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Review: G.I. JOE - GEHEIMAUFTRAG COBRA - Vom Spielzeug zum Kinofilm!

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Fakten:
G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra (G.I. Joe: The Rise of Cobra)
US, 2009. Regie: Stephen Sommers. Buch: Stuart Beattie, David Elliot, Paul Lovett, Michael B. Gordon, Stephen Sommers. Mit: Channing Tatum, Sienna Miller, Marlon Wayans, Christopher Eccleston, Joseph Gordon-Levitt, Dennis Quaid, Brendan Fraser, Jonathan Pryce u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die beiden Soldaten Duke und Ripcord haben den Auftrag den Transport von Raketensprengköpfe zu eskortieren, dabei kommt ihnen jedoch die Terrororganisation Cobra in die Quere. Von der geheimen Spezialeinheit G.I. Joe gerettet, schließen sich die beiden Soldaten dem Trupp an und arbeiten von nun an gemeinsam daran, die Raketensprengköpfe zu schützen.




Meinung:
Man darf sich mittlerweile schon gar nicht mehr wundern aus welchen dunklen Ecken und rudimentär verwandten Medien Hollywood Ideen für einen Film zusammenschustert. Dabei ist es nach dem gewaltigen Erfolg der „Transformers-Reihe“ eigentlich gar nicht so erstaunlich, dass weitere Spielzeugreihen für eine Adaption herhalten mussten. Wie schon bei „Transformers“ stammt auch der Ursprung von „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ aus dem Hause Hasbro und ähnlich wie bei Michael Bays heiß diskutierter Materialschlacht richtet sich dieser Film vermehrt an ein jüngeres Publikum. Der grundsätzliche Gedanke dahinter scheint auch gar nicht so verkehrt, man nehme ein paar beliebte Actionfiguren, schmeiße sie von einer Actionszene in die nächste und kombiniere die einzelnen Szenen durch eine nebensächliche Story über den Weltuntergang, ganz ähnlich als würde man selbst mit ihnen spielen. Dass dieser Gedanke als Film leider nicht funktioniert, beweist „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ nur zu deutlich.


Vor dem Einsatz lieber nochmal für die Kamera posieren!
Der Film scheitert an vielerlei Gründe. Schon ein Blick auf die Drehbuchautoren verrät, was man hier erwarten darf, und dabei ist es noch nicht einmal nötig sich deren vorherige Arbeiten anzusehen, sondern ein kurzer Blick auf die Anzahl reicht bereits aus. Fünf Autoren sind es in der Summe, ein Wert, den man dem fertigen Film nur allzu schmerzlich ansieht, denn inhaltlich bewegt er sich in der untersten Kategorie. Die Handlung ist nicht nur komplett ausgelutscht, sondern manövriert sich auch von Logikloch zu Actionszene und wieder zurück, und das über 120 Minuten. Ohnehin dient die Story nur einem einzigen Zweck, nämlich den zahlreichen Explosionen, Schießereien und Schwertkämpfen einen Hauch von Bedeutung zu verleihen, jegliche Einbindung des Zuschauers scheitert aber schon an den hölzernen Figuren und der emotionslosen Inszenierung. Über zwei Stunden präsentiert uns Regisseur Sommers eine sinnbefreite Actionorgie, die den Zuschauer in ihren festgefahrenen Strukturen außen vor lässt und dadurch nie auch nur einen Hauch von Spannung erzeugt. Die einzige Rettung wäre eine adäquate Inszenierung gewesen, denn auch sinnbefreite Monotonie vermag mit der richtigen Inszenierung noch halbwegs zu glänzen. Doch auch hier scheitert der Film, hektisch gefilmt und geschnitten zeugen seine zum Teil scheußlich aussehenden CGI-Effekte von einer schmerzlichen Nichtexistenz an technischen Fertigkeiten.


Letztlich ist „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ ein ähnlicher Fall wie Michael Bays „Transformers“ Franchise. Wer mit der sinnlosen Materialschlacht und der durchgehenden Reizüberflutung etwas anfangen konnte, wird auch mit diesem Werk seinen Spaß haben, alle anderen sollten großen Abstand wahren. Warum der Film trotz schlechter Kritiker- und Nutzerwertungen zu einem Erfolg wurde, liegt auf der Hand. Ein rasant geschnittener Trailer mit viel Action, ein mehr oder weniger klangvoller Name und vor allem bekannte Darsteller wie Channing Tatum, Sienna Miller und Joseph Gordon-Levitt locken die Massen ins Kino. Über Qualität sagt das Einspielergebnis ohnehin nur sehr selten etwas aus.


