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VOLL VERKATERT - Kevin Spacey als Katze

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Fakten:
Voll Verkatert (Nine Lives)
USA, Frankreich. 2016. Regie: Barry Sonnenfeld. Buch: Matt Allen, Caleb Wilson, Gwyn Lurie, Dan Antoniazzi, Ben Shiffrin. Mit: Kevin Spacey, Jennifer Garner, Robbie Amell, Cheryl Hines, Mark Consuelos, Malina Weissman, Christopher Walken, Talitha Bateman, Teddy Sears, Jay Patterson, Jewelle Blackman, Serge Houde, Mark Camacho, Chris Wilding, Kyle Gatehouse, Ellen David u.a. Länge: 87 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach einem mysteriösen Unfall fällt Milliardär Tom Brand ins Koma und findet sich zu seinem allergrößten Entsetzen im Körper des Katers Mr. Kuschelpuschel wieder. Während sein labiler Gesundheitszustand in der Geschäftswelt zu wilden Spekulationen und unglaublichen Intrigen mit schwerwiegenden Folgen führt, kämpft Tom mit allen tierischen Mitteln um sein Leben und seine Firma. Hilfe erhofft er sich dabei von Felix Perkins, dem Besitzer einer mysteriösen Tierhandlung.  Wird Tom Brand einen Weg zurück in seinen menschlichen Körper finden? Werden seine Frau Lara und seine Tochter Rebecca die Verschwörungen durchschauen und zu ihm halten? Und wird es seinem älteren Sohn David gelingen, das drohende Unheil von der Firma abzuwenden?





Meinung:
Er gilt als einer der besten Darsteller überhaupt und dennoch wird Kevin Spacey in Voll Verkatert zu einer Katze und damit ist keine metaphorische Wandlung gemeint, sondern schlicht und ergreifend die Prämisse des Films, der sich damit quasi verkauft und um Aufmerksamkeit buhlt, denn kann es denn wirklich sein, dass der House of Cards-Frontmann plötzlich in einem Film mitspielt, in dem es darum geht, wie ein reicher Bauunternehmer sich in eine Katze, Pardon, Kater verwandelt und peu-a-peu erkennen muss, dass er mehr Zeit für seine Familie haben sollte? Ja, es kann sein. Voll Verkatert ist der traurige Beweis dafür.


Der Film von Regisseur Barry Sonnenfeld, der seiner Filmvita neben Hits wie Die Addams Family und Men in Black auch desaströse Zeitverschwender wie Wild Wild West und Die Chaoscamper stehen hat, fügt der Letzt genannten Kategorie nun eine weitere Produktion hinzu. Voll Verkatert ist wenig witzig, frei von wirklichen Besonderheiten (mal abgesehen von der Besetzung Spaceys) und so schlaff inszeniere, wie eine Katze beim Mittagsschlaf. Und dennoch fasziniert der Film. Schuld daran ist Kevin Spacey, denn tatsächlich wirkt dieser nicht wie ein Darsteller der hier nur rasch seinen Paycheck abholt. Er wirkt tatsächlich engagiert und interessiert. Das ist entweder ein Beweis für sein großartiges Talent und zeigt, dass der Oscar-Preisträger einen guten Sinn für Humor hat. Denn seine Rolle in Voll Verkatert ist so konträr zu den Figuren die er sonst spielt (gemeint ist dabei nicht alleine die Charakterisierung, sondern viel mehr wie er sie darstellt), dass der Eindruck, Spacey hat diese Rolle nur zu seinem eigenen Vergnügen angenommen, den gesamten Film durchzieht. Wirklich viel helfen tut das nicht. Voll Verkatert bleibt eine viel zu simple, wenig ergiebige und oftmals auch befremdlich unengagierte Komödie.


