung klar zu stellen. Hauptsache, die Karriere stimmt, ganz gleich, wie erbarmungslos der Verzicht aufs Glück eben jenes schon im Kopfkino zerreißt. Insgesamt verhält es sich mit diesem Film, wie es einem schon (um entsprechend bei klassischen Beispielen des frühen Hollywood zu bleiben) mit der Ayn-Rand-Verfilmung „Ein Mann wie Sprengstoff“ ging: Die Inszenierung unternimmt durchweg großartige Gefühlsveräußerungen in Optik, Spiel, Musik und schierer Dynamik, die innewohnende Ideologie - mit ihrem unbedingten Ehrgeiz von der Bindung wahrer Liebe weg - bleibt jedoch so unnahbar wie sie schon durch kalkulierte Charakterfolien befremdlich wirkt. Bei Rand war immerhin von Fortschritt und neuen Kunstformen die Rede, hier wird’s hingegen so hardcore ewiggestrig, dass Sebastians Urteil über Mia, sie sei ein Baby, genauso gut auf ihn zurückfällt; überhaupt auf eine Generation an Millennials, die teils überheblich hip auf Retro schwört und sich dennoch über den regressiven Trump aufregt. Gehören wir nicht alle irgendwie dazu? Chazelle lässt seinen (ganz gleich, ob so gewollten) Film als Repräsentation des Zeitgeists ganz interessant aufschlagen, wie widersprüchlich sich der Bezug zu seinen Idealen und dem Verständnis über die heiß geliebte Leinwand hinaus ergibt. Das Paradoxe und Irrationale im alltäglichen Umgang werden schließlich ohnehin mehr und mehr zum Mainstream, positiv bis negativ das Phänomen einer Ära an Ungewissheiten oder gefühlten Wahrheiten links wie rechts, die sich selbst in der Traumfabrik Hollywood nicht mehr einzuleben verstehen scheint, so sehnlichst der Wunsch danach auch nach draußen dringt.


Problematisch ist bei Chazelle dann allerdings das ultimative Einverständnis zur Entsagung, das sich mit den Verhältnissen zufriedengibt, obwohl das Herz blutet, als lebe man noch in Melodramen der vierziger Jahre. Nostalgie ist je nach Kontext eben auch nicht einwandfrei, erst recht bittersüß, wenn sich ein Chazelle am Zwang dazu verausgabt. Ironischerweise bleibt es allerdings spannend, was danach, jenseits wie mitten im „La La Land“, noch als Filmemacher aus ihm wird.


5 von 10 blauen Abendkleidern



vom Witte

PASSENGERS - Greif nach den Sternen...und weiter?

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Fakten:
Passengers
USA. 2016. Regie: Morten Tyldum. Buch: Jon Spaiths. Mit: Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Andy García, Laurence Fishburne, Jamie Soricelli, Kimberly Battista, Aurora Perrineau, Fred Melamed, Shelby Taylor Mullins, Kristin Brock, Marie L. Burke, Julee Cerda, Vince Foster, Jean-Michel Richaud, Kara Michele Wilder uvm. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Januar 2017 im Kino.

Story:
Tausende von Menschen werden in Passengers auf einem Raumschiff in die Kolonie eines weit entfernten Planeten transportiert. Um nicht als alte Männer und Frauen dort anzukommen, versetzt man sie in einen Kälteschlaf, aus dem sie erst wieder erwachen sollen, wenn das Ziel der interstellaren Reise erreicht ist. Durch eine Fehlfunktion bei den Schlafkammern werden zwei Passagiere, Jim (Chris Pratt) und Aurora (Jennifer Lawrence), jedoch zu früh aus der Kältestarre geweckt – und zwar 90 Jahre, bevor das Space Shuttle den neuen Planeten erreichen soll. Ihnen ist klar, was das bedeutet: Sie werden den Rest ihres Lebens in dem Luxus-Raumschiff verbringen müssen. Als sie jedoch gerade beginnen, sich mit diesem Schicksal abzufinden und ihre Gefühle für einander zu entdecken, gerät unvermittelt das Leben aller noch schlafenden Passagiere in Gefahr.





