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Review: BONE TOMAHAWK – Kannibalen und der Wilde Westen

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Fakten:
Bone Tomahawk
US, 2015. Regie & Buch: S. Craig Zahler. Mit: Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox, Richard Jenkins, Lili Simmons, David Arquette, Sean Young, Sid Haig u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Ab dem 21. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eine Gruppe unbekannter Angreifer überfällt unbemerkt ein Dorf bei Nacht, tötet einen Mann und nimmt drei weitere Gefangene, darunter auch die Frau eines verletzten Cowboys. Der will seine Frau natürlich retten und schließt sich mit dem Sheriff, einem alten Trottel und einem edlen Killer zusammen. Die Rettungsmission führt die vier ungleichen Männer durch allerhand Gefahren.

                                                                            

Meinung:
Das Debüt eines jungen Regisseurs verdient verständlicherweise immer besonderes Augenmerk, ein unbekanntes Element wird in die Gleichung gebracht und gespannt fragt man sich ob in ihm vielleicht ein größeres Talent schlummert. Bei S. Craig Zahler handelt es sich um einen solchen Mann, der mit „Bone Tomahawk“ ein auf dem Papier höchst interessantes Projekt entworfen hat. Horrorwestern mit Kannibalen findet man nicht an jeder Ecke, der fertige Film kann die hohen Erwartungen aber nur zum Teil erfüllen, was jedoch weniger an der Qualität sondern vielmehr an der falschen Erwartungshaltung liegt.


Bereit zur Rettungsmission
Wer sich von „Bone Tomahawk“ einen rasanten Genremix erwartet wird zwangsläufig enttäuscht werden, denn über weite Strecken handelt es sich bei dem Film um einen sehr geerdeten Western. Schon die Geschichte ist typisch für das Genre, ein Überfall, eine Entführung und schließlich die Rettungsaktion. Oftmals sind es Indianer, hier bekommen wir es mit Kannibalen zu tun, was der kompletten Verfolgung zwar mehr Dringlichkeit verleiht, für den Zuschauer jedoch keinen großen Unterschied macht. Auch die Charaktere sind die üblichen Archetypen, die man so schon unzählige Male gesehen hat, aber auch immer noch gerne sieht, denn das Vierergespann im Kern der Geschichte wirkt wie ein Best-of beliebter Westernfiguren. Zum einen der erfahrene und rechtschaffene Sheriff (herrlich von einem graubärtigen Kurt Russell verkörpert), dazu einen alten und etwas idiotischen Hilfssheriff und einen kaltblütigen Killer, den eine private Rachegeschichte verfolgt. Komplettiert wird die Gruppe vom emotionalen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, einem verletzten Cowboy, der die Liebe seines Lebens aus den Fängen der Kannibalen befreien will. In Interaktion miteinander funktionieren die Charaktere dabei auch ausgezeichnet, Streitgespräche und Dialogspitzen liefern einige pointiert gesetzte Lacher und die Dynamik in der Gruppe sorgt dafür, dass man sie als Zuschauer gern bei ihrer Reise begleitet. Konflikte untereinander werden nur angedeutet, was dem Film im Ganzen aber keinen großen Abbruch tut.


Rat mal, wer zum Essen kommt...
Einen Hauptteil der Handlung nimmt die besagte Reise ein, die sich schnell als ein kräftezehrender und gefährlicher Trip entpuppt. Für alle Beteiligten wird der Weg zu einem Kampf mit der widerspenstigen Wildnis und im speziellen Fall von Patrick Wilson und seinem gebrochenen Bein auch mit sich selbst. Diesen Überlebenskampf fängt Zahler in langsamen, aber sehr stilsicheren Bildern ein und lässt die Szenerie damit zu einem unbarmherzigen und ungemütlichen Ort werden. Die ein oder andere Straffung in den ersten zwei Drittel hätte dem Film dabei sicher gut getan, zwar verkommt er trotz langsamen Pacing nie zu einem Langweiler, durch eine etwas rasantere und zielstrebigere Inszenierung hätte man jedoch noch deutlich mehr Potential aus dem Film kitzeln können. Im mitreißenden Finale wirft „Bone Tomahawk“ dann schließlich seine komplette Langsamkeit über Bord und schafft es zu einem rasanten Actionspektakel zu werden. Hier zeigt sich auch warum der Film als Horrorfilm betitelt wird, mit expliziten Gewaltszenen versehen gelingt es dem Höhepunkt zu einem brachialen und mitreißenden Kampf zu werden, indem beide Parteien miteinander kollidieren und physische Gewalt erbarmungslos aneinander kracht. Durch die vorangegangene Ruhe der Inszenierung wirken die Gewaltspitzen noch heftiger und erzeugen allein schon durch ihr plötzliches und unbarmherziges Auftreten für Spannung.


