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DIE SCHÖNE UND DAS BIEST - Pompöse Kopie des Originals

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Fakten:
Die Schöne und das Biest (The Beauty and the Beast)
USA. 2017. Regie: Bill Condon. Buch: Evan Spiliotopoulos, Stephen Chbosky, Jean Cocteau (Vorlage). Mit: Emma Watson, Dan Stevens, Kevin Kline, Luke Evans, Josh Gad, Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson, Nathan Mack, Audra McDonald, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw, Hattie Morahan, Haydn Gwynne, Gerard Horan, Ray Fearon u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab dem 16. März 2016 im Kino.


Story:
Die kluge und anmutige Belle lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice ein beschauliches Leben, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston gestört wird. Doch als Maurice auf einer Reise in die Fänge eines Ungeheuers gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit…





Kritik:
Star Wars, das Marvel Cinematic Universe und die Animationswerke aus dem eigenen Hause sowie von Pixar. Es ist zweifellos so, dass das Mickey-Mouse-Imperium sich Marken geschaffen oder erstanden hat, die dem Konzern quasi die Befugnis zum Gelddrucken ausgestellt haben. Doch es gibt noch etwas, mit dem Disney seit einiger Zeit große Erfolge an der Kinokasse feiert. Gemeint sind die Realverfilmungen von hauseigenen Trickfilmklassikern. Alice im Wunderland, Cinderella und The Jungle Book erwiesen sich als echte Geldeintreiber und auch das Spin-off Maleficent -Die dunkle Fee war ein großer Hit. Nun soll mit Die Schöne und das Biest der nächste Film dafür sorgen, dass Disneys Girokonto Purzelbäume vor Freude schlägt.


Die Chancen stehen dafür stehen gut. Der Trickfilm aus dem Jahre 1991 gilt als echtes Meisterwerk, war durch seine Nominierung in der Kategorie Bester Film mit ein Grund dafür, warum die Oscar-Academy die Rubrik Best Animated Pictures einführte und der Soundtrack gilt als echter Evergreen. Aus rein wirtschaftlicher Sicht, ist es also das ideale Projekt. Aus künstlerischer Sicht würde sich der klassische Stoff von der schönen Bell (hier gespielt von Emma Watson), die durch einen Fehler ihres Vaters (Kevin Kline) in die Fänge eines namenloses Ungeheuers gerät und in diesem nicht nur die Lebenslust, sondern auch auch Güte und Wärme weckt, sehr dafür anbieten, ihn weiterzuentwickeln. Nicht nur erzählerisch, sondern auch stilistisch. Doch diesen Wagemut sucht man hier vergebens. Regisseur Bill Condon (Twilight: Breaking Dawn) und seine Autoren erweitern zwar die Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren, dies aber so marginal und vor allem frei von wirklicher Relevanz, dass diese Zusätze nur mit dafür sorgen, dass Die Schöne und das Biest deutlich zu lang geraten ist.


Ansonsten werden die liebgewonnen Bilder von 1991 oftmals 1:1, mit großem Effektaufwand, nachgestellt. Alles versehen mit viel Schwulst, gigantischem Pomp und einer überaus ansprechenden Detailliebe, die für eine durchaus stimmige und funktionelle Immersion sorgt, die allerdings immer wieder zerstört wird, wenn das bullige Biest plötzlich wie ein federleichtes Objekt über die Dächer seines Schlosses schwingt und springt. Dennoch, die dargestellte Märchenwelt wurde mit Überzeugung und viel Dampf im Kessel aufgebaut und auf Hochglanz poliert. Das Ergebnis ist purer Edelkitsch, der hin und wieder zu sehr von sich selbst eingelullt wird, seine eigentliche Prämisse aber stets souverän erfüllt und Freunden von glanzvollen und märchenhaften Musicals wohl eine wunderbare Zeit bescheren wird. Wer sich hingegen eine wirkliche Neuinterpretation des Originals erhofft hatte, wird eher enttäuscht und könnte dennoch eine gute Zeit im Kinosaal verbringen, auch weil die Produktion der Diversität mit ihren Figuren huldigt, was in einigen Ländern der Welt ja für peinliche Skandale sorgte.


