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Review: HAIL, CAESAR! - Spott und Anerkennung für Hollywood

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Fakten:
Hail, Caesar!
USA. 2016. Regie und Buch: Joel und Ethan Coen. Mit: Josh Brolin, George Clooney, Alden Ehrenreich, Tilda Swinton, Scarlett Johansson, Max Baker, Channing Tatum, Heather Goldenhersh, Ian Blackman, Ralph Fiennes, Jonah Hill, Fisher Stevens, David Krumholtz, Frances McDermand, Christopher Lambert, Jack Huston, Tom Musgrave, Veronica Osorio, Patrick Fischler, Clancy Brown, Michael Gambon u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 18. Februar 2016 im Kino.


Story:
Im Mittelpunkt der Story steht ein sogenannter "Fixer", der sich im Hollywood der 1950er Jahre für Filmstudios um die Imageprobleme ihrer Stars kümmert. Er sorgt dafür, dass aufkeimende Skandale mit allen Mitteln vertuscht und ähnlich Probleme diskret gelöst werden.




Meinung:
Mit „Hail, Caesar!“ bringen uns die oscargekrönten Regiebrüder Joel und Ethan Coen zurück zu der goldenen Ära des Studiosystems von Hollywood, also die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als Schauspieler noch bei Studios unter Vertrag standen und von diesem System bis ins kleinste Detail, sei es bei der Entscheidung der Rollen oder die Auswahl eines Lebenspartners, gesteuert wurden. Es ist die Heimat von Eddie Mannix (wie immer ganz wundervoll: Josh Brolin), der sich für die fiktiven Capitol Films um seine Schäfchen kümmert. Das alles inszenieren die Coens als wunderbare Geschichte, die angetrieben wird von Bewunderung und Spott. Zum einen huldigen sie der damaligen Zeit, ihrer Professionalität, künstlerischen Akribie und Strebsamkeit, zum anderen lassen sie auch immer einen ironischen Ton walten. Das was „Hail, Caesar!“ dabei so überzeugend macht, ist  dass er diese beiden Elemente nicht voneinander trennt, sondern immer miteinander vermengt.


Kennt sich aus in Hollywood: Eddie Mannix
Doch „Hail, Caesar!“ reicht es nicht aus das System oberflächlich zu karikieren. Auch die gesellschaftliche und vor allem politische Dimension spielt eine entscheidende Rolle. Wenn George Clooney, der hier wie immer bei den Coen Brüdern sich eigenes Image mit Wonne und Esprit verballhornt, von einer Gruppe Kommunisten entführt wird, dann wird klar, dass „Hail, Caesar!“ sich auch vor allem darüber amüsiert, wie sehr sich Hollywood damals bemühte, in den Zeiten als ein dritter Weltkrieg unvermeidbar schien, sein Publikum in andere, perfekte Welten zu entführen und dies nicht bloß auf der Leinwand, sondern auch abseits davon. Etwa wenn man versucht die Stars als universelle Saubermänner darzustellen.  Das alleine bietet eine Menge komödiantisches Potenzial und natürlich betreiben die Coens dieses Spiel mit einer großen Dosis Absurdität, wie natürlich auch immer wieder ganz plötzlich in Erscheinung tritt und doch immer auch zum damaligen Weltbild passt. Seien es zwei Zwillingsschwestern, die als Boulevard-Kolumnistin versuchen wollen Götter des Kinos zu erschaffen, um sie dann wieder zu zerstören, oder aber Starlets, die ohne Trauschein schwanger sind und nun vom Studio dazu angehalten werden, ihr eigenes Kind zu adoptieren.


Ein Star und sein Chef bei der Aussprache
Der genutzte Humor pendelt dabei stets von offensiv zu subtil. „Hail, Caesar!“ mag nicht die Komödie sein, in der man im Minutentakt die großen Lacher serviert bekommt, aber die perfektionistische Kopie der goldenen Ära Hollywood ist dennoch stets amüsant, weil sie stets durchdrungen ist von einer Künstlichkeit, die längst die Realität verdrängt hat. Selbst die Bedrohungen von außerhalb wirken herrlich überzogen und teilweise schon äußerst clownesk. Und dennoch lädt „Hail, Caesar!“ mehr als nur einmal zum ehrfürchtigen Staunen ein. Wenn die Coen Brüder mit höchster Konzentration damalig beliebte Genre wie Tanz- oder Synchronschwimmfilme reproduzieren glänz die Leinwand. Mit erstaunlicher Liebe zum Detail und einer inszenatorischen Perfektion die Demut erzeugt, schubsen die ihr Publikum für drei, vier Minuten in diese Welt der Formen und Farben. Natürlich wird das alles kurze Zeit später wieder ironisch durchdrungen und hinterfragt, das ändert aber nichts daran, dass die Matrosentanzszene mit Channing Tatum oder Wasserballett mit Scarlett Johansson schlicht und ergreifend ganz großes Kinos ist.