In der deutschen Fassung wurde dazu der Fehler gemacht, Spacey von Oliver Kalkofe synchronisieren zu lassen. Nichts gegen Kalkofe an sich, aber seine Stimme passt nicht zu Spacey. Wer sich Voll Verkatert antun will, sollte dies also unbedingt im Originalton machen. Nur dort kristallisiert sich der Eindruck so richtig heraus, dass Spacey zur eigenen Freude einmal in einem schlechten Film mitspielen wollte. Ob dem wirklich so ist? Keine Ahnung. Es beruhigt aber die Nerven, wenn man glaubt, dies sei der Grund für Spacey Mitwirken in diesem Film. Alles andere würde dann doch zu sehr verstören und irritieren – was Voll Verkatert zumindest kurzfristig auch einen gewissen Reit verleihen würde.

3 von 10 punktgenauen Fallschirmsprüngen

Review: MOON – Die dunkle Seite des Mondes!

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Fakten:
Moon
UK, 2009. Regie: Duncan Jones.
Buch: Nathan Parker. Mit: Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In naher Zukunft dient auf dem Mond abgebautes Helium-3 als entscheidender Energieträger auf der Erde. Sam Bell arbeitet als Astronaut und Wartungskraft auf einer zu diesem Zweck errichteten Mondbasis und wird dabei lediglich durch eine künstliche Intelligenz unterstützt. Kurz vor der Erfüllung seines 3-Jahres Vertrages baut seine psychische Belastbarkeit aber immer mehr ab, die direkte Kommunikation zur Erde ist nicht möglich und er leidet an Halluzinationen. Als er nach einem Unfall von seinem eigenen Klon gerettet wird, zweifelt Sam an sich selbst und seiner Realität.





Meinung:
Der in London geborene Regisseur Duncan Jones, der vor seinem Langfilmdebüt wohl in erster Linie dafür bekannt war der Sohn des Rockstars David Bowie zu sein, lieferte 2009 mit „Moon“ eine kleine, aber sehr feine Low-Budget Produktion ab. In 33 Tagen abgedreht spielte der Film nach seinem Überraschungserfolg am Sundance Filmfestival knapp 10 Millionen Dollar ein, was dem Doppelten seiner Produktionskosten entspricht. Von den niedrigen Produktionskosten ist im fertigen Film jedoch wenig zu spüren, optisch steht der Film Sci-Fi Hingucker der letzten Jahre (beispielsweise „Gravity“) in nichts nach und auch beim Cast findet man prominente Namen. Wobei der Begriff Cast etwas übertrieben wirkt, denn der einzige Schauspieler, der wirklich einen Auftritt hat ist Sam Rockwell. Dafür sieht man ihn teilweise sogar in dreifacher Ausführung und wer sich die Originalversion zu Gemüte führt bekommt außerdem Kevin Spacey als Stimme der künstlichen Intelligenz GERTY.


Lunare Lethargie
Einen Preis für Kreativität gewinnt „Moon“ auf jeden Fall nicht, soviel dürfte jedem klar sein, der in seinem Leben auch nur eine handvoll Klassiker des Sci-Fi Genres gesehen hat. Neben zahlreichen Einflüssen schwebt vor allem ein Film über der Produktion, Kubricks „2001“. Man kann nun hinterfragen bei welchem Genrestreifen das nicht der Fall ist, Kubricks Meisterwerk ist nun mal ein dermaßen stilprägendes und essentielles Werk, das es die Sprache des Genres nachhaltig verändert hat. Außerdem ist „Moon“ alles andere als ein billiger Abklatsch, vielmehr zitiert er seine Vorbilder auf eine liebevolle Weise, greift Teilaspekte respektvoll auf und erweitert diese dann mit eigenen Ansätzen. Erneut steht die Frage nach der menschlichen Identität allgegenwärtig im Raum. Dabei erweitert der Film die übliche Beziehung zwischen Mensch und Maschine (sprich künstliche Intelligenz) nämlich um eine dritte Komponente, den Klon. Interessant ist vor allem die künstliche Intelligenz GERTY, die durch einen kleinen Display seine Stimmung in Form eines Smileys visualisiert. Schon zu Beginn wirkt sein Grinsen etwas zu übertrieben, der lachende Smiley wirkt zynisch und scheint Sam zu verspotten.


