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PASSENGERS - Greif nach den Sternen...und weiter?

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Fakten:
Passengers
USA. 2016. Regie: Morten Tyldum. Buch: Jon Spaiths. Mit: Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Andy García, Laurence Fishburne, Jamie Soricelli, Kimberly Battista, Aurora Perrineau, Fred Melamed, Shelby Taylor Mullins, Kristin Brock, Marie L. Burke, Julee Cerda, Vince Foster, Jean-Michel Richaud, Kara Michele Wilder uvm. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Januar 2017 im Kino.

Story:
Tausende von Menschen werden in Passengers auf einem Raumschiff in die Kolonie eines weit entfernten Planeten transportiert. Um nicht als alte Männer und Frauen dort anzukommen, versetzt man sie in einen Kälteschlaf, aus dem sie erst wieder erwachen sollen, wenn das Ziel der interstellaren Reise erreicht ist. Durch eine Fehlfunktion bei den Schlafkammern werden zwei Passagiere, Jim (Chris Pratt) und Aurora (Jennifer Lawrence), jedoch zu früh aus der Kältestarre geweckt – und zwar 90 Jahre, bevor das Space Shuttle den neuen Planeten erreichen soll. Ihnen ist klar, was das bedeutet: Sie werden den Rest ihres Lebens in dem Luxus-Raumschiff verbringen müssen. Als sie jedoch gerade beginnen, sich mit diesem Schicksal abzufinden und ihre Gefühle für einander zu entdecken, gerät unvermittelt das Leben aller noch schlafenden Passagiere in Gefahr.





Kritik:
Wer zu der Art Filmkonsument gehört, die entgegen vorgefertigter Genre-Erwartungen ein Multitasking an Emotionen vertragen kann, sollte sich zur Vergewisserung des Egos auch mal eine misslungene Umsetzung jener Ambition zu Gemüte führen. Morten Tyldum kommt da mit seinen „Passengers“ an Bord, knapp jede Stimmung innerhalb einer Raumstation auf Autopilot (und das in vielerlei Hinsicht) durchzuprobieren, ohne sich auch nur in eine bemerkenswert zu vertiefen. Der Hansdampf in allen Gassen will dabei ein Rundumpaket des Eskapismus ergeben, das sich als Herkules an Topoi schon mit allen Signalen des Science-Fiction-Konsens umgibt und somit natürlich fern jeglicher wissenschaftlicher Impulse aufs Spektakel der big emotions schielt. Lukas Barwenczik benannte jene Strömung an kontemporärem Space-Kitsch jüngst allzu treffend als Symptom der postfaktischen Ära und als ob Tyldum dies zu untermauern versucht, rückt er dafür den bodenständigen Mechaniker Jim Preston (Chris Pratt) in den Mittelpunkt, welcher jeder ausfallenden Technik eine handfeste Lösung verpassen kann und zudem daran glaubt, dass an den simplen Slogans im OS des Raumschiffs Avalon trotz aller Trivialität doch was Wahres dran sein könnte – der Working-Man-Charme in Stimme und Soundtrack wird gratis manipulativ mitgeliefert, „Make space great again“. An jenem Nukleus der Interface-Kontraste eröffnet sich fortan auch dieser typische Widerspruch im Hollywoodkino der Spezialeffekte, ein zugleich technophobes und technogeiles Narrativ zu reinforcieren, um auf Verlustängste und Sehnsüchte des Zuschauers anzuspringen, Schauwerte aus der 3D-Effektschmiede zu ballen und die Gefahr dessen als primäres Spannungsstück zu akzentuieren. Weil das inzwischen so berechenbar ist, scheint sich das Drehbuch von Jon Spaihts („Doctor Strange“) dann ebenso ausrechnen zu können, wie viele Portionen an Gefühlsmäßigkeiten zur Vermittlung ausreichen, so wie es auch glaubt, jenen Rahmen der Unterhaltung wegen derartig glattzubügeln, dass keine Wissenschaft oder Psychologie mehr aufrichtig analysiert werden muss.


