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Review: THE PURGE: ELECTION YEAR - Satire einer Satire

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Fakten:
The Purge: Election Year
USA, Fr, 2016. Regie & Buch: James DeMonaco. Mit: Frank Grillo, Elizabeth Mitchell, Mykelti Williamson, Joseph Julian Soria, Betty Gabriel, Terry Serpico, Edwin Hodge, Kyle Secor, Raymond J. Barry u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
Die jährliche Säuberung könnte bald ihr Ende finden, denn Senatorin Charlie Roan hat sich zum Ziel gesetzt, die Purge ein für alle Mal zu verbieten. Bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen werden ihr gute Chancen eingeräumt. Doch zunächst muss sie diese Nacht überstehen. Denn ihre politischen Gegner von der NFFA wollen die anstehende Purge nutzen, um die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Dank ihres Bodyguards Leo überlebt die Senatorin das ursprüngliche Attentat, allerdings müssen sich die Beiden nun durch die mordlüsternen Straßen schlagen. Und so schnell geben die Hardliner natürlich nicht auf…

                                                                            
Meinung:
„Wir sind keine verfluchten Heuchler! Wir praktizieren, was wir predigen!“

Dieses Zitat ist der einzige Moment, in dem „The Purge: Election Year“ ausversehen fast eine satirische Meta-Ebene erreicht. Als würde er mit voller Absicht sich selbst die Maske runterreißen wollen und zur Satire auf die nicht-wirkliche Satire werden. Natürlich ist das nicht der Fall, eine kleine Kuriosität am Rande ist es trotzdem und verdeutlicht gleichzeitig, was bei der gesamten Reihe bisher und ganz besonders in der dritten Session des fröhlichen Großreinemachens sichtlich schiefläuft.


Einfach Abhängen, ist ja Feiertag.
Es ist Wahljahr, in der Realität wie in den purgend-fiktiven USA und schon meinen einige Schlaumeier, James DeMonaco würde mit dem (vermutlich nicht) Abschluss seiner Trilogie den ganz großen, galligen Satire-Sturm auf das drohende Trump-Debakel loslassen und einen überspitz-mahnenden Blick in dessen ins primitive Wild-West-Chaos trudelnde Amerika riskieren. Die aktuelle Situation greift der Film in der Vermarktung natürlich nebenbei dankend auf, aber man sollte mal drei Jahre zurückblicken. Als 2013 „The Purge – Die Säuberung“ in die Kinos kam war Trump for President noch gar kein (ernsthaftes) Thema, die Hintergrundgeschichte zum Film über das schöne, neue Amerika und seine absurde Gewissensreinigungsnacht schon längst verfasst. Das der cholerische Dagobert Duck mit seinen gefährlichen Spinnereien nun DeMonaco erschreckend in die Karten spielt, ist (für ihn) so was wie Glück im hoffentlich zu vermeidenden Unglück. Unabhängig davon tut die gesamte Purge-Reihe so, als würde sie der gesellschaftlichen Entwicklung in den USA einen bösen Zerrspiegel vorhalten, dessen Bild sich der nahen Zukunft immer mehr annähern könnte.


Psychopathen-Karneval mit abendlichen Freigang.
Was im Erstling nur ein wenig vertiefter Aufhänger für einen reinen Home-Invasion-Reißer war, demaskiert sich nun endgültig als verlogener Blender, der fast genauso scheinheilig ist wie die dort dargestellte Schreckensregierung. Schon bei „The Purge: Anarchy“ wurde überdeutlich, wie der Film oberflächlich das Anprangern von Missständen vorschiebt, um dessen Auswirkungen als eigentliches Zugpferd vor den Karren zu spannen. Niemand der Fans fühlte sich hinterher sicher moralisch und ethisch aufgerüttelt, der wilde Exzess des staatlich abgesegneten Amoklaufs bediente das eigene, voyeuristisch-blutgeile Bedürfnis. Das könnte man bequem vielen Genrefilmen vorwerfen, entscheidend ist doch der ehrliche Umgang damit. Wenn man sich einen dystopischen Exploitation-Klopper reinzieht, bucht man den schlechten Geschmack oder zumindest das kurzzeitige Auschecken aus der guten Kinderstube gleich mit. Das wissen (in der Regel) auch diese Filme, fangen es im Idealfall mit einem spitzbubigen Augenzwinkern und Spaß-an-der-Freud-Einstellung locker wieder auf. Kein Film dieses Sub-Genres muss den Anspruch eines politisch-gesellschaftlichen Bildungsauftrags verfolgen, dass machten ja nicht mal Meisterwerke wie Carpenters „Die Klapperschlange“. Somit selbstverständlich auch nicht „The Purge“, was der dritte Teil aber ohne jegliche Selbstreflexion noch deutlicher als schon im direkten Vorgänger zum Thema macht und sich damit selbst saftig weg-purged.