Hobie Doyle, der heimliche Star des Films
„Hail, Caesar!“ selbst ist hingegen nicht wirklich großes Kinos. Dafür hat der Film hier und da schon ein paar Hänger zu viel und verliert sich gerne auch einmal in Nichtigkeiten. Dennoch weiß die Komödie zu überzeugen und dass nicht nur wegen ihrer formidablen Besetzung, bei der man allerdings erwähnen sollte, dass die meisten Superstars nur in kurzen Nebenrollen auftreten. Der wahre Star des Films ist sowieso Alden Ehrenreich als Cowboy-Darsteller Hobie Doyle. Eine Figur die schon ein wenig zu sehr als Comic Relief aufgebaut wird, die letztlich aber dann doch vielleicht die ehrlichste und aufrichtigste ist, die „Hail, Caesar!“ zu bieten hat. In ein paar Jahren wird man sich gewiss nur an manche Szenen des Films erinnern und es werden die mit Hobie Doyle sein, von denen man sagen wird, dass sie wohl das Beste am ganzen „Hail, Caesar!“ waren. Wobei die Coens – ganz nach ihrer Art – natürlich wieder Unmengen von kleinen Späßen eingebaut haben, die sich vermutlich erst nach einer weiteren Sichtung offenbaren.


Für alle die, die einen neuen „The Big Lebowski“ erwarten sei gesagt, dass sich „Hail, Caesar!“ nicht an diesem messen lassen kann. Es sind dafür einfach zu verschiedene Welten und Ansätze, die die Coens hier verfolgen. Aber selbstverständlich bietet auch dieser Film der legendären und kultig verehrten Regiebrüder durchdachte, vielschichtige und überaus gelungene Unterhaltung, die einen wunderbaren Schlusspunkt findet: Am Ende steht Eddie Mannix nämlich vor der Wahl was das richtige ist: Die Traumfabrik oder eine Todesmaschinerie zu unterstützen. Seine Entscheidung erweist dabei als wohl beste, ehrvollste aber auch durchdachteste Huldigung des Kinos seit langem.



7,5 von 10 Spaghetti-Lassos

Review: SICARIO – Kampf gegen das Kartell!

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Fakten:
Sicario
USA, 2015. Regie: Denis Villeneuve. Buch: Taylor Sheridan. Mit: Emily Blunt, Benicio del Toro, Josh Brolin, Jon Bernthal, Victor Garber, Daniel Kaluuya u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kate Macer arbeitet in Arizona für ein SWAT-Team, das sich auf Entführungen spezialisiert hat. Nach einem erfolgreichen Einsatz, bei dem jedoch unglücklicherweise zwei Kollegen ums Leben kamen, wird sie von Matt für einen geheimen Auftrag angeheuert. Zusammen mit dem Experten Alejandro sollen sie einen mexikanischen Drogenboss und Leiter eines Kartells aufspüren und verhaften. Ein actiongeladener Kampf zwischen den Grenzen der USA und Mexiko bricht aus und Kate wird immer mehr in einen Sumpf aus Korruption und Gewalt gesogen.




Meinung:
Spätestens seit „Breaking Bad“ erfreuen sich Filme mit, über und gegen Drogenkartelle steigender Beliebtheit. In den vergangenen Jahren haben wir dabei die unterschiedlichsten Blickwinkel und Herangehensweisen an diese Thematik bekommen, mit „Sicario“ liefert uns Denis Villeneuve jetzt eine möglichst authentische Darstellung aus der Sicht einer amerikanischen Agentin.


