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HACKSAW RIDGE - Mel Gibsons „pazifistische“ Horrorshow

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Fakten:
Hacksaw Ridge
USA. 2016. Regie: Mel Gibson. Buch: Andrew Knight, Robert Schenkkan. Mit: Andrew Garfield, Richard Pyros, Jacob Warner, Milo Gibson, Darcy Bryce, Roman Guerriero, James Lugton, Kasia Stelmach, Hugo Weaving, Rachel Griffiths, Jarin Towney, Tim McGarry, Tyler Coppin, Teresa Palmer, Richard Pratt, Nathaniel Buzolic uvm. Läng: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 26. Januar 2016 im Kino.


Story:
Hacksaw Ridge spielt zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die Vereinigten Staaten kämpfen nicht nur an der europäischen Front, sondern auch im Pazifik rund um Japan. Unter den jungen eingezogenen Männern, die auf den nördlichen Teil der japanischen Insel geschickt werden, ist auch Desmond T. Doss (Andrew Garfield). Er macht sich während der Kämpfe als Sanitäter im 77. Regiment der 307. Infanterie als einer von vielen Soldaten verdient. Doch eines macht Doss zu etwas Besonderem: Er trägt keine Waffe bei sich. Auch wenn sein eigenes Leben bedroht ist, weigert er sich, das Leben eines anderen Menschen zu nehmen.




Meinung:
Nun ja, ist ja nichts Neues, dass die Filmfestspiele in Venedig auf blutgeile Propaganda stehen. Als es in jüngsten Kritikerzirkeln oder eben auch auf Seiten wie Rottentomatoes hieß, dass Mel Gibson mit seiner aktuellen Regiearbeit „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ein Jahrzehnt nach „Apocalypto“ eine mordsmäßige Rehabilitierung einheimsen würde, war zumindest das Mordsmäßige daran nicht gelogen. Seit jeher geblieben sind bei ihm nämlich vor allem der unverbesserliche Hang zum Pathos und zur katholischen Allegorie im Blutvergießen, gebettet in ein Weltbild vom Dasein im Schlachten, stets energisch zwischen Gut und Böse aufgeteilt, bei denen die vagen Grauzonen nur noch für extrem verzweifelte Apologeten Gewicht haben können, während mindestens eine Gesellschaftsgruppe wieder verprellt wird. Interessant ist dabei, dass Gibsons neuer Film in einer Zeit spielt, die Extreme für selbstverständlicher hielt, eben im zweiten Weltkrieg vom guten Amerika aus die Werte der freien Welt gegen das Grauen der Achsenmächte verteidigte, in der Natur des Krieges daher auch für Widersprüche bereit war, die dem Töten im demokratischen Auftrag einen Freifahrtschein ausgaben. Genau diesem Widerspruch versucht der Film anhand von Desmond Doss (Andrew Garfield) einen potenziellen Diskurs zu bescheren, im Endeffekt formiert sich die Gestaltung zum Narrativ selbst jedoch zum vollkommenen Widerspruch. Er schwärmt vom Pazifismus und dem Gebot „Du sollst nicht töten“, scheint diese ethischen Grundpfeiler aber nur als Vorwand aufzuspannen, ehe er seine wahre Dynamik im aufgegeilten Gemetzel der Militärmaschinerie ausspielt. Das Prozedere dorthin zeigt zumindest insofern noch einen anpassungsfähigen Mel, da seine Einleitung schon so formelhaft und austauschbar wie das Gros ähnlicher Filme ausfällt, von Look und Sound her ebenso mühelos als kontemporärer Standard vom Schlage „Unbroken“ gewertet werden kann. Selbst die unsäglich offensichtlichen Greenscreen-Kulissen dieser Tage sind vertreten, wenn Drehort Australien als Vereinigte Staaten oder später auch Japan herhalten soll.