364 Tage ein lässiger Job, aber heute wird es echt stressig!
Teil eins brauchte nur die Ausgangslage und irgendwie war man schon enttäuscht, dass es von dem Wahnsinn außerhalb des Hauses kaum was zu sehen gab. Teil 2 erfüllte diesen Wunsch und sorgte damit zumindest für einen interessanten Tapetenwechsel. Deutlich mehr Action, deutlich mehr Hintergrund,  deutlicher traten die Probleme zu Tage. Schon dort kippte das Gleichgewicht von „Das darf nicht sein!“ und „Seht her, ist das nicht geil?“ in den grenzwertigen Bereich, dafür blieb dieser Film gerade noch im Genre-akzeptablen Bereich. Mit ein paar ordentlichen, inszenatorischen Momenten und noch nicht uneinholbar weit entfernt von purer Exploitation, jedoch bereits etwas doppelmoralisch verseucht. „The Purge: Election Year“ überspannt den Bogen jetzt zu ungeniert oder eher tollpatschig. Der moralische Disput zwischen Gut und Böse rückt in die Zentrale der Geschichte, durch die angehende Säuberungs-Säuberin-Senatorin, deren Überleben scheinbar unweigerlich über Wohl oder endgültiges Verderben der freien Welt entscheiden wird. Dauernd findet die Verwerflichkeit des Geschehens direkt oder indirekt Erwähnung, während der Film genau dadurch seine Schauwerte bezieht und schamlos sein Publikum bedient.


Hier wird nichts mehr satirisch oder wenigstens leicht nachdenklich stimmend hinterfragt, sich einen feuchten Dreck um noch nachvollziehbare, vielleicht leicht übertragbare Bezüge auf reale Entwicklungen geschert. Trotzdem immer auf die dicke Meta-Hose gemacht, wofür „The Purge: Election Year“ wirklich jegliche Substanz fehlt. Wurden in den Vorgängern vordergründig persönliche Schicksal und Konflikte thematisiert, die auch losgelöst vom großen Ganzen funktionieren, geht es jetzt nur noch um das Ding an sich. Und da lässt der Film knallhart, planlos die besagte Hose runter. Kann nichts mehr auf individuelle Säulen stützen und muss sich die unangenehme Frage gefallen lassen, was er hier eigentlich wem verkaufen will. Aus dem bitterbösen, aber cleveren und lange noch nicht über-brutalen Thriller „Saw“ wurde in der lukrativen Endlosschleife auch ein Gore-Party-Franchise, auf dem „besten“ Weg dahin befindet sich auch James DeMonaco, der selbst wohl nicht mehr die Reißleine ziehen kann, auch ohne ihn dürfte dem ewigen Dauer-Purge-Wahnsinn keine Steine in den Weg gelegt sein. Solange der Rubel rollt. Wir werden sehen und nach wie vor bleibt festzuhalten: Die Idee ist nicht zwingend das Problem, es ist die Umsetzung. Beweisstück C, jetzt ohne Bewährung.

3 von 10 Mitternachtsmessen

Review: HIGH-RISE – Chaos und Anarchie im futuristischen Hochhaus-Komplex

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Fakten:
High-Rise
GB, 2015. Regie: Ben Wheatley. Buch: Amy Jump. Mit: Tom Hiddleston, Luke Evans, Jeremy Irons, Sienna Miller, Elisabeth Moss, James Purefoy, Peter Ferdinando, Stacey Martin, Emilia Jones u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Noch nicht geprüft. Ab dem 30. Juni 2016 im Kino.


