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Review: DIE HIGHLIGEN DREI KÖNIGE – Kokain, Diebstahl, Karaoke und Schlägereien in der Weihnachtsnacht

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Fakten:
Die Highligen Drei Könige (The Night Before)
US, 2015. Regie: Jonathan Levine. Buch: Jonathan Levine, Evan Goldberg, Ariel Shaffir, Kyle Hunter. Mit: Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt, Anthony Mackie, Jillian Bell, Lizzy Caplan, Mindy Kaling, Michael Shannon, James Franco, Miley Cyrus u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 24. Mai 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Die drei Freunde Ethan, Isaac und Chris verbringen die Weihnachtsnacht jedes Jahr gemeinsam, um ausgelassen zu feiern. Es ist eine Tradition, die sich nun dem Ende entgegen neigt, denn Isaac hat mittlerweile eine schwangere Frau und Chris ist ein erfolgreicher Sportler, der seinen eigenen Weg geht. Ein letztes Mal will es das Trio allerdings nochmal so richtig krachen lassen...




Meinung:
Zunächst wirkt "Die Highligen Drei Könige" ein wenig wie ein Inside-Joke. Eine wohlig den Bogen überspannende Vereinigung alter Freunde, die traditionell den vorweihnachtlichen Abend durchfeiern, obwohl zwei von drei mittlerweile einem eigenen Leben entwachsen sind und es diesmal wahrscheinlich die letzte Party als ausgelassenes Trio werden dürfte. Regisseur Jonathan Levine vernachlässigt seinen eigenen Stil wenig überraschend, um sich voll und ganz dem über die letzten Jahre hinweg etablierten Rogen-Humor aus unverschämten Zoten, popkulturellen Verweisen und absurder Situationskomik zu verschreiben.


Bereit für die Nacht ihres Lebens
Anfangs wirkt die Zusammensetzung aus Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt und Anthony Mackie so, als hätten die Darsteller einfach ihren Spaß vor der Kamera, ohne dass der Zuschauer allerdings stimmig in die Sause involviert wird. Der Film fängt sich allerdings nach einem etwas holprigen Einstieg und liefert genau das, was man sich erwarten durfte. Überraschungen sind hier Fehlanzeige und man muss schon selbst wissen, ob es das ist, was man will. Das bedeutet konkret: Man folgt dem Trio auf eine lose durch das Leitmotiv Weihnachten zusammengehaltene Odyssee absurder Einzelepisoden, in denen der gewohnte Wahnwitz zelebriert wird, wenn auch nicht mit ganz so hoher Schlagzahl, wie man es bislang gewohnt war. Seth Rogen rückt dabei zwischenzeitlich mehr in den Mittelpunkt als die anderen, denn seine Figur Isaac bekommt von seiner Frau ein Kästchen geschenkt, in dem sich alle Drogen befinden, die es gibt. Das chaotische Resultat ist natürlich vorprogrammiert und führt sicherlich zu den lustigsten Szenen des Films, in denen die größten Lacher folgen dürften. Ansonsten darf James Franco auch mal kurz vorbeischauen, Michael Shannon als Mr. Green einen herrlich kryptischen Drogendealer spielen und Red Bull als überdeutliches, fast schon dreistes Product Placement eingefügt werden. "Die Highligen Drei Könige" ist aber keinesfalls nur auf Gags ausgelegt, sondern versprüht ganz getreu der weihnachtlichen Stimmung immer wieder überaus seichte Zwischentöne, in denen angespannte freundschaftliche Verhältnisse, komplizierte Liebesbeziehungen und das familiäre Umfeld mal besinnlich, mal nachdenklich in den ungezähmten Tonfall miteinbezogen und schlussendlich versöhnlich aufgelöst werden. 


