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Review: OPERATION: KINGDOM - Ein kluger Satz reicht halt nicht aus

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Fakten:
Operation: Kingdom (The Kingdom)
USA, 2007. Regie: Peter Berg. Buch: Matthew Michael Carnahan. Mit: Jamie Foxx, Chris Cooper, Jennifer Garner, Jason Bateman, Ashraf Barhom, Ali Suliman, Jeremy Piven, Richard Jenkins, Tim McGraw, Kyle Chandler, Frances Fisher, Danny Huston, Kelly AuCoin, Anna Deavere Smith u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In Saudi-Arabien wird auf die internationale Wohnanlage eines Ölkonzerns ein grausames Attentat verübt. Während eines Softballspiels der Arbeiterfamilien eröffnen als Polizisten getarnte Terroristen das Feuer und töten etliche Unschuldige. Als die Gefahr bereinigt scheint und erste Vertreter der Behörden eintreffen, detoniert auch noch ein Sprengsatz, wobei ein FBI-Agent ums Leben kommt. Seine Kollegen in der Heimat sind geschockt, wegen Angst vor Störungen der politischen Beziehung wird ihnen eine offizielle Ermittlung vor Ort jedoch untersagt. Agent Ronald Fleury schafft es dennoch, für sich und drei Kollegen einen kurzen Aufenthalt dort zu erzwingen. Fünf Tage werden ihnen von der Regierung gewährt, bei denen ihnen allerdings streng auf die Finger geschaut wird und sie sich strikten Regeln zu unterwerfen haben. Gemeinsam mit ihrem „Wachhund“, dem Polizisten Al Ghazi, gelingt es ihnen trotz aller politischen Hürden auf eine heiße Spur zu kommen…


                                                                                           

Meinung:
Der elfte September 2001 hat die USA im tiefsten Herzen getroffen, nachhaltig traumatisiert und den Kampf gegen den Terror zur nationalen Bürde gemacht. Zuerst vermied man in Hollywood das Thema vehement, fror sogar vorher bereits abgedrehte Filme kurzzeitig ein, die auch nur grobe Bezüge dazu hatten (wie das Schwarzenegger-Vehikel „Collateral Damage“, das erst zwei Jahre später auf die Leinwände losgelassen wurde), danach war das große Aufarbeiten angesagt. Einiges davon ging gründlich in die Hose, ganz vorne natürlich Oliver Stone’s peinlicher „World Trade Center“, aber auch der so gelobte „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow verstand es nicht, das komplexe Thema mit der notwendigen Differenzierung zu betrachten, was gerade in dem Fall sehr bedauerlich war. Zumindest ist dieser Film am Versuch gescheitert, davon ist „Operation: Kingdom“ von Peter Berg weit entfernt.


Nur gucken, nicht anfassen, so wollen es die Saudis.
Was der Film zweifelsfrei für sich verbuchen kann, ist seine starke Bebilderung, durch die besonders der Auftakt es schafft Eindruck zu schinden. Ein Massaker wird an amerikanischen Arbeitern und deren Familien in Saudi-Arabien angerichtet, was das FBI auf den Plan ruft. Allen voran Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx), der allerdings schon sehr merkwürdig eingeführt wird. Von dem Anschlag erfährt er, während er vor der Klasse seines kleinen Sohns einen Vortrag hält. Kommt das einem bekannt vor, in Bezug auf 9/11? Na klar und das kann aufgrund der Popularität der Bilder auch kein Zufall sein. Vielleicht sollte so noch deutlicher eine Assoziation geschaffen werden, warum auch immer. Genauso sinnlos wie das, was am Ende wohl für einen „Denkanstoß“ sorgen soll, sowie die gesamte Ausrichtung allgemein. „Operation: Kingdom“ weiß offensichtlich gar nicht, wohin die Reise gehen soll. Nach dem deftigen Start entwickelt sich alles in Richtung Polit-Thriller, der den heiklen Hintergrund dankbar aufnimmt, ohne auf politisch oder gesellschaftlich relevante Punkte näher einzugehen. Das Ermittler-Quartett betritt „feindlichen“ Boden und wird nur für die Imagepflege mit offenen Armen empfangen, in Wirklichkeit versucht man sie an die Kette zu legen und noch lieber, sie so schnell wie möglich wieder Richtung Heimat zu verfrachten.