In seinem Regiedebüt beweist Craig Zahler nicht nur Gespür fürs Westerngenre, sondern schafft es auch atmosphärisch stimmige Bilder zu erzeugen. Zwar hätte der Film an manchen Ecken durchaus eine Straffung vertragen können, das dahinter stehende Gerüst weiß jedoch zu überzeugen. Ein eigensinnig, aber durchaus geglücktes Experiment, dass Zahler auf jeden Fall zu einem Regisseur macht, den man in den nächsten Jahren im Auge behalten sollte.

6 von 10 gespaltene Schädel

von Vitellone

Review: RAVENOUS - FRISS ODER STIRB - Sterben als Mensch oder überleben als Bestie?

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Fakten:
Ravenous – Friss oder stirb (Ravenous)
GB, USA, CZ, 1999. Regie: Antonia Bird. Buch: Ted Griffin. Mit: Guy Pearce, Robert Carlyle, Jeffrey Jones, Jeremy Davies, David Arquette, Stephen Spinella, Neal McDonough, John Spencer, Joseph Running Fox, Sheila Tousey u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
1847: Captain John Boyd wird während des Kriegs zwischen den USA und Mexiko wegen inakzeptablen Verhaltens strafversetzt. In dem abgelegenen Ford Spencer soll er mit einer Hand voll ähnlich untragbaren Soldaten vergessen werden. Eines Abends taucht dort der fast erfrorene und verhungerte Colqhoun auf, der ihnen eine grauenhafte Geschichte erzählt. Sein Track geriet in einen Schneesturm, flüchtete sich in eine Höhle und begann in höchster Not, sich gegenseitig zu verspeisen. Die Männer brechen auf, um eventuelle Überlebende zu retten. Schwerer Fehler…






Meinung:
Wer mit dem Ungeheuer kämpft, muss zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.“
Friedrich Nitzsche.

Schlimm, dass „Ravenous“ seinerzeit nicht nur ein deutscher Kinostart verwehrt wurde, gleich mit dem VHS-Release hatte er seinen Nischenplatz auf dem Index sicher, wodurch er lange sehr unbekannt und als ewiger Geheimtipp gehandelt wurde. Erst im letzten Jahr hatte die FSK endlich ein Erbarmen und versah diese lange ins Schattendasein verbannte Perle mit dem (total angemessenen) FSK: 18-Siegel. In Anbetracht einiger Schweinerein und Gewaltorgien, die sonst auch frei verkauft und beworben werden dürfen, ein ganz schlechter Scherz mit verspäteter Pointe.


Ausgehungert, aber das Festmahl lockt schon.
Die damalige Indizierung „verdiente“ sich der Film von Antonia Bird wohl eher nicht durch einen expliziten Härtegrad - obwohl „Ravenous“ in der Beziehung natürlich kein Kind von Traurigkeit ist – sondern eher durch seine grimmige Thematik und dem äußerst sarkastischen Umgang damit. Im Gegensatz zu so manch anderem grausamen und durchaus grenzwertigem Material verkommt dieser zynisch-kluge Genre-Flick jedoch niemals zum reinen Schlachtfest, hält sich in direkten Momenten sogar sehr dezent zurück, kann dafür mit sonst in dem Genre so unüblichen Merkmalen extrem Punkten und hinterlässt eindeutig den Eindruck, eben einen knüppelharten und ungemein bösen Film gesehen zu haben. Zumindest Letzteres ist eindeutig der Fall, was ihn – nicht nur, aber auch – zu den besten Beiträgen seiner Zunft in den ansonsten sehr müden 90ern macht, im zeitlich bedingten Kontext sogar zu so was wie einem herausragenden Meisterwerk.