Dass dieser gewöhnungsbedürftige Mittelweg nicht jedem gefallen wird, ist klar. Aber warum auch nicht mal auf diese Art, es ist ja schließlich Weihnachten, selbst im schrägen Mikrokosmos der Rogen-Gang. Und dass der mittlerweile tot gehörte Pop-Song "Wrecking Ball" von Miley Cyrus zudem noch auf gelungene Weise angestimmt wird, ist ein kleines Geschenk des Streifens, das man ebenfalls gerne annimmt. Wer mit dem Humor von Seth Rogen bisher nichts anfangen konnte, wird mit diesem Werk auf keinen Fall bekehrt. "Die Highligen Drei Könige" wirkt wie eine Ansammlung gewohnter, humoristischer Bausteine, die Rogen und seinen Co-Stars eine Spielwiese bieten, um gemeinsam vor der Kamera Spaß zu haben und mit ihnen auch der Zuschauer. Dabei ist der Film allerdings immer wieder auffällig gemäßigt, versucht sich zusätzlich in ernst gemeinten Zwischentönen und endet aufgrund der weihnachtlichen Atmosphäre versöhnlich wie friedfertig. Dieses Verquicken von ungezügeltem Spaß und besinnlicher Festlichkeit könnte abschreckend wirken, funktioniert aber trotzdem irgendwie auf seine ganz eigene Weise.


6,5 von 10 Tropfen Blut im Cocktail


von Pat

Review: 4 KÖNIGE – Weihnachten in der Anstalt

1 Kommentar:
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Fakten:
4 Könige
DE, 2015. Regie: Theresa von Eltz. Buch: Esther Bernstorff. Mit: Jella Haase, Paula Beer, Jannis Niewöhner, Moritz Leu, Clemens Schick, Anneke Kim Sarnau, Kai Hoppe, Markus John u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Weihnachten ist das Fest der Liebe und des besinnlichen Miteinanders. Nicht aber für Lara, Alex, Timo und Fedja. Die vier Teenager sind alle Patienten in einer Jugendopsychiatrie und leiden jeder für sich unter anderen Schwierigkeiten. Nun müssen sie Weihnachten gemeinsam verbringen und werden dabei von einem Psychiater betreut, der auf einen ungewöhnlich offenen und freien Umgang plädiert. Konflikte und Schwierigkeiten sind somit auch durch die so verschiedenen Teenager vorprogrammiert...

                                                                        
Meinung:
Es ist wieder einmal diese Zeit des Jahres. Die Laune der Menschen wechselt auffällig in Richtung Besinnlichkeit, Lichterketten werden aufgehängt, Bäume geschmückt und Geschenke besorgt. Das Weihnachtsfest macht sich alljährlich aber logischerweise auch in den Kinos bemerkbar, wenn gerne seichte Familienkomödien im Programm zu finden sind, in denen sich spätestens am Ende alle liebevoll in den Armen liegen. Mit "4 Könige" gibt es 2015 zum Ende des Jahres einen deutschen Film in den Kinos, der ebenfalls an Weihnachten spielt, seine Handlung allerdings in eine Jugendpsychiatrie verlagert.


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Da kommt Weihnachtstimmung auf...
Lara, Alex, Timo und Fedja sind vier Jugendliche, die jeder für sich mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Es sind vertraute Themen wie Mobbing, Aggressionen oder ein zerrüttetes Elternhaus, welche den Auslöser für ihre Belastungen darstellen. In diesem Jahr müssen sie die Weihnachtstage gemeinsam verbringen und zusätzlich unter der Leitung eines alternativ eingestellten Psychiaters, der für eine gemeinsame, mit lockereren Freiheiten versehenen Verhaltenstherapie plädiert. Nun ist Subtilität noch nie eine bemerkenswerte Stärke deutscher Dramen gewesen. Auch "4 Könige" neigt an manchen Stellen, vor allem hinsichtlich der unkontrollierten Ausbrüche der Figuren, zur Überzeichnung und verzichtet ebenfalls nicht auf altbewährte, konstruierte Paukenschläge, die der gesteigerten Dramatik dienen sollen. Abgesehen von diesen Mängeln ist Regisseurin Theresa von Eltz allerdings ein durchaus starker Film gelungen, der im Gesamtbild wesentlich mehr Vorzüge denn Nachteile aufweist. Das liegt in erster Linie an der starken Inszenierung, bei der von Eltz auf ruhige Zwischentöne setzt, kitschige Musik fast gänzlich ausspart und mit einem stimmigen Gefühl für Emotionen punktet.