Jetzt wird die Lage echt brenzlig.
Denn an einer Aufklärung des Attentats scheint hier keiner ein ernsthaftes Interesse zu haben und wenn, sind sie scheinbar schlicht zu unfähig. Da müssen die Entwicklungshelfer aus den USA erstmal Basics vermitteln, obwohl die niemand hören will. Bis auf den für ihre „Betreuung“ abgestellten Polizei-Captain, der dem Zuschauer als „der gute Saudi“ auf die Nase gebunden wird. Seine Landsleute sind wenig aufgeschlossen, stur, fremdartig, halt so, wie man sich das vorstellt in Filmen dieser Art. Nur er, der ist westlich genug, um die Rolle des Helden einnehmen zu können. Der ist noch „lernfähig“. „Operation: Kingdom“ schildert ein ganz plattes, eindimensionales Bild eines Landes und dessen Konflikte, die eigentlich sehr spannend sind. Spannend wird der Film zudem leider so gut wie gar nicht, denn mal selbst reduziert auf seinen reinen Thrillerplot, wie soll die auch entstehen? Der vermeidliche Täter ist praktisch nach wenigen Minuten bekannt, seine Motive mehr oder weniger auch (er ist Terrorist, das reicht doch), er muss nur gefunden werden. Die Suche gestaltet sich nicht sonderlich aufregend und letztlich kommt es nur noch zum großen Showdown, weil seine Mitstreiter die Jäger total unnötig praktisch in sein Wohnzimmer locken. Hatten die kein Ende für den Film und mussten das dann so lösen?


Um das zu übertünchen lässt es Peter Berg dafür massiv krachen, die Action hat Druck und kann sich definitiv sehen lassen, nur reichen diese Sequenzen nicht, um „Operation: Kingdom“ als reinen Actionfilm zu deklarieren, damit wäre es wahrscheinlich deutlich besser gefahren. Da müsste man sich nicht fragen, was er denn eigentlich von einem will. Mit seiner Schlusspointe, die wohl als Aha-Moment funktionieren soll, will man offenbar doch noch eine Botschaft vermitteln. Es gibt in diesem Krieg, dessen Fronten über die Jahrzehnte so verhärtet wurden und in dem viele Aspekte eine Rolle spielen, kein klares Schwarz oder Weiß, kein gut oder böse, wenn man einen Blick auf die jeweilige Perspektive wirft. Das ist sogar richtig, bravo, aber warum tut man dann 100 Minuten lang rein gar nichts dafür, dieses auch zu vermitteln? Ein reiner Amis-im-Einsatz-Film ohne jeden Anflug von einem ernsthaften Blick über den eigenen Tellerrand, da bringt diese drangeklatschte „Moral von der Geschichte“ doch überhaupt nichts. Mal ganz abgesehen davon, dass hier mal wieder der Eindruck vermittelt wird, dass Sterben zwar tragisch, aber für die gute Sache immer etwas besser ist. Aha, dann sag mal einem kleinen Jungen, dass er voller Stolz weinen kann, wenn Papa nicht mehr nach Hause kommt. Das soll intelligentes Actionkino sein? Prost Mahlzeit!

3,5 von 10 fehlenden Fingern

Review: IM AUGUST IN OSAGE COUNTY – Familiäre Abgründe im Stakkato

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Fakten:
Im August in Osage County (August: Osage County)
USA. 2013.
Regie: John Wells. Buch: Tracy Letts (Vorlage). Mit: Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor, Benedict Cumberbatch, Chris Cooper, Sam Shepard, Abigail Breslin, Juliette Lewis, Margo Martindale, Misty Upham, Juliette Nicholson, Dermot Mulroney, Dale Dye, Newell Alexander, Jerry Stahl u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 7. August auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nachdem ihr Mann spurlos verschwunden ist, ruft Familienoberhaupt Violet ihre Familie zusammen. Ihre Töchter Barbara und Karen, die seit langem nicht mehr ihr Elternhaus besuchten, treffen so wieder auf ihre Schwester Ivy, die bei ihrer Mutter geblieben ist, um dieser im Haus zu helfen. Nicht nur dies hat Konfliktpotenzial, sondern auch Violets provokative, zynische Art, die ihre Töchter und den Rest der geladenen Familie immer wieder ungefiltert zu spüren bekommt. Doch somit werden auch alte Geheimnisse und Konflikte angesprochen.





