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Review: DER KLEINE SOLDAT – Godard auf Abwegen!

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Fakten:
Der kleine Soldat (Le petit soldat)
Frankreich, 1963. Regie & Buch: Jean-Luc Godard. Mit: Michel Subor, Anna Karina, Henri-Jacques Huet, Paul Beauvais, Jean-Luc Godard u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich


Story:
Der französische Deserteur Bruno gerät während des Algerienkrieges zwischen die Fronten, als er in Genf ein Attentat auf einen arabischen Mittelmann ausführen soll. Gleichzeitig lernt er die schöne Veronika kennen, die verhängnisvolle Lage spitzt sich zu.




Meinung:
Obwohl man Jean-Luc Godard als führenden Vertreter der Nouvelle Vague ohne Zweifel zu den wichtigsten französischen Regisseuren zählen muss, wurden seine Filme durchaus zwiespältig aufgenommen. Durch seinen eigensinnigen Stil polarisiert der Franzose wie kein anderer seiner Kollegen und spaltet noch heute die Gemüter vieler Zuschauer. Dabei mangelt es ihm weniger an technischer Fertigkeit, sondern viel mehr an den richtigen Inhalten. Oftmals, so scheint es, fehlt ihm schlichtweg die Substanz. So auch in „Der kleine Soldat“, an dem zwar viel künstlich, aber nur wenig künstlerisch ist.


Ruhepausen im Agentenalltag
Wenn man sich die Prämisse von „Der kleine Soldat“ zu Augen führt, dann könnte man auf den ersten Blick durchaus meinen, dass es sich um einen rasanten Spionagethriller handelt. Wer das denkt, hat die Rechnung aber ohne Godard gemacht, denn wie schon sein erster Langfilm „Außer Atem“ ist auch „Der kleine Soldat“ vollgepackt mit ausschweifenden Stadtaufnahmen und philosophisch angehauchten Dialogen. Daran ist auch gar nichts auszusetzen, erst recht nicht wenn man die technische Perfektion betrachtet, mit der diese Szenen eingefangen wurden. Godard Stil ist zwar eigensinnig (manchmal wirkt es sogar so, als würde er seine technischen Fähigkeiten selbstverliebt zur Schau stellen), macht den Film jedoch zu einem optischen Leckerbissen. Wo wir gerade von optischen Leckerbissen sprechen, was wären denn die frühen Filme Godard ohne seine spätere Frau Anna Karina? Etwas verloren möchte man meinen, denn auch in diesem Film reißt sie jede Szene an sich. Ebenso wie der Protagonist, verliert sich auch der Zuschauer in ihren dunklen Augen, doch das reicht nicht aus um die inhaltliche Leere zu füllen.


Bald wird es kein Halten mehr geben
„Der kleine Soldat“ ist vollgepackt mit Anspielungen und Zitaten. Unablässig verweist Godard auf bekannte Größen aus Literatur, Film und Musik. Exzessiv erwähnt er die Namen von Künstlern, das reicht von Bach bis Carl Theodor Dreyer. Dass ihn das Zitieren von Kunst nicht automatisch selbst zu einem Künstler macht scheint er dabei aber nicht zu verstehen. Überhaupt scheint der Protagonist lediglich dazu zu dienen die Ansichten seines Regisseurs wiederzugeben. So schwafelt er über Politik und Kunst, über seine Überzeugungen und Ansichten. In redundanten Mono- und Dialogen zwingt er den Zuschauern seine Meinungen förmlich auf. Wirklich auseinandersetzen kann man sich damit nicht, denn durch seine selbstverliebt wirkende Art wird es schwierig einen Dialog mit dem Film einzugehen. Die eigentliche Handlung scheint dabei weit in den Hintergrund zu rücken, sie spielt nur eine untergeordnete Rolle, ist schlichtweg da. Das ist schade, denn an vielversprechenden Ansätzen mangelt es dem Film nicht.


In „Der kleine Soldat“ präsentiert sich Godard von seiner sperrigen Seite. Verkopft, geschwätzig, redundant und selbstverliebt. Der Film ist schön anzusehen, keine Frage, doch dem was der französische Regisseur inhaltlich präsentiert fehlt es einfach an Substanz. Was übrigbleibt ist ein halbgarer Film, der zwar hübsch anzusehen ist, unter dessen Oberfläche sich jedoch nicht viel verbirgt. Im Gedächtnis bleibt nur Godards berühmter Satz „Die Fotografie, das ist die Wahrheit. Kino, das ist die Wahrheit 24 Mal in der Sekunde“.


