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Review: X-MEN: APOCALYPSE - Hello again

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Fakten:
X-Men: Apocalypse
USA, 2016. Regie: Bryan Singer. Buch: Simon Kinberg, Bryan Singer, Michael Dougherty, Dan Harris. Mit: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Nicholas Hoult, Sophie Turner, Evan Peters, Rose Byrne, Tye Sheridan, Kodi Smit-McPhee, Lucas Till, Ben Hardy, Alexandra Shipp, Lana Condor, Hugh Jackman u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
1983: Zehn Jahre nach den Vorfällen im Weißen Haus sind Mutanten in der Bevölkerung immer noch mehr gefürchtet als akzeptiert. Nun muss die Menschheit wirklich zittern: Der vermutlich älteste und mächtigste Mutant „Apocalypse“ wird aus seiner Koma-ähnlichen Zwangspause in einer ägyptischen Grabkammer erweckt. Schnell scharrt er vier neue, apokalyptische Reiter um sich, um erneut die Welt zu beherrschen. Einer der Auserwählten: Der untergetauchte Erik „Magneto“ Lehnsherr, der eigentlich versuchte, sich inkognito eine „normale“ Existenz aufzubauen. Bis sein Hass auf die Menschen neu entflammt. Professor Xavier und seine Schüler sind natürlich die Einzigen, die die drohende Apokalypse noch abwänden könnten…

                                                                         
Meinung:
Ein augenscheinlich sehr banaler Moment brennt sich bei „X-Men: Apocalypse“ schon bei der Erstsichtung sofort ins Gedächtnis und sorgt bei der Nachbetrachtung für heiteren Diskussionsstoff. Ein Teil der jungen Helden kommt aus der Kinovorstellung von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, etwas enttäuscht, und es fällt (sinngemäß) die Aussage, dass der letzte Teil einer Trilogie immer der schwächste ist. Frage: War es Bryan Singer von Anfang an klar, das auch die Nummer drei der „zweiten“ X-Men-Trilogie nicht das Filetstück ist? Wenn ja, warum nicht intervenieren? Oder wurde diese Szene eventuell erst im Nachhinein dazu gefügt, um eine kleinlaute Entschuldigung ganz frech als ironische Selbstreflektion zu verkaufen? Wie auch immer, das ist schon leicht kurios…


Metal war ihr Schicksal...
Der selbst für einen Zeitreisefilm teilweise enorm unlogische, dafür extrem unterhaltsame Vorgänger (bei diesem Zeit-Wirrwarr nicht ganz so einfach eizuordnen) „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (genau das…) erlaubt Bryan Singer einen selbstkreierten Persilschein. Vergesst das, was die ersten 3 Filme (die Wolverine-Solos interessieren eh niemanden) an Zusammenhängen und Ereignissen geschaffen haben, im Prinzip ist nur noch die Timeline seit „X-Men: Erste Entscheidung“ relevant, alles andere ist Schnee von gestern. An sich ganz clever vorbereitet, mit nur einem entscheidenden Problem: Das reale Publikum wurde nicht geblitzt-dingst und so offenbart der neueste Streich der überdurchschnittlich guten Reihe seine eklatante Schwäche. Er ist inhaltlich ein fast feistes Ripp-Off bereits erzählter Handlungsstränge. Etwas variiert, etwas angepasst, wie in einem (sehr durchschaubaren) Schachspiel mit anderen Figuren an anderen Stellen eingesetzt, der Spielzug bleibt gleich. Und somit für Kenner und Fans der (gesamten) Serie ernüchternd, wenn auch objektiv gesehen auch höherem Niveau als vergleichbare endlos-Adaptionen, die schon von Beginn an wenig zu bieten hatten.