Alejandro ist ein echter Wolf
Villeneuve weiß einfach, wie man Filme inszeniert. Das hat der Kanadier in den letzten Jahren schon mehrmals bewiesen und tut es mit „Sicario“ erneut. Er weiß genau wo er die Kamera hinstellen, wann er schneiden und wie er den Sound aufdrehen muss. Er hat ein Gespür für die richtige Atmosphäre und ein Auge für Dynamik, aber vor allem versteht er sich darauf all diese Elemente zu verbinden um damit langsam Spannung aufzubauen und diese anschließend in einem intensiven Moment auf den Zuschauer zu entladen. Gleich zu Beginn präsentiert uns der Film dabei eine großartige Szene, die komplett ohne Hintergrund oder Wissen über die Charaktere funktioniert. Dazu kommen mit Emily Blunt, Benicio del Toro und Josh Brolin drei talentierte Darsteller, die ihre Charaktere glaubhaft und authentisch rüberbringen. Im Verlauf von „Sicario“ reizt Villeneuve diesen Spannungsaufbau dann immer mehr aus, minutenlang fährt ein Einsatzteam durch die Stadt, die Waffen im Anschlag, auf einen Knall lauernd. Es sind diese Momente, die dich als Kinozuschauer tief in deinen Sitz drücken, in denen du die Spannung förmlich in der Luft riechen kannst. Doch leider besteht „Sicario“ nicht nur aus diesen Momenten.


Der Kampf gegen die Kartelle muss gut geplant sein
Es sind die ruhigeren Momente, die „Sicario“ letztlich das Genick brechen, genau dann wenn die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat und das Adrenalin langsam abbaut. Sobald der Film versucht sich mehr auf seine Charaktere zu konzentrieren werden seine Schwächen nur all zu deutlich. Zunächst sind es nur kleinere Störfaktoren wie etwa die übertriebene Abgebrühtheit von Benicio del Toro und Josh Brolin oder die fragwürdige Motivation von Emily Blunt. Je länger der Film dauert, desto klarer wird jedoch, dass sich hinten den Charakteren nicht viel verbirgt. Das wäre nicht weiter schlimm, würde sich der Film auf seine Stärken konzentrieren. Jedoch versucht er immer wieder tiefer in seine Charaktere einzudringen und das scheitert ganz einfach daran, dass sich hinter den schablonenartigen Figuren nicht sonderlich viel verbirgt. Vor allem die persönlichen Momente von Emily Blunt wirken für den Zuschauer ermüdend und nehmen einiges an Spannung. Dabei hätte man sie jederzeit weglassen können, denn sie fügen ihrem Charakter weder neue Facetten hinzu, noch ändern sie irgendwas an der Geschichte. Es sei an dieser Stelle noch löblich erwähnt, dass wenigstens versucht wurde die andere Seite des Krieges in Form eines korrupten mexikanischen Polizisten darzustellen, die Umsetzung dieser Idee ist wiederum weniger gelungen.


„Sicario“ ist trotz einiger grandioser Szenen nicht das erhoffte Meisterwerk. Die Schuld dafür liegt jedoch weniger am Regisseur, denn Denis Villeneuve liefert auf inszenatorischer Ebene einen grandiosen Film ab, sondern vielmehr an Taylor Sheridan. Ein Mann, den wohl manche als Darsteller kennen, der mit „Sicario“ jedoch seine Premiere als Drehbuchautor feiert und dadurch eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er im Schreiben von Skripten wohl noch etwas Übung braucht. Durch die gelungene Optik und den bombastischen Sound ist der Gang ins Kino trotzdem zu empfehlen, vor allem dann wenn man es schafft über die Schwächen von „Sicario“ hinwegzusehen.


6 von 10 ermordeten Drogenbossen


von Vitellone

Review: INHERENT VICE – NATÜRLICHE MÄNGEL - Verschluckt von der Ökonomie

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Fakten:
Inherent Vice – Natürliche Mängel
USA. 2014. Regie: Paul T. Anderson. Buch: Paul T. Anderson, Thomas Pynchon (Vorlage). Mit: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Jena Malone, Joanna Newsom, Benicio Del Toro, Maya Rudolph, Eric Roberts, Michelle „Belladonna“ Sinclair, Michael K. Williams, Martin Short, Serena Scott Thomas, Martin Dew, Timothy Simons, Shannon Collis, Hong Chau, Christopher Allen Nelson, Keith Jardine, Katie Schwartz u.a. Länge: 148 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 25. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1970, Kalifornien: Privatermittler Doc erhält von seiner Ex-Freundin Shasta die Information, dass ihr ehemaliger Geliebter, der Milliardär Mickey Wolfmann, von seiner Frau und deren Liebhaber entführt und in eine psychiatrische Klinik gesperrt werden soll. Shasta hofft, das Doc ihr hilft dies zu verhindern. Doc nimmt an, muss jedoch bald einsehen, dass dies kein einfacher Job wird. Vor allem sein ehemaliger Kollege, der ruppige Cop Bjornsen, macht ihm das Leben und die Ermittlung schwer.