Da herrscht allerdings ein grundlegendes Desinteresse am Intellekt des Zuschauers, den man gerne auch via reiner Beobachtung zu den Belangen von Ensemble und Geschehen leiten darf, in diesem Fall allerdings mit Behauptungen, konstruierten Symbolen und Etablierungsphrasen abgefertigt wird. Man bemerke dazu allein die ersten Gehversuche im Themengebiet Isolation, das oben genannten Preston vorzeitig aus dem Hyperschlaf weckt und somit auf einem knapp 100 Jahre langen Trip durchs All stranden lässt. Von „Alien“ bis „2001 – Odyssee im Weltraum“ fallen einem bestimmt noch zig mehr Beispiele ein, an die man sich anhand der Bilder Tydlums erinnert fühlt, obgleich er ausgerechnet einen bemüht kecken Pratt durch die keimfrei abgeriegelte Zukunft wandern lässt, immer auf dem Sprung zum nächsten Szenario des Entdeckens, an dem zeitgleich Verzweiflung und obercooles Produktionsdesign voller praktischer Gadgets verinnerlicht werden sollen – kleine Cleanbots mit Minions-Charakter inklusive. Auch wenn der eher rudimentär nachvollzogene Fehler im System ihn nämlich zu einem einsamen Tod verdammt, gibt es noch reichlich frische Freizeitaktivitäten zu beackern, die den Bart nur so wachsen lassen, wenn Videospiele, undefinierte Filme, Restaurants und ein Barkeeper-Androide namens Arthur (Michael Sheen, stets in einer „Shining“-Hommage) fürs Enter-/Infotainment bereit stehen. Selbst sobald seine Re-Initiierung des Schneewittchen-Glassarges in beklemmender Fehlfunktion geschieht, ist Platzangst für Jim lediglich drei Sekunden lang ein Thema. Ob seine Psyche da allzu lange intakt bleibt, fragt sich der Film anhand solcher Situationen allerdings auch irgendwann, weshalb nach einigen netten OS-Unzugänglichkeiten Richtung Satire light sowie spektakulären Selbstmordversuchen der zufällige Stolperschritt zur Schlafkapsel der Autorin/Journalistin Aurora Lane (Jennifer Lawrence) vollzogen wird. In einer für diesen Film bezeichnende, weil jede interessante Tiefe scheuende Montage kaut Jim daraufhin ein Dilemma durch, ob er die Dame ebenfalls gegen ihren Willen aufwecken soll, um ein bisschen Gesellschaft zu haben, wo er ihre pseudo-philosophischen Schreiberfähigkeiten sowie ihren Humor doch schon beinahe als Motivation genug verstand.


Von diesen Vorbereitungen erzählt er ihr nach vollbrachter Tat dann natürlich nichts und obwohl jene Stalker/Creep/Lügner-Aspekte dem moralischen Kompass des Zuschauers durchweg bewusst bleiben, scheint der Film sich damit abfinden zu können, trotzdem eine Romanze aus seinen Probanden zu leiern – was trotz altmodischer Gentleman-Avancen denkbar schlecht funktioniert. Soll aber wohl schon reichen, dass zwei attraktive weiße Menschen im idealen Alter mit der Zeit halt aufeinander abgehen, obwohl u.a. Auroras dissonanter Vater-Komplex eher eine Bereitschaft zur Nähe im Stile von „Queen of Earth“ evozieren dürfte – aber so ist das nun mal, wenn Charakterwerte nur als Staffage für das bewährte Schauspiel ihrer Star-Kombi genutzt werden. Dabei versucht der Film ja trotzdem sein Äußerstes, eine kohärente Entwicklung zum Miteinander zu stilisieren, weshalb der Schnitt jede Entdeckungsphase Jims nun mit ihr bzw. beiden zusammen erneut auffährt und somit stimmig auf einer Redundanz herumreitet, die sich höchstens noch ihre diktierten Ergüsse - mit dem Niveau einer Facebook-Teenie-Pinnwand - als Voiceover-Pathos anklemmen kann. Doch die Technik kann kein Geheimnis für sich behalten und so gibt es stets Spannungen wie Eskalationen im futuristischen Idyll, wenn auf Pratts dürftige Space-Wortspiele (mit Ankündigung) eine gleichsam schlagfertige Erinnerung daran folgt, wie unausweichlich der Tod und bedeutungslos das Dasein in jenen Käfigen der Technik doch seien. Gut, dass der ebenbürtig hermetisch kontrollierte Sex noch Entlastungen mit sich bringt, doch das anbahnende Psychoduell mit dem Effekt eines grausamen Tageszyklus pellt sich allmählich ebenso ansprechend aus, wenn auch wie so oft nur von kurzer Dauer und Inspiration. Das Schiff glitcht nämlich wie verrückt mit Hang zur Lebensgefahr durch und weckt noch einen dritten im Bunde auf, Kommandant Gus Mancuso (Laurence Fishburne) – von dem man sich eigentlich wünscht, dass er alle romantischen Eskapaden mit Jim durchlaufen hätte.


