Posts mit dem Label Colin Farrell werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Colin Farrell werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: DIE VORSEHUNG - Serienmorde, übersinnlich Begabte und überforderte Ermittler

Keine Kommentare:

Fakten:
Die Vorsehung (Solace)
US. 2015. Regie: Afonso Poyart. Buch: Sean Bailey, Ted Griffin. Mit: Anthony Hopkins, Jeffrey Dean Morgan, Abbie Cornish, Colin Farrell, Marley Shelton, Janine Turner u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das FBI jagt einen Serienkiller, der stets nach dem gleichen Schema mordet. Unterstützung holt sich FBI-Agent Joe Merriweather schließlich bei John Clancy. Der ist übersinnlich begabt und hat die Fähigkeit, in die Vergangenheit und Zukunft von Menschen zu blicken. Der Fall wird allerdings bald verzwickter als anfangs gedacht, denn der gesuchte Serienkiller verfügt über genau die gleichen Fähigkeiten, welche womöglich noch stärker ausgeprägt sind als bei Clancy.






Meinung:
Der brasilianische Regisseur Afonso Poyart war im Filmgeschäft bislang eher ein unbeschriebenes Blatt. Sein Debüt "2 Coelhos", ein ausgeflippter Actionfilm mit komplett unbekanntem Cast, hatten die wenigsten auf dem Schirm und so überrascht sein zweiter Film dann durchaus. Für "Die Vorsehung" konnte Poyart mit Anthony Hopkins, Colin Farrell, Jeffrey Dean Morgan und Abbie Cornish einige durchaus namhafte Darsteller gewinnen.


Colin Farrell an einem nicht so gut gelaunten Tag
Das Drehbuch von Sean Bailey und Ted Griffin, welches viele Jahre unverfilmt blieb, wurde nun von Poyart inszeniert. Die Geschichte, in der das FBI einen Serienkiller jagt, der nach dem immer gleichen Schema mordet und anscheinend einen höheren Zweck in seinen skrupellosen Taten sieht, klingt nicht nur allzu bekannt, sondern wird bedauerlicherweise kaum um nennenswerte Faktoren bereichert, um sich von dutzendfach gesehenen Vertretern aus dem Thriller-Genre abzuheben. Das Potential hierfür ist durchaus gegeben, denn der Krimi-Plot wird durch zwei übersinnlich begabte Menschen erweitert, welche eine Art mediale Fähigkeit besitzen, durch die sie Hintergründe von Menschen aus der Vergangenheit sofort erkennen können, aber auch Ereignisse aus der Zukunft voraussehen. Das pikante dabei: Einer von beiden, gespielt von Anthony Hopkins, steht den Ermittlern des FBI als Berater zur Seite, der andere, verkörpert durch Colin Farrell, ist der gesuchte Serienkiller. Eine überaus interessante Konstellation also, mit genügend Gelegenheiten, um die Haupthandlung mit überraschenden, verspielten Impulsen zu versehen, doch "Die Vorsehung" zerfällt nach dem ersten Drittel inhaltlich in unausgegorene und zähe, nicht sauber erdachte Einzelteile.


Hände hoch oder Opi macht Dampf
Über weite Strecken folgt die Dramaturgie der üblichen Struktur eines Krimi-Thrillers, bei dem Tatorte besichtigt, Zeugen befragt, Spuren rekonstruiert sowie eifrig Rückschlüsse gezogen werden. Das eigentliche Duell, überhaupt die allererste Begegnung zwischen Medium und Medium findet viel zu spät statt und allgemein ist der Umgang mit den Figuren mitunter haarsträubend. Da werden zentrale Hauptfiguren, denen zunächst immerhin ansatzweise Charakterzeichnung zugestanden wird, irgendwann auf einmal komplett unter den Teppich gekehrt und lieblos mit konstruiert wirkenden Wendungen abgespeist. Es ist nicht so, dass man den Schauspielern nicht gerne zusieht, doch es wirkt oftmals, als würden sie machtlos gegen ein Drehbuch anspielen, das sie zu häufig unterfordert. Auch bei der Regie wechseln sich Licht und Schatten unentwegt ab. Die Szenen, in denen die Fähigkeiten der medial Begabten einsetzen, werden von Poyart in clipartig montierten Passagen inszeniert, die dem Werk zusammen mit dem düsteren Grundton und einigen brutalen Einlagen merklich Atmosphäre verleihen. In anderen Szenen wirkt der Film aber geradezu stümperhaft. Da wird planlos umhergeschwenkt, andauernd gibt es kurze Zooms, die keinen Sinn ergeben und wird in ruhigen Szenen auf schnelle Fahrten Wert gelegt, in denen es unangebracht ist.