Die technische Routine darin ist allenfalls noch solide genug wegzugucken, schließlich war ein Gibson nie so virtuos wie es sein Fokus auf Schlachtengemälde manchmal erscheinen lässt. Deshalb ist der Biopic-Baukasten vom Einzelnen für die große Sache schnell gebastelt, um gleichsam fix wie möglich zum Blut zu gelangen – und dafür muss nicht mal Krieg herrschen. Die unmissverständliche Ader des Filmemachers Gibson spritzt sich zeitgleich dazu aus, direkt auf den Grabstein des Heldenfriedhofs, wo Blut und Boden zum Veteranenschmerz gemoddet wird. Symbolik wird ohnehin ein großes wie aufgeblähtes Stichwort in der Sprache des Films, mit der Gibson Patrioten und Christen zugleich erreichen will, demnach sind die einschneidenden Lebensmomente von Desmond Doss auch vom Charakteraufbau mehr Momente als Leben, ein durch und durch versimpeltes Melodram, das die Abneigung vor der Gewalt im vom ersten Weltkrieg frustriert-traumatisierten Vater Tom (Hugo Weaving) begründet, währenddessen aber auch wortwörtlich auf die ausgestellten Gebote blickt. Das Drehbuch von Robert Schenkkan und Andrew Knight (Autor des ähnlichen „Das Versprechen eines Lebens“) bietet von den Dialogen her zumindest die Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen und im Rahmen der Umstände auch ambitioniertes Schauspiel zu ermöglichen, doch authentisch ist es nur insofern, wenn die Einfachheit des damaligen Zeitgeists mit einberechnet, innerhalb des Schlachtfelds erst recht fortgeführt wird. Vorher aber probiert der Film noch wie gehabt fürs amerikanische Herzblut die Romantik zur Krankenschwester Dorothy (Teresa Palmer), die Desmond ausgerechnet dann trifft, nachdem er einem Verunglückten beim Ausbluten seiner Arterie nicht mehr zusehen konnte, den Flirt mit ihr sodann mit Blutspenden kombiniert und jenes Gespendete keck zurückverlangt, weil die gute Miss Schutte sein Herz ja so verrückt spielen lässt. Ist er nicht ein drolliger Naivling auf den Spuren von Forrest Gump? Oder eher: Romantisiert Gibson einen Fetisch zum Aderlass?


Letzteres ist eine der spannenderen Fragen im Zuge einer prekären Verantwortung, die der zweite Weltkrieg bei Eintritt in die Handlung zur Debatte stellt, im Call to Arms schon die Doss-Familie zu zersprengen droht, wenn der Vater seine Söhne wegsterben zu sehen glaubt. Die Ängste sind rechtens, die historische Relevanz des Kämpfens aber unbestritten, so kriegt Gibson den Zuschauer ohne Weiteres auf seine Seite, was natürlich dann streitbar wird, wenn der Kontext zur Gegenwart im Grunde daraus interpretieren lässt: Wer eine PTBS aus Irak hinüber getragen hat, muss dennoch einsehen, dass der IS mit allen Mitteln und Opfern besiegt gehört. Gibsons Film bereitet uns (auch gemessen am positiven Echo) vermutlich mehr auf die Zukunft der USA vor, als manch objektiver Kritiker es wahrhaben will, wenn dieser auf die Distanz im historischen Schauplatz hinweist. Gibson selbst baut jedoch noch weitere, mehr oder weniger effektive Schutzmechanismen ein, wenn sein Held humanitär agieren will und dafür hart gegen die Riten des geläufigen Soldatenlebens anzukämpfen hat. Jenes Segment darf sich als „Full Metal Jacket“-Faktor des Films behaupten, endlich auch für längere Zeit die Musik von Rupert Gregson-Williams abschalten, wenn mal nicht nach Art des Veit-Harlan-Rührstücks „Immensee“ die Sehnsucht zur Versprochenen aus der geschenkten Mini-Bibel heraus gekramt wird. Ziemlich direkt wird daher die Brutalität im zwischenmenschlichen Umgang präsentiert, wenn Drill Sergeant Howell (Vince Vaughn!) schon bei der Auswahl der Spitznamen seiner Rekruten (u.a.: Ghoul, Private Idiot, Chief) Hass, Machtspiele und Rassismus ausruft, zudem gegen die religiösen Belange Desmonds konspiriert, keine Waffe anfassen zu wollen. Dessen permanente Stärke zum Erhalt der Werte - im Angesicht zur Bürokratie sowie drangsalierenden Mitstreitern, welche ungefragt den Regeln des Krieges ergeben sind - bietet einen Kontrast, der eine ideelle Plattform für Grauzonen der human condition lanciert hätte, in Mindestmaßen auch erfüllt zu werden scheint. Stattdessen aber kommen externe Faktoren wie Soldatenehre und Glaube ins Spiel, um von der Deus Ex Machina et Deus direkt ins Blutbad zu springen.