5 von 10 enttarnten Spionen


von Vitellone

Review: DIE DOLMETSCHERIN - Ein unglückliches Vermächtnis

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Fakten:
Die Dolmetscherin (The Interpreter)
USA, 2005. Regie: Sydney Pollack. Buch: Charles Randolph, Scott Frank, Steven Zaillian. Mit: Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener, Jesper Christensen, Yvan Attal, George Harris, Earl Cameron, Michale Wright u.a. Länge: 129 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Silvia Broome arbeitet als Übersetzerin für afrikanische Dialekte bei der UNO in New York. Zufällig belauscht sie nach Dienstschluss über die Mikrofone ihrer Kabine, dass der in wenigen Tagen dort vorsprechende, afrikanische Diktator Zuwanie ermordet werden soll. Sie gibt die Informationen weiter und wird unter den Schutz des Secret Service Agenten Keller gestellt. Dieser ist zunächst skeptisch, denn Silvia’s Vergangenheit lässt einige Fragen offen, in wie weit sie glaubwürdig ist oder sogar involviert in ein mögliches Attentat.


                
                                                             
Meinung:
Der letzte Kinofilm eines großen Mannes: In 40 Jahren als Kinoregisseur hat Sydney Pollack sogar verhältnismäßig wenige Filme gedreht, einige davon wie z.B. „Jeremiah Johnson“, „Die drei Tage des Condors“, „Tootsie“ oder „Jenseits von Afrika“ gelten als Klassiker der US-Kinogeschichte. 2008 verstarb Pollack im Alter von 73 Jahren, sein Abschlusswerk wird seinem Schaffen leider nicht gerecht.


Kommen sich näher, hier noch auf die harte Tour.
Dabei sind die Voraussetzungen für einen mitreißenden Suspense- wie Politthriller absolut gegeben. Aus vergleichbaren Ideen haben schon Alfred Hitchcock oder dessen Zögling im Geiste Brian De Palma (speziell dessen „Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren“ lässt deutlich grüßen) hervorragende Filme geschaffen. Gedreht wurde sogar an Originalschauplätzen (bei der UNO, das muss man erstmal schaffen), mit Nicole Kidman und Sean Penn zwei Weltstars in den Hauptrollen, was kann da überhaupt groß schief laufen? Bedauerlicherweise viel zu viel. Aus der kribbeligen Prämisse wird ein über weite Strecken sehr spröder und ermüdend redundanter Hochglanzthriller, der fraglos über fachliche Integrität verfügt, sich allerdings schnell darauf ausruht anstatt den Plot effektiv zu entwickeln und voranzutreiben. Eine gefühlte Ewigkeit tappen die Ermittler im Dunkeln, es wird beschattet und observiert, heraus kommt dabei wenig bis nichts und sonderlich interessant ist das erst recht nicht. Fast schon obskur ist das gerade bei der Sachlage, dass die einzige (mögliche) Zeugin einer (eventuellen) Verschwörung über eine sehr persönliche Vergangenheit mit dem potenziellen Opfer und dessen Machenschaften verfügt. Das wird zwar (schnell?) bemerkt und die richtigen Fragen gestellt, geantwortet wird in der Regel äußerst lückenhaft. Zweifel entstehen, trotzdem wird weiterhin unentschlossen Dienst nach Vorschrift geschoben, zwischen dem anfänglich nicht unbegründet misstrauischen Agent und der glasklar nicht mit offenen Karten spielenden Dolmetscherin bahnt sich langsam, aber unaufhaltsam wie überflüssig sogar eine gewisse Intimität an (innerhalb weniger Tage, an denen man echt besseres zu tun hat), das ist schon hart an der Grenze von Mittel zum Zweck und Unsinn.