Meinung:
Never change a winning team. Nach “The Master” drehte Paul T. Anderson erneut mit Joaquin Phoenix und suchte sich dafür nichts Geringeres aus, als die Verfilmung eines Romans des gefeierten wie als schwer zugänglich geltenden US-Autor Thomas Pynchon. Im Zentrum steht Privatdetektiv Larry Sportello und seine Suche nach dem verschwundenem Baulöwen Mickey Wolfmann. Die Suche führt den Privatermittler und den Zuschauer in eine abgedriftete Welt aus Sonne, Geld, Drogen und windigen Klischees.


Doc und sein Anwalt bekommen Probleme
Dieser Larry „Doc“ Sportello ist so ein windiges Klischees. Windig, weil er zum einen sämtliche Stereotypen zu erfüllen scheint, nur um wenig später sie dann doch genüsslich zu unterwandern, oder sie sogar komplett zu ignorieren. Doc ist klassischer Privatdetektiv gekreuzt mit den Einsichten und Umgangsformen eines passionierten Cannabis-Anhängers. Fast möchte man Vergleiche zu „The Big Lebowski“ ziehen, doch Regisseur Anderson hat dafür seinem Film sowie den Figuren dann doch einen zu eigeneständigen Drive verpasst. Einen Drive, von dem der gesamte Film durchzogen ist. Das macht ihn so speziell, so besonders, so gut. Allerdings führt dies auch dazu, dass „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ sehr zerfasert erscheint. So ist der Film voll mit Figuren, diese aber bleiben meist nur unscharfe Silhouetten. Wirklich im Fokus sind nur Doc und der Polizist Christian „Bigfoot“ Bjornsen. Beide verbindet eine innige Beziehung aus Hass, Neugier, gemeinsamer Vergangenheit und unausgesprochenerKameradschaft.


Bigfoot und Doc haben eine besondere Beziehung
Doc und Bigfoot, sie repräsentieren zwei Extreme der amerikanischen Kultur: der liberale Slacker und der beharrlich Regelkonforme. Ein Ying und Yang, wie es sie überall gibt, und doch meist amerikanischen Figuren zugesprochen wird. „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ formt daraus einen filmischen Reigen, den man wohl am ehesten als psychedelischen Film Noir beschreiben kann. Und doch ist Reigen eine falsche Formulierung, impliziert es doch stetige Aktivität. Anderson Thomas Pynchon-Verfilmung huldigt aber dem Müßiggang. Alles im Film wirkt entspannt, was zum einen an den (mal wieder) herausragenden Bildern von Kameramann Robert Elswitt deutlich wird, sowie an den Darstellern. Entfachte Joaquin Phoenix in seiner letzten Anderson-Zusammenarbeit, „The Master“, noch einen infernalen, bis zur Erschöpfung und Bedingungslosigkeit geführte Schauspielleistung, agiert er hier gelöst und amüsiert. Wie ein Stahlwerker im wohlverdienten Urlaub. Dieses Losgelöste der Figuren unterstreicht die karikaturhaften Züge der einzelnen Charaktere, auch wenn die meisten im Grunde nur Staffage oder Stichwortgeber sind, damit Doc innerhalb der Narration voran kommt und im Idealfall erneut auf Bigfoot trifft.


 

Shasta führt ihren Ex Doc auf eine heiße Spur - oder hinters Licht?
Doc und Bigfoot sind wie die zwei unterschiedlichen Pole eines Magneten. Sie ziehen sich an. Aber noch mehr als das stehen beide auf dem Verliererposten. Doc als ewiger Kiffer und Bigfoot als stoischer Traditionalist, sie beide werden von der Modernität verschluckt werden. Nennen wir es so... oder der Einfachheit halber Kapitalismus. „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ ist auch ein Grabgesang für zwei kulturelle Extreme, die gerne mit Amerika assoziiert werden, und auch zu einem gewissen Grad die Freiheit verkörpern. Sie werden nach und nach von den Mühlen der Ökonomie vereinnahmt oder gleich verschluckt. Wie sinnbildlich erscheint da die Szene, in der Bigfoot Docs Marihuana–Vorrat vertilgt, als ob er wochenlang gehungert hätte. Diesen subjektiven Subtext drängt „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ allerdings niemanden auf. Die smoothe wie geschwätzige Krimikomödie funktioniert genauso gut als aussageloses Vehikel für hübsch bebilderte und aneinanderreihte Momente, die teils grandiose Darsteller in stetig kurioser werdenden Szenen darbietet. Ein Rausch des Eigensinns, ist der neue Anderson-Film. Damit wird er es gewiss schwer haben, die an ihn gestellte Erwartungen zu erfüllen, aber vielleicht passt zu „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ eine alte Kifferfloskel einfach am besten: Take it, or leave it.