Story:
In einer nicht näher bestimmten Zukunft haben sich in Großstädten gewisse Mikro-Gesellschaften gebildet. Diese leben in einem gigantischen Hochhaus-Komplex, der über zahlreiche Stockwerke hinweg ein funktionierendes System bildet, in dem unter anderem Schulen, Supermärkte und Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen. Über die Zeit hinweg hat sich allerdings eine bekannte Dreiklassengesellschaft mit Unterschicht, Mittelschicht und Oberschicht gebildet, die nun kurz davor ist, die gesamte Zivilisationsordnung zur Implosion zu führen.




Meinung:
Wenn man eines an Ben Wheatley schätzen kann, dann ist es seine schiere Unberechenbarkeit. Der englische Filmemacher liebt es ganz offensichtlich, sich zwischen den Genres zu bewegen, Sehgewohnheiten schroff zu unterwandern und den ein oder anderen Zuschauer seines Publikums gehörig vor den Kopf zu stoßen. "Kill List" beispielsweise, der immer noch als einer der großen Geheimtipps der letzten Jahre gelten darf, war eine unglaublich unbequeme Mischung aus Thriller und Horror, in der schaurige Vorzeichen und merkwürdige Vorfälle schließlich in einen Gipfel blanken Entsetzens mündeten. Auch "Sightseers" darf eindeutig als ungewöhnlich eingestuft werden, denn hier treffen schwarzer Humor auf brachiale Gewalteinlagen und ein psychopathisches Hauptfiguren-Pärchen auf verschrobene Gemütlichkeit.


Tom Hiddleston im Aufzug und mit sich selbst eingesperrt
In "High-Rise" kommt nun anscheinend endlich zusammen, was wie füreinander bestimmt zu sein scheint. Die Romanvorlage von Autor J.G. Ballard, der für seine dystopischen, surrealen Geschichten bekannt wurde, gelangte in die Hände von Wheatley, der bekanntlich keine Risiken scheut, um seine Filme in Erlebnisse zu verwandeln. Der Regisseur entwirft ein Szenario, bei dem ein gigantischer Hochhaus-Komplex als in sich abgeschlossener Mikrokosmos dient, in welchem den Bewohnern von Freizeitanlagen über Schulen bis hin zu Supermärkten alles zur Verfügung steht, was als lebensnotwendig oder grundsätzlicher Bedarf erachtet wird. Verlassen werden muss dieses Hochhaus eigentlich nur noch zum Arbeiten, ansonsten gibt es keine Gründe, weshalb man sein Leben außerhalb dieser abgeschotteten Welt führen sollte. Nichtsdestotrotz hat dieser Entwurf einer zukünftigen Lebensweise seine Tücken, die sich in der mittlerweile etablierten Dreiklassengesellschaft offenbaren. Während die dekadente Oberschicht rauschhafte Partys feiert und im Luxus schwimmt, brodelt es in der Unterschicht immer stärker. Problematisch wird dieser Zustand außerdem für die Mittelschicht, in der sich unter anderem der Arzt Dr. Robert Laing befindet, welcher zunehmend zwischen die Fronten gerät und kaum noch weiß, zu wem er überhaupt Stellung beziehen soll.


Der entscheidende Stein, der die Apokalypse ins Rollen bringt
Anhand von kühl entworfenen Bildern und der präzisen Betrachtung bestimmter Einzelfiguren aus den unterschiedlichen Schichten treibt Wheatley das Geschehen leise aber spürbar auf einen gewissen Höhepunkt zu. Bis es allerdings zur unabwendbaren Katastrophe kommt, deren Konsequenzen der Regisseur direkt zu Beginn vorweg nimmt, bevor die Handlung drei Monate zurück springt, ist der Film bereits vorab ein mitunter kaum zu erfassender Rausch, in dem sich kleine Zwischenfälle, apokalyptische Symbolik und laute Konflikte zu einem zunächst unsichtbaren Kollaps vereinen. Mithilfe von unwirklichen, exzessiven Montagen, einem herausragenden Score von Clint Mansell und dem konzentrierten Spiel der Darsteller, welche zeitweise zwischen Verzweiflung, Unsicherheit, Aggression und blankem Kontrollverlust agieren, verkommt "High-Rise" zu einer malerischen Symphonie des schleichenden Wahnsinns, die in jeder Einstellung düstere Paranoia sowie die Gewissheit über das nahende Unheil verkündet. Wheatley treibt das Konzept dabei ebenso ungestüm wie rücksichtslos auf die Spitze, indem er unaufhörliche Anarchie als glorreichen Wandel zelebriert und das anfangs brüchige Fundament der ungleichen Klassengesellschaft vollständig niederreißt.