Kritik:
Wer zu der Art Filmkonsument gehört, die entgegen vorgefertigter Genre-Erwartungen ein Multitasking an Emotionen vertragen kann, sollte sich zur Vergewisserung des Egos auch mal eine misslungene Umsetzung jener Ambition zu Gemüte führen. Morten Tyldum kommt da mit seinen „Passengers“ an Bord, knapp jede Stimmung innerhalb einer Raumstation auf Autopilot (und das in vielerlei Hinsicht) durchzuprobieren, ohne sich auch nur in eine bemerkenswert zu vertiefen. Der Hansdampf in allen Gassen will dabei ein Rundumpaket des Eskapismus ergeben, das sich als Herkules an Topoi schon mit allen Signalen des Science-Fiction-Konsens umgibt und somit natürlich fern jeglicher wissenschaftlicher Impulse aufs Spektakel der big emotions schielt. Lukas Barwenczik benannte jene Strömung an kontemporärem Space-Kitsch jüngst allzu treffend als Symptom der postfaktischen Ära und als ob Tyldum dies zu untermauern versucht, rückt er dafür den bodenständigen Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) in den Mittelpunkt, welcher jeder ausfallenden Technik eine handfeste Lösung verpassen kann und zudem daran glaubt, dass an den simplen Slogans im OS des Raumschiffs Avalon trotz aller Trivialität doch was Wahres dran sein könnte – der Working-Man-Charme in Stimme und Soundtrack wird gratis manipulativ mitgeliefert, „Make space great again“. An jenem Nukleus der Interface-Kontraste eröffnet sich fortan auch dieser typische Widerspruch im Hollywoodkino der Spezialeffekte, ein zugleich technophobes und technogeiles Narrativ zu reinforcieren, um auf Verlustängste und Sehnsüchte des Zuschauers anzuspringen, Schauwerte aus der 3D-Effektschmiede zu ballen und die Gefahr dessen als primäres Spannungsstück zu akzentuieren. Weil das inzwischen so berechenbar ist, scheint sich das Drehbuch von Jon Spaihts („Doctor Strange“) dann ebenso ausrechnen zu können, wie viele Portionen an Gefühlsmäßigkeiten zur Vermittlung ausreichen, so wie es auch glaubt, jenen Rahmen der Unterhaltung wegen derartig glattzubügeln, dass keine Wissenschaft oder Psychologie mehr aufrichtig analysiert werden muss.


Da herrscht allerdings ein grundlegendes Desinteresse am Intellekt des Zuschauers, den man gerne auch via reiner Beobachtung zu den Belangen von Ensemble und Geschehen leiten darf, in diesem Fall allerdings mit Behauptungen, konstruierten Symbolen und Etablierungsphrasen abgefertigt wird. Man bemerke dazu allein die ersten Gehversuche im Themengebiet Isolation, das oben genannten Preston vorzeitig aus dem Hyperschlaf weckt und somit auf einem knapp 100 Jahre langen Trip durchs All stranden lässt. Von „Alien“ bis „2001 – Odyssee im Weltraum“ fallen einem bestimmt noch zig mehr Beispiele ein, an die man sich anhand der Bilder Tydlums erinnert fühlt, obgleich er ausgerechnet einen bemüht kecken Pratt durch die keimfrei abgeriegelte Zukunft wandern lässt, immer auf dem Sprung zum nächsten Szenario des Entdeckens, an dem zeitgleich Verzweiflung und obercooles Produktionsdesign voller praktischer Gadgets verinnerlicht werden sollen – kleine Cleanbots mit Minions-Charakter inklusive. Auch wenn der eher rudimentär nachvollzogene Fehler im System ihn nämlich zu einem einsamen Tod verdammt, gibt es noch reichlich frische Freizeitaktivitäten zu beackern, die den Bart nur so wachsen lassen, wenn Videospiele, undefinierte Filme, Restaurants und ein Barkeeper-Androide namens Arthur (Michael Sheen, stets in einer „Shining“-Hommage) fürs Enter-/Infotainment bereit stehen. Selbst sobald seine Re-Initiierung des Schneewittchen-Glassarges in beklemmender Fehlfunktion geschieht, ist Platzangst für Jim lediglich drei Sekunden lang ein Thema. Ob seine Psyche da allzu lange intakt bleibt, fragt sich der Film anhand solcher Situationen allerdings auch irgendwann, weshalb nach einigen netten OS-Unzugänglichkeiten Richtung Satire light sowie spektakulären Selbstmordversuchen der zufällige Stolperschritt zur Schlafkapsel der Autorin/Journalistin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) vollzogen wird. In einer für diesen Film bezeichnende, weil jede interessante Tiefe scheuende Montage kaut Jim daraufhin ein Dilemma durch, ob er die Dame ebenfalls gegen ihren Willen aufwecken soll, um ein bisschen Gesellschaft zu haben, wo er ihre pseudo-philosophischen Schreiberfähigkeiten sowie ihren Humor doch schon beinahe als Motivation genug verstand.