„Ich würde ihnen auch abraten zu essen, aber die Meisten von uns müssen das wohl.“


Die Tischmanieren sind noch ausbaufähig.
Mit Ausnahme des (eleganten und fantastischen) Mainstream-Beitrag „Das Schweigen der Lämmer“ war Kannibalismus im Film eigentlich immer mit dem Exploitation-Schmuddel-Trash-Gore-Stigma versehen, nicht ganz unberechtigt. Selbst herausstechende Werke wie „Nackt und zerfleischt“ müssen sich irgendwie diesen Schuh anziehen. „Ravenous“ muss dies nicht. Weder Mainstream, noch Gore-Bauernhof, eine (mit 12 Millionen $ im Vergleich klar) kleine Produktion, die so hochwertig produziert und konzipiert ist, dass sich dahinter etliche andere, weitaus höher angesetzte  Vertreter vor Scham in kalter Erde vergraben müssten. Klasse inszeniert und mit einem überraschenden, sehr wohl durchdachten Skript versehen, das gekonnt den klassischen Wendigo-Mythos als Grundlage nutzt, um ein hochspannendes Schauerstück über Moral, Ethik, Überleben, fressen und gefressen werden zu erzählen. Man ist, was man isst. Oder eben nicht.

 
-„Entschuldigen sie: Sagten sie, sie haben drei Monate nichts gegessen?“
-„Ich sagte: Es gab drei Monate keine Nahrung, nicht, dass ich nichts gegessen hätte.“


Um Nachschlag wird gebeten.
Ein detailliertes, interessantes Setting, eine perfide Kreuzung aus schwarzem Humor und ergiebigen Spannungsmomenten, einer geschickt konstruierten Gegenüberstellung von Gewissensfragen und Selbsterhaltungstrieb, dazu hervorragend gespielt und unglaublich packend vertont. Mit Guy Pearce und dem eindrucksvoll agierenden Robert Carlyle zeigt „Ravenous“ ungeahnte Qualitäten eines Genre-Films auf, die sonst eher nebensächlich sind. Davon, wie den anderen, nicht unbedingt selbstverständlichen Stärken, profitiert dieses bitter-böse Märchen enorm. Behutsam aufgebaut, dafür mit einem grandios ansteigendem Plot und einem faustdicken Schlussakt im Gepäck beweist dieser Film, was aus dem Thema grundsätzlich machbar ist. Die Krönung des Ganzen ist der eindringliche, unvergessliche Score von Michael Nyman und Damon Albarn, der einem in der präzisen Kombination mit den entsprechenden Bildern und Momenten einen eiskalten Schauer den Rücken runter jagt.


Cleverer, spannender und vor allem wenig reißerischer wurde die Thematik selten bis nie verkauft, dazu mit so geringen Mitteln, die nicht im Ansatz bemerkbar sind. Allein deshalb ist „Ravenous“ nicht nur spitze, er ist absolut großartig, ein Glanzstück seines Genres und selbst für Leute, die sich bei dieser Gattung sofort angewidert umdrehen den Blick über die Schulter absolut wert. Das kann doch niemand bereuen. Nicht mal Vegetarier.

"Bon appétit." 

8,5 von 10 abgenagten Kadavern


Review: CRIME IS KING - Elvis has left the building

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Fakten:
Crime Is King (3000 Miles to Graceland)
USA, 2001. Regie: Demian Lichtenstein. Buch: Richard Recco, Demian Lichtenstein. Mit: Kurt Russell, Kevin Costner, Courteney Cox, David Kaye, Christian Slater, David Arquette, Bokeem Woodbine, Kevin Pollak, Thomas Haden Church, Jon Lovitz, Louis Lombardi, Ice-T u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Michael Zane ist gerade frisch aus dem Knast entlassen, steht jedoch schon direkt vor seinem nächsten Coup. Zusammen mit seinem skrupellosen Mithäftling Murphy und drei weiteren Kollegen will er während eines Elvis-Imitatoren-Wettbewerb ein Casino in Las Vegas ausrauben. Selbst allesamt King verkleidet betritt das Quintett das Casino, räumt den Tresor leer und flüchtet nach einer blutigen Schießerei mit der Kohle. Als es ums Aufteilen geht, zeigt Murphy wie viel er von Teamwork hält und entledigt sich seiner Partner. Nur Michael kommt davon, schnappt sich die Beute und flieht – unfreiwillig – mit der gerissenen Betrügerin Cybil sowie deren Sohn Jesse. Murphy versteht da keinen Spaß, macht sich auf die Suche nach „seinem“ Geld und natürlich sind auch die Cops ihnen schon auf der Spur.






