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Review: THE GIFT - Draußen von der Straße komm ich her…

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Fakten:
The Gift
US. 2015. Buch und Regie: Joel Edgerton. Mit: Joel Edgerton, Jason Bateman, Rebecca Hall, Tim Griffin, Allison Tolman, Beau Knapp, David Denman, Busy Philipps, ua. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab  13. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach dem Umzug treffen Simon und seine Frau Robyn zufällig auf Simons alten Schulkameraden Gordon. Er möchte ihnen helfen, sich einzuleben. Schnell fühlen Simon und Robyn sich bedrängt und schon bald nicht mehr sicher in den eigenen vier Wänden.

                                                                                          

Meinung:
Joel Edgerton, den man wohl am ehesten als Schauspieler aus „Warrior“ kennen mag, hat heimlich still und leise immer wieder selbst mal ein Drehbuch auf die Beine gestellt. Schon ganze vier Mal war er damit so erfolgreich, dass der Film produziert wurde. Nicht ohne Überraschung las der Verfasser dieser Zeilen, dass Edgerton auch das Drehbuch zum nicht unbekannten Film „The Rover“ mit Guy Pearce und Robert Pattinson schrieb. Das bloße Tippen schien dem Herrn mit den Knopfaugen aber nicht genug zu sein, denn mit „The Gift“ (Alternativtitel: „Weirdo“, auch ganz schön) liefert The Edge zudem sein Regie-Debüt ab. Drehbuch, Regie, Schauspiel - das heilige Triptychon, an dessen Ausführung schon viele scheitern sollten. Nicht so Mr. Joel Edgerton.


https://alasdairboswell.files.wordpress.com/2015/10/the-gift-movie-2015-joel-edgerton-gordo.jpg
Was ein netter Kerl...oder?
Es wird hier wohl vielen so gehen, dass sie Opfer falscher Erwartungen werden. Die Marketing-Kampagne war sehr darauf ausgerichtet, ein leicht übertriebenes Bild von diesem Film zu zeichnen. Das Ziel von „The Gift“ ist mitnichten das, ein Home-Invasion-Terror-Stalker-Film zu werden, der es sich - wie andere Filme des Produzenten Jason Blum wohlgemerkt („The Purge“) - zur Aufgabe macht, eine Bedrohung in die teuren vier Wände eines Ehepaares zu bringen. Die Bedrohung existiert auch hier, keine Frage, jedoch kommt nimmt sie weniger Zeit im Haus ein und frisst sich stattdessen immer weiter in das Gewissen und das Wohlgefühl des Ehepaares Simon und Robyn (Jason Bateman und Rebecca Hall) . Anstatt mit einem lauten Knall hinter geöffneten der Kühlschranktür aufzutauchen (was Edgerton nicht ohne Genugtuung unterlässt), kommt der Weirdo Gordon durch die Haustür. Weil er geklopft hat, die Pforte geöffnet und er hineingebeten wurde. Gordon tritt ein, ist (etwas zu) freundlich, (etwas zu) zuvorkommend und einfach - der Titel verrät’s - etwas zu komisch, um Entspannung mit sich zu bringen. Stattdessen bringt er die Menschen um sich (die Kinozuschauer dürfen sich gerne dazu zählen) in eine verunsicherte Anspannung, die man erst bemerkt, wenn man seine Muskeln wieder entspannt.