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Handgemachte Geschenke sind wieder in Mode
Es beginnt schon bei der Einleitung des Films, bei dem nicht sofort alle Probleme und Hintergründe der Figuren direkt offen gelegt werden. An erster Stelle stehen hier zunächst die Menschen an sich, ihre Interaktion miteinander und die jeweiligen Verhaltensweisen, aus denen sich die Narben in ihren Seelen, die verschwiegenen Laster sowie unterdrückten Schwierigkeiten nach und nach wie von selbst erschließen. Auffällig sind außerdem die zahlreichen wortlosen Momente in diesem Werk, in denen auf Konfrontationen und Diskussionen Schweigen, Nachdenklichkeit oder qualvoll stille Reflexion folgen. Die Regisseurin scheint genau zu wissen, wann Ruhe angemessen ist, wann Gefühlsausbrüche intensiv entladen werden müssen und wie viel Raum sie ihrem Cast lassen kann, damit sich dieser effektiv entfalten darf. Vor allem die vier Jungschauspieler wirken äußerst authentisch in ihren Rollen und verleihen den Figuren die nötige Mischung aus unreifem Charme sowie glaubwürdiger Verletzlichkeit. Erwähnenswert ist zusätzlich Clemens Schick, der als ungewöhnlicher Psychiater mit ebenfalls problematischer Vergangenheit einen gekonnten Gegenpol für die Jugendlichen darstellt.


Und schließlich ist da noch das Weihnachtsfest, das wie schon erwähnt der zentrale Rahmen für die Geschichte ist. Anstelle harmonischen Miteinanders dient es hier für alle Figuren als persönlicher Konfliktpunkt, welcher immer wieder die Frage aufkommen lässt, wie glücklich man eigentlich gerade mit sich selbst ist und was einem Werte wie Gemeinschaft, Freundschaft und Familie bedeuten. Zum Schluss endet "4 Könige" keineswegs glücklich für jeden und es gibt auch keine hoffnungsvollen Umarmungen oder liebevoll ausufernden Gesten. Ein schlichtes Lächeln eines jungen Mädchens, das tief in sich womöglich wieder Hoffnung geschöpft hat, reicht hier völlig aus.

7 von 10 ungewöhnliche Weihnachtsgeschenke

von Pat

Review: SILENT NIGHT - LEISE RIESELT DAS BLUT - Statt Rute gibts die Axt

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Fakten:
Silent Night – Leise rieselt das Blut (Silent Night)
CDN, USA, 2012. Regie: Steven C. Miller. Buch: Jayson Rothwell. Mit: Jaime King, Malcolm McDowell, Donal Logue, Rick Skene, Ellen Wong, Brendan Fehr, Andrew Cecon, Courtney-Jane White, Erik Berg, Tom Anniko, Mike O’Brien, Curtis Moore, John B. Lowe u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren (cut), uncut keine Freigabe. Ab dem 5.12.2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Weihnachten steht vor der Tür, doch für die Polizei des kleinen Städtchens Cryer werden die Festtage alles andere als besinnlich. Ein wahnsinniger Killer im Weihnachtsmannkostüm schlachtet äußerst brutal die Bewohner dahin. Ungünstig für die Ermittlungen: Anlässlich der jährlichen Parade befinden sich gerade 500 verkleidete Weihnachtsmänner in der Stadt. Die Nadel im Heuhaufen muss schnell gefunden werden, denn Santa legt ein ziemliches Tempo vor und ist mit Milch und Keksen nicht zu besänftigen. 





Meinung:
Remakes populärer und beliebter Filme sind selten eine gute Idee. Zu groß ist die Gefahr, daran zwangsläufig scheitern zu müssen. Die Neuauflage weniger bekannter Schinken ist da schon sinnvoller, dachten sich wohl auch die Verantwortlichen hinter „Silent Night“, der bereits 2012 abgedreht wurde und bei uns einen Tag vor Nikolaus im Handel erscheinen wird. Als (lose) Vorlage dient der B-Film „Stille Nacht, Horror Nacht“ („Silent Night, Deadly Night“) aus dem Jahr 1984, der trotz zwei Sequels wohl wirklich nur eingefleischten Genrefans ein Begriff sein wird.