Am Ende überwiegt der negative Eindruck einfach zu sehr, als dass hier wenigstens passable Genre-Unterhaltung für zwischendurch herausgekommen ist. "Die Vorsehung" hat gute Darsteller, eine interessante Ausgangslage und einige überaus atmosphärische Momente. All das wird aber durch ein schludriges Drehbuch und eine immer wieder planlose, amateurhafte Inszenierung zunichte gemacht, was zu einem unterdurchschnittlichen Thriller von der Stange führt, der höchstens für einen extrem langweiligen, verregneten Sonntagnachmittag taugt.


4,5 von 10 überraschende Begegnungen in der Bar


von Pat

Review: THE LOBSTER - Menschen, Tiere und der Wahnsinn echter Gefühle

Keine Kommentare:


Fakten:
The Lobster
FR, GB, GR, IE, NL. 2015. Regie: Yorgos Lanthimos. Buch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou. Mit: Colin Farrell, Rachel Weisz, Jessica Barden, Olivia Colman, Léa Seydoux, Ben Whishaw, John C. Reilly u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: ungeprüft. Noch kein deutscher Veröffentlichungstermin.


Story:
In einer dystopisch angehauchten Zukunftsversion haben Singles 45 Tage um sich zu verlieben. Tun sie das nicht, werden sie als Strafe in Tiere verwandelt und im Wald ausgesetzt. In einem zu diesem Zweck eingerichteten Hotel trifft Colin Farrell auf aller Hand merkwürdiger Figuren.




Meinung:
Yorgos Lanthimos kann ohne Zweifel als ein eigensinniger Regisseur bezeichnet werden. Mit seinen früheren Werken (beispielsweise „Dogtooth“) hat er nicht nur Filme geschaffen, die von Publikum und Kritikern noch heute sehr gespalten aufgenommen und diskutiert werden, sondern auch eine treue Fangemeinde um sich versammelt. Umso erstaunlicher ist es, dass sein internationaler Debütfilm „The Lobster“ noch keinen Release fürs deutsche (Heim)Kino erhalten hat. Denn der ist nicht nur ein herausragendes Stück Film, sondern liefert mit internationalen Stars wie Colin Farrell und Rachel Weisz auch genug Potential für eine gewinnbringende Vermarktung.


Mensch und Tier
Wer Lanthimos kennt, der weiß, dass er in seinen Filmen gerne gesellschaftskritische Themen aufgreift und seine Gedanken in einem parabelähnlichen Mikrokosmus weiterspinnt. Während er in „Dogtooth“ das Bild einer Familie gezeichnet hat, die ihre Kinder fernab der Welt außerhalb des eigenen Hauses großzieht und ihnen dabei ein völlig verqueres Weltbild beibringt, spielt „The Lobster“ selbst schon in einer dystopischen Version unserer Welt. Die Ausgangslage ist dabei merklich simpel, denn in der gezeigten Gesellschaftsform gibt es nichts wichtigeres als die Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen, Singles werden in ein Hotel gesperrt und haben 45 Tage Zeit sich zu verlieben, schaffen sie das nicht, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und im Wald ausgesetzt. Dieses abstruse Setting zieht Lanthimos konsequent durch und nutzt es als Spielwiese für zahlreiche kreative und abgedrehte Ideen. In der dadurch geformten Welt ist es völlig normal seinen Partner anhand von oberflächlichsten Charaktermerkmalen auszuwählen (Das Paar mit Nasenbluten), für wirkliche Gefühle scheint es keinen Platz mehr zu geben und auch die Kommunikation untereinander ist zweckmäßig und von einer Unfähigkeit zu menschlicher Nähe geprägt. Herrlich ernst und unreflektiert wird dieses Weltbild von seinen Bewohner aufgenommen und selbst die merkwürdigsten Situationen führen nicht zu (Selbst)Zweifel.