Dort scheint Gibson dann mit David Ayer um die reißerischsten Körperzerfetzungen (u.a. am absichtsvoll genannten Gefreiten Hollywood) zu konkurrieren, wenn die Kamera vollends den Schock lebt, sogar repetitiv durchlebt. Er malt den Krieg darin schließlich so schwarz-weiß („We're not in kansas anymore“, heißt es ironischerweise), wie es vorhersehbarer und räudiger nicht sein könnte, besetzt mit einer Gegnerfront an Japanern, die im Kamikaze wie aus einem modernen Horrorfilm scheinen - einmal sind sie sogar regelrechtes Jumpscare-Futter. Wie bei „Passion Christis“ singulären „Not all jews were bad“-Momenten versucht Gibson den xenophoben Eindruck noch durch genau zwei Momente zu kippen, wenn Desmond neben seinen verletzten Kameraden auch Japanern medizinische Unterstützung zukommen lässt, doch das Gleichgewicht zu blutrünstigen Eindrücken des gegnerischen Menschenschlages ist alles andere als Zen. Klar, es ist Krieg, keine Zeit für politische Korrektheit, ist angekommen. Das Auskosten des blutigen Treibens jedoch - in Zeitlupe gebettet, permanent am Schreien, Verbrennen und Durchsieben - wirkt in einem Film über die Entsagung direkter Gewalt mehr als befremdlich und heuchlerisch. Besser wird es dann auch nicht, wenn Gibson noch um die Empathie zum Heldentum von Doss bettelt und nach Superhelden-Manier inszeniert, darin aber nur die Spitze des Eisbergs seiner größtenteils von Subtilität befreiten Signale als Regisseur aufzeigt. Das wahre Ungetüm zeigt sich nämlich im Schlussakkord, welcher in seiner Bestialität und Plattitüde für lange Zeit ungeschlagen bleiben wird, im Alleingang alles niederballert und die Japaner im Angesicht der Heiligkeit Harakiri begehen lässt – schließlich ist der Glauben kompromissbereit, wenn den guten Jungs geholfen wird, die auch nur aus Pflichtbewusstsein am Krieg teilnehmen. So kann man sich das wohl zurechtlegen und ganz von der Wahrheit weg lässt sich das Ganze ebenso nicht positionieren. Aber das ist dann doch zu wenig im Vergleich zur Kontroverse dieses Films, um dessen War-Gore als pazifistisches Heldendenkmal vermitteln zu können. Streitbarkeit an sich ist gewiss kein Widerspruch zu Qualität, zudem ist Gibsons Film beileibe auch kein Paradebeispiel für lückenlosen Jingoismus, doch eine sichere Bank ergibt sich daraus noch lange nicht. Außer offenbar in Venedig und im Herzen Amerikas.

3,5 von 10 Blutflecken

vom Witte

Review: THE AMAZING SPIDER-MAN 2: RISE OF ELECTRO - Spider-Man hat gute Karten in der Hand

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Fakten:
The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro
USA. 2014.
Regie: Mark Webb. Buch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jeff Pinkner, James Vanderbilt. Mit: Andrew Garfield, Emma Stone, Jaime Foxx, Dane DeHaan, Sally Field, Paul Giamatti, Chris Cooper, Colm Feore,, Felicity Jones, Embeth Davidtz, Marton Csokas, Max Charles, B.J. Novak, Denis Leary, Michael Massee, Adrian Martinez u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. September 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Obwohl er es dem Vater von Gwen versprochen hat, ist Peter immer noch mit ihr zusammen. Doch damit kann er nicht mehr leben und trennt sich von Gwen. Als wäre das nicht schon schlimm genug für ihn, verwandelt sich der Ingenieur Max Dillon nach einem Unfall bei Oscorp in den energieverschlingenden Electro. Spider-Man bekommt also eine Menge zu tun.





