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Review: DAS JERICO-PROJEKT: IM KOPF DES KILLERS - Brain-Sharing mit Folgen

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Fakten:
Das Jerico-Projekt: Im Kopf des Killers (Criminal)
USA, GB, 2016. Regie: Ariel Vromen. Buch: Douglas Cook, David Weisberg. Mit: Kevin Costner, Gary Oldman, Tommy Lee Jones, Gal Gadot, Jordi Molla, Alice Eve, Michael Pitt, Ryan Reynolds, Scott Adkins u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Aufgrund eines frühkindlichen, seltenen Hirntraumas ist Jerico Stewart nicht nur ein nicht therapierbarer Gewalttäter ohne normale Empathie, sondern wird zum unfreiwilligen Versuchskaninchen der CIA. Seine Schädigung macht ihn zum idealen Probanden für eine Verzweiflungstat. Ihm werden durch eine bisher am Menschen noch nicht erprobte Technologie die Erinnerungen eines ermordeten Agenten übertragen, die brisante Informationen enthalten. Nach dem Eingriff kann Jerico jedoch entkommen. Während nun alle Seiten Jagd auf ihn machen, verändern die stückweise eintretenden, fremden Erinnerungsfetzen den skrupellosen Psychopathen immer mehr.

                                                                          
Meinung:
„Wenn mir einer wehtun will, dann tue ich ihm richtig weh!“

Der mit dem wenig kreativen Namen ausgestattete Actionthriller „Criminal“ startete im April diesen Jahres in den US-amerikanischen und britischen Kinos, floppte dort gewaltig und strandete somit bei uns ohne großes Tamtam vor wenigen Tagen – umgetauft in den konkreteren, nicht besseren Titel „Das Jerico-Project: Im Kopf des Killers“ – direkt in den Heimkinoregalen. Dort würde er wahrscheinlich auch auf den ersten Blick nicht weiter auffallen, wäre da nicht diese prominente Besetzung. Mit Kevin Costner, Gary Oldman, Tommy Lee Jones, Michael Pitt oder Ryan Reynolds sind dort große Namen vertreten und lassen schon erahnen, dass es sich hierbei – zumindest geplant – nicht um reine DTV-Massenware handelt. Und siehe da, dieser Film kann wirklich mehr als die meisten seiner Auffüll-Kollegen links und rechts neben ihm.


Vorher...
In den 90ern hätte er es sicherlich mühelos auch in die deutschen Kinos geschafft. Dort landete fast jeder etwas besser produzierte Actionfilm, der sich mit namenhaften Stars schmücken durfte. Viele dieser heute nostalgisch-hochgelobten Werke waren auch nicht mehr als reines B-Movie-Material mit ansprechendem Unterhaltungswert. In diese Kerbe schlägt auch „Das Jerico-Projekt: Im Kopf des Killers“, der eine fiktionale Schnapsidee als Grundlage für einen handfesten Reißer nutzt. Von seiner Prämisse nicht wesentlich glaubwürdiger als z.B. „Face/Off“ (eigentlich sogar etwas weniger bekloppt), im Gegenzug auch nicht so spektakulär vorgetragen, dafür niemals auch nur die Spur langweilig. Wenn man bereit ist sich auf die Ausgangslage einzulassen und nicht mehr als nötig zu hinterfragen, funktioniert das Ganze meistens prächtig. Regisseur Ariel Vromen treibt den Plot mit ordentlichem Schwung zwei Stunden lang straight vor sich her, ohne große Tempohänger und ist zumindest in seiner eigenen Logik relativ konsequent. Die Actionszenen sind nicht CGI-verseucht und überladen, da wird sich „nur“ der ein oder andere gepflegte Schusswechsel geliefert oder (meistens durch Kevin Costner) der Gegenüber wenig zimperlich vermöbelt. Das macht Spaß, das hat Druck und selbst in den ruhigeren Passagen kippt die Stimmung niemals um. 