5 von 10 Schotten, die versuchen einen französischen Akzent zu imitieren

Review: IM NAMEN DES VATERS – Mit Iren kann man‘s ja machen…

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Fakten:
Im Namen des Vaters (In the Name of the Father)
USA, Irland, Großbritannien. 1993. Regie: Jim Sheridan. Buch: Jim Sheridan, Terry George. Mit: Daniel Day-Lewis, Pete Postlethwaite, Emma Thompson, John Lynch, Beatie Edney, Mark Sheppard, Corin Redgrave, u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Gerry Conlon (Daniel Day-Lewis) ist ein junger Nordire, rebellisch, ein Gelegenheitsdieb, aber ansonsten ein lieber Kerl. Als er und drei Freunde mit einem Anschlag auf einen Pub in England in Verbindung gebracht wird, kann er das erst mal gar nicht glauben und hält dies für einen Irrtum. Doch die Polizei wird mit ihren Verhörmethoden immer drastischer und gewalttätiger und plötzlich wird nicht nur Gerrys Leben, sondern auch das seiner Familie bedroht. Ein falsches Geständnis soll zumindest seine Familie schützen, doch es wird sogar noch schlimmer…




Meinung:
Lange fackelt der Film nicht. Noch bevor er überhaupt richtig angefangen hat, fliegt in England ein Pub in die Luft und mehrere Menschen sterben. Zeitsprung. Zu rockiger E-Gitarrenmusik rennen junge Leute durch die Trümmer der Stadt, um sich an einem kleinen Aufstand gegen das Militär zu beteiligen. Unter ihnen Gerry Conlon (Daniel Day-Lewis), ein junger Nordire, der sich selbst überschätzend gegen die Dominanz der Engländer aufbegehrt. Dazu klaut er und ist ein Rebell. Um sich ein besseres Leben zu ermöglichen, geht er mit einem Kumpel nach England, bleibt jedoch nicht lange. Wieder zu Hause aber wird er beschuldigt wird, als Mitglied der IRA an eben jenen Bombenanschlägen vom Anfang beteiligt zu sein und Menschen ermordet zu haben. Zuerst dachte er an einen Irrtum, doch Polizei und Justiz, die ihm solange zusetzten und drohten, bis er ein falsches Geständnis unterschrieb, sahen das anders und er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt – und nicht nur er. Auch sein Vater und einige andere zu Unrecht verurteilte müssen lange in den Knast.

„Not to be shown to the defence“


Vater und Sohn Arm in Arm
Der Film, der die Geschichte der „Guildford Four“ erzählt, die als einer der schwerwiegendsten Justizirrtümer der jüngeren Geschichte gilt, ist ein Justizdrama allererster Güte und von noch immer großer Aktualität. Es werden hier die dreckigen Methoden der Polizei aufgedeckt, das Vertuschen von Beweisen, der Hass der Briten gegen die Nordiren, die Voreingenommenheit der Justiz, der Fremdenhass in England zur damaligen Zeit. Auch heute noch ist es aktuell, wenn man bedenkt, wie erwiesenermaßen Falschurteile getätigt wurden, weil manche Polizeibeamten sich gegenseitig bei Falschaussagen decken. Bei Aussage gegen Aussage, so ist das auch heute noch, wird eben dem Uniformierten mehr geglaubt. Auch das zeigt der Film. Das Leben Conlons im Gefängnis wird ordentlich dargestellt, wobei hier besonders auf die innere Entwicklung der Hauptfigur Wert gelegt wird. Vor allem sein anfangs schwieriges Verhältnis zu seinem Vater ist bemerkenswert. Der alte Guiseppe (Pete Postlethwaite) ist so völlig anders als sein Sohn und doch wird eine immer intensivere Bindung zwischen den beiden klar, die sich bis zum Finale weitersteigert und auch mit den Schlussworten noch einmal deutlich gemacht wird.