Fishburnes Präsenz ist ein willkommener Lichtblick innerhalb der löchrigen Konfusion des Films, der sich im Verlauf mehr und mehr mit CGI-Schauwerten über Wasser halten muss (dementsprechend inkonsequente Anti-Gravity-Wasserblasen zur Spannung einfügt), genauso schnell aber wiederum Fishburne ablösen will, weil er nicht weiß, wohin. Stattdessen sind auf den letzten Drücker Aufopferung, Manuelle Reparaturen, 1-Einzelschicksal-für-alle, Liebe über alle Unmöglichkeiten hinweg, „Sunshine“, „Gravity“ und Konventionen en masse angesagt, wenn die Zielgerade so energisch Genre-Pflichten abarbeitet, dass die Inszenierung selber keine Lust mehr dafür aufzubringen versucht, was jetzt eigentlich die Ursache all dessen war. Schön, dass der Film es da auch mal ehrlich mit uns meint, bis dahin verstand er sich sowieso mehr als gemächlicher Beobachter des Oberflächlichen, der seinen schlichten Abläufen im Raumschiffleben einen gewissen Reiz abringen konnte, im geschmeidigen Style die schlampigen Innereien der Technik zu offenbaren und dennoch lieben zu lernen, wenn der menschliche Faktor seine Heimat darin sucht. Ohnehin sind die oben genannten Widersprüche trotz ihrer emotionalen Unfähigkeit noch von grundlegendem Interesse, wie man sie realistisch evaluieren oder auslachen soll und vor allem welche besseren Filme man aus dem Kleister an Ideen herausholen könnte. Das bleiben aber eben die wenigen Diskussionsgrundlagen für einen Film, der sich auf Irrationalitäten aufbaut und jede mehr oder weniger sinnige Verknüpfung per gefühlsheuchelnder Anbiederung ausklammert, mit vereinfachten Genre-Gesten jegliches Herzblut, sogar irgendeine Distinktion in der Regie umkurvt. Nur in einem Punkt erkennt man Tyldum jedenfalls wieder, nämlich dass er dem Tod wie schon im „Imitation Game“ nicht in die Augen sehen kann und stattdessen gleich aufs hinterlassene Erbe hinweist. Dass er nach jenem Film so romantisierend ins Beliebige hinein abbauen würde, hätte man aber nicht auf Anhieb daraus schließen wollen.


4 von 10 interstellaren Arbeitsunfällen


vom Witte

Review: AM GRÜNEN RAND DER WELT - Klassisches Gefühlskino in voller Pracht

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Fakten:
Am günen Rand der Welt (Far from the Madding Crowd)
Dänemark, Großbritannien. 2015. Regie: Thomas Vinterberg. Buch: David Nicholls, Thomas Hardy (Vorlage).
Mit: Carey Mulligan, Matthias Schoenarts, Michael Sheen, Tom Sturridge, Juno Temple, Jessica Barden, Jody Halse, Mark Wingett, Bradley Hall, Victor McGuire, Harry Peacock, Sam Philips, Dorian Lough u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 19. November auf DVD und Blu-ray erhältlich..