Meinung:
Wenn man zu lesen bekommt, dass ein Film auf einem Theaterstück von Tracy Letts basiert, dann darf man sich relativ sicher sein, dass darin nicht gerade zimperlich zu Werke geschritten, besitzt die US-Amerikanerin doch eine (sozial-)kritische Durchschlagskraft, die an die pointierten Sittengemälde der Yasmina Reza („Der Gott des Gemetzels") erinnern. Die 2011 veröffentliche White-Trash-Abrechnung „Killer Joe“ von Altmeister William Friedkin („Der Exorzist“) stellte dies mit einem unnachahmlichen Zynismus unter Beweis, in dem Matthew McConaughey („Mud – Kein Ausweg“) dem Trailerpark-Gesocks (darunter Emile Hirsch, Thomas Haden Church und Gina Gershon) den eigenen Fraß bis tief in den Rachen schob – Ein Meisterwerk der jüngeren Filmgeschichte, das es selbstredend nicht zur offiziellen Kinoauswertung geschafft hat. Ganz im Gegenteil zum Familien-Drama „Im August in Osage County“, eine mit Stars gespickte Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks, für das Tracy Letts 2008 mit dem Pulizer Preis honoriert wurde. 

 
We are Family
Natürlich ist „Im August in Osage County“ ein astreiner Ensemblefilm, der sich die Butter dahingehend nicht vom Brot nehmen lässt, als dass er seine famose Schauspielriege in ihren Qualitäten nicht von der Leine lassen würde. Angeführt von Meryl Streep („Die durch die Hölle gehen“), einer Grande Dame der Branche, geben sich (unter anderem!) große Namen wie Ewan McGregor („Illuminati“), Chris Cooper („American Beauty“), Sam Shepard („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford), Benedict Cumberbatch („12 Years a Slave“) und Julia Robert, die neben „Hautnah“ die beste Performance ihrer Karriere abliefert“, die Ehre. Wer die Vermutung hegt, „Im August in Osage County“ ist handelsübliches Starkino, das seine Schauspieler glänzen lassen möchte, der tut dem Film glücklicherweise Unrecht: Ohne diese manierierte Intention zu bestätigen, hat Tracy Letts sein Stück für die Leinwand umgeschrieben und fährt mit einem Stoff auf, der auf dem Papier nach 'Telenovela' schreit, durch seine geschliffenen Dialogsequenzen, die fundierte Charakter-Portriäts offerieren, zweifelsohne über seine 120-minütige Laufzeit aufwühlt.


Mutter Violet wird gleich wieder Zynismus speien
Jeder in dieser Familie trägt sein ganz eigenes Kreuz, befindet sich immer irgendwo im introspektiven Bewältigungsprozess von emotionalen Rückschlägen und muss sich – neben all dem Kummer, ausgelöst durch das Dahinscheiden eines geliebten Menschen oder einer annullierten Ehe - neuem Gegenwind stellen. Klimax ist dabei, wie es sich für ein auf familiäre Strukturen konzentriertes Kammerspiel gebührt, die Zusammenkunft am Mittagstisch, an dem die krebskranke und pillensüchtige Violet (Meryl Streep) ihren Angehörigen einen Schuss nach dem anderen vor den Bug erteilt und gerade von Tochter Barbara (Julia Roberts) reichlich Kontra kassiert. Ein unangenehmer Augenblick, der von einer so feindseligen Stimmung kontrolliert wird und sich stetig steigert, von Aggressionslevel zu Aggressionslevel, dass man sich als Zuschauer am liebsten mit einem lauten Lachen aus der Affäre ziehen möchte. Ein ähnliches Gefühl hat zuletzt nur Nicolas Winding Refn in „Only God Forgives“ auf die Beine gestellt, als er Kristin Scott Thomas in Beisammensein mit Ryan Gosling und Yayaying Rhatha Phongam verbal Amok laufen ließ („How many cocks can you entertain in that cum dumpster of yours?“).


Später wird es noch eine ähnlich hervorragend vorgetragene Szene geben, in der Charlie (Chris Cooper) seiner Frau Mattie (Margo Martindale) über ihr grässliches Verhalten gegenüber Sohnemann Little Charles (Benedict Cumberbatch) zurechtweist. Der Anstoß, um endgültig innerfamiliäre Abgründe freizuschaufeln und übersetzt all die Werte, die innerhalb einer Familie gegeben sein sollten (von Vertrauen, Rücksicht und Solidarität) in pure Trauer, Entrüstung und Raserei. Violet, das archaisch-matriarchische Familienoberhaupt, torkelt blass, zermürbt, ohne Perücke durch das einsame Anwesen und sucht Zuflucht bei genau der Person, der sie sonst nur herabwürdigend begegnen konnte. Ein bitterer, von ungemein intensiven Szenen geprägter Film setzt sich die Krone auf.