...nachher.
Besonders Kevin Costner blüht im rüpeligen Liam-Neeson-Stil richtig auf, der Rest vom Schützenfest (sogar der diesmal völlig Action-untätige Scott Adkins, hatte der ein Attest und wurde schnell umbesetzt?) arbeitet ihm prinzipiell nur zu. Reicht völlig aus, denn auf seine alten Tage lässt Costner den in der Vergangenheit selten gegebenen und wenn nicht immer glücklichen („Crime is King“) Bad-Ass mit Wonne raushängen. Da lodert richtig Feuer im gereiften Babyface von einst, es darf giftig gepöbelt und knallhart gewütet werden. In einer Szene requiriert er bald wie der Terminator kurz nach der Ankunft alles Benötigte und wer Widerworte zu melden hat, wird es bitterlich bereuen. Solange er in diesem Modus unterwegs ist geht hier teilweise richtig die Post ab. Im Sinne der Geschichte zwar zu erwarten, dennoch etwas schade, dass sich irgendwann die vorher nicht gekannte Empathie einschleicht, womit es der Film gegen Ende sichtlich übertreibt. Der alte Jerico will die fremd-gelenkten Emotionen gar nicht entdecken (und wir, wenn wir ehrlich sind, eigentlich auch nicht), später nicht auf sie verzichten. Es sei im persönlich gegönnt, könnte man aber auch dezenter einstreuen. Speziell die letzte Szene ist eindeutig too much.


„Das Jerico-Projekt: Im Kopf des Killers“ hat generell eine absurde Geschichte, im Schlussdrittel so seine dramaturgischen Macken und unpassend emotionalen Aussetzer in die falsche Richtung, holzt dafür stattlich los und ist absolut zweckdienlich inszeniert. Getragen von einem sichtlich engagierten und alters-taffen Kevin Costner, der offenbar immer brav seinen Dosen-Thunfisch gelöffelt hat. Gute Arbeit, macht Laune.

6,5 von 10 entlaufenden Laborratten

Review: CRIME IS KING - Elvis has left the building

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Fakten:
Crime Is King (3000 Miles to Graceland)
USA, 2001. Regie: Demian Lichtenstein. Buch: Richard Recco, Demian Lichtenstein. Mit: Kurt Russell, Kevin Costner, Courteney Cox, David Kaye, Christian Slater, David Arquette, Bokeem Woodbine, Kevin Pollak, Thomas Haden Church, Jon Lovitz, Louis Lombardi, Ice-T u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Michael Zane ist gerade frisch aus dem Knast entlassen, steht jedoch schon direkt vor seinem nächsten Coup. Zusammen mit seinem skrupellosen Mithäftling Murphy und drei weiteren Kollegen will er während eines Elvis-Imitatoren-Wettbewerb ein Casino in Las Vegas ausrauben. Selbst allesamt King verkleidet betritt das Quintett das Casino, räumt den Tresor leer und flüchtet nach einer blutigen Schießerei mit der Kohle. Als es ums Aufteilen geht, zeigt Murphy wie viel er von Teamwork hält und entledigt sich seiner Partner. Nur Michael kommt davon, schnappt sich die Beute und flieht – unfreiwillig – mit der gerissenen Betrügerin Cybil sowie deren Sohn Jesse. Murphy versteht da keinen Spaß, macht sich auf die Suche nach „seinem“ Geld und natürlich sind auch die Cops ihnen schon auf der Spur.






Meinung:
Regisseur und Co-Autor Demian Lichtenstein versucht mit aller Macht, einen coolen und ruppigen Gangsterfilm im Fahrwasser von Quentin Tarantino hochzuziehen, gelingen will ihm das dabei nicht ansatzweise. Maximal die Ausgangslage um als Elvis-Imitatoren getarnte Gauner, die während eines Wettbewerbs in Las Vegas ein Casino erleichtern, hat ein gewisses Potenzial, beansprucht jedoch lediglich die Anfangsminuten des (insgesamt viel zu langen) Films, der sonst nur durch aufgesetzte Pseudo-Coolness, schrecklich geschrieben Figuren, ein lausiges Skript, dürftig inszenierte Actionsequenzen und einen zwar erstaunlich prominenten, dafür unfassbar verschenkten Cast auffällt.