Der Blick hinauf zu den Sternen
Man kann „Moon“ guten Gewissens einen minimalistischen Film nennen. Große Teile spielen sich in der Mondbasis ab und werden lediglich durch kurze Abstecher auf die Oberfläche des Planeten ergänzt. Hier kann der Film durch eine sehr gelungene Optik punkten. Alle Elemente wirken stimmig, die sterile Basis wird durch zahlreiche persönliche Elemente erweitert und erweckt dadurch einen sehr realistischen Eindruck. Außerdem verleihen sie den einzelnen Räumen so einen gewissen Wiedererkennungswert und liefern dadurch eine optimale Kulisse für die kammerspielartige Erzählung in deren Zentrum Sam Rockwell steht. Der liefert nämlich eine grandiose One-Man-Show ab, in vielen Szenen ist er sogar in zweifacher Ausführung zu sehen, denn die Interaktion von Sam und seinem vermeintlichen Klon nimmt einen großen Stellenwert ein. Von der Annäherung über Konflikte und Diskussionen bis hin zum gegenseitigen Verständnis ist das Verhältnis der beiden stets nachvollziehbar und wirkt dadurch sehr natürlich. „Moon“ spielt mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer, der vermutet hinter der künstlichen Intelligenz und dem „anderen“ Sam nämlich zunächst einen Feind. Das Schöne ist aber, dass es letztlich überhaupt keinen direkten Feind gibt und das Zweifeln und Hadern mit der eigenen Identität das wirkliche Hindernis des Films darstellt.


Was Duncan Jones mit seinem Spielfilmdebüt „Moon“ abgeliefert hat ist nicht weniger als einer der besten Science-Fiction Filme der letzten 15 Jahre. Ein kammerspielartiges Drama, das sich zu großen Teilen im Kopf der Zuschauer abspielt und dadurch auch noch lange nach dem Abspann zum Nachdenken anregt. Der Film strotzt zwar nicht vor Kreativität, erweitert die Frage nach der menschlichen Identität aber um eine interessante Komponente und beleuchtet das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nicht nur für Genrefans eine Empfehlung.


8 von 10 Frisuren von einem Roboter


von Vitellone

Trailerpark: Die großen Chefbezwinger sind zurück - Erster Trailer zu HORRIBLE BOSSES 2

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Die Fortsetzung zu „Horrible Bosses“, hierzulande unter dem Titel „Kill the Boss“ bekannt, hat nun den ersten Trailer spendiert bekommen. Darin sind fast alle Stars des Vorgängers zu sehen. Nur Colin Farrell scheint beim Sequel nicht mehr mitzumischen. Dafür bekommen es Jason Sudeikis, Charlie Day und Jason Bateman diesmal mit Christoph Waltz („Inglorious Basterds“) zu tun. Waltz spielt einen fiesen Finanzhai, der dem Trio, welches eine eigene Firma aufbauen möchte, das Leben schwer macht. Ob es aber eine gute Idee ist, den Sohn (gespielt von Chris Pine) des miesen Raffzahns zu entführen, wird sich wohl zeigen müssen. Schade, dass davon im Trailer noch nichts zu sehen ist. Na ja, wird noch kommen, denn bis zum geplanten Kinostarts am 27. November in den USA, wird gewiss noch eine ganze Trailerlawine über uns her rollen. Regie führt diesmal übrigens Sean Anders, der auch am Script mitschrieb. Anders bisherige Filmographie liest sich leider alles andere als begeisternd. Vor allem seine Regie in „Der Chaos-Dad“ lässt wenig gutes für „Horrible Bosses 2“ hoffen. Nun gut, abwarten.