Meinung:
Regisseur und Co-Autor Demian Lichtenstein versucht mit aller Macht, einen coolen und ruppigen Gangsterfilm im Fahrwasser von Quentin Tarantino hochzuziehen, gelingen will ihm das dabei nicht ansatzweise. Maximal die Ausgangslage um als Elvis-Imitatoren getarnte Gauner, die während eines Wettbewerbs in Las Vegas ein Casino erleichtern, hat ein gewisses Potenzial, beansprucht jedoch lediglich die Anfangsminuten des (insgesamt viel zu langen) Films, der sonst nur durch aufgesetzte Pseudo-Coolness, schrecklich geschrieben Figuren, ein lausiges Skript, dürftig inszenierte Actionsequenzen und einen zwar erstaunlich prominenten, dafür unfassbar verschenkten Cast auffällt.


Täuschend echt, besonders der Herr ganz rechts.
Tatsächlich tummelt sich in dieser holprigen Räuberpistole fast ein Dutzend bekannter Gesichter, von denen ein Großteil allerdings nur auf eine sehr begrenzte Screentime kommt. Lediglich Kurt Russell, Kevin Costner und Courteney Cox mussten scheinbar mehrere Tage am Set verbringen, wohl kein Problem, da sie sich zu der Zeit ohnehin alle im Karrieretief befanden und nicht gerade mit großen Rollenangeboten überschüttet wurden. Russell wirkt auch dementsprechend lustlos, Costner lässt sich zumindest in der ungewohnten Bad Ass Rolle etwas Spielfreude ansehen, was kaum davon ablenkt, dass er immer noch fehlbesetzt wirkt. Würde wahrscheinlich eh jeder in diesem klassischen Fall von gewollt und nicht gekonnt. Eins schafft Liechtenstein unbestreitbar: Immer mindestens eine Figur zu haben, die man am liebsten in der Wüste aussetzen würde. In der ersten Minuten übernimmt diesen Job der dafür prädestinierte David Arquette. Sobald der das Maul aufmacht, wandert die Hand unweigerlich zur Fernbedienung. Das Thema hat sich bald erledigt, doch keine Angst, es gibt ja immer noch diesen altklugen und ach so aufgeweckten Dreikäsehoch, was für ein ätzendes Kack-Kind. Schade eigentlich, dass sich beinah jeder Regisseur an das ungeschriebene Gesetz hält, dass Kids selbst in solchen Bodcount-Streifen unantastbar sind, die eine Kugel mehr oder weniger…


Machen sogar synchron zum Hampelmann: Costner & Russell.
Geballert wird in „Crime Is King“ schon recht ordentlich, gut umgesetzt wird das weniger. Das üblichen, sinnlosen Zeitlupen-Geschrote, weil das in irgendeinem Film mal irgendwann ganz cool ausgesehen hat. Wenn alle paar Minuten mal wer mit Blei vollgepumpt wird, merkt vielleicht niemand, wie lahm und unnötig plattgewalzt die eigentliche Handlung doch ist. Aus dem anfänglichen Heist- wird ein Roadmovie, voll mit Logikschlaglöchern, und nicht einer Idee, die als wirklich gut oder besonders kreativ bezeichnet werden könnte. Von dieser schwachsinnigen Beziehung zwischen Russell/Cox und der kleinen Arschkrampe ganz zu schweigen. Auf Teufel komm raus, fast schon verzweifelt, will dieser Film geil sein, nur hat Liechtenstein offensichtlich überhaupt keinen Plan davon, wie das bei seinen großen Vorbildern eigentlich funktioniert. Er versucht wirklich alles: Blut, lässige Sprüche, ein rücksichtloser Bad-Guy-Psychopath, krampfhafte Humoreinlagen, nichts davon zündet. Stattdessen zieht sich der Film immer mehr in die Länge, obwohl das die Geschichte überhaupt nicht hergibt. Seine Herkunft als Musikvideo-Regisseur ist überdeutlich, da muss man sich mit so was ja auch nicht beschäftigen. Deutlich kürzer, nicht so gezwungen und eventuell im Wesentlichen nur auf den eigentlichen Überfall konzentriert, dann hätte „Crime Is King“ vielleicht sogar eine Chance. Mehr Raum für die Nebenfiguren, bessere Actionszenen, sagen wir mal so, einfach alles nur halbwegs vernünftig machen, das hätte ein ganz unterhaltsamer B-Film sein können.