"Hör auf, sie läuft schon blau an!"
Praktisch jeden Moment hat man so oder so schon seit „X-Men 2“ gesehen. Zum buchstäblichen x-ten Mal pendelt Magneto nachhaltig traumatisiert und tendenziell ambivalent zwischen Gut und Böse. Immer aus den gleichen Gründen, auch wenn er hier zumindest mal ein Kapitel theoretisch dem Erdboden gleich machen darf. Wieder droht die ultimative Schlacht zwischen „guten“ und „bösen“ Mutanten, wieder steht der Kalte Krieg als Szenario Pate (dabei diesmal nur als Statist und nicht im Ansatz so brillant in die Story involviert wie noch beim Klassenprimus „X-Men: Erste Entscheidung“), wieder wird der eigentliche Platzhirsch-Mutant enttarnt (aber das wusste wir ja schon); es ist ein als Sequel untergejubelter Remix. Ohne diese richtig großen Momente, narrativ betrachtet. Da war nur „X-Men: Der letzte Widerstand“ schwächer. Was jetzt überwiegend wie ein Verriss klingen mag, um mal die Kirche im Dorf zu lassen, ist nur ein Ausdruck der (angekündigten?) Enttäuschung, begründet auf den hohen Erwartungshaltungen. Dafür haben die (Singer & Vaughn)X-Men „zu viel“ richtig gemacht, sie als einzige Konstante im Superhelden-Overkill des letzten Jahrzehnts bestätigt. Diese Details beinhaltet logischerweise die aufgewärmte Suppenküche vom Chefkoch auch, sie zergehen nur nicht mehr auf der Zunge.


Über Dinge wie Cast, technische Inszenierung (außer den wiedermal unnötige und läppische 3D-Konvertierung) und grundsätzlich interessante, weit über dem üblichen Genre-Standard stehenden Thematiken muss einfach nicht diskutiert werden. Über deren Verwendungen im Angesicht des Gesamten eher. Die zeitlichen und popkulturellen Anspielungen sind nett (aber leider auch nicht mehr), Quicksilver gehören schon wie im direkten Vorgänger die besten Einzelsituationen, das ist souverän vorgetragene Blockbuster-Unterhaltung. Wer Höheres erwartet (was durchaus angebracht wäre), Pech gehabt. Somit hinterlässt „X-Men: Apocalpyse“ zwiespältig. Kein Satz mit X, aber einer ohne Ausrufezeichen.

6 von 10 Permanent-Rasuren

Review: SPY – SUSAN COOPER UNDERCOVER – Die Degenderisierung des Agentenfilms

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Fakten:
Spy – Susan Cooper Undercover
USA. 2015. Regie und Buch: Paul Feig.
Mit: Melissa McCarthy, Rose Byrne, Jason Statham, Jude Law, Miranda Hart, Allison Janney, Bobby Cannavale, Morena Baccarin, Peter Serafinowicz, Richard Brake, Curtis „50 Cent“ Jackson u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Susan Cooper ist eine bescheidene Schreibtisch-Agentin. Als jedoch ihr Partner ausfällt und ein weiterer Top-Agent in Gefahr gerät, meldet sie sich freiwillig, um undercover in die Welt der Drogendealer und Ganoven einzutauchen und die Welt vor einer Katastrophe zu bewahren. So entwickelt sich Susan Cooper zur unbedarften Heldin der gefährlichsten Mission des CIA.





Meinung:
Von der Mutter Zeit ihres Lebens eingetrichtert bekommen, immerzu auf Nummer sicher zu gehen, fristet Susan ihren Arbeitsalltag im ranzigen CIA-Kellergewölbe und koordiniert ihr Herzblatt Bradley Fine, die Personifikation des mondänen Spions, durch die tückischen Genfahrzonen, die so ein Außeneinsatz nun mal mit sich bringt. Der Titel „Spy – Susan Cooper Undercover“ aber expliziert bereits, dass hier nicht der athletische James-Bond-Verschnitt im Mittelpunkt steht, sondern das vom Leben enttäuschte Mauerblümchen, das von jetzt auf gleich in ein kunterbuntes Agenten-Abenteuer geschubst wird. Dass Melissa McCarthy genau diese Susan verkörpert, alarmiert gewaltig, hat sich die Frau in ihren bisherhigen Kinoausflügen doch überwiegend durch eine Sache auszeichnet: Enervierenden Brachialhumor. Im „Spy – Susan Cooper Undercover“ ist das anders, der sexistische Humor, der hier aufgeboten wird, steht in einem anderen Kontext. Paul Feig benutzt all die genreinhärenten Gender-Klischees und übersteigert sie permanent, um den konservativen Kern, den diese streng reglementierte Männerdomäne, die der Agenten-Film nun mal seit jeher darstellt, bloßzustellen und die festgewachsenen Statuten zu verschieben. „Spy – Susan Cooper Undercover“ kehrt das Sujet in eine feministische Perspektive um und die Emanzipation von Melissa McCarthys Charakter erzwingt sie förmlich, die Degenderisierung des Genres. Und das klappt außerordentlich lässig, ist dabei nie auf den großen Brüller forciert, sondern auch mal mit einem kleinen Schmunzeln zufrieden. Außerdem ist Jason Statham im selbstironischen Modus wunderbar und zieht seinen selbstüberschätzenden Ein-Mann-Armee-Typus süffisant durch den Kakao.