Auf der Flucht!
Von einer Erzählstimme aus dem Off angetrieben zieht uns Lanthimos immer tiefer in diese skurrile Welt, erklärt uns Mechanismen und Regeln, zeigt Aufstände und Konsequenzen. Zur Mitte des Films bröckelt das bestehende System, der Protagonist flieht und schließt sich einer Kommune im Wald an, die sich amüsanterweise einem komplett gegenteiligen Weltbild verschworen haben und jegliche Art von Zuneigung und körperlicher Nähe untersagen. Das ist rein inhaltlich natürlich sehr naiv aufgebaut, erhält aber gerade auf der symbolischen Ebene seine Bedeutung und zeigt in herrlich überzeichneter Form ein Spiegelbild der aktuellen Welt. In seiner parabelartigen Struktur kritisiert Lanthimos sowohl den Mensch als Beziehungsmensch, der sich aus reinem Selbstzweck eine Beziehung wünscht und seinen Partner anhand oberflächlicher Vorlieben auswählt, wie auch den ewigen Einzelgänger, der sich selbst und seine Freiheit am meisten schätzt. Mitten in dieses zweigespaltene Weltbild dringt dann jedoch ein kleines Wunder, echte Liebe, die zwar von den verblendeten Protagonisten nicht als solche verstanden wird (Stichwörter: kurzsichtig, Steakmesser!), aber in ihrem Kern genau das ist. Somit ist „The Lobster“ neben all seiner gesellschaftskritischen Brisanz vor allem auch ein Film über die kraftvollste der menschlichen Emotionen, nämlich Liebe.


Auch in internationalen Gewässern macht der Grieche Yorgos Lanthimos wie gewohnt weiter und entwirft mit „The Lobster“ einen höchst eigensinnigen, aber überaus treffenden Film über den modernen Menschen. Während viele Filmemacher bei ihrem internationalen Debüt Kompromisse eingehen um damit eine größere Zielgruppe anzusprechen, bleibt er sich treu und präsentiert abermals eine schwarzhumorige Groteske angefüllt mit gesellschaftskritischer Dringlichkeit. Ein wunderbares Kleinod, das völlig unverdient noch immer auf seinen deutschen Release warten muss.


8 von 10 Hetzjagden durch den Wald

Review: SAVING MR. BANKS – Tom Hanks weiß um den Wert von Versprechen

Keine Kommentare:


Fakten:
Saving Mr. Banks
USA. 2013. Regie: John Lee Hancock.
Buch: Sue Smith, Kelly Marcel. Mit: Tom Hanks, Emma Thompson, Paul Giamatti, Colin Farrell, B.J. Novak, Jason Schwarzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, Kathy Baker, Melanie Paxson, Rachel Griffiths u.a Länge: 130 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 17. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Autorin P.L Travers hält nicht viel davon, dass Filmmogul Walt Disney die Filmrechte an ihrem Roman „Mary Poppins“ erwerben möchte. Allerdings kann sie das Geld gerade gut gebrauchen. Ein Besuch in Hollywood bei Disney und seinen Studios soll ihr helfen eine Entscheidung zu treffen.





Meinung:
Dass man seine Versprechen nicht brechen darf, wusste auch schon der große Walt Disney, als er seinen Töchtern bereits in den 1940er Jahren versprach, eine Verfilmung ihres Lieblingsbuches „Mary Poppins“ in die Wege zu leiten. Der Zeichentrickmogul allerdings hat seine Rechnung ohne die Engstirnigkeit der Autorin P.L. Travers gemacht, die sich nach langwierigen Verhandlungen erst im Jahre 1961 nach Hollywood begibt und eine ganz und gar vorlagengetreue Adaption erwartet: Nur mit großem Widerwillen kann sie sich damit arrangieren, dass aus ihrer „Mary Poppins“ eine Musicalinterpretation werden soll, doch bei jeder weiteren winzigen Abweichungen können sich Walt Disney und seine Crew um Drehbuchautor Don DaGradi, wie auch die Komponisten Richard und Robert Sherman die Filmrechte endgültig abschminken. Je weiter die von Unverständnis und Ungereimtheiten geprägte Präproduktion voran schreitet, desto offensichtlicher wird, dass Travers Abneigung gegenüber den Änderungen nicht nur künstlerischer, sondern auch privater Natur sind...

