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Review: DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY TEIL 2 - Finale ohne Erzählfluss

1 Kommentar:



Fakten:
Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 (The Hunger Games: Mockingjay - Part 2)
USA. 2015. Regie: Francis Lawrence. Buch: Danny Strong, Peter Craig, Suzanne Collins (Vorlage). Mit: Jennifer Lawrence, JoshHutcherson, Liam Hemsworth, Donald Sutherland, Julianne Moore, Woody Harrelson, Natalie Dormer, Sam Clafin, Philip Seymour Hoffman, Michaelle Forbes, Elden Henson, Willow Shields, Elizabeth Banks, Jena Malone, Mahershala Ali, Gwendoline Chrisite, robert Knebber, Jeffrey Wright, Stef Dawson, Patina Miller, Wes Chatman, Stanley Tucci, Paula Malcolmson u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegebe ab 12 Jahren. Ab 21. März 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Katniss Everdeen muss feststellen, dass es im Kampf gegen das Kapitol nicht nur ums Überleben, sondern um die Zukunft Panems geht. Während sich ganz Panem im Kriegszustand befindet, kommt es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Katniss und Präsident Snow. Zusammen mit ihren engsten Freunden, darunter Gale, Finnick und Peeta, begeben sich Katniss und die Distrikt 13 Einheit gemeinsam auf eine lebensgefährliche Mission, um das Leben aller Bürger Panems zu retten. Gleichzeitig bereitet sie einen Plan zur Ermordung Präsident Snows vor, der mittlerweile besessen davon ist, sie zu zerstören. Tödliche Fallen, Feinde und schwierige Entscheidungen warten auf Katniss und werden sie weitaus mehr herausfordern als alle Arenen, in denen sie während der Hungerspiele bestehen musste.




Meinung:
Die Unsitte große Finale von Franchises aufzusplitten, obwohl dies auch narrativer Sicht nicht notwendig ist, hat auch bei „Die Tribute von Panem“ nicht Halt gemacht. Nach dem mit Exposition vollgestopften „Mockingjay Teil 1“, darf der Showdown nun alle losen Enden miteinander verbinden und Heldin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) endlich gegen das Capitol von dem sinisteren Präsidenten Snow (Donald Sutherland) aufmarschieren lassen. Wirklich viel zu erzählen hat das Finale dabei nicht, keine Wunder, das hat sein Vorgänger bereits erledigt. Um aber die weißen Flächen zu füllen, die das Fehlen von Exposition hinterlässt, greift der Film zu einem einfachen wie höchst nervigen Trick zurück.


Katniss und Gale auf der Flucht
Wiederholung ist das Zauberwort. „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ it so elendig repetitiv geworden in dem was er präsentiert und (nicht) erzählt, dass sich das große Finale elendig in die Länge streckt, obwohl er inhaltlich wenig Neues oder gar Relevantes zu bieten hat. Die Charaktere sind bereits eingeführt und porträtiert wurden, dennoch verwendet Regisseur Francis Lawrence („Wasser für die Elefanten“) Unmengen an Zeit, um diese dem Publikum näher zu bringen. Damit durchbricht er allerdings immer wieder den Erzählfluss, der ohnehin schon äußerst zäh geraten ist. Auch die Actionszenen bringen da keine Abhilfe. Zum einen sind diese meist nicht sonderlich gut inszeniert – es fehlt ihnen oftmals die nötige Durchschlagskraft -, zum anderen wirken sie zu passiv. Die wenigen Momente, in denen der Spottölpel Katniss wirklich etwas zu tun hat, was über traurig sein und schmachten hinaus geht, bringen zwar kurzzeitig etwas Abwechslung aber insgesamt sind diese Momente viel zu selten, um solch einen aufgepumpten Film wirklich füllen zu können.