Hätte, hätte, Damentoilette. Schade um die Idee mit der Elvis-Gang, schade um einen bemühten, aber unglücklichen Costner und um Russell sowieso. Nur um Lichtenstein ist es nicht schade. Was macht der heute nochmal gleich? Dann hat er wohl seine Berufung gefunden.
  
3,5 von 10 registrierten Scheinen

Review: SCREAM 1 - 3 - "Was ist dein Lieblingshorrorfilm?"

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Fakten:
Scream – Schrei! (Scream)
USA, 1996. Regie: Wes Craven. Buch: Kevin Williamson. Mit: Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Skeet Ulrich, Matthew Lillard, Jamie Kennedy, Rose McGowan, Henry Winkler, Drew Barrymore, Liev Schreiber u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein maskierter Killer geht in der Kleinstadt Woodsboro um. Sidney kann ihm in letzter Sekunde entkommen, wird ihn aber nicht los. Das Morden geht weiter, jeder ist verdächtig, jeder könnte das nächste Opfer sein. Und Sidney scheint auf der Liste des Killer ganz oben zu stehen.





Meinung:
Als der Horrorfilm, speziell der Slasher, praktisch tot und begraben war gelang Wes Craven Mitte der 90er der ganz große Wurf. Mit "Scream" belebte er nicht nur ein ganzes Genre wieder und sorgte für einen neuen Hype, er warf gleichzeitig einem enorm ironischen und selbstreflektierten Blick auf dessen Eigenarten, Methoden und Mechanismen. Für Craven war es selbst ein Comeback, nachdem seine letzten Filme niemanden mehr ernsthaft begeistern konnten und der Schöpfer so wegweisender Werke wie "The Last House on the Left", "The Hills Have Eyes" oder "A Nightmare on Elm Street" schon wie ein altersschwaches Relikt vergangener Tage wirkte. Dazu muss jedoch relativierend gesagt werden: Bis auf diesen Film (und mit Abstrichen die Sequels) war es nur ein Aufbäumen und das größere Lob gebührt eindeutig Autor Kevin Williamson. Ohne dessen Skript wäre der Film nicht mal die Hälfte wert. Wie wichtig er für den Erfolg und die Qualität war machte sich schmerzlich bemerkbar, als er beim dritten Teil nicht mit an Bord war.


Nicht ganz richtig, der Film heißt "Scream" nicht "Cry"
Schon die Eröffnungssequenz ist ein kleiner Knaller und bezeichnend für das, was "Scream" über die gesamte Laufzeit ausmacht. Spannend, mit rasanten Tempowechseln, einem bitter-bösen, sarkastischem Humor, dabei schön augenzwinkernd und voller Anspielungen auf bekannte Horrorfilme. Mal ganz direkt, mal leicht durch die Blume. "Scream" ist gleichwohl Hommage wie Neustart des Genres, beruft sich auf alte Stärken, verkauft sich enorm Zeitgemäß und weit intelligenter als die meisten der großen Vorbilder. Da werden Klischees direkt an- und ausgesprochen, sich über gewisse Abläufe und Verhaltensmuster lustig gemacht, nur um diese kurz darauf selbst (bewusst) zu bedienen. Sehr respektvoll, durchdacht und schwungvoll. Unzähligen Querverweise und Anspielungen werden in einen dynamischen Slasher verpackt, der ganz nebenbei eines der besten Whodunit-Rätselspielchen seines Genres vorführt. Jeder ist verdächtig, jeder könnte ein Motiv haben und wenn es nur das ist, keins zu haben. Craven und Williamson lassen bis zum Schluss alle Möglichkeiten offen, lenken die Verdachtsmomente hin und her und halten damit die Spannung enorm hoch. Das gepaart mit seinem ironischen Grundton ergibt einen modernen Klassiker des Horrorfilms.