Lieber, guter Weihnachtsmann, schau mich nicht so böse an...
Was damals ein schlichter, ziemlich trashiger Fun-Slasher war, wird heute selbstverständlich zum grimmigen Schlachtfest aufgemotzt. Dadurch kann der Film schon mal nicht den einzigen echten, dafür entscheidenden Vorzug des Originals für sich beanspruchen: Einfach Spaß machen. Durch seine Schlichtheit, seine Unbeschwertheit, oder um es ganz unverblümt zu sagen: Seine leichte Blödheit. Damit will „Silent Night“ nichts am Hut haben. An sich okay, wenn er denn als packend-spannender Terrorfilm funktionieren würde. Aber der Reihe nach, denn eines muss man dem Streifen von Steven C. Miller („Aggression Scale – Der Killer in dir“) schon zugutehalten: Er ist keine pure Kopie des Originals. Ganz im Gegenteil, lange kann man sich gar nicht sicher sein, ob die Filme überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Bis auf den Titel und einen wütenden Weihnachtsmann gibt es erst gar keine Parallelen. Insgesamt werden nur zwei Szenen direkt übernommen (der warnende Opa und eine unverkennbare Mordsequenz), der Rest bestreitet einen ganz anderen Weg. Im Original war der Killer gleichzeitig der Protagonist, man erlebte ihm auf seinem Werdegang vom Opfer hin zum Schlächter. Das Remake folgt dem Whodunit-Prinzip. Ein Irrer geht um und die Cops jagen ihn. Somit ist „Silent Night“ zumindest von Ansatz auch für Kenner des Originals noch interessant, eigentlich ein ganz anderer Film. Nur halt kein guter.


"Ich wünsche mir dieses Jahr was praktisches, für den Garten..."
Das Werk will als düster und brachial wahrgenommen werden und untermauert das mit ultra-brutalen Gore-Szenen, bei denen den FSK-Prüfern wohl der Hagebuttentee aus der Nase gelaufen ist. Nicht so unverständlich, in dem Bereich kennt man hier gar nichts. Immer feste druff, wer abblendet ist eine Pussy. Kopfkino ist nicht die Intention von „Silent Night“, der will alles zeigen. Gorehounds bekommen die volle Packung. Vom Pickel in die Klöten, dem Häcksler für nackte Koks-Trullas und zu Pampe verarbeiteten Köpfen ist alles dabei und in voller Pracht zu bestaunen. Dementsprechend schaffte nur eine gekürzte Fassung die 18er-Freigabe, die ungeschnittene SPIO-Version wird über kurz oder lang mit Sicherheit beschlagnahmt werden. Sogar auf das ungeschriebene Gesetz des Welpenschutz wird gepflegt geschissen, das traut sich nicht jeder. Also, wer rein auf Exzess aus ist, schnell kaufen, wird nicht billiger. Mehr als das wird nämlich nicht geboten. Auf Spannungsmomente wird gepfiffen, lieber hangelt man sich von einer Bluttat zur nächsten. Dazwischen werden potenzielle Verdächtige gestreut, die zur absoluten Überraschung auch nur aufgeschobene Opfer sind, ohne dass diese Info jetzt als Spoiler zu bezeichnen ist. Wer daran ernsthaft Zweifel hegt, muss gerade erst vom Baum gefallen sein. Zusätzlich nervig sind die bescheuerten Oneliner, von denen besonders Malcolm MacDowell in der Rolle des Dorfsheriffs nicht verschont bleibt. Genau einer davon ist sogar ganz lustig („Big mistake. Bringing a flamethrower to a gunfight.“), sonst hat der beim Drehbuchlesen wohl auch nur peinlich berührt auf den Gehaltsscheck geschielt. Getoppt wird er nur noch von diesem affigen Priester, selten so eine überzeichnete Figur in letzter Zeit gesehen.