Von diesen Vorbereitungen erzählt er ihr nach vollbrachter Tat dann natürlich nichts und obwohl jene Stalker/Creep/Lügner-Aspekte dem moralischen Kompass des Zuschauers durchweg bewusst bleiben, scheint der Film sich damit abfinden zu können, trotzdem eine Romanze aus seinen Probanden zu leiern – was trotz altmodischer Gentleman-Avancen denkbar schlecht funktioniert. Soll aber wohl schon reichen, dass zwei attraktive weiße Menschen im idealen Alter mit der Zeit halt aufeinander abgehen, obwohl u.a. Auroras dissonanter Vater-Komplex eher eine Bereitschaft zur Nähe im Stile von „Queen of Earth“ evozieren dürfte – aber so ist das nun mal, wenn Charakterwerte nur als Staffage für das bewährte Schauspiel ihrer Star-Kombi genutzt werden. Dabei versucht der Film ja trotzdem sein Äußerstes, eine kohärente Entwicklung zum Miteinander zu stilisieren, weshalb der Schnitt jede Entdeckungsphase Jims nun mit ihr bzw. beiden zusammen erneut auffährt und somit stimmig auf einer Redundanz herumreitet, die sich höchstens noch ihre diktierten Ergüsse - mit dem Niveau einer Facebook-Teenie-Pinnwand - als Voiceover-Pathos anklemmen kann. Doch die Technik kann kein Geheimnis für sich behalten und so gibt es stets Spannungen wie Eskalationen im futuristischen Idyll, wenn auf Pratts dürftige Space-Wortspiele (mit Ankündigung) eine gleichsam schlagfertige Erinnerung daran folgt, wie unausweichlich der Tod und bedeutungslos das Dasein in jenen Käfigen der Technik doch seien. Gut, dass der ebenbürtig hermetisch kontrollierte Sex noch Entlastungen mit sich bringt, doch das anbahnende Psychoduell mit dem Effekt eines grausamen Tageszyklus pellt sich allmählich ebenso ansprechend aus, wenn auch wie so oft nur von kurzer Dauer und Inspiration. Das Schiff glitcht nämlich wie verrückt mit Hang zur Lebensgefahr durch und weckt noch einen dritten im Bunde auf, Kommandant Gus Mancuso (Laurence Fishburne) – von dem man sich eigentlich wünscht, dass er alle romantischen Eskapaden mit Jim durchlaufen hätte.


