Posts mit dem Label Chris Pratt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chris Pratt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 – Ein Sequel mit Herz

Keine Kommentare:

Fakten:
Guardians of the Galaxy Vol. 2
USA. 2017. Regie und Buch: James Gunn: Mit: Chris Pratt, Zoe Saldana, Bradley Cooper, Dave Bautista, Vin Diesel, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Kurt Russell, Elizabeth Debicki, Chris Sullivan, Sean Gunn, Sylvester Stallone, Tommy Flanagan, Stan Lee, Aramis Knight u.a. Länge: 137 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Ab 27. April 2017 im Kino.


Story:
Die Abenteuer der "Guardians of the Galaxy" gehen weiter, und diesmal führt sie ihr Trip bis an die äußeren Grenzen des Kosmos. Die Guardians müssen um ihre neu gefundene Familie kämpfen, während sich das Geheimnis um Peter Quills wahre Eltern langsam lüftet. Dabei wandeln sich alte Feinde zu neuen Verbündeten, und auch einige neue Charaktere tauchen auf der intergalaktischen Bühne auf.




Kritik:
2014 überraschte James Gunn uns alle mit seiner Weltraumoper Guardians of the Galaxy. Der Film war, trotzdem die Guardians selber zu dem Zeitpunkt der breiten Masse recht unbekannt waren, ein riesiger Erfolg. Das lässt sich vor allem dadurch erklären, dass sich der Film, obwohl er Teil des Marvel Cinematic Universe ist, überraschend eigenständig und frisch angefühlt hat. Er stand für sich und wirkte nicht nur wie ein weiteres Puzzleteil im MCU. Entsprechend erwartungsvoll stehen die Fans nun dem zweiten Teil der Reihe gegenüber. Doch können diese Erwartungen überhaupt erfüllt oder gar übertroffen werden? Ein zweiter Teil kann sich selbstverständlich nie so frisch und originell anfühlen wie der erste, doch genau das fordern scheinbar viele ein. Allerdings wäre James Gunn nicht James Gunn, wenn er mit diesem Problem nicht fertig werden würde.


Der zweite Teil der Reihe konzentriert sich sehr stark auf das Thema Familie. Jetzt mag man schnell an ein anderes Franchise denken, dass gerade mit seinem neusten Beitrag einen enormen Erfolg feiert, doch könnte das Verständnis von Familie in den beiden Filmen kaum unterschiedlicher sein. Während uns bei Fast and Furious eine bedingungslose Liebe innerhalb der "Familie" vorgegaukelt wird, sehen wir bei den Guardians einen wirklichen Zusammenhalt, der auch durch nicht abwendbare Konflikte nicht gebrochen werden kann. Allerdings geht es in Guardians of the Galaxy Vol. 2 nicht nur um Familie im übertragenen Sinne, sondern auch im wörtlichen. Star Lord trifft im Film nämlich auf seinen leiblichen Vater Ego. Verkörpert von Kurt Russel will dieser seinem Sohn der Vater sein, der er vorher nicht sein könnte und ihm erklären, was seine Rolle im Leben ist. Also begleiten die Guardians ihn kurzerhand auf seinen Planeten um mehr zu erfahren. Und auch wenn Star Lord das Gefühl, dass ihm seine "richtige" Familie bringt sehr genießt, muss er im Verlaufe des Films feststellen, dass die Erwartungen die man an seinen leiblichen Vater hat nicht immer erfüllt werden.


Insgesamt ist Guardians of the Galaxy Vol. 2 ein überraschend emotionaler Film. Genau mit dieser Emotionalität versucht Gunn auch die fehlende Frische des Films auszugleichen – mit Erfolg. Sei es die Beziehung zwischen Star Lord und seinem Vater, Gamorra und ihrer Schwester oder Drax Vergangenheit, egal wie kitschig die einzelnen emotionalen Momente des Films auch sein mögen, sie funktionieren. Der Grund dafür liegt im Umgang mit dem Kitsch. Der Film ist sich dessen nämlich stets bewusst und geht das ganze mit einem lächeln an. In seinen besten Momenten schafft er es dadurch, dem Zuschauer die ein oder andere Träne abzuringen. Etwas, dass man von einem Guardians of the Galaxy Film nicht unbedingt erwarten würde. Doch keine Sorge, dabei kommen Action und Humor keinesfalls zu kurz – im Gegenteil. Gunn feuert im Minutentakt mit Witzen auf uns, die dankenswerterweise auch alle noch sehr treffsicher sind und inszeniert die Action wieder sehr gekonnt.