Meinung:
Die freundliche Spinne ist zurück. Erneut unter der Regie von Marc Webb (immer noch ein verdammt passender Nachname für’s Franchise) sowie angeführt von Andrew Garfield ("The Social Network") als Peter Parker und Spider-Man in Personalunion. Das Sequel zum ersten „The Amazing Spider-Man“, der nicht ganz so amazing war und dennoch unterhaltsame Minuten bot, bekam nun mit seiner Fortsetzung „Rise of Electro“ ein Sequel spendiert, welches die durchaus gerechtfertigten Spottrufe, die das Konzept des Reboots hervor rief, vergessen lässt. Webbs zweite Superheldenprüfung ist als bestanden anzusehen. Mit „The Amazing Spider-Man 2“ hat die Reihe – ja, alle Filme – ihren bisherigen Höhepunkt gefunden.



"Sag noch einmal Tobey Maguire!"
Beginnen wir doch nach der Einleitung direkt einmal mit einer klaren Aussage, die gewiss die Leserschaft spalten wird: Andrew Garfield ist der bessere Peter Parker. Seine schlaksige Art kommt dem originalem Comichelden wesentlich näher als Tobey Maguires Darstellung. Das ist natürlich ein Streitpunkt, der zu nimmer endenden Diskussionen einlädt. Vielleicht kann man die Frage, ob „Rise of Electro“ uneingeschränkt für alle Spidey-Fans zu empfehlen ist, ganz einfach damit beantworten, dass es vor allem darauf ankommt, mit welchem Peter-Darsteller man mehr anfangen kann. Während Maguire außerhalb seines Spinnenkostüms immer der etwas verschlossener Streber war, macht Garfield auf leicht großmäuligen, liebenswert Nerd und erfüllt die Anforderung an die Rolle somit fast perfekt, auch wenn Maguire-Anhänger dies ganz gewiss anders sehen werden.




Was „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wirklich phantastisch macht ist zum einen seine Actionszenen und zum anderen sein Soundtrack. Beides ist wahrlich stimmungsvoll miteinander verwoben. Manchmal stellt sich die Frage ob der Score wirklich für die Actionszenen komponiert wurde, oder ob Regisseur Marc Webb die Spektakel nachträglich erst einfügte und sich beim Design des destruktiven Krawalls an der Musik des Komponistenverbundes The Magnificent Six orientierte. Besonders schön: die Musik gestaltet sich abwechslungs- und facettenreich. Statt die üblichen Brummtöne, wie man sie seit „Inception“ gefühlt in jedem Blockbuster hört, gönnt sich „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ einen abwechslungsreichen Soundtrack (und das obwohl Hans Zimmer hier seine Finger im Spiel hatte), der gewisse zum größtenteils auch nur Retorte ist, dafür aber perfekt mit dem zu sehenden Erlebnis auf der Leinwand harmoniert und – so fühlt es sich manchmal auch an – interagiert. Endlich wieder eine große Hollywood-Produktion mit musikalischem Spirit. Nur der exklusive, deutsche Schlusssong „Ohne zurück zu sehen“ von Tim Bendzko ist verzichtbar, aber keine Sorge, der ertönt erst nachdem exklusive Szenen von „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im Abspann zu sehen waren (die übrigens nicht mehr sind als ein viel zu kurz geratener Trailer ohne wirkliche Substanz).



Ähnlich lobenswert wie die Akustik von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ sind auch seine optischen Aspekte. Zum einen ist der Film immer noch einer der wenigen Vertreter, deren Sichtung sich in 3D lohnen, zum anderen sind die Special Effects wirklich erstklassig, genau wie die Actionszenen. Diese kombinieren die visuellen Stärken des Films zu einem beeindruckenden Gesamtpaket, die dazu noch von Spider-Mans liebenswert-großmäuliger Art aufgeheitert wird. Ein knalliges Spektakel im Stile eines comic relief, das zum Staunen und Schmunzeln einlädt. Dem gegenüber steht natürlich eine Geschichte, die leider zu oft auf verlorenem Posten steht, vor allem bei der Charakterisierung der restlichen Figuren. Gwen Stacey (Emma Stone, „Gangster Squad“, „Crazy, Stupid, Love“) bleibt trotz Emanzipierungsversuchen immer ein wenig zu sehr im Puppy-Stadium hängen und der titelgebende Electro alias Max Dillon (Jaime Foxx, „Django Unchained“,“White House Down“) wird mit dem guten, alten Holzhammer eingeführt, charakterlich definiert und grobschlächtig weiterentwickelt.