Kann Gerrys Anwältin seine Lage verbessern?
Die moderne Schauspielikone Daniel Day-Lewis ist auch hier mal wieder atemberaubend stark. Sein Spiel ist so variabel, dass man einfach nur staunend vor dem Bildschirm sitzen und ihm bewundernd zusehen kann. Auf der einen Seite herrlich übertrieben, auf der anderen auch völlig zurückgezogen zeigt er einmal mehr die diversesten Facetten seiner Figur. An seiner Seite sind die nicht minder starken Pete Postlethwaite (u.a. Die üblichen Verdächtigen) und die fantastische Emma Thompson als spätere Anwältin Conlons (leider viel zu kurz) zu sehen. Auch sie hinterlassen bleibenden Eindruck und schaffen es, eine ebenso große Präsenz aufzubauen wie Day-Lewis. Folgerichtig erhielten alle drei Darsteller eine Oscar-Nominierung, ohne jedoch die Statue einzuheimsen. Angesichts dieser drei dominanten Persönlichkeiten ist es umso überraschender, dass auch der Rest des Casts toll aufspielt, er ist bis in die kleinste Rolle perfekt besetzt.


Ein Unschuldslamm ist Gerry sicher nicht
Besonders diesem Cast ist es zu verdanken, dass dieses biographische Drama tief unter die Haut geht. Emotional ist das ganz großes Kino, bei dem man intensiv mit den Figuren mitfiebert. Der Film packt dich und obwohl das Ende klar ist oder zumindest klar sein dürfte, so wird doch gigantische Spannung erzeugt, die immer wieder aufs Neue angefacht wird – Leerlauf gibt es zu keiner Sekunde. Unterlegt mit einer nach Freiheit schreienden, irisch angehauchten Musik, den Titelsong steuerte Bono von U2 bei, tragen auch die flammenden Reden Day-Lewis‘ dazu bei, dass man mitfiebert, mithofft, mitbangt. Deshalb sind sowohl die Sympathien wie auch die Fronten, Böse und Gut, schuldig und unschuldig, klar verteilt. Dennoch sollte man dies nicht mit einer Schwarz-Weiß-Zeichnung verwechseln. Gerry Conlon ist, wie erwähnt, nämlich durchaus ein ambivalenter Charakter, der auch seine unsympathischen, rebellischen Züge hat. Er wird keineswegs ausschließlich positiv dargestellt, doch in der Sache, wegen der er verurteilt wurde, da ist er, wie auch alle Beweise mittlerweile bestätigen, nun mal das Opfer, nichts anderes.


Insgesamt ist „Im Namen des Vaters“ ein vielschichtiges, ergreifendes, ausgezeichnetes Filmdrama, das die wahre Geschichte um den Justizirrtum beeindruckend wiedergibt. Dabei holt das formidable Gesamtpaket, besonders aber die überragenden Schauspieler, den Zuschauer ab und lassen ihn tief in die Geschichte eintauchen.


9 von 10 brennende Papierknäuel

Review: SAVING MR. BANKS – Tom Hanks weiß um den Wert von Versprechen

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Fakten:
Saving Mr. Banks
USA. 2013. Regie: John Lee Hancock.
Buch: Sue Smith, Kelly Marcel. Mit: Tom Hanks, Emma Thompson, Paul Giamatti, Colin Farrell, B.J. Novak, Jason Schwarzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, Kathy Baker, Melanie Paxson, Rachel Griffiths u.a Länge: 130 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 17. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Autorin P.L Travers hält nicht viel davon, dass Filmmogul Walt Disney die Filmrechte an ihrem Roman „Mary Poppins“ erwerben möchte. Allerdings kann sie das Geld gerade gut gebrauchen. Ein Besuch in Hollywood bei Disney und seinen Studios soll ihr helfen eine Entscheidung zu treffen.