http://m.cdn.blog.hu/ta/talesfromtheblog/image/FILM/the-gift.png
Nicht jedes Geschenk löst gleich Begeisterung aus.
Die Vergangenheit spielt eine sehr wichtige Rolle in diesem Film. Sie ist es, die Simon ein- und überholt, die seine Zukunft zerstört, wie er Zukünfte zerstört hat und die ihn in die Knie zwingt, wie er andere in die Knie gezwungen hat, um vor ihm den Boden zu lecken. Er und seine Frau Robyn sind sich sicher - sie werden von Gordon belästigt, sie fühlen sich nicht mehr wohl in ihrem eigenen Heim. Es vergehen keine fünf Minuten, bis der alte Schulkollege von Simon als Einbrecher und Störenfried, als kranker Stalker stigmatisiert wird - vom Zuschauer, nicht vom Film selber. Dabei vergeht nicht ein einziges Mal, dass Simon oder Robyn in einem anderen Haus sind und nicht umherschnüffelten. Jedes einzige Mal durchsuchen sie Schränke, durchwühlen Schubladen, öffnen geschlossene Türen, um zu erfahren, was sich hinter ihnen verbirgt. Es ist möglich, dass das vom Zuschauer gar nicht als Solches erkannt und eingeordnet wird, einfach, weil es zu offensichtlich ist. Oder weil die beiden ebenso (ver-)urteilen wie wir. Sie erwarten, gestalkt zu werden. Ein Knacken im Haus wird da zur tödlichen Bedrohung. Auch damit spielt der Film - mit Stigmata, mit den Vorurteilen, die wir uns aussuchen zu glauben. Die Geschwindigkeit, mit der Menschen sich ein Urteil auf Basis von Nichtigkeiten bilden, ist unglaublich schnell. Diese Urteilsfällung funktioniert hier auch in der Zeitspanne eines Fingerschnippes - Gordon muss dazu keine drei Sätze von sich geben.


Joel Edgerton hat mit „The Gift“ ein beachtliches Regie-Debüt abgeliefert. Gekonnt wiegt er den Zuschauer zunächst in den Händen, um ihn dann desinteressiert fallen zu lassen; hier geht es um was anderes. Hier geht es nicht darum, dem Zuschauer den Weg durch die Dunkelheit zu weisen. Seinen Weg muss man hier selbst finden, was nicht immer einfach ist, bei den vielen interessanten Wendungen, die der Film teils einschlägt oder zumindest angibt, einzuschlagen. Die große Stärke des Films ist die Tatsache, dass er um die Urteilssucht des Zuschauers weiß, während dieser sich dessen nicht bewusst ist und gar nicht mitbekommt, wie der Film ihm davonläuft, bis er am Ende ans Ziel zu kommen glaubt - und schon lange erwartet wird.

7 von 10 falschen Entschuldigungen

von Smooli

Review: OPERATION: KINGDOM - Ein kluger Satz reicht halt nicht aus

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Fakten:
Operation: Kingdom (The Kingdom)
USA, 2007. Regie: Peter Berg. Buch: Matthew Michael Carnahan. Mit: Jamie Foxx, Chris Cooper, Jennifer Garner, Jason Bateman, Ashraf Barhom, Ali Suliman, Jeremy Piven, Richard Jenkins, Tim McGraw, Kyle Chandler, Frances Fisher, Danny Huston, Kelly AuCoin, Anna Deavere Smith u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In Saudi-Arabien wird auf die internationale Wohnanlage eines Ölkonzerns ein grausames Attentat verübt. Während eines Softballspiels der Arbeiterfamilien eröffnen als Polizisten getarnte Terroristen das Feuer und töten etliche Unschuldige. Als die Gefahr bereinigt scheint und erste Vertreter der Behörden eintreffen, detoniert auch noch ein Sprengsatz, wobei ein FBI-Agent ums Leben kommt. Seine Kollegen in der Heimat sind geschockt, wegen Angst vor Störungen der politischen Beziehung wird ihnen eine offizielle Ermittlung vor Ort jedoch untersagt. Agent Ronald Fleury schafft es dennoch, für sich und drei Kollegen einen kurzen Aufenthalt dort zu erzwingen. Fünf Tage werden ihnen von der Regierung gewährt, bei denen ihnen allerdings streng auf die Finger geschaut wird und sie sich strikten Regeln zu unterwerfen haben. Gemeinsam mit ihrem „Wachhund“, dem Polizisten Al Ghazi, gelingt es ihnen trotz aller politischen Hürden auf eine heiße Spur zu kommen…


                                                                                           

Meinung:
Der elfte September 2001 hat die USA im tiefsten Herzen getroffen, nachhaltig traumatisiert und den Kampf gegen den Terror zur nationalen Bürde gemacht. Zuerst vermied man in Hollywood das Thema vehement, fror sogar vorher bereits abgedrehte Filme kurzzeitig ein, die auch nur grobe Bezüge dazu hatten (wie das Schwarzenegger-Vehikel „Collateral Damage“, das erst zwei Jahre später auf die Leinwände losgelassen wurde), danach war das große Aufarbeiten angesagt. Einiges davon ging gründlich in die Hose, ganz vorne natürlich Oliver Stone’s peinlicher „World Trade Center“, aber auch der so gelobte „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow verstand es nicht, das komplexe Thema mit der notwendigen Differenzierung zu betrachten, was gerade in dem Fall sehr bedauerlich war. Zumindest ist dieser Film am Versuch gescheitert, davon ist „Operation: Kingdom“ von Peter Berg weit entfernt.