Alle außer Katniss hätten gerne drei Bier
Gleiches gilt auch für den Versuch des Films das Elend der Unterdrückung zu zeigen. Gelang es „Die Tribute von Panem – Catching Fire“, ebenfalls von Regisseur Lawrence, noch diesen politischen wie gesellschaftlichen Missstand packend und für einen Blockbuster recht massiv einzufangen, verkommt es hier zum bloßen Nebenprodukt, obwohl Katniss erneut wieder herbe Verluste durchleben muss, die der Film allerdings oftmals fast schon so beiläufig inszeniert, dass sich beinah so anfühlt, als ob die Macher Angst davor hätten ihr Publikum zu überfordern. Zwar wird Katniss am Ende ein emotionaler Ausbruch gegönnt, allerdings wirkt dieser im Vergleich zu dem was sie durchgemacht hat und vor allem was ihr genommen wurde, wie ein viel zu zweckdienlicher Ausgleichsversuch, bei dem man dazu das Drehbuch rascheln hört. Dieses erweist sich eh in Sachen Dialog als ziemlich biederes Stück Papier, wobei es nicht unerwähnt bleiben sollte, dass „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ einige narrative, freie Flächen hat. Da wäre z.B. die Dreiecksgeschichte zwischen Katniss, Peeta (Josh Hutcherson) und Gale (Liam Hemsworth), die fast schon redundant und vor allem lückenhaft aufgelöst wird. Das schreit nach einem  Extended Cut auf DVD und Blu-ray.


Ob dieser das große Finale richten kann? Wohl eher nicht. Fans der Vorgänger, dürfen sich aber sicherlich freuen, immerhin wird die Geschichte endlich abgeschlossen und immerhin erlaubt sich der Film dabei sogar eine einfache wie aber auch funktionelle Horrorsequenz, die sicherlich für die jüngsten Zuschauer ungeeignet ist. Aber wenigstens in diesen fünf Minuten bricht das Finale einmal aus seiner narrativen Tristesse aus. Ja, immerhin etwas.


3,5 von 10 Katzen

Review: THE MECHANIC - Breitbeinig in den Strampelmann gehüpft

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Fakten:
The Mechanic
USA. 2011. Regie: Simon West.
Buch: Lewis John Carlino, Richard Wenk. Mit: Jason Statham, Ben Foster, Tony Goldwyn, Donald Sutherland, Jeff Chase, Christa Campbell, James Logan, Stuart Greer, Mini Anden u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Arthur Bishop ist ein Mechanic, ein Profikiller der seine Morde wie Unfälle aussehen lässt. Widerwillig bringt er für einen Auftraggeber sogar seinen alten Freund Harry um. Harrys Sohn, Steve, der nichts von Arthur Involvierung wusste, will daraufhin bei ihm in die Lehre gehen. Steve erweist sich als guter wie aber auch gefährlicher Schüler.





Meinung:
„Töte nie jemanden, wenn Du ein Motiv hast“, erklärt Arthur Bishop (Jason Statham) seinem Gesellen und Schützling Steve McKenna (Ben Foster). Ein echter Profikiller, oder, noch verwegener ausgedrückt, ein echter Mechanic, funktioniert nur dann, wenn er sein Handwerk losgelöst von jedem emotionalen Strang ausführen kann. Ja, diese Branche entledigt sich ihrer Menschlichkeit von vornherein, gewissenhafte Instanzen scheinen nur hemmender Ballast, jedenfalls ist das auf dem Papier so gelagert. Dieser „The Mechanic“ von 2011, entstanden unter der Regie von Simon West, ein relativ freies Remake des Charles-Bronson-Klassikers „Kalter Hauch“, aber geht einen irritierenden Weg, um sein pedantisch zur Tat schreitendes Hauptgespann in ihrer Berufung zu moralisieren. Anstatt auf beißenden Nihilismus zu plädieren, wie Michael Winner es 1972 tat, bügeln die Drehbuchautoren Lewis John Carlino und Richard Wenk das gesamte Sujet mit dem Bulldozer platt, um einem Taschentrick in der Gewaltlegitimation zu folgen: Es sind prinzipiell immer echte Drecksäcke, die Bishop und McKenna vor die Büchse stolpern.