"...wie aus einem Wes Carpenter-Film entsprungen"


War damals eine kleine Sensation und funktioniert heute kein Stück schlechter. Ganz im Gegenteil, wie kreativ und liebevoll hier zu Werke gegangen wurde wird gerade aktuell so ersichtlich, wo das Genre in der Folter- und Remakeschleife gefangen scheint und dringend wieder so etwas nötig hätte. Der Horrorfilm einer neuen Generation, die wohl erst durch ihn wussten, wer die Morde in "Freitag, der 13." beging.


8 von 10 toten Filmnerds. 




Fakten:
Scream 2
USA, 1997. Regie: Wes Craven. Buc: Kevin Williamson. Mit: Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Jamie Kennedy, Liev Schreiber, Jerry O'Connell, Sarah Michelle Gellar, Timothy Olyphant, Laurie Metcalf, Jada Pinkett, Omar Epps, Heather Graham, Tori Spelling, Luke Wilson, Joshua Jackson u.a. Länge: 120 Minuten.
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
2 Jahre sind seit den Woodsboro-Morden vergangen. Sidney ist inzwischen auf dem College und hat die Ereignisse relativ gut verarbeitet. Das hat auch Reporterin Gale Weathers: Zu einem Buch, welches als "Stab" verfilmt wurde. Bei der Premiere schlägt plötzlich wieder ein maskierter Killer zu. Sidney und die anderen Überlebenden aus Woodsboro werden erneut bedroht, doch wer steckt hinter der Maske...und warum?





Meinung:
Wes Craven und Kevin Williamson setzten ihren Überraschungshit "Scream" konsequent fort und bleiben dankenswerterweise ihrem Stil treu. Auch "Scream 2" überzeugt nicht nur als reiner Slasher, sondern kann ganz besonders durch seinen sarkastischen Witz und das Spiel mit den Genreregeln überzeugen. Das Niveau der Erstlings erreichen sie dabei zeitweise, über die gesamte Laufzeit dann doch leider nicht. Die Eröffnungssequenz, in Teil 1 eines der Highlights, gelingt abermals hervorragend und versetzt den Zuschauer sofort wieder in die liebgewonnene Stimmung des Originals. Die Idee mit dem Film im Film ist herrlich und sorgt für reichlich Grinsen. Die witzigen Anspielungen auf den Vorgänger sowie das befolgen der direkt erwähnten Sequel-Regeln machen mächtig Spaß, "Scream 2" ist an manchen Stellen fast auf Augenhöhe mit dem Original. Doch es gibt diesmal einige Wehrmutstropfen, die so nicht hätten sein müssen.


Doof! Mit Maske kann man kein Popcorn essen
Mit zwei Stunden Laufzeit ist der Film einfach etwas zu lang geraten, zumindest wurde die Zeit nicht immer adäquat gefüllt. Manchmal schleift die Handlung etwas, kleine Längen sind nicht zu leugnen. Ganz besonders, da einen große Stärke aus Teil eins nicht mehr so zum Tragen kommt: Das clevere Verwirrspiel um die Identität des Killers gelingt nicht mehr in dem Maße. Zwar wird sich darum bemüht, das echte Mitfiebern- und raten will sich dabei nicht einstellen. Statt alle Figuren als mögliche Täter zu präsentieren, laufen einige Personen nebenher und wer sich seine Gedanken macht, warum hier wohl einige Leutchen so durchs Bild huschen, bei dem dürfte der Überraschungsmoment nicht mehr besonders hoch sein. Einzig das Motiv fehlt, welches natürlich zum Schluss gelüftet und ausführlich erläutert wird. Auch da lässt "Scream 2" Federn, speziell das total überdrehte Spiel und die sehr weit hergeholte Auflösung wirkt etwas erzwungen und over the top. Der große Knall ist das nicht mehr, die Sequel-Krankheit schlägt zu, obwohl man gerade diesem Film mehr hätte zutrauen können. Schließlich wird das Kind vorher ja beim Namen genannt, die Eigenschaften von Fortsetzungen aufgezählt, warum wurden dann bekannte Schwächen nicht vermieden? Um die Regel zu bestätigen? Wenn, dann nicht sehr glücklich.