Zugegeben, in den Comics ist das nicht viel anders und „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist sich seiner Herkunft auch stets bewusst und versucht nicht etwas aus seinem Universum zu machen, was diesem nicht steht (Gruß an „Man of Steel“). Doch leider sind es Charakterisierungsszenen- und Momente, bei dem Webbs Inszenierung durchaus das eine oder andere Mal ins Stocken gerät und einige etwas zähere Minuten beschwert. Dass es auch besser geht zeigt „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ mit Harry Osborn. Dane DeHaan („Lawless“, „The Place beyond the Pines“) spielt den Jugendfreund von Peter Parker und obwohl seine Figur ähnlich plump ausfällt wie die des Electro, wirkt seine Wandlung wesentlich runder. Vermutlich auch deshalb, weil DeHaan ein exquisiter Schauspieler ist und selbst mit einer eher zweitklassigen Rollen darstellerisch etwas Beeindruckendes erzeugen kann. Wirklich schade, dass DeHaan im schurkischen Kosmos von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ letztlich doch nur die zweite Geige spielt, auch wenn es sich am Ende ankündigt, dass Harry Osborne alias Green Groblin spätestens im nächsten Teil zu einem sehr gefährlichen Feind für Spider-Man werden wird.


„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein spaßiges Vergnügen. Narrativ nicht immer aus einem Guss und so ganz vergessen macht er die Sam Raimi-Version von Spider-Man auch nicht (was nicht schlimm war, den Raimi lieferte zwei wirklich gute Filme ab), aber im Zeitalter in dem so viel liebenswert Phantastisches auf dark & gritty umgeformt wird (noch mal Gruß an „Man of Steel“) tut solch eine Blockbusterproduktion wie „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wahrlich immer noch gut. Denn auch wenn der Film letztlich nicht mehr ist, wie eine Vorbereitung für den dritten Teil, so löste Regisseur Marc Webb doch das Versprechen ein, welches er mit dem Ende des ersten Teils gab, nämlich dass es nur der Anfang war und sie noch viele Asse im Ärmel haben. Nun wurden die ersten davon wirklich ausgespielt und es zeigt sich, dass „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ verdammte gute Karten hat. Die bisher besten im cineastischen Universum der freundlichen Spinne von nebenan.


7,5 von 10 erkälteten Superhelden

Trailerpark: Endlich im Netz - Erster Trailer zu THE AMAZING SPIDER-MAN 2

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Trotz Häme und einer nicht bestreitbaren Unsinnigkeit erwies sich das Reboot von Spider-Man als durchaus lukrativ für Columbia Pictures. Klar also, dass ein Sequel her musste. Dies erscheint hierzulande am 17. April und wird – wie der Vorgänger auch – vom „(500) Days of Summer“-Regisseur Marc Webb (es bleibt einfach ein perfekter Nachname für dieses Franchise) inszeniert. Wieder mit dabei: Andrew Garfield als Titelheld, Sally Field als Tante May sowie Emma Stone als Spideys  Geliebte Gwen. Diesmal bekommt es die menschliche Spinne mit Rhino (Paul Giamatti) und Electro (Jaime Foxx) zu tun. Und auch Harry Osborn, alias der Goblin, darf gespielt, von Dane DeHaan, im Film auftauchen. Wir mochten den ersten Teil des Reboots trotz seiner Schwächen ganz gerne und hoffen auf gutes Helden-Entertainment. Besetzungstechnisch ist die Fortsetzung aber schon mal eine Wucht.