Nur gucken, nicht anfassen, so wollen es die Saudis.
Was der Film zweifelsfrei für sich verbuchen kann, ist seine starke Bebilderung, durch die besonders der Auftakt es schafft Eindruck zu schinden. Ein Massaker wird an amerikanischen Arbeitern und deren Familien in Saudi-Arabien angerichtet, was das FBI auf den Plan ruft. Allen voran Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx), der allerdings schon sehr merkwürdig eingeführt wird. Von dem Anschlag erfährt er, während er vor der Klasse seines kleinen Sohns einen Vortrag hält. Kommt das einem bekannt vor, in Bezug auf 9/11? Na klar und das kann aufgrund der Popularität der Bilder auch kein Zufall sein. Vielleicht sollte so noch deutlicher eine Assoziation geschaffen werden, warum auch immer. Genauso sinnlos wie das, was am Ende wohl für einen „Denkanstoß“ sorgen soll, sowie die gesamte Ausrichtung allgemein. „Operation: Kingdom“ weiß offensichtlich gar nicht, wohin die Reise gehen soll. Nach dem deftigen Start entwickelt sich alles in Richtung Polit-Thriller, der den heiklen Hintergrund dankbar aufnimmt, ohne auf politisch oder gesellschaftlich relevante Punkte näher einzugehen. Das Ermittler-Quartett betritt „feindlichen“ Boden und wird nur für die Imagepflege mit offenen Armen empfangen, in Wirklichkeit versucht man sie an die Kette zu legen und noch lieber, sie so schnell wie möglich wieder Richtung Heimat zu verfrachten.


Jetzt wird die Lage echt brenzlig.
Denn an einer Aufklärung des Attentats scheint hier keiner ein ernsthaftes Interesse zu haben und wenn, sind sie scheinbar schlicht zu unfähig. Da müssen die Entwicklungshelfer aus den USA erstmal Basics vermitteln, obwohl die niemand hören will. Bis auf den für ihre „Betreuung“ abgestellten Polizei-Captain, der dem Zuschauer als „der gute Saudi“ auf die Nase gebunden wird. Seine Landsleute sind wenig aufgeschlossen, stur, fremdartig, halt so, wie man sich das vorstellt in Filmen dieser Art. Nur er, der ist westlich genug, um die Rolle des Helden einnehmen zu können. Der ist noch „lernfähig“. „Operation: Kingdom“ schildert ein ganz plattes, eindimensionales Bild eines Landes und dessen Konflikte, die eigentlich sehr spannend sind. Spannend wird der Film zudem leider so gut wie gar nicht, denn mal selbst reduziert auf seinen reinen Thrillerplot, wie soll die auch entstehen? Der vermeidliche Täter ist praktisch nach wenigen Minuten bekannt, seine Motive mehr oder weniger auch (er ist Terrorist, das reicht doch), er muss nur gefunden werden. Die Suche gestaltet sich nicht sonderlich aufregend und letztlich kommt es nur noch zum großen Showdown, weil seine Mitstreiter die Jäger total unnötig praktisch in sein Wohnzimmer locken. Hatten die kein Ende für den Film und mussten das dann so lösen?