Review: KILL THE BOSS - Mausgrau statt pechschwarz

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Fakten:
Kill the Boss (Horrible Bosses)
USA, 2011. Regie: Seth Gordon. Buch: Michael Markowitz, John Francis Daley, Jonathan Goldstein. Mit: Jason Bateman, Charlie Day, Jason Sudeikis, Kevin Spacey, Jennifer Aniston, Colin Farrell, Jamie Foxx, Julie Bowen, Donald Sutherland u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die drei Freunde Nick, Dale und Kurt haben zwar unterschiedliche Jobs, aber das gleiche Problem: Ihre tyrannischen Chefs machen ihnen das Arbeitsleben zur Hölle. Ein Arbeitsplatzwechsel kommt nicht in Frage, so kann es allerdings auch nicht weiter gehen. Sie schmieden einen drastischen Plan: Ihre Vorgesetzten müssen sterben. Doch wie begeht man drei Morde, wenn man nicht erwischt werden will und zudem nicht gerade der geborene Schwerverbrecher ist? Eine hektische Kettenreaktion kommt in Gang.



                                                                        



Meinung:
Wenn wir ganz ehrlich sind, haben viele von uns sich nicht schon mal gewünscht, unseren Chefs den Hals umzudrehen? Der Arbeitsplatz kann schon ein ziemlich stressiger Ort sein und wenn nach einem Tag voller Niederschläge oder sogar Demütigungen der ein oder andere aus einer Bierlaune heraus gefrustet diesen Wunsch äußert, gar nicht so abwegig. Dabei bleibt es dann in der Regel. Wenn dem nicht so ist, bietet das grundsätzlich den Stoff für eine bissige, rabenschwarze Komödie. Sollte die dann nur eine zahnloser, erschreckend unkreativer und im besten Fall zu einem müden Schmunzeln anregender Schnellschuss sein, ist man wohl bei „Kill the Boss“ gelandet.


Dagegen wirkt Stromberg seriös.
Mal ganz unabhängig davon, wie wenig nachvollziehbar es ist, dass sich drei völlig harmlose und eher als Waschlappen zu bezeichnende Dünnbrettbohrer ihr lapidar geäußertes Vorhaben tatsächlich umsetzen wollen. Ihre Sklaventreiber sind zwar in der Tat besonders hassenswerte Exemplare, nur wenn das jetzt reicht, würde die Zahl der Kapitalverbrechen und Stellenausschreibungen in Führungspositionen in exorbitante Höhen schießen. Darin liegt jedoch nicht das Hauptproblem, schließlich muss der Stein ja irgendwie ins Rollen gebracht werden und bei einer Komödie mag man da gerne ein Auge zudrücken, solange das Wesentliche überzeugt. Witzig sind die unbeholfenen Mordpläne der drei Biedermänner leider selten bis eher nie. Die üblichen Gags um Sex und Körperausscheidungen sind mindestens so deplatziert wie das Hauptdarstellertrio, welches durch die übermächtige Konkurrenz im Hintergrund nie auch nur eine Chance hat, den Film an sich zu reißen. Die wahren Stars sind natürlich die widerlichen Bosse, oder zumindest 2/3 von ihnen. Zumindest ist das Vorhaben, die bekannten Gesichter gegen ihr oft gezeigtes Image zu besetzen, ganz nett. Kevin Spacey ist als rücksichtloser Kotzbrocken zwar heillos unterfordert, spielt dennoch mühelos alles an die Wand. Colin Farrell zeigt mit Abstand die meiste Spielfreude als schlecht gekämmte Koksnase, darf diese leider nur recht kurz in die Kamera halten. Jennifer Aniston überzeugt dagegen überhaupt nicht als sexgeiles Luder, Wandlungsfähigkeit gehört nicht gerade zu ihren Stärken, wie sie eindrucksvoll untermauert.