Story:
Im England des 19. Jahrhunderts lebt Bathsheba Everdene ein unkonventionelles Leben. Die junge, i
ntelligente und sehr eigenwillige Frau liebt ihre Unabhängigkeit. Dabei wird sie von drei Männern umgarnt. Der attraktive Schäfer Gabriel Oak schätzt ihren Eigensinn und macht ihr prompt einen Heiratsantrag, den sie jedoch ablehnt. Der wohlhabende Gutsbesitzer William Boldwood ist fasziniert und verwundert zugleich von dieser modernen Frau, aber auch seinen Heiratsantrag lehnt sie ab. Und dann trifft Bathsheba auf den selbstbewussten Offizier Frank Troy und gerät in seinen gefährlichen Bann…





Meinung:
Es ist nicht Thomas Vinterbergs erste, internationale Produktion. Bereits mit „Dear Wendy“ und „It’s all about Love“ versuchte sich der dänische Regisseur abseits seiner skandinavischen Heimat. Wirklich überzeugend waren diese Ausflüge nicht, auch wenn man ihnen interessante Facetten gewiss eingestehen muss und wohl auch sollte. Nach seinem gefeierten Drama „Die Jagd“, die Vinterberg endlich mit Mads Mikkelsen zusammen brachte, ging der Regisseur des ewigen Meisterwerks „Das Fest“ erneut das scheinbare Risiko ein und versuchte sich im Ausland. Wobei Risiko übertrieben ist, denn „Am Rand der grünen Welt“ ist klassisches Erzählkino, basierend aus den Roman, „Far from the Madding Crowd“ aus dem Jahre 1874 von Autor Thomas Hardy, den man gerne auch die männliche Jane Austen bezeichnet.


Gabriel und Bathsheba: Der eine liebt, der andere nicht
Eine Bezeichnung die durchaus passt. Nicht nur das Zeitalter stimmt für diesen Vergleich überein, sondern auch die Themen. Bei „Am grünen Rand der Welt“ geht es um eine junge, couragierte wie selbstständige Frau, Bathsheba Everdeen, die das Erbe ihres Onkels antritt und sich als Leiterin einer großen Farm gegen Vorurteile, Unterdrückung und die Hormone einiger verfallender Männer erwehren muss. Gerade von einem Regisseur wie Vinterberg hätte man damit gerechnet, dass er diese klassische Geschichte neu interpretiert oder vielleicht sie sogar in ein völlig neues wie frisches Gewand kleidet, doch „Am grünen Rand der Welt“ bleibt den Wurzeln des Romans treu. Das ist durchaus schade, doch Vinterberg versteht es dennoch einen Film zu präsentieren, der gewiss nicht an die umwerfenden Qualitäten seiner großen Paradefilm heranreicht, dafür aber anspruchsvolles wie durchaus smartes Unterhaltungskino darreicht, welches die Motive von Hardys Roman versteht und sie ebenfalls zur Kernthematik macht. So verkommt „Am grünen Rand der Welt“ niemals zur plakativen Schmonzette, sondern kümmert sich aufrichtig und konzentriert um Bathsheba und ihren steinigen Weg. Dabei verkommt diese nicht zur blanken Opferrolle, sondern bleibt eine Kämpferin, die stets zwischen ihren Stärken und Schwächen hin und her tingelt und somit niemals ihre Menschlichkeit wie andere Heldenfiguren einbüßen muss.