2 von 10 sinnlosen CGI-Kamerafahrten

Review: DIE HIGHLIGEN DREI KÖNIGE – Kokain, Diebstahl, Karaoke und Schlägereien in der Weihnachtsnacht

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Fakten:
Die Highligen Drei Könige (The Night Before)
US, 2015. Regie: Jonathan Levine. Buch: Jonathan Levine, Evan Goldberg, Ariel Shaffir, Kyle Hunter. Mit: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt, Anthony Mackie, Jillian Bell, Lizzy Caplan, Mindy Kaling, Michael Shannon, James Franco, Miley Cyrus u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 24. Mai 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Die drei Freunde Ethan, Isaac und Chris verbringen die Weihnachtsnacht jedes Jahr gemeinsam, um ausgelassen zu feiern. Es ist eine Tradition, die sich nun dem Ende entgegen neigt, denn Isaac hat mittlerweile eine schwangere Frau und Chris ist ein erfolgreicher Sportler, der seinen eigenen Weg geht. Ein letztes Mal will es das Trio allerdings nochmal so richtig krachen lassen...




Meinung:
Zunächst wirkt "Die Highligen Drei Könige" ein wenig wie ein Inside-Joke. Eine wohlig den Bogen überspannende Vereinigung alter Freunde, die traditionell den vorweihnachtlichen Abend durchfeiern, obwohl zwei von drei mittlerweile einem eigenen Leben entwachsen sind und es diesmal wahrscheinlich die letzte Party als ausgelassenes Trio werden dürfte. Regisseur Jonathan Levine vernachlässigt seinen eigenen Stil wenig überraschend, um sich voll und ganz dem über die letzten Jahre hinweg etablierten Rogen-Humor aus unverschämten Zoten, popkulturellen Verweisen und absurder Situationskomik zu verschreiben.


Bereit für die Nacht ihres Lebens
Anfangs wirkt die Zusammensetzung aus Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt und Anthony Mackie so, als hätten die Darsteller einfach ihren Spaß vor der Kamera, ohne dass der Zuschauer allerdings stimmig in die Sause involviert wird. Der Film fängt sich allerdings nach einem etwas holprigen Einstieg und liefert genau das, was man sich erwarten durfte. Überraschungen sind hier Fehlanzeige und man muss schon selbst wissen, ob es das ist, was man will. Das bedeutet konkret: Man folgt dem Trio auf eine lose durch das Leitmotiv Weihnachten zusammengehaltene Odyssee absurder Einzelepisoden, in denen der gewohnte Wahnwitz zelebriert wird, wenn auch nicht mit ganz so hoher Schlagzahl, wie man es bislang gewohnt war. Seth Rogen rückt dabei zwischenzeitlich mehr in den Mittelpunkt als die anderen, denn seine Figur Isaac bekommt von seiner Frau ein Kästchen geschenkt, in dem sich alle Drogen befinden, die es gibt. Das chaotische Resultat ist natürlich vorprogrammiert und führt sicherlich zu den lustigsten Szenen des Films, in denen die größten Lacher folgen dürften. Ansonsten darf James Franco auch mal kurz vorbeischauen, Michael Shannon als Mr. Green einen herrlich kryptischen Drogendealer spielen und Red Bull als überdeutliches, fast schon dreistes Product Placement eingefügt werden. "Die Highligen Drei Könige" ist aber keinesfalls nur auf Gags ausgelegt, sondern versprüht ganz getreu der weihnachtlichen Stimmung immer wieder überaus seichte Zwischentöne, in denen angespannte freundschaftliche Verhältnisse, komplizierte Liebesbeziehungen und das familiäre Umfeld mal besinnlich, mal nachdenklich in den ungezähmten Tonfall miteinbezogen und schlussendlich versöhnlich aufgelöst werden. 


Dass dieser gewöhnungsbedürftige Mittelweg nicht jedem gefallen wird, ist klar. Aber warum auch nicht mal auf diese Art, es ist ja schließlich Weihnachten, selbst im schrägen Mikrokosmos der Rogen-Gang. Und dass der mittlerweile tot gehörte Pop-Song "Wrecking Ball" von Miley Cyrus zudem noch auf gelungene Weise angestimmt wird, ist ein kleines Geschenk des Streifens, das man ebenfalls gerne annimmt. Wer mit dem Humor von Seth Rogen bisher nichts anfangen konnte, wird mit diesem Werk auf keinen Fall bekehrt. "Die Highligen Drei Könige" wirkt wie eine Ansammlung gewohnter, humoristischer Bausteine, die Rogen und seinen Co-Stars eine Spielwiese bieten, um gemeinsam vor der Kamera Spaß zu haben und mit ihnen auch der Zuschauer. Dabei ist der Film allerdings immer wieder auffällig gemäßigt, versucht sich zusätzlich in ernst gemeinten Zwischentönen und endet aufgrund der weihnachtlichen Atmosphäre versöhnlich wie friedfertig. Dieses Verquicken von ungezügeltem Spaß und besinnlicher Festlichkeit könnte abschreckend wirken, funktioniert aber trotzdem irgendwie auf seine ganz eigene Weise.


