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GHOST IN THE SHELL - Anime in real aus Hollywood

1 Kommentar:
Fakten:
Ghost in the Shell
USA, Japan. 2017. Regie: Rupert Sanders: Buch: Ehren Kruger, William Wheeler, Jamie Moss, Masamune Shirow (Vorlage). Mit: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara, Tawanda Manyimo, Peter Ferdinando, Anamaria Marinca, Daniel Henshall u.a. Länge: 124 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 30. März im Kino.


Story:
Agentin Kusangi, genannt Major, ist halb Mensch, halb Androide. Sie ist auf der Jagd nach dem mysteriösen "Puppet-Master", der sich in die Gehirne ahnungsloser Menschen einhackt und deren Gedächtnis manipuliert. Als sie ihn, gemeinsam mit einem (fast gänzlich) menschlichen Mitstreiter, schon fast in den Fingern hat, entkommt er mit Hilfe eines Tarnmantels, der ihn fast unsichtbar macht. Nach einer längeren Verfolgungsjagd stellen sie den vermeintlichen Gegner doch noch, finden aber heraus, dass er gar nicht der eigentliche Feind ist, der nämlich hat auch ihren Gefangenen unter seiner Kontrolle.




Meinung:
Realverfilmungen von Animes könnten bald ein neuer Trend aus Hollywood werden und es könnte Ghost in the Shell, die Fleisch-und-Blut-Version des japanischen Trickfilm-Originals aus dem Jahre, sein, der die Tür aufstößt, denn mit dieser Produktion versucht sich die Traumfabrik auf diesem Terrain. Zwar erwartet uns demnächst von Netflix noch Adam Wingards Death Note-Adaption, mit der Budgetgröße und Promotion-Maschinerie eines Ghost in the Shell, wird es dieser aber es wohl kaum aufnehmen können.


Unter der Regie von Rupert Sanders, der mit seinem Action-Märchen Snow White and the Huntsman vor einigen Jahren sein am Box Office äußerst erfolgreiches Regiedebüt gab, nimmt die Vorlage und versucht sie so zu Dompremieren, dass vor allem ihr philosophischer Unterbau nicht zu sehr die Oberhand übernimmt, der Film zeitgleich aber nicht nur zu einem reinrassigen Sci-Fi-Actioner wird. Dabei ist es durch und durch spürbar, dass Sanders die Vorlage kennt, schätzt und respektiert. Dennoch, wenn Scarlett Johannson als Major sich mit Waffengewalt ihrer Gegner erwehrt, ist dies der eigentliche Kern der Verfilmung. Die Frage nach Menschlichkeit, die im Original teils durchaus auch esoterisch, stets aber auch intelligent, angegangen wurde, ist in der Hollywood-Version Beiwerk. Ein Beiwerk das von den Autoren zwar gerne in den Spotlight gerückt wird, dort aber nur so lange verweilt, bis Johannson wieder agil gegen ihre Widersacher agieren darf.


Das sieht in gewohnter Style-over-Substance-Manier superb aus, das wahre Highlight des Films ist allerdings seine dargestellte Welt. Die ist immer dann vollends persuasiv, wenn die Macher nicht versuchen mit aller Gewalt zu beeindrucken, sondern wenn im Hintergrund der Neo-Alltag stattfindet. Immer dann funktioniert die Immersion des Films perfekt. Anders sieht das vor allem zu Beginn aus, wenn Ghost in the Shell breitbeinig mit seinen Spezialeffekten protzt und aussieht wie die Grafikdemo eines Videospieleherstellers. Insgesamt gelingt Sanders und seinem Team aber das World Building. Dafür wirken die Figuren meist leer und eher zweckmäßig. Auch der emotionale Aspekt, der an die Frage gekoppelt ist, wann beginn Menschlichkeit, wird eher stumpf behandelt. Ganz anders wie im japanischen Original, der damit einige unvergessliche Szenen genierte.


Dieser Ghost in the Shell ist weit davon entfernt dem Original die Butter vom Brot zu nehmen. Gleichsam wird hier aber mit gutem Willen versucht mehr zu bieten als nur Eye Candy für die große Leinwand. Das Ergebnis wirkt etwas unkonzentriert und trotz einiger Bemühungen werden die wirklich wichtigen, spannenden und interessanten Facetten des Animes nur sehr grob behandelt - für die schnelle Konsumierung, die nicht weiter in den Erinnerungen haften bleibt. Das ist bedauerlich und dennoch, der Versuch sich mit der Thematik auch abseits der Blockbuster-Codierung auseinandersetzen wurde hier unternommen und dies mit gehörigem Respekt gegenüber der Vorlage. Keine Selbstverständlichkeit und ein guter, erster Schritt für die kommenden Realverfilmungen von japanischen Kulttrickfilmen.