Das die keinen Job mehr bekommen würden, verwundert kaum.
Selbst das wäre aber noch zu verkraften, wenn Jason Bateman (der noch am erträglichsten), Charlie Day und Jason Sudeikis nicht so schrecklich blass, uncharismatisch und unsympathisch wären. Gönnt man ihnen das gelingen ihres (eigentlich nicht vorhandenen) Plans? Eher nicht. Dafür tun sie auch nicht wirklich was, außer sich hektisch die Bälle zuzuwerfen, zu jammern und im Fall von Day nervtötend zu kreischen. Aufgelockert wird die gähnende Langeweile kurz mal durch Jamie Foxx als schwerkrimineller Videopirat „Motherfucker“ Jones. Dass sein eigentlich auch nicht so wirklich witziger Auftritt schon als Highlight angesehen werden muss, sagt praktisch alles. Statt fiesem Humor und böser Einfälle, was man bei der Prämisse erhoffen dürfte, gibt es nur müden Klamauk mit schlechtem Timing und ein enttäuschend unspektakuläres Finale, das nicht ansatzweise die Erwartungen erfüllen kann. Wenn schon direkt die ähnlich gelagerte Hitchcock-Hommage „Schmeiß die Mama aus dem Zug“ von Danny DeVito erwähnt wird, sollte man sich zumindest bewusst sein, wie so was funktionieren kann. Davon ist dieser harmlose, unreife und lahmarschige „Spaß“ meilenweit entfernt.


Ein einfallsloses Durcheinander, welches nur durch die namenhaften und zumindest bemühten Nebendarsteller einen Hauch von Glanz versprüht. Im Endeffekt sind die genauso verschenkt wie das restliche Potenzial. Lustlose Komödie nach Vorschrift, abgemahnt und kurz vor der fristlosen Kündigung.

4 von 10 zweckentfremdeten Zahnbürsten

Review: L.A. CONFIDENTIAL – Wo Engel ihre schmutzige Flügel verbergen möchten

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Fakten:
L.A. Confidential
USA. 1997. Regie: Curtis Hanson.
Buch: Brian Helgeland, Curtis Hanson, James Ellroy (Vorlage). Mit: Guy Pearce, Russell Crowe, Kim Basinger, Kevin Spacey, James Cromwell, Danny DeVito, Ron Rifkin, David Strathairn, Matt McCoy, Simon Baker, Graham Beckel u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Los Angeles, 1953: Der junge Detective Ed Exley macht sich mit seiner karriereorientierten Arbeit keine Freunde im Department. Vor allem für den rüden Cop Bud White ist Exley ein Außenseiter. Dennoch ermitteln beide im selben Fall: ein Mehrfachmord in einem Diner, in dem auch ein Ex-Bulle getötet wurde.





Meinung:
Es gibt genau zwei memorable Filme, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Stilistik des klassischen Film Noir zu eigen gemacht haben und in adäquater künstlerischer Ausführung in die jeweilige Gegenwart transportieren konnten: Roman Polanskis „Chinatown“ von 1974 und Curtis Hanson „L.A. Confidential“ von 1997. Die Handlung beider Filme spielt sich in Los Angeles ab, während man natürlich dahingehend differenzieren muss, dass „Chinatown“ in den 1930er Jahren angesiedelt wurde und somit über einen ganz anderen wirtschaftlichen wie historischen Subtext verfügt, als es der sich in den 1950er Jahren zutragende „L.A. Confidential“ tut. Im Kern jedoch sind sich die Werke relativ ähnlich, geht es doch um immanente Unmoral und den Versuch, jene ein Stück weit zum Wohle der Allgemeinheit zu neutralisieren. Scheiterte Jake Gittes (Jack Nicholson) am delinquenten Rhythmus der Stadt der Engel, müssen auch Bud White (Russell Crowe), Edmund J. Exley (Guy Pearce) und Jack Vincennes (Kevin Spacey) in „L.A. Confidential“ erkennen, dass Gerechtigkeit nicht immer nur durch legale Mittel erreicht werden kann.