Von den üblichen Merkwürdigkeiten im Genre muss gar nicht erst angefangen werden, die sind auch bei guten Vertretern nicht ausgeschlossen und kein Hauptkriterium. Wenn sie denn durch Qualitäten egalisiert werden. Die muss man hier mit der Lupe suchen. Handwerklich ist der Film ganz in Ordnung und ist durch seinen ruppigen Härtegrat zumindest keine Schlaftablette, irgendwer wird immer zu Kleinholz verarbeitet. In der geschnittenen Fassung dürfte der Film gar nicht mal anschaubar sein. Als reiner Hackepeter nicht von schlechten Eltern, sonst keine Erwähnung wert.

4 von 10 Zuckerstangen für brave Kinder


Review: BAD SANTA - Weihnachten abseits des normalen Komödien-Schmu

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Fakten:
Bad Santa
USA. 2003. Regie: Terry Zwigoff. Buch: John Requa, Glenn Ficarra. Mit: Billy Bob Thornton, Tony Cox, Bernie Mac, Lauren Graham, John Ritter, Brett Kelly, Cloris Leachman, Ethan Phillips, Lauren Tom u.a. Länge: 91 Minuten (Kinofassung), 96 Minuten (erweiterte Fassung). FSK: freigegeben ab 12 Jahren (Kinofassung), bzw. freigegeben ab 16 Jahren (erweiterte Fassung). Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Willie ist ein Säufer und ein skrupelloser Betrüger. Zusammen mit seinem kleinwüchsigen Kumpanen Marcus raubt er jedes Jahr zu Weihnachten die Shoppingzentren aus. Der Clou daran: Willie und Marcus arbeiten bei ihren Opfern als Weihnachtsmann und Wichtel, manipulieren heimlich die Alarmanlage und schlagen dann nachts zu. Der Erfolg gibt dem Duo Recht, doch ein Kaufhausdetektiv mit gutem Spürsinn sowie ein dicker, kleiner Junge bringen Willie und Marcus in Gefahr.





Meinung:
Wenn man einen Film etwa 10-mal gesehen hat und auch dann aus dem Lachen nicht herauskommt, dann sollte man dem Film endlich einen Kommentar gönnen. Ja, der Titel „Bad Santa“ stößt ab, ja, das Cover erinnert an eine fürchterliche 08/15-Komödie von der Stange. Ignorieren wir all' das erst einmal und konzentrieren uns auf den großartigen Billy Bob Thornton, der hier den titelgebenden „Bad Santa“ verkörpert. Und danach merken wir vielleicht sogar, dass Terry Zwigoff auf dem Regiestuhl Platz nahm, der sich einst für den großartigen Teenie-Film „Ghost World“ verantwortlich zeichnete. Nun sind wir an dem Punkt angelangt, an dem ich mich für meine große Sympathie für „Bad Santa“ nicht mehr schämen brauche. Die Beweisführung ist klar und deutlich, ich darf weiterhin denken ich gehöre zum Bildungsbürgertum. Und der Glaube, sei es an das Bildungsbürgertum oder an den Weihnachtsmann, versiegt ja bekanntlich zuletzt.


Auch ein Bad Santa muss einmal ausspannen
Willie ist Säufer, Übergrößen-Fetischist, starker Raucher, Misanthrop, Ladendieb und Supermarkt-Weihnachtsmann. Viele Fähigkeiten, die es gilt jedes Jahr aufs Neue zu vereinen. Wenn Willie also sein ganzes Geld wieder für Alkohol und Nutten verprasst hat, dann geht’s wieder ab in den weihnachtlichen Trubel. Zwei Wochen den Weihnachtsmann mimen und dann den Ladensafe knacken, sein kleinwüchsiger Kumpel Marcus (Tony Cox) darf als „Santas Little Helper“ seine Körpergröße nutzen und die Alarmanlage nach Ladenschuss ausschalten. Willie bekommt die Hälfte des Geldes, Marcus die andere Hälfte und diverse Fashion-Artikel für seine Frau. So sieht das Prinzip jedenfalls seit Jahren aus. Wie das bei Komödien aber so ist, wird dieses Jahr so einiges anders laufen, denn Willie lernt ein treudoofes, übergewichtiges Kind kennen und besetzt kurzerhand dessen Wohnung. Billy Bob Thornton spielt den versifften Weihnachtsmann mit mehr Liebe als man bei solch einer Rolle erwarten würde. Er pisst sich voll, kotzt was das Zeug hält und legt sich mit Pappmaché Rentieren an. Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. So „down and dirty“ war Santa noch nie und wird es vermutlich auch nie wieder sein. Er blafft Kinder und deren Eltern an, säuft sich vor seinem Einsatz als Nikolaus halb komatös und findet irgendwo in einem entlegenen Winkel seines tiefschwarzen Herzens einen Funken Sympathie für ein dümmliches Kind, welches seinen Glauben an den Weihnachtsmann einfach nicht verlieren will.