Als kaum zu beschreibendes, gänzlich unbändiges Gesamtwerk ist "High-Rise" eine zynisch-ätzende Dystopie, die inszenatorisch manchmal sogar strengstens kontrolliert wirkt, nur um sich im nächsten Moment ganz dem fiebrigen Exzess hinzugeben und Impressionen auf den Betrachter loszulassen, die so ungreifbar wirken wie sie wunderschön und einfach Kino pur sind. Ein finsterer Rausch, der den Untergang der vorherrschenden Zivilisationsordnung mit einem Lachen im Gesicht durchführt und am Ende nichts als endgültigen Wahnsinn und platzende Seifenblasen hinterlässt.


8 von 10 gegrillte Hunde



von Pat

Review: THE LOBSTER - Menschen, Tiere und der Wahnsinn echter Gefühle

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Fakten:
The Lobster
FR, GB, GR, IE, NL. 2015. Regie: Yorgos Lanthimos. Buch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou. Mit: Colin Farrell, Rachel Weisz, Jessica Barden, Olivia Colman, Léa Seydoux, Ben Whishaw, John C. Reilly u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: ungeprüft. Noch kein deutscher Veröffentlichungstermin.


Story:
In einer dystopisch angehauchten Zukunftsversion haben Singles 45 Tage um sich zu verlieben. Tun sie das nicht, werden sie als Strafe in Tiere verwandelt und im Wald ausgesetzt. In einem zu diesem Zweck eingerichteten Hotel trifft Colin Farrell auf aller Hand merkwürdiger Figuren.




Meinung:
Yorgos Lanthimos kann ohne Zweifel als ein eigensinniger Regisseur bezeichnet werden. Mit seinen früheren Werken (beispielsweise „Dogtooth“) hat er nicht nur Filme geschaffen, die von Publikum und Kritikern noch heute sehr gespalten aufgenommen und diskutiert werden, sondern auch eine treue Fangemeinde um sich versammelt. Umso erstaunlicher ist es, dass sein internationaler Debütfilm „The Lobster“ noch keinen Release fürs deutsche (Heim)Kino erhalten hat. Denn der ist nicht nur ein herausragendes Stück Film, sondern liefert mit internationalen Stars wie Colin Farrell und Rachel Weisz auch genug Potential für eine gewinnbringende Vermarktung.


Mensch und Tier
Wer Lanthimos kennt, der weiß, dass er in seinen Filmen gerne gesellschaftskritische Themen aufgreift und seine Gedanken in einem parabelähnlichen Mikrokosmus weiterspinnt. Während er in „Dogtooth“ das Bild einer Familie gezeichnet hat, die ihre Kinder fernab der Welt außerhalb des eigenen Hauses großzieht und ihnen dabei ein völlig verqueres Weltbild beibringt, spielt „The Lobster“ selbst schon in einer dystopischen Version unserer Welt. Die Ausgangslage ist dabei merklich simpel, denn in der gezeigten Gesellschaftsform gibt es nichts wichtigeres als die Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen, Singles werden in ein Hotel gesperrt und haben 45 Tage Zeit sich zu verlieben, schaffen sie das nicht, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und im Wald ausgesetzt. Dieses abstruse Setting zieht Lanthimos konsequent durch und nutzt es als Spielwiese für zahlreiche kreative und abgedrehte Ideen. In der dadurch geformten Welt ist es völlig normal seinen Partner anhand von oberflächlichsten Charaktermerkmalen auszuwählen (Das Paar mit Nasenbluten), für wirkliche Gefühle scheint es keinen Platz mehr zu geben und auch die Kommunikation untereinander ist zweckmäßig und von einer Unfähigkeit zu menschlicher Nähe geprägt. Herrlich ernst und unreflektiert wird dieses Weltbild von seinen Bewohner aufgenommen und selbst die merkwürdigsten Situationen führen nicht zu (Selbst)Zweifel.