 
Ernste Mine: P.L. Travers is not amused
Mit schmerzverzerrtem Gesicht hat man es hingenommen, dass die Walt Disney Studios einen Film über die Walt Disney Studios drehen, in dem auch noch unter des Regie des in Texas geborenen Regisseurs John Lee Hancock („Blind Side“) ausgerechnet der allseits beliebte Superstar Tom Hanks („Captain Philips“) die Rolle des Walt Disney übernehmen sollte: Schreck lass nach! Reichlich Kitsch und das manipulative Spiel auf der Gefühlsklaviatur sollten da doch eigentlich vorprogrammiert sein, natürlich verknüpft mit der üblichen Disney-Propaganda. Geht man den Film „Saving Mr. Banks“ wirklich mit dieser Einstellung an, tut man dem gesamten Projekt doch ziemlich Unrecht, denn der Fokus liegt gewiss nicht auf der in der Öffentlichkeit als so schillernde verbildlichte Persönlichkeit Walt Disney, sondern zentriert ganz eindeutig die Figur des P.L. Travers (Emma Thompson, „Tatsächlich Leibe“), wie das Tauziehen um die für alle Parteien kräftezehrende Zusammenarbeit bei der Romanadaption. Dabei lässt sich auch „Saving Mr. Banks“ nicht gänzlich freisprechen von jenen bösen Vorahnungen, doch ein vollständig gescheiterter oder sogar hassenswerter Film wurde hier mitnichten geschaffen.

 
Travers scheint immun gegen Disneys Charme
So klar wie das Amen in der Kirche war von Anfang an, dass sich „Saving Mr. Banks“ als unzweifelhaft astreine Familienunterhaltung definieren lassen wird. Wer also eine differenzierte und reflektierte Handhabung Walt Disneys und seinem milliardenschweren Imperium erhofft, der täuscht und muss sich zwangsläufig einfach enttäuscht lassen. Das Drehbuch von Sue Smith und Kelly Marcel erlaubt sich nur eine einzige Szene, die Walt Disney einen Zacken aus der Krone zu brechen versucht, in der der bis dahin fehlerlose Heiland in seinem Büro überraschend beim Rauchen gestört wird und seine Zigarette daraufhin hysterisch mit der klare Ansage ausdrückt, dass man ihn nie damit in Verbindung bringen dürfte. Den Rest der Handlung wird er ab und an, wie es nun mal das Schicksal einer echten Nebenrolle ist, in das Geschehen eingebunden, um seine Meinung bekanntzugeben und postwendend wieder zu verschwinden, bis es dann zu dem ausschlaggebenden Augenblick gegen Ende kommt, in dem er seinen emotionalen Monolog hält und die bereits wieder nach London abgereiste P.L. Travers weichkocht und sich endgültig die Rechte sichert. Dass P.L. Travers über Disneys 5-fach Oscar prämierten „Mary Poppins“ nur mit äußerst harscher Wortwahl resümieren konnte, wird großzügig unter den Teppich gekehrt: Der Titel ist hier auch für sie Programm.

 
Ja, die Disney Studios kümmern sich um ihre Gäste
Dabei geht es „Saving Mr. Banks“ nicht nur um die Zeit der Verhandlungen, durch Flashbacks wird auch die Kindheit P.L. Travers aufgerüttelt und ihre Pedanterie anhand der Parallelmontage, in der ihre Beziehung zu ihrem Vater Traver Goff (Colin Farrell, „Brügge sehen... und sterben“) narrensicher ausgeleuchtet wird. Das bringt den rigorosen Nachteil mit sich, dass der Film immer genau dann, wenn er sich gerade richtig auf einen Erzählrhythmus geeinigt hat, durch die sämtlichen Rückblenden immer außer Tritt gerät und etwas ausbuchstabiert, was auch eigenständig in den Köpfen der Zuschauer auf eine eigene Lösung der mehr oder weniger auffälligen Wesenszüge gekommen wäre. „Saving Mr. Banks“ ist immer genau dann am stärksten, wenn er Tatsachen respektvoll behandelt, die großartig aufgelegte Emma Thompson so richtig kratzbürstig von der Leine lässt und dennoch diese charmant-märchenhafte Note in Ehren hält. Dann macht „Saving Mr. Banks“ Freude, kann mitreißen und gegebenenfalls sogar berühren. Was eben auch an der tollen Darstellerriege liegt, in der sich Tom Hanks angenehm zurückhält und Emma Thompson ein gebührendes Podest verleiht. Zwischendurch schleichen sich immer wieder Kitsch und Rührseligkeiten ein, gehörigen bei einer Produktion wie dieser aber wohl einfach dazu: Familientauglich ist „Saving Mr. Banks“ allemal und genau für diese Runde gemacht.