„Bad Santa“ erzählt eine ungewöhnliche Geschichte abseits des normalen Komödien-Schmu und verwebt schwarzen Humor mit einer niedlichen „Weihnachten-ist-trotzdem-toll“-Attitüde. Wer also seinen Heiligen Abend mit Rosa Stoff-Elefanten, Schrotflinten, Flachmännern und dementen Großmüttern verbringen will, der sollte sich erst einmal ein paar Brote machen und sich dann mit einer Flasche Whiskey vor den Fernseher knallen. Willie wäre jedenfalls stolz! Meine Sympathie gehört nun schon seit Jahren dem besoffenen Santa mit dem weichen Herz und Billy Bon Thornton ist sowieso über jeden Zweifel erhaben.

„This is Christmas and the kid's getting his fucking present!“


8 von 10 unaufmerksamen Großmüttern


von Roldur

Review: EXPLOSION DES SCHWEIGENS - Verkanntes Meisterwerk

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Fakten:
Explosion des Schweigens (Blast of Silence)
USA, 1961. Regie: Allen Baron. Buch: Allen Baron, Waldo Salt. Mit: Allen Baron, Molly McCarthy, Larry Tucker, Peter Clune, Danny Meehan, Howard Mann, Charles Creasap, Bill DePrato, Milda Memenas u.a. Länge: 82 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Auftragskiller Franky Bono kommt in das weihnachtliche New York, um den Syndikats-Boss Trojano zu erledigen. Wie immer bereitet sich der eiskalte Einzelgänger besonnen und akribisch vor. Während er auf eine Waffe für den Auftrag wartet, trifft er zufällig auf einen alten Freund aus der Zeit im Waisenhaus, der ihn zu einer Party einlädt. Dort begegnet er Lori, seiner Jugendliebe. Der einsame Frank beginnt unverhofft menschliche Gefühle zu entwickeln. Etwas, was er bei seiner nicht gerade humanen und äußerst rationalen Arbeit gar nicht gebrauchen kann. Seine Konzentration leidet und ein explosiver Ausbruch aus seiner sonst vorherrschenden Souveränität macht ihn bald selbst zur Zielscheibe.




Meinung:
„Seltsam, welche Tageszeit es auch sein mag, man kommt immer im Dunkeln nach Manhattan.“


"Blast of Silence, ein Flop. What?"
Was hätte aus Allen Baron werden können, wenn sein kleines Meisterwerk „Blast of Silence“ seinerzeit nicht so unterschätzt und verkannt worden wäre? Kritiker und Publikum zeigten seinem Werk einst die kalte Schulter, was seinen zweiten Kinofilm bereits zu seinem letzten machen sollte. Fortan verdiente der Mann sein Geld als Regisseur von TV-Episoden (u.a. „The Brady Bunch“, „Charlie’s Angels“, „Love Boat“, was ein bitteres Ende!), was angesichts dieser B-Movie-Perle wie blanker Hohn erscheint. Sein – so muss man es leider nennen – „Vermächtnis“ ist vielleicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt erschienen. 1961 war der Höhepunkt des Film Noir schon überschritten, die Blütezeit des europäischen Gangsterfilms – geprägt durch Männer wie Henri Verneuil und Jean-Pierre Melville – noch nicht erreicht, stilistisch reiht sich „Blast of Silence“ exakt dazwischen ein und muss sich hinter niemanden verstecken.