Jason Stathams don't look into Explosions
Ohnehin reicht der modernisierte Blick des Films auf seine beide Akteure immer nur soweit, wie abtörnende Sympathieflächen erbaut werden können, nie aber wird Bishop oder McKenna die Möglichkeit verliehen, aus ihren sturen Charaktermodellen auszubrechen und darüber hinaus zu fungieren. Arthur Bishop ist ein Meister in seinem Fach, Aufträge erledigt er ohne Komplikationen, unsichtbar, antizipierend und im höchsten Maße effektiv. Dass sich hinter der eiskalten Killermaske aber auch ein einsamer Mensch verbirgt, der sich gerne in sein stilvolles Haus in den Sümpfen von Louisiana zurückzieht, klassische Musik auf Vinyl konsumiert und in Gedanken versunken am Rotweinglas nippt, bringt nicht nur den despektierlichen Effekt mit sich, dass Bishop zum albernen Klischeeknäuel heranwächst, sondern auch, dass einem Schauspieler wie Jason Statham diese Klischees überhaupt nicht zu Gesicht stehen. Ein muskulöser Pitbull, der sich in seiner Freizeit von den melancholischen Klängen Franz Schubert berieseln lässt, damit auch der letzte debile Zuschauer versteht, dass dieser Job nicht nur von trampelnden Kulturverächtern praktiziert wird.


Ben Foster ist selbstverständlich aus einem anderen schauspielerischen Holz geschnitzt und verleiht seinem Steve McKenna immerhin partiell Profil, wenn er ihn als herrenlosen Köter einfängt, der um das Grab seines Vaters streunt und nach Rache giert, um seinem alten Herrn endlich den Respekt abzuverlangen (respektive sich diesen einzureden), den er von ihm zu Lebzeiten nie einfordern konnte. Dass er damit irgendwann auch ein Motiv zum Töten besitzt, stellt die Weichen für sein Schicksal relativ deutlich und all die auf menschliche Impulse bedachten Zwischenstellen wirken in ihrer Repetition wie ein Parodie auf das garstige Original – Oder eine heftig unterdrückte Schwulensaga, die aufgrund des mainstreamigen Usus einfach nicht entfesselt werden kann und darf. Deswegen ist McKennas erstes Opfer auf direkt mal ein Schwuler, mit dem er sich durch das ganze Appartement kloppt, bis beide blutverschmiert und keuchend übereinander hängen. Bronzierte Einstellungen ästhetisierten die peinlichen Kleine-Jungs-Posen zunehmend, während selbige sich vor der Mattscheibe in ihrem Gebaren ob der breitbeinigen Attitüde maßlos bestätigt fühlen dürfen. Glückwunsch.


3 von 10 CGI-Blutspritzer

Review: DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY TEIL 1 – Das Feuer breitet sich aus

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Fakten:
Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 (The Hunger Games: Mockingjay Part 1)
USA. 2014. Regie: Francis Lawrence. Buch: Danny Strong. Mit: Jennifer Lawrence, Philip Seymour Hoffman, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Julianne Moore, Donald Sutherland, Jeffrey Wright, Willow Shields, Stanley Tucci, Natalie Dormer, u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Ab 26. März 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während Peeta (Josh Hutcherson) im Kapitol gefangen ist, wird Katniss (Jennifer Lawrence) im versteckten District 13 zur Gallionsfigur des Widerstandes aufgebaut. President Coin (Julianne Moore), Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) und die übrigens Anführer versuchen sie zu instrumentalisieren, um so die Bevölkerung Panems endgültig gegen das Capitol um President Snow aufzuwiegeln und den bewaffneten Kampf aufzurufen. Doch Katniss, die nach den Ereignissen bei den letzten Hungerspielen von Alpträumen geplagt ist und noch immer von ihrer unglücklichen Liebe getriezt wird, hat ihren eigenen Kopf, der nicht so einfach zu benutzen ist.





Meinung:
Tumulte in und vor den Kinos, zahlreiche Tweets mit Bildern, auf denen junge Leute stolz drei ausgestreckte Finger präsentieren. Was der geneigte Filmfan sonst aus den „Die Tribute von Panem“-Verfilmungen kennt, das hat sich wie ein Feuer ausgebreitet. Zumindest in Thailand, wo zahlreiche Studenten mit diesem Zeichen ihren Protest gegen die dortige Militärregierung kundtun wollen. Die Reaktion? Verhaftungen und Verbannung des Films aus den Kinos. Und auch China reagierte und verschob den Filmstart auf unbestimmte Zeit. Nicht verwunderlich, wird doch in „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ eben jene gesellschaftliche Konstellation thematisiert, die die Machthaber in manchen Ländern fürchten. Es herrscht Revolution in Panem. Der Spotttölpel Katniss aus den ersten beiden Filmen wird zum Symbol einer nationalen Umsturzbewegung. Aus den Hunger-Spielen wird ein richtiger Krieg um die Freiheit der Bewohner Panems. Und genau wie die Figuren wirkt auch der Film erwachsener, politischer, reifer.