6,5 von 10 Tropfen Blut im Cocktail


von Pat

Review: THE WALK – Balanceakt oder Absturz?

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Fakten:
The Walk
USA, 2015. Regie: Robert Zemeckis. Buch: Robert Zemeckis & Christopher Browne. Mit: Joseph Gordon-Levitt, Ben Kingsley, Charlotte Le Bon, Ben Schwartz, James Badge Dale u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab 25. Februar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
„The Walk“ erzählt die wahre Geschichte von Philippe Petit, der im August 1974 zwischen den Türmen des World Trade Centers einen illegalen und waghalsigen Drahtseilakt vollführt hat. Er behandelt dabei die unterschiedlichen Kapitel seines Lebens und begleitet Philippe und seine Freunde während dem gefährlichen Unterfangen.





Meinung:
Obwohl „The Walk“ von Kritikern und Publikum gleichermaßen positiv aufgenommen wurde, hält sich das allgemeine Interesse doch in Grenzen. So spielte der Film an seinem Eröffnungswochenende gerade einmal 1,5 Millionen Dollar ein und schaffte es innerhalb eines Monats in den USA gerade einmal auf gut 10 Millionen Dollar, was weniger als ein Drittel seines Budgets entspricht. Das ist insofern erstaunlich, da es sich sowohl bei Regisseur als auch bei den Darstellern um Publikumslieblinge handelt und das Thema gerade in den USA ein verhältnismäßig großes Ereignis war. Vermutlich ist es noch immer die Trauer um die Zwillingstürme, die viele Amerikaner von den Kinos fernhält, anders lässt sich der finanzielle Flop nicht wirklich erklären.


Phillipe macht ernst
Den deutschen Zuschauer lässt das wohl alles relativ kalt. Weder die Zwillingstürme noch die Geschichte von Philippe Petit erzeugen auch nur ansatzweise so viel Berührungspunkte wie mit einem amerikanischen Zuschauer. Dennoch hat „The Walk“ auch seinen Reiz für Nichtamerikaner. Robert Zemeckis ist dabei der Name der die Zuschauer ins Kino treibt. Und wenn man ihn nicht als Robert Zemeckis kennt dann lockt der Regisseur von „Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“ und „Cast Away“. Ebenjener, der es schafft eine riesige Portion Hollywood-Kitsch in wahre Kinomagie zu verwandeln, in Filme, die einfach nur sympathisch sind. Auch „The Walk“ hat das Herz am richtigen Fleck. Der Film ist nett, aber leider wird auch Zemeckis immer älter und schafft es nicht mehr zu Gänze die kitschigen Momente zu überspielen. Wenn der Protagonist auf dem Drahtseil eine mystische Begegnung mit einem Raubvogel hat dann ist das nicht etwa eine herrliche Entrückung in eine andere Welt, sondern schlichtweg seltsam. Von Momenten wie diesem ist „The Walk“ vollgestopft, mal funktionieren sie besser, mal schlechter und oft lassen sie den Zuschauer etwas ratlos zurück.


Alles eine Frage des Plans
Es gelingt dem Film wirklich gut die Faszination Petits an seiner Leidenschaft zu erklären und dadurch auch auf den Zuschauer zu übertragen, Gordon-Levitt mimt den Franzosen trotz nervigem Akzent dabei sehr überzeugend. Leider hat der Film mit einigen Problemen zu kämpfen, die sich fast alle auf die zugrundeliegende Geschichte zurückführen lassen. Nicht jedes Ereignis eignet sich für einen Film und gerade wenn man versucht nah an der realen Vorlage zu bleiben läuft oft nicht alles glatt. „The Walk“ fällt dabei klar in die Kategorie von Geschichten, die man besser in einer Dokumentation als in einem Spielfilm erzählen sollte, in diesem Fall gibt es diese Doku sogar schon in Form von „Man on Wire“. Gerade bei „The Walk“ kann das Finale einfach keine wirkliche Spannung aufbauen, trotz starker Inszenierung weiß der Zuschauer einfach, dass es Philippe Petit unbeschadet schafft. Außerdem wird der Moment am Drahtseil zu sehr ausgereizt. Was am Anfang noch ein wirkungsvolles Schwindelgefühl erzeugt verschwindet spätestens nachdem er zwei Mal hin und hergegangen ist, aber zu diesem Zeitpunkt dauert der Akt halt noch zehn Minuten.


Trotz der größtenteils negativen Worte handelt es sich bei „The Walk“ um keinen schlechten Film. Er ist solide inszeniert, gut gespielt und auf eine kurzweilige Art auch stellenweise wirklich unterhaltsam. Gleichermaßen ist er aber auch vollgepackt mit seltsamen Momenten und präsentiert teilweise auch zu viel Leerlauf. Es hätte dem Film sicherlich geholfen die ein oder andere Szene zu streichen und dafür an anderer Stelle etwas mehr zu zeigen. So ist „The Walk“ aber nur ein durchschnittliches Kinovergnügen, dass sich irgendwo im Mittelfeld der breiten Filmwelt einordnet.


