Planet der Affen: Survival (War for
the Planet of the Apes)
USA, 2017. Regie: Matt Reeves.
Buch: Mark Bomback, Matt Reeves. Mit: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn,
Karin Konoval, Amiah Miller, Terry Notary, Ty Olsson, Michael Adamthwaite, Toby
Kebbell u.a. Länge: 142 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.
Story:
Caesar und die von ihm angeführten,
intelligenten Affen werden von den Überresten einer menschlichen Militäreinheit
gnadenlos gejagt. Als Caesar’s Familie bei einem gezielten Attentat durch deren
wahnsinnigen Colonel stirbt, sinnt der sonst immer nach Deeskalation strebende
Schimpanse auf Vergeltung. Während er sein Volk in ein vermeidlich sicheres
Gebiet schickt, machen sich er und seine engsten Vertrauten auf zum Stützpunkt
ihrer Gegner.
Meinung:
2011 geschah etwas Außergewöhnliches:
Ein großer Filmklassiker bzw. sogar eine gesamte Filmreihe erfuhr eine
Wiedergeburt. Na und, ist doch heutzutage nichts Neues und vor allem selten
etwas Erstrebenswertes? In der Regel schon, doch Planet der Affen: Prevolution
kann mit Fug und Recht zu einem der besten Blockbuster der noch jungen
Jahrtausends gezählt werden. Tim Burton scheiterte 2001 mit seinem
entsetzlichen Remake-Versuch gnadenlos, daraus zog man wohl die richtigen Schlüsse.
Das Ding musste einen kompletten Relaunch erfahren, aber dennoch den Geist der
alten Filme beibehalten. Etwas erzählen, was speziell in den weniger gelungenen
Fortsetzungen zu dem Original von 1968 nur grob und nicht sonderlich sorgfältig
aufbereitet wurde. Das gelang fulminant. Rupert Wyatt erschuf damals einen
selten gewordenen Fall von geduldigem, klug aufgebautem Erzählkino, das
eindeutig als Exposition zu einem großen Ganzen zu verstehen war, dennoch
seinen Auftrag als aufwändiges, spektakuläres Popcornkino nicht aus den Augen
verlor. Das war und ist brillant. Das 2014 nun von Matt Reeves inszenierte
Sequel Planet der Affen: Revolution ging erwartungsgemäß mehr in Richtung post
(oder doch noch pre?)-apokalyptischem Actionfilm, was per se völlig in Ordnung
ist aufgrund des Drei-Akter-Konzepts, enttäuschte dennoch durch flache Figuren,
einen unkreativen Plot und dem reinen Fokus auf Schauwerte.
Ist die Menschheit nur Ballast?
Jetzt also das große Finale und die
alles entscheidenden Frage: Quo vadis, Caesar? War der Mittelteil nur ein
Ausrutscher oder war es gar der fantastische Opener, nur in die andere,
positive Richtung? Die Antwort, wie könnte es fast anders sein, liegt in der
Mitte. Allerdings mit der deutlich richtigen Tendenz. Um es kurz vorher
zusammenzufassen: Planet der Affen: Survival erreicht nicht die erzählerische
Qualität des Erstlings, ist aber in nahezu allen Bereichen um Längen besser als
sein direkter Vorgänger. Angelegt als episches, wuchtiges Finale, das keinen
Hehl um seine selbstauferlegte Wichtigkeit und Größe macht. Finster, endgültig,
gar referenziell soll es werden und natürlich seiner „eigenen“ Reihe als
Abschluss dienen um gleichzeitig den Weg für „den Ursprung“ zu ebnen. Denn wie
wohl inzwischen jeder wissen sollte (wer tatsächlich noch nie Planet der Affen
mit Charlton Heston gesehen hat, bitte erst im nächsten Absatz weiterlesen),
dieses Ende wird erst der Anfang sein. Eigentlich wartet man in der letzten
Einstellung auf einen Himmelsschweif am Horizont oder das Einschlagen einer
Rettungskapsel im Wasser, nun kann er kommen.
Kein Krieg ohne Überläufer
Das klingt alles nach einer großen
Aufgabe, einem nicht einfach zu lösenden Kraftakt und auch wenn Planet der
Affen: Survival gelegentlich den Mund eine Spur zu voll nimmt, man mag es ihm
insgesamt gerne verzeihen. Eine Sache muss fast schon gar nicht mehr erwähnt
werden, sie ist aber zu grandios um sie als selbstverständlich abzutun:
Technisch ist dieser Film gigantisch! Schon die Vorgänger boten nahezu perfekte
Animationen und Motion-Capturing, so langsam wird das Ganze aber schon unheimlich
real. Selbst bei Nahaufnahmen wirkt jedes Detail, jedes Haar, jede mimische
Nuance so echt, man nimmt es gar nicht mehr als Special-Effect – egal nach
welcher Methode – war. Das ist der pure Wahnsinn und selbst Befürworter der
handgemachten Effekt- und Maskenarbeit der alten Schule (hier!) können da nur
Beifall klatschen. So, und nur so, sollte die moderne Alternative aussehen.
Aber wie gesagt, das konnte man praktisch schon vorrausetzen. So ein
Anspruchsdenken herrscht heutzutage schon, irgendwie verrückt.
Das Grauen, das Grauen...