6 von 10 Einverständniserklärungen

Review: THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR – Es kriselt zwischen den strahlenden Superhelden

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Fakten:
The First Avenger: Civil War (Captain America: Civil War)
US, 2016. Regie: Anthony Russo, Joe Russo. Buch: Christopher Markus, Stephen McFeely. Mit: Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan, Scarlett Johansson, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Chadwick Boseman, Paul Rudd, Paul Bettany, Tom Holland, Daniel Brühl u.a. Länge: 146 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Bei ihrem letzten Einsatz hat ein Teil der Avengers eine terroristische Gruppe bezwungen, wobei dieses Gefecht nicht ohne Konsequenzen blieb. Nicht zum ersten mal forderte das Handeln der Superhelden zivile Opfer, was die vereinigten Nationen dazu bewegt, die Avengers vor die Wahl zu stellen: Entweder sie unterstellen sich staatlicher Kontrolle oder treten gezwungenermaßen den Ruhestand an. Diese Wahl löst Spannungen innerhalb der Gruppe aus, was zusätzlich durch die Tatsache bestärkt wird, dass der Winter Soldier zurückkehrt, zu dem Steve Rogers und Tony Stark gegensätzliche Meinungen besitzen. Ein gewaltiger Konflikt zwischen den Superhelden bahnt sich an...




Meinung:
Endlich ist es soweit. Nach stolzen 12 Filmen Vorarbeit, über die sich das "Marvel Cinematic Universe" bislang erstreckt, wurde einer ganzen Gruppe von Superhelden Profil verliehen, ihre Herkunft geklärt und Zusammenschlüsse geknüpft. Die Avengers sind dem Zuschauer mittlerweile jeder für sich ein Begriff und in zwei Filmen mussten die Helden ebenfalls bereits gemeinsame Einsätze bestreiten. Aufgrund der teilweise verschiedenen Einstellungen war es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis diese vermeintlich funktionierende Einheit Risse erhält und sich konkrete Konflikte innerhalb des Teams anbahnen.


Friede, Freude, Eierkuchen hat sich für beide erledigt
Auch wenn "The First Avenger: Civil War" eigentlich der dritte Teil der "Captain America" – Reihe ist, könnte er aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Figuren, von denen er bevölkert wird, genauso gut auch "The Avengers 2.5" heißen. Wie auch schon im Vorgänger führten erneut die Russo-Brüder Anthony und Joe Regie. Deren Markenzeichen bestand vor allem darin, dass sie den Action-Szenen eine gewisse eigene Handschrift verliehen, durch die vor allem die physischen Auseinandersetzungen von einer äußerst direkten, wuchtigen Körperlichkeit geprägt waren. Dieser Stil ist auch hier direkt zu Beginn wiederzuerkennen, wenn die Avengers bei einem Einsatz in Lagos gegen eine terroristische Gruppierung sehr hart zur Sache gehen. Mit einem Hang zu wackeligen Kameraeinstellungen und erneut sehr intensiven Zweikämpfen inszenieren die Russos diesen Auftakt, der allerdings nicht ohne Folgen bleibt. Auch wenn die Gegner besiegt werden können, fordert dieser Einsatz zivile Opfer. Fortan behandelt die Geschichte von "The First Avenger: Civil War" zunächst die Frage, ob die Avengers einer staatlichen Kontrolle unterstellt werden sollten oder weiterhin ihre Unabhängigkeit bewahren müssen.


Chris Evans wieder mit Armen wie Baumstämme
Auf dieser Ebene, bei der politische Aspekte wie totale Überwachung grundsätzlich eine gewichtige Rolle spielen, verweilt der Film allerdings nur kurzfristig, denn das Drehbuch der Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely will ständig immer noch mehr. Es ist die unglaubliche Überfrachtung genau dieses Drehbuchs, an der "The First Avenger: Civil War" letztlich leider ziemlich zerbricht, was über weite Strecken dazu führt, dass der Film oftmals einfach nicht funktionieren will. Die durchaus berechtige Diskussion, welche die Handlungen einer Superhelden-Truppe, welche regelmäßig Leben unschuldiger Menschen opfert, in Frage stellt, dient lediglich als bloßer Aufhänger und wird über den gesamten Rest der Handlung hinweg nicht zufriedenstellend zu einem klaren Ergebnis geführt. Stattdessen möchte der Film außerdem in einem kleineren, intimen Rahmen Auseinandersetzungen erzeugen, deren Ursprünge aus vergangenen Filmen stammen. Das Verhältnis zwischen Steve Rogers und dem Winter Soldier Bucky spielt dabei eine wichtige Rolle und gerät ganz entscheidend mit Tony Stark in Konflikt, was schließlich einen Keil zwischen die Avengers treibt. Es ist nur konsequent, dass diese angestauten Krisen in einem gewaltigen Action-Setpiece entladen werden, in dem sich alle Superhelden in zwei Teams aufgeteilt auf einem Flughafen bekämpfen.