5 von 10 gespannten Drahtseilen


von Vitellone

Review: THE INTERVIEW - Wenn Freundschaft eine Diktatur bezwingt

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Fakten:
The Interview.
USA. 2014. Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen.
Buch. Dan Sterling. Mit: Seth Rogen, James Franco, Lizzy Caplan, Randall Park, Diana Bang, Timothy Simons, Reese Alexander, Anders Holm, Eminem, Rob Lowe, Seth Meyers, Joseph Gordon-Levitt, Ben Schwartz, Bill Maher, Charles Rahi Chun u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Talkshow-moderator Dave und sein Produzent Aaron staunen nicht schlecht, als ihre Interviewanfrage an den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un eine Zusage erhält. Eine tolle Chance, um die Quoten in die Höhe zu steigern, aber auch eine Chance für den amerikanischen Geheimdienst, den Diktatur auszuschalten, weswegen sich der CIA mit einem Mordauftrag nach Aaron und Dave wenden.





Meinung:
Nachdem Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs auf ihre Datenbank wurde, der an die Forderung gekoppelt war, „The Interview“ einem Release zu entsagen, da sich dieser Film wie eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“ deuten lassen würde, lenkte der in Kalifornien ansässige Großkonzern ein und strich die geplanten Kinoauswertung, zu massiv war die Angst vor den möglichen Konsequenzen. Die Filmwelt stand Kopf, reichhaltige Meldungen um Kunstzensur und Feigheit mäanderten durch den medialen Raum und niemand wusste so recht, wohin das ganze Hin und Her überhaupt steuern soll. Barack Obama bezog Stellung, Nordkorea stritt jedwede Vorwürfe beharrlich ab und die Stars des Films, Seth Rogen („Beim ersten Mal“) und James Franco („Child of God“), strichen ihre Promotiontour vorerst aus dem Terminkalender. Bahnt sich dort etwa eine Reihe an Cyber-Kriegen an, deren erstes Gefecht die Vereinigten Staaten mit eingezogenem Haupt verloren haben, oder handelt es sich letztlich nur um eine gewiefte PR-Strategie?


Dave ist der Star der Show
Inzwischen jedenfalls wird schon wieder darüber diskutiert, ob „The Interview“ nicht doch ganz regulär in den Lichtspielhäusern laufen soll, einige Kinobetreiber erklärten sich unlängst bereit, diesen Schritt zu wagen und seit dieser Woche hat sich Sony ebenfalls dazu entschieden, den Film als Stream im Internet zu publizieren. Die viel wichtigere Frage muss an dieser Stelle allerdings nicht lauten, wie viel Wahrheitsgehalt nun in jeder einzelnen Nachricht zu verbuchen ist, sondern, ob all die Furore überhaupt gerechtfertigt waren? Ist „The Interview“ die provokative „Kriegshandlung“, zu der sie vom nordkoreanischen UN-Botschafter Ja Song Nam stilisiert wurde? Die Antwort ist simpel: Nein, nicht wirklich. Wer sich bereits mit dem Output von Seth Rogen, der hier zusammen mit Evan Goldberg den Regieposten verwaltete, vertraut gemacht hat, der darf sich mit „The Interview“ auf eine ganz ähnliche Comedy-Kost gefasst machen, nur mit dem Unterschied, dass ein politisches Anliegen im Hintergrund kursiert, welches man aber doch bitte nicht zu ernst auffassen sollte.


Kim Jong-un, der Cool Guy
Gut, das lässt sich als Außenstehender leicht sagen, wenn man sich aber in der Haut eines ideologisch komplett verstrahlten Diktators befindet, kann man sich durch „The Interview“ schon etwas auf den Schlips getreten fühlen. Kim Jong-un (gespielt von Randall Park) nämlich ist hier nichts weniger als ein von Vaterkomplexen heimgesuchter Dreißiger, der sich in seinem Leben wohl etwas zu oft allein fühlen musste. Das würde beinahe eine tragische Tiefe mit sich führen, wäre das Drehbuch von Dan Sterling nicht so hartnäckig darauf bedacht, Kim Jong-un zur Witzfigur herabzusetzen und die gesamte Staatsanlage wie ihre Gepflogenheiten (Oberflächenmanipulation ist hier das A und O) von Nordkorea nach Strich und Faden zu karikieren. In die Höhle des Löwen - oder Welpen? Passenderweise überreicht Kim Jong-un einen solchen an seine amerikanischen Gäste - werden Dave Skylark (James Franco), Moderator eines Klatschmagazin, welches in der ersten Szene direkt mal durch die Decke geht, als Eminem sein staubtrockenes Coming Out hinlegt, und sein Produzent Aaron Rapaport (Seth Rogen) geschickt.