Das der Humor so gut funktioniert ist aber nicht nur Gunn und seinem fabelhaften Drehbuch zu verdanken, sondern vor allem dem komödiantischen Talent der Darsteller. Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Michael Rooker und Karen Gillan kehren in ihre Rollen aus dem ersten Teil zurück und schaffen es in den besten Fällen ihre Leistung im ersten Teil noch zu toppen. Dank James Gunns ausgeglichenem Drehbuch, stiehlt auch kein Darsteller dem anderen die Show. Jeder Darsteller bekommt seine Momente und wird dem Zuschauer auch nach dem Film im Gedächtnis bleiben. Eine Rarität in Ensemblefilmen. Allerdings sei erwähnt, dass Michael Rooker und Karen Gillan in diesem zweiten Teil eine wesentlich größere Rolle spielen als noch im ersten. Insbesondere Michael Rooker bekommt dabei einige schöne Momente spendiert, die sowohl seinem Talent, als auch seinem Charakter mehr als gerecht werden. Da wir schon so viel von Familie sprechen, soll auch James Gunns Bruder Sean Gunn als Kraglin nicht unerwähnt bleiben. Im zweiten Teil spielt auch er eine wesentlich größere Rolle. Das fühlt sich aber nicht nach Vetternwirtschaft an, sondern macht für den Film durchaus Sinn. Sein komödiantisches Talent, dass er schon in einigen Serienformaten und auch im ersten Guardians Film unter Beweis stellen konnte, kann er in seiner Rolle vollends ausleben. Neben den altbekannten Gesichtern stoßen aber auch zwei neue Größen dem Cast hinzu. Kurt Russel scheint die perfekte Wahl zu sein, um Chris Pratts Vater zu spielen. Beide haben einen ähnlichen Charme, beide eine ähnliche Attitüde. Das sorgt für eine unheimlich stimmige Chemie zwischen den beiden, so dass man ihnen die Vater Sohn Beziehung von der ersten Sekunde an abkauft. Auch Pom Klementieff als Mantis ist eine willkommene Erweiterung. Sie und Drax sorgen für einige der größten Lacher im Film. Insgesamt merkt man dem Cast an, dass sie sich untereinander verdammt gut verstehen und irre viel Spaß beim Dreh hatten - und das ist unbezahlbar.


Natürlich darf auch die Musik nicht vergessen werden, die bereits im ersten Teil eine essenzielle Rolle spielte. In Vol. 2 versucht Gunn etwas neues. Während der Soundtrack des ersten Films gut ins Ohr ging und man ihn ohne Probleme in Dauerschleife hören konnte, baut Gunn den Soundtrack des zweiten Teils besser in den Film ein. So ist einer der Songs gar ein wichtiger Plot Point. Dadurch ist der Soundtrack zwar nicht so gut hörbar wie der erste – wenn auch trotzdem noch gut hörbar – spielt aber für den Film selbst eine wichtigere Rolle. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Und ja, das ist eine Anspielung auf die Goldenen Wesen im Film. Das Volk – Enclave genannt – sorgt zwar für den ein oder anderen guten Lacher zu Beginn des Films, hat aber über den gesamten Film verteilt zu viel Screentime. Zu oft sehen wir, wie sie an ihren in Steuerapparaten für die Drohnen sitzen und sich darüber aufregen, dass die Guardians sie erneut zurückschlagen. Die ersten Male mag das noch ganz witzig sein, nutzt sich aber leider recht schnell ab. Dass das der einzig große Kritikpunkt am Film ist sollte aber zeigen, wie gelungen der Film in seiner Gesamtheit ist.


Fazit: In Guardians of the Galaxy Vol. 2 vereint James Gunn alles, was wir am ersten Teil so geliebt haben: Toll inszenierte Action, treffsicherer Humor und viel Herz. Anstelle der Frische und Originalität des ersten Films, bietet er wesentlich mehr Emotionen. Dadurch ist Guardians 2 nicht unbedingt besser, aber in keinem Fall schlechter als der Erste.

9 von 10 schlecht gewählten Namen

Eine Gastkritik von Tobias Bangemann

PASSENGERS - Greif nach den Sternen...und weiter?

Keine Kommentare:

Fakten:
Passengers
USA. 2016. Regie: Morten Tyldum. Buch: Jon Spaiths. Mit: Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Andy García, Laurence Fishburne, Jamie Soricelli, Kimberly Battista, Aurora Perrineau, Fred Melamed, Shelby Taylor Mullins, Kristin Brock, Marie L. Burke, Julee Cerda, Vince Foster, Jean-Michel Richaud, Kara Michele Wilder uvm. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Januar 2017 im Kino.

Story:
Tausende von Menschen werden in Passengers auf einem Raumschiff in die Kolonie eines weit entfernten Planeten transportiert. Um nicht als alte Männer und Frauen dort anzukommen, versetzt man sie in einen Kälteschlaf, aus dem sie erst wieder erwachen sollen, wenn das Ziel der interstellaren Reise erreicht ist. Durch eine Fehlfunktion bei den Schlafkammern werden zwei Passagiere, Jim (Chris Pratt) und Aurora (Jennifer Lawrence), jedoch zu früh aus der Kältestarre geweckt – und zwar 90 Jahre, bevor das Space Shuttle den neuen Planeten erreichen soll. Ihnen ist klar, was das bedeutet: Sie werden den Rest ihres Lebens in dem Luxus-Raumschiff verbringen müssen. Als sie jedoch gerade beginnen, sich mit diesem Schicksal abzufinden und ihre Gefühle für einander zu entdecken, gerät unvermittelt das Leben aller noch schlafenden Passagiere in Gefahr.





Kritik:
Wer zu der Art Filmkonsument gehört, die entgegen vorgefertigter Genre-Erwartungen ein Multitasking an Emotionen vertragen kann, sollte sich zur Vergewisserung des Egos auch mal eine misslungene Umsetzung jener Ambition zu Gemüte führen. Morten Tyldum kommt da mit seinen „Passengers“ an Bord, knapp jede Stimmung innerhalb einer Raumstation auf Autopilot (und das in vielerlei Hinsicht) durchzuprobieren, ohne sich auch nur in eine bemerkenswert zu vertiefen. Der Hansdampf in allen Gassen will dabei ein Rundumpaket des Eskapismus ergeben, das sich als Herkules an Topoi schon mit allen Signalen des Science-Fiction-Konsens umgibt und somit natürlich fern jeglicher wissenschaftlicher Impulse aufs Spektakel der big emotions schielt. Lukas Barwenczik benannte jene Strömung an kontemporärem Space-Kitsch jüngst allzu treffend als Symptom der postfaktischen Ära und als ob Tyldum dies zu untermauern versucht, rückt er dafür den bodenständigen Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) in den Mittelpunkt, welcher jeder ausfallenden Technik eine handfeste Lösung verpassen kann und zudem daran glaubt, dass an den simplen Slogans im OS des Raumschiffs Avalon trotz aller Trivialität doch was Wahres dran sein könnte – der Working-Man-Charme in Stimme und Soundtrack wird gratis manipulativ mitgeliefert, „Make space great again“. An jenem Nukleus der Interface-Kontraste eröffnet sich fortan auch dieser typische Widerspruch im Hollywoodkino der Spezialeffekte, ein zugleich technophobes und technogeiles Narrativ zu reinforcieren, um auf Verlustängste und Sehnsüchte des Zuschauers anzuspringen, Schauwerte aus der 3D-Effektschmiede zu ballen und die Gefahr dessen als primäres Spannungsstück zu akzentuieren. Weil das inzwischen so berechenbar ist, scheint sich das Drehbuch von Jon Spaihts („Doctor Strange“) dann ebenso ausrechnen zu können, wie viele Portionen an Gefühlsmäßigkeiten zur Vermittlung ausreichen, so wie es auch glaubt, jenen Rahmen der Unterhaltung wegen derartig glattzubügeln, dass keine Wissenschaft oder Psychologie mehr aufrichtig analysiert werden muss.


Da herrscht allerdings ein grundlegendes Desinteresse am Intellekt des Zuschauers, den man gerne auch via reiner Beobachtung zu den Belangen von Ensemble und Geschehen leiten darf, in diesem Fall allerdings mit Behauptungen, konstruierten Symbolen und Etablierungsphrasen abgefertigt wird. Man bemerke dazu allein die ersten Gehversuche im Themengebiet Isolation, das oben genannten Preston vorzeitig aus dem Hyperschlaf weckt und somit auf einem knapp 100 Jahre langen Trip durchs All stranden lässt. Von „Alien“ bis „2001 – Odyssee im Weltraum“ fallen einem bestimmt noch zig mehr Beispiele ein, an die man sich anhand der Bilder Tydlums erinnert fühlt, obgleich er ausgerechnet einen bemüht kecken Pratt durch die keimfrei abgeriegelte Zukunft wandern lässt, immer auf dem Sprung zum nächsten Szenario des Entdeckens, an dem zeitgleich Verzweiflung und obercooles Produktionsdesign voller praktischer Gadgets verinnerlicht werden sollen – kleine Cleanbots mit Minions-Charakter inklusive. Auch wenn der eher rudimentär nachvollzogene Fehler im System ihn nämlich zu einem einsamen Tod verdammt, gibt es noch reichlich frische Freizeitaktivitäten zu beackern, die den Bart nur so wachsen lassen, wenn Videospiele, undefinierte Filme, Restaurants und ein Barkeeper-Androide namens Arthur (Michael Sheen, stets in einer „Shining“-Hommage) fürs Enter-/Infotainment bereit stehen. Selbst sobald seine Re-Initiierung des Schneewittchen-Glassarges in beklemmender Fehlfunktion geschieht, ist Platzangst für Jim lediglich drei Sekunden lang ein Thema. Ob seine Psyche da allzu lange intakt bleibt, fragt sich der Film anhand solcher Situationen allerdings auch irgendwann, weshalb nach einigen netten OS-Unzugänglichkeiten Richtung Satire light sowie spektakulären Selbstmordversuchen der zufällige Stolperschritt zur Schlafkapsel der Autorin/Journalistin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) vollzogen wird. In einer für diesen Film bezeichnende, weil jede interessante Tiefe scheuende Montage kaut Jim daraufhin ein Dilemma durch, ob er die Dame ebenfalls gegen ihren Willen aufwecken soll, um ein bisschen Gesellschaft zu haben, wo er ihre pseudo-philosophischen Schreiberfähigkeiten sowie ihren Humor doch schon beinahe als Motivation genug verstand.


Von diesen Vorbereitungen erzählt er ihr nach vollbrachter Tat dann natürlich nichts und obwohl jene Stalker/Creep/Lügner-Aspekte dem moralischen Kompass des Zuschauers durchweg bewusst bleiben, scheint der Film sich damit abfinden zu können, trotzdem eine Romanze aus seinen Probanden zu leiern – was trotz altmodischer Gentleman-Avancen denkbar schlecht funktioniert. Soll aber wohl schon reichen, dass zwei attraktive weiße Menschen im idealen Alter mit der Zeit halt aufeinander abgehen, obwohl u.a. Auroras dissonanter Vater-Komplex eher eine Bereitschaft zur Nähe im Stile von „Queen of Earth“ evozieren dürfte – aber so ist das nun mal, wenn Charakterwerte nur als Staffage für das bewährte Schauspiel ihrer Star-Kombi genutzt werden. Dabei versucht der Film ja trotzdem sein Äußerstes, eine kohärente Entwicklung zum Miteinander zu stilisieren, weshalb der Schnitt jede Entdeckungsphase Jims nun mit ihr bzw. beiden zusammen erneut auffährt und somit stimmig auf einer Redundanz herumreitet, die sich höchstens noch ihre diktierten Ergüsse - mit dem Niveau einer Facebook-Teenie-Pinnwand - als Voiceover-Pathos anklemmen kann. Doch die Technik kann kein Geheimnis für sich behalten und so gibt es stets Spannungen wie Eskalationen im futuristischen Idyll, wenn auf Pratts dürftige Space-Wortspiele (mit Ankündigung) eine gleichsam schlagfertige Erinnerung daran folgt, wie unausweichlich der Tod und bedeutungslos das Dasein in jenen Käfigen der Technik doch seien. Gut, dass der ebenbürtig hermetisch kontrollierte Sex noch Entlastungen mit sich bringt, doch das anbahnende Psychoduell mit dem Effekt eines grausamen Tageszyklus pellt sich allmählich ebenso ansprechend aus, wenn auch wie so oft nur von kurzer Dauer und Inspiration. Das Schiff glitcht nämlich wie verrückt mit Hang zur Lebensgefahr durch und weckt noch einen dritten im Bunde auf, Kommandant Gus Mancuso (Laurence Fishburne) – von dem man sich eigentlich wünscht, dass er alle romantischen Eskapaden mit Jim durchlaufen hätte.


Fishburnes Präsenz ist ein willkommener Lichtblick innerhalb der löchrigen Konfusion des Films, der sich im Verlauf mehr und mehr mit CGI-Schauwerten über Wasser halten muss (dementsprechend inkonsequente Anti-Gravity-Wasserblasen zur Spannung einfügt), genauso schnell aber wiederum Fishburne ablösen will, weil er nicht weiß, wohin. Stattdessen sind auf den letzten Drücker Aufopferung, Manuelle Reparaturen, 1-Einzelschicksal-für-alle, Liebe über alle Unmöglichkeiten hinweg, „Sunshine“, „Gravity“ und Konventionen en masse angesagt, wenn die Zielgerade so energisch Genre-Pflichten abarbeitet, dass die Inszenierung selber keine Lust mehr dafür aufzubringen versucht, was jetzt eigentlich die Ursache all dessen war. Schön, dass der Film es da auch mal ehrlich mit uns meint, bis dahin verstand er sich sowieso mehr als gemächlicher Beobachter des Oberflächlichen, der seinen schlichten Abläufen im Raumschiffleben einen gewissen Reiz abringen konnte, im geschmeidigen Style die schlampigen Innereien der Technik zu offenbaren und dennoch lieben zu lernen, wenn der menschliche Faktor seine Heimat darin sucht. Ohnehin sind die oben genannten Widersprüche trotz ihrer emotionalen Unfähigkeit noch von grundlegendem Interesse, wie man sie realistisch evaluieren oder auslachen soll und vor allem welche besseren Filme man aus dem Kleister an Ideen herausholen könnte. Das bleiben aber eben die wenigen Diskussionsgrundlagen für einen Film, der sich auf Irrationalitäten aufbaut und jede mehr oder weniger sinnige Verknüpfung per gefühlsheuchelnder Anbiederung ausklammert, mit vereinfachten Genre-Gesten jegliches Herzblut, sogar irgendeine Distinktion in der Regie umkurvt. Nur in einem Punkt erkennt man Tyldum jedenfalls wieder, nämlich dass er dem Tod wie schon im „Imitation Game“ nicht in die Augen sehen kann und stattdessen gleich aufs hinterlassene Erbe hinweist. Dass er nach jenem Film so romantisierend ins Beliebige hinein abbauen würde, hätte man aber nicht auf Anhieb daraus schließen wollen.


4 von 10 interstellaren Arbeitsunfällen


vom Witte

Review: JURASSIC WORLD - Ein weiterer Grund für's Aussterben

Keine Kommentare:


Fakten:
Jurassic World
USA. 2015. Regie: Colin Trevorrow. Buch: Derek Connolly, Rick Jaffa, Amanda Silver.
Colin Trevorrow. Mit: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ty Simpkins, Nick Robinson, Vincent D’Onofrio, Omar Sy, B.D. Wong, Irrfan Khan, Jake Johnson, Judy Greer, Brian Tee u.a. Länge: 124 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich.


Story:
22 Jahre nach den Ereignissen aus "Jurassic Park" ist die Isla Nublar mittlerweile ein voll funktionsfähiger und gut besuchter Dino-Themenpark geworden, so wie es der Visionär John Hammond ursprünglich erdacht hatte. Der neue Park wird betrieben von der Masrani Corporation. Der Wissenschaftler Owen, der zur Mannschaft gehört, beschäftigt sich mit Verhaltensforschung bei den Velociraptoren. Als ein Forscherteam versehentlich einen genetisch modifizierten Hybrid-Saurier freilässt, bricht plötzlich das Chaos aus.





Meinung:
Das sind sie wieder, die Dinosaurier. Fast möchte man meinen dass diese ganz und gar erfundene Fabelwesen sind, erdacht von Regie-Legende Steven Spielberg und Autor Michael Crichton, so sehr werden Raptoren, der T-Rex und Konsorten mit Jurassic Park“ aus dem Jahre 1993 verbunden, der noch heute als einer der größten und besten Blockbuster aller Zeiten gilt – zu Recht. Besser war Spielberg danach - in diesem Bereich der Filmmacherei - nie wieder. Nach längerer Verschnaufpause kehren die Dinos nun endlich zurück. „Jurassic World“ konzentriert sich dabei voll und ganz auf den ersten Teil und beachtet dabei weder „Vergessene Welt“ noch „Jurassic Park 3“, der trotz diverser Häme immer noch der beste Teil der Reihe ist, nach dem legendären ersten. Da ist es durchaus verständlich, dass Regisseur Colin Trevorrow, der hier sein Big-Budget-Debüt gibt, die Vorgängersequels nicht beachtet und versucht sein Versprechen, einen würdigen Nachfolger zu erschaffen,  einzuhalten. Wirklich geglückt ist ihm das allerdings nicht.


Auf der Jagd: Chris Pratt und seine CGI-Raptoren
„Jurassic World“ versucht auf T-Rex komm raus in die Fußstapfen des legendären, ersten Teils zu trampeln, doch dafür fehlt dem Film so einiges. Die neue Bedrohung, der I-Rex(hihi), wirkt mit all seinen Fähigkeiten eher wie ein Alien als ein Dinosaurier und die anderen Urzeitviecher dürfen entweder mal kurz durch Bild wandern, oder es sind Raptoren (und ein bisschen T-Rex), die „Jurassic World“ versucht als Art (Anti-)Helden zu verkaufen. Trevorrow Blockbuster-Debüt ist dabei kein katastrophaler Film, aber mehr als ein Blockbuster nach Vorschrift ist das Spektakel nicht. Und von der Magie von einst ist auch nix mehr übrig. Das Schöne am ersten Teil war nun einmal, dass sich alles so echt anfühlte. Davon ist die synthetische CGI-Welt von „Jurassic World“ meilenweit entfernt. Um das zu kompensieren muss dann auch gefühlt alle zehn Minuten der John Williams-Score aufgepackt werden, um Stimmung zu erzeugen. Aber das funktioniert so einfach nicht. Die plumpen Versuche an Teil eins anzuknöpfen, narrativ aber vor allem stilistisch, ergeben letztlich nicht mehr einzelne Szenen, die man wohlwollend als Hommage, kritisch als Remake beschreiben kann. Doch keine dieser Szenen funktioniert so richtig was  daran liegt, dass die Figuren, die in Notsituationen geraten, nicht mehr sind als Blaupausen.


Freitags gibt es immer Fisch
Der Versuch der Autoren, vier an der Zahl, abseits des Dino-Chaos noch Dramaturgie einzubauen ist wenig ertragreich und stört viel mehr den Erzählfluss von „Jurassic World“. Das Spektakel ist halt redundantes Blockbuster-Kino. Das Schlimme: Das ist dem Film scheinbar selbst auch bewusst und er versucht damit zu kokettieren. Das Ergebnis ist eine hemdärmliche Meta-Ebene, die fast genauso stupide ist, wie die Charakteredes Films. Selbst Chris Pratt, der in „Guardians of the Galaxy“ noch Charisma und Heldenesprit verströmte, bleibt ein zähes Abziehbild des typischen, kernigen wie männlichen Heldentypus, dem mit Bryce Dallas Howard mal wieder nur die profillose Karrierefrau an die Seite gestellt wird. Wobei, sich darüber zu beschweren sollte man erst dann tun, wenn man damit fertig ist zu verkraften, was einem das Drehbuch von „Jurassic World“ für eine Story auftischt. Diese ist teilweise so zerfahren und überkonstruiert, dass es gut und gerne sein kann, dass die Autoren sich von den Billig-Produktionen der Trashschmiede The Asylum inspiriert haben. Die „Jurassic Park“-Reihe war noch nie für kluge und ausgefeilte Geschichten bekannt, doch was „Jurassic World“ bietet ist wahrlich nicht mehr als grob zusammengeschüttete Versatzstücke von altbekannten Ramsch-Ideen, die ihren Teil dazu beitragen, dass „Jurassic World“ kaum bis wenig Spannung zu generieren vermag.


„Jurassic World“ besitzt dabei trotz seiner Fehler gewiss auch Starke Momente, aber diese sind meist kurz und werden von den grölenden Effektszenen überschattet und meist regelrecht niedergerannt. Was bleibt ist der treudoofe Versuch mit den heutigen Mitteln des Blockbusterkinos ein Flair und ein Gefühl zu erzeugen, welches vor allem aber davon lebte, dass der erste „Jurassic Park“ trotz seiner technischen Neuerungen immer noch ein wirklich handgemachter Film war, der gekonnte Spannung, Staunen und Spaß miteinander kombinierte. Das gelingt dem vierten Teil über sehr weite Strecken nicht, wobei vor allem das Staunen komplett außen vor bleibt, denn es gibt hier nichts mehr, was dieses Gefühl wirklich auszulösen vermag. Sehr bedauerlich, das Hollywood mit Colin Trevorrow erneut wieder einen vielversprechenden Regisseur für Multimillionen-Dollar-Einheitsbrei verballert hat


4 von 10 Kuscheldinos

Trailerpark: Futter für Dinos und Fans - Erster Trailer zu JURASSIC WORLD

Keine Kommentare:



Hier ist er endlich, der erste Trailer zu “Jurassic World” von Regisseur Colin Trevorrow, der bei uns am 11. Juni starten wird. Chris Pratt, Michael Pena, Bryce Dallas Howard, Judy Greer, Irrfan Khan und Vincent D’Onofrio bieten sich diesmal als Dinofutter an. Der Trailer macht uns wirklich ganz heiß auf den Film, der gewiss nicht mehr so einen Hype im Rücken hat, wie der Ur-Film von Steven Spielberg, aber wir hoffen auch nicht auf einen neuen Meilenstein, sondern einfach nur auf gute Unterhaltung.


Review: GUARDIANS OF THE GALAXY - Der beste Blockbuster des Jahres!

Keine Kommentare:


Fakten:
Guardians of the Galaxy
USA. 2014.
Regie: James Gunn. Buch: Nicole Perlman, James Gunn. Mit: Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Lee Pace, Karen Gillian, Michael Rooker, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio DelToro, Djimon Hounsou, Sean Gunn, Peter Serafinowicz, Gregg Henry, Christopher Fairbank, Laura Haddock, Ophelia Lovibond u.a. Original Stimmen u.a. von Bradley Cooper, Vin Diesel, Rob Zombie, Seth Green, Josh Brolin, Nathan Fillion. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 8. Januar 2015 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
1988 wird Peter Quill als Kind, nachdem seine Mutter gestorben ist, von Weltraumpiraten entführt. 26 Jahre später ist Quill selbst einer von diesen und will gerade einen Orb stehlen, als er von den Schergen des düsteren Ronan entdeckt wird. Quill kann jedoch mit seiner Beute fliehen. Doch das Kopfgeld, was auf ihn ausgesetzt ist, bringt ihn schnell in Schwierigkeiten. Das Baumwesen Groot, der sprechende Waschbär Rocket sowie eine Killerin von Ronan versuchen Quill zu schnappen. Das erste Zusammentreffen endet im Gefängnis. Dort müssen sie sich zusammenraufen. Nicht nur um auszubrechen, sondern auch um das Universum vor einer dunklen Macht zu schützen.





Meinung:
Wenn man mal ganz ehrlich ist, so muss man doch schon irgendwie zugeben, dass der aktuell grassierende Comicboom im Kino mittlerweile einen Sättigungsgrad erreicht hat, der wohl am besten mit dem Wörtchen „Überfressen“ beschrieben werden kann. Spider-Man, Thor, Iron Man, Captain America, Superman, X-Men, Ghost Rider, Batman plus einige Helden abseits des Mainstreams wie etwa Kick-Ass oder Hellboy. Die Lust an dröhnenden, lauten Blockbuster basierend auf Comics sorgt immer noch für volle Kinos und noch vollere Kassen und doch, das gewisse Etwas, was diese Werke einst umgab, gibt es nicht mehr wirklich. Mit „Guardians of the Galaxy“ gibt es nun aber eine Comicverfilmung die ihn wieder besitzt: den Hauch des Speziellen. Regisseur James Gunn („Slither“) hat mit seinem ersten Big-Budget-Movie einen der besten Filme des späten Sommers abgeliefert und ganz sicher den wohl besten Blockbuster des Jahres 2015 (und wahrscheinlich auch der nächsten Jahre).


Er ist Groot
Oft wurde der Film im Vorfeld mit Joss Whedons „Marvels The Avengers“ verglichen. Der Vergleich hinkt allerdings gewältig. „Guardians of the Galaxy“ ist ein großes wie liebenswertes Spektakel (genau wie auch Whedons Helden-Versammlung), allerdings atmet James Gunn die herrlich frische Lust eines großen Weltraumabenteuers. „Guardians of the Galaxy“ erinnert mehr an „Star Wars“ – an die guten, alten Filme, die noch Seele, Inspiration und Esprit besaßen. Überall wimmelt es vor kuriosen Einfällen, Details und Figuren. Dabei versucht Gunn nicht seinen Film zwanghaft auf massentauglich aufzupumpen, sondern tobt sich dafür ungehemmt und mit einer enorm leidenschaftlichen Chuzpe in der dargebotenen Space-Story aus. Diese ist simple aber effektiv, hält wunderbar Balance aus großem Getöse, wohl dosierten Trief-Kitsch und charmanter Ironie, die den Films niemals hintergeht, sondern ihn keck umschmeichelt. Einfach ein verdammt großer Spaß.


Zu cool für den Knast: die Guardians of the Galaxy
Die titelgebenden „Guardians of the Galaxy“ erweisen sich darüber hinaus als ein Haufen (Anti-)Helden, der sich via Sympathie, charakterlicher Eigenständigkeit und großen Klappen sofort in die Herzen des Publikums einschleicht. Chris Pratt („Zero Dark Thirty“) als Peter Quill alias Star-Lord empfiehlt sich hier für den Job des nächsten, großen leading man der Traumfabrik (welchen er wohl auch annehmen wird, immerhin wird er 2015 in „Jurassic World“ die Hauptrolle spielen). Quill, ein gerissenes Großmaul mit der zwielichtigen Ehre eines Korsaren, ist die Heldenentdeckung des Kinojahres: Schlagfertig, kess überheblich, couragiert wenn es darauf ankommt. Ein waschechter Sympathieträger der die Facetten eines Tunichtguts und eines Draufgängers dynamisch vereint. Mit an seiner Seite die Assassinin Gamora (Zoe Saldana, diesmal mit grüner statt mit blauer Haut), der Wüterich Drax (Wrestler Dave Bautista, „The Man with the Iron Fists“) sowie das grandiose Duo Rocket und Groot. Zusammen, als Team welches sich erst finden muss, eine unschlagbare Kombination. Vor allem auch deswegen, weil jede Figur eine gut laufende (wenn auch nicht immer sonderlich einfallsreich) Background-Story verpasst bekam, sowie charakterliche Eigenheiten, die meist allesamt an gut positionierten Witz gekoppelt sind.


Space-Pirat Yondu ist blau, sieht aber oft genug rot
Wenn Drax seine Probleme hat mit Metaphern, Groot mit seiner Catchphrase für Erheiterung sorgt und Waschbär Rocket das Niedliche seines Äußeren mit uriger Eloquenz kontert, dann generiert dies einfach superbe Unterhaltung. Einzig Gamora wirkt im Team etwas verloren. Dazu scheut Gunn und seine Co-Autorin Nicole Perlman nicht davor zurück Emotionen einzufügen, die überaschenderweise niemals aufgesetzt wirken und wirklich in einigen Fällen herausragend funktionieren. Der computeranimierte Groot und sein ebenfalls am Rechner entstandener Kumpel Rocket sind dafür die besten Beispiele. CGI kann eben doch mehr als bloß destruktiven Bombast zu erzeugen. „Guardians of the Galaxy“ ist dafür der beste Beweis, denn Gunn entwirft mit Hilfe der Bits und Bytes der Traumfabrik immer wieder hinreißende Bilder, in die man sich verlieren und verlieben kann. Egal ob es gigantische Raumschiffe sind oder die Weite und Größe des Kosmos visuell festgehalten wird. Schon lange gab es nicht mehr so viel Schönheit in einem Blockbuster. Dass das 3D dazu noch recht gut eingesetzt wird (auch wenn es nicht ausreicht, um es unersetzlich zu machen) komplettiert den Eindruck, dass „Guardians of the Galaxy“ neben toller Action auch auf die Kraft der Bilder perfekt einsetzt.


„Guardians of the Galaxy“ ist ein definitives Highlight.
Ja, die Handlung ist überfrachtet und im Prinzip ähnlich wie “Marvel’s The Avengers” ein reinrassiger Starter-Film, in dem das ungleiche Team erstmal zueinander finden muss. Doch das alles ist unglaublich mitreißend erzählt, wird mit einem grandiosen Soundtrack unterlegt, bietet Helden denen man einfach nur zuschauen möchte und ein Welten-Design, welches vor Ideenvielfalt einfach nur so strotzt. „Guardians of the Galaxy“ ist schlicht und ergreifend grandios.


9 von 10 Beinprothesen