Black Panther bekommt seinen ersten Auftritt
Auch hier kann sich dieser Film, der weitreichende Folgen, drastische Emotionen und tiefergehende Konflikte mehr behauptet als ausformuliert, nicht von der typischen Marvel-Formel lösen. Auf jeden ernsthaften Faustschlag muss ein flotter Spruch folgen, was dazu führt, dass der im Titel groß angekündigte "Civil War" nicht viel mehr ist als ein grelles Comic-Spektakel, das sich mit wohlwollendem Gemüt maximal als spaßiges Gelage denn wirklich dramatische Eskalation begreifen lässt. Erst im richtigen Finale, in dem endlich so etwas wie drastische Entwicklungen enthüllt werden, gelingt "The First Avenger: Civil War" der Sprung hin zu einem emotional mitreißenden Punkt, an dem sich die persönlichen Motive der entscheidenden Beteiligten zuspitzen und in einer bewegenden Klimax aufeinanderprallen. Bis dahin entpuppen sich die üppigen 2,5 Stunden Laufzeit allerdings unentwegt als unausgegorenes, zerfasertes Stückwerk, dem zusätzlich auch noch die Bürde auferlegt wird, mit Black Panther und dem neuen Spider-Man zwei bisher unbekannte Superhelden einzuführen. Während sich die grob umrissene Hintergrundgeschichte des Black Panther schlüssig in die Handlung einfügt, erweist sich Tom Holland in der Rolle des Peter Parker als absolute Nervensäge, dessen jugendlich-respektloser Ton zu keinem Zeitpunkt in diese erwachsene Geschichte passen will.


Das Fazit zu "The First Avenger: Civil War" fällt also dementsprechend ernüchternd aus. Im direkten Vergleich zu Zack Snyders kürzlich erschienenen "Batman v Superman: Dawn of Justice", der ohnehin ständig gezogen wird, erweist sich Synders Werk als deutlich stimmigerer Film, der trotz vereinzelter Schwächen eine finstere Vision sowie eine künstlerische Handschrift wesentlich überzeugender vermittelte. Die zentralen Konflikte in "The First Avenger: Civil War" bleiben bis auf kleinere Ausnahmen kaum mehr als bloße Behauptung sowie Mittel zum Zweck für lauten, wenig relevanten Bombast. Nachdem man sich endlich mal richtige Konsequenzen und dramatische Folgen erhoffen durfte, erweist sich der Streifen als zu vernarrt auf die massenkompatible Zutraulichkeit, geht jedem möglichen Risiko brav aus dem Weg und biedert sich letztendlich aufgrund des völlig unpassend eingesetzten Humors zu sehr an ein Publikum an, das diesen Stil bedauerlicherweise mit freudigem Gelächter akzeptiert. Mehr als ein grelles Popcorn-Spektakel mit vereinzelt stimmigen Momenten, wuchtig inszenierter Action und einem immerhin zufriedenstellenden Showdown ist dabei allerdings nicht entstanden.


5 von 10 überdurchschnittlich attraktive Tanten



von Pat

Review: THE JUNGLE BOOK - Klassiker im neuen Gewand

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Fakten:
The Jungle Book
USA. 2016. Regie: Jon Favreau. Buch: Justin Marks, Rudyard Kipling (Vorlage). Mit: Neel Sethi. Dt. Stimmen u.a. von Armin Rhode, Ben Becker, Joachim Król, Heike Makatsch, Justus von Dohnanyi, Christian Berkel, Jessica Schwarz. Orig.
Stimmen u.a. von Bill Murray, Ben Kingsley, Lupita N'yongo, Idris Elba, Scarlett Johansson, Giancarlo Esposito, Christopher Walken, Jon Favreau, Sam Raimi. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben 6 Jahren. Ab 14. April 2016 im Kino.


Story:
Aufgenommen von einem Wolfsrudel, wächst Menschenjunge Mogli behütet im Dschungel auf. Doch Mogli fühlt sich nicht länger willkommen, als von dem Versprechen des mächtigen wie furchterregenden Tiger Shir Khan erfährt, der jegliche Menschliche Bedrohung vernichten wird, um die Gesetze des Dschungels zu wahren. Nun muss Mogli das einzige Zuhause, das er je kannte, verlassen und sich ein gefahrenvolles Abenteuer begeben.





Meinung:
Kurz nach dem Tod des großen Walt Disney kam „Das Dschungelbuch“ in die Kinos und wurde begeistert aufgenommen. Alleine in Deutschland schauten bislang 27Millionen Zuschauer dieses Meisterwerk der Trickfilmkunst, welches wohl einen, wenn nicht sogar den bekanntesten Soundtrack des Mickey-Mouse-Imperiums hat. Songs wie „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ oder „Ich will so sein wie du“ sind auch Jahrzehnte nach der Uraufführung jedem Kind bekannt. Kein Wunder also, dass Disneys neue Adaption der Erzählungen von Autor Rudyard Kipling auch im Jahre 2016 nicht ohne diese beiden Evergreens auskommt.