 

Review: THE AMAZING SPIDER-MAN - Fast so gut wie unsinnig

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Fakten:

The Amazing Spider-Man
USA. 2012. Regie: Marc Webb. Buch: Steve Kloves, Alvin Sargent, James Vanderbuilt. Mit: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Sally Field, Martin Sheen, Chris Zylka, C. Thomas Howell, Irrfan Khan, Campbell Scott, Embeth Davidtz, Max Charles u.a. Länge: 135 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigeben.

Story:
Schüler Peter Parker ist zwar sehr clever, muss dafür aber auch immer wieder einstecken. Kein leichter Alltag und dass seine Eltern ihn auf mysteriöse Weise verlassen und ihn bei seiner Tante und seinem Onkel untergebracht haben, macht sein Leben auch nicht leichter. Als er Nachforschungen über seine Eltern unternimmt, wird er in einem Labor von einer seltsamen Spinne gebissen. Danach erhält Peter unglaubliche Fähigkeiten und die kann er auch gut gebrauchen, denn eine seltsame, brutale Kreatur macht die Stadt unsicher.



Meinung:
Das Spinnenmann-Reboot ist unsinnig, trotz allem ist „The Amazing pider-Man“ ein wirklich guter Film. Ähnlich wie beim Neustart von Batman geht es hier düsterer und härter zu als bei den „alten“ Filmen rund um Wandkrabbler. "(500) Days of Summer"-Regisseur Marc Webb (also, wenn der Name mal nicht passt) versteht es vor allem bei den Charakteren zu punkten. Andrew Garfield ist für mich der bessere Peter Parker, denn während Peter bei Sam Raimi als konturloser Streber skizziert wird, wirkt er hier menschlicher und dadurch nicht mehr so unnahbar. Sein Love Interest Gwen Stacey hingegen bleibt ähnlich blass wie auch beim 2002er Abenteuer der Spinne. Für mich der heimliche Star des Films ist jedoch Martin Sheen als Onkel Ben. Wer nur ein klein wenig über Spider-Man weiß, der kennt Onkel Bens Schicksal und während es mir bei Raimi ziemlich egal war, berührte mich es hier umso mehr, weil Martin Sheen der Figur wesentlich mehr Würde und Liebenswürdigkeit einverleibt als Cliff Robertsons vor ca. 10 Jahren.


Gegen Mundgeruch hilft ein Pfefferminz oder eben eine Maske
Obwohl es der Film schafft bekannte Charaktere so zu präsentieren, dass man sie neu für sich entdeckt, bleibt eines der größten Probleme von „The Amazing Spider-Man“ freilich die Tatsache, dass die Geschichte bekannt ist (außer man kennt weder die Comics, noch die Trickserie oder Raimis Blockbuster-Adaption). Regisseur Webb und seine Autoren versuchen neue Facetten in die Historie von Spider-Man zu integrieren und es gelingt ihnen auch, dass die erste Stunde des Films nicht komplett unsinnig erscheint (was zum Großteil Garfield und Sheen zu verdanken ist), dennoch bleibt das unschöne Gefühl des Bekannten am Film haften. Die andere große Schwäche des Films ist der Schurke. Die Echse ist zwar groß, stark und aggressiv, wirkt aber in der Welt, die „The Amazing Spider-Man“ präsentiert unpassend, oftmals sogar wie eine stilistische Macke und die Kämpfe zwischen Held und Bösewicht sind zwar hübsch anzusehen, es fehlte ihnen aber das letzte Quäntchen Bombast und Einprägsamkeit , da helfen auch nicht die 3D-Effekte, die (oh Wunder, oh Wunder) hier zumindest nicht total verhunzt sind und stellenweise sogar ein bisschen funktionieren. 3D ist zwar auch beim neusten Spider-Man kein unbedingtes Muss und katapultiert ihn auch nicht qualitativ in die Höhe, aber es ist auch kein reines Ärgernis.

„The Amazing Spider-Man“ hat mich gut unterhalten. Ich mag die neue, etwas härtere und düstere, aber immer noch verschmitzte und Humor nicht abgeneigte(Stan Lees Cameo ist diesmal wirklich großartig) Ausrichtung des Franchises und freue mich auf die unausweichliche Fortsetzung. Welche Spinne nun besser ist, ist natürlich eine Frage des Geschmacks. Ich finde das Reboot marginal besser als Raimis ersten Spinnenfilm, aber egal ob Raimi oder Webb, Maguire oder Garfield, das Gefühl, dass Teil eins nur der Start für etwas größeres und noch besseres war, hinterließen beide Filme bei mir.