6 von 10 ominösen Face/Off-Maschinen


von souli




Meinung:
Als Fan von Komödien hat man es nicht immer leicht. Die zeitgenössischen Auswürfe der Hollywood’schen Comedy-Maschinerie lassen sich dann doch in einem zu großen Maße als unterdurchschnittlich bewerten. Zu oft sieht und hört der Zuschauer Altbekanntes in den Filmen, zu oft wird sich eben mit dieser Gemütlichkeit zufrieden gegeben. Zwar mag das zeitweise auch auf diesen Film zutreffen, dennoch weiß sich die x-te Zusammenarbeit von Paul Feig und Melissa McCarthy (die im Original mit einem ziemlich guten Timing aufwarten kann) doch zeitweise aus dem immermüden Trott zu befreien. Die ersten zwanzig Minuten sind unverbraucht, überraschend, frech aber auch zu jeder Zeit liebenswert, so lobt man sich das. Selbst wenn der Film bis zum Ende vorhersehbar ist und vor allem im Mittelteil ordentlich Leerlauf herrscht, ist sich „Spy“ stets seiner Stärken bewusst. Und die liegen im Schauspielergespann. Jason Statham, Jude Law, Rose Byrne und natürlich McCarthy geben sich hier die Ehre und verkörpern Figuren, die alles andere als normal sind. So manche Sätze aus Stathams Mund sind Gold wert. Ebenfalls angenehm: Selbst wenn es wohl keinen Agentenfilm mehr geben kann, ohne dass ein Gruß an 007 geht, ist es doch schön, dass es sich hier um eine Action-Komödie ohne plattgetretene Selbstironie oder Meta-Witzchen handelt. Sondern einfach nur um einen reinen Genre-Mix mit Höhen und Tiefen, der im Gesamtbild über dem Durchschnitt bleibt. Die Freigabe ab 12 darf allerdings verwundern.


6 von 10 Penis-Einhörnern


von Smooli

Review: SIEBEN VERDAMMT LANGE TAGE - Totenwache mit immensen Gewichtsproblemen

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Fakten:
Sieben verdammt lange Tage (This Is Where I Leave You)
USA. 2014. Regie: Shawn Levy. Buch: Jonathan Tropper (Vorlage). Mit: Jason Bateman, Tina Fey, Corey Stoll, Adam Driver, Jane Fonda, Rose Byrne, Kathryn Hahn, Connie Britton, Timothy Olyphant, Abigail Spencer, Ben Schwartz, Dax Shepard, Debra Monk, Cade Lappin, Aaron Lazar u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 29. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gerade eben noch hat Judd seine Liebste beim Sex mit seinem Chef erwischt, da wartet schon die nächste Hiobsbotschaft auf ihn: sein Dad ist tot. Ein Grund also wieder nach Hause zu fahren, wo bereits seine Mutter und seine Geschwister auf ihn warten. Doch ein Kurzausflug wird es nicht, denn sein Vater verlangte vor seinem Ableben, dass seine Frau und seine Kinder eine 7tägige Totenwache abhandeln sollen. Es werden sieben verdammt lange Tage.





Meinung:
Einen guten Roman für die Leinwand zu adaptieren bringt immer auch eine große Verantwortung mit sich. „Sieben verdammt lange Tage“ von Autor Jonathan Tropper gilt im Allgemeinen als gutes Buch und genau dieses wurde nun von Regisseur Shawn Levy („Nachts im Museum“) zu einem Spielfilm umgewandelt. Wurde aus lesenswerter Literatur nun auch ein sehenswerter Film? Nein, leider nicht.