Ein Kuss ohne Bedeutung?
Das erklärt u.a. auch, warum die Figur seit Erscheinen des Romans immer wieder als literarische, feministische Heldin herhalten muss. Für die „Die Tribute von Panem“-Autorin Suzanne Collins war Bathsheba sogar eine Inspirationsquelle für die Figur der Katniss. Dass Bathsheba Everdeen auch in dieser Verfilmung von „Far from the Madding Crowd“ als Heldin funktioniert liegt an Hauptdarstellerin Carey Mulligan. sie betört und glänzt in der Rolle und verleiht ihr Stolz, Würde, hinterlässt aber stets auch immer ein wenig das Gefühl von Unsicherheit sowie Freiheitsliebe. Auch Michael Sheen und der Belgier Matthias Schoenarts, der bisher noch keinen Qualitativen Flop in seiner Filmographie vorzuweisen hat, wissen zu überzeugen und sorgen neben Mulligan dafür, dass „Am grünen Rand der Welt“ darstellerisch in der höchsten Liga spielt. Noch ein Stück besser gefallen da nur die von Kamerafrau Charlotte Bruus Christensen eingefangen Bilder. Vinterbergs drehte seine Hardy-Verfilmung zumeist an Originalschauplätzen und Bruus Christensen nutzt diese für wirklich atemberaubend schöne Bilder, die sich so roh wie majestätisch über die Kinoleinwand ausbreiten. Ein optischer Hochgenuss, der dadurch gestört wird, dass die Geschichte an sich immer wieder mit äußerst unliebsamen wie unnatürlich wirkenden Ausbrüchen von Kitsch zu kämpfen hat und darüber hinaus dramaturgisch mehr als nur das eine Mal in ein tiefes Loch stürzt. Vor allem die Figur des Soldaten Sergeant Troy (hölzern: Tom Sturridge) und seiner Geliebten Fanny (viel zu kurz dabei: Juno Temple) greift der Film zu halbherzig auf, so dass sich die späteren Entwicklungen immer ein wenig zu gezwungen und übertrieben anfühlen.


„Am grünen Rand der Welt“ ist von vorne bis hinten klassisches Gefühlskino, welches dank spielfreudiger Stars, durchaus spritzigen Dialogen und umwerfend schönen wie imposanten Bildern zu gefallen weiß. Leider trüben dramaturgische Patzer das Vergnügen etwas. Von einem Regisseur wie Vinterberg hätte man gewiss deutlich mehr erwartet und dennoch, unter all den gängigen Standards bleibt „Am grünen Rand der Welt“ ein Film von ihm. Wenn der dänische Filmemacher etwas versteht, dann Geschichten zu erzählen von Menschen die kämpfen müssen. Sei es gegen die Familie, ein kleines Dorf oder eben die eigenen Gefühle.


6 von 10 aufgeblähte Schafe

Review: KILL THE MESSENGER - Hollywood & USA, Prestige & Politik

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Fakten:
Kill The Messenger
USA. 2014. Regie: Michael Cuesta. Buch: Peter Landesman, Nick Schou (Vorlage), Gary Webb (Vorlage). Mit: Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Ray Liotta, Tim Blake Nelson, Barry Pepper, Mary Elizabeth Winstead, Michael Sheen, Michael K. Williams, Oliver Platt, Andy García, Paz Vega, ua. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gary Webb, ein investigativer Journalist, deckt skandalöse Deals der CIA auf, deren Folgen von Afrika bis in die Vororte von Los Angeles reichen und die Agency beschuldigen, Drogenschmuggel zu dulden. Basierend auf realen Begebenheiten.





Meinung:
In der Realität passierende oder passierte politische Skandale können ihre dramatische Kraft wahrscheinlich am besten im dokumentarischen Stile entfalten. Der direkte Kontakt zu Beteiligten, die logische Darlegung von Fakten, ein paar Spekulationen; all dem mag man in einer Dokumentation folgen. In einem Kinofilm kann investigative Arbeit schnell langweilig werden, weil der Zuschauer selbst nicht „mitspielen“ darf, sondern nur dem ganzen Theater beiwohnt. Eine der neusten und wohl auch bekanntesten Beispiele für solche Dokumentationen ist „Citizen Four“, ein Film, der sich mit dem NSA-Skandal und Edward Snowden auseinandersetzt. Der ist vor ein paar Jahren mit einem Ruck bekannt geworden, seitdem gehasst und verehrt, aber immer für seinen Mut respektiert. „Kill The Messenger“ geht mit seinem Titel einerseits darauf ein, was vor hunderten von Jahren mit Überbringern schlechter Nachrichten gemacht wurde, und andererseits auf den defensiven Spruch „Ich bin nur der Überbringer der Nachricht“, den wohl jeder schon mal gehört oder gesagt hat.