„Inherent Vice – Natürliche Mängel“ ist nicht das Meisterwerk gewurden, was viele erwartet haben. Das ist gut so. Es macht deutlich, dass Paul T. Anderson immer noch einer der besten, kreativsten und vielleicht auch unberechenbarsten Filmemacher unserer Zeit ist. Mag sein, dass „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ ähnlich im Schatten bleiben wird, wie Andersons romantische Komödie „Punch-Drunk Love“, aber gut, im Schatten hat man auch viele Freiheiten und wenig Ökonomie.


8 von 10 Lachgasgespräche

Trailerpark: Paul Thomas Anderson und Joaquin Phoenix wieder vereint - Trailer zu INHERENT VICE

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Nach dem überwältigenden Meisterwerk "The Master" melden sich Paul Thomas Anderson und Joaquin Phoenix in gemeinsamer Sache mit "Inherent Vice" zurück. Und was soll man sagen? Der Trailer verspricht in jedem Fall ähnlich Großes, natürlich weitaus schräger und humoristischer. Neben Joaquin Phoenix sind auch Josh Brolin, Owen Wilson, Martin Short und Benecio del Toro zu sehen. Die Vorfreude ist mit den ersten bewegten Bildern jedenfalls in astronomische Höhen geschnellt.


Review: SIN CITY: A DAME TO KILL FOR - Warten lohnt sich halt nicht immer

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Fakten:
Sin City: A Dame to Kill For
USA. 2014.
Regie und Buch: Robert Rodriguez, Frank Miller (Vorlage). Mit: Josh Brolin, Eva Green, Mickey Rourke, Jessica Alba, Joseph Gordon-Levitt, Dennis Haysbert, Rosario Dawson, Jaime King, Christopher Meloni, Jeremy Piven, Powers Boothe, Lady Gaga, Marton Csokas, Bruce Willis, Stacy Keach, Juno Temple, Ray Liotta, Christopher Lloyd, Jaime Chung, Julia Garner u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Ab 30. Januar 2015 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Basin City, genannt Sin City, ist ein Hort der Gewalt. Auch im zweiten Teil gibt es gleich mehrere Episoden rund um Gangster, Verräter, Perverse, Opfer und was sich sonst noch so in der Stadt herumtreibt. So muss Privatdetektiv Dwight den Avancen seiner alten Flamme Ava widerstehen und gerät in eine Intrige, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt. Zocker und Glückskind Johnny will in Sin City groß abräumen und legt sich mit jemanden an, der es nicht gewohnt ist zu verlieren. Schläger Marv wacht ohne Erinnerung mitten auf der Straße auf, um ihn herum einige tote Männer und Tänzerin Nancy verfällt immer mehr dem Wahnsinn und versucht den Tod ihres Lebensretter, Cop Hartigan, zu rächen.





Meinung:
Neun Jahre. Neun Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Das 3D-Kino etablierte sich im Multiplex, neue Stars wie Jennifer Lawrence und Christoph Waltz kamen auf und Marvel erbaute sich ein filmisches Imperium. Comicfilme sind aktuell das Nonplusultra am Box Office. Eigentlich die perfekte Zeit das langersehnte Sequel zu „Sin City“ in die Lichtspielhäuser zu bringen. Immerhin war die Fortsetzung seit dem der erste Teil 2005 seinen blutigen Fußspuren in den Köpfen vieler Filmfans hinterließ einer der Filme, über den gefühlt jede Woche eine andere Neuigkeit publiziert wurde. Aber Gerüchte und Ideen (wie etwa Angelina Jolie mitwirken zu lassen) machen eben noch keinen fertigen Film. Und so mussten wir warten. Neun Jahre. Eine verdammt lange Zeit, in der das Projekt wohl immer wieder bearbeitet wurde, um es wieder in der Schublade verschwinden zu lassen (die enorme Anzahl der im Abspann genannten Produzenten lässt darauf schließen). Die Frage, die sich da stellt lautet: hat sich das Warten gelohnt?