Der wesentliche Aspekt ist somit:
Wie schlägt sich das Finale auf inhaltlicher Ebene? Sehr anständig. Die
zahlreichen Anspielungen speziell auf das Kriegsfilm-Genre sind kaum zu
übersehen. Bereits zu Beginn sticht ein selbstbeschrifteter „Monkey
Killer“-Helm ins Auge, eine angepasste Variante zu dem „Born to
Kill“-Kopfschmuck bei Full Metal Jacket. Die Anfangssequenz in der grünen Hölle
der Wälder ruft sicher auch nicht unfreiwillig Assoziationen zu dem
Dschungelkrieg aus Platoon hervor und sobald sich in bester Western-Manier
durch die Prärie zum Herz der Finsternis durchgekämpft wurde, wird
Ap(e)ocalypse Now sehr direkt groß- und ausgeschrieben. Woody Harrelson glänzt
dabei (mal wieder) als Colonel Kurtz-Verschnitt, während der Film mitunter sehr
bemüht wirkt, einen großen Moment an die nächste zu reihen, seine Emotionen
dabei mit Nachdruck und schüttelnder Faust untermauernd. Das ist spektakulär
und oftmals wirklich packend, in der Fülle und Ausführlichkeit sicher sehr
angestrengt und übertrieben. Ein gesunder Hang zur Kürze hätte dem Film sehr
gut getan, da er diese Vehemenz und seinen Ausformulierungszwang gar nicht braucht.
Leichte Andeutungen und Querverweise sind oftmals viel nachhaltiger.
Nichtsdestotrotz gelingt Matt
Reeves ein würdiger Schlussakt, der nicht in plumpen Actionsequenzen ersäuft
und dennoch als beeindruckender Eye-Catcher durchwegs die Muskeln moderner
CGI-Technik spielen lässt. Der Film gaukelt sicherlich etwas Tiefe vor, in dem
er bekannte Themen für sich variiert – gerne auch doppelt und dreifach -, aber
damit liegt er immer noch deutlich über dem Maßstab, den aktuelles
Blockbusterkino schon lange sehr tief angesetzt hat .
USA.
2017. Regie: Jon Watts. Buch: John Francis Daley, Jonathan M.
Goldstein, Erik Sommers, Steve Ditko. Mit: Tom Holland, Michael
Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Zendaya, Jacob
Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Bokeem Woodbine, Donald
Glover, Gwyneth Paltrow, Tyne Daly, Abraham Attah, Hannibal Buress,
Kenneth Choi, Chris Evans, Mike Starr, Logan Marshall-Green u.a.
Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 13. Juli im
Kino.
Story:
Immer
noch euphorisch von dem packenden Kampf mit den Avengers kehrt Peter
in seine Heimat zurück, wo er mit seiner Tante May und unter dem
wachsamen Auge seines neuen Mentors Tony Stark lebt. Es fällt ihm
jedoch nicht leicht, sich im Alltag zurechtzufinden - vielmehr will
er beweisen, dass er mehr ist als nur der sympathische Spider-Man aus
der Nachbarschaft. Als aber The Vulture als neuer Gegenspieler
auftaucht, gerät plötzlich alles, was Peter im Leben wichtig ist,
in große Gefahr.
Meinung: Jahrelang
haben Fans gehofft, dass Spider-Man es irgendwann ins Marvel
Cinematic Universe schaffen wird. Doch schien dies ob der Rechte am
Charakter stets sehr unwahrscheinlich. Nachdem Sony mit The Amazing Spider-Man 2 sein bestes Stück aber ein zweites Mal gegen die Wand
gefahren und einen Großteil der Fans gegen sich aufgebracht hatte,
ließ sich das Studio auf einen Deal mit Marvel ein. So kam es, dass
wir im letzten Jahr in Captain America: Civil War einen ersten Blick
auf den MCU Spider-Man werfen durften. Ein Blick, der bei vielen
ausreichte, um die Vorfreude auf den neuen Standalone-Film ins
unermessliche steigen zu lassen. Dieses Jahr ist es endlich soweit.
Mit Spider-Man: Homecoming kommt der mittlerweile sechste Film über
den Spinnenmann am 13.07.2017 in die deutschen Kinos. Und das Warten
der Fans hat sich definitiv gelohnt, denn Homecoming ist nicht nur
der beste Spider-Man Film seit 13 Jahren, sondern auch einer der
besten Filme des MCU – und da kann auch die inflationäre Trailer
Politik von Sony nichts dran ändern.
Doch
was genau macht Homecoming anders? Nun die offensichtlichste Änderung
ist, dass uns nicht zum dritten Mal gezeigt wird, wie Peter Parker
von einer radioaktiven Spinne gebissen wird. Dennoch kann man dem
Film den Charakter einer Origin-Story nicht ganz absprechen. Wir
sehen hier nicht den Ursprung seiner Kräfte, wohl aber seine
Verwandlung von der Spinne aus der Nachbarschaft zum großen Helden.
Dabei umschiffen die Autoren gekonnt die immer gleiche Origin-Story,
um uns indirekt eine neue Form der Entstehungsgeschichte zu erzählen.
Dem Film kommt auch zu Gute, dass er – ähnlich wie Ant-Man – in
einem eigenen kleinen Mikrokosmos spielt. Sicher macht der Film schon
in den ersten Minuten deutlich, dass er Teil des MCU ist und auch die
Auftritte von Tony Stark (zum Glück recht kurz gehalten) sind nicht
zu leugnen, doch dreht sich die Mehrheit des Films um Peter, sein
Leben in der Highschool und die kleinen Verbrechen, die er in seiner
Nachbarschaft bekämpfen muss. Dank dieser minimalistischen
Herangehensweise und der neuen Art eine Origin-Story zu erzählen,
fühlt sich Homecoming sehr unabhängig und frisch an und ist damit
genau das, was das MCU zur Zeit braucht.