Google Maps - You're making it wrong
Der Überbringer der Nachricht ist in diesem Fall Gary Webb, dargestellt von Jeremy Renner. Und der liefert mit diesem Film seine beste Arbeit seit einer ganzen Weile ab. Er stellt einen Mann dar, der, Edward Snowden nicht unähnlich, sein Leben der offenen Wahrheit verschrieben hat. Es geht ihm nicht um Gerechtigkeit, es geht ihm nicht darum, dass die Verantwortlichen CIA-Agenten belangt werden (davon distanziert er sich in zahlreichen Fernseh-Interviews). Es geht ihm nur darum, dass eine Wahrheit ans Licht kommt, die Folgen für das Leben unzähliger Menschen haben wird. Dass Wahrheit in einer politischen Gesellschaft nicht der einzige und größte Wert ist, muss er auf die harte Tour lernen. Es kommt nämlich nicht nur auf die Natur der Wahrheit an, es kommt auch darauf an, wann sie öffentlich gemacht wird. Der Wert einer Wahrheit verändert sich in der Politik je nach Uhrzeit, Datum, Tag oder Woche. „Kill The Messenger“ versteht sich nicht als investigativer Film, und das ist okay, dennoch hätte er mehr liefern können, als die bloßen Eckpunkte der realen Begebenheit. Manchmal schummelt der Film sich so kurz durch, manchmal legt er aber auch seine starken Karten auf den Tisch und spielt sie gekonnt aus.


"... entweder meine Rolle wird geiler oder ich steig bei Marvel aus!"
Polit-Thriller, bzw. derartige Biographien, haben oft das Problem, dass zwar ihr Ziel, aber nicht der Weg dorthin, wirklich filmreif spannend sind, weshalb die Wahrheit oft ein wenig dramatisiert und ausgeschmückt wird, um dem weiten Publikum zuzusagen. Sobald dies jedoch geschieht, muss der Film zwangsweise mit Kritik an eben jener Methodik rechnen. Davor kann sich auch der Film von Michael Cuesta nicht retten, der von Sekunde 1 von einer seltsamen überdramatisierenden Hülle umgeben zu sein scheint. Das wird vor allem in seiner Inszenierung und der klanglichen Arbeit deutlich, die Szenen aufbauschen wollen, die das gar nicht nötig hätten, weil sie so schon dramatisch genug sind. Zu viel ist manchmal eben einfach zu viel und zu wenig, wer hätte es gedacht, zu wenig. Denn während Regie und Musik über die Stränge schlagen, hapert es an dem Drehbuch hier und da deutlich. Auch das fängt mit der ersten Szene an, wenn die Einführung des Protagonisten aus einem einfachen „Hi, ich bin Gary Webb, ich bin Journalist.“ besteht. Dies ist symptomatisch zu betrachten, sodass jeglicher Sinn für Spannung, Kreativität oder Atmosphäre oft flöten geht, wenn sie denn überhaupt entsteht.