Meinung:
Dass man seine Versprechen nicht brechen darf, wusste auch schon der große Walt Disney, als er seinen Töchtern bereits in den 1940er Jahren versprach, eine Verfilmung ihres Lieblingsbuches „Mary Poppins“ in die Wege zu leiten. Der Zeichentrickmogul allerdings hat seine Rechnung ohne die Engstirnigkeit der Autorin P.L. Travers gemacht, die sich nach langwierigen Verhandlungen erst im Jahre 1961 nach Hollywood begibt und eine ganz und gar vorlagengetreue Adaption erwartet: Nur mit großem Widerwillen kann sie sich damit arrangieren, dass aus ihrer „Mary Poppins“ eine Musicalinterpretation werden soll, doch bei jeder weiteren winzigen Abweichungen können sich Walt Disney und seine Crew um Drehbuchautor Don DaGradi, wie auch die Komponisten Richard und Robert Sherman die Filmrechte endgültig abschminken. Je weiter die von Unverständnis und Ungereimtheiten geprägte Präproduktion voran schreitet, desto offensichtlicher wird, dass Travers Abneigung gegenüber den Änderungen nicht nur künstlerischer, sondern auch privater Natur sind...

 
Ernste Mine: P.L. Travers is not amused
Mit schmerzverzerrtem Gesicht hat man es hingenommen, dass die Walt Disney Studios einen Film über die Walt Disney Studios drehen, in dem auch noch unter des Regie des in Texas geborenen Regisseurs John Lee Hancock („Blind Side“) ausgerechnet der allseits beliebte Superstar Tom Hanks („Captain Philips“) die Rolle des Walt Disney übernehmen sollte: Schreck lass nach! Reichlich Kitsch und das manipulative Spiel auf der Gefühlsklaviatur sollten da doch eigentlich vorprogrammiert sein, natürlich verknüpft mit der üblichen Disney-Propaganda. Geht man den Film „Saving Mr. Banks“ wirklich mit dieser Einstellung an, tut man dem gesamten Projekt doch ziemlich Unrecht, denn der Fokus liegt gewiss nicht auf der in der Öffentlichkeit als so schillernde verbildlichte Persönlichkeit Walt Disney, sondern zentriert ganz eindeutig die Figur des P.L. Travers (Emma Thompson, „Tatsächlich Leibe“), wie das Tauziehen um die für alle Parteien kräftezehrende Zusammenarbeit bei der Romanadaption. Dabei lässt sich auch „Saving Mr. Banks“ nicht gänzlich freisprechen von jenen bösen Vorahnungen, doch ein vollständig gescheiterter oder sogar hassenswerter Film wurde hier mitnichten geschaffen.

 
Travers scheint immun gegen Disneys Charme
So klar wie das Amen in der Kirche war von Anfang an, dass sich „Saving Mr. Banks“ als unzweifelhaft astreine Familienunterhaltung definieren lassen wird. Wer also eine differenzierte und reflektierte Handhabung Walt Disneys und seinem milliardenschweren Imperium erhofft, der täuscht und muss sich zwangsläufig einfach enttäuscht lassen. Das Drehbuch von Sue Smith und Kelly Marcel erlaubt sich nur eine einzige Szene, die Walt Disney einen Zacken aus der Krone zu brechen versucht, in der der bis dahin fehlerlose Heiland in seinem Büro überraschend beim Rauchen gestört wird und seine Zigarette daraufhin hysterisch mit der klare Ansage ausdrückt, dass man ihn nie damit in Verbindung bringen dürfte. Den Rest der Handlung wird er ab und an, wie es nun mal das Schicksal einer echten Nebenrolle ist, in das Geschehen eingebunden, um seine Meinung bekanntzugeben und postwendend wieder zu verschwinden, bis es dann zu dem ausschlaggebenden Augenblick gegen Ende kommt, in dem er seinen emotionalen Monolog hält und die bereits wieder nach London abgereiste P.L. Travers weichkocht und sich endgültig die Rechte sichert. Dass P.L. Travers über Disneys 5-fach Oscar prämierten „Mary Poppins“ nur mit äußerst harscher Wortwahl resümieren konnte, wird großzügig unter den Teppich gekehrt: Der Titel ist hier auch für sie Programm.