Dave und Aaron beim Uhrenvergleich
Was erst aus dem Gefühl verletzter Ehre keimte, ist das Skylark-Magazin doch weniger für seinen seriösen Journalismus als für triefenden Gossip bekannt, wird später durch das Eintreffen der CIA-Geheimagentin Lacey (Lizzy Caplan) zur Staatsangelegenheit im Top-Secret-Modus: Kim Jong-un nämlich soll liquidiert werden, um der globalen Stabilität wieder ordentlich auf die Beine zu helfen. Dass sich „The Interview“ eine Fülle an popkulturellen Referenzen nicht verkneifen kann, war von vornherein klar, haben sich Filme wie „Ananas Express“, „Beim ersten Mal“ und vor allem „Das ist das Ende“ doch ebenfalls mit ihren referenziellen Querschlägern gebrüstet. Seinen Humor zieht „The Interview“ aber eindeutig aus dem wie immer wunderbar harmonierenden Gespann um Seth Rogen und James Franco, deren innige Real-Life-Freundschaft sich auch schon lange auf der Leinwand bezahlt macht. Während Seth Rogen sich in seinem Spiel etwas zurückhält, zwar auch die ein oder andere Plattitüde auf seine Rechnung nimmt, ist es Workaholic James Franco, der wie entfesselt Gas gibt und die irrsten Schnuten zieht.


In „The Interview“ floriert mehr der Schwach-, denn der Scharfsinn. Wer eine fundiert-geistreiche Satire erwartet, die dem Personenkult des Diktators in geschliffenen Dialogsequenzen auf die Pelle rückt, der wird sich ob der zuweilen präferierten Grobschlächtigkeit im Humorverständnis verschreckt abwenden. Es gehört schon Mut dazu, einen Film wie „The Interview“ in dieser respektlos-beschwingten Art aufzuziehen, die große Kontroverse aber hat sich der Film nun nicht verdient. Maximal als Brachialsatire, eher aber als temporeiche Komödie zu deklarieren, macht „The Interview“ einfach Spaß, so wie es wohl auch von Anfang an geplant war. Natürlich lässt er sich nicht aus seinem politischen Kontext lösen, stichhaltige Gegenstöße gegen jenes totalitäres Regime sucht man indes vergebens. Seth Rogen und James Franco haben sich eine „brisante“ Plattform für ihren Ulk geschaffen und nutzen Nordkorea als Gegenstand purer Albernheiten. Ernsthaft angegriffen dürfte sich angesichts der eindeutigen Over-the-Top-Marschroute des Drehbuches niemand fühlen, höchstens etwas gefoppt. Als Verfechter von Seth Rogen und James Franco wird man aber in jedem Fall zwei unterhaltsame Stunden erleben.


6,5
von 10 abgebissenen Fingern


von souli

Review: HALLOWEEN H20 - 20 JAHRE SPÄTER - Zurück zu den Wurzeln

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Fakten:
Halloween H20 – 20 Jahre später (Halloween H20: 20 Years Later)
USA, 1998. Regie: Steve Miner. Buch: Robert Zappia, Matt Greenberg. Mit: Jamie Lee Curtis, Adam Arkin, Josh Hartnett, Michelle Williams, LL Cool J, Adam Hann-Byrd, Jodi Lyn O’Keefe, Janet Leigh, Joseph Gordon-Levitt, Branden Williams, Marion Chambers Whittington u.a. Länge: 83 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
20 Jahre ist es her, dass Laurie Strode die Halloween-Nacht überlebte, in der ihr Bruder Michael Myers die Jagd auf sie eröffnete und dabei etliche Menschenleben auslöschte. Inzwischen lebt sie unter falschen Namen und leitet als Direktorin eine abgelegene, elitäre Privatschule. Ihre Vergangenheit hat sie jedoch niemals losgelassen. Noch heute wird sie von Albträumen geplagt, sieht ihren Bruder an jeder Straßenecke. Mit Alkohol und Medikamente versucht sie das Trauma zu unterdrücken. An diesem Halloweenabend kann sie ihm direkt ins Gesicht blicken: Michael lebt tatsächlich noch und hat sie aufgespürt. Laurie muss sich ihrem Dämon stellen, denn ihr 17jährige Sohn John ist nicht wie geplant mit auf einen Schülerausflug gefahren, sondern will mit seinen Freunden eine geheime Party auf dem Gelände feiern. Ein Grund, zu kämpfen.






Meinung:
Totgesagte leben länger, besonders wenn sie Freddy Krueger, Jason Vorhees oder eben Michael Myers heißen. Mit dem sechsten Teil der Reihe – „Der Fluch des Michael Myers“ – schien die Serie endgültig an seinem (unrühmlichen) Ende angelangt. Nicht nur wegen des Todes von Darsteller Donald Pleasence, von Beginn an als hartnäckiger Widersacher Dr. Loomis mit an Bord, der kurz nach Ende der Dreharbeiten verstarb. Durch den unsäglichen Hokuspokus, der der Figur Michael Myers im ursprünglichen finalen Teil angedichtet wurde, entfernte man sich erheblich vom eigentlichen Geist der Serie, die Nummer war endgültig durch. Das berühmte Ende mit Schrecken, dachte man. Pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum kam die Rolle rückwärts, Michael war wieder da und die Macher beschritten vom Ansatz den einzig richtigen Weg.