Fishburnes Präsenz ist ein willkommener Lichtblick innerhalb der löchrigen Konfusion des Films, der sich im Verlauf mehr und mehr mit CGI-Schauwerten über Wasser halten muss (dementsprechend inkonsequente Anti-Gravity-Wasserblasen zur Spannung einfügt), genauso schnell aber wiederum Fishburne ablösen will, weil er nicht weiß, wohin. Stattdessen sind auf den letzten Drücker Aufopferung, Manuelle Reparaturen, 1-Einzelschicksal-für-alle, Liebe über alle Unmöglichkeiten hinweg, „Sunshine“, „Gravity“ und Konventionen en masse angesagt, wenn die Zielgerade so energisch Genre-Pflichten abarbeitet, dass die Inszenierung selber keine Lust mehr dafür aufzubringen versucht, was jetzt eigentlich die Ursache all dessen war. Schön, dass der Film es da auch mal ehrlich mit uns meint, bis dahin verstand er sich sowieso mehr als gemächlicher Beobachter des Oberflächlichen, der seinen schlichten Abläufen im Raumschiffleben einen gewissen Reiz abringen konnte, im geschmeidigen Style die schlampigen Innereien der Technik zu offenbaren und dennoch lieben zu lernen, wenn der menschliche Faktor seine Heimat darin sucht. Ohnehin sind die oben genannten Widersprüche trotz ihrer emotionalen Unfähigkeit noch von grundlegendem Interesse, wie man sie realistisch evaluieren oder auslachen soll und vor allem welche besseren Filme man aus dem Kleister an Ideen herausholen könnte. Das bleiben aber eben die wenigen Diskussionsgrundlagen für einen Film, der sich auf Irrationalitäten aufbaut und jede mehr oder weniger sinnige Verknüpfung per gefühlsheuchelnder Anbiederung ausklammert, mit vereinfachten Genre-Gesten jegliches Herzblut, sogar irgendeine Distinktion in der Regie umkurvt. Nur in einem Punkt erkennt man Tyldum jedenfalls wieder, nämlich dass er dem Tod wie schon im „Imitation Game“ nicht in die Augen sehen kann und stattdessen gleich aufs hinterlassene Erbe hinweist. Dass er nach jenem Film so romantisierend ins Beliebige hinein abbauen würde, hätte man aber nicht auf Anhieb daraus schließen wollen.


4 von 10 interstellaren Arbeitsunfällen


vom Witte

Review: STOLZ UND VORURTEIL UND ZOMBIES – Historie trifft auf Splatter

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Fakten:
Stolz und Vorurteil und Zombies (Pride and Prejudice and Zombies)
USA, UK. 2016. Regie & Buch: Burr Steers. Mit: Lily James, Matt Smith, Sam Riley, Bella Heathcote, Charles Dance, Lena Heady, Jack Huston, Douglas Booth u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
England, 1811: Das Land ist im Begriff, von einer neuen Zombie-Welle überrannt zu werden. Für Mrs. Bennet besteht jedoch das größere Problem darin, ihre fünf heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bringen. Eine davon ist Liz, die wie der Rest ihrer Schwestern die Kampfkunst der Shaolin beherrscht und eine leidenschaftliche Kämpferin ist. Neben den Zombies ist ihre größte Herausforderung wiederum, der seltsamen Anziehung zu dem Kämpfer Mr. Darcy und dem Charme des manipulativen Mr. Wickham zu widerstehen. Liz und Darcy müssen erst persönliche Vorurteile überwinden, bevor sie im Kampf gegen die Zombies die wahre Liebe füreinander entdecken.





Meinung:
Die Geschichte ist unveränderbar. Dieser simplen Tatsache würde wohl jeder zustimmen. Glücklicherweise gibt es jedoch die Kunst, denn im Kino kann jeder seine eigene Geschichte schreiben und erträumen – oder die bestehende ganz einfach verändern. Nachdem wir mittlerweile eine Vielzahl an schemenhaften Zombiefilmen in angeblich naher, aber dennoch sehr ungreifbarer Zukunft gesehen, verschiebt Regisseur und Autor Burr Steers die beliebten Untoten kurzerhand in ein historisches Setting. Durch diese Verlagerung ins England des 19. Jahrhunderts fallen einige typische Stilelemente weg, allen voran die Kapitalismus- und Gesellschaftskritik, die in dystopischen Zwischenwelten mal mehr, mal weniger präsent ist. Doch einen Zombiefilm im klassischen Sinn bekommt man mit Stolz und Vorurteil und Zombies ohnehin nicht geboten.