Während das Formale in „Saving Mr. Banks“ über jeden Zweifel erhaben ist und das prominente Ensemble – allen voran Emma Thompson – durchweg zu überzeugen weiß, findet „Saving Mr. Banks“ an und für sich dank seiner unnötigen Parallelmontage nie den rechten Erzählrhythmus, um wirklich über die gesamte Laufzeit von 120 Minuten fesseln zu können. Für den lockeren Familienabend ist „Saving Mr. Banks“ gewiss geeignet und auch darüber hinaus hat der Film so seine einnehmenden und wirklich bezaubernden Momente. Im Großen und Ganzen betrachtet kommt der Film jedoch nie über ein gut gemeintes „Nett“ hinaus.


5 von 10 trinkenden Vätern


von souli

Review: KILL THE BOSS - Mausgrau statt pechschwarz

Keine Kommentare:


Fakten:
Kill the Boss (Horrible Bosses)
USA, 2011. Regie: Seth Gordon. Buch: Michael Markowitz, John Francis Daley, Jonathan Goldstein. Mit: Jason Bateman, Charlie Day, Jason Sudeikis, Kevin Spacey, Jennifer Aniston, Colin Farrell, Jamie Foxx, Julie Bowen, Donald Sutherland u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die drei Freunde Nick, Dale und Kurt haben zwar unterschiedliche Jobs, aber das gleiche Problem: Ihre tyrannischen Chefs machen ihnen das Arbeitsleben zur Hölle. Ein Arbeitsplatzwechsel kommt nicht in Frage, so kann es allerdings auch nicht weiter gehen. Sie schmieden einen drastischen Plan: Ihre Vorgesetzten müssen sterben. Doch wie begeht man drei Morde, wenn man nicht erwischt werden will und zudem nicht gerade der geborene Schwerverbrecher ist? Eine hektische Kettenreaktion kommt in Gang.



                                                                        



Meinung:
Wenn wir ganz ehrlich sind, haben viele von uns sich nicht schon mal gewünscht, unseren Chefs den Hals umzudrehen? Der Arbeitsplatz kann schon ein ziemlich stressiger Ort sein und wenn nach einem Tag voller Niederschläge oder sogar Demütigungen der ein oder andere aus einer Bierlaune heraus gefrustet diesen Wunsch äußert, gar nicht so abwegig. Dabei bleibt es dann in der Regel. Wenn dem nicht so ist, bietet das grundsätzlich den Stoff für eine bissige, rabenschwarze Komödie. Sollte die dann nur eine zahnloser, erschreckend unkreativer und im besten Fall zu einem müden Schmunzeln anregender Schnellschuss sein, ist man wohl bei „Kill the Boss“ gelandet.


Dagegen wirkt Stromberg seriös.
Mal ganz unabhängig davon, wie wenig nachvollziehbar es ist, dass sich drei völlig harmlose und eher als Waschlappen zu bezeichnende Dünnbrettbohrer ihr lapidar geäußertes Vorhaben tatsächlich umsetzen wollen. Ihre Sklaventreiber sind zwar in der Tat besonders hassenswerte Exemplare, nur wenn das jetzt reicht, würde die Zahl der Kapitalverbrechen und Stellenausschreibungen in Führungspositionen in exorbitante Höhen schießen. Darin liegt jedoch nicht das Hauptproblem, schließlich muss der Stein ja irgendwie ins Rollen gebracht werden und bei einer Komödie mag man da gerne ein Auge zudrücken, solange das Wesentliche überzeugt. Witzig sind die unbeholfenen Mordpläne der drei Biedermänner leider selten bis eher nie. Die üblichen Gags um Sex und Körperausscheidungen sind mindestens so deplatziert wie das Hauptdarstellertrio, welches durch die übermächtige Konkurrenz im Hintergrund nie auch nur eine Chance hat, den Film an sich zu reißen. Die wahren Stars sind natürlich die widerlichen Bosse, oder zumindest 2/3 von ihnen. Zumindest ist das Vorhaben, die bekannten Gesichter gegen ihr oft gezeigtes Image zu besetzen, ganz nett. Kevin Spacey ist als rücksichtloser Kotzbrocken zwar heillos unterfordert, spielt dennoch mühelos alles an die Wand. Colin Farrell zeigt mit Abstand die meiste Spielfreude als schlecht gekämmte Koksnase, darf diese leider nur recht kurz in die Kamera halten. Jennifer Aniston überzeugt dagegen überhaupt nicht als sexgeiles Luder, Wandlungsfähigkeit gehört nicht gerade zu ihren Stärken, wie sie eindrucksvoll untermauert.