Mogli verfällt der Python Kaa. Kein Wunder ist ja Scarlett Johansson
Abgesehen davon versucht „The Jungle Book“ aber durchaus eigene Wege durch das vorgegebene Dickicht der filmischen Vorlage zu finden und sozusagen als Transportmittel dafür nutzt „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau modernste Tricktechnik. Der gesamte Film entstand am Computer. Mogli (dargestellt vom Newcomer Neel Sethi), ist die einzig reale Person, die es im Film zu sehen gibt. Alles andere, die Tiere sowie die Natur, bestehen aus Bits und Bytes. Die Zeiten, in denen das verwundert sind natürlich längst vorbei. Man erinnere sich nur die CGI-Affen aus den beiden „Planet der Affen“-Prequels oder den Tiger Richard Parker aus Ang Lees Meisterwerk „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“. Doch was die Hochleistungsrechner bei „The Jungle Book“ generiert haben ist wahrlich noch einmal ein enormer Schritt vorwärts. So plastisch und authentisch sahen am PC erschaffenen Kreaturen und Umgebungen noch nie aus, selbst wenn Regisseur Favreau einige Figuren, etwa Balu der Bär, für eine bessere empathische Basis, deutlich menschlichere Züge verpassen ließ.


Ziemlich beste Freunde: Baghira und Mogli
Technisch gesehen ist das neue Dschungelbuch also in der Modernität angekommen. Erzählerisch bedient sich Favreau hingegen bei den Vorlagen, also den Geschichten von Kipling und dem Trickfilmklassiker aus dem Jahre 1967. Vom Trickfilm entleiht sich „The Jungle Book“ die bereits erwähnten Songs und andere Kleinigkeiten. Überraschenderweise versucht sich Favreau mehr daran Kiplings Vorlage einzuverleiben. Das neue Dschungelbuch ist stellenweise überraschend humorfrei und setzt mehr auf die Gefahr des Abenteuers, als auf eskapistischen Spaß. Dennoch gelingt es dem Film stets den Disneyfilm respektvoll zu huldigen. Allerdings wirken die klaren Verweise darauf etwas zu ungelenk. Wie ein Zwang, dessen Resultat sich nicht immer harmonisch ins Gesamtbild einbetten will. Dank des hohen aber niemals gehetzt wirkenden Tempos lässt sich dies aber verkraften. Vor allem weil „The Jungle Book“ aus seinen beiden Vorlagen letztlich einen familienfreundlichen Abenteuerfilm generiert, der die Generation im Kino vereinigen wird, bzw. kann und es sogar schafft einen neuen Kniff aus dem Stoff zu extrahieren. Denn während Mogli im Trickfilm fast schon teilnahmslos seine „Auswilderung“ akzeptiert, gelingt es dem Menschenjungen des „The Jungle Book“ sich von den Fesseln der Erwartungen anderer zu lösen. Am Ende ist er weder wirklich Tier noch wirklich Mensch. Er darf er selbst sein.


Mag sein, das Fans der Disney-Vorlage dies enttäuscht, aber diese werden so oder so etliche liebgewonnene Szenen nicht wiederfinden. Wie gesagt, Favreau minimiert den Humor deutlich, fügt dafür aber ein durchaus interessante, mythologische Ebenen hinzu, die zwar nie wirklich ausgereizt wird, dennoch die neuste Version der Geschichte etwas lebendiger, aber auch grimmiger, erstrahlen lässt. Zusammen mit dem umwerfenden Voicecast (englisch wie deutsch) ergibt das eine überaus wohlige Varianz des Klassikers.


6 von 10 Apocalypse-Now-Anspielungen

Review: HAIL, CAESAR! - Spott und Anerkennung für Hollywood

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Fakten:
Hail, Caesar!
USA. 2016. Regie und Buch: Joel und Ethan Coen. Mit: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Tilda Swinton, Scarlett Johansson, Max Baker, Channing Tatum, Heather Goldenhersh, Ian Blackman, Ralph Fiennes, Jonah Hill, Fisher Stevens, David Krumholtz, Frances McDermand, Christopher Lambert, Jack Huston, Tom Musgrave, Veronica Osorio, Patrick Fischler, Clancy Brown, Michael Gambon u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 18. Februar 2016 im Kino.


Story:
Im Mittelpunkt der Story steht ein sogenannter "Fixer", der sich im Hollywood der 1950er Jahre für Filmstudios um die Imageprobleme ihrer Stars kümmert. Er sorgt dafür, dass aufkeimende Skandale mit allen Mitteln vertuscht und ähnlich Probleme diskret gelöst werden.