Unterm Kleid lauert mehr als eine Überraschung
In gewisser Weiße ist der Name bereits Programm. Steers Film, der sich selbst wohl am ehesten als historische Zombieromanze sieht, besteht zu gleichen Teil aus Stolz, Vorurteil und Zombies. Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass er sich vordergründig stark durch Jane Austens romantische Gefühlswelten artikuliert und dann, ähnlich wie beim Titel selbst, eine Portion Zombies anfügt. Diese Musterbeispiele von klischeehaften Untoten fühlen sich im fertigen Werk ebenso fehl am Platz an, wie der ungelenke Titelzusatz bereits vermuten lässt. Ohnehin wird den Zombies nur wenig Fläche eingeräumt und hauptsächlich werden sie dafür genutzt die Handlung voranzutreiben. Eine Handlung, die sich primär über zwischenmenschliche Gefühle erzählt, aber zu fahrig und undurchdacht präsentiert wird um von selbst zu diesen Momenten zu kommen. Zombieblut als dramaturgisches Schmiermittel sozusagen. Überhaupt scheint sich Burr Steers bei der Adaption im Unklaren darüber gewesen zu sein, was er mit seinem Film eigentlich erzählen, ja was genau dieser überhaupt sein will. Es schlagen zwei Herzen in der Brust des bemühten, aber selten gelungenen Drehbuchs. Zum einen die greifbaren Gefühlswelten und die kühle Romantik, welche Austens Vorlage beinahe zwangsweise mit sich bringt und zum anderen eine gewisse Ironie, das (unbewusst) verspielte und trashige, wenn sich die Figuren elegant durch Zombiehorden schnetzeln. Vereinen lassen sich diese beiden Blickwinkel jedoch so gut wie nie, dafür hätte es wohl eine fähigere und lautere Stimme seitens der Regie gebraucht, die sich auch inszenatorisch eindeutig festgelegt und nicht so unscheinbar und unspektakulär wie Steers gearbeitet hätte.


Zweifelsohne, und das ist wohl das Traurigste, hätte Stolz und Vorurteil und Zombies das Potential zu einem echten Kultfilm gehabt. Die zugrundeliegende Idee darf man guten Gewissens als vielversprechend bezeichnen, nur scheitert diese signifikant an der mangelhaften Umsetzung und dem fehlenden Wagemut des Regisseurs. Zu keinem Zeitpunkt kann sich der Film für eine Richtung entscheiden und so verkommen fast alle kreativen Elemente (allen voran natürlich die Zombies) zu einem reinen Gimmick inmitten einer banalen Liebesgeschichte ganz im Zeichen der omnipräsenten Vorlage. Da ist es zumindest ein geringer Lichtblick, dass so manche Darsteller etwas bemühter agieren als der restliche Film.


4 von 10 abgetrennten Köpfen 

Review: THE DRESSMAKER – Fast wie ein Unverkehrsunfall, bei dem man nicht wegschauen kann

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Fakten:
The Dressmaker
AU, 2015. Regie: Jocelyn Moorhouse. Buch: P.J. Hogan, Jocelyn Moorhouse. Mit: Kate Winslet, Liam Hemsworth, Judy Davis, Sarah Snook, Hugo Weaving, Caroline Goodall, Kerry Fox, Rebecca Gibney u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 29. April 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach langer Abwesenheit kehrt Myrtle "Tilly" Dunnage in ihr kleines Heimatdorf im australischen Outback zurück. Die gutaussehende Schneiderin reist allerdings nicht ohne guten Grund an, denn außer der Nähmaschine hat sie ein düsteres Ereignis aus ihrer Jugend im Gepäck, dem sie sich nun stellen will. Die Dorfbewohner reagieren angespannt auf die Rückkehr von Tilly und schon bald geraten die Ereignisse zunehmend außer Kontrolle, je mehr Licht ins Dunkle gebracht wird...