Auf der Flucht!
Von einer Erzählstimme aus dem Off angetrieben zieht uns Lanthimos immer tiefer in diese skurrile Welt, erklärt uns Mechanismen und Regeln, zeigt Aufstände und Konsequenzen. Zur Mitte des Films bröckelt das bestehende System, der Protagonist flieht und schließt sich einer Kommune im Wald an, die sich amüsanterweise einem komplett gegenteiligen Weltbild verschworen haben und jegliche Art von Zuneigung und körperlicher Nähe untersagen. Das ist rein inhaltlich natürlich sehr naiv aufgebaut, erhält aber gerade auf der symbolischen Ebene seine Bedeutung und zeigt in herrlich überzeichneter Form ein Spiegelbild der aktuellen Welt. In seiner parabelartigen Struktur kritisiert Lanthimos sowohl den Mensch als Beziehungsmensch, der sich aus reinem Selbstzweck eine Beziehung wünscht und seinen Partner anhand oberflächlicher Vorlieben auswählt, wie auch den ewigen Einzelgänger, der sich selbst und seine Freiheit am meisten schätzt. Mitten in dieses zweigespaltene Weltbild dringt dann jedoch ein kleines Wunder, echte Liebe, die zwar von den verblendeten Protagonisten nicht als solche verstanden wird (Stichwörter: kurzsichtig, Steakmesser!), aber in ihrem Kern genau das ist. Somit ist „The Lobster“ neben all seiner gesellschaftskritischen Brisanz vor allem auch ein Film über die kraftvollste der menschlichen Emotionen, nämlich Liebe.


Auch in internationalen Gewässern macht der Grieche Yorgos Lanthimos wie gewohnt weiter und entwirft mit „The Lobster“ einen höchst eigensinnigen, aber überaus treffenden Film über den modernen Menschen. Während viele Filmemacher bei ihrem internationalen Debüt Kompromisse eingehen um damit eine größere Zielgruppe anzusprechen, bleibt er sich treu und präsentiert abermals eine schwarzhumorige Groteske angefüllt mit gesellschaftskritischer Dringlichkeit. Ein wunderbares Kleinod, das völlig unverdient noch immer auf seinen deutschen Release warten muss.


8 von 10 Hetzjagden durch den Wald

Review: DIE TRIBUTE VON PANEM - MOCKINGJAY TEIL 2 - Finale ohne Erzählfluss

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Fakten:
Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 (The Hunger Games: Mockingjay - Part 2)
USA. 2015. Regie: Francis Lawrence. Buch: Danny Strong, Peter Craig, Suzanne Collins (Vorlage). Mit: Jennifer Lawrence, JoshHutcherson, Liam Hemsworth, Donald Sutherland, Julianne Moore, Woody Harrelson, Natalie Dormer, Sam Clafin, Philip Seymour Hoffman, Michaelle Forbes, Elden Henson, Willow Shields, Elizabeth Banks, Jena Malone, Mahershala Ali, Gwendoline Chrisite, robert Knebber, Jeffrey Wright, Stef Dawson, Patina Miller, Wes Chatman, Stanley Tucci, Paula Malcolmson u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegebe ab 12 Jahren. Ab 21. März 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Katniss Everdeen muss feststellen, dass es im Kampf gegen das Kapitol nicht nur ums Überleben, sondern um die Zukunft Panems geht. Während sich ganz Panem im Kriegszustand befindet, kommt es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Katniss und Präsident Snow. Zusammen mit ihren engsten Freunden, darunter Gale, Finnick und Peeta, begeben sich Katniss und die Distrikt 13 Einheit gemeinsam auf eine lebensgefährliche Mission, um das Leben aller Bürger Panems zu retten. Gleichzeitig bereitet sie einen Plan zur Ermordung Präsident Snows vor, der mittlerweile besessen davon ist, sie zu zerstören. Tödliche Fallen, Feinde und schwierige Entscheidungen warten auf Katniss und werden sie weitaus mehr herausfordern als alle Arenen, in denen sie während der Hungerspiele bestehen musste.