7 von 10 Zwergwelse zum Mittag


von souli

Review: THE AMAZING SPIDER-MAN 2: RISE OF ELECTRO - Spider-Man hat gute Karten in der Hand

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Fakten:
The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro
USA. 2014.
Regie: Mark Webb. Buch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jeff Pinkner, James Vanderbilt. Mit: Andrew Garfield, Emma Stone, Jaime Foxx, Dane DeHaan, Sally Field, Paul Giamatti, Chris Cooper, Colm Feore,, Felicity Jones, Embeth Davidtz, Marton Csokas, Max Charles, B.J. Novak, Denis Leary, Michael Massee, Adrian Martinez u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. September 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Obwohl er es dem Vater von Gwen versprochen hat, ist Peter immer noch mit ihr zusammen. Doch damit kann er nicht mehr leben und trennt sich von Gwen. Als wäre das nicht schon schlimm genug für ihn, verwandelt sich der Ingenieur Max Dillon nach einem Unfall bei Oscorp in den energieverschlingenden Electro. Spider-Man bekommt also eine Menge zu tun.





Meinung:
Die freundliche Spinne ist zurück. Erneut unter der Regie von Marc Webb (immer noch ein verdammt passender Nachname für’s Franchise) sowie angeführt von Andrew Garfield ("The Social Network") als Peter Parker und Spider-Man in Personalunion. Das Sequel zum ersten „The Amazing Spider-Man“, der nicht ganz so amazing war und dennoch unterhaltsame Minuten bot, bekam nun mit seiner Fortsetzung „Rise of Electro“ ein Sequel spendiert, welches die durchaus gerechtfertigten Spottrufe, die das Konzept des Reboots hervor rief, vergessen lässt. Webbs zweite Superheldenprüfung ist als bestanden anzusehen. Mit „The Amazing Spider-Man 2“ hat die Reihe – ja, alle Filme – ihren bisherigen Höhepunkt gefunden.



"Sag noch einmal Tobey Maguire!"
Beginnen wir doch nach der Einleitung direkt einmal mit einer klaren Aussage, die gewiss die Leserschaft spalten wird: Andrew Garfield ist der bessere Peter Parker. Seine schlaksige Art kommt dem originalem Comichelden wesentlich näher als Tobey Maguires Darstellung. Das ist natürlich ein Streitpunkt, der zu nimmer endenden Diskussionen einlädt. Vielleicht kann man die Frage, ob „Rise of Electro“ uneingeschränkt für alle Spidey-Fans zu empfehlen ist, ganz einfach damit beantworten, dass es vor allem darauf ankommt, mit welchem Peter-Darsteller man mehr anfangen kann. Während Maguire außerhalb seines Spinnenkostüms immer der etwas verschlossener Streber war, macht Garfield auf leicht großmäuligen, liebenswert Nerd und erfüllt die Anforderung an die Rolle somit fast perfekt, auch wenn Maguire-Anhänger dies ganz gewiss anders sehen werden.




Was „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wirklich phantastisch macht ist zum einen seine Actionszenen und zum anderen sein Soundtrack. Beides ist wahrlich stimmungsvoll miteinander verwoben. Manchmal stellt sich die Frage ob der Score wirklich für die Actionszenen komponiert wurde, oder ob Regisseur Marc Webb die Spektakel nachträglich erst einfügte und sich beim Design des destruktiven Krawalls an der Musik des Komponistenverbundes The Magnificent Six orientierte. Besonders schön: die Musik gestaltet sich abwechslungs- und facettenreich. Statt die üblichen Brummtöne, wie man sie seit „Inception“ gefühlt in jedem Blockbuster hört, gönnt sich „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ einen abwechslungsreichen Soundtrack (und das obwohl Hans Zimmer hier seine Finger im Spiel hatte), der gewisse zum größtenteils auch nur Retorte ist, dafür aber perfekt mit dem zu sehenden Erlebnis auf der Leinwand harmoniert und – so fühlt es sich manchmal auch an – interagiert. Endlich wieder eine große Hollywood-Produktion mit musikalischem Spirit. Nur der exklusive, deutsche Schlusssong „Ohne zurück zu sehen“ von Tim Bendzko ist verzichtbar, aber keine Sorge, der ertönt erst nachdem exklusive Szenen von „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im Abspann zu sehen waren (die übrigens nicht mehr sind als ein viel zu kurz geratener Trailer ohne wirkliche Substanz).