Dienlich wäre diese Vorgehensweise doch nur dann, wenn es erstens glaubhaft wäre und zweitens der Zuschauer nicht schon bereits einen Wissensvorsprung besitzen würde, der nicht automatisch einige Variablen ausklammert. Bis zum Schluss sind noch Hintertürchen offen, nur nicht so sperrangelweit wie notwendig, um für die ganz großen Überraschungen zu sorgen. Die bleiben dementsprechend natürlich auch aus, was gar nicht mal so schlimm wäre, wenn „Die Dolmetscherin“ wenigstens nicht das dringende Bedürfnis hätte, alles doppelt und dreifach durchzukauen. Entweder es war vertraglich geregelt, das 120 Minuten Laufzeit nicht unterschritten werden dürfen oder man versucht so krampfhaft, die mangelnden Ideen vom gehaltvollen Start bis zum immerhin soliden Finale notdürftig mit angeblichen Spannungskurven zu übertünchen, die meistens so flach sind wie die Niederlande. Totsterbenslangweilig ist „Die Dolmetscherin“ niemals, nur selten richtig spannend (die Bus-Szene ist klar ein Highlight) und aufgrund seines Potenzials ein zu ausgedehnter Eiertanz, bei dem gerade ein Sean Penn knüppelhart unterfordert wirkt. Die Figuren bleiben einem trotz der bemühten Emotionalität ziemlich egal, da wurden die falschen Hebel in Bewegung gesetzt. Dieser Film müsste über eine knifflige, wendungsreiche und kompakte Story überzeugen. Ob sich Penn und Kidman am Ende viel lieber haben als vorher juckt letztlich niemanden und der gut gemeint Appell an mehr Menschlichkeit ist auch völlig wurscht, dafür ist das hier die falsche Bühne und verhallt damit ungehört in der Tiefe des Raums. 

4,5 von 10 Platzpatronen

Review: DER PROFI - Umtausch ausgeschlossen

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Fakten:
Der Profi (Le professionnel)
FR, 1981. Regie: Georges Lautner. Buch: Jacques Audiard, Michel Audiard, Georges Lautner, Patrick Alexander (Vorlage). Mit: Jean-Paul Belmondo, Jean Desailly, Cyrielle Clair, Marie-Christine Descouard, Elisabeth Margoni, Jean-Louis Richard, Michel Beaune, Bernard-Pierre Donnadieu u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Profikiller Joss wird von der französischen Regierung auf einen afrikanischen Diktator angesetzt und noch vor dem geplanten Attentat an ihn verkauft. Nach seiner Flucht aus dem Strafgefangenenlager kehrt er zurück in seine Heimat, pünktlich zum Besuch des nun geduldeten Herrschers. Er will seine Mission trotzdem in die Tat umsetzen, nicht mehr aus geschäftlichen, sondern emotionalen Gründen. Und lässt seine ehemaligen Kameraden bewusst daran teilhaben.


                                                                        



Meinung:
„Gestatten, Beaumont, Spionage und Schnauzenpolierer.“

Gestatten, Belmondo, Zuchthengst und Sprücheklopfer, der Bruce Willis des französischen Kinos, voll in seinem Element. Als von der heimischen Regierung angeheuerter Killer wird ihm übel ins Knie gefickt (um in dem Jargon des Films zu bleiben), als sich plötzlich während seiner scheinbar endlos langen Überfahrt nach Afrika die politischen Prioritäten ändern und ein Attentat auf einen Diktator nun wirtschaftlichen Interessen im Wege stehen. Als Bauernopfer verraten und verkauft, zwei Jahre im Warlord-Knast, gelingt ihm die Flucht und als Mann mit Prinzipien heißt das für ihn noch lange nicht, dass die Sache nun gegessen ist. Passt sich gut, dass ausgerechnet jetzt seine Exzellenz auf Staatsbesuch in Frankreich ist. Auch wenn alle seine ehemaligen Freunde, Vertrauten und Arbeitgeber nun auf Kuschelkurs mit dem Despoten sind, Gott vergibt, Bebel selten.