Frisch
und hoch motiviert ist auch der Mann unter der Maske. Tom Holland hat
gegenüber den beiden anderen Spider-Man Darstellern einen klaren
Vorteil: Er sieht aus wie ein Highschool-Schüler. Auch wenn Holland
beim Dreh bereits 20 Jahre alt war, kauft man ihm den 16 Jährigen
Schüler sofort ab. Das liegt aber nicht nur an seiner Optik, sondern
auch an seinem unbedarften und naiven Schauspiel. Er verkörpert
dabei alles was Peter und auch Spider-Man ausmacht, transportiert
sowohl den Humor als auch die Emotionen mit Leichtigkeit und trägt
damit den Film ohne Probleme auf seinen Schultern. Dennoch findet er
Unterstützung durch einen beachtlichen Cast. Neben den üblichen
Verdächtigen (Marisa Tomei, Robert Downey Jr. und Jon Favreau) und
einigen tollen Neuzugängen (Donald Glover, Tony Revolori, Jacob
Batalon...) beeindruckt vor Allem Keaton als Adrian Toomes/The
Vulture. Er miemt einen der bis dato interessantesten Bösewichte des
MCU, was insbesondere einer Enthüllung zu verdanken ist, die an
dieser Stelle natürlich nicht vorweg genommen werden soll.
Dank
diesem tollen Cast funktioniert auch der Humor des Films zu jeder
Zeit. Ähnlich wie bei Guardians of the Galaxy fügt sich dieser auch
ganz natürlich in den Film ein. Wenn man Jon Watts vorherige Filme
schaut, die wahrscheinlich nur eingefleischten Cineasten bekannt
sind, zeigt man sich schwer beeindruckt ob des tollen komödiantischen
Timings, das er an den Tag legt. Zwar hat der Regisseur in Filmen wie
Clown und Cop Car einen eigenen Stil entwickelt, dieser ist aber doch
recht weit von dem entfernt, was wir von einem Spider-Man Film
erwarten würden. Umso beachtlicher, dass er es nicht nur schafft die
witzigen Dialogzeilen gekonnt einzufangen, sondern vor allem auch den
visuellen Humor des Films so hervorragend zu meistern. Ähnlich
verhält es sich mit der Action, die er insbesondere beim Flugzeug
Showdown mit einer kaum auszuhaltenden Spannung kombiniert. Einzig
auf emotionaler Ebene weiß der Film einen nicht so recht zu packen.
Zwar wartet er mit einigen Überraschungen auf, doch sind diese
zumeist wirklich nur überraschend und spannend, selten aber
emotional.
Fazit:
Spider-Man: Homecoming ist nicht nur der beste Spider-Man Film seit
13 Jahren, sondern auch einer der besten Beiträge des MCU. Jon Watts
gelingt es mit einem motivierten und talentierten Cast den Witz und
die Action der Comics auf die Leinwand zu bringen. Einzig auf
emotionaler Ebene, weiß Homecoming nicht vollends zu überzeugen.
US,
2017. Regie: Chad Stahelski. Buch: Derek Kolstad. Mit: Keanu Reeves, Ian
McShane, Laurence Fishburne, Common, Ruby Rose, Peter Stormare, John Leguizamo,
Franco Nero u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Seit dem 27. Juni 2017 auf DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD erhältlich.
Story:
Nach
seinem letzten persönlichen Rachefeldzug wollte sich der Ex-Profikiller John
Wick endlich endgültig zur Ruhe setzen und seinem alten Leben vollständig den
Rücken kehren. Das plötzliche Auftauchen eines früheren Kollegen macht dem
angepeilten Ruhestand aber wieder einen Strich durch die Rechnung. Wick soll
für ihn einen Mordanschlag in Rom erledigen, den er aufgrund eines Blutschwurs umgehend
auszuführen hat. Bei dem Opfer handelt es sich jedoch um die Schwester des
Ex-Kollegen, zu der Wick ebenfalls eine persönliche Bindung pflegt…
Meinung:
Das
Wichtigste zuerst: Der Hund ist auch am Ende von „John Wick: Kapitel 2“ noch wohlauf.
Ganz so unbeschadet kommt sein Herrchen dabei nicht aus der Affäre, denn als
ein alter Bekannter an seiner Haustür klingelt, wird John Wick abermals in das
Leben zurückgeworfen, welches er eigentlich längst hinter sich lassen wollte.
Mit John Wick ist wieder nicht zu spaßen
Eine
mit seinem eigenen Blut besiegelte Schuldmünze sorgt dafür, dass der titelgebende
Protagonist nach Rom reisen muss, wo er die Schwester eines Ex-Kollegen ermorden
soll, damit dieser eine machtvolle Position in einem hohen Zirkel des
organisierten Verbrechens einnehmen kann, die eigentlich seiner Schwester
versprochen war. Der vom Rest der Handlung losgelöste Einstieg, in dem Wick eine
offene Rechnung aus dem ersten Teil begleicht, erhebt den chronisch schlecht
gelaunten Profikiller gleichzeitig noch markanter als zuvor zur mystischen
Ikone. Den zahlreichen beeindruckenden wie erschreckenden Erzählungen und
Gerüchte, die sich um dessen Person ranken, verleiht Regisseur Chad Stahelski,
der das Sequel im Gegensatz zum Vorgänger ohne Co-Regisseur David Leitch inszenierte,
mit einer Parallelmontage Nachdruck, in der Wick in gewohnter Manier Knochen
bricht und Körper mit Kugeln durchsiebt, während er sich einen Weg zu seinem
1969er Mustang bahnt. Nach dem furiosen Auftakt dauert es jedoch erstmal eine
Weile, bis Stahelski seinen zweiten Teil in jenen spektakulär choreographierten
Rausch der Schüsse, Stiche, Schläge und Tritte einbettet, der „John Wick“ vor
gut drei Jahren zum Siegeszug an den Kinokassen führte und die Herzen von
Actionfans auf nachvollziehbare Weise höher schlagen ließ.