 
Opfer? Verführerin? Verräterin? Welches Spiel spielt Lynn?
Gerade für Edmund J. Exley ist das eine bittere Erkenntnis, die konträr zur persönlichen Philosophie des rechtschaffenen, des stringent nach Vorschrift agierenden Polizisten seiner selbst steht, während sich Bud White wie eine Dampfwalze durch die Verbrechenswelt schlägt und Jack Vincennes augenscheinlich mehr am Glamour Hollywoods interessiert zu sein scheint, so vehement er sich mit dem zynischen „Hush Hush“-Journalisten Sid Hudgens (Danny DeVito) ins rechte Licht rücken lassen möchte. Diese differente Konstellation der Charaktere bringt „L.A. Confidential“ ins Rollen, sorgt für packende, zwischenmenschliche Dynamik. Besonders Russell Crowe evoziert eine physiche Präsenz, die an Gene Hackmans Performance in „Mississippi Burning“ entsinnt oder auch an Ray Liottas cholerischer Schrankwand Henry Oak in „Narc“: Einer dieser Typen, die man besser nicht schräg von der Seite anquatscht. Exzellent spielen sie natürlich allesamt auf, besonders aber Kevin Spaceys Talent in Sachen ausgereifter Gestik, Positur und Mienenspiel ist wie immer eine süffisante Klasse für sich.

 
Bud und Ed: gemeinsam sind sie stark... und streitsüchtig
Tragischerweise fällt nur Kim Basinger als Lynn Bracken im namhaften Cast etwas ab, die mit gespitzten Lippen der Optik einer in einem Film dieser Fasson natürlich unverzichtbaren Femme Fatale durchaus nahe kommt, schauspielerisch aber jenen arretieren-den Glanz vermissen lässt. Lynn Bracker aber fungiert auch als emotionaler Zündstoff der Geschichte und heizt den Konflikten zwischen Exley und White, die sich in ihrem betörenden Wimpernschlag geradewegs verloren haben, abermals so richtig ein und lässt die beiden Männer schließlich in einer explosiven Schlägerei explodieren. Ein Schlagabtausch, der die Polizisten allerdings in ihren Ambitionen näher zusammenrücken und gemeinsam in den Intrigen hinter den glamourösen Fassaden Hollywoods, inmitten piekfeiner Premieren, lasziver Edelnutten und flackerndem Blitzlichtgewitter, ermitteln lässt. Wie schon in „Chinatown“ ist Los Angeles in „L.A. Confidential“ eine urbane Illusion funkelnder Dekadenz. Ist der Vorhang erst mal gefallen, dann wird offensichtlich, dass hier jeder für sich spielt und nur den eigenen Vorteil in der Vorebenheit zu suchen vermag. Auch die Ordnungshüter müssen sich erst einmal ins Gedächtnis rufen, was sie zu diesem Beruf bewegt hat.


Dass „L.A. Confidential“ in seiner Rekonstruktion ehrwürdiger Film Noir Tugenden zu keiner Zeit akademisch wirkt, liegt nicht nur an der vortrefflichen Drehbuchadaption von Brian Helgeland und Curtis Hanson, die James Ellroys Romanvorlage „Stadt der Teufel“ kinotauglich umsetzten; auch die Zahnrädchen der handwerklichen Aspekte greifen hier harmonisch wie selten ineinander. In gediegenem Zeitkolorit manifestiert, ist Dante Spinottis Kameraarbeit – wie auch der im besten Sinne altmodische Schnitt und Jerry Goldsmiths Score - über jeden Zweifel erhaben und gießt den Kampf gegen Korruption, Gewalt und die Macht des Geldes in formvollendete Fotografien. „L.A. Confidential“ ist ein Musterbeispiel von Hommage, ein Neo Noir, der seine Vorbilder kennt und liebt, der weiß, wie man Spannung mittels ausstaffierter und mit ambivalenten Charakteren gepickter Erzählstränge erzeugt, ohne sich in der inhaltlichen Komplexität zu verheddern. Längst ein Klassiker und gewiss Curtis Hansons Opus magnum.