Täuschend echt, besonders der Herr ganz rechts.
Tatsächlich tummelt sich in dieser holprigen Räuberpistole fast ein Dutzend bekannter Gesichter, von denen ein Großteil allerdings nur auf eine sehr begrenzte Screentime kommt. Lediglich Kurt Russell, Kevin Costner und Courteney Cox mussten scheinbar mehrere Tage am Set verbringen, wohl kein Problem, da sie sich zu der Zeit ohnehin alle im Karrieretief befanden und nicht gerade mit großen Rollenangeboten überschüttet wurden. Russell wirkt auch dementsprechend lustlos, Costner lässt sich zumindest in der ungewohnten Bad Ass Rolle etwas Spielfreude ansehen, was kaum davon ablenkt, dass er immer noch fehlbesetzt wirkt. Würde wahrscheinlich eh jeder in diesem klassischen Fall von gewollt und nicht gekonnt. Eins schafft Liechtenstein unbestreitbar: Immer mindestens eine Figur zu haben, die man am liebsten in der Wüste aussetzen würde. In der ersten Minuten übernimmt diesen Job der dafür prädestinierte David Arquette. Sobald der das Maul aufmacht, wandert die Hand unweigerlich zur Fernbedienung. Das Thema hat sich bald erledigt, doch keine Angst, es gibt ja immer noch diesen altklugen und ach so aufgeweckten Dreikäsehoch, was für ein ätzendes Kack-Kind. Schade eigentlich, dass sich beinah jeder Regisseur an das ungeschriebene Gesetz hält, dass Kids selbst in solchen Bodcount-Streifen unantastbar sind, die eine Kugel mehr oder weniger…


Machen sogar synchron zum Hampelmann: Costner & Russell.
Geballert wird in „Crime Is King“ schon recht ordentlich, gut umgesetzt wird das weniger. Das üblichen, sinnlosen Zeitlupen-Geschrote, weil das in irgendeinem Film mal irgendwann ganz cool ausgesehen hat. Wenn alle paar Minuten mal wer mit Blei vollgepumpt wird, merkt vielleicht niemand, wie lahm und unnötig plattgewalzt die eigentliche Handlung doch ist. Aus dem anfänglichen Heist- wird ein Roadmovie, voll mit Logikschlaglöchern, und nicht einer Idee, die als wirklich gut oder besonders kreativ bezeichnet werden könnte. Von dieser schwachsinnigen Beziehung zwischen Russell/Cox und der kleinen Arschkrampe ganz zu schweigen. Auf Teufel komm raus, fast schon verzweifelt, will dieser Film geil sein, nur hat Liechtenstein offensichtlich überhaupt keinen Plan davon, wie das bei seinen großen Vorbildern eigentlich funktioniert. Er versucht wirklich alles: Blut, lässige Sprüche, ein rücksichtloser Bad-Guy-Psychopath, krampfhafte Humoreinlagen, nichts davon zündet. Stattdessen zieht sich der Film immer mehr in die Länge, obwohl das die Geschichte überhaupt nicht hergibt. Seine Herkunft als Musikvideo-Regisseur ist überdeutlich, da muss man sich mit so was ja auch nicht beschäftigen. Deutlich kürzer, nicht so gezwungen und eventuell im Wesentlichen nur auf den eigentlichen Überfall konzentriert, dann hätte „Crime Is King“ vielleicht sogar eine Chance. Mehr Raum für die Nebenfiguren, bessere Actionszenen, sagen wir mal so, einfach alles nur halbwegs vernünftig machen, das hätte ein ganz unterhaltsamer B-Film sein können.


Hätte, hätte, Damentoilette. Schade um die Idee mit der Elvis-Gang, schade um einen bemühten, aber unglücklichen Costner und um Russell sowieso. Nur um Lichtenstein ist es nicht schade. Was macht der heute nochmal gleich? Dann hat er wohl seine Berufung gefunden.
  
3,5 von 10 registrierten Scheinen

Review: WATERWORLD – Ein von Größenwahn getriebenes Mammutprojekt

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Fakten:
Waterworld
USA. 1995. Regie: Kevin Costner, Kevin Reynolds. Buch: David Twohy, Peter Rader. Mit: Kevin Costner, Jeanne Tripplehorn, Tina Majorino, Dennis Hopper, Michael Jeter, Kim Coates, Sean Whalen, Jack Black, Robert LaSardo, Leonardo Cimino, Robert Joy, R.D. Call, Jack Kehler, Lee Arenberg, Gerald Murphy u.a. Länge: 130 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nachdem die Polkappen schmolzen ist die gesamte Erde von Wasser bedeckt. Die wenigen Überlebenden hausen auf Booten, Flößen oder riesigen, künstlich erbauten Atollen. Der namenlose Mariner, der eines dieser Atolle besucht um dort Handel zu betreiben, wird Zeuge wie blutgierige Piraten, die sogenannten Smoker, angreifen, da sie glauben ein dort lebendes Mädchen, die kleine Enola, wäre der Schlüssel zu sagenumwobenen „Dryland“. Enola und ihre Ziehmutter Helden können mit dem Mariner flüchten, doch die Smoker sind ihnen auf den Fersen.