7,5 von 10


Review: THE SOCIAL NETWORK - Zuckerberg, der Soziopath

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Fakten:
The Social Network
USA. 2010. Regie: David Fincher. Buch: Aaron Sorkin. Mit: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Armie Hammer, Brenda Song, Rashida Jones, Joseph Mazzello, Max Minghella, Wallace Langham, Rooney Mara,  Josh Pence, John Getz u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Story:
Mark Zuckerberg, ein hochintelligenter Student der Universität von Harvard, hat wenig Freunde und es auch nicht all zu bekannt auf dem Campus. Doch als er sich eines Abends ins Uni-Netzwerk hackt und Informationen über Studentinnen ins Netz stellt, ahnt er noch nicht, dass dies der Beginn von etwas Großem ist. Die ersten Schritte von Facebook sind gemacht, doch der Weg an Spitze ist hart und steinig, aber nicht nur für Mark, sondern auch für seine angeblichen Freunde.


Meinung:
Nein, „The Social Network“ ist kein reinrassiges Biopic und nein, er erklärt auch nicht das Phänomen Facebook oder stilisiert Self-Made-Milliardäre zum neuen Heroen-Typus, „The Social Network“ ist ein reiner Erzählfilm. Er stellt keine Frage und fordert vom Zuschauer keine Empathie, er präsentiert lediglich seine Geschichte und genau das macht er wirklich ausgezeichnet.

Regisseur David Fincher verblüfft dabei, denn ist er normalerweise nicht abgeneigt audiovisuellen Spielereien und Lückenfüller en masse zu nutzen, so inszeniert er hier äußerst stringent, lediglich ein Ruderrennen wird unterhaltsam und sehenswert aufgestockt. Ich bin dem sonstigen Fincher-Stil nicht abgeneigt, aber es war absolut die richtige Entscheidung hier darauf zu verzichten, denn die starke Story und die herausragenden Figuren verdienen jeden einzelnen Tropfen Aufmerksamkeit. Fincher alleine die Lorbeeren für diesen gelungen Film zu geben wäre aber unfair.
Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg, links) bei der Arbeit
 Aaron Sorkin, der das Drehbuch schrieb und dafür einen Oscar erhielt (ebenso wie Trent Reznor und Atticus Ross für den Soundtrack), beweist, dass er einer der Allerbesten ist. Alleine die Anfangssequenz demonstriert sein großes Talent, auch wenn, sein wir doch mal ehrlich, niemand wirklich so reden würde. Sei’s drum, es wirkt alles authentisch und charakterlich schlüssig. Weitere qualitative Säulen des Films sind die Darsteller: Wer hätte gedacht, dass Jesse Eisenberg, der zuvor als Weichei in „Zombieland“ sich noch mit Untoten herumärgern musste, hier eine so erstklassige und faszinierende Leistung abliefert. Sein Mark Zuckerberg stellt er als Nerd da, aber als realistischer Nerd. Sein wir nochmal ehrlich, so lustig die aktuelle Nerd-Welle auch ist, die Wahrheit sieht schon etwas anders aus. Neben ihn können auch Justin Timberlake, dessen bisherige schauspielerische Ausflüge ich auch durchaus gut fand, und Andrew Garfield, der als Eduardo der perfekte Kontrast zum soziopathischen Nerd Zuckerberg ist, überzeugen. Apropos soziopathisch: Mir gefällt die Ironie dabei: Ein Soziopath erfindet das moderne Quassel-Medium schlechthin.

„The Social Network“ ist neben einem stimmungsvoll inszenierten Drama auch ein überaus effektiver Beweis, dass man nicht immer hochgezüchtete CGI-Effekte, Action-Orgien oder 3D-Overkills braucht um zu fesseln. Ein guter Dialog reicht vollkommen aus und verweist so manche Blockbuster auf die hinteren Plätze. Wie heißt es so schön: Die Feder ist mächtiger als das Schwert.
Gefällt mir.

8,5 von 10