Meinung:
Die Unsitte große Finale von Franchises aufzusplitten, obwohl dies auch narrativer Sicht nicht notwendig ist, hat auch bei „Die Tribute von Panem“ nicht Halt gemacht. Nach dem mit Exposition vollgestopften „Mockingjay Teil 1“, darf der Showdown nun alle losen Enden miteinander verbinden und Heldin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) endlich gegen das Capitol von dem sinisteren Präsidenten Snow (Donald Sutherland) aufmarschieren lassen. Wirklich viel zu erzählen hat das Finale dabei nicht, keine Wunder, das hat sein Vorgänger bereits erledigt. Um aber die weißen Flächen zu füllen, die das Fehlen von Exposition hinterlässt, greift der Film zu einem einfachen wie höchst nervigen Trick zurück.


Katniss und Gale auf der Flucht
Wiederholung ist das Zauberwort. „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ it so elendig repetitiv geworden in dem was er präsentiert und (nicht) erzählt, dass sich das große Finale elendig in die Länge streckt, obwohl er inhaltlich wenig Neues oder gar Relevantes zu bieten hat. Die Charaktere sind bereits eingeführt und porträtiert wurden, dennoch verwendet Regisseur Francis Lawrence („Wasser für die Elefanten“) Unmengen an Zeit, um diese dem Publikum näher zu bringen. Damit durchbricht er allerdings immer wieder den Erzählfluss, der ohnehin schon äußerst zäh geraten ist. Auch die Actionszenen bringen da keine Abhilfe. Zum einen sind diese meist nicht sonderlich gut inszeniert – es fehlt ihnen oftmals die nötige Durchschlagskraft -, zum anderen wirken sie zu passiv. Die wenigen Momente, in denen der Spottölpel Katniss wirklich etwas zu tun hat, was über traurig sein und schmachten hinaus geht, bringen zwar kurzzeitig etwas Abwechslung aber insgesamt sind diese Momente viel zu selten, um solch einen aufgepumpten Film wirklich füllen zu können.


Alle außer Katniss hätten gerne drei Bier
Gleiches gilt auch für den Versuch des Films das Elend der Unterdrückung zu zeigen. Gelang es „Die Tribute von Panem – Catching Fire“, ebenfalls von Regisseur Lawrence, noch diesen politischen wie gesellschaftlichen Missstand packend und für einen Blockbuster recht massiv einzufangen, verkommt es hier zum bloßen Nebenprodukt, obwohl Katniss erneut wieder herbe Verluste durchleben muss, die der Film allerdings oftmals fast schon so beiläufig inszeniert, dass sich beinah so anfühlt, als ob die Macher Angst davor hätten ihr Publikum zu überfordern. Zwar wird Katniss am Ende ein emotionaler Ausbruch gegönnt, allerdings wirkt dieser im Vergleich zu dem was sie durchgemacht hat und vor allem was ihr genommen wurde, wie ein viel zu zweckdienlicher Ausgleichsversuch, bei dem man dazu das Drehbuch rascheln hört. Dieses erweist sich eh in Sachen Dialog als ziemlich biederes Stück Papier, wobei es nicht unerwähnt bleiben sollte, dass „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ einige narrative, freie Flächen hat. Da wäre z.B. die Dreiecksgeschichte zwischen Katniss, Peeta (Josh Hutcherson) und Gale (Liam Hemsworth), die fast schon redundant und vor allem lückenhaft aufgelöst wird. Das schreit nach einem  Extended Cut auf DVD und Blu-ray.


Ob dieser das große Finale richten kann? Wohl eher nicht. Fans der Vorgänger, dürfen sich aber sicherlich freuen, immerhin wird die Geschichte endlich abgeschlossen und immerhin erlaubt sich der Film dabei sogar eine einfache wie aber auch funktionelle Horrorsequenz, die sicherlich für die jüngsten Zuschauer ungeeignet ist. Aber wenigstens in diesen fünf Minuten bricht das Finale einmal aus seiner narrativen Tristesse aus. Ja, immerhin etwas.


3,5 von 10 Katzen