 
Ja, die Disney Studios kümmern sich um ihre Gäste
Dabei geht es „Saving Mr. Banks“ nicht nur um die Zeit der Verhandlungen, durch Flashbacks wird auch die Kindheit P.L. Travers aufgerüttelt und ihre Pedanterie anhand der Parallelmontage, in der ihre Beziehung zu ihrem Vater Traver Goff (Colin Farrell, „Brügge sehen... und sterben“) narrensicher ausgeleuchtet wird. Das bringt den rigorosen Nachteil mit sich, dass der Film immer genau dann, wenn er sich gerade richtig auf einen Erzählrhythmus geeinigt hat, durch die sämtlichen Rückblenden immer außer Tritt gerät und etwas ausbuchstabiert, was auch eigenständig in den Köpfen der Zuschauer auf eine eigene Lösung der mehr oder weniger auffälligen Wesenszüge gekommen wäre. „Saving Mr. Banks“ ist immer genau dann am stärksten, wenn er Tatsachen respektvoll behandelt, die großartig aufgelegte Emma Thompson so richtig kratzbürstig von der Leine lässt und dennoch diese charmant-märchenhafte Note in Ehren hält. Dann macht „Saving Mr. Banks“ Freude, kann mitreißen und gegebenenfalls sogar berühren. Was eben auch an der tollen Darstellerriege liegt, in der sich Tom Hanks angenehm zurückhält und Emma Thompson ein gebührendes Podest verleiht. Zwischendurch schleichen sich immer wieder Kitsch und Rührseligkeiten ein, gehörigen bei einer Produktion wie dieser aber wohl einfach dazu: Familientauglich ist „Saving Mr. Banks“ allemal und genau für diese Runde gemacht.


Während das Formale in „Saving Mr. Banks“ über jeden Zweifel erhaben ist und das prominente Ensemble – allen voran Emma Thompson – durchweg zu überzeugen weiß, findet „Saving Mr. Banks“ an und für sich dank seiner unnötigen Parallelmontage nie den rechten Erzählrhythmus, um wirklich über die gesamte Laufzeit von 120 Minuten fesseln zu können. Für den lockeren Familienabend ist „Saving Mr. Banks“ gewiss geeignet und auch darüber hinaus hat der Film so seine einnehmenden und wirklich bezaubernden Momente. Im Großen und Ganzen betrachtet kommt der Film jedoch nie über ein gut gemeintes „Nett“ hinaus.


5 von 10 trinkenden Vätern


von souli

Review: VIEL LÄRM UM NICHTS – Shakespeare meets Screwball

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Fakten:
Viel Lärm um nichts (Much Ado About Nothing)
Großbritannien, USA. 1993. Regie und Buch: Kenneth Branagh. Mit: Kenneth Branagh, Emma Thompson, Denzel Washington, Kate Beckinsale, Sean Robert Leonard, Keanu Reeves, Michael Keaton, Richard Briers, Imelda Staunton, Brian Blessed u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Nach einer siegreichen Schlacht treffen auf dem Gut von Signor Leonato die junge Hero (Kate Beckinsale) und Claudio (Sean Robert Leonard) aufeinander und verlieben sich unsterblich ineinander. Parallel dazu scheinen die kratzbürstige Beatrice (Emma Thompson) und der überzeugte Junggeselle Benedikt (Keneth Branagh) wie für einander geschaffen, doch bei jedem Aufeinandertreffen werfen sie sich verschiedene schnippische Beleidigungen an den Kopf. Doch Don Pedro von Aragon (Denzel Washington), ein guter Freund der Männer, will helfen, dass die Paare zueinanderfinden. Doch keiner hat die Rechnung mit dem zuvor im Kampf besiegten Halbbruder Don Pedros, Don Juan (Keanu Reeves) und das junge Glück droht zu scheitern.




Meinung:
Schon die Eröffnungsszene lässt durchblicken, in welche Richtung sich dieser Film entwickeln wird. Einige junge und ältere Frauen sitzen im frischen Gras und erzählen sich in merkwürdig und gleichzeitig edel klingender Sprache Geschichten, während ein Kurier die Rückkehr der Männer aus einer siegreichen Schlacht ankündigt. Nach einigen bissigen Kommentaren machen sich die Frauen auf, um die Männer zu begrüßen und es herrscht, passend zur sommerlichen Umgebung und den weißen Gewändern aller Beteiligten, eine traumhaft schöne und ausgelassene Stimmung. Anschließend geht es um das Werben und das Geworben werden, um Liebe, um Witz, um Tanz und um die plötzliche Eskalation der Situation, die aus heiterem Himmel geschah. Und so entstand letztlich, wie der Titel schon sagt, viel Lärm um nichts.