Meinung:
Was war Kevin Costner Anfang der 1990er Jahre doch für eine extrem gefragte Type: Für seine famose Regiedebüt „Der mit dem Wolf tanzt“ wurde er mit Auszeichnungen geradezu überschüttet und stieg endgültig auf in die Ruhmeshalle der hollywood'schen Superstars. „Robin Hood – König der Diebe“ konnte er als Zugpferd heldenhaft zu einem der erfolgreichsten Blockbuster der Dekade führen, während er in Oliver Stones Opus Magnum „JFK – Tatort Dallas“ und Clint Eastwoods Road-Movie „Perfect World“ schlagkräftige Argumente dafür ablieferte, warum man ihn auch als männlicher Filmfreund nur zu gerne gesehen hat. Aber wie das nun mal so in dieser zuweilen ungemein kurzlebigen Branche ist, überdauerte das entzückte Lied der Jubelchöre keinen allzu großen Zeitraum, bis jene im Jahre 1995 dann auch vollends verstummten: „Waterworld“ erblickte das Licht der Welt, doch niemand wollte sich so recht an seiner Gegenwart erfreuen.


Hat einen schlechten Tag und eine schlechte Rolle: Dennis Hopper
Seiner Zeit ging „Waterworld“ schon deswegen in die Geschichte ein, weil er mit einem Budget von 175 Millionen Dollar zum teuersten Film aller Zeiten konnotiert wurde. Ein Mammutprojekt also, das sich in vielerlei Hinsicht einem gewaltigen Erwartungsdruck ausgeliefert sah. Warum „Waterworld“ letztlich ein solch kostspieliges Unterfangen wurde (der eigentliche Budgetpunkt wurde um unfassbare 75 Millionen Dollar gesprengt), lässt sich leicht diagnostizieren: „Waterworld“ frönt einen brachialen Drang zum Materialismus. Alles, bis auf ein megalomanisches Seeungeheuer, wurde mittels enormer Kulissenarbeit auf die Beine gestellt. Das bringt natürlich den Vorteil, dass „Waterworld“ zweifelsohne ein sehr physisches, sehr plastisches Erlebnis in seiner Wahrnehmung geworden ist. Dass man allerdings den gesamten Film tatsächlich auf dem Meer und nicht in riesigen Wassertanks gedreht hat, wie es seit „Der Sturm“ Gang und Gäbe war, lässt sich nur als fatalen Fehler deklarieren.


Hat Nemo auch noch nicht gefunden: der Mariner
Immer wieder wurden Sets auf offener See zerstört, was „Waterworld“ zu einer ökonomischen Katastrophe werden ließ und den finanziellen Rahmen mit dem Kopf voraus durchbrach. Dennis Hopper wurde langsam ungeduldig und suchte in aller Regelmäßigkeit das Streitgespräch mit den Verantwortlichen, das Drehbuch musste zigmal überarbeitet werden (auch von „Marvel's The Avengers“-Regisseur Joss Whedon) während sich der eigentliche Regisseur Kevin Reynolds mit seinem Star Kevin Costner ebenfalls des Öfteren in die Wolle bekommen hat. Nicht umsonst besteht das Gerücht, dass nicht Reynolds für die Regie an „Waterworld“ verantwortlich war, sondern allein Kevin Costner. Ein Fiasko. Allerdings ein Fiasko, das den Weg in die Kinos gefunden hat und sich deshalb auch unweigerlich den Schmährufen seiner Rezipienten stellen muss. Was man „Waterworld“ allerdings zweifelsohne zu Gute halten muss: Die Prämisse ist eine ansprechende und hätte das Zeug dazu gehabt, einen wunderbaren Blockbuster anzuführen.


"Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist blau."
„Waterworld“ verlagert sich in einer postapokalyptischen Zeitrechnung, die Mutter Erde zum vollständig Ozeanplaneten erklärte: Die Polkappen sind geschmolzen und die Kontinente fast vollständig im blauen Nass versunken. Die Menschen hausen auf Booten und schwimmenden Atollen. So auch der Mariner (Kevin Costner), der komplett auf sich gestellt mit seinem Trimaran durch die Meere schippert und den ein oder anderen Handel eingeht: Erde nämlich ist logischerweise von nun an das höchste Gut. Natürlich bleibt es nicht bei dem gemütlichen Segeltörn, sondern eine skrupellose Piratenbande unter dem Kommando von Deacon (Dennis Hopper) bedroht die letzten Überlebenden einem alten Öltanker. Man kann sich jetzt ausrechnen, worauf das Ganze hinauslaufen wird, wenn man der Synopsis folgende Information anheftet: Der Mariner bleibt kein Loner, ihm schließen sich noch eine junge Mutter (Jeanne Tripplehorn) und ihre Tochter Enola (Tina Majorino) an. Eine – bezogen auf ihre Möglichkeiten – interessante Welt, wird für das denkbar langweiligste Figurenkonstrukt geopfert.