Ähnlich lobenswert wie die Akustik von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ sind auch seine optischen Aspekte. Zum einen ist der Film immer noch einer der wenigen Vertreter, deren Sichtung sich in 3D lohnen, zum anderen sind die Special Effects wirklich erstklassig, genau wie die Actionszenen. Diese kombinieren die visuellen Stärken des Films zu einem beeindruckenden Gesamtpaket, die dazu noch von Spider-Mans liebenswert-großmäuliger Art aufgeheitert wird. Ein knalliges Spektakel im Stile eines comic relief, das zum Staunen und Schmunzeln einlädt. Dem gegenüber steht natürlich eine Geschichte, die leider zu oft auf verlorenem Posten steht, vor allem bei der Charakterisierung der restlichen Figuren. Gwen Stacey (Emma Stone, „Gangster Squad“, „Crazy, Stupid, Love“) bleibt trotz Emanzipierungsversuchen immer ein wenig zu sehr im Puppy-Stadium hängen und der titelgebende Electro alias Max Dillon (Jaime Foxx, „Django Unchained“,“White House Down“) wird mit dem guten, alten Holzhammer eingeführt, charakterlich definiert und grobschlächtig weiterentwickelt.



Zugegeben, in den Comics ist das nicht viel anders und „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist sich seiner Herkunft auch stets bewusst und versucht nicht etwas aus seinem Universum zu machen, was diesem nicht steht (Gruß an „Man of Steel“). Doch leider sind es Charakterisierungsszenen- und Momente, bei dem Webbs Inszenierung durchaus das eine oder andere Mal ins Stocken gerät und einige etwas zähere Minuten beschwert. Dass es auch besser geht zeigt „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ mit Harry Osborn. Dane DeHaan („Lawless“, „The Place beyond the Pines“) spielt den Jugendfreund von Peter Parker und obwohl seine Figur ähnlich plump ausfällt wie die des Electro, wirkt seine Wandlung wesentlich runder. Vermutlich auch deshalb, weil DeHaan ein exquisiter Schauspieler ist und selbst mit einer eher zweitklassigen Rollen darstellerisch etwas Beeindruckendes erzeugen kann. Wirklich schade, dass DeHaan im schurkischen Kosmos von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ letztlich doch nur die zweite Geige spielt, auch wenn es sich am Ende ankündigt, dass Harry Osborne alias Green Groblin spätestens im nächsten Teil zu einem sehr gefährlichen Feind für Spider-Man werden wird.


„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein spaßiges Vergnügen. Narrativ nicht immer aus einem Guss und so ganz vergessen macht er die Sam Raimi-Version von Spider-Man auch nicht (was nicht schlimm war, den Raimi lieferte zwei wirklich gute Filme ab), aber im Zeitalter in dem so viel liebenswert Phantastisches auf dark & gritty umgeformt wird (noch mal Gruß an „Man of Steel“) tut solch eine Blockbusterproduktion wie „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wahrlich immer noch gut. Denn auch wenn der Film letztlich nicht mehr ist, wie eine Vorbereitung für den dritten Teil, so löste Regisseur Marc Webb doch das Versprechen ein, welches er mit dem Ende des ersten Teils gab, nämlich dass es nur der Anfang war und sie noch viele Asse im Ärmel haben. Nun wurden die ersten davon wirklich ausgespielt und es zeigt sich, dass „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ verdammte gute Karten hat. Die bisher besten im cineastischen Universum der freundlichen Spinne von nebenan.