Das Zeichen, das sich wie ein Feuer ausbreitet.
Jennifer Lawrence zeigt einmal mehr, wie hervorragend sie als starke Frau einen Film tragen kann. In ihren Szenen dominiert sie das Geschehen und kann in den stärksten Momenten Gänsehaut beim Zuschauer erzeugen. Besonders das von ihr vielleicht nicht mit der besten Gesangsstimme intonierte aber dafür umso emotionalere Lied „The Hanging Tree“ hinterlässt bleibenden Eindruck und macht den Zuschauer ziemlich betroffen. Gleichzeitig lässt sie ihren Kollegen genügend Freiraum, um auch eigene Akzente zu setzen. Die fast schon ansteckende Fröhlichkeit Philip Seymour Hoffmans ist hier zu allererst zu nennen, die bei seiner traurigen Geschichte eine umso größere Schwermut mit einfließen lässt, aber auch Elizabeth Banks in ihrer Paraderolle als Effie Trinket. Auf der anderen Seite haben bei der großen Menge an namhaften Darstellern nicht mehr alle die Möglichkeit, ihr volles Potential zu entfalten. Josh Hutcherson, Jeffrey Wright oder Natalie Dormer waren aufgrund zu geringer Screentime auch einfach nicht die Möglichkeiten gegeben, bleibenden Eindruck zu hinterlassen.


Heavensbee und Coin wollen Katniss instrumentalisieren
Leider merkt man dem Film immer wieder zu sehr an, dass er einfach nur ein Vorspiel für das große Finale markieren soll. Viele Konflikte und Geschichten werden weitergestrickt und ausgedehnt, die im letzten Panem-Teil dann in einem (hoffentlich) großen Finale einen würdigen Abschluss erhalten. Hier sind die Macher aber noch nicht so weit und versuchen über zahlreiche Gespräche die Spannung irgendwie aufrecht zu erhalten, was aber nicht immer gelingt. Einiges wiederholt sich oder wird ziemlich breit getreten, zum Glück aber nie so sehr, dass der Zuschauer das Interesse verliert. Im Gegenteil, er wirft ihm immer wieder ein weiteres Puzzleteilchen hin, die der Zuschauer dann dankend aufnehmen kann. Seine Stärken hat dieser Film darum auch immer dann, wenn, um es einmal ganz pauschal auszudrücken, Katniss in Bewegung ist, entweder körperlich oder zumindest emotional. Besonders die Actionszenen sind, trotz nicht geringem CGI-Einsatz, äußerst sehenswert geworden und dürften ein Highlight des Films sein, was auch an der tollen Kameraführung liegt, die ein perfektes Verhältnis aus ruhigen Aufnahmen und der im ersten Teil im Übermaß eingesetzten Wackelkamera gefunden hat.


Die großen, bombastischen Bilder wurden in diesem Teil im Vergleich zum äußerst starken Vorgänger ein wenig zurückgeschraubt, was auch daran liegt, dass sich vieles im unterirdischen District 13 abspielt, einem streng geführten, ein wenig an den Sozialismus erinnernden Arbeiterstaat, der den Widerstand gegen die kapitalistische und auch teilweise faschistisch wirkende Oberschicht im Capitol organisiert. Dass dabei beide Seiten mit fragwürdigen Mitteln kämpfen, macht den Film umso interessanter und lässt sich nicht mehr auf eine einfache schwarz-weiß-Sicht herunterbrechen. Die Botschaft, die der Film dabei vermittelt, ist dabei aber dennoch genau so klar wie in den Vorgängerfilmen und hat sich im Grunde auch nicht weiter verändert. Vielleicht macht er es sich auch ein Stück zu einfach, wenn er sagt, man solle sich eben nicht alles gefallen lassen und für eine bessere, gerechtere Welt kämpfen. Aber er scheint ja dennoch zu wirken. Manchmal sind es eben doch die einfachen Bootschaften, die die Massen bewegen können. Wie in Thailand.

7 von 10 weiße Rosen auf zerbombten Felsen