An ihm beißt sich der Protagonist ganz schön die Zähne aus
Im
Vergleich zu Teil 1, in dem Wick aufgrund eines persönlich motivierten Rachefeldzugs
durch die überwiegend gesichtslosen Gegnerhorden wütete, widmet sich
Drehbuchautor Derek Kolstad im Nachfolger ausführlicher den Mechanismen und
Hintergründen der geheimnisvollen Auftragskiller-Organisation, welcher der
Protagonist entstammt. Die Räumlichkeiten der Continental-Hotels, in denen sich
ausschließlich Profikiller aufhalten, die sich zudem einem genauen Regelkodex unterwerfen
müssen, nutzen Stahelski und Kolstad schließlich dazu, die dezent
trockenhumorigen Elemente des Vorgängers in Regionen zu treiben, in denen die
Absurdität des selbst auferlegten Regelwerks zu Momenten reinster Selbstironie
führt. Diese schmale Gratwanderung zwischen bitterem Ernst und augenzwinkernder
Verspieltheit ist es dann auch, die Wick in ein chaotisches Geflecht aus
Bringschuld, Selbstverpflichtung und Vertrauensschwüren verwickelt, aus dem er
sich erneut nur durch die Flucht nach vorne und den erbarmungslosen
Frontalangriff befreien kann. Das dramaturgisch eher schlichte Handlungsprinzip,
in dem Wick als stoisch-grimmiger Todesengel diesmal praktisch unzerstörbar
ist, löst der Regisseur spätestens ab der zweiten Hälfte in einen beinahe
pausenlosen Reigen von Action-Sequenzen auf.
Dabei
bewahrt Stahelski im waghalsigen Dauerinferno der blutigen Kopfschüsse, fokussierten
Martial-Arts-Manöver und atemlosen Verfolgungsjagden zu Fuß oder in Fahrzeugen jederzeit
den vollen Überblick und sichert sich mit einer unwiderstehlichen Mischung aus druckvoller
Brutalität, geradezu eleganten Bewegungsabläufen und audiovisueller Verlockung
die derzeitige Krone im amerikanischen Genre-Sektor. Durch den stärkeren Fokus
auf die internen Regeln und Abläufe innerhalb der Auftragskiller-Organisation
erhält „John Wick: Kapitel 2“ zudem den Eindruck eines Blicks hinter die
Kulissen einer faszinierenden Parallelwelt, in der sich geheimnisvolle,
tödliche Aktionen unter der Oberfläche, in unterirdischen Tunnelsystemen, verborgenen
Hintereingängen und direkt vor den eigenen Augen, aber hinter dem
Offensichtlichen ereignen. In der brillanten finalen Auseinandersetzung scheint
der Film schließlich vollständig jeglicher Grenzen enthoben, wenn sämtliche
Parteien in einem surreal ausgeleuchteten Spiegelkabinett aufeinanderprallen,
in dem die sinnliche Logik über die rationale Logik dominiert. Der unnötig
angehaftete Prolog für Teil 3 scheint da nur mehr eine überflüssige Zugabe zu
sein, welcher aber aufgrund des etablierten Szenarios und unter Berücksichtigung der in
Teil 2 erneut souverän dargebotenen Qualitäten gewiss nicht ohne Reiz wäre.
USA,
UK. 2017. Regie: Alex Kurtzman. Buch: David Koepp, Alex Kurtzman,
xxx. Mit: Tom Cruise, Annabelle Wallis, Sophie Boutella, Russell
Crowe, Jake Johnson, Courtney B. Vance u.a. Länge: 110 Minuten. FSK:
freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.
Story:
Eine
einst mächtige Königin wird in unserer heutigen Zeit zu neuem
Leben erweckt. Vor Jahrhunderten von Jahren wurde sie in einer Gruft
tief unter der Wüste begraben. Damals wurde sie zu Unrecht ihrer
Bestimmung beraubt – und nun übersteigen ihre unermesslich
gewachsene Bosheit und zerstörerische Wut jede menschliche
Vorstellungskraft…
Meinung:
Bereits
mit I, Frankenstein sowie Dracula Untold wurde versucht die
klassischen Universal Monster neu zu definieren und ein neues,
eigenes cineastisches Universum zu beginnen. Beide Filme erlitten
nicht nur bei der Kritik Schiffbruch. Nun soll es Die Mumie richten,
die bereits Ende der 1990er in einem Reboot für volle Kassen sorgte.
Statt Brendan Fraser und Rachel Weisz legen sich nun Tom Cruise und
Annabelle Wallis mit ägyptischen Untoten an und wie in den 0ern bei
Regisseur Stephen Sommers ist auch die aktuelle Neuauflage recht weit
entfernt vom Originalfilm mit Boris Karloff, denn Horror sucht man in
Die Mumie von Regisseur und Autor Alex Kurtzman mit der Lupe.
Nun
gut, es gibt viele Szenen in denen Untote den Lebenden nachstellen,
doch dank es Schnitts und der allgemeinen Fokussierung darauf
Spektakel zu erschaffen, erweisen sich die finstere Angriffe
höchstens als kleine Intermezzos, die zwar durchaus zum stärksten
gehören, was der Film zu bieten hat, gleichsam stehen sie auf
verlorenen Posten. Die Mumie ist so wenig daran interessiert Schauer
tu evozieren, dass der Vorwurf berechtigt erscheint, dass die Macher
wenig bis gar nichts mit der eigentlichen Vorlage anzufangen wussten.