7,5 von 10 erkälteten Superhelden

Review: CAPOTE – Manipulation, Selbstzerstörung und Unsterblichkeit

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Fakten:
Capote
USA, Kanada. 2005. Regie: Bennett Miller. Buch: Dan Futterman, Gerald Clarke (Vorlage). Mit: Philip Seymour Hoffman, Cathrine Keener, Bruce Greenwood, Chris Cooper, Clifton Collins Jr., Mark Pellegrino, Amy Ryan, Bob Balaban, Marshall Bell, R.D. Reid, Allie Mickelson u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
USA, 1959: Mit seinem Roman „Frühstück bei Tiffany“ feiert Truman Capote großen Erfolg. Nun ist er auf der Suche nach einer neuen Geschichte. Fündig wird er in der Zeitung. Dort wird von einem brutalen, vierfachen Mord berichtet. Capote will über diesen echten Kriminalfall einen Roman schreiben. Ein Novum in der Literaturszene.





Meinung:
Manchmal blickt man einem Schauspieler in die Augen, beobachtet ihn bei seinem Spiel, bei seiner Interpretation eines fremden Menschen und bemerkt im Nachhinein nicht nur, wie man sich in der Darstellung des Künstlers in vollen Zügen verloren hat, sondern auch, wie sich der Künstler auf der Leinwand in den Untiefen seiner Figur verloren hat und mit dieser verschmolzen ist. In „Capote“ ist es Philip Seymour Hoffman, der dem gefährlichen Charme des Truman Capote verfällt und dafür eine Transformation der Extraklasse vollstreckte, zu der nur wenige Schauspieler in dieser erschreckenden Exaktheit in der Lage sind - Und der Zuschauer wird im Anblick dessen zu Wachs in seinen Händen. Dabei ist es gerade spannend, und der Film lebt natürlich von seiner psychologischen Komponente, die Person Truman Capote nach persönlichen Maßstäben zu analysieren und die Facetten seiner exaltierten Persönlichkeit, denen Philip Seymour Hoffman allen vollends gewachsen ist, zu deuten und wie bei ein ungeordnetes Puzzle zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.


Dandy, Querdenker, Genießer: Truman Capote
„Capote“ lebt von seinem brillanten Hauptdarsteller und es wäre wohl kaum vermessen, würde man die Frage in den Raum werfen, wie man diese renommierte und ebenso kritisch beäugte Persönlichkeit authentischer hätte verkörpern sollen? Philip Seymour Hoffman wird ganz einfach zu Truman Capote und jede Gesichtsregung, jede noch so winzig erscheinende Geste wirkt echt, obwohl sie bis ins kleinste Detail durchexerziert und perfektioniert wurde. Reißt ein Schauspieler das Ruder in einem solch rigorosen Ausmaß an sich, dann könnte das Problem entstehen, dass sich die eigentliche Handlung des Films nicht wirklich aus dem alles überschattenden Glanz seines Stars bewegen kann und gänzlich durchhängt. „Capote“ aber wird durch Hoffman angetrieben, durch ihn erzählt und das Drehbuch von Dan Futterman so entfaltet, während sich Bennett Millers Inszenierung durchweg in einer ungemein grazilen Elegie wähnt. Kühle, schwermütige Aufnahmen eines 60er Jahre Amerikas, das langsam in den Geschmack der blasierten Schickeria kommt – Und Truman Capote heizt den Laden durch seine dedizierten Manierismen erst so richtig an.


Dass das Drehbuch sich stringent auf den Zeitraum von 1959 bis 1966 fokussiert, ermöglicht – im Gegensatz zu einem ausufernden, krampfhaft auf Komplettierung angelegten Portrait – das Leben Capotes, die Entwicklung und die Empfindungen konkret zu intensivieren und durch subtile Anekdoten an die Oberfläche zu kehren. Die Recherche zu seinem Roman „Kaltblütig“ sind legendär. Ausschlaggebend für den Film ist der Startschuss dieser, die den Aufstieg in den Olymp, aber auch den Abstieg in die Selbstzerstörung einleiteten. Capote ist, so locker und spitzzüngig er sich im Kreis High Society gibt, ein intellektueller Manipulator, dessen Mysterium daraus entsteht, nie wirklich zu wissen, in welche Richtung er seine Taten nun wirklich beabsichtige, welche Ziele er damit wirklich erreichen wollte. Sucht der extravagante Mann nur den eigenen Vorteil, oder sucht er einen Weg, wie er sich selbst vor seinen Gefühlen schützen kann – oder andere Menschen vor den Ausmaßen dieser? „Capote“ weiß viele Ansätze zu erzeugen, doch er überlässt dem Zuschauer den Freiraum, den letzten Schritt eigenständig zu gehen. Und das ist extrem wertvoll.


8 von 10 brutalen Familienmorden


von souli