Und jetzt haben alle gaaaaaanz viel Spaß - yay!
„Sieben verdammt lange Tage“ will viel, aber das wollen ja eigentlich alle Ensemble-Filme. nicht unbedingt durch ihre Geschichte oder Aussage, sondern vielmehr durch die Größe und Prominenz ihrer Besetzungsliste. Letztes Jahr erst gelang Regisseur John Wells mit „August: Osage County“ das Kunststück einen großen Cast, mit einer fast schon kammerspielartigen Inszenierung und wunderbar ausgewogenen Rollen zu vereinen. Davon ist Shawn Levy weit entfernt. Sein „Sieben verdammt lange Tage“ zerbricht an den Ambitionen des Stoffes, obgleich er viele davon erst gar nicht eine Bühne gibt. Der Film versucht die Dispute der Familie Altman aufzubauschen und dann via bulliger Apologie aufzulösen. Das Problem dabei ist allerdings, dass nichts wirklich ins dramaturgisch gekoppelte Kreuzfeuer genommen wird. In „Sieben verdammt lange Tage“ sind Probleme nur da, um gelöst zu werden. Sich ihnen aber mit ausrichtiger Ehrfurcht zu stellen, ohne anbiedernde wie simple Auswegsstrategien zu nutzen, fällt dem Film nie ein. Vielleicht aus mangelnder emotionaler Intelligenz oder aus Furcht das Publikum zu verschrecken. Hoch lebe die Seichtigkeit! Auch wenn „Sieben verdammt lange Tage“ gerne so tut, als ob er gewitzt und clever wäre.


Wendy und Judd im Problembewältigungsmodus
Im Zentrum des Films steht Judd Altman, den Jason Bateman gewohnt solide darstellt, der nicht nur das Fremdgehen seiner Frau, sondern auch den Tod seines Vaters verarbeiten muss. Letzteres muss er nicht alleine durchstehen, denn sieben Tage lang darf/muss er mit seinen Geschwistern sowie seiner Mutter im Elternhaus die jüdische Totenwache abhalten. Da sind Konflikte vorprogrammiert und selbstverständlich haben alle anwesenden Verwandten ihr ganz persönliches Problempäckchen zu tragen, welche nach und nach geöffnet werden. Da wäre die Schwester Wendy (Tina Fey), die mit einem gefühlkalten Workaholic verheiratet ist und eigentlich sei Kindheitstagen in den Nachbarsjungen Horry (Timothy Olyphant) verliebt ist. Bruder Paul (Corey Stoll), dem es nicht gelingt seine Frau Alice (Kathryn Hahn) zu schwängern und der narzisstische Bruder Philip (Adam Driver), der zur Totenwache mit seiner viel älteren Freundin (Connie Britton) erscheint, die dazu seine Therapeutin ist. Dazu kommt dann noch ein Rabbi (Ben Schwartz) der von den Altman-Kinder früher schon immer veralbert wurde und Mutter Altman (Jane Fonda) selbst, die hauptsächlich durch ihre großen Silikonbrüste auffällt. Ein Hort des normalen Wahnsinn also, voller verschiedene Charaktere und deren positiven wie negativen Eigenheit. Eine Konstellation, die jederzeit in Gefahr ist, unter ihrem Eigengewicht in tausend Teile zu zersplittern.


Nicht mal das Baby hat Spaß. Doofe Totenwache
Doch eigentlich scheint sich „Sieben verdammt lange Tage“ zu Beginn nur auf Judd zu konzentrieren und begleitet ihn mit eher müdem Witz durch seine Phase der Leere. Sobald es aber dann zur Totenwache kommt, verknüpft der Film die anderen Altman-Kinder mit der Narration. Bereits dann knirscht es gewaltig bei „Sieben verdammt lange Tage“. Dass dazu dann noch ein Haufen anderer Figuren kommt, die in zig verschiedenen Verbindungen zur Familie stehen, tut dem Film ebenfalls nicht gut. Nicht unbedingt wegen der puren Masse, sondern weil sie inessentiell für die Geschichte bleiben. Ihre Charakteristik ist weder marginal genug, um sie als reine Randnotizen abstempeln zu können, noch umfang- und facettenreich, um sie als ebenbürtige Probanden anzusehen. Autor Jonathan Tropper, der seinen eigenen Roman zum Drehbuch adaptierte, gelingt es nicht sich von Figuren des Romans zu trennen, die in der Belletristik wahrscheinlich einen funktionierenden Platz, bzw Bereich, in der Geschichte haben, im eingeschränkten Medium Film allerdings ungefähr so ergiebig und nützlich sind, wie Zungenküsse in der Quarantänezone. Dass Regisseur Levy das Ganze dazu noch weder spritzig, noch in irgendeiner Art und Weise originär einfängt, macht das Trauerspiel, welches „Sieben verdammt lange Tage“ letztlich ist, dann vollends komplett.