Geschwister beim Stadtbummel.
„H20“ erlaubt sich den Luxus, alle Filme nach dem zweiten völlig zu ignorieren, eigentlich als niemals existent zu verleugnen und baut seine Story einzig und allein auf der Basis der ersten beiden Teile auf. Kein Sterbenswort davon, dass es nach den Vorfällen um Laurie Strode in der Halloweennacht von 1978 noch dutzende andere Morde gab, Myers schien wirklich seit 20 Jahren von der Bildfläche verschwunden zu sein. Eine interessante, sicher gewagte, allerdings aufgrund des hanebüchenen letzten Teils eine vollkommen richtige Entscheidung. Im echten Leben lassen sich Fehler der Vergangenheit selten rückgängig machen, im Film durchaus, also warum nicht? Möglich macht das  Jamie Lee Curtis, die nach 17 Jahren wieder zu dem Franchise zurückkehrt, dass sie damals berühmt machte und den Beinamen Scream-Queen einbrachte. Als Laurie Strode, die sich nun Keri Tate nennt, hat sie an den Erlebnissen der damaligen Nacht noch hart zu knabbern. Sie versucht so gut es geht am täglichen Leben teilzuhaben, kann die Maskerade für Außenstehende halbwegs aufrecht erhalten, ist innerlich jedoch eine gebrochene Frau, die ohne Wein und Medikamente kaum den Tag überstehen würde. Michael Myers hat sie damals nicht getötet, aber ihr Leben zerstört. Es wird seitdem von ihm und der panischen Angst vor seiner Rückkehr dominiert, sein Antlitz verfolgt sie Tag für Tag, nicht nur in ihren Träumen.


"Magst du gerne Horrorfilme?"
Curtis nach so langer Zeit wieder in dieser Rolle zu sehen ist für Fans tatsächlich so was wie ein Klassentreffen und ihre Leistung aller Ehren wert. Während man anderen Darsteller(inne)n bei solchen Back-to-the-Roots-Veranstaltungen eher mal unterstellen muss, dass Karrieretief und leere Bankkonten die Unterschrift unter den Vertrag setzten, scheint sie wirklich Lust auf diesen Film zu haben. Sie ist als verstörtes Nervenbündel ebenso überzeugend wie als taffe Löwenmutter, wenn sie um ihr eigen Fleisch und Blut zu beschützen sich endgültig ihrer Nemesis stellen muss. Traumatherapie mit dem Küchenmesser, nach alter Familientradition. Das direkte Aufeinandertreffen der Geschwister stellt zweifelsohne das Highlight des siebten „Halloween“-Films dar, der sonst leider eher enttäuscht als befriedigt. Dabei hat er relativ gute Voraussetzungen wie Ansätze und mit Steve Miner einen fähigen, Genre-erfahrenen Regisseur (u.a. Teil 2 & 3 der „Freitag, der 13.“-Serie, „House – Das Horrorhaus“, „Warlock – Satans Sohn“ oder hiernach noch „Lake Placid“), an dessen grundsolider Inszenierung es auch wenig zu bemängeln gibt. Insgesamt orientiert sich der Film stilistisch deutlicher an dem grandiosen Original von John Carpenter als praktisch alle anderen Nachfolger, mit Ausnahme vielleicht des direkt anschließenden zweiten Teils, ohne dabei jemals dessen Klasse zu erreichen. Die Eröffnungssequenz – in der übrigens dem jungen Joseph Gordon-Levitt eine recht einschneidende Erfahrung zuteil wird – zählt klar zu den gelungensten Momenten, danach verschwindet Michael zu lange von der Bildfläche.


Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Zwar war dies bei Carpenter auch nicht anders, auch dort war Myers lange nur eine fast unsichtbare Bedrohung, die im Dunkeln oder hinter einer Hecke lauerte, die unheilvolle Grundspannung kommt dabei nur nicht auf. Interessanter wäre es wohl gewesen, die Paranoia von Laurie geschickter auszuspielen, dem Zuschauer zu suggerieren, dass ihr vielleicht wirklich nur die gestörte Psyche einen bösen Streich spielt. Durch den Auftakt und die unbestreitbare Existenz von Myers funktioniert das selbstverständlich nicht und schürt eher die Ungeduld, wann es denn endlich losgeht. Problematisch ist in der Hinsicht besonders die knappe Laufzeit von gerade mal 80 Minuten. Wenn Michael letztlich seiner Passion nachgeht, ist der Film schon zu zwei Dritteln vorbei und hat kaum noch Luft, um richtig Gas zu geben. Schnell müssen die verzichtbarsten Personen über den Jordan geschickt werden, das wirkt zu rasch und gehetzt, einfach unverhältnismäßig zur gesamten Länge. „H20“ steht klar sein gegen Ende einfallslos wirkendes Skript im Weg, welches das unbestreitbar vorhandene Potenzial wenig nutzt. Durch die geringe Anzahl der Figuren und den begrenzten zeitlichen Spielraum fällt der Bodycount für einen „Halloween“-Film sogar extrem gering aus und beschränkt sich auf ein kurzes Zeitfenster, der Showdown kommt zu plötzlich und wirkt knapp gehalten, der Film hätte locker 20 Minuten mehr vertragen können, um nicht so abrupt beendet und ungeschickt abgestimmt zu erscheinen.