Um das zu übertünchen lässt es Peter Berg dafür massiv krachen, die Action hat Druck und kann sich definitiv sehen lassen, nur reichen diese Sequenzen nicht, um „Operation: Kingdom“ als reinen Actionfilm zu deklarieren, damit wäre es wahrscheinlich deutlich besser gefahren. Da müsste man sich nicht fragen, was er denn eigentlich von einem will. Mit seiner Schlusspointe, die wohl als Aha-Moment funktionieren soll, will man offenbar doch noch eine Botschaft vermitteln. Es gibt in diesem Krieg, dessen Fronten über die Jahrzehnte so verhärtet wurden und in dem viele Aspekte eine Rolle spielen, kein klares Schwarz oder Weiß, kein gut oder böse, wenn man einen Blick auf die jeweilige Perspektive wirft. Das ist sogar richtig, bravo, aber warum tut man dann 100 Minuten lang rein gar nichts dafür, dieses auch zu vermitteln? Ein reiner Amis-im-Einsatz-Film ohne jeden Anflug von einem ernsthaften Blick über den eigenen Tellerrand, da bringt diese drangeklatschte „Moral von der Geschichte“ doch überhaupt nichts. Mal ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder der Eindruck vermittelt wird, dass Sterben zwar tragisch, aber für die gute Sache immer etwas besser ist. Aha, dann sag mal einem kleinen Jungen, dass er voller Stolz weinen kann, wenn Papa nicht mehr nach Hause kommt. Das soll intelligentes Actionkino sein? Prost Mahlzeit!

3,5 von 10 fehlenden Fingern

Review: ARRESTED DEVELOPMENT (Staffel 1) – Trautes Heim, Glück allein

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Fakten:
Arrested Development (Staffel 1)
USA. 2003. Regie: Joe Russo, Anthony Russo, Paul Feig u.a. Buch: Mitchel Hurwitz u.a. Mit: Jason Bateman, Will Arnett Portia de Rossi, Tony Hale, David Cross, Michael Cere, Jessica Walter, Alia Shawkat, Jeffrey Tambor, Judy Greer, Henry Winkler, Liza Minelli, Julia Louise-Dreyfuss, Clint Howard u.a. Länge: 22 Episoden á 21 Minuten.
FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Michael Bluth hat es nicht leicht. Eigentliche sollte er die Firma von seinem Vater übernehmen, doch es kommt anders. Wegen Wirtschaftskriminalität landet sein Vater im Knast. Nun liegt es an Michael, nicht nur die Firma zu retten, sondern auch seiner Familie klar zu machen, dass das ehemalige Lotterleben im Luxus vorbei ist. Selbstverständlich erweist sich als wahre Mammutaufgabe, denn die Familie Bluth ist ein Haufen Exzentriker: Mutter Lucille hat die Selbstsucht für sich gepachtet, Bruder Gob meint er wäre ein guter Zauberer, Schwester Lindsay versucht sich einzig und alleine durch Charity-Events zu definieren und ihre Gatte, der Therapeut Dr. Tobias Fünke, hat nicht nur ein Problem mit seinem eigenen Körper, sondern gibt seinen alten Job auf, um endlich Schauspieler zu werden. Kurz: Chaos pur.





Meinung:
Die meisten Serien begründen ihren Erfolg doch letztlich darauf, dass sie den Zuschauer in ein (inner-)familiäres Gefüge (oder eben dem Ersatz eines solchen) bannen, in dem er es sich über einen unbestimmten Zeitraum mehr oder weniger gemütlich machen kann. Man lernt die Gepflogenheiten jenes Kollektivs kennen, kürt Lieblinge und diskreditiert Unsympathen. Irgendwann, wenn das Konzept denn adäquat umgesetzt wurde, fühlen wir uns als Teil dieser Gemeinschaft, lachen und leiden im engen Kreise. Interessant wird es dann, wenn diese fiktiven Familienverhältnisse einen reflektorischen Nukleus in sich bringen: Selbstredend ist – ganz exemplarisch – das FX-Format „Sons of Anarchy“ eine mehr als gelungene Serie und Kurt Sutter, als passionierter Sadist, ein wahrer Folterknecht darin, den Zuschauer mit dem Schicksal der Figuren zu zermürben. Doch dieses Milieu des organisierten Verbrechen ist zu fern, die Umsetzung zu eskapistisch und überzeichnet, um wirklich Identifikationspotenzial zu bergen. Der Vergleich mag hinken, doch „Arrested Development“ besitzt hinsichtlich dieses Aspektes eine ungleich effektivere Wirksamkeit.