Viel mehr ist Kurtzmans Film ein algorithmischer Blockbuster, der mit
dem Taschenrechner aber nicht mit dem Verstand und dem Herz
entstanden ist: Hier nun etwas Action, dann kommt die Romantik
gefolgt von etwas Witz und dann bleibt noch Zeit für den einen oder
anderen halbherzigen Gruselmoment. So generisch, so vergessenswert –
auch weil keiner dieser Teilaspekte wirklich befriedigend umgesetzt
wird.
Die
Romanze zwischen Cruise und Wallis ist z.B. so dermaßen seelenlos
und verzichtbar, dass recht schnell die Frage aufkommt, ob es dem
Film nicht gut getan hätte, wenn man diese ausgelassen hätte. Zwar
dauert Die Mumie nicht einmal zwei Stunden, was für heutige
Blockbuster durchaus ungewöhnlich ist, dadurch dass sich das Meiste
aber nicht rund anfühlt zieht er sich in manchen Sektionen aber
dennoch deutlich. Dafür zeigt die Produktion in den ersten zehn
Minuten, wie ein Uncharted-Film aussehen könnte und auch ein
komödiantischen Part aus John Landis American Werwolf leiht sich
das Drehbuch, um Witz zu erzeugen. Allerdings werden diese Dinge
plötzlich und wortlos fallen fallen gelassen und sorgen mit dafür, dass der Franchise-Start eine Totgeburt ist.
USA,
Japan. 2017. Regie: Rupert Sanders: Buch: Ehren Kruger, William
Wheeler, Jamie Moss, Masamune Shirow (Vorlage). Mit: Scarlett
Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael
Pitt, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara,
Tawanda Manyimo, Peter Ferdinando, Anamaria Marinca, Daniel Henshall
u.a. Länge: 124 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 30. März
im Kino.
Story:
Agentin
Kusangi, genannt Major, ist halb Mensch, halb Androide. Sie ist auf
der Jagd nach dem mysteriösen "Puppet-Master", der sich in
die Gehirne ahnungsloser Menschen einhackt und deren Gedächtnis
manipuliert. Als sie ihn, gemeinsam mit einem (fast gänzlich)
menschlichen Mitstreiter, schon fast in den Fingern hat, entkommt er
mit Hilfe eines Tarnmantels, der ihn fast unsichtbar macht. Nach
einer längeren Verfolgungsjagd stellen sie den vermeintlichen Gegner
doch noch, finden aber heraus, dass er gar nicht der eigentliche
Feind ist, der nämlich hat auch ihren Gefangenen unter seiner
Kontrolle.
Meinung:
Realverfilmungen
von Animes könnten bald ein neuer Trend aus Hollywood werden und es
könnte Ghost in the Shell, die Fleisch-und-Blut-Version des
japanischen Trickfilm-Originals aus dem Jahre, sein, der die Tür
aufstößt, denn mit dieser Produktion versucht sich die Traumfabrik
auf diesem Terrain. Zwar erwartet uns demnächst von Netflix noch
Adam Wingards Death Note-Adaption, mit der Budgetgröße und
Promotion-Maschinerie eines Ghost in the Shell, wird es dieser aber es
wohl kaum aufnehmen können.
Unter
der Regie von Rupert Sanders, der mit seinem Action-Märchen Snow
White and the Huntsman vor einigen Jahren sein am Box Office äußerst
erfolgreiches Regiedebüt gab, nimmt die Vorlage und versucht sie so
zu Dompremieren, dass vor allem ihr philosophischer Unterbau nicht zu
sehr die Oberhand übernimmt, der Film zeitgleich aber nicht nur zu
einem reinrassigen Sci-Fi-Actioner wird. Dabei ist es durch und durch
spürbar, dass Sanders die Vorlage kennt, schätzt und respektiert.
Dennoch, wenn Scarlett Johannson als Major sich mit Waffengewalt
ihrer Gegner erwehrt, ist dies der eigentliche Kern der Verfilmung.
Die Frage nach Menschlichkeit, die im Original teils durchaus auch
esoterisch, stets aber auch intelligent, angegangen wurde, ist in der
Hollywood-Version Beiwerk. Ein Beiwerk das von den Autoren zwar gerne
in den Spotlight gerückt wird, dort aber nur so lange verweilt, bis
Johannson wieder agil gegen ihre Widersacher agieren darf.
Das
sieht in gewohnter Style-over-Substance-Manier superb aus, das wahre
Highlight des Films ist allerdings seine dargestellte Welt. Die ist
immer dann vollends persuasiv, wenn die Macher nicht versuchen mit
aller Gewalt zu beeindrucken, sondern wenn im Hintergrund der
Neo-Alltag stattfindet. Immer dann funktioniert die Immersion des
Films perfekt. Anders sieht das vor allem zu Beginn aus, wenn Ghost
in the Shell breitbeinig mit seinen Spezialeffekten protzt und
aussieht wie die Grafikdemo eines Videospieleherstellers. Insgesamt
gelingt Sanders und seinem Team aber das World Building. Dafür
wirken die Figuren meist leer und eher zweckmäßig. Auch der
emotionale Aspekt, der an die Frage gekoppelt ist, wann beginn
Menschlichkeit, wird eher stumpf behandelt. Ganz anders wie im
japanischen Original, der damit einige unvergessliche Szenen
genierte.