Meinung:
In relativ unregelmäßigen Abständen gibt es Filme, die sich entweder gemäß ihres eigenen Inhaltes kaum vermarkten lassen oder vom Verleih von vornherein unter ungünstigen Bedingungen oder verzerrten Maßnahmen beworben werden. In die letztere Kategorie fällt beispielsweise "Drive" von Nicolas Winding Refn, der vor allem aufgrund der Trailer als schnittiger Actionfilm im Stil eines "The Fast and the Furious" verpackt wurde und sich schließlich als eigenwillige Mischung aus zärtlicher Poesie und brutal-surrealer B-Movie-Gewalt entpuppte. Ein Film wie "The Dressmaker" hingegen ist ganz klar der ersten Kategorie zuzuordnen und man möchte nicht mit denjenigen tauschen, die in der Marketingabteilung mit der Vermarktung dieses Streifens beauftragt wurden.


Kate Winslet erstrahlt in vollem Glanz
Um das Fazit direkt zu Beginn vorgezogen auf den Punkt zu bringen: "The Dressmaker" ist der inkohärenteste, tonal sprunghafteste sowie erzählerisch unentschlossenste Film, den es in letzter Zeit zu sehen gab. Regisseurin Jocelyn Moorhouse adaptierte den gleichnamigen Roman für ihren Film und erzählt von einer Frau, die nach langer Abwesenheit in ihr kleines Heimatdorf in Australien zurückkehrt. Der konkrete Grund für Tillys Rückkehr bleibt allerdings lange verschleiert, denn die Geschichte spinnt rund um die attraktive Schneiderin einen rätselhaften Murder-Mystery-Hintergrund, bei dem sie angeblich als kleines Mädchen einen gleichaltrigen Jungen getötet haben soll. Dieser ungewöhnliche Auftakt ist allerdings erst der Startschuss, denn viel mehr legt der Film zunächst einen Fokus auf das Dorf und seine Bewohner. "The Dressmaker" präsentiert sich in dieser Hinsicht, als wäre der Film zu gerne eine Art kauzig-skurriles, australisches Outback-Pendant zu "Twin Peaks", lässt den einzigartigen Charme und das liebevolle Herzblut von David Lynchs und Mark Frosts Kult-Kreation allerdings vollständig vermissen. Die Dorfbewohner geraten recht früh zu reinen Karikaturen, welche aufgrund von auffälligen Eigenheiten und Macken zum Lachen einladen sollen, aber eher das Gegenteil bewirken und als schriller Kontrast zur eigentlich ernsten Handlung stören.


Spätestens nach der Hälfte des mit vollen zwei Stunden Laufzeit deutlich zu lang geratenen Films läuft "The Dressmaker" endgültig aus dem Ruder. Moorhouse kombiniert kreuz und quer Elemente, die nicht zusammenpassen wollen und mischt emotionales Charakterdrama mit grotesker Satire, kitschige Romanze mit tragischen Schicksalsschlägen, die so plötzlich kommen, dass sie direkt wieder wirkungslos verpuffen, und lenkt das Geschehen zwischen Drama und Romanze in ein absurdes Finale, in welchem der Film schließlich auch noch Züge eines erzürnten Rache-Thrillers annimmt. Diese holprige Achterbahnfahrt der Genres und Gefühlslagen trifft auf den Cast ebenfalls zu. Am souveränsten agiert hier noch am ehesten Hauptdarstellerin Kate Winslet, die in dem heillosen Durcheinander stets versucht, Stil und Fassung zu wahren, während Liam Hemsworth auf den charmanten Schönling reduziert wird und Judy Davis als Mutter der Hauptfigur zwischen witzig und absolut nervtötend schaltet. An einigen Stellen möchte man den Verantwortlichen als Zuschauer fast schon Respekt zollen, dass sie auf so eine ungestüme und rücksichtslose Weise kombinieren, was man nicht kombinieren sollte, und damit ab und an sogar einige interessante Szenen erzeugen. Als Gesamtwerk ist "The Dressmaker" jedoch gescheitert und kaum faszinierend in seiner zerschossenen, schizophrenen Art, als dass hier ein ansatzweise gelungener Film oder eine schräge Perle, wie sie wohl beabsichtigt war, entstanden ist.


4 von 10 Sprünge ins Silo


von Pat