Die Querverweise an „Mad Max“ sind unübersehbar und während der Mariner sein sogar eigenes Urin recycelt, bereitet „Waterworld“ sämtliche Western-Motive auf. Doch das ist alles viel zu fantasielos ineinander montiert, es fehlt der Freude am eigenen Größenwahn und die 130 minütige Spielzeit mausert sich zunehmend zum spaßbefreiten, trägen und leblosen Krampf. Kevin Costner gilt seit „Waterworld“ als Kassengift, dabei hat der Mann durchaus das Zeug dazu, ein großartiger Schauspieler zu sein, wenngleich ihm das letzte Quäntchen, die Wandelbarkeit, fehlt. Als Mariner passt er sich dem gesamten Eindruck an: Unmotiviert kurbelt er seine Erlöserrolle runter, schlägt, schießt und tötet Ungeheuer, um anschließend ihre Augen zu essen. Wirklich ulkig ist dagegen Dennis Hopper, dessen Acting zwar absoluter Trash ist, doch er scheint sich ebenfalls daran amüsieren zu können. Selbstironie, Lockerheit, Abenteuerlust, genau das fehlt diesem bleiernen, diesem zähen Desaster.


3,5 von 10 Schwimmhäuten zwischen den Zehen


von souli

Review: 3 DAYS TO KILL – Der Agent, sein Rad und die Familie

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Fakten:
3 Days to Kill
USA, Frankreich. 2014. Regie: McG. Buch: Adi Hasak, Luc Besson. Mit: Kevin Costner, Amber Heard, Hailee Steinfeld, Connie Nielsen, Raymond J. Barry, Richard Sammel, Tómas Lemarquis, Eriq Ebouaney, Philippe Reyno u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.Ab 30. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Familie? Für Ethan ist das im Grunde der Geheimdienst, für den er tätig ist. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Seine Tochter Zoe soll endlich einen echten Vater haben, doch der geplante Ruhestand muss warten, denn Ethan leidet an einer tödlichen Krankheit. Ein Gegenmittel gibt es, doch es hat zwei Nebenwirkungen: zum einen Halluzinationen, zum anderen dass er als Gegenleistung für seine Heilung einen heiklen Auftrag absolvieren muss, für den er genau drei tage Zeit hat.





Meinung:
Joseph McGinty Nichol – oder auch McG – genießt in der Filmwelt nicht gerade den Ruf, ein begnadeter Regisseur zu sein. Für „Terminator: Die Erlösung“ musste der US-Amerikaner nicht nur vom Feuilleton reichlich Schelte kassieren, die riesige Fan-Base des ikonisierten Cyborgs aus der Zukunft konnte ihren Missmut über McGs Umsetzung ebenfalls nicht hinter dem Berg halten. Auch seine Agenten-Komödie „Das gibt Ärger“, in der Tom Hardy und Chris Pine um die Zuneigung Reese Witherspoons buhlen, während sie es mit dem Oberschurken Til Schweiger zu tun bekommen, entwickelte sich zum reinrassigen Debakel. Aber auch schon zu Anfang des neuen Jahrhunderts konnte sich McG mit „3 Engel für Charlie“ und der Fortsetzung „Volle Power“ mit wenig Ruhm bekleckern. Die Bestimmung seiner Person liegt wohl als Produzent von Serie wie „Supernatural“ und Chuck“ begraben, allerdings, und das grenzt für viele an ein Wunder, hat McG es im Jahre 2014 wirklich auf die Reihe bekommen, einen durchaus akzeptablen Streifen abzuliefern.