Bemerkenswert ist allerdings der Cast, unter dem sich (heute) einige sehr klangvolle Namen finden: Neben Curtis treten nicht nur ihre Mutter – Filmlegende Janet Leigh – in einem Cameo als ihre Sekretärin und die bereits damals bekannten Gesichter Adam Arkin und LL Cool J in den Nebenrollen auf, gerade die Besetzung der Teenies ist interessant. Der bereits erwähnte Joseph Gordon-Levitt hat nur wenig Screentime, dafür gibt Josh Hartnett sein Leinwanddebüt als Laurie’s Sohn John und als seine Freundin ist die heutige A-Darstellerin Michelle Williams zu sehen. Macht den Film zwar nicht immens besser, nur ein Fakt am Rande. Letztlich ist „H20“ zwar ambitioniert und versteht sich wohl eher als Spannungsfilm denn als typischer Slasher, kann dafür aber eben kaum Spannung erzeugen. Bemüht wirkt er, hat seine Ideen und vereinzelte Momente, ist handwerklich stabil gemacht, wirkt aber irgendwie unfertig oder eher nicht engagiert zu Ende gedacht. Sehr bedauerlich, so bleibt es bei dem löblichen Versuch, das Resultat ist eher verzichtbar. Immerhin besser als Teil 5, 6 und natürlich  der furchtbare Nachfolger „Halloween: Resurrection“, was allerdings keine große Kunst ist. 

4,5 von 10 zweckentfremdeten Schlittschuhen

Review: SIN CITY: A DAME TO KILL FOR - Warten lohnt sich halt nicht immer

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Fakten:
Sin City: A Dame to Kill For
USA. 2014.
Regie und Buch: Robert Rodriguez, Frank Miller (Vorlage). Mit: Josh Brolin, Eva Green, Mickey Rourke, Jessica Alba, Joseph Gordon-Levitt, Dennis Haysbert, Rosario Dawson, Jaime King, Christopher Meloni, Jeremy Piven, Powers Boothe, Lady Gaga, Marton Csokas, Bruce Willis, Stacy Keach, Juno Temple, Ray Liotta, Christopher Lloyd, Jaime Chung, Julia Garner u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Ab 30. Januar 2015 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Basin City, genannt Sin City, ist ein Hort der Gewalt. Auch im zweiten Teil gibt es gleich mehrere Episoden rund um Gangster, Verräter, Perverse, Opfer und was sich sonst noch so in der Stadt herumtreibt. So muss Privatdetektiv Dwight den Avancen seiner alten Flamme Ava widerstehen und gerät in eine Intrige, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt. Zocker und Glückskind Johnny will in Sin City groß abräumen und legt sich mit jemanden an, der es nicht gewohnt ist zu verlieren. Schläger Marv wacht ohne Erinnerung mitten auf der Straße auf, um ihn herum einige tote Männer und Tänzerin Nancy verfällt immer mehr dem Wahnsinn und versucht den Tod ihres Lebensretter, Cop Hartigan, zu rächen.





Meinung:
Neun Jahre. Neun Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Das 3D-Kino etablierte sich im Multiplex, neue Stars wie Jennifer Lawrence und Christoph Waltz kamen auf und Marvel erbaute sich ein filmisches Imperium. Comicfilme sind aktuell das Nonplusultra am Box Office. Eigentlich die perfekte Zeit das langersehnte Sequel zu „Sin City“ in die Lichtspielhäuser zu bringen. Immerhin war die Fortsetzung seit dem der erste Teil 2005 seinen blutigen Fußspuren in den Köpfen vieler Filmfans hinterließ einer der Filme, über den gefühlt jede Woche eine andere Neuigkeit publiziert wurde. Aber Gerüchte und Ideen (wie etwa Angelina Jolie mitwirken zu lassen) machen eben noch keinen fertigen Film. Und so mussten wir warten. Neun Jahre. Eine verdammt lange Zeit, in der das Projekt wohl immer wieder bearbeitet wurde, um es wieder in der Schublade verschwinden zu lassen (die enorme Anzahl der im Abspann genannten Produzenten lässt darauf schließen). Die Frage, die sich da stellt lautet: hat sich das Warten gelohnt?