"Scream 2" startet toll, leider geht ihm mit fortlaufender Zeit etwas die Puste aus. Dennoch, eine ordentliche Fortsetzung mit Charme und Witz, nur ohne die Originalität und mit deutlicheren Schwächen als sein Vorgänger. Mit Abstrichen ganz gelungen.


6,5 von 10 Nachahmern




Fakten:
Scream 3
USA, 2000. Regie: Wes Craven. Buch: Ehren Kruger. Mit: Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Patrick Dempsey, Scott Foley, Lance Henriksen, Emily Mortimer, Liev Schreiber, Matt Keeslar, Parker Posey, Jenny McCarthy, Dean Ri
chmond u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Woodsboro-Morde liefern den Stoff für die Erfolgsfilme "Stab", die Dreharbeiten zum dritten Teil laufen auf Hochtouren. Plötzlich sterben wieder Menschen, der Ghostface-Killer ist zurück. Erneut müssen Sidney, Gayle und Dewey um ihr Leben fürchten. Mit ihnen ihre Alter Egos, eine Truppe Schauspieler, die sie in dem Film verkörpern. Diesmal soll es der Finale Akt werden, denn es endet nicht zufällig hier...





Meinung:
"Scream 3", der (ursprüngliche) Abschluss der von vornherein geplanten Trilogie von Wes Craven, ist leider eine herbe Enttäuschung geworden. Am schmerzhafteste macht sich der Verlust von Autor Kevin Williamson bemerkbar. Das Skript von Ehren Kruger ist nicht ansatzweise so clever und kreativ wie das der Vorgänger und ohne die interessante Grundidee sowie einige nette Auftritte würde kaum was positiv hängen bleiben.


The Beauty and the Nerd
Teil 3 kommt lange nicht mehr so dynamisch und flott daher, wirkt stellenweise eher konfus und liefert eine unglaublich unbefriedigende und leicht dämliche Auflösung, mit der der Kreis ja endgültig geschlossen werden sollte. Wird es theoretisch ja auch, nur das hatten sich viele wohl anders vorgestellt. Mit was für einem ultra-konstruierten Unfug der Fangemeinde hier konfrontiert wird, grenzt schon an eine Unverschämtheit. Das Finale ist der Tiefpunkt der gesamten Reihe, obwohl es wohl als Höhepunkt konzipiert war. In wie weit das auf das Fehlen von Williamson zurückzuführen ist oder schon vorher feststand, lässt sich nur spekulieren. Vielleicht eine gute Wahl von ihm, sich hier nicht mehr zu beteiligen.


"Hab dich! Du bist."
Zumindest die schon im zweiten Teil vorhandene, hier komplett ausgelebte Film-in-Film-Idee ist ganz unterhaltsam und sorgt für ein paar gelungene Momente. Kleine Gastauftritte bekannter Gesichter können ganz gut gefallen (u.a. Carrie Fisher oder "Jay & Silent Bob"), besonders die Besetzung von B-Movie-Ikone Lance Henriksen als B-Movie-Regisseur hat Charme. Sonst holpert das Skript arm an Highlights vor sich hin, wirkt gequält zusammengebastelt und konzentriert sich ausschließlich auf seine Schlusspointe, über dessen Qualiät ja bereits alles gesagt wurde. Der einst so innovativ-kreative Slasher "Scream" baut im (eigentlichen) Finale extrem deutlich ab und wirkt zwanghaft um das bemüht, was ihn anfangs so hervorragend machte.


Nur noch ein Schatten seiner selbst und gerade so noch erträglich. Mit dem verspäteten Nachleger 11 Jahre später konnte Craven wenigstens das Ganze etwas versöhnlicher abschließen. Da war Williamson auch wieder dabei. Man merkt es.


5 von 10 lahmen Abschlüssen


von JackoXL


Noch nicht genug vom Schreien? Hier geht’s zu unserer „Scream 4“-Review