Blond, attraktiv, mysteriös, bewaffnet? Das ist Costners Filmtochter
Die Rede ist von „3 Days to Kill“, einem Hybriden, der in seiner Konzeption so unfassbar schelmisch auftritt, das man sich zuweilen gerne mal die Augen reiben muss und jegliche Szenen auf ihre Intention gleich zweimal hinterfragt: Ist das jetzt wirklich euer Ernst? Als EuropoCorp-Produktion und nach einer Idee von Luc Besson, der schließlich auch das am Drehbuch mitschrieb, stellt sich „3 Days to Kill“ also in eine Reihe mit ansehnlichen Projekten à la „Kiss of the Dragon“, „The Transporter“ und „96 Hours“, muss sich aber auch die Nachbarschaft von desaströsen Bruchlandungen wie „Hitman – Jeder stirbt alleine“ oder „Malavita - The Family“ gefallen lassen. „3 Days to Kill“ ist nun so ein Film geworden, der sich nicht eindeutig kategorisieren lässt, den man eine gute Portion Wahnsinn attestieren möchte, ihm aber auch nicht seine auf der Metaebene gelingende Selbstironie aberkennen kann. Es ist vielmehr die alles entscheidende Frage, ob Besson und McG die Tonalität bestimmter Sequenzen mit einem solch findigen Augenzwinkern überhaupt geplant haben. Ein guter Ratschlag kann es an dieser Stelle nur sein, ihnen diese Intelligenz zu erlauben, alles andere nämlich würde in einem Fiasko enden.



Brav, friedlich, bieder, brünett? Alles klar, eine Killerin
„3 Days to Kill“ wartet mit einem ganzen Arsenal an Klischees auf, die um ihre Vormachtstellung in größtmöglicher Staubschicht ringen: Da hätten wir den alternden Secret-Service-Agenten, der seinen riskanten Job an den Nagel hängen möchte, um sich endlich wieder mehr um die Familie zu kümmern, sich aufgrund einer schockierenden Diagnose allerdings dazu gezwungen sieht, für die zwielichtigen Vivi Delay zu arbeiten und den deutschen Waffenhändler „Der Wolf“ zu stoppen. Wow. Wo man im ersten Augenblick vielleicht noch annehmen wurde, in die nächsten Untiefen einer der unsäglichen Nicolas Cage Direct-to-DVD-Streiche gestolpert zu sein, lässt „3 Days to Kill“ schnell eine persiflierende Leseart zu - Ob intendiert oder nicht, sei mal dahingestellt. Immer wieder wird das Szenario stilistisch gebrochen, etwa wenn Hauptdarsteller Ethan Runner einen möglichen Verdächtigen in seinem Badezimmer foltert und schließlich von seinem Handy Icona Pops Charts-Schlager „I Don't Care“ repetitiv ertönt. Ja, das Drehbuch geht sogar soweit, Ethan Runner mit seinen „Opfern“ Familienangelegenheiten austauschen zu lassen und anschließend nach einem original-italienischen Bolognese-Rezept fragt. All das kann man nicht ernst nehmen, weil es – hoffentlich – auch nie ernst gemeint war. Vom missfälligen Zynismus eines „Malavita - The Family“ jedoch ist das ganz weit entfernt.


Eine Spitze gegen Frankreich, die sich postwendend auch komplett im Nirgendwo verrennt, erlaubt sich das Drehbuch mit den Mietnomaden, die sich in Ethans Wohnung gegen seinen Willen einnisten. Dort kommt es bei einer Geburt in den eigenen vier Wänden zu einer Szene, die in ihrem penetranten Pathos auf audiovisueller Ebene frei von jeder Seriosität sein muss. Natürlich gelingt es „3 Days to Kill“ nicht immer die tonale Balance zu halten, manches amüsiert nicht, sondern ruft eher die Kombination aus Irritation und Kopfschütteln hervor, etwa wenn „3 Days to Kill“ wirklich emotional in seiner Melodramatik zu sein versucht, sicher aber wohl nicht mehr im Klare darüber ist, dass all Figuren lose Stereotypen sind. Die Action allerdings ist in ihrer Kalibrierung angenehm Old-School und greifbar, während Kevin Costner („Jack Ryan: Shadow Recruit“, "Der mit dem Wolf tanzt") als drahtiger Kauz seit langer Zeit mal wieder in einer Hauptrolle gefallen darf, wohingegen Amber Heard als Lack-und-Leder-Mieze („Drive Angry“, "Machete Kills") das pure Comic Relief abliefert und ihren lasziven Auftritt zuweilen eine gar surreale Note verleiht. Eines aber steht fest: Wenn McG wirklich darstellen wollte, was ein James Bond-Verschnitt nach Feierabend so tut, dann sei ihm gesagt: Bestimmt NICHT mit einem lilanen Damenfahrrad durch die Gassen von Paris gurken.


5 von 10 Händen im Waffeleisen


von souli