„Aus dem Dunkel kamst du, aus dem Nichts. Unter Schmerzen wurdest du geboren. …Mit Hass und Wut in dir…“


Da mag man jeden Kritiker dieser Zeit erwürgen.
Baron selbst spielt Auftragskiller Frank Bono, eine geschundene Seele, dessen gesamter tragischer Lebenslauf uns gekonnt und in Windeseile nahe gebracht wird, praktisch beginnend mit seiner Geburt. Allein die Eröffnungsszene ist auf seine Art so einfach wie genial. Ein Zug fährt auf das Ende eines Tunnels zu, gleichzeitig hören wir aus dem Off einen von Bono gesprochenen „Audiokommentar“ seines Eintritts in eine Welt, die ihn nicht gerade mit offenen Armen endfangen hat. Das (visuell clever eingefangene) Wunder der Geburt, in Franks speziellen Fall eher eine Bürde. Ein ungeliebter Bastard, dessen Herz zu Stein erstarrt ist, seine Existenz folgerichtig mit dem Auslöschen anderer finanziert. Leben heißt nur überleben, nicht erleben, funktionieren, eine durch Tristes und kühle Präzision geölte Maschine, die ausgerechnet zur „schönsten Zeit des Jahres“ - Weihnachten -  einen Job zu erledigen hat, der nicht wie jeder andere sein wird. Es wird sein letzter sein. So oder so.


„Später lernst du deine Schreie zu unterdrücken, deinen Hass und deine Wut auf andere Art abzureagieren“.


Frank versteht einfach keinen Spaß.
Denn nun folgt das Weihnachtwunder der schwarzen Serie: Ein Monster lernt, was es heißt Mensch zu sein, tauscht perfekten Instinkt und durchdachte Überlegung gegen Emotionen, stellt sich seinen inneren Dämonen und darf am Ende trotzdem nicht die Geschenke auspacken. Es ist mehr als erstaunlich, wie Allen Baron in nur knapp 80 Minuten so eine intensive, kluge Charakterstudie entwickeln kann, ohne dass es nur eine Spur zu überdreht wirkt. Das ist nicht die alberne Saulus zum Paulus Story, sein düsterer Antiheld bekommt nur minimale Kratzer in seinem stahlharten Lack und letztlich bleibt es ungeklärt, ob sie ihm die Grube graben oder nur die letzten Zuckungen eines Menschen sind, der von Anfang an sich niemals wohl auf diesem fremden Planeten gefühlt hat, der ihn niemals haben wollte. Baron bleibt in seiner Charakterzeichnung stets glaubwürdig, nachvollziehbar und verliert sich niemals in der leichten Falle, groben und für den Flair des Films sogar vernichtenden Unsinn aufzutischen. Den gesamten menschlichen Subtext könnte man sogar komplett ausblenden, trotzdem wäre „Blast of Silence“ noch mehr als bemerkenswert.


Das Glücksbärchi hat seinen Zweck kaum erfüllt.
Schon handwerklich und atmosphärisch ist das erste Sahne. Auf den Punkt inszeniert, ohne streckenden Firlefanz, mit einem ausdrucksstarken Hauptdarsteller (nochmal: ALLEN BARON!), einem genialen, pessimistisch-treibenden Jazz-Score unterlegt, mit wundervollen Bildern, Einstellungen und Beleuchtungsideen von Kameramann Merrill Brody veredelt, das ist großes, tiefschwarzes Kino aus einer Ära, die eigentlich beendet war. Kaum zu glauben, dass dieses Spätwerk so unterging. Sicherlich erkennt man die Zugehörigkeit zur B-Klasse, aber sie schadet nicht, im Gegenteil. Sie adelt die zu bestaunende Leistung, die schnörkellose Perfektion, die hier an den Tag gelegt wird. Das ist Herzblutkino, welches mit minimalen Mitteln im Konzert der Großen mitspielt und zwar spielend.


An der Stelle noch mal ein verfrühter Nachruf auf Allen Baron: Du hattest nie eine Chance, aber du hast sie versucht zu nutzen. Wie Frank Bono. Ihr habt sie genutzt, vielleicht merkt das mal wer.

8 von 10 schwarzen Weihnachtswundern.