Meinung:
Mit „Hail, Caesar!“ bringen uns die oscargekrönten Regiebrüder Joel und Ethan Coen zurück zu der goldenen Ära des Studiosystems von Hollywood, also die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als Schauspieler noch bei Studios unter Vertrag standen und von diesem System bis ins kleinste Detail, sei es bei der Entscheidung der Rollen oder die Auswahl eines Lebenspartners, gesteuert wurden. Es ist die Heimat von Eddie Mannix (wie immer ganz wundervoll: Josh Brolin), der sich für die fiktiven Capitol Films um seine Schäfchen kümmert. Das alles inszenieren die Coens als wunderbare Geschichte, die angetrieben wird von Bewunderung und Spott. Zum einen huldigen sie der damaligen Zeit, ihrer Professionalität, künstlerischen Akribie und Strebsamkeit, zum anderen lassen sie auch immer einen ironischen Ton walten. Das was „Hail, Caesar!“ dabei so überzeugend macht, ist  dass er diese beiden Elemente nicht voneinander trennt, sondern immer miteinander vermengt.


Kennt sich aus in Hollywood: Eddie Mannix
Doch „Hail, Caesar!“ reicht es nicht aus das System oberflächlich zu karikieren. Auch die gesellschaftliche und vor allem politische Dimension spielt eine entscheidende Rolle. Wenn George Clooney, der hier wie immer bei den Coen Brüdern sich eigenes Image mit Wonne und Esprit verballhornt, von einer Gruppe Kommunisten entführt wird, dann wird klar, dass „Hail, Caesar!“ sich auch vor allem darüber amüsiert, wie sehr sich Hollywood damals bemühte, in den Zeiten als ein dritter Weltkrieg unvermeidbar schien, sein Publikum in andere, perfekte Welten zu entführen und dies nicht bloß auf der Leinwand, sondern auch abseits davon. Etwa wenn man versucht die Stars als universelle Saubermänner darzustellen.  Das alleine bietet eine Menge komödiantisches Potenzial und natürlich betreiben die Coens dieses Spiel mit einer großen Dosis Absurdität, wie natürlich auch immer wieder ganz plötzlich in Erscheinung tritt und doch immer auch zum damaligen Weltbild passt. Seien es zwei Zwillingsschwestern, die als Boulevard-Kolumnistin versuchen wollen Götter des Kinos zu erschaffen, um sie dann wieder zu zerstören, oder aber Starlets, die ohne Trauschein schwanger sind und nun vom Studio dazu angehalten werden, ihr eigenes Kind zu adoptieren.


Ein Star und sein Chef bei der Aussprache
Der genutzte Humor pendelt dabei stets von offensiv zu subtil. „Hail, Caesar!“ mag nicht die Komödie sein, in der man im Minutentakt die großen Lacher serviert bekommt, aber die perfektionistische Kopie der goldenen Ära Hollywood ist dennoch stets amüsant, weil sie stets durchdrungen ist von einer Künstlichkeit, die längst die Realität verdrängt hat. Selbst die Bedrohungen von außerhalb wirken herrlich überzogen und teilweise schon äußerst clownesk. Und dennoch lädt „Hail, Caesar!“ mehr als nur einmal zum ehrfürchtigen Staunen ein. Wenn die Coen Brüder mit höchster Konzentration damalig beliebte Genre wie Tanz- oder Synchronschwimmfilme reproduzieren glänz die Leinwand. Mit erstaunlicher Liebe zum Detail und einer inszenatorischen Perfektion die Demut erzeugt, schubsen die ihr Publikum für drei, vier Minuten in diese Welt der Formen und Farben. Natürlich wird das alles kurze Zeit später wieder ironisch durchdrungen und hinterfragt, das ändert aber nichts daran, dass die Matrosentanzszene mit Channing Tatum oder Wasserballett mit Scarlett Johansson schlicht und ergreifend ganz großes Kinos ist.


Hobie Doyle, der heimliche Star des Films
„Hail, Caesar!“ selbst ist hingegen nicht wirklich großes Kinos. Dafür hat der Film hier und da schon ein paar Hänger zu viel und verliert sich gerne auch einmal in Nichtigkeiten. Dennoch weiß die Komödie zu überzeugen und dass nicht nur wegen ihrer formidablen Besetzung, bei der man allerdings erwähnen sollte, dass die meisten Superstars nur in kurzen Nebenrollen auftreten. Der wahre Star des Films ist sowieso Alden Ehrenreich als Cowboy-Darsteller Hobie Doyle. Eine Figur die schon ein wenig zu sehr als Comic Relief aufgebaut wird, die letztlich aber dann doch vielleicht die ehrlichste und aufrichtigste ist, die „Hail, Caesar!“ zu bieten hat. In ein paar Jahren wird man sich gewiss nur an manche Szenen des Films erinnern und es werden die mit Hobie Doyle sein, von denen man sagen wird, dass sie wohl das Beste am ganzen „Hail, Caesar!“ waren. Wobei die Coens – ganz nach ihrer Art – natürlich wieder Unmengen von kleinen Späßen eingebaut haben, die sich vermutlich erst nach einer weiteren Sichtung offenbaren.