 
Wie kann man dieser Frau nur nicht trauen?
„Sin City“-Godfather Frank Miller, der auch im zweiten Teil wieder einen Gastauftritt absolviert, und Regisseur Robert Rodriguez vereinten erneut ihre Kräfte und zerren zwei aus den Comics bekannte Geschichten, sowie einer neuen, vom Papier auf die Leinwand. Das graphische Konzept des Vorgängers wird dabei selbstverständlich beibehalten und nun via 3D „aufgehübscht“. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Virtuosität des Visuellen bleibt beharrlich auf der zweidimensionalen Ebene. Mehrwertig ist das 3D hier nicht. Überhaupt hätte der Look des Films keinerlei solcher technischer Schönheitskorrekturen nötig. Das Monochrome, das Düstere, das Schmutzige der Bilder braucht die Größe und Weite des Kinos, nicht deren Tiefe. Die verschiedenen Zeitlinien der Handlungen werden ebenfalls wie die Bilder weit ausgebreitet. Noch wilder und ungehemmter als im ersten Teil wird an den Zeitlinien gezogen und gezerrt. Bald ist daraus eine Peitsche geworden, die dem Publikum links und rechts um die Ohren gehauen wird. Was passierte vorm ersten Teil, was danach, was davor? Das ist alles zwar recht schnell zu begreifen, nur mag das Entwirren nicht wirklich zu reizen. Mehr noch wie sein Vorgänger, pocht das Herz des Sequels nur noch für das Visuelle, doch selbst da zieht „Sin City: A Dame to Kill For“ den Kürzeren.


In Sin City gilt immer noch das Recht des Stärkeren
„Sin City: A Dame to Kill For“ sieht blendend aus, dennoch die exploitative Schönheit des ersten Teils erreicht er nie. Während sich die Szenen aus „Sin City“ ins Gedächtnis gebrannt haben, sind die Momentaufnahmen des Sequels schon vergessen, wenn das nächste Szenenbild projiziert wird. Es wird grafisch mit Platzpatronen geschossen. Waren die Bilder früher eine Selbstverständlichkeit, so wirken sie in „A Dame to Kill For“ zu marktschreierisch und zu redundant. Die daran gekoppelten Stories bleiben auch hinter den Erwartungen zurück. Die drei Geschichten sind narrativ behäbig und wenig galant positioniert. Als Gesamtwerk gesehen ist das Sequel zu zerfasert und unfokussiert. Die dargebotenen Welt aus Gewalt und Chauvinismus, sie hält dem Druck eines Sequels (dem Druck mehr vom Alten zu zeigen, gepaart mit erhofften wie erwünschten Neuerungen) nicht stand. Miller und Rodriguez liefern dass, was gefordert wurde, doch fehlt dem Ergebnis sichtbar die Schlagfertigkeit, die Inspiration und vor allem die Lust und der Spaß sich wieder nach Basin City zu begeben.


Johnny hat das Glück verlassen
Konnte man sich im ersten Teil komplett in diesem Destillat aus hartgekochten Film-Noir und stumpfer Exploitation verlieren, so wirkt „Sin City: A Dame to Kill For“ wie ein Trip mit dem Touristen-Shuttlebus. Aus dessen Fenster wird man dann Zeuge, wie Eva Green als klassische Femme Fatale 80% ihrer Auftritte oben ohne verbringt und die Geschichte rund um Cop Hartigan (Bruce Willis) und Tänzerin Nancy (Jessica Alba) auf ein ätzend espritlosen Showdown zusteuert. So wirklich überzeugen vermag eh keine der drei Geschichten. Was Rodriguez und Miller allerdings mit der finalen (Nancy-)Episoden machen, kratzt schon mit gigantischen Tigerpranken an der Schwelle zur unfreiwilligen Komik. Nicht unbedingt weil es stupider Fan-Service ist, sondern mehr weil die Geschichte charakterliche Entwicklungen beinhaltet, die jeder Beschreibung spotten. Die cineastische Wiedererweckung von Basin City, sie ist gescheitert.


Fügt man alle Qualitäten und Schwächen von „Sin City: A Dame to Kill For“ zusammen, hat sich die Frage, ob sich das Warten gelohnt hat, erübrigt. Die bessere Frage lautet wohl eher, ob die Fans einen zweiten Teil wollten? Die Antwort: Ja, sie wollten. Die noch viel bessere, weil wirklich richtige Frage ist aber dann doch, ob es wirklich ein Sequel gebraucht hätte? Nein, das hat es nicht. Ein dritter Teil? Nein, vielen Dank. Nach dem desaströsen Start in den US-Kinos wird dies aber wohl so oder so ein fixes Hirngespinst bleiben. Gut so.


4 von 10 gefühlsbetonten Tänzen