Don't mess with the Bebel...
Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht: Belmondo raucht in über 108 Minuten nicht eine Zigarette (!), knattert aber zumindest 2/3 der vorkommenden Frauen, die eine stand leider ungünstig im Schussfeld. Kultiges Star-Vehikel mit sehr schroffer, ungehobelter und unausgegorener Note, gar nicht mal der zu erwartende Action-Hobel, eher eine Mischung aus Agententhriller und Komödie, wobei eine klare Genrezugehörigkeit gar nicht zu erteilen ist. Beginnt hart, eindimensional und ruppig, wird dann eher zur launigen Ein-Mann-gegen-alle-Posse, begünstigt durch eine Menge Ironie und eine hervorragend-schmissige Synchro, die diverse Brüller parat hält. „Wenn der Neger weg, dann Geheimdienst weg.“ Also mit Neger wird - der Einfachheit halber - häufiger der afrikanische Diktator bezeichnet, warum auch nicht? Politisch höchst unkorrekt geht der Film eh durchgehend zur Sache, sexistisch ebenfalls hoch zehn, wenn, dann auch richtig. Als Actionfilm geht hier eindeutig zu wenig ab, als Thriller ist das nur bedingt spannend, der Film funktioniert eher über seine polterige Macho-Ulk-Schiene, dafür dann sehr effektiv. Belmondo präsentiert sich in seiner Lieblingsrolle als knallharter Stecher mit dem Masterplan in den Eiern, alle anderen hampeln hilflos um euer Gnaden herum, es kommt sogar zum (vorgezogenen) Western-Showdown, Mann gegen Mann, Leone-Close-Shot inklusive.


Der Film hat eigentlich die Auslegung eines rabiaten Rachereißers, verkauft sich dabei erstaunlich locker, da immer ein zündender Oneliner rausgekloppt wird. Runnig-Gags im Preis inbegriffen, wie der blonde Trottel, der vom Inspektor bis… radikal abgestuft wird. Belmondo tunkt sein Croissant dabei nicht nur in fremde Kaffee sondern gleich auch in alles, was nicht gerade erst mit dem Helikopter zum Bumsen eingeflogen wurde. Für den Neger. Himmel, der Film vergreift sich ethisch und moralisch mehrfach gnadenlos im Ton, ist streckenweise auch nicht der Knaller vorm Herrn, kommt ausgleichend mit so einer rotzig-flockigen Art daher, dem will, kann und muss man das nicht krumm nehmen. Wäre „Der Profi“ jetzt noch dynamischer, druckvoller, hätte mehr Highlights als die diversen Einzellacher und der einprägsame Score von Morricone nicht nur eine ewig wiederholte Dauerschleife, wohl eine rundum prollige Wunderwaffe. Kurzweilig, unterhaltsam ist der knackige Rüpel aus Frankreich ohne Frage, nicht mehr, nicht weniger. Moralische Aspekte mal total ausgeklammert. 

6,5 von 10 Nutten aus dem Helikopter

Review: THE INTERVIEW - Wenn Freundschaft eine Diktatur bezwingt

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Fakten:
The Interview.
USA. 2014. Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen.
Buch. Dan Sterling. Mit: Seth Rogen, James Franco, Lizzy Caplan, Randall Park, Diana Bang, Timothy Simons, Reese Alexander, Anders Holm, Eminem, Rob Lowe, Seth Meyers, Joseph Gordon-Levitt, Ben Schwartz, Bill Maher, Charles Rahi Chun u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Talkshow-moderator Dave und sein Produzent Aaron staunen nicht schlecht, als ihre Interviewanfrage an den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un eine Zusage erhält. Eine tolle Chance, um die Quoten in die Höhe zu steigern, aber auch eine Chance für den amerikanischen Geheimdienst, den Diktatur auszuschalten, weswegen sich der CIA mit einem Mordauftrag nach Aaron und Dave wenden.





Meinung:
Nachdem Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs auf ihre Datenbank wurde, der an die Forderung gekoppelt war, „The Interview“ einem Release zu entsagen, da sich dieser Film wie eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“ deuten lassen würde, lenkte der in Kalifornien ansässige Großkonzern ein und strich die geplanten Kinoauswertung, zu massiv war die Angst vor den möglichen Konsequenzen. Die Filmwelt stand Kopf, reichhaltige Meldungen um Kunstzensur und Feigheit mäanderten durch den medialen Raum und niemand wusste so recht, wohin das ganze Hin und Her überhaupt steuern soll. Barack Obama bezog Stellung, Nordkorea stritt jedwede Vorwürfe beharrlich ab und die Stars des Films, Seth Rogen („Beim ersten Mal“) und James Franco („Child of God“), strichen ihre Promotiontour vorerst aus dem Terminkalender. Bahnt sich dort etwa eine Reihe an Cyber-Kriegen an, deren erstes Gefecht die Vereinigten Staaten mit eingezogenem Haupt verloren haben, oder handelt es sich letztlich nur um eine gewiefte PR-Strategie?