 
Wie kann man dieser Frau nur nicht trauen?
„Sin City“-Godfather Frank Miller, der auch im zweiten Teil wieder einen Gastauftritt absolviert, und Regisseur Robert Rodriguez vereinten erneut ihre Kräfte und zerren zwei aus den Comics bekannte Geschichten, sowie einer neuen, vom Papier auf die Leinwand. Das graphische Konzept des Vorgängers wird dabei selbstverständlich beibehalten und nun via 3D „aufgehübscht“. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Virtuosität des Visuellen bleibt beharrlich auf der zweidimensionalen Ebene. Mehrwertig ist das 3D hier nicht. Überhaupt hätte der Look des Films keinerlei solcher technischer Schönheitskorrekturen nötig. Das Monochrome, das Düstere, das Schmutzige der Bilder braucht die Größe und Weite des Kinos, nicht deren Tiefe. Die verschiedenen Zeitlinien der Handlungen werden ebenfalls wie die Bilder weit ausgebreitet. Noch wilder und ungehemmter als im ersten Teil wird an den Zeitlinien gezogen und gezerrt. Bald ist daraus eine Peitsche geworden, die dem Publikum links und rechts um die Ohren gehauen wird. Was passierte vorm ersten Teil, was danach, was davor? Das ist alles zwar recht schnell zu begreifen, nur mag das Entwirren nicht wirklich zu reizen. Mehr noch wie sein Vorgänger, pocht das Herz des Sequels nur noch für das Visuelle, doch selbst da zieht „Sin City: A Dame to Kill For“ den Kürzeren.


In Sin City gilt immer noch das Recht des Stärkeren
„Sin City: A Dame to Kill For“ sieht blendend aus, dennoch die exploitative Schönheit des ersten Teils erreicht er nie. Während sich die Szenen aus „Sin City“ ins Gedächtnis gebrannt haben, sind die Momentaufnahmen des Sequels schon vergessen, wenn das nächste Szenenbild projiziert wird. Es wird grafisch mit Platzpatronen geschossen. Waren die Bilder früher eine Selbstverständlichkeit, so wirken sie in „A Dame to Kill For“ zu marktschreierisch und zu redundant. Die daran gekoppelten Stories bleiben auch hinter den Erwartungen zurück. Die drei Geschichten sind narrativ behäbig und wenig galant positioniert. Als Gesamtwerk gesehen ist das Sequel zu zerfasert und unfokussiert. Die dargebotenen Welt aus Gewalt und Chauvinismus, sie hält dem Druck eines Sequels (dem Druck mehr vom Alten zu zeigen, gepaart mit erhofften wie erwünschten Neuerungen) nicht stand. Miller und Rodriguez liefern dass, was gefordert wurde, doch fehlt dem Ergebnis sichtbar die Schlagfertigkeit, die Inspiration und vor allem die Lust und der Spaß sich wieder nach Basin City zu begeben.


Johnny hat das Glück verlassen
Konnte man sich im ersten Teil komplett in diesem Destillat aus hartgekochten Film-Noir und stumpfer Exploitation verlieren, so wirkt „Sin City: A Dame to Kill For“ wie ein Trip mit dem Touristen-Shuttlebus. Aus dessen Fenster wird man dann Zeuge, wie Eva Green als klassische Femme Fatale 80% ihrer Auftritte oben ohne verbringt und die Geschichte rund um Cop Hartigan (Bruce Willis) und Tänzerin Nancy (Jessica Alba) auf ein ätzend espritlosen Showdown zusteuert. So wirklich überzeugen vermag eh keine der drei Geschichten. Was Rodriguez und Miller allerdings mit der finalen (Nancy-)Episoden machen, kratzt schon mit gigantischen Tigerpranken an der Schwelle zur unfreiwilligen Komik. Nicht unbedingt weil es stupider Fan-Service ist, sondern mehr weil die Geschichte charakterliche Entwicklungen beinhaltet, die jeder Beschreibung spotten. Die cineastische Wiedererweckung von Basin City, sie ist gescheitert.


Fügt man alle Qualitäten und Schwächen von „Sin City: A Dame to Kill For“ zusammen, hat sich die Frage, ob sich das Warten gelohnt hat, erübrigt. Die bessere Frage lautet wohl eher, ob die Fans einen zweiten Teil wollten? Die Antwort: Ja, sie wollten. Die noch viel bessere, weil wirklich richtige Frage ist aber dann doch, ob es wirklich ein Sequel gebraucht hätte? Nein, das hat es nicht. Ein dritter Teil? Nein, vielen Dank. Nach dem desaströsen Start in den US-Kinos wird dies aber wohl so oder so ein fixes Hirngespinst bleiben. Gut so.


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