8 von 10 Schüssen durch die Wange


von souli

Review: DAS LEBEN DES DAVID GALE - Die gute Sache zählt

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Fakten:
Das Leben des David Gale (The Life of David Gale)
USA, GB, BRD, 2003. Regie: Alan Parker. Buch: Charles Randolph. Mit: Kevin Spacey, Kate Winslet, Laura Linney, Gabriel Mann, Matt Craven, Jim Beaver, Leon Rippy, Rhona Mitra, Michael Crabtree u.a. Länge: 125 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Journalistin Bitsey Bloom bekommt die Chance zu einem Interview mit dem zum Tode verurteilten David Gale, drei Tage vor seiner Hinrichtung. Er soll seine Kollegin vergewaltigt und grausam ermordet haben. Das Ungewöhnliche bei dem Fall: David Gale ist nicht irgendwer. Er ist ein hochintelligenter Philosophie-Professor, einst einer der angesehensten Köpfe an der Universität von Austin und ein vehementer Kämpfer gegen die Todesstrafe. Nun soll ausgerechnet er durch sie gerichtet werden. Zunächst hegt Bitsey aufgrund der erdrückenden Beweislast keinerlei Zweifel an der Schuld von Gale. Doch je mehr er ihr von seinem Leben erzählt, desto größer werden sie. Wurde Gale Opfer einer Intrige?

                                                        


Meinung:
- "Man weiß, dass man in der Bibel-Gegend ist, wenn dort mehr Kirchen sind als Starbucks."
- "Wenn da mehr Gefängnisse sind als Starbucks."


 
Kaum zu glauben, dass Alan Parker seit "Das Leben des David Gale" - inzwischen schon zehn Jahre alt - bei keinem Film mehr Regie geführt hat. Der Rastloseste war Parker eh nie, seine Vita weißt einige Pausen auf, dafür enorme Qualität, speziell in der Phase zwischen 1978 und 1988 (u.a. "Midnight Express", "Birdy", "Angel Heart", "Mississippi Burning"). Es ist zu hoffen, dass dies nicht sein letztes Werk bleiben wird, aber zumindest wäre es ein würdiger Abschluss. An die Qualität seiner besten Arbeiten kommt sein Thriller-Drama nicht ganz heran, was keine Schande darstellt und ihn dennoch zu einem starken, äußerst sehenswerten Film macht.

Star-Reporterin und Helferlein bei der Arbeit.
Parkers Film ist sowohl ein typisches Thriller-Puzzle, das durch Rückblenden seine Vorgeschichte erzählt (bzw. durch den angeblichen Täter erzählen lässt), ein menschliches Drama und gleichzeitig ein Statement gegen die Todesstrafe und speziell der Politik dessen Hochburg in der freien Welt: Texas. Kevin Spacey schlüpft - wie bei seiner Oscar-prämierten Rolle in "Die üblichen Verdächtigen" - wieder in die Rolle des Geschichtenerzählers, auf dessen Worte für seinen Gegenüber wie den Zuschauer ein Bild der Geschehnisse entsteht, ohne die Gewissheit, wie viel Glauben dem geschenkt werden kann. Sein Gegenpart, die straighte Karriere-Reporterin Bitsey Bloom (Kate Winslet), will sich zunächst nicht auf die Frage nach Schuld oder Unschuld einlassen, schließlich geht es hier um eine Story, nichts weiter. Die Geschichte des gefallenen Genies und die merkwürdigen Begleitumstände sorgen jedoch bald für ein Interesse ihrerseits, das weit über berufliche Neutralität hinausgeht. Das klug erzählte Skript legt nicht zu früh die Karten auf den Tisch und zwingt den Zuschauer nicht manipulativ in eine Ecke. Ist der brillante Geist Gale auch ein brillanter Lügner, der sich mit dem Interview in letzter Sekunde der "gerechten" Strafe entziehen will oder ein lästiger Freidenker, der durch die Maschinerie zum Schweigen gebracht werden soll, die er Zeit seines Lebens bekämpfte? Beides erscheint bis zum Schluß möglich, wodurch "Das Leben des David Gale" als Thriller eindeutig funktioniert.