"Hier, das ist von Tante Betsy."
Und das ist schade, so handelt es sich bei der Ausgangsgeschichte doch um ziemlich brisantes Material. Und hier offenbart sich aber leider direkt der größte Haken des Films. Zunächst müssen Produzenten und Köpfe hinter den Kulissen dafür gelobt werden, einen generell kritischen Film zu drehen. Derartige Filme in den Vereinigten Staaten sind oft ein großes Problem. Politisch eindeutige Filme sind selten erfolgreich. Andrew Dominiks „Killing Them Softly“ war sehr kritisch, was die Arbeit des Staatsapparates anging. Dass sein Film ein Flop wurde, begründeten Experten mit der politisch klaren Einstellung. Mit der politischen Deutlichkeit und dem Salz in der Wunde wird also oft sparsam umgegangen; lieber nicht zu doll anecken, sonst regt sich noch jemand auf. Und das ist im Filmgeschäft selten etwas Gutes. So ist es auch bitter bezeichnend, dass die traurigen und skandalösen Wahrheiten der Begebenheit kleinlaut als Schrifttafeln vor dem Abspann kurz eingeblendet werden. Da fehlt die Konsequenz, die Kaltschnäuzigkeit, die ein ernster Film, der sich mit einer solchen Thematik beschäftigt, einfach haben sollte. So schummert der Film ein wenig zwischen „typisch Hollywood“ und einer „Ich werd’s euch zeigen“-Stimmung umher, ohne sich je wirklich entscheiden zu können, wo er hingehören will.


„Kill The Messenger“ ist ein Film, der gerne mehr wäre als er ist. Das würde auch möglich sein, würden die politischen Beschränkungen, die dem Protagonisten im Film selbst zu schaffen machen, nicht auch auf den Film selbst wirken. Das ist eine Ironie, die traurig stimmt, da sie ganz viel Potenzial verpuffen lässt. Ein Schritt in die richtige, weil mutige Richtung ist dieser Film dennoch. Es gibt einige Momente, die fesselnd anzusehen sind, was hauptsächlich an der von Grund auf dramatischen Handlung und einem engagierten Hauptdarsteller liegt, der gleichzeitig auch als Produzent tätig war. Jeremy Renner liefert eine interessante Darbietung eines Mannes, der so tief in seiner Arbeit versank, dass er von der Welt um ihn herum überholt wurde. Er ist mal laut, öfter leise und immer mit einer gewissen Unvollständigkeit und Frustration umgeben, die tief in Renners Augen sitzt. Wirklich viel traut sich der Film jedoch leider nur in Form von weißer Schrift auf schwarzem Grund, weshalb man den Film als gut gemeinten Versuch ansehen muss, der nötig war, auf den aber gern auch noch mehr folgen darf.


6 von 10 aufgezwungenen Schreibblockaden


von Smooli

Review: THE DAMNED UNITED – DER EWIGE GEGNER – Und immer wieder Leeds…

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Fakten:
The Damned United – Der ewige Gegner (The Damned United)
GB. 2009. Regie: Tom Hooper. Buch: Peter Morgan, David Peace. Mit: Michael Sheen, Colm Meany, Timothy Spall, Jim Broadbent, Stephen Graham, Joseph Dempsie, Brian McCardie u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Tatort England, 1968. Es ist Pokalzeit. Der kriselnde englische Zweitligist Derby County hat das Traumlos gezogen und den amtierenden Meister Leeds United gezogen. Trainer Brian Clough will ihnen ein Bein stellen, doch genau dies tun die Favoriten, indem sie nach Cloughs Meinung unfair, überhart und brutal zur Sache gehen. Leeds gewinnt so und Clough ist angefressen. Doch das Trainergespann Clough/Taylor arbeitet sich mit dem kleinen Verein aus Derby nach oben und schafft es sogar, die Meisterschaft zu gewinnen. Doch mit seiner sturen Art macht er sich damit nicht nur Freunde. Besonders, als er nach Differenzen mit der Derby-Vorstandschaft ausgerechnet beim ihm verhassten Verein aus Leeds der neue Coach wird.