Dieser
Ghost in the Shell ist weit davon entfernt dem Original die Butter
vom Brot zu nehmen. Gleichsam wird hier aber mit gutem Willen
versucht mehr zu bieten als nur Eye Candy für die große Leinwand.
Das Ergebnis wirkt etwas unkonzentriert und trotz einiger Bemühungen
werden die wirklich wichtigen, spannenden und interessanten Facetten
des Animes nur sehr grob behandelt - für die schnelle Konsumierung,
die nicht weiter in den Erinnerungen haften bleibt. Das ist
bedauerlich und dennoch, der Versuch sich mit der Thematik auch
abseits der Blockbuster-Codierung auseinandersetzen wurde hier
unternommen und dies mit gehörigem Respekt gegenüber der Vorlage.
Keine Selbstverständlichkeit und ein guter, erster Schritt für die
kommenden Realverfilmungen von japanischen Kulttrickfilmen.
USA, UK. 2017. Regie: Ben
Wheatley. Buch: Amy Jump, Ben Wheatley. Mit: Brie Larson, Cillian
Murphy, Armie Hammer, Sharlto Copley, Babou Ceesay, Noah Taylor, Jack
Reynor, Enzo Cilenti, Sam Riley, Michael Smiley, Mark Monero, Patrick
Bergin u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: noch nicht bekann. Ab 6. April
2017 im Kino.
Story:
Eine verlassene Lagerhalle
in Boston, 1978: Chris trifft sich dank Zwischenhändler Ord und
Justine mit Waffenhändler Vernon eine große Ladung Waffen soll
verkauft werden. Ein simpler Handel, der allerdings durch einen
dummen Zwischenfall schnell in einen blutigen Überlebenskampf
ausartet!
Meinung:
Der britische Regisseur und
Autor Ben Wheatley gehört zweifellos zu den interessantesten
Filmemachern dieser Zeit. Sein Œuvre zeichnet sich durch einen gute
Dosis Radikalität und Varianz aus. Egal ob sein brutaler Mindfuck
Kill List, der schwarzweiße A Field in England, die böse
Couple-Komödie Sightseers oder seine offensive Gesellschaftskritik
High-Rise. Wheatley wusste bislang immer zu überraschen und bei
jedem seiner Werke war es stets erkennbar, dass sich hier ein
Kreativling ordentlich ausgetobt hat. Auch Free Fire, dessen Script
er erneut mit Amy Jump verfasste, ist das wieder der Fall.
Free Fire ist zum einen eine
Verbeugung vorm Action- und Gangster-Kino vergangener Zeiten, zum
anderen aber auch eine herrliche Dekonstruierung des Genres.
Limitiert auf eine verfallene Lagerhalle als Location entfacht der
Regisseur hier im Grunde ein überlanges Feuergefecht, zwischen zwei
Gruppen von Kriminellen, die doch eigentlich nur einen Waffendeal
abwickeln wollten. Nach einigen Diskrepanzen und persönlichen
Konflikten artet der Coup doch recht schnell zu einer bleihaltigen
Angelegenheit aus, in der die Projektile nicht nur den Beton des
Gebäudes massiven Schaden zu fügen. Genüsslich zelebriert Wheatley
die relativ schnell aufkommende Patt-Situation zwischen den Parteien,
die aus einer Reihe cartoonesker Figuren besteht. Überspitzung ist
hier Trumpf und dennoch verfügt Free Fire auch über eine
pessimistische und vor allem zynische Grundaussage. Alle Probanden
sind verdammt, es gibt keine Helden und auch der selbstsicherste und
coolste Gangster robbt bald nur noch, wie ein angeschossenes Reh,
verletzt und frei von jeglichen Versprechungen auf ein gutes Ende
durch den Bauschutt.
Wer ein Faible für
rabenschwarzen Humor, Zynismus und Darsteller hat, die mit sichtbarer
Freunde an der Übertreibung zu Werke gehen, bekommt mit Free Fire
einen kurzweiligen, amüsanten Snack spendiert, in dem die
Schusswaffen nicht nur auf die Figuren, sondern auch auf das Genre
selbst gerichtet sind. Zugegeben, das hat auch einige anstrengende
und zähe Momente, in seiner Gesamtheit bietet der Film aber eine
bleihaltige Komödie, die aus ihrer verdichteten Reduzierung ein
gutes Stück Unterhaltung generiert.
USA.
2017. Regie: Jordan Vogt-Roberts. Buch: John Gatins, Dan Gilroy, Max
Borenstein, Derek Connolly. Mit: Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson,
Brie Larson, John C. Reilly, John Goodman, Corey Hawkins, John Ortiz,
Tian Jing, Toby Kebbell, Jason Mitchell, Shea Whigham, Thomas Mann,
Eugene Cordero, Marc Evan Jackson, Will Brittain, Takamasa Ishihara
u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 9. März
2017 im Kino.