Dave ist der Star der Show
Inzwischen jedenfalls wird schon wieder darüber diskutiert, ob „The Interview“ nicht doch ganz regulär in den Lichtspielhäusern laufen soll, einige Kinobetreiber erklärten sich unlängst bereit, diesen Schritt zu wagen und seit dieser Woche hat sich Sony ebenfalls dazu entschieden, den Film als Stream im Internet zu publizieren. Die viel wichtigere Frage muss an dieser Stelle allerdings nicht lauten, wie viel Wahrheitsgehalt nun in jeder einzelnen Nachricht zu verbuchen ist, sondern, ob all die Furore überhaupt gerechtfertigt waren? Ist „The Interview“ die provokative „Kriegshandlung“, zu der sie vom nordkoreanischen UN-Botschafter Ja Song Nam stilisiert wurde? Die Antwort ist simpel: Nein, nicht wirklich. Wer sich bereits mit dem Output von Seth Rogen, der hier zusammen mit Evan Goldberg den Regieposten verwaltete, vertraut gemacht hat, der darf sich mit „The Interview“ auf eine ganz ähnliche Comedy-Kost gefasst machen, nur mit dem Unterschied, dass ein politisches Anliegen im Hintergrund kursiert, welches man aber doch bitte nicht zu ernst auffassen sollte.


Kim Jong-un, der Cool Guy
Gut, das lässt sich als Außenstehender leicht sagen, wenn man sich aber in der Haut eines ideologisch komplett verstrahlten Diktators befindet, kann man sich durch „The Interview“ schon etwas auf den Schlips getreten fühlen. Kim Jong-un (gespielt von Randall Park) nämlich ist hier nichts weniger als ein von Vaterkomplexen heimgesuchter Dreißiger, der sich in seinem Leben wohl etwas zu oft allein fühlen musste. Das würde beinahe eine tragische Tiefe mit sich führen, wäre das Drehbuch von Dan Sterling nicht so hartnäckig darauf bedacht, Kim Jong-un zur Witzfigur herabzusetzen und die gesamte Staatsanlage wie ihre Gepflogenheiten (Oberflächenmanipulation ist hier das A und O) von Nordkorea nach Strich und Faden zu karikieren. In die Höhle des Löwen - oder Welpen? Passenderweise überreicht Kim Jong-un einen solchen an seine amerikanischen Gäste - werden Dave Skylark (James Franco), Moderator eines Klatschmagazin, welches in der ersten Szene direkt mal durch die Decke geht, als Eminem sein staubtrockenes Coming Out hinlegt, und sein Produzent Aaron Rapaport (Seth Rogen) geschickt.


Dave und Aaron beim Uhrenvergleich
Was erst aus dem Gefühl verletzter Ehre keimte, ist das Skylark-Magazin doch weniger für seinen seriösen Journalismus als für triefenden Gossip bekannt, wird später durch das Eintreffen der CIA-Geheimagentin Lacey (Lizzy Caplan) zur Staatsangelegenheit im Top-Secret-Modus: Kim Jong-un nämlich soll liquidiert werden, um der globalen Stabilität wieder ordentlich auf die Beine zu helfen. Dass sich „The Interview“ eine Fülle an popkulturellen Referenzen nicht verkneifen kann, war von vornherein klar, haben sich Filme wie „Ananas Express“, „Beim ersten Mal“ und vor allem „Das ist das Ende“ doch ebenfalls mit ihren referenziellen Querschlägern gebrüstet. Seinen Humor zieht „The Interview“ aber eindeutig aus dem wie immer wunderbar harmonierenden Gespann um Seth Rogen und James Franco, deren innige Real-Life-Freundschaft sich auch schon lange auf der Leinwand bezahlt macht. Während Seth Rogen sich in seinem Spiel etwas zurückhält, zwar auch die ein oder andere Plattitüde auf seine Rechnung nimmt, ist es Workaholic James Franco, der wie entfesselt Gas gibt und die irrsten Schnuten zieht.