Das die keinen Job mehr bekommen würden, verwundert kaum.
Selbst das wäre aber noch zu verkraften, wenn Jason Bateman (der noch am erträglichsten), Charlie Day und Jason Sudeikis nicht so schrecklich blass, uncharismatisch und unsympathisch wären. Gönnt man ihnen das gelingen ihres (eigentlich nicht vorhandenen) Plans? Eher nicht. Dafür tun sie auch nicht wirklich was, außer sich hektisch die Bälle zuzuwerfen, zu jammern und im Fall von Day nervtötend zu kreischen. Aufgelockert wird die gähnende Langeweile kurz mal durch Jamie Foxx als schwerkrimineller Videopirat „Motherfucker“ Jones. Dass sein eigentlich auch nicht so wirklich witziger Auftritt schon als Highlight angesehen werden muss, sagt praktisch alles. Statt fiesem Humor und böser Einfälle, was man bei der Prämisse erhoffen dürfte, gibt es nur müden Klamauk mit schlechtem Timing und ein enttäuschend unspektakuläres Finale, das nicht ansatzweise die Erwartungen erfüllen kann. Wenn schon direkt die ähnlich gelagerte Hitchcock-Hommage „Schmeiß die Mama aus dem Zug“ von Danny DeVito erwähnt wird, sollte man sich zumindest bewusst sein, wie so was funktionieren kann. Davon ist dieser harmlose, unreife und lahmarschige „Spaß“ meilenweit entfernt.


Ein einfallsloses Durcheinander, welches nur durch die namenhaften und zumindest bemühten Nebendarsteller einen Hauch von Glanz versprüht. Im Endeffekt sind die genauso verschenkt wie das restliche Potenzial. Lustlose Komödie nach Vorschrift, abgemahnt und kurz vor der fristlosen Kündigung.

4 von 10 zweckentfremdeten Zahnbürsten

Review: BRÜGGE SEHEN… UND STERBEN – Eine schwarze Gangsterkomödie im beschissenen Brügge

Keine Kommentare:


Fakten:
Brügge sehen… und sterben (In Bruges)
UK. 2008. Regie und Buch: Martin McDonagh. Mit: Brendan Gleeson, Colin Farrell, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Jérémie Renier, Eric Godon, Zeljko Ivanek, Thekla Reuten u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Nach einem verpatzten Auftrag müssen die beiden Auftragsmörder Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) auf Befehl ihres Chefs Harry (Ralph Fiennes) nach Brügge, um dort auf weitere Anweisungen zu warten. Beide wissen nicht, was sie hier tun sollen. Während Ken sich in der belgischen Stadt mit seinem mittelalterlichen Flair sehr wohl fühlt, findet Ray es zum sterbenslangweilig. Zudem wird er mit seinem letzten Auftrag nicht fertig, er leidet unter Depressionen und denkt an Selbstmord. Bis, ja bis sich plötzlich Harry bei den beiden meldet.




Meinung:
Ken und Ray sind Auftragskiller. Ja, sie teilen sich ein- und denselben Job. Dabei könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite der Alte, Ken. Für ihn zählen die leisen Töne, er ist ruhig, belesen und kultiviert. Er kann sich mit Brügge voll identifizieren, fühlt sich hier pudelwohl und versucht mit seiner positiven Art, den Aufenthalt in Brügge zu genießen. Auf der anderen Seite der Junge, Ray. Er ist impulsiv, hibbelig, laut und ziemlich durchgeknallt. Für ihn ist Brügge eine schreckliche Bestrafung, er hasst es hier, findet es stinklangweilig. Was für den einen der Himmel ist, ist für den anderen die Hölle. Für die beiden Rollen haben die Macher die idealen Darsteller gefunden. Brendan Gleeson ist Ken, Colin Farrell ist Ray. So verschieden die beiden aber auch sein mögen, Ken und Ray verbindet eine intensive Freundschaft. Eine Freundschaft, die nach einem verpatzten Job auf eine harte Probe gestellt wird.