Story:
12°S
78°E - Hinter diesen ominösen Koordinaten und vor der Küste
Sumatras verbirgt sich eine ständig im Nebel befindliche Insel mit
dem treffenden Namen Skull Island, wirkt doch die Topographie auf den
Betrachter wie ein gewaltiger petrifizierter Monsterschädel. Doch
viele Zeugen dieses Spektakels gibt es nicht, die davon Kunde geben
könnten, was die Insel sprichwörtlich gefangen hält. Umso größer
ist also der Reiz, der von den wenigen kryptischen Informationen über
diesen Hort des Schrecklichen befeuert wird: Skull Island – eine
Insel, die außerhalb der Zeit zu liegen scheint, bewohnt von
überdimensionalen Kreaturen, die jeder Beschreibung spotten. Eine
Expedition (angeführt von Tom Hiddleston und mit Brie Larson im
Schlepptau) findet auf obskuren Wegen endlich wieder einmal zu Skull
Island. Doch was sie dort vorfindet, ist jenseits allem
Vorgestellten…
Kritik:
Träumt ihr in der Erwartung
großangelegter Hollywood-Spektakel nicht auch öfters davon, dass
sich alles genauso abspielt, wie ihr es euch vorstellt? Dream
bigger kann ich da nur sagen,
denn das einzige, was Produktionsfirma Legendary
Pictures mit „Kong:
Skull Island“ (erneut)
gelungen unter Beweis stellt, ist der zurzeit unbedingte Zwang zur
Erfüllung jener Erwartungen, bei der sich das Herzstück des
Filmemachens aus im Vornherein abgesegneten Storyboards und
Crossovers herausbildet. Das ist natürlich kein neuer Kritikpunkt in
deren Werk Fanboy-konformer Genreware, doch in glücklicheren Fällen
hat die Stimme des Regisseurs immer noch genügend Input, um die
Vorgaben vom Schema M wie
Monstergulasch mit
distinktiver Sensibilität und Schlagkraft zu balancieren – siehe
„Pacific
Rim“, „Krampus“,
selbst Gareth Edwards' „Godzilla“.
Bei Jordan Vogt-Roberts hat man sich jedoch anscheinend einen äußert
gefügigen Ja-Sager als Regisseur angeleiert, wenn man denn davon
ausgehen möchte, dass der Newcomer mit seinen „Kings
of Summer“ als einzige
vorherige Spielfilmreferenz nicht sowieso schon eine Austauschbarkeit
sondergleichen vermittelt hatte. So jedenfalls weiß er nur bedingt
neues Blut in die Kinolegende King Kongs zu injizieren, wenn das
Abenteuer unter Giganten lediglich auf seine Topoi zurückgeschraubt,
mit dem gewohnten Blockbuster-Wachs geglättet und auf besagte Skull
Island binnen des
Vietnam-Krieges versetzt wird, um eine Armada an Terrorviechern oben
drauf übers Bongophon herbeirufen zu lassen. Das sieht im Endeffekt
dann so aus, als hätte David Ayer beim Kong-Kintopp von Toho
angeheuert, aber wie muss man diesen Vergleich verstehen?
Nun, die japanischen Abenteuer mit der
Lizenz zur Affigkeit hatten ja wie ihre US-Vorgänger/Nachfolger
durchaus simplistische Menschen-Charaktere inmitten des Trubels
zugegen, gleichsam einen Überschwang zum Effektspektakel bar jeder
dramaturgischen Substanz, welche innerhalb der amerikanischen
Verfilmungen von 1933-2005 ja noch insofern an Empathie verstärkt
war, dass der große Affe eben u.a. von seiner Heimat entwurzelt für
die Liebe zur weißen Frau
auf die Barrikaden ging. Was bei Toho
in der Hinsicht nach hinten rückte, wurde durch den Charme
tricktechnischer Urigkeit wieder wettgemacht - ein bisschen zwischen
diesen Ansätzen pendelt Skull
Island sodann auch hin und
her, wobei er allerdings die erzählerische Kompetenz
der „Suicide
Squad“ anleiert, um sich zu alledem noch größer darzustellen,
als es ihm seine unentschlossenen Impulse zur Konvention hin
erlauben. Da gibt es erneut den ungelenken Etablierungssprint eines
Figurenensembles, welches hauptsächlich Funktion und Wortwitz
bereitstellt; dazu eine Erfassung handlungsspezifischer Umstände in
willkürlichen Schauplatzwechseln und Soundtrackfetzen (Black
Sabbath und CCR
sind erneut dabei), welche im Eiltempo kanonische wie emotionale
Oberflächlichkeiten ihrer Ära, rudimentär das Prinzip einer Szene
bedienen. Mal abgesehen von der ergänzend blassen Musik Henry
Jackmans sowie der Routine-Arbeit von Zack Snyders
Stamm-Kinematograph Larry Fong (der dem hiesigen Vogt-Roberts
reichlich visuelles Flair für lau unterjubelt)
mangelt es dem Film eben auch an Stringenz, seine Themen Mensch gegen
Krieg, Mensch gegen Monster, Monster gegen Monster, ebenso die vage
Heimats- und Familiensehnsucht (bekannt aus „Jurassic
World“) zur Involvierung des Zuschauers anzuwenden.
Bitte nicht falsch verstehen: Sie ist als
Kurzweil vorhanden und im Schatten der Kong-Filmographie
berechtigterweise auf geradlinige Unterhaltung eingestellt, doch
weshalb muss der Film darin trotzdem den Pathos zu seinem Überangebot
an Entbehrlichen anstrengen, wenn er deren Ressourcen genauso gut in
ein zentralisierteres Narrativ münden könnte? Stattdessen greift
man im Zuge aufgedunsener Aufregung wieder ins
Franchise-Worldbuilding sowie in zig unausgegorene
Einzelschicksale, die nur bedingt mit der Gewalt des Digitalen um
sich herum mithalten können. Ein Gareth Edwards z.B. wusste ähnlich
triviale Verhältnisse für eine Sinnlichkeit der Größenordnungen,
Machtlosigkeit und Penetration per Subversion im Kleinen zu nutzen.