 
Der Weg zur Wahrheit ist nicht immer schön.
Zeitgleich lässt der Film vor unseren Augen das erfolgreiche Leben eines augenscheinlich so guten, wenn auch zu Beginn sicherlich leicht selbstverliebten Mannes, zerbröckeln oder eher urplötzlich in tausend Teile zerspringen. Spacey verkörpert seinen Part gewohnt nuanciert und enorm abgeklärt, ohne seine Figur zu klar durchschaubar erscheinen zu lassen. Sämtliche Facetten - die positiven wie negativen - kommen zur Geltung, erlauben aber noch kein eindeutiges Urteil, was sich letztendlich als Wahrheit herausstellen wird. Dezente Hinweise auf die finale Lösung werden zwar eingestreut, doch wie schon bei Parkers Meisterwerk "Angel Heart", sind dies Momente, die sich unmöglich beim ersten Ansehen als zu offensichtliche Spoiler identifizieren lassen. Verdachtsmomente, sicher, nur mehr ist das (erst mal) nicht. Der überlegte Zuschauer stellt sich sicher schon gewisse Fragen, etwa nach diversen Details, doch das sollte ein überdurchschnittlicher Thriller mit diesem Anspruch auch bieten, ohne ihn zu früh zu enttarnen und dem Finale durch eindeutige Vorhersehbarkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen.

 
Genialer Mörder oder armes Opfer?
Was besonders auffällt und "Das Leben des David Gale" zu mehr als der üblichen Suche nach der Wahrheit macht, ist seine Thematik und der offensichtliche Fingerzeig auf das Justizsystem der USA, ins besonders das der christlich-republikanisch geprägten Staaten, die die biblisch Auge-um-Auge-Rechtsprechung noch als zeitgemäß und gerechtfertigt betrachten. Als Brite kann Parker sich relativ unbefangen einen Blick auf dieses System erlauben, sein Standpunkt scheint ersichtlich, obwohl der Film keine ganz klare Position bezieht, im Sinne von überdeutlich und mit dem erhobenen Zeigefinger zu fuchteln. Das schaffte eine Film wie "Dead Man Walking" deutlicher und bewusster, oberste Priorität hat das hier nicht, ist jedoch keine bloße Randnotiz. Die Darstellung des Denkens und Handelns im Cowboy-Staat enthält genug Einzelheiten, die Standpunkt genug sind (No Hostages Will Exit). Darunter fällt dann schließlich auch das Ende des Films, welches im ersten Moment unglaubwürdig und zu extrem erscheint, bei genauerer Betrachtung einfach eine sehr konsequente Maßnahme ist, die aus der vorher erzählten und charakterisierten Handlung und Figurenzeichnung sogar als befremdlich-schlüssig erscheint. Gerade weil die Figuren und das Gesamte so genau skizziert wurden, hält es jeder Kritik stand. Ob man selbst so handeln würde, das steht nicht zur Debatte. Ob es für diese Figuren Sinn macht schon eher. Und das tut es. Und macht die Thematik sehr eindringlich. Was muss man tun, wie weit muss man gehen, was ist ein Leben wert und vor allem, wofür kann es gut sein? Selbst wenn...


Ein interessanter Film, hervorragend gespielt und inszeniert, dessen Geschichte auf dem Papier und grob überflogen sehr konstruiert und lebensfremd wirken mag, aufgrund der detaillierten, durchdachten und feinen Inszenierung genau diese Hürde erstaunlich abgeklärt überspringt. Mit einem weniger schlüssigen Skript aufgrund seiner nahgebrachten Figuren und einem nicht so fähigen Regisseur sicher ein schwieriges Unterfangen, so ganz genau richtig. Alan Parker soll bitte wieder mal einen Film drehen. Das er es so lange nicht getan hat, spricht vielleicht auch für ihn. Francis Ford Coppola macht aus Langeweile oder knapper Kasse so was wie "Twixt". Wenn das der Grund ist, dann viel Spaß bei der Gartenarbeit Mr. Parker und vielen Dank für alles.

 



7,5 von 10 Schlüsseln zur Freiheit