Für alle die, die einen neuen „The Big Lebowski“ erwarten sei gesagt, dass sich „Hail, Caesar!“ nicht an diesem messen lassen kann. Es sind dafür einfach zu verschiedene Welten und Ansätze, die die Coens hier verfolgen. Aber selbstverständlich bietet auch dieser Film der legendären und kultig verehrten Regiebrüder durchdachte, vielschichtige und überaus gelungene Unterhaltung, die einen wunderbaren Schlusspunkt findet: Am Ende steht Eddie Mannix nämlich vor der Wahl was das richtige ist: Die Traumfabrik oder eine Todesmaschinerie zu unterstützen. Seine Entscheidung erweist dabei als wohl beste, ehrvollste aber auch durchdachteste Huldigung des Kinos seit langem.



7,5 von 10 Spaghetti-Lassos

Review: MARVEL'S THE AVENGERS: AGE OF ULTRON - Größer, grüner, besser

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Fakten:
Marvel’s The Avengers: Age of Ultron (Avengers: Age of Ultron)
USA. 2015. Regie und Buch: Joss Whedon. Mit: Scarlett Johansson, Robert Downey Jr, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Jeremy Renner, Chris Evans, James Spader, Elizabeth Olsen, Aaron Taylor-Johnson, Don Cheadle, Cobie Smulders, Samuel L. Jackson, Thomas Kretschmann, Paul Bettany, Haylet Atwell, Anthony Mackie, Andy Serkis, Idris Elba, Tom Hiddleston, Stellen Skarsgard, Julie Delpy, Henry Goodman, Claudia Kim u.a. Länge: 142 Minuten. FSK: freigegebe ab 12 Jahren. Ab dem 24. September 2015 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Nachdem der Angriff der Chitauri New York in Schutt und Asche gelegt haben, sind die Menschen nicht mehr sonderlich angetan von ihren Superhelden. Tony Stark will seinen Plan zum langfristigen Frieden umsetzen und erschafft ein Schutzprogramm, bestehend aus einer künstlichen Intelligenz namens Ultron. Ultron stellt sich allerdings prompt auf seine eigene Seite, entwickelt eine Art Gottkomplex und hat seine ganz eigene Vorstellung davon, wie Frieden auf der Welt geschaffen werden kann. Die Avengers müssen sich also erneut zusammentun, um ihn aufzuhalten. 





Meinung:
Marvel fährt weiterhin auf Erfolgskurs und startet das persönliche Kinojahr 2015 mit "Avengers: Age of Ultron". Im Sommer wird uns dann noch Ant-Man beehren, doch schauen wir uns zunächst an, was die größtenteils erd-eigene Rächertruppe so treibt. Joss Whedon kehrt als Regisseur zurück, und auch die Besetzung ist noch identisch. Also, wenn man von den zahlreichen Neuzugängen absieht. Drei Jahre sind seit dem ersten "Avengers" vergangen, und Marvel produziert weiterhin einen Kassenschlager nach dem anderen. Besonders das zusammenhängende, stetig expandierende Universum weiß die Fans zu begeistern, und die Nachahmer sind zahlreich. Doch Marvel's Vorsprung ist groß, das Universum ist etabliert. So dürfen sich Fans einzelner Figuren auf ein frühzeitiges Wiedersehen beim Klassentreffen der Giganten freuen. Ich wage jetzt schon mal den Blick in die Zukunft und prophezeie erfreut-erschöpfte Nervenzusammenbrüche, wenn die Avengers und die Guardians of the Galaxy zusammentreffen werden. Doch wird "Age of Ultron" dem exzessiven Hype gerecht, oder sind es mittlerweile einfach zu viele Helden, die im Film auftauchen?


Auch böse Roboter lächeln gerne
Vorweg ist sicher eines empfehlenswert: Macht euch vor "Ultron" noch einmal mit den anderen Filmen vertraut. Vieles wird aufgegriffen und weitererzählt. jedoch wird sich nicht mit Erkärungen aufgehalten. Marvel-Gelegenheitszuschauer könnten hier das Nachsehen haben.Wer die Reihe bisher aufmerksam verfolgt hat, darf sich aber über ein wirklich atemberaubendes Opening freuen. Wir erleben alle Avengers im Einsatz, und das kann sich sehen lassen. Wenn Quicksilver auftaucht findet das Geschehen in Zeitlupe statt, dank des Einsatzes von Drohnenkameras ist man wirklich mittendrin im Geschehen. Sämtliche Action-Setpieces kommen in einer stark comichaften Optik daher und wissen, den Zuschauer mitzureißen. Mir gefiel vor allem die komplette Hulkbuster-Sequenz extrem gut: durchdacht, stets gut verfolgbar, übersichtlich und trotzdem so eindrucksvoll wie eine Faust vom Hulk in die Magengegend. Aber auch wenn die verschiedenen Helden zusammen arbeiten und ihre Fähigkeiten kombinieren, entwickeln sich ganz neue Dynamiken. Schon allein um all diese Details ausgiebig bewundern zu dürfen, lohnt sich der Gang ins Kino. Auch das 3D kommt sehr ansehnlich daher, manchmal stellt sich tatsächlich dieses Mittendrin-statt-nur-dabei Gefühl ein.


Da staunt Thor nicht schlecht. Sein Bruder ist beliebter als er.
Bei einer zweistelligen Anzahl von Helden und Gegnern besteht schnell die Chance, dass es unübersichtlich wird. Doch Joss Whedon beweist, wie fähig er ist: wirklich zu kurz kommt (fast) niemand, zu keiner Zeit wirkt der Film überladen. Zwischendrin wird das Tempo herausgenommen und mehr auf die Hintergrundgeschichte einiger Figuren eingegangen. Besonders löblich: Figuren mit einer eigenen Filmreihe treten hier in die zweite Reihe. Stattdessen werden Bruce Banner, Natasha Romanoff und Clint Barton in den Fokus gerückt. Besonders eine Szene zwischen Natasha und Bruce wird hier sicherlich für den ein oder anderen Kloß im Hals sorgen. Doch die Geschichte zwischen den beiden fügt sich stimmig in das Gesamtkonzept ein. Haltet mich für ein enormes Joss Whedon Fangirl, aber der Mann weiß, wie man Liebesgeschichten schreibt und inszeniert, die sich nicht aufgesetzt anfühlen und den Zuschauer nerven. Diese hier, zwischen diesen beiden Figuren, macht Sinn, dementsprechend ist sie umgesetzt. Bitte mehr davon! Auch Hawkeye, der den ersten Film noch gedankenkontrolliert herumlief und nicht viel zu tun hatte, darf endlich aufblühen. So rückt der Blickpunkt stellenweise weg von den Göttern und den Allmächtigen und konzentriert sich auf die menschlicheren, für den Zuschauer greifbareren Figuren. Auch der Hulk bekommt mehr Hintergrund, und so sehr ich einsehe dass er am besten im Ensemble funktioniert: ich möchte mehr von dieser Figur sehen, seine Hintergründe erforschen, wissen was er sonst so treibt.


Positiv hervorzuheben sind auch die Neuzugänge, besonders Elizabeth Olsen als Scarlet Witch und Paul Bettany als Vision können begeistern. Letzterer kommt zwar ein wenig zu kurz, ich hoffe aber stark auf ein Wiedersehen in einem weiteren Film. Paul Bettany verleiht seiner Figur etwas erhabenes, sehr edles. Seine Stimme kennen wir ja bereits von Jarvis, und die physische Präsenz passt hervorragend zur Stimme.


Mit dieser Pose könnte Ultron Gitarrist bei Modern Talking werden
Ja, und dann wäre da noch Ultron, im Original gesprochen von James Spader. Dieser liefert grandiose Arbeit ab, kombiniert mit den Mühen der Special Effects - Leute werden hier Maßstäbe in Sachen animierter Roboter gelegt. Doch Ultron besticht nicht nur durch seine Optik oder die Stimme. Da Tony Stark ihn mehr oder weniger freiwillig erschaffen hat gibt es durchaus Parallelen zwischen beiden. Es ist eine anders gedachte Vater-Sohn Beziehung, und wie so oft sind beide sich ähnlicher, als ihnen auf den ersten Blick lieb wäre. Doch Ultron entwickelt sehr zügig seinen ganz persönlichen Gottkomplex, und dieser ist nicht erfreulich. Sicher, er zitiert zwischendurch aus der Bibel, zieht berühmte Philosophen hinzu und sieht sich und seine Rolle als gerecht und notwendig an. Doch seine Lösung des Problems ist endgültig, ihm fehlt das Mitgefühl. Was nicht bedeutet, dass er gar nicht fühlt. Ultron empfindet Wut, hat Humor, und auch wenn er die Menschen nicht immer versteht, so kann er sie doch weitestgehend nachvollziehen. Es ist eine spannende Interpretation der künstlichen Intelligenz, die hier geliefert wird. Auch hier wäre aber etwas mehr Zeit mit Ultron, besonders zum Ende hin, schön gewesen. Zwar ist er weit davon entfernt, so verschwendet zu sein wie die Gegner in manchem Spider-Man Film, doch am Ende scheint ihm die Luft auszugehen.


Der Renner rennt.
Was den Film dann doch von den anderen Superheldenfilmchen abhebt, ist der bewusste Umgang mit der Zivilistenproblematik. Wo viele andere Filme sich darum nicht scheren, wird hier eine Menge Zeit damit verbracht, diese in Sicherheit zu bringen und den Fallout so gering wie möglich zu halten. Dies wird bereits zu Beginn thematisiert, wenn darauf eingangen wird dass die Menschen ihre Helden nicht sonderlich mögen, weil sie eben darunter leiden. Wer bereits die extrem empfehlenswerte Daredevil-Serie gesehen hat (hier findet ihr übrigens meine Kritik bei Moviebreak), ist mit dem Problem bereits vertraut. Wenn alles immer auf der epischen Bandbreite der Helden stattfindet, leiden die Zivilisten. Zwar gibt es auch hier einige Opfer zu beklagen, doch der Ansatz und die Durchführung sind in meinen Augen wirklich lobenswert, erdet es die Helden doch auf gewisse Weise, macht sie erneut greifbarer.


"Sag noch einmal, das 'Blackhat' scheiße war!"
Wirklich große Kritikpunkte gibt es in meinen Augen nicht. Allerdings schleicht sich bisweilen dann doch das Gefühl ein, es hier nur mit einem Zwischenschritt zu tun zu haben. Was an sich ja auch nur berechtigt ist, handelt es sich doch um einen eben solchen. Die Geschichte um Ultron wird zwar zu Ende erzählt, die Figuren entwickeln sich ebenfalls weiter, aber das Gefühl, es weiterhin mit der (nicht ganz so ruhigen) Ruhe vor dem Sturm zu tun zu haben, bleibt. So wird Kommendes munter angeteasert, Kenner dürften ihre Freude dran haben. Persönlich hätte ich es schöner gefunden, wenn dieses Gefühl nicht ganz so präsent gewesen wäre, mir fällt allerdings auch nicht ein, wie man das anders hätte lösen können. Vor allem die Meinungsverschiedenheiten zwischen Tony Stark und dem Captain liefern einen Ausblick auf Captain America 3, in dem der Civil War portraitiert werden wird. Und auch die Infinity Gems spielen erneut eine Rolle, und die Ankündigung eines weiteren Teils am Ende macht unmissverständlich klar, in welche Richtung es gehen wird.


Bitte weitergehen, hier gibt's nix zu sehen.
Auch gibt es einige vernachlässigte Stiefkinder zu bemängeln. Nachdem sicher nicht nur ich mich gefragt habe, wie man den extrem coolen Auftritt von Quicksilver bei "X-Men: Days of Future Past" toppen könnte, wird hier ja doch eine durchaus akzeptable Leistung hingelegt. Doch Quicksilver verkommt zur Randerscheinung, bleibt allzu flach charakterisiert und darf allenfalls als Ablenkungsmanöver herhalten. Da hätte mehr drin sein müssen. Auch die komplette "Iron Man 3" Storyline wird außen vor gelassen, wobei dies nicht sonderlich dramatisch erscheint. Böse Zungen könnten allerdings behaupten, es würde langsam schwierig werden bei der Vielzahl von Figuren noch die Kontinuität zu wahren. Aber wer weiß, vielleicht wird dies in einem späteren Film wieder gut gemacht, Hawkeye musste ja auch einen kompletten Film als kontrollierte Marionette verbringen bevor jemand sich um ihn gekümmert hat. Insgesamt hätten vielleicht zehn Minuten mehr gut getan, in denen noch mehr auf die Figuren eingegangen wird, stellenweise fühlen sich einige Dinge doch etwas abgehackt an. Doch all dies sind Kleinigkeiten, die das positive Gesamtbild kaum trüben können.


Ost-Europa, Schnee, der Anzug passt. Drei-Wetter-Tony,
Sicher, Age of Ultron revolutioniert das Kino nicht, und es erzählt auch keine wirklich neue Geschichte. Superhelden zweifeln an sich und der Sache, wollen sich trennen, müssen sich im Angesicht einer größeren Macht zusammentun um die Welt erneut zu retten. Doch was spricht gegen eine Wiederholung der Erzählung, wenn sie visuell ansprechend bis atemberaubend gestaltet ist, mit liebenswerten, vielschichtigen Figuren aufwartet und sich nahtlos in ein bereits bestehendes, von vielen geliebtes Universum eingliedert und dieses sinnvoll erweitert? Klar, wer Superhelden schon immer doof fand, der wird wohl auch hier nicht plötzlich anders denken. Fans werden immens belohnt, sei es durch mehr Hintergrundinfos zu ihren Lieblingsfiguren, den vielen Verweisen auf die anderen Filme oder einfach durch die Tatsache, einige der coolsten Marvel-Helden mal wieder auf einem Haufen erleben zu dürfen. Und alle anderen dürfen sich über etwas mehr als zwei Stunden unterhaltsames Popcornkino freuen, bei dem die Zeit wie im Flug vergeht. Mehr ist prinzipiell von einem solchen Film nicht zu erwarten, und diese Erwartungen werden definitiv erfüllt.


Zum ersten Mal in einem Film des MCU wird es übrigens keine Szene nach dem Abspann geben. Dieses Mal gibt es nur einen kleinen Ausblick auf die Zukunft nach Ende des Cinematic Abspanns, ihr müsst also nicht bis zum Ende sitzen bleiben, wenn ihr nicht wollt. Sitzenbleiben lohnt sich trotzdem, der Sountrack, an dem diesmal auch Danny Elfman mitgearbeitet hat, kann sich wirklich hören lassen.


9 von 10 eng ansitzenden Hulkhosen


Wir danken Aurea für ihre Gastkritik. Wer mehr von unserer liebsten Nerdqueen lesen will, der sollte ihren Blog besuchen.