In „The Interview“ floriert mehr der Schwach-, denn der Scharfsinn. Wer eine fundiert-geistreiche Satire erwartet, die dem Personenkult des Diktators in geschliffenen Dialogsequenzen auf die Pelle rückt, der wird sich ob der zuweilen präferierten Grobschlächtigkeit im Humorverständnis verschreckt abwenden. Es gehört schon Mut dazu, einen Film wie „The Interview“ in dieser respektlos-beschwingten Art aufzuziehen, die große Kontroverse aber hat sich der Film nun nicht verdient. Maximal als Brachialsatire, eher aber als temporeiche Komödie zu deklarieren, macht „The Interview“ einfach Spaß, so wie es wohl auch von Anfang an geplant war. Natürlich lässt er sich nicht aus seinem politischen Kontext lösen, stichhaltige Gegenstöße gegen jenes totalitäres Regime sucht man indes vergebens. Seth Rogen und James Franco haben sich eine „brisante“ Plattform für ihren Ulk geschaffen und nutzen Nordkorea als Gegenstand purer Albernheiten. Ernsthaft angegriffen dürfte sich angesichts der eindeutigen Over-the-Top-Marschroute des Drehbuches niemand fühlen, höchstens etwas gefoppt. Als Verfechter von Seth Rogen und James Franco wird man aber in jedem Fall zwei unterhaltsame Stunden erleben.


6,5
von 10 abgebissenen Fingern


von souli

Review: DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE - Des Meisters erster Streich

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Fakten:
Der Mann, der zuviel wusste (The Man Who Knew Too Much)
GB, 1934. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: Charles Bennett, D.B. Wyndham-Lewis. Mit: Leslie Banks, Edna Best, Peter Lorre, Frank Vosper, Hugh Wakefield, Nova Pilbeam, Pierre Fresnay u.a. Länge: 75 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die englische Familie Lawrence lernt im Urlaub in St. Moritz den charmanten Louis kennen. Als Mutter Jill mit ihm am Abend im Hotel das Tanzbein schwingt, wird er durch das Fenster hindurch erschossen. Mit seinen letzten Atemzügen bittet er sie darum, eine wichtige Notiz aus seinem Zimmer sicherzustellen. Gatte Bob findet dort auch eine Nachricht, die augenscheinlich Informationen über ein geplantes Attentat enthält. Kurz darauf entführen Unbekannte ihre Tochter und zwingen das Paar, Stillschweigen zu bewahren. Wieder in England forscht Bob selbst nach und kommt einer Verschwörung auf die Spur.





Meinung:
„Der Mann, der zuviel wusste“ war 1934 für Alfred Hitchcock der große, internationale Durchbruch. Nicht nur in England, sondern auch in den USA lief der Film äußerst erfolgreich und machte seinen Regisseur endgültig berühmt. Trotzdem war Hitch selbst mit dem Film nie so recht zufrieden. 1956 drehte er wohl auch deshalb das allgemein deutlich bekanntere US-Remake mit James Stewart und Doris Day. Hitchcock bezeichnete sein Original später als die Arbeit eines talentierten Amateurs, das Remake als die Arbeit eines Profis. Sehr selbstkritisch, ein Amateur war er damals schon lange nicht mehr. Wobei sich ganz nüchtern attestieren lässt, dass dieser Film hier schon deutlich ungeschliffener wirkt, tatsächlich wie eine Art Rohfassung, nicht nur den zeitlichen und technischen Möglichkeiten geschuldet.