Sobald jedoch Vogt-Roberts jene Prozesse manifestierter Urangst
darstellen soll, scheitert er bereits ab der ersten Szene an halbgar
montierten Stimmungen, die ihr Gefühl zum Gewicht an der Renderfarm
abgespeckt haben oder das altbekannte Duell an Augenpartien mit
dementsprechenden Mordsakkorden unterlegen. Trotzdem glaubt der Film
an seine Vernetzung von Soldaten, Wissenschaftlern, einem
Fährtenleser, einer Fotografin sowie einer Handvoll Zugaben für den
asiatischen Filmmarkt (Tian Jing), welche er zudem durch echte
Locations gen Hawaii und Vietnam schleust, im Zweifelsfall aber von
der Immersion abkoppelt, wenn er sie von Unmengen vorhersehbarer
Klischees abhängig macht. Weil man diese aber auch noch so schnell
wie möglich einlöst, streift man als Zuschauer umso mehr an der
Belanglosigkeit aller austauschbaren Mythologien ab - u.a. solche vom
geheimen Inselvolk, von Urzeitviechern vergangener Jahrtausende aus
dem Untergrund sowie der törichten Einmischung des Menschen in die
Natur, was als Parabel so platt ausformuliert wird, wie sich
der zwischenmenschliche Umgang auch ausschließlich aus Exposition
und eingeworfenen Gags der Marke Marvel zusammensetzt.
Legendary
weiß aber ebenso, dass die Prämisse daran funktioniert und so lässt
man sich eben mehr oder weniger vom Strom an Action, Angriff und
affenstarker Begegnung fremder Welten mitziehen, doch wer in jener
Fantasie nach Momenten wahrer Lebendigkeit Ausschau hält, zieht
deutlich den Kürzeren. Wie süß das doch eigentlich nach „Nordsee
ist Mordsee“ riechen müsste,
wenn man den Bootsbau (und soviel mehr) der unverhofften Freundschaft
zwischen dem abgestürzten Army-Piloten Hank Marlow (John C. Reilly)
und Kamikaze-Flieger Gunpei Ikari (Miyavi) nachfühlen könnte, nicht
wahr? Dann würde sich der Film auch bestimmt mal die Zeit gönnen,
mehr Szenen wie jene ausspielen zu lassen, in denen King Kong seine
Wunden abtastet und daraufhin eine Krake verspeist – mächtig
drollig! Stattdessen kriegt man Variationen von „Oh
man, ich kann's kaum erwarten, nach Hause zu kommen!“,
„Time to say goodbye“,
„Habt ihr das auch gehört?“
und „Geht ohne mich weiter!“
um die Ohren gehauen, welche weder als ernsthaftes Sentiment noch als
unbefangener Eskapismus ankommen. Na gut, der Hinweis zum
Elternersatz
für Kong ist immerhin ziemlich witzig, im Kontext allerdings so
magisch wie direkt aus dem „BFG“
gemeint. Vielleicht soll man sich auch eher anhand der stilistischen
Pseudo-Referenzen zu „Apocalypse
Now“ unterhalten fühlen, wenn sich Oberbefehlshaber Preston
Packard (Jackson) aus Rache für ein Bündel Dog
Tags (= visuelles Erzählen
ohne Feeling) den Geruch von Napalm am Abend wünscht. Oder man
identifiziert sich mit dem gewissenhaften Heldentum des Gefreiten
Slivko (Thomas Mann), na? Eher mit der Selbstbewährung des
Forschungsassistenten Houston Brooks (Corey Hawkins)?
Vielleicht bringt's die Connection mit
den Protagonisten, eben Mason Weavers (Brie Larson) Jagd nach
dem Pulitzer-Preis oder dem „Wir müssen dann und dort ankommen“
von James Conrad (Tom Hiddleston)? Die traurige Wahrheit ist leider,
dass nichts davon wirklich bockt. Egal wie viele Pfade sich öffnen:
Alle bleiben im Konsens gefangen, dass es geradezu erstaunlich ist,
wie erheblich sich der Film darin verkalkuliert, Leitmotive oder
charakterliche Entwicklungen zum Mitfühlen errichten zu können,
ansonsten zielgenau in die Schauwerte des Fan-Service überinszeniert.
Man kann's auch beim Namen nennen und „Skull Island“ ein
Konzept der Überkompensation attestieren. Das zeigt sich nicht nur
an der aufgestockten Menge an stetig hässlicheren Biestern, sondern
schon an der bloßen Feststellung der Inselgeographie anhand
seismischer Druckwellen (= Explosionen!), an Kamerafahrten vom Format
einer Disneyland-Attraktion, an der Vertonung derer sowie brutaler
Monster-Matches per Voiceover, an der Ballung des Ensembles
mit Star-Visagen und markanten Charakterdarstellern bis zum Abwinken,
am redundanten Ausprobieren von Jumpscare-Taktiken, am Lager
offensichtlicher Twists, und und und. In der Menge ist einem das
beinahe schon sympathisch, gleiches lässt sich über den nicht
gerade unblutigen Bodycount sagen, welcher zerflossene Schädel
auskotzt und jeden zweiten Menschen vom Boden weg auffrisst bzw.
platt stampft, im dritten Akt sowieso den faustdicken Showdown
auspackt. Auf die Show hat der Film auch hingearbeitet, aber sie
stellt weder im Rahmen des heutigen Kinos noch im Ehrenkreis aller
vorherigen Kong-Sagen ein Novum dar. Was bleibt dann noch übrig,
außer eine Reihe melodramatischer (bedingt cooler) Einsilber? Noch
mehr Monsterkloppe für die Kids im Publikum! Muss man ja auch nicht
unbedingt schlecht finden – ginge aber auch mit Herz und Seele.