Lucille genießt das Leben
Seiner Zeit von Fox als ungeliebtes Kind fallen gelassen, hat sich die mit zahlreichen Honorierungen versehende Sitcom erst nach und nach eine ungeheure Fan-Base geschaffen. Warum „Arrested Development“ die Massen anfangs nicht begeistern konnte, liegt auf der Hand: Mitchell Hurwitz beschritt Pfade, die dem 08/15-Sitcom-Konsumenten zu fremd erschienen. Ohne die blechernen Lachkonserven im Hintergrund, fiel „Arrested Development“ formal vor allem durch seinen Mockumentary-Stil oder diverse Shows aus dem Reality-Bereich gehaltenen Visualisierung aus dem Rahmen. Die Kamera zeigt sich als flexibler Gegenstand der Begutachtung und Dokumentation, mal nah an den Figuren und ihren Gesichtern, gerne aber auch mal zaghaft hinter Wänden hervorlugend, doch immer dabei, voll im Geschehen und vor allem: goldrichtig positioniert. Was vielen wohl ebenfalls vor den Kopf gestoßen hat: „Arrested Development“ wartet mit geschliffenen Pointen auf, deren Aufbau womöglich in der zweiten Folge beginnt, um dann zehn Folgen später auf den Höhepunkt geschraubt zu werden und seinen eigentlichen Sinn zu vervollständigen.


Vater und Sohn
Geduld ist damit genau die Tugend, die „Arrested Development“ in Ehren hält. Wer sich jedoch einmal in dieses verwobene Konstrukt aus massenweise Anspielungen, Wortspielen, brillant abgestimmter Situationskomik wie Running Gags eingearbeitet hat, der wird die hier porträtierte Familie Bluth schnell in sein Herz schließen und nicht mehr herauslassen. Und an dieser Stelle kommen wir an die eingangs angesprochene Reflexionsfähigkeit der Serie: Wer sich einmal auf einer Familienfeier durch die Sitzreihen gekämpft und mit den verschiedensten Personen Gespräche führt hat, der wird wissen, welch skurrile Gestalten doch den eigenen Namen tragen. Mit den Figuren von „Arrested Development“ ist das ganz ähnlich: Zunehmend fährt die Hand zur Stirn, ob der getanen Handlungen respektive gesprochenen Worte. Doch man kann ihnen nicht auf lange Sicht böse sein, einfach weil sie in ihren Allüren, Spleens und Eigenheiten, ihrem narzisstischen wie egomanischen Gebaren, zu menschlich und damit auch zu liebenswert agieren.


Michael Bluth (Jason Bateman) fungiert als moralischer Anker, der die Serie gleichermaßen davor bewahrt, komplett aus den exzentrischen Angeln gehoben zu werden und jeder Verhältnismäßigkeit zu entsagen. Denn mit Gob (Will Arnett), Lucille (Jessica Walter), George (Jeffrey Tambor), Tobias (David Cross), Lindsay (Portia de Rossi), Buster (Tony Hale) und Maeby (Alia Shawkat) stehen Michael ein ganzes Arsenal an Persönlichkeiten entgegen, die den familiären Wahnsinn so richtig schön im Gang halten. In Wahrheit jedoch ist es das alte Lied: Obwohl sie oftmals nicht miteinander können, scheint es auch ohneeinander nicht zu funktionieren. Intakt und vertrackt gehen Hand in Hand. „Arrested Development“ ist ein Format, welches an die Intelligenz des Zuschauers appelliert, so salopp einige Szenenabläufe auch erscheinen mögen, nicht selten gewinnen sie durch einen späteren Einschub an Cleverness und veranschaulichen, wie durchkomponiert diese Serie doch an den Start geht, wie viel Passion in ihr steckt. Wer das nicht zu schätzen weiß, möge bitte bei „2 Broke Girls“ und Konsorten bleiben, um sich all die längst verbrauchten Plattitüden subtil mit der Bratpfanne überziehen zu lassen.