Die süße Nachbarin, Judds einzige Hoffnung
Shawn Levy erliegt darüber hinaus dem Trugschluss, dass jede dramatischen Spitze am besten ein Witz folgen sollte. Doch der Humor von „Sieben verdammt lange Tage“ ist zu anti-klimatisch und unauffällig, zu brav und einbremsend gegenüber der Dramaturgie, die am ehesten als seichte Hausmannskost beschrieben werden kann. Vielleicht liegt es auch gerade deswegen daran, dass die Darsteller meist immer etwas unterfordert wirken. Dabei ist die Besetzung auf dem Papier wirklich großartig und bietet Schauspielern wie der „Star Wars: Episode VII“-Mime Adam Driver (bekannt aus der großartigen Serie „Girls“) und Corey Stoll („House of Cards“) die Möglichkeit auch auf der großen Leinwand einmal ihre darstellerische Präsent unter Beweis zu stellen. Dass Jane Fonda außerdem sich endlich mal wieder die Ehre einer Kinorolle gibt, es natürlich auch ganz wunderbar, obwohl ihre Rolle diejenige ist, die am meisten an einen pseudo-komödiantischen Kontext gebunden ist (ein hoch auf die Plastikbrüste, sowie deren ständiger Präsenz). Es ist schon fast erstaunlich sowie wohltuend, aber es liegt nicht an den Darstellern, dass „Sieben verdammt lange Tage“ nicht funktionieren will, sondern wirklich am Drehbuch sowie Levys staubiger Regie. "Life is complicated", so lautet die wenig überraschende Aussage des Films, aber eigentlich wäre "To make a good ensemble-movie is difficult" die bessere Wahl gewesen.


„Sieben verdammt lange Tage“ scheitert nicht daran, dass er unter seinem Eigengewicht zerbricht, sondern mehr daran, dass er es nicht vermag aus seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen mehr zu machen als säuseliges wie langatmiges Problembewältigungskino ohne Ehrgeiz, Courage und Esprit. „Im August in Osage County“ bietet da filmisch wahrlich die weitaus bessere Alternative. Oder einfach den Roman lesen, der ja angeblich sehr lesenswert sein soll, auch wenn der Film zum Buch dies nicht ansatzweise vermuten lässt.


2,5 von 10 Cindy Lauper-Songs

Review: BAD NEIGHBORS – Lautstarker Kleinkrieg am Gartenzaun

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Fakten:
Bad Neighbors (Neighbors)
USA. 2014.
Regie: Nicholas Stoller. Buch: Brenda O’Brien, Andrew J. Cohen. Mit: Seth Rogen, Rose Byrne, Zac Efron, Dave Franco, Lisa Kudrow, Christopher Mintz-Plasse, Jake Johnson, Craig Roberts, Ike Barinholtz, Hannibal Buress, Halston Sage, Ali Corbin u.a. Länge 97 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 16. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mac und Kelly führen eine glückliche Ehe, die durch ihr Baby Stella vervollständigt wird. Als im Nachbarhaus eine Studentenverbindung einzieht, versucht das Paar zunächst im Guten mit dem wilden Sauhaufen auszukommen, doch die lautstarken Partys zwingen Mac und Kelly dazu, die Polizei einzuschalten, was einen äußerst harten Nachbarschaftskrieg zur Folge hat.





Meinung:
Würde man die Baustellenwarnung „Betreten auf eigene Gefahr“ vom Metallzaun entfernen und etwas modifizieren, könnte man mit einer Deklaration wie „Konsumierung auf eigene Gefahr“ problemlos das DVD- oder Blu-ray-Cover eine beliebigen Adam Sandler-, Will Ferrell- oder Seth Rogen-Komödie verzieren. Der cineastische Kanon erklärt diese drei Schauspieler gerne mal zu unfähigen Knallchargen, die sich in ihrem repetitiven Donnerwetter aus Plattitüden schon vor Jahren eigenständig ins Aus geschossen haben. Es gilt daher oftmals die Maxime zu befolgen: Wenn man gegen diese Herren eine (womögliche) Antipathie hegt, sollte man sich von ihrem Output tunlichst fernhalten. Jedoch lässt sich ihr Schaffen nicht allein an den dort enthaltenden Peniswitzen messen, denn a ch wenn man der individuelle Humor die etwas infantile Gang präferiert und in diesen Regionen durchaus fündig wird, muss man in der Lage, wenigstens ein Stück weit zu differenzieren. Differenzieren? Bei einer Sache, die in Sachen Subjektivität konkurrenzlos erscheint, wie der eigene Humor? Oh ja!