Aussgelassene Stimmung, den ganzen Film hindurch
Aber wenn ein Mann wie Kenneth Branagh, fast schon Experte auf dem Gebiet der Shakespeare-Verfilmungen, bei dem Film nicht nur Regie führt, sondern auch das Drehbuch schreibt, mitproduziert und zusätzlich auch noch eine der Rollen übernimmt, dann kann man davon ausgehen, dass er genau weiß, was er hier tut. Branagh rafft das über fünfstündige Theaterstück des großen englischen Schriftstellers zusammen, behält aber die originalen Dialoge bei. Allerdings bringt er ordentlich Tempo in die Inszenierung. Fast schon im Stil einer Screwball-Komödie von Billy Wilder oder eines Howard Hawks heizt er die Szenerie immer weiter an, hält das Tempo hoch und höher und schafft so ein wunderbares Ambiente für den Sprachwitz Shakespeares.


Die Darsteller scheinen allesamt von dieser Grundstimmung des Films befruchtet zu werden. Wie auf einer Theaterbühne gibt es neben den spritzigen Dialogen auch geschliffene Monologe, gerne in einem Take gefilmt und durchaus auch direkt in die Kamera hinein. Und wie auf einer Theaterbühne spielen sie alle herrlich übertrieben. Leute, die mit diesem theatralischen Schauspiel nichts anfangen können, sollten lieber gleich die Finger von diesem Film lassen. Aber man sieht und spürt, wie viel Freude es allen Darstellern macht, sich gehen zu lassen und vor der traumhaft schönen Kulisse in Italien miteinander zu spielen. Vor allem Branagh und seine damalige Gattin Emma Thompson fallen hier besonders positiv auf, wenn sie sich giftige Wortspitzen um die Ohren schlagen. Schön zu sehen, dass Shakespeares Sprache auch heute noch gut funktioniert. Daneben sind Denzel Washington als schneidiger Kuppler und Michael Keaton als verblödeter und schleimiger, naja, so ne Art Polizist ebenfalls wunderbar.


Es ist etwas faul, im Staate.. oh, falscher Text.
Die bereits erwähnte saftig grüne Landschaft, die opulenten Kulissen und die oft ebenso bombastische Musik umgarnen die Themen des Films. Hauptsächlich geht es um die Differenzen und die Beziehungen zwischen Männlein und Weiblein. Dabei werden alltägliche Dinge angesprochen genauso wie Ehre, Stolz und letztlich sogar eine fast schon teuflische Intrige von Badass Keanu Reeves. Eine Rolle, die ihm ausgesprochen gut steht, übrigens. Und dann ist da noch und vor allem die Liebe. Die Liebe, vor allem ihre Irrungen und Wirrungen sind es, die den Film beherrschen, denn es dreht sich im Grunde darum, wie und ob zwei verliebte Paare zusammenkommen. Klar, in diesem Ausmaß, in dieser Übertriebenheit und dann auch noch in Kombination mit Shakespeares Sprache, da kommt man gar nicht umhin, als von Kitsch zu sprechen. Aber Kitsch ist manchmal gut, manchmal sogar richtig toll. Und hier ist der Kitsch einfach nur wunderbar. Weil man ihn glaubt, weil die Darsteller ihre Figuren so wunderbar aufleben lassen, dass es auch beim Zuschauer ankommt.


Schon mit den ersten Minuten schafft es „Viel Lärm um nichts“ eine wunderbar ausgelassene Stimmung zu vermitteln, die uns die Figuren sympathisch macht und uns mittanzen und mitlachen lässt. Und Regisseur Branagh feuert diese Stimmung immer weiter an, lässt sie immer turbulenter, schneller, hitziger und komischer werden, sodass man kaum zu Atem kommt. In Kombination mit den Originaltexten und dem sprachlichen Humor Shakespeares, ein paar dramatischen Situationen und vor allem den wunderbar überdrehten und perfekt harmonierenden Schauspielern kann man dann auch über die phasenweise etwas dünne Story hinwegsehen und einfach einen wundervollen Film genießen.


8 von 10 weiße Gewänder im Wind