Ray erlebt in Brügge so manch skurrile Begegnung
Halt, Moment… Brügge? Ja, richtig gehört, diese mittelalterliche Stadt, die trotz seiner über 100.000 Einwohner so verschlafen wirkt wie eine Kleinstadt. In dieser belgischen Stadt Brügge, die der eine Killer so faszinierend, der andere so langweilig findet, sollen sie auf Befehl ihres Chefs warten. Warten auf weitere Anweisungen. Dieser Chef, das ist der durchgeknallte, irgendwie schräge Harry, herrlich übertrieben gespielt von Ralph Fiennes. Überhaupt, er und die beiden Hauptdarsteller Gleeson und Farrell zeigen hier ganz großes Schauspiel, so unterschiedlich sie auch spielen. Der eine (Gleeson) ruhig und zurückgenommen, der andere (Farrell) niederschmetternd und selbstzerstörerisch und der dritte (Fiennes) eben übertrieben. Aber alle drei wahnsinnig gut.


Harry ist mit dem letzen Auftrag nicht zufrieden
Brügge sehen… und sterben“ zeichnet sich durch eine wunderbare Balance aus. Wie auch die beiden Hauptdarsteller ein Gleichgewicht aus Heißsporn und Ruhepol herstellen, so halten sich Tragik und Komik die Waage. Die lustigen Elemente sind dabei aber so tiefschwarz, dass sie sicher nicht jeder lustig finden wird. Da ist nicht mehr viel von politischer Korrektheit übrig, wenn Ray die fetten Amis oder kleinwüchsige Schauspieler beleidigt. Wortwitz und groteske Situationskomik Hand in Hand. So schwarz, dass man freiwillig auf den Feldern Baumwolle pflücken will. Die tragischen Stellen werden dann wiederum von einer intensiven Melancholie begleitet, die nachdenklich und schwer daherkommt. Ein bisschen so wie das verdammte Brügge mit seinen riesigen, steinernen Gebäuden, den Pflasterstraßen, den Kanälen.


Wer ist schneller: Der Mörder oder der Selbstmörder?
Überhaupt ist Brügge ein weiterer Darsteller in diesem Film. Diese Kulissen, gepaart mit der melancholisch-schönen Musik von Carter Burwell, haben ihre eigene, fast schon magisch anziehende Atmosphäre, der man sich als Zuschauer nur noch schwer entziehen kann. Rückständig, alt, grau und man könnte meinen, dass die Zeit hier stehen geblieben ist. Aber dennoch ist es wunderschön, warum und auch einladend. Eine angenehme Ruhe und Gelassenheit bettet sich über den ganzen Film, nimmt zunächst Ken und irgendwann auch Ray, einfach jeden in seinen Arm und begleitet die beiden Killer auf ihrem Weg, um den verpatzten Job, der tiefe Risse in ihr Gemüt geschnitzt hat, zu verarbeiten. Für einen modernen Gangsterfilm ist das eigentlich ungewöhnlich, teilweise sehr nachdenklich und langsam. Aber es funktioniert, eben wegen dieser schwarzen und gewöhnungsbedürftigen Komik, die immer wieder dazwischen gestreut wird. Und um dann doch auch ein wenig die gängigen Gangsterkonventionen zu bedienen, spritzt auch das Blut nicht schlecht.


„Brügge sehen… und sterben“ wird, das ist sicher, extrem unterschiedlich aufgenommen. Für die einen ist er ein tieftragisches Drama, das in die Psyche seiner beiden Hauptfiguren abtaucht. Für die anderen kann er zum kultigen und schwarzen Gagfeuerwerk aufsteigen. Für Dritte könnte der Film sogar einfach nur langweilig sein. Vielleicht ist er sogar alles zusammen. Aber was man auf jeden Fall konstatieren kann ist, dass Martin McDonaghs Regiedebüt anders ist. Ein kleiner Film, der zwei völlig konträre Stimmungen einfängt, die von Ken und die von Ray. Und die er uns auf seine eigene Weise, die sicher nicht jedermanns Sache ist, näher bringen will. Sicher sagen, dass es funktioniert, kann man bei diesem Film nicht, weswegen man sich in besonderem Maße darauf einlassen muss, dann kann man viel Freude mit diesem Film haben.


8,5 von 10 Zwerge mit Drogenproblem