8 von 10 Hotpants unter dem Bademantel


von souli

Review: SIEBEN VERDAMMT LANGE TAGE - Totenwache mit immensen Gewichtsproblemen

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Fakten:
Sieben verdammt lange Tage (This Is Where I Leave You)
USA. 2014. Regie: Shawn Levy. Buch: Jonathan Tropper (Vorlage). Mit: Jason Bateman, Tina Fey, Corey Stoll, Adam Driver, Jane Fonda, Rose Byrne, Kathryn Hahn, Connie Britton, Timothy Olyphant, Abigail Spencer, Ben Schwartz, Dax Shepard, Debra Monk, Cade Lappin, Aaron Lazar u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 29. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gerade eben noch hat Judd seine Liebste beim Sex mit seinem Chef erwischt, da wartet schon die nächste Hiobsbotschaft auf ihn: sein Dad ist tot. Ein Grund also wieder nach Hause zu fahren, wo bereits seine Mutter und seine Geschwister auf ihn warten. Doch ein Kurzausflug wird es nicht, denn sein Vater verlangte vor seinem Ableben, dass seine Frau und seine Kinder eine 7tägige Totenwache abhandeln sollen. Es werden sieben verdammt lange Tage.





Meinung:
Einen guten Roman für die Leinwand zu adaptieren bringt immer auch eine große Verantwortung mit sich. „Sieben verdammt lange Tage“ von Autor Jonathan Tropper gilt im Allgemeinen als gutes Buch und genau dieses wurde nun von Regisseur Shawn Levy („Nachts im Museum“) zu einem Spielfilm umgewandelt. Wurde aus lesenswerter Literatur nun auch ein sehenswerter Film? Nein, leider nicht.


Und jetzt haben alle gaaaaaanz viel Spaß - yay!
„Sieben verdammt lange Tage“ will viel, aber das wollen ja eigentlich alle Ensemble-Filme. nicht unbedingt durch ihre Geschichte oder Aussage, sondern vielmehr durch die Größe und Prominenz ihrer Besetzungsliste. Letztes Jahr erst gelang Regisseur John Wells mit „August: Osage County“ das Kunststück einen großen Cast, mit einer fast schon kammerspielartigen Inszenierung und wunderbar ausgewogenen Rollen zu vereinen. Davon ist Shawn Levy weit entfernt. Sein „Sieben verdammt lange Tage“ zerbricht an den Ambitionen des Stoffes, obgleich er viele davon erst gar nicht eine Bühne gibt. Der Film versucht die Dispute der Familie Altman aufzubauschen und dann via bulliger Apologie aufzulösen. Das Problem dabei ist allerdings, dass nichts wirklich ins dramaturgisch gekoppelte Kreuzfeuer genommen wird. In „Sieben verdammt lange Tage“ sind Probleme nur da, um gelöst zu werden. Sich ihnen aber mit ausrichtiger Ehrfurcht zu stellen, ohne anbiedernde wie simple Auswegsstrategien zu nutzen, fällt dem Film nie ein. Vielleicht aus mangelnder emotionaler Intelligenz oder aus Furcht das Publikum zu verschrecken. Hoch lebe die Seichtigkeit! Auch wenn „Sieben verdammt lange Tage“ gerne so tut, als ob er gewitzt und clever wäre.


Wendy und Judd im Problembewältigungsmodus
Im Zentrum des Films steht Judd Altman, den Jason Bateman gewohnt solide darstellt, der nicht nur das Fremdgehen seiner Frau, sondern auch den Tod seines Vaters verarbeiten muss. Letzteres muss er nicht alleine durchstehen, denn sieben Tage lang darf/muss er mit seinen Geschwistern sowie seiner Mutter im Elternhaus die jüdische Totenwache abhalten. Da sind Konflikte vorprogrammiert und selbstverständlich haben alle anwesenden Verwandten ihr ganz persönliches Problempäckchen zu tragen, welche nach und nach geöffnet werden. Da wäre die Schwester Wendy (Tina Fey), die mit einem gefühlkalten Workaholic verheiratet ist und eigentlich sei Kindheitstagen in den Nachbarsjungen Horry (Timothy Olyphant) verliebt ist. Bruder Paul (Corey Stoll), dem es nicht gelingt seine Frau Alice (Kathryn Hahn) zu schwängern und der narzisstische Bruder Philip (Adam Driver), der zur Totenwache mit seiner viel älteren Freundin (Connie Britton) erscheint, die dazu seine Therapeutin ist. Dazu kommt dann noch ein Rabbi (Ben Schwartz) der von den Altman-Kinder früher schon immer veralbert wurde und Mutter Altman (Jane Fonda) selbst, die hauptsächlich durch ihre großen Silikonbrüste auffällt. Ein Hort des normalen Wahnsinn also, voller verschiedene Charaktere und deren positiven wie negativen Eigenheit. Eine Konstellation, die jederzeit in Gefahr ist, unter ihrem Eigengewicht in tausend Teile zu zersplittern.