Echte DeNiro-Fans: Zac Efron und Dave Franco
Es muss abgewogen werden, welche Zielgruppe der Film mit seinem mehr oder weniger aufdringlichen Klamauk ansprechen möchte. Genau so ist es sinnvoll, einen Blick hinter den Gag zu wagen und einen möglicherweise durchaus existente subversiven Hintergedanken zu erspähen. „Bad Neighbors“, bei dem Seth Rogen nicht nur als Hauptdarsteller zu gegen ist, sondern auch als Produzent, ist wieder so ein Fall, der es einem wahrscheinlich leicht machen könnte, ihn frei von der Leber weg zu verdammen und in den Wind zu schießen. Dabei verbirgt sich im Inneren von Nicholas Stollers anarchistisch-orgiastischen Nachbarschaftskrieg ein Film, der das Herz ohne Zweifel auf der rechten Seite trägt – Es wird nur immer wieder durch seine grölend-feierwütige Attitüde entmutigt, weiterzupochen. „Bad Neighbors“ ist sicher kein Highlight am kontemporären Comedy-Firmament, kann sich aber immerhin damit brüsten, nicht nur einen einzigen funktionierenden komödiantischen Volltreffer im Repertoire zu haben, sondern eigentlich durchweg unterhaltsam daherzukommen.


Das Baby von Kelly und Mac gerät mit in den Krieg
Im Zentrum finden wir den Kampf zwischen den gesellschaftlichen Polen: Auf der einen Seite unsere frischgebackenen Eltern Mac (Seth Rogen) und Kelly (Rose Byrne), die sich im Vorstadtidyll einleben wollen und sich damit analog eben auch eingestehen müssen, nicht mehr länger zum impulsiven Partyvolk zu gehören. Was ihnen natürlich noch deutlicher gemacht wird, nachdem eine die Studentenverbindung Delta Psi Beta (Alpahtiere: Zac Efron und Dave Franco) das Haus nebenan bezieht. Die akzeptable Dezibelzahl wird von dort an mit Wonne permanent übertreten, Neon-Lichter flackern im Stakkato aus allen Fenstern und die Meute kreischt im Chor um die Wette. Und natürlich zieht „Bad Neighbors„ aus dem Clinch der Generationen einen Großteil seiner Komik, in dem er die „Alten“ in ein für sie vollkommen überforderndes Umfeld eskortiert, um anschließend einen perfide ausgeführten Schlagabtausch hinterfotziger Fasson abzufeuern wie abzufeiern. Dass dabei auch einige Rohrkrepierer auf die Beine gestellt werden – Stichwort: Gummidildos – ist selbstverständlich und bremst „Bad Neighbors“ dann dahingehend aus, ihn in seinem sommerlichen Gemüt ohne Einschränkungen liebzuhaben.


Zwischen seinen ulkigen Referenzen auf die moderne Popkultur, den treffenden und schwächelnden Gags, darf „Bad Neighbors“ seiner Jugendtruppe ganz leicht in ihr Innenleben folgen, in dem er Zac Efrons Zukunftsängste manifestiert und die wüsten Partys als letzte Verbindung zur naiven Unbekümmertheit sieht. Dass dieser Aspekt nicht grundiert wird, versteht sich von selbst, aber immerhin erlaubt sich das Drehbuch einen Subtext, der seine Charaktere etwas greifbarer, etwas menschlicher, als in anderen Vertretern dieser kunterbunten Gattung zeichnet. So lässt sich „Bad Neighbors“ am Ende nicht als der große Wurf festhalten, doch als eine luftige, spritzige und keinesfalls nervtötende Angelegenheit. Da gab es schon weitaus Schlimmeres zu ertragen.


5 von 10 gerammelten Buchsbäume


von souli