Mit Termin kommt man auch gleich dran.
Das Grundgerüst des Plots blieb unverändert, dafür wurden im Remake etliche Details ergänzt oder runderneuert. Der Ausgangsort der Handlung war hier noch das winterliche St. Moritz, später wurde er unter die glühende Sonne Marokkos verlegt. In seiner zweiten Version erzählte Hitchcock seine Geschichte wesentlich ausführlicher, während hier vieles – speziell zu Beginn – enorm hastig, gehetzt, mitunter sogar sprunghaft wirkt. In straffe 75 Minuten mussten nun mal alles verpackt werden, da blieb das wohl kaum aus. Dementsprechend hoch ist das Tempo, wenngleich dies an diversen Stellen nicht unbedingt als positiv anzurechnen ist, aufgrund der Ruck-Zuck-Dramaturgie. Rein technisches ist das Ganze selbstverständlich auch noch nicht auf dem hohen Niveau, für das Hitchcock später bekannt wurde, obwohl seine  brillanten Ansätze auch hier jederzeit ersichtlich sind. Eine Fingerübung, deren Methoden er nur wenige Jahre später schon erstklassig beherrschte. Unverkennbar wird dies in Schlüsselmomenten, wie dem (beinah)Finale in der Royal Albert Hall, welches knapp zwanzig Jahre später natürlich um einiges imposanter und aufwändiger wiederbelebt wurde. In Sachen Grundspannung und besonders dem typischen Verve ist „Der Mann, der zuviel wußte“ bereits ein Hitchcock, wie es ihn später noch mehrfach zu sehen und lieben gab.


Der Mann, der zuviel qualmte.
Besonders der wunderbare, dezent eingestreute Humor funktioniert prächtig. Eigentlich bedauerlich, dass die lange Vita des Meisters kaum Komödien aufzuweisen hat. Mitunter ist der Film hier (bewusst) witziger, als so manch reine Ulknummer. Wenn sich z.B. aus einem geheimen Treffen der Verschwörer plötzlich ein wildes Stuhlgefecht entwickelt und zum Übertönen heiter die Orgel gespielt wird, ist das einfach saukomisch und nimmt dem Film dabei keinesfalls seine Stimmung. Und dann wäre da ja noch dieser fantastische Peter Lorre. Als kettenrauchender, zwielichtiger Schurke mal wieder ein echter Hingucker. Bemerkenswert vor allem, da Lorre zu dem Zeitpunkt noch gar kein Englisch sprach. Er musste den Text auswendig lernen, was man überhaupt nicht merkt. Bis auf den putzigen Akzent und die etwas harte Aussprache wirkt das nicht wie von jemanden, der die Sprache nicht beherrscht, selbst bei Betonung und Rhythmus. In Anbetracht der Umstände eine beeindruckende Leistung, wie eigentlich immer bei Lorre.


Trotz alle dem lässt sich kaum leugnen, dass hier nicht alles ganz rund läuft. Neben der bereits angesprochenen Holprigkeit in der Narration will auch das erstaunlich schießwütige Ende nicht so recht ins Bild passen. Insgesamt erscheint der Film in der Tat etwas grobschlächtig zusammengebastelt, was nicht nur auf sein Alter geschoben werden kann. Hitchcock präsentierte sich bereits ein Jahr später mit „Die 39 Stufen“ wesentlich reifer und abgebrühter. Unübersehbar hat nicht nur der Zahn der Zeit schon heftig an „Der Mann, der zuviel wusste“ genagt – deutlich mehr, als an einigen anderen Filmen dieser Zeit – er war sicher auch damals noch weit von perfekt entfernt. Zudem gibt es ja nun mal die „überarbeitete“ Version, die heute selbst schon als Klassiker gilt. Für Hitchcock-Fans dennoch ein Must-See, allein um sich den Werdegang dieses Ausnahmekünstlers zu verdeutlichen. Ein Film mit Fehlern, aber ein Hitchcock durch und durch. Und dann ist doch (fast) alles schön.

6 von 10 Zahnarztbesuchen

Trailerpark: Jack Bauer in England - Erster richtiger Trailer zu 24:LIVE ANOTHER DAY

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Hier der erste vollwertige Trailer zum „24“-Nachklapp “Live another Day“. Am 5. Mai startet die 12teilige Serie in den USA und Jack Bauer-Fans scharen nicht erst seit gestern mit den Hufen, um endlich ihren Helden wiedersehen zu können. Diesmal operiert Jack Bauer in London und zwar auf eigene Faust und versucht ein Attentat auf den US-Präsidenten zu vereiteln. Er tut also das, was er schon immer getan hat. Wir sind gespannt wie „24: Live another Day“ beim Publikum ankommt und ob die Masche des landestreuen Helden heute, in den Zeiten von „Breaking Bad“ und „Homeland“ noch funktioniert und angenommen wird.