Nicht mal das Baby hat Spaß. Doofe Totenwache
Doch eigentlich scheint sich „Sieben verdammt lange Tage“ zu Beginn nur auf Judd zu konzentrieren und begleitet ihn mit eher müdem Witz durch seine Phase der Leere. Sobald es aber dann zur Totenwache kommt, verknüpft der Film die anderen Altman-Kinder mit der Narration. Bereits dann knirscht es gewaltig bei „Sieben verdammt lange Tage“. Dass dazu dann noch ein Haufen anderer Figuren kommt, die in zig verschiedenen Verbindungen zur Familie stehen, tut dem Film ebenfalls nicht gut. Nicht unbedingt wegen der puren Masse, sondern weil sie inessentiell für die Geschichte bleiben. Ihre Charakteristik ist weder marginal genug, um sie als reine Randnotizen abstempeln zu können, noch umfang- und facettenreich, um sie als ebenbürtige Probanden anzusehen. Autor Jonathan Tropper, der seinen eigenen Roman zum Drehbuch adaptierte, gelingt es nicht sich von Figuren des Romans zu trennen, die in der Belletristik wahrscheinlich einen funktionierenden Platz, bzw Bereich, in der Geschichte haben, im eingeschränkten Medium Film allerdings ungefähr so ergiebig und nützlich sind, wie Zungenküsse in der Quarantänezone. Dass Regisseur Levy das Ganze dazu noch weder spritzig, noch in irgendeiner Art und Weise originär einfängt, macht das Trauerspiel, welches „Sieben verdammt lange Tage“ letztlich ist, dann vollends komplett.


Die süße Nachbarin, Judds einzige Hoffnung
Shawn Levy erliegt darüber hinaus dem Trugschluss, dass jede dramatischen Spitze am besten ein Witz folgen sollte. Doch der Humor von „Sieben verdammt lange Tage“ ist zu anti-klimatisch und unauffällig, zu brav und einbremsend gegenüber der Dramaturgie, die am ehesten als seichte Hausmannskost beschrieben werden kann. Vielleicht liegt es auch gerade deswegen daran, dass die Darsteller meist immer etwas unterfordert wirken. Dabei ist die Besetzung auf dem Papier wirklich großartig und bietet Schauspielern wie der „Star Wars: Episode VII“-Mime Adam Driver (bekannt aus der großartigen Serie „Girls“) und Corey Stoll („House of Cards“) die Möglichkeit auch auf der großen Leinwand einmal ihre darstellerische Präsent unter Beweis zu stellen. Dass Jane Fonda außerdem sich endlich mal wieder die Ehre einer Kinorolle gibt, es natürlich auch ganz wunderbar, obwohl ihre Rolle diejenige ist, die am meisten an einen pseudo-komödiantischen Kontext gebunden ist (ein hoch auf die Plastikbrüste, sowie deren ständiger Präsenz). Es ist schon fast erstaunlich sowie wohltuend, aber es liegt nicht an den Darstellern, dass „Sieben verdammt lange Tage“ nicht funktionieren will, sondern wirklich am Drehbuch sowie Levys staubiger Regie. "Life is complicated", so lautet die wenig überraschende Aussage des Films, aber eigentlich wäre "To make a good ensemble-movie is difficult" die bessere Wahl gewesen.


„Sieben verdammt lange Tage“ scheitert nicht daran, dass er unter seinem Eigengewicht zerbricht, sondern mehr daran, dass er es nicht vermag aus seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen mehr zu machen als säuseliges wie langatmiges Problembewältigungskino ohne Ehrgeiz, Courage und Esprit. „Im August in Osage County“ bietet da filmisch wahrlich die weitaus bessere Alternative. Oder einfach den Roman lesen, der ja angeblich sehr lesenswert sein soll, auch wenn der Film zum Buch dies nicht ansatzweise vermuten lässt.


2,5 von 10 Cindy Lauper-Songs