Meinung:
In einer Zeit, als in Deutschland der damalige Rekordmeister 1. FC Nürnberg zum letzten Mal die Meisterschaft gewinnen konnte und sich der FC Bayern und Borussia Mönchengladbach so langsam anschickten, mit ihrem dynamischen Fußball eine Ära zu prägen, da wurde in England Fußball gearbeitet. Es wurde gekämpft, gebissen und mit nicht immer erlaubten Mitteln gespielt. Eine dreckige, alles andere als ansehnliche Zeit war es. Von der besten Liga der Welt, wie heute viele behaupten, konnte damals in England sicher nicht die Rede sein. Und in dieser Zeit trat der unerfahrene, junge Trainer Brian Clough auf die Bühne des Fußballs. Sein Ziel war es, attraktiven und vor allem fairen Fußball zu spielen. Dass er schnell zu einem erfolgreichen Vereinstrainer aufsteigen sollte, davon war er ohnehin überzeugt, denn an Selbstvertrauen mangelte es ihm wahrlich wenig. Und diese Brian Clough ist die Hauptperson in diesem Fußball-Biopic, das sich um die ersten sechs Karrierejahre von Clough und seinem Co-Trainer Peter Taylor dreht.


Sogar im Training geht es richtig hart zur Sache.
Das Gespann Clough/Taylor wird dabei aber nicht nur als das erfolgreiche Duo dargestellt, das sie mit ihren zahlreichen Titel ohne Frage waren. Stattdessen wird besonders bei Clough die innere Zerrissenheit zwischen Anpassung und seinem übergroßen Ego deutlich, wenn er versucht, seinen Weg im immer größer werdenden Geschäft Fußball zu gehen, was auch die intensive Freundschaft von Taylor und Clough auf eine harte Probe stellt. Dazu wird auch die Liebe zum Detail in Hoopers Filmen ins Extreme getrieben, wie seine weitaus bekannteren Filme „Les Misérables“ und „The King’s Speech“ eindrucksvoll unter Beweis stellen. So ist die Detailversessenheit auch in „The Damned United“ in jeder Sekunde zu spüren. Nicht nur das Aussehen der Figuren stimmt teilweise haargenau mit den echten Persönlichkeiten überein, auch die Trikots, die nachgedrehten Spielszenen, die Optik der Fernsehsendungen und vieles mehr ist so echt, dass man, wenn man es nicht wüsste, phasenweise keinen Unterschied feststellen könnte.


Auch Brian Clough kann uns den Kloppo machen.
Im Mittelpunkt stehen Michael Sheen als Trainerlegende Brian Clough und der wohl ewig unterschätzte Timothy Spall als Cloughs Assistent Peter Taylor. Die beiden harmonieren dermaßen gut, dass man meinen könnte, dass Spall und Sheen selbst schon all das erlebt haben. Ein Duo, wie man es nicht besser hätte zusammenstellen können, wobei besonders Sheen die Gratwanderung zwischen leidenschaftlichem Kämpfer, dauerlächelndem Sympathieträger und selbstverliebtem, sturem Saftsack wie selbstverständlich aus dem Ärmel schüttelt. Für Colm Meaney passt die Rolle der Leeds-Trainerlegende Don Revie so sehr, dass man auch hier stets das Original vor Augen hat. Zudem können Stephen Graham und Jim Broadbent den stimmigen Cast abrunden. Als Ensemble schaffen sie es auch, den Film erfrischend, leicht und locker rüberzubringen, unterhaltsam bis zum Ende und ohne eine einzige Länge. Ach die verschachtelte Erzählweise trägt hier ihren Teil dazu bei.


Sicherlich ist es kein Nachteil, wenn man als Zuschauer eine gewisse Affinität für den wundervollen Fußballsport hat, ansonsten könnte man es unter Umständen schwer haben, direkt einen Zugang zu erhalten und erst mal auf verlorenem Posten stehen. Aber gerade wer sich selbst als echter Fußballfan bezeichnet sollte an „The Damned United“ seine wahre Freude haben. Selten war ein Fußballfilm authentischer, selten war er unverfälschter und kein anderer Film bringt die Leidenschaft, die man für diesen Sport entwickeln kann und die sich zur regelrechten Sucht entwickeln kann, intensiver und doch zugleich subtiler herüber als Hoopers Film. Oder kurz: So geht Fußballfilm.